Irene Beddies

Wendel: Das Fohlen




Fröhlich wachte das kleine Gespenst in der Garage auf. Es lachte. Es hatte im Traum eine lange Unterhaltung mit dem Mond gehabt. Nun sah es zum Himmel auf. Der Mond hatte heute wieder sein freundliches Gesicht.
„Kannst du wirklich nicht sprechen?“, fragte Wendel erwartungsvoll.
Der Mond blieb stumm.
Aber es war dem kleinen Gespenst so, als ob der Mond mit einem Auge kurz gezwinkert hätte.
Die Eule war nicht in der Nähe. Also machte sich Wendel auf den Weg zum Wald. Als er am Rand der Stadt angelangt war, entdeckte er einen Bauernhof zwischen den Feldern und Gärten. Er hörte eine Tür quietschen und schwebte näher.
Ein Mann kam aus einem Stall und wusch sich in einem Eimer die Hände.
„Das ist doch wirklich gut gegangen“, murmelte er vor sich hin, „da sage doch einer, Pferde können das nicht mehr alleine heutzutage.“
Im Stall brannte Licht. Die Tür war offen geblieben, sicherlich würde der Mann wieder in den Stall gehen.

 

Schwups schlüpfte Wendel durch die Tür und sah sich um.
In einer abgeteilten Ecke stand ein Pferd und beugte seinen Kopf nach unten. Unter dem Pferdekopf bewegte sich etwas im Stroh. Das Pferd schnaubte leise und stupste ein kleines Bündel mit der Nase an. Das kleine Bündel ruckelte etwas und kam dann auf vier langen Beinchen zum Stehen. Es war ein Fohlen. Es war schwarz und glänzte nass.
Die Pferdemutter beleckte das Fohlen. Das Fohlen beschnupperte seine Mutter und suchte unter ihren Hinterbeinen nach dem Euter. Dabei knickten seine Beinchen noch einmal ein, und es landete im Stroh. Schnell rappelte es sich aber wieder auf und begann zu trinken.
Nun kam der Mann zurück in den Stall. Er nahm einige Mistforken feuchtes Stroh aus der Stallecke und legte frisches Stroh hinein. Dann füllte er die Pferdetränke an der Wand mit Wasser und schüttete aus einem Eimer Körner in einen Futtertrog. Zuletzt streichelte er die Pferdemutter am Kopf. Dann verließ er den Stall wieder und knipste das Licht aus.
Wendel näherte sich den beiden Pferden. Im Dunkeln konnte er nur noch die Umrisse der Tiere sehen. Er hörte, wie das Fohlen trank und wie die Pferdemutter leise schnaubte, wenn sie dem Fohlen den Kopf zuwandte.
Nach einer Weile legten sich die beiden Pferde zur Ruhe in das Stroh.
„Wenn nur Paul das Fohlen sehen könnte“, dachte das kleine Gespenst, „er würde sich sicherlich freuen. Schade, er ist in die Ferien gefahren.“

© I. Beddies


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.02.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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