Christa Astl

Das Licht und die Stille


 
 
Am 2. Februar wird in der katholischen Kirche das Fest Maria Lichtmess gefeiert, auch „Darstellung des Herrn“ genannt. Dieses Fest ist 40 Tage nach Weihnachten. 40 ist eine symbolische Zahl, die dann in der 40-tägigen Fastenzeit nochmals aufscheint, und von Ostern bis Christi Himmelfahrt sind es noch einmal 40 Tage.
Es war das Fest, an dem sich Maria und Josef „freikaufen“ mussten von der Sünde. Frauen durften damals nach der Entbindung nicht in die Kirche, sie mussten einige Wochen zu Hause bleiben, wurden dann „eingesegnet“. Die Kinder wurden schon gleich nach der Geburt getauft.
 
In der Bibel heißt es bei Johannes 8,12: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
 
Das Licht der Welt, Gott als ein Licht, das uns erhellt, uns leuchtet, gerade in unseren dunklen Tagen. Dieses Gottesbild kann ich annehmen. Gott/Jesus wird nicht als Person gesehen, verehrt, angebetet. Er wird hier als ein „Licht“ gezeigt. Ein Licht, das hell, strahlend ist, das wir nicht anschauen können. Es blendet uns. Es ver- blendet nicht, dazu ist es zu intensiv, zu vollkommen. Es sind ja im Licht, im Weiß in der Mitte des Lichtes, alle Farben vereinigt. So alles umfassend, alles einschließend muss auch das „Licht“ Gottes sein!
Während des Gottesdienstes werden Kerzen geweiht. Manche Menschen bringen Schachteln vol Kerzen mit (vielleicht auch die symbolischen 40?), die sie dann zu Hause, in Hauskapellen oder auf den Gräbern anzünden.
Zu Beginn verteilen Ministranten an die Besucher kleine dünne Kerzen. Nach der Segnung werden sie bei einem spirituellen Lichtgesang vor dem Evangelium entzündet. Es sieht schön aus, bildet eine Gemeinschaft, wenn jeder Teilnehmer seine Kerze in Händen hält.
Das besondere Erlebnis für mich war die anschließende minutenlange Stille. Kein Wort, kein Ton, kein Husten oder Räuspern, nur Stille. Und vor jedem Gläubigen das Licht, in dessen Flamme man sich versenken konnte, mit der man symbolisch verschmelzen konnte, die man in sich aufnehmen konnte, um sich irgendwann an seiner Helligkeit und Wärme zu erfreuen.
Es gibt ja so viele Situationen im Leben eines Menschen, wo er „ein Licht“ braucht. Jemanden, der Antwort gibt, der ihn führt, leitet, ihm den Weg zeigt. Jemand, der tröstet, hält, umarmt. Jemand finden, der in der Masse rundum nicht zu finden ist.
Die Masse rennt, hetzt, sieht die Reklame, die Neonleuchtschriften, kaltes, grelles Licht. Kalt, egoistisch, auf sich bezogen werden die Menschen, grell ist ihre Stimme, ihr Lachen. das wie mit Knopfdruck ein- und ausgeschaltet werden kann.
Nicht zu vergleichen mit dem lebendigen Licht einer echten Kerze. Es flackert zeitweise, ist unruhig, um dann doch einen milden Schein zu verbreiten, der einen ganzen Raum erhellen kann. Es weist einen Weg, wenn es sturmgeschützt getragen wird. Es wärmt die Hände, zeigt, ans Fenster gestellt, hier ist jemand, hier findest du Ruhe, die Stille, um zu dir zu kommen.
Und jenes Licht und die Stille konnte ich in eben diesen Momenten spüren.
 
 
ChA 02.02.2014

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