Bei der Einschulung in das Markgraf-Ludwig-Gymnasium in Baden-Baden hatte ich
Französisch als erste Fremdsprache. Als wir dann nach Bonn-Beuel 1958 umzogen,
weil mein Vater dort beim Wehrmedizinalamt arbeitete, gab es für mich nur die
Möglichkeit das Cusanus- Gymnasium II in Bad Godesberg zu besuchen.
Dort teilten sich zwei Schulen zu dieser Zeit bis 1961 eine Schule. Es gab so
einen Monat am Vormittag und den nächsten Monat am Nachmittag Unterricht.
Ich kam dort in die Obertertia mit insgesamt drei Klassen. Es gab ein Kurssystem.
So war die Klasse nur zusammen im Deutsch-, Musik-, Geographie- und
Geschichtsunterricht. Sonst hieß es immer in der Pause rennen zum nächsten
Unterrichtsort. Es gab Schüler mit sprachlicher und mit mathematischer Ausrichtung.
Die Klassen waren mit Mädchen und Jungen besetzt, so dass selbst der Sportunterricht
getrennt stattfand. Außer mir hatten nur noch fünf Schüler Französisch als erste
Fremdsprache, darunter auch die Tochter der Lehrerin namens Heidelberger, die
den französischen Sprachunterricht gab.
Sie war Jüdin und war im Dritten Reich nach Paris geflohen und war dort untergetaucht
bis der Zweite Weltkrieg zu Ende war. Ich muss zum weiteren Verlauf der Geschichte ausführen,
dass ich niemals Antesemit war und alles an Verbrechen verurteile, die von Deutschen
an Juden verübt worden sind.
Ich habe auch Verständnis dafür, dass ein Jude nicht unbedingt uns Deutsche lieben muss.
Aber diese Lehrerin drückte die Noten bei Klassenarbeiten bei allen den Schülern, bei
denen die Väter bei der Bundeswehr waren. So erging es auch mir. Selbst ihre Tochter
sprach mich an und sagte zu mir, dass ihre Muter mich ungerecht behandelt. Aber was nutzte
das. Mitschüler mit mehr Fehlern hatten eben leichte Fehler, und ich mit weniger Fehlern sehr schwere.
Ich sprach sie an und sagte ihr, dass ich ihre Wut und ihren Hass auf die früheren Nazideutschen
verstehe, aber mein Vater selbst im Krieg nur Sanitäter war, der allen geholfen hat, die Hilfe
brauchten. Ich machte ihr den Vorschlag, in Zukunft nur noch leere Blätter abzugeben bei
Klassenarbeiten, damit sie sich richtig austoben und ihren Hass ausleben konnte.
Wir zwei konnten nicht zusammen kommen. So ging ich nach der Obersekunda ab
und ging in die Höhere Handelsschule in Bonn, wo Französisch nur eine geringe
Rolle spielte und für mich leicht zu absolvieren war. Aber diese Lehrerin hatte
mir Französisch so verleidet, dass ich nie mehr Interesse an dieser Sprache hatte.
Ich habe diese Geschichte als Trost für die heutigen Schüler geschrieben. Manchmal
war ich kurz davor Amok zu laufen. Doch ich habe alles überdacht und eben diese
Lösung gefunden. Manchmal lassen sich Lehrer nur von Gefühlen leiten und werden
ungerecht in ihren Bewertungen. Es heißt dann eine Aussprache zu finden, öfter
bewirkt sie ja auch etwas. Außerdem gibt es ja auch andere Möglichkeiten, man
muss sie nur suchen.
11.02.2014 Norbert Wittke
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.02.2014.
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