Mit deinen Worten veränderst du die Welt. Ich schließe die Augen, lausche dir. Du lachst. Dein Lachen ist nicht schön, ist nicht hässlich, ist gewöhnlich. Deine Worte verändern die Welt.
Ich sitze im ersten Wagon. Menschen steigen ein und wieder aus. Ich kenne niemanden. Kirchplatz, Leipziger Straße, Bockenheimer Warte, Hauptwache, Konstabler Wache. Ich habe kein Ziel. An der nächsten Station steige ich aus. Zoo. Ich gehe die zwei Treppen nach oben. Links von mir ein Platz. Alfred Brehm Platz. Schnee liegt auf dem steinernen Rondell. In der Mitte befindet sich vermutlich ein Brunnen. Rechts eine Baustelle vor dem Fritz Rémond Theater. Die Bauweise gefällt mir.
Ich gehe über den Platz, bis hin zum Café Bohne auf der anderen Straßenseite. Ich setzte mich an einen Tisch.
Genüsslich esse ich mein Croissant, dazu trinke ich einen frisch gepressten Orangensaft. Gegenüber sitzt ein älterer Mann. Er und ein anderer Gast bezahlen. Zuerst geht der junge Mann. Der ältere bleibt noch ein wenig sitzen, steht schließlich auf, kramt in seiner Tasche und holt ein paar Münzen heraus. Dann geht auch er. Ich bin alleine. Die Tür geht auf. Du kommst rein, setzt dich. Du bestellst Rührei, dazu einen Frozen Daiquiri. Ich beobachte dich heimlich. Du bemerkst es, lächelst. Ich sehe weg, sehe in meinen Orangensaft. Du setzt dich zu mir.
Du fragst mich, ob ich versuche den Orangensaft dazu zu bringen, in meinen Mund zu hüpfen. Ich werde rot, schüttle den Kopf. Deine Hand taucht in meinem Gesichtsfeld auf. Du hältst mir den roten Strohhalm entgegen. Ich nehme ihn zwischen meine Lippen und sauge daran, merke erst jetzt, wie durstig ich bin. Ich schließe die Augen, messe jedem Schluck große Bedeutung bei, spüre die feinen Stückchen der Orange. Du entziehst mir den Strohhalm. Ich sehe auf. Deine Lippen bewegen sich, formen Worte, die ich nicht verstehe, nicht begreife. Ich blinzle. Du wiederholst, was du gesagt hast. „Ich heiße Marcel.“ Meine Wangen brennen. Ich öffne den Mund, will dir antworten. Mein Hals ist trocken, obwohl ich gerade erst getrunken habe. „Ich…“, krächze ich heiser. Du hältst mir den Strohhalm hin. Ich nehme einen Schluck. „Ich heiße Marie.“
Ich sehe dich verlegen an, wende den Blick ab. Du lachst, sagst: „Sieh mich an.“ Ich gehorche. Du faszinierst mich. Ich habe Croissant und Orangensaft vergessen. Du hältst mir den Croissant hin und ich beiße ab. Mir entgeht, dass mittlerweile andere Gäste das Café betreten haben. Du forderst meine volle Aufmerksamkeit. Schließlich stehst du auf, sagst, dass du gehen musst. Ich nicke und sehe dich an. Du steckst mir beim Verabschieden einen Zettel zu, ich behalte ihn in der Hand, fühle das raue Papier, auf dem vielleicht etwas geschrieben steht. Ich wage nicht nachzusehen, bezahle und verlasse das Café. Schließlich steige ich wieder in die U-Bahn, steige an der Leipziger Straße wieder aus.
Ich betrete meine Wohnung, den Zettel noch immer in meiner Hand. Ich wage ihn nicht aufzumachen, aber ungelesen macht er mir noch mehr Angst. Also überwinde ich mich und lese ihn.
Wörterhändler
Ich handle mit Worten, sehe in dein Gesicht,
Meine Hoffnung, die steigt und wieder zerbricht,
Dein Antlitz verschlägt mir die Sprache, nimmt mir das Wort,
Ein Blick, ein Gedanke bloß, und alles ist fort.
M.
Ich lese die Zeilen immer wieder und wieder.
Vorheriger TitelNächster TitelDies ist nur ein Teil meiner Geschichte. Bei Interesse
werde ich weitere Teile veröffentlichen. Viel Spaß beim
Lesen :)Carlotta Pötter, Anmerkung zur Geschichte
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.02.2014.
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Gedankenströme: Geschichten und Erinnerungen - zum Nachdenken und Innehalten
von Heinz Werner
Kennen wir Heimat, was bedeutet dieser Begriff für moderne Nomaden und Kosmopoliten? Wo und was ist Heimat genau?
Haben wir nicht alle schon Zeichen übersehen oder falsch gedeutet, sind wir in der Lage, uns in hektischen Zeiten fallenzulassen, deuten wir Gesichter richtig?
Vermutlich lächeln wir noch heute über bestimmte Begegnungen auf Reisen irgendwo auf der Welt, oder sie beschäftigen uns noch immer. Reisen bildet nicht nur, jede Reise prägt uns, öffnet den Blick für andere Menschen, Kulturen und ihre ganz eigenen Herausforderungen.
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