Anna Hübner

Verloren in New York

                                                                         Ein ganz normaler Morgen, oder?
"Dad, mir geht es hier gut.......ich brauche deine Hilfe nicht!" murmelte ich in meine Cornflakes.Warum konnte er sich nicht mit Josh oder Jenny streiten? Warum mit mir? Meine beiden Geschwister saßen ,wie hypnotisiert, auf ihre Smartphones starrend am Frühstückstisch, das war genau die Hilfe die ich mir erhofft hatte. "Vannessa!", oho wenn er mich bei meinem ganzen Namen nannte konnte ich mich auf was gefasst machen."Du bist nicht mehr du seid dem 11. November!!!" jetzt brüllte er. Ich ließ den Löffel in meine sowieso verweichten Cornflakes fallen sodass die Milch spritzte."Ich muss los" eilig nahm ich meine Tasche und sprang ich auf um zur Tür hinaus zu stürzen. "Vanny...Vanny, warte doch....ich wollte nicht....es tut mir leid!" rief Dad verzweifelt.Ja, ja das kannten wir schon, jedesmal eine Entschuldigung wenn er mich an den schrecklichsten Tag meines kleinen Lebens erinnerten.Ich ging durchs Treppenhaus zur großen Haustür.Schwüle Sommerhitze schlug mir entgegen. und ich nahm den Weg zur Tram-Station. Aufmerksam betrachtete ich das rege Treiben auf Berlins Straßen.Ich spielte einen Moment mit dem Gedanken die Schule zu schwänzen um mich in eines der kleinen Cafes zu setzen, doch ich hatte weder das Geld noch die Nerven für eine dann anfallende Doppelstunde bei meiner Seelenklempnerin Frau Goldmann. Seid dem 11. November war ich ihr Patintin Nummer 1 und das konnten nicht viele von sich behaupten.Da kam die Straßenbahn und ich konzentrierte mich mehr auf die Frage wie ich den bevorstehenden Schultag überleben sollte. Ich war immer noch DAS Tuschelthema in der Schule.Mal davon abgesehen das ich mich in den letzten Jahren immer mehr zum Problemkind entwickelt hatte von schweren Magersuchtsanfällen bis zu leichtem Drogenkonsum und natürlich dem 11. November, war ich noch nie wirklich stolz auf mein Leben.Wer ist das schon bei so einer Vorgeschichte?Meine Haare ,! die ich mir nach dem Tod meiner Mutter blau gefärbt hatte, zogen einige missbilligende Blicke auf sich, aber warum sollte mich das stören?Vor meinen ganzen Abstürzen hatte ich auch zu den Leuten gehört die andere wegen eines solchen Merkmals schräg anguckten, doch es alles veränderte sich mit dem besagten Tod meiner ach so tollen Mutter. Marilyn Müller ,ursprünglich Amerikanerin, war die Vorzeigemutter gewesen.Angagiert,Liebevoll,verständnisvoll, konsequent, intelligent,nett,reich,hübsch,schlank und voller pädagogisch wertvoller Ratschläge.Tja, mit meinem Vater als Professor für Zahnmedizin eine perfekte Familie?Nicht mal ansatzweise,meine Mutter war eine der bakanntesten Ballettänzerinnen überhaupt und immer auf Tournee.Gemeinsame familiäre Abende gab es nicht, wir mussten sogar Weihnachten jedes mal über Skype feiern.Da fragt man sich doch was daran perfekt ist.Meine Mutter starb bei einem Hubschrauberabsturz in Singapur.Da sieht man es, sie konnte nicht mal hier in Deutschland sterben.Wieder musste die große Marilyn Müller anders sein.Das bimmeln holte mich zurück in die Gegenwart.Meine Station, endlich konnte ich dem stickigen Waggon entkommen.Ich drängte mich durch die Menschenmenge am Ausgang, was mit empörten Ausrufen von drei alten Damen quitiert wurde.Egal, hauptsache so schnell wie möglich den Tag hinter mich bringen.
                                                                    

                                                                          Mein verdammtes Herz
"Na wie geht es unserem Opfer heute?!" Tim ,der es sich zur Aufgabe gemacht hatte mein persönlicher Albtraum zu sein, kam von seinen Kumpels Gunnar und Mattis flankiert auf mich zu."Willst du nicht antworten,süße?" ,Tim war der typische Schulschwarm und leider ja,mein Ex.Ich versuchte mich an ihm vorbei zu schieben, aber er packte mich am Oberarm."Wo wollen wir denn hin?", flüsterte er nah an meinem Ohr und ich schauderte.Gunnar sowie Mattis lachten beschränkt-wie immer. "Tim...lass mich einfach los und verkriech dich wieder in dem Loch aus dem du gekommen bist,okay?","Nein nicht okay!", er zerqutschte meinen Arm fast.Hallo?Als wenn ich sein Teddy wär."Wir müssen reden, Vanny!",es tat verdammt weh meinen Spitznamen aus seinem Mund zu hören."Ich wüsste nicht worüber!" zischte ich und entriss meinen Arm seinem Griff, doch er bekam mich am Ärmel zu fassen.Tim zog mich komentarlos von G&M weg.In einem lehren Klassenzimmer machte er halt."Vanny, ich...ich...es tut mir leid...ich war ein...",er stammelte völlig untypisch für ihn vor sich hin."Wofür entschuldigt sich eigentlich jeder?!" knurrte ich ihn an. Und warum jetzt?!Es ist passiert,ob sie nun wollen oder nicht."Na für...alles...das ich nicht gesehen habe das es dir immer schlechter ging, das ich so egoistisch war und versucht habe alles zu übersehen,das....ich so ein Idiot war!","Ach das fällt dir jetzt ein nach.......mehreren Monaten ausgibiegem Mobbing?Ich bin nicht doof,Tim!", ahhh verdammt, das tat so weh.Seine Hand lag immer noch auf meinem Arm,doch ich konnte mich nicht überwinden sie abzuschütteln.Die aufkommenden Erinnerungen raubten mir für einen Moment den Atem."Lass uns alles vergessen und von vorne anfangen...ein Neustart,ja? Ich liebe dich...","Du bist genau wie alle anderen!!!Verdammt auch der 11.November ist Teil ! von mir. ..du kannst nicht einfach alles zertrümmert so liegen lassen und neu...!", Mist! Jetzt hatte ich zu viel gesagt."Ich dachte du gehst zu Frau Goldmann.Sie ist dafür da dich wieder aufzubauen...du musst dir helfen lassen,Vanny, du brauchst dringend Hilfe! Ich helfe dir indem du mir verzeihst und wir wieder....","Warum jetzt,Tim? Brauchst du einen neuen Artikel für die Schülerzeitung,oder was?Ich habe es satt das sich alle entschuldigen und mir ihre Hilfe aufdrängen!", er drehte meine Handgelenke sanft nach oben.Zwei hässliche Narben sprangen mir ins Auge und schienen zu sagen <<Du wirst niemals glücklich Vannessa Müller.Es wird wieder passieren>>.Wieder einmal riss ich mich los und diesmal riss auch mein Herz zum gefühlt hundertstenmal auf.Die neue Wunde schmerzte und ein eiskalter Klumpen bildete sich in meiner Brust.Ich ließ ihn stehen und verdrückte mich im Mädchenklo.Die beschmierten Kabinen luden einen geradezu zum heulen ein.Jetzt schwänzte ich doch die erste Stunde, das hätte ich auch gemütlicher in einem Cafe tun können.Mein Verstand verbot mir weiter über Tim nachzudenken, doch mein Herz wollte nicht hören.Heiße Tränen liefen über meine Wangen.Ich schlang die Arme um meine Knie und wigte mich hin und her.Vielleicht hätte ich den Vorschlag an eine andere Schule zu gehen annehmen sollen.Mein Mathelehrer krigte warscheinlich gerade....die Kriese.Nicht schlimm, ich mochte ihn sowieso nicht.Diesmla gelang es mir Tim aus meinen Gedanken zu verbannen.Manchmal wünschte ich mir ich hätte das Pokerface meiner Mutter geerbt, doch das Glück war ja bekanntlich nicht mit mir.Ich raffte mich auf um wenigstens noch etwas von der Mathestunde mit zu bekommen.Vor dem zerschlagenen Spiegel musterte ich mein verheultes Spiegelbild.Wenn man mich so zu Gesicht bekommen würde, sähe ich Frau Goldmann schneller wieder als mir eigentlich lieb war, aller! dings ko nnte ich ja meine kinnlangen blauen Haare ins Gesicht fallen lassen. Meine Mitschüler kannten mich so oder so nicht anders.Seufzend warf ich mir meinen Rucksack über die Schulter, wann durfte ich endlich aus diesem Albtraum aufwachen?

                                                                     Vergangenheit, ein mieser Verräter     
"Vanessa! Deine Aufmerksamkeit lässt zu wünschen übrig!", sechste Stunde Deutsch bei Herrn Meier und seid dem Morgen tausend kleine Zettel von Tim. Genervt sah ich zu ihm."Ich dulde so etwas nicht!.....Hörst du mir überhaupt zu?!" ,langsam kam er auf mich und meinen nervigen Tischnachbarn zu."Um ehrlich zu sein hatte ich gerade andere Probleme als den Aufbau einer Annalyse durchzugehen!",und eines dieser Probleme hieß Tim.Herr Meier fasste das natürlich ganz anders auf."Geht es dir gut?!Soll ich die Krankenschwester holen?",seine Stimme klang etwas hysterisch und er warf einen hastigen Blick auf meine Handgelenke. Na klar, wer tat das nicht seid dem 11.November? Alle schienen zu wissen was passiert war-außer ich. Mein Vater hatte mir zwar erzählt was passiert war, aber das warum verschwieg er mir noch heute.Ich sag es ja nur ungern aber mir fehlt meine komplette Vergangenheit.Nur mit alten Fotos und einige Tagebücher lebe ich.Der Anblick mancher Personen rief unbekannte Gefühle auf.Eigentlich sogar sehr praktisch das ich nichts mehr weiß wenn man bedenkt das ich angeblich einige Abstürze hatte, wäre da nicht noch diese eine offene Frage: Warum habe ich am 11.November ,an meinem 16. Geburtstag, diese Tat begangen? Ich höre immer nur die Geschichten von Frau Goldmann, meinem Vater und meinen Geschwistern, doch das hilft mir nicht wirklich herauszufinden was mit mir passiert ist oder zu wem ich geworden bin."Alles bestens, Herr Meier!","Sicher? Ich schicke dich doch besser zu der Schwester...Kim kann mitgehen!", auf meinen verwirrten Blick fügte er sanft hinzu:"Eine Freundin von dir!".Die ganze Klasse kicherte während ein Mädchen aufstand.Die war genauso blond wie ich und schien mir nicht in die Augen sehen zu können. Wut stieg in mir auf, ahhrrg wieder so ein Gefühl dessen Hintergründe ich nicht kannte. Um ehrlich zu sein ging ich ! erst sei t einer Woche wieder zur Schule. Diesen Mädchen ,Kim glaub ich, und ich gingen zusammen Richtung Krankenzimmer.Ich beobachtete sie heimlich von der Seite bis ich es nicht mehr aushielt:"Wer warst du? Du warst mir mal wichtig, oder?", Kim blieb stehen,ich ebenfalls."Wir können raus gehen....ich muss nicht zur Krankenschwester! Komm mit!", ich zog meine schweigende Begleiterin hinter mir her auf den Pausenhof.Wir ließen uns auf einer der Tischtennisplatten nieder.Der Schulhof war noch erstaunlich grün für mitte September, trotz sehr aufopfernder 'Achtet auf eure Umwelt' Gruppen sah er aus wie jeder andere Schulhof auch,grau und dreckig.Kim nestelte scheinbar nervös an einem kleinen Kettchen herum."Wir können hier natürlich auch sitzen und uns weiter anschweigen, aber ich bezweifle das das was bringt!", meine Geduld war nicht gerade engelsgleich. Kim holte tief Luft:"Ich zeige dir etwas was schon längst nicht mehr existieren dürfte wenn es nach deiner Familie ginge!", sie stand auf und ging zu dem kleinen Schulgärtchen.Hinter einer kleinen Hecke aus Lorbeersträuchern befand sich die dicke Schulmauer.Kim zählte von oben drei Steine nach unten und dann nach rechts. Der saß tatsächlich locker, Kim zog ihn vorsichtig hervor und legte eine Kleine Öffnung in der Mauer frei.Sie griff hinein um ein schwarzes Kästchen ans Tageslicht zu befördern."Hier!", Kim reichte mir das Kästchen, das morsche Holz sah abgegriffen aus und wieder strömten so viele Gefühle auf mich ein das ich kurz nach Luft schnappen musste."Ich habe mich das halbe Jahr in dem du wegen dieser Sache nicht in der Schule warst nicht getraut unsere Schachtel hervor zu holen.... es...war meine letzte Erinnerung an die alte Vanessa, außerdem bestand dein Vater darauf solche Artefackte wie das Kästchen zu verbrennen....ich brachte es nicht über mich....", Kim stockte ! und blin zelte eine Träne weg.Mein Vater?! Das war nicht ihr Ernst, oder?."Bitte öffne das Kästchen erst wenn du alleine bist, ja?", ich nickte benommen.Kim drehte sich um und hastete davon.Ich sah ihr hinterher.Konnte sie etwas über mich wissen was mein Vater mir verschweigen wollte? Mehr als jeh zuvor wollte ich das Geheimnis um den 11. November lösen, denn ich hatte ein Recht darauf,oder?
                                                                                        Hasta la Vista Berlin!
Auf dem Weg nach Hause wog das schwarze Kästchen schwer in meiner Tasche.Ich schleppte immerhin nicht alle Tage meine Vergangenheit in Form einer kleinen Schatulle durch halb Berlin.Mein Vater würde bis spät in den Abend arbeiten sodass ich meine Ruhe hatte.Jenny und Josh waren warscheinlich bei Freunden, denn sie hielten die angespannte Atmusphäre daheim angeblich nicht aus.Dabei war ich mir nicht einmal sicher ob sie das überhaubt buchstabieren konnten, denn sie lebten schon seit geraumer Zeit -eigentlich seit dem Tod meiner Mutter- in ihrer kleinen sicheren Chatroomwelt, wo das einzige Problem war das Danger 193 nicht antwortete.Ich öffnete die Tür zum Treppenhaus und wurde fast von einem Karton schleppenden Mann umgerannt."Ohhhh....entschuldigung!" ,nuschelte er und wurde rot wie ein Feuermelder."Kein Ding!", ich lächelte kurz und lief die Treppen hinauf zu unserer Wohnung, allerdings blieb ich wieder wie angewurzelt stehen als ich das Durcheinander davor sah.Überall standen Kisten,Kartons und anderer Krimskrams.Wir würden doch wohl nicht umziehen, jetzt wo ich Kim gefunden hatte. Vorsichtig bahnte ich mir einen Weg zur speerangelweitoffenen Wohnungstür.Mein Vater stand im Flur und diskutierte soeben mit Josh."Pack einfach deine Sachen du kannst über Skype mit deinen Freunden Komunizieren","Das wird aber verdammt teuer ich warne dich im voraus!",Josh überragte meinen Vater um einiges. Mein Vater Hans Müller sah aus wie jeder Professor mitte fünfzig.Klein,runde Brille, faltiges Gesicht und ein Bart der sein ganzes Gesicht überwucherte. Nur seinen warmen braunen Augen sah man das Alter noch nicht an."Ähhhhm....Dad? Was genau wird das hier?", fragte ich."Oh...Vanny gut das du da bist!Wir ziehen um!", er strahlte mich an.Josh schnitt hinter seinem Rücken eine Grimasse und verzog sich in sein Zimmer."Das ist nicht dein Ernst?!So kurzfristig?","! ;Ich hab e alles schon lange geplant.Es sollte eine Überraschung werden!","Ich hasse Überraschungen!", Dad konnte uns doch nicht einfach einpacken und losfahren."Unser Ziel ist New York, schließlich ist es der Traum eines jeden Mädchens.Wir fangen ganz von vorne an und vergessen alles andere!", euphorisch packte er mich an den Schultern und schon zum zweiten Mal heute hatte ich das Gefühl unverstanden von der Welt innerlich zu sterben.Wie konnten sie nur einfach vergessen? Das einzige was ich von der alten Vannessa noch hatte waren der 11.November und ihre längst gefühlten Gefühle. Das war doch kein lebenswertes Leben,oder? Kälte machte sich in mir breit. 'Allein', ein so kleines Wort und doch so bedeutend.Ich hörte meinem Vater nicht mehr zu, warum auch?Ich drehte mich um und ging in mein kleines Zimmer.Die gelben Wände waren eine Empfehlung von Frau Goldmann gewesen.Ich sollte von hellen Farben umgeben sein um nicht wieder in Depressionen zu verfallen.Als wenn das half!Alle versuchten sie mich äußerlich zu veränderten, doch mein zersplittertes Herz traten sie mit Füßen.Immer ging es nur um Fassade,Fassade,Fassade.Das Motto meiner Mutter.Die großartige Marilyn Müller.Von einer plötzlichen,unerklärlichen Wut gepackt schmetterte ich unser Familienfoto gegen die Wand.Die Scherben segelten klimpernd zu Boden.Ich hob den kaputten Ramen hoch und betrachtete ihn traurig.Meine Eltern hielten sich lächelnd im Arm, Jenny,Josh und ich saßen grinsend davor.Wieder einer der ,für die Presse glücklich gespielten, Familienausflüge.Ich verstaute das Bild in meiner großen Reisetasche die Dad schon vorsorglich auf meinem Bett abgelegt hatte.Mein Schrank beinhaltete nicht viel, denn Dad hatte die Klamotten der alten Vannessa verschenkt.Dann kamen meine wenigen Habseligkeiten.Die Box mit den Fotos,die alten Tagebücher, ein altes Buch von Star Wars-Die Rache der ! Sith,ein e zerfledderte Ausgabe von Shakespeares Romeo&Julia und mein Notizheft.Sobald ich fertig war drehte ich mich in der Tür noch einmal um.Der Raum wirkte so leer wie  immer, abgesehen von meiner Schultasche die unbeachtet in einer Ecke stand.New York.Ein Mädchentraum?Vielleicht sogar ein Traum der alten Vannessa?Ich verspürte jedenfalls nicht den Drang dort hinzufahren geschweige denn dort zu wohnen.Ganz im Gegenteil, ich wollte nicht weg.Ich fand es okay hier in Berlin, insgeheim schrie es in mir jedoch nach einem Anker, einem beständigen Objekt in meinem durcheinander geratenden Leben.Doch leider hatte mein Leben die lästige Angewohnheit mich regelmäßig zu enttäuschen.

                                                                                  Briefe aus der Vergangenheit
"Möchten sie noch ein sandwich,Miss?",die Stewardess beugte sich mit ihrem nervigen Fake-Lächeln und den blond gefärbten Haaren zu mir herab."Nein, danke!",zum mindestens zehnten mal.Wie konnte ein Mensch nur so aufdringlich sein?Josh schlief seit dem Start laut schnarchend und Jenny hatte schon mindestens den ganzen Bordshop aufgekauft.Da sollte mir noch einmal einer behaupten sie sei nicht Shoppingsüchtig.Mein Vater bestellte sich dreiviertelstündlich Kaffee und als wenn das nicht schon peinlich genug wäre benutzte er trotz Verbot sein Handy.Ich saß am Fenster um die Wolken betrachten zu können. Fliegen war nicht halb so spannend wie ich es mir vorgestellt hatte.Ich holte eines der alten Tagebücher aus meiner Tasche um etwas zu lesen.Ich kannte sie zwar alle schon in und auswendig, doch sie gaben mir jedesmal ein neues Stück meiner Vergangenheit wieder die ich durch meine Entscheidung am 11.November gelöscht hatte.Wahllos schlug ich den in Leder gebundenen Band auf, als plötzlich zwei verklebte Seiten auseinander rissen.Ein poröses Blatt Papier flatterte auf meinen Schoß.Meine Hände begannen zu schwitzen. Eine geheime Narchicht an mich?Schnell warf ich einen Blick auf meinen Vater.Er war mit seinem Handy beschäftigt, meine Chance! Zitternd begann ich das Blatt zu lesen.
Hey späteres Ich,
wenn du das hier ließt bist du warscheinlich schon aus dem Krankenhaus entlassen und hast festgestellt das du deine Erinnerungen verloren hast. Ich schreibe diesen Brief am Abend des 11. Novembers deinem/meinem Geburtstag.Ich habe meine Gründe zu vergessen und vor allen Dingen zu gehen.Ich bin ein Wrack Vannessa(Zukunft), verstehst du? Ich kann meine Familie nicht noch mehr enttäuschen als ich es ohnehin schon tue. Allein komme ich nicht aus dem Loch heraus in das er mich geworfen hat.Er? Du hast eine Ahrnung wer das ist? Er wird dich jagen, dich verfolgen, dich quälen so wie er es bei mir machte.Ich bin daran zerbrochen, aber du Vannessa(Zukunft) du bist ohne die Erinnerungen stärker als ich es war.Erzähl Dad nichts er will nur vergessen, doch das darfst du nicht zulassen. Vertrau dich auch Kim nicht an. Sie hat die Seiten gewechselt, um mich zu verraten.Vertrau nur dir selbst.
Pass auf dich auf ,denn noch einen 11.November könnten Dad,Jenny und Josh nicht überstehen.
Du weißt was ich jetzt machen werde. Es muss sein du kannst nichts daran ändern!
Vannessa(Vergangenheit)

Ich starrte entsetzt auf den Brief. Das sollte ich geschrieben haben? Was hatte Tim -wen sonst konnte ich damals gemeint haben- mit dem 11. November zu tun?Und ja ich wusste was ich nach dem schreiben des Briefes getan hatte.Von da an wusste ich alles was passiert war.Frau Goldmann wusste selbstverständlich nicht das ich das wusste. Sie hätte mit mir darüber reden wollen, aber reden konnte ich nicht. Zumindest noch nicht, vielleicht irgendwann wenn das Eis in mir auftaute oder der Scherbenhaufen gekittet wurde.Vielleicht.Ein schönes Wort voller Hoffnung und Hoffnung konnte ich gebrauchen, doch wollte es mir nicht gelingen zu hoffen.Ich verspürte von Tag zu Tag mehr den Wunsch einzuschlafen und um nie wieder aufwachen zu müssen.Ich faltete den Brief ordentlich und legte ihn wieder in das Tagebuch um es wieder in meiner Tasche zu verstauen.Da stach mir das schwarze Kästchen in die Augen und der Drang es zu öffnen wurde mit einem Mal unwiederstehlich.Meine Finger juckten.Noch einmal warf ich einen Blick auf meinen Vater.Er tippte immer noch auf seinem Handy.Jetzt oder nie! Vorsichtig um nichts kaputt zu machen öffnete ich den Deckel. Ein Foto lag ganz oben.Ich und Kim in einem Freibad.Wir lachten, ja wir sahen regelrecht fröhlich aus.Das erste echte Lachen was ich seit langem sah.Mein Magen verknotete sich schmerzhaft.Unter dem Foto lagen kleinerer Krimskrams sowie ein winziges Heft auf dem stand: VanKims Freundschaftsartefackte. Kim und ich waren also das was man beste Freundinnen nannte.Ich musterte weiter den Inhalt.Unteranderem waren eine azurblaue Murmel, ein rosafarbener Brief, mehrer kleine Ketten, schwarzer Nagellack,ein weißer Briefumschlag, eine vertrocknete Rose und ein Amulett zu finden.Letzteres nahm ich sogleich heraus.Bei dem Anblick wollte irgendeine Erinnerung hochkommen, doch so sehr ich mich auch konzentrierte es gelang nicht.Mist, verdammter! Ich legte mir das Amulett um und legte die Dose zurück in meine Tasche.Das Amulett sch! miegte s ich wie ein fehlendes Puzzlestück an meinen Hals.Noch war ich nicht bereit dazu in das Amulett hineinzuschauen.Da riss mich die Lautsprecherstimme aus meinen Gedanken:"Wir beginnen jetzt mit dem Landeanflug, bitte klappen sie ihre Tische hoch und bringen..........".
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.02.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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