Elke Müller

Geliebtes fernes Land AMERIKA

Unruhig wälzte sich Ashley von einer Seite auf die andere. Die halbe Nacht lag sie schon halb wach im Bett und fand einfach keinen Schlaf. Starrte die Zimmerdecke an und fragte sich, was aus ihnen werden sollte. „ Ich habe nie dieses lockere Leben geliebt, aber immerhin konnte ich meine Zeit einteilen und mit meinen Freunden abhängen, wie ich Lust und Laune hatte. Aber Heika?“ Ständig kreisten nun ihre Gedanken um ihn. Besser gesagt, um die Worte, die er ihr bei ihrem letzten Zusammentreffen an den Kopf geworfen hatte. Seine starken Arme, die sie an sich drückten, seine Liebesgeständnisse... und Sex. Dieses Verlangen wollte sie sich am wenigsten eingestehen. Als sie seine Stimme am nächsten Morgen hörte, lief sie herbei und spürte ihr Herz rasend pochen. Sie lehnte sich gegen den Türrahmen, abgewandt von allen, so das man sie nicht gleich sah. Sie ist mit den Jahren immer hübscher geworden. Die langen Haare trug sie zu einen dicken Zopf geflochten, welcher weit über ihre Taille reichte. Die ganze Familie, nebst Heika und dessen Vater, befanden sich im großen Wohnzimmer. Gedankenversunken verharrte Ashley, bis sie eine Bewegung neben sich wahrnahm und gerade noch einige Wortfetzen verstand... wie Hochzeit... Ihr Vater stand auf und lief nun auf und ab. Heika betrachtete sie dabei wohlgefällig. „ Mich interessiert aber nur die Eine. Sie kam mir wie eine verheißungsvolle Blume vor, die nur für Auserwählte blüht. Bis ich sie kennen lernte, wusste ich einfach nicht, was ich verpasste. Es war etwas in Bewegung gekommen, das über mich hereinbrach wie ein Tornado. Mir gefällt alles an ihr. Weil ich sie immer mehr mag, je länger ich sie sehe, weil sie so schön ist, das es richtig weh tut... ihre Liebenswürdigkeit... die Art, wie sie mich sieht.... Ich möchte eine Frau, die sich nicht vor Arbeit scheut. Einen Menschen mit Charakter und Seele. Es wird kein leichtes Leben für eine Frau werden. Aber mir gefällt ihr Tatendrang und ihre Bereitwilligkeit neue Dinge zu erlernen.... Deshalb möchte ich... um die Hand von Ashley bitten.“ Ihr Vater sah sie ganz seltsam an. Sagte dann kopfschüttelnd, das er die Liebe wohl nie begreife, da sie ein zivilisiertes Mädchen und er ein Wilder ist, ob dies je gut gehen könne. „ Ich kenne solche Typen genau, als lästige Klugschwätzer, in jeder größeren Gruppe ist solch ein Exemplar vertreten und wird es nie besonders weit bringen.“ Abigail erhebt sich, geht ohne jemandem eines Blickes zu würdigen an allen vorbei ins Freie. Die alte Esther fuhr wütend herum. Ihre Augen richteten sich voller Zorn auf ihren Sohn. „ Was sagst du da? Er ist der Sohn des Häuptlings! Wie kannst du nur, Jamie Hettwick! Der Junge ist in Ordnung, du siehst doch, er ist ehrlich! Aus den beiden jungen Herzen spricht die Liebe! Freilich, die Wildnis ist schön, wenn auch gefährlich. Wildtiere sind nun mal nicht menschlich und Wildheit ist nicht zähmbar... Indianer sind andere Menschen, die wir erst einmal studieren und ihre Sitten und Gebräuche verstehen müssen, um ihr vertrauen zu gewinnen. Sie halten an ihren Glauben fest, der sitzt nämlich viel tiefer als man so ahnt. Auch ist es schwer einem Indianer etwas zu entlocken, denn er hütet seine Geheimnisse vor den Weißen. Lieber beißt er sich die Zunge ab! Dabei haben sie vorzügliche Charaktereigenschaften! Wenn du einen Indianer einmal zum Freund hast, dann bleibt er es so lange, wie du ehrlich gegen ihn bist. Immerhin bedenke, das wir in ihren Augen schwerreiche Leute sind, denn wir besitzen Gewehre, Pistolen, Messer, Decken, Konserven, viele Lebensmittel aller Art, Hosen, Hemden, Kleider, Jacken und Schuhe, Stoffe und hunderterlei verschiedene Geschenkartikel.... Abigail, ein Sohn der großen Wildnis wird zusehen müssen, wie das Land von den vorrückenden Weißen immer mehr erschlossen wird. Kein sträuben wird helfen. Die Zeit steht nicht still. All die Schlechtigkeiten unserer Zivilisation müssen sie bewältigen und ich kann dir jetzt schon sagen, das Schlechte greift viel eher um sich als das Gute... Und Heika, …. hat so manche schlimme Sache durchgemacht, ist ein grimmiger Gegner der Weißen. Deshalb wurde er in die Stadt zur Schule geschickt, damit er die Weißen kennen lernt und anders über sie denkt! Er wird sicher einmal zum Häuptling ernannt, weil er der Stärkste seines Stammes, der tüchtigste Jäger, der beste Tänzer und der hervorragendste Sänger ist. Er war schon immer ein bisschen anders als andere Kinder. Hat einen besonderen Scharfsinn und an Erkenntnis übertrifft er alle. Dieser unbestechliche Blick, das leidenschaftliche raubtierhafte seines Zugriffs... einfach beneidenswert. Er ist aus hartem Holz geschnitzt und ein Stück seiner unvergänglichen Natur. Aber auch er kann nicht verhindern, das die Zivilisation immer weitere kreise zieht, die wilden Tiere aussterben und der Fluss nicht mehr ihnen alleine gehört. Noch verstehen sie es nicht. Wer es nicht anders kennt, der findet es auch in der Hölle schön. Es ist wie bei einen Bogen, wenn man diesen zu sehr anspannt geht er entzwei.... Jedenfalls bin ich sehr enttäuscht über deine Einstellung, mein Sohn. Immerhin haben wir ihnen auch ihre heiligen Berge die Black Hills genommen, obwohl sie heute auch eine besondere Bedeutung für uns haben.... Ikonen wie der Mt. Rushmore sind Pilgerziele für Patrioten aus dem ganzen Land. Eigentlich ist es unsere Pflicht den Indianern zu helfen, denn wir haben sie zu dem gemacht, was sie heute sind!“ „ Das ist Sache des Staates!“ „ Der Staat? Dort wird über einen entschieden! Ich allerdings entscheide gerne selbst. Es bringt überhaupt nichts, in dieses undurchsichtige System noch mehr Geld zu pumpen. Wer so handelt braucht Verbündete. Bei so viel Verantwortlichkeit beschleicht einem ein dummes Gefühl. Wo so viel geregelt werden muss, muss auch viel im Argen liegen. Ich finde unseren politischen Prozess vergiftet. Sich gegenseitig zu helfen, das Gefühl, nicht nutzlos zu sein, dies ist der rechte Weg... Deine Halsstarrigkeit ist ein schwerer Schlag für Abigail. Er ist sehr tolerant, wird nichts sagen, aber insgeheim ärgert er sich. Dabei wünscht er sich nur in Würde alt werden zu können. Es liegen sicher viele Angebote für Heika vor und...“ „ Sie werden doch einen Mann nicht gegen seinen Willen verheiraten, das hieße ja...“ rief Jamie aufgebracht. „ Man gibt ihm bestimmt eine Häuptlingstochter, vielleicht noch zwei andere Frauen dazu, das ist bei ihnen so Sitte, mein lieber Sohn.“ „ Es tut mir leid, wenn ich die Gefühle von Abigail verletzt habe, aber... Indianer und eine Weiße als Braut!... Es sieht nach Ärger aus... Die Kirche und die ganze Bevölkerung wird dagegn sein! Außerdem...“ „ Was? Sag schon!“ fragte die Mutter. „ Na ja... die Hautfarbe!“ „ Nun, wenn das alles ist, kann ich dich beruhigen. Die Indianer sind im Grunde genommen sehr hellhäutig. Die Kinder kommen hell zur Welt. Wenn sie, wie wir, zeitlebens Kleidung tragen, unterscheiden sie sich nicht weiter von uns. Die Sonne sorgt dafür das sie braun aussehen. Sie sind freilich wie die Teufel und befinden sich immer dort, wo sie kein anderer vermutet. Ich sehe in Abigail immer noch den selben Menschen vor mir. Aber ich sehe auch einen neuen Menschen, der frei ist und entfesselt und genau das macht, was er will und das ist grandios. Sie empfinden die Wildnis mit anderen Sinnen und lassen sich von ihr nicht unterkriegen... Mein Enkelkind ist ein gut erzogenes Mädchen, das sich noch von keinem Burschen anfassen lies. Sie ist ein übermütiges Kind mit ihrer ganzen Natürlichkeit. Dies hat zur Folge, das gerade deswegen die Blicke auf sie gerichtet sind. Auch was wir für richtig halten braucht durchaus nicht immer richtig sein! Ich kann sie gut verstehen.... Die Jugendlichen müssen sich von den Eltern endgültig trennen, um in ihrem Leben selber bestimmen zu können... Ich habe bestimmt sehr vieles gründlich falsch gemacht, aber auf eines bin ich stolz, dass ich die Hoffnung nicht verliere, immer wieder aufstehe. Unsere Zeit läuft ab. Wir haben in Wahrheit noch nichts erreicht. Aber die Menschen werden es schaffen, sie werden lernen ihr Leben zu gestalten... Nun Ashley, bist du gefragt, wenn man dir die Zähne zeigt, sei auch du bereit zum Kampf, horche auf dein Herz und folge nur deinen Gefühlen. Dem Feuer der Liebe kann keiner entfliehen.“.... Jetzt kann ich also entscheiden, was ich mit meinem Leben anfangen will! Nun, ich habe keine Lust auf Entscheidungen anderer Leute zu warten. Mein Leben gehört mir,“ antwortete Ashley, während sie Heika an die Hand nahm und in Richtung Treppe zog, um in ihr Zimmer zu gelangen. Kleine Blitze durchzuckten sie, die sie bis in ihren Bauch spüren konnte und es schien, als würden ihre Knien butterweich nachgeben. „ Ashley! … Bitte, versuche uns zu verstehen! … Wir wollen doch als Eltern … dich nur schützen und …,“ versuchte noch einmal verzweifelt ihre Mutter die Situation zu retten. „ Danke, nicht nötig. Wie kann man mit Worten Dinge wiedergeben für die es keine Sprache gibt. Für die Eindrücke des Herzens, für die Liebe, die er mir schenkt... Er hat Gefühle in mir geweckt, die ich noch nie kannte. Wie könnt ihr über jemanden Gericht halten, den ihr nicht kennt, ja gar ablehnt! Er ist ein Held, der Werte wie Freiheit, Frieden, Liebe und Menschenrechte vertritt. Ich ...ich fühle mich wie neu geboren... Ich weiß was ich tue, vertraut mir bitte.“ „ Das machen wir ja auch, wenn es der Wahrheit entspricht, was du sagst. Aber weißt du überhaupt.... was eine gute Ehe bedeutet? Dies ist harte Arbeit – von beiden Partnern! Man muss Kompromisse schließen und ständig neu um etwas Glück kämpfen. Und... und dies jeden Tag!“ Ashley drehte sich um, stieg ohne weiteres Wort zu sagen mit Heika im Schlepptau die Treppe hinauf, öffnete ihre Zimmertür und lies sie anschließend hinter sich ins Schloss laut einschnappen. Heika lehnte sich neben ihr an die Tür und konnte den Blick nicht von ihr losreisen. Plötzlich stemmte er seine Hände beiderseits von ihren Kopf gegen die Tür, küsste zart ihre Lippen. Sanft fuhr seine Hand über ihre Wange, wanderte weiter ihren Hals entlang und über ihr Dekollete um schließlich die Rundung ihrer Brust nach zu malen. Ashley stöhnte leise auf. „ Du fällst völlig aus den Rahmen von Frauen, die ich kenne. Du hast weder dieses Land noch mich je gekannt und trotzdem bist du dieses Risiko eingegangen. Als ich dich damals sah, habe ich mich Hals über Kopf verliebt. Du bist ein wunderbarer Mensch. Hast große Intelligenz, bist voller Ruhelosigkeit, sowie besitzt du die Bereitschaft zum Wagnis. Wahconshecheh ( böser Geist ) kann bei dir nichts ausrichten. Hast eben Courage. Ich glaube, alles was wie Abenteuer riecht ist eine Herausforderung für dich.“ Er zog Ashley in seine Arme. „ Du bist eine unglaublich erotische wunderschöne Frau mit sinnlichen Lippen. Du gehörst mir,“ flüsterte er, „ nur mir“ „ Dafür stehe ich vor vielen Rätseln, die dein Volk mir aufgibt und die auch du mir stellst. Jedes Mal versuche ich dir in die Augen zu sehen, um deine Seele zu ergründen, du jedoch machst die Augen zu schmalen Schlitzen, die nichts durchlassen und an denen meine Neugier abprallt. Früher habe ich mich nicht gekannt, fühlte mich unnütz, musste mich selber finden. Du hast mein Herz entführt. Ich habe vorher nie gewusst was Liebe ist. In deinen Armen wird jedes Wunder war, halt es fest, gib es nie wieder her, es soll nur dir gehören.“Ashley küsste ihn auf die Wange und fühlte die Arme, die sich fester um sie schlangen. Er beugte sich vor und küsste sie erneut. „ Oh die Liebe ist der reinste Wahnsinn und ansteckend noch obendrein.“ Sie schlang ihre Arme um seine Taille, hielt ihn fest. Tränen traten in ihre Augen. Dann legte sie ihren Kopf an seine Brust und fing an zu weinen.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.02.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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