Marlene Remen

Die Zeitreise 5. Teil

Im vorderen Einband des Heftchens stand in altdeutscher Schrift geschrieben :
Für meinen lieben Peter von Mutter, schreibe hier alles hinein, aber bringe es
mir wieder mit, wenn du nach Hause kommst.
Auch wenn Tom ein wenig Mühe hatte, es zu lesen, es gelang ihm doch. In der
Schule hatten sie das Thema altdeutsche Schrift einmal durch genommen.

Der erste Eintrag war mit dem Datum vom 31. Januar 1940 überschrieben.

Waren heute ganz nah an der französischen Grenze im Einsatz , meine Truppe und
ich. Die Granatfeuer flogen uns nur so um die Ohren, viele meiner Kameraden wurden
verletzt. Darunter war auch Jean, der eigentlich aus dem Elsass kam. War aber mit
seiner Familie vor Ausbruch des Krieges nach Deutschland gekommen. Er sagte mir
mal, egal, wo sie wohnen würden, der Elsass aber auch Deutschland sei seine Heimat.
Er fühle sich eher als Deutscher und darum wäre er auch hier zur Armee gegangen.
Wir Beide hatten ein gutes Verhältnis, er war immer ein lustiger Kerl gewesen.
Eine Sanitätseinheit holte die Verletzten aus dem Kampfgebiet, darunter auch Jean.
Das war das letzte Mal, wo ich ihn sah.

Zweiter Eintrag vom 15. April 1940

Wie lange ich hier schon im Lazarett gelegen habe, dies hat mir ein Sani gesagt.
Drei Monate schon, von denen ich fast nichts mitbekommen habe. Mehrere größere
Granatsplitter haben mich getroffen, bin fast nicht gefunden worden, als die Sanis
die Verletzten eingesammelt hatten. Es würde an ein Wunder grenzen, daß ich noch
lebe, hab soviel Blut verloren und meine Beine sind notdürftig wieder geflickt
worden. Wochenlang mit Fieber gelegen und nur noch wirres Zeug geredet. Bin nun
wieder in der Kaserne in Saarbrücken, im Lazarett, für mich ist der Krieg vorbei.

Dritter Eintrag vom 25. August 1940

Heute kam der Sani zu mir und hat mir 3 Briefe mitgebracht. Einer von Mutter und noch
zwei, die aber in Frankreich abgestempelt worden sind. Hat mich sehr gewundert,
kenne Niemanden in Frankreich. Eine junge Frau mit Namen Madeleine schrieb mir, wie
sehr sie mich vermiße und wie sehr sie mich lieben würde. Das ist merkwürdig, ich kenne
keine Madeleine und auch den Ort nicht, den sie erwähnt hat. Das muß doch ein Irrtum
sein, mein Name ist Peter, aber nicht Pierre. Es kommen immer mehr Briefe, in einem
war auch eine Fotographie von ihr dabei. Sehr hübsch, ja, das ist sie, aber, ich kenne
sie nicht.

Vierter Eintrag vom 18. Mai 1941

Immer wieder kriege ich Post von dieser Madeleine und die Sanis grinsen sich eins.
Die letzten beiden Briefe kamen aus der Schweiz, wie hat sie es nur geschafft, daß
sie zugestellt worden sind ? Werde bald in ein Krankenhaus verlegt, welches nicht
so im Angriffsgebiet liegt. Dort sollen meine Beine noch mal operiert werden und ich
hoffe, das Laufen geht dann besser. Danach gehts nach Hause, Krüppel brauchen
die nicht in der Armee. Kann mir egal sein, für mich ist der Krieg dann wirklich vorbei.

Fünfter Eintrag vom 2. September 1941

Hab im Krankenhaus einen alten Kameraden getroffen, der auch in meiner Truppe
war. Wir unterhalten uns viel über die alten Zeiten und die ehemaligen Kameraden.
Er hat mir auch gesagt, daß Jean den Fronteinsatz damals nicht überlebt hat. Er war
mit Jean auf einer Stube in der Kaserne und er, Jean, hat ihm einiges von seinen
etlichen Liebschaften erzählt. Darunter sei auch eine Madeleine gewesen und er hatte
meinen Namen als seinen angegeben. Jetzt war mir Einiges klar, so ein Filou, dieser Jean.
Was er dieser jungen Frau damit angetan hatte, war ihm wohl egal.
Sobald es irgendwie geht, will ich ihr alles erklären.

Sechster Eintrag vom 22. Dezember 1941

Bin endlich wieder zu Hause, Mutter ist glücklich und die Geschwister auch.
Sobald es geht, werde ich mich um den Garten kümmern, das Haus instand setzen.

Siebter Eintrag vom 25. Dezember 1941

Es ist Weihnachten, habe von Mutter eine kleine Holzschatulle geschenkt bekommen.
Sie ist noch von Großmutter gewesen. Darin werde ich die Briefe, die Fotographie und
mein Notizheftchen aufheben. Dieser verdammte Krieg wird hoffentlich bald zu Ende
sein und dann werde ich versuchen, Madeleine alles zu erklären.

Tom schloß das Heftchen und legte es wieder in die Vertiefung der Schatulle. Auch die
Briefe gab er hinein und verschloß sie. Er nahm sich vor, mit den Eltern darüber zu
sprechen. Sie sollten entscheiden, was damit geschah. Er, Tom, hatte nun so einiges
über seinen Opa erfahren, wovon er nichts gewußt hatte. Das brachte ihm Opa
noch näher.



 

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