Elke Müller

Geliebtes fernes Land AMERIKA

Seit einigen Monaten gab es besondere Vorbereitungen. Heika hatte nach indianischer Weise Ashleys Eltern einige Pferde und Felle zum Geschenk geboten. Bei ihnen ist es seit eher Brauch, je mehr Tiere, um so höheres Ansehen brachte man den Eltern vor allem dem Vater entgegen, da die Braut bei der Wahl des Ehepartners eigentlich nichts zu sagen hatte. Ashley wusste davon nichts und kam voller Übermut in die Wohnstube gestürmt. Bedrängte regelrecht ihre Großmutter seit Tagen, ihr etwas über eine indianische Hochzeit zu erzählen, wovon sie nicht genug hören konnte. „ Du hast doch schon fast alles gehört. Also gut, wie ich weiß, haben die Indianer eine sehr strenge Sittenauffassung. Eine Heirat wird meistens aus wirtschaftlichen Erwägungen gezogen. So kommt es auch vor, das die Ehe von den Eltern arrangiert wird, wovon die jungen Leute überhaupt nichts wissen. Natürlich wünschen sich alle Eltern hübsche Töchter und Ehemänner treue Frauen. Ehebruch wird geahndet und Frauen schwer bestraft. Gesetzlich ist der Mann begünstigt. So zum Beispiel, kann er ihr die Zöpfe abschneiden. Da durch Kriege oder andere Umstände wie Jagdunfall der Tod eines Kriegers schwer wog, konnte eine Witwe schnell wieder verheirate sein, wenn sie ordentlich und keine Schlampe war. Indianische Ehen beruhen auf gegenseitige Achtung und Liebe. So hoffe ich, wie bei euch beiden. Also wird es ein großes Fest geben. Dann kommen Häuptlinge auf ihren Pferden oder zu Fuß mit Kind und Kegel und all die befreundeten Nachbarn, sie wollen mit dabei sein, denn selten genug bietet sich die Gelegenheit zur Fröhlichkeit, dies kann mehrere Tage dauern. Am Abend werden noch so letzte Vorbereitungen getroffen. Überall wird gesungen und getanzt. Man putzt sich heraus, die Körperbemalung sehr sorgfälltig aufgetragen. Dann geht man zum Festplatz. Alle Bewohner versammeln sich. Männer Frauen, Mädchen und Burschen geben dem Paar ihre Glückwünsche und Geschenke mit auf den Weg. Da sie keine religiöse oder zivile Hochzeit kennen, so wie wir, führen die Eltern ihre Kinder vor und bitten den Häuptling um die Hochzeitszermonie. Aber Achtung, trotzdem gab es auch Todesfälle, wenn Liebhaber auf seinen Rivalen schoss oder mit der Axt in dessen Rücken hieb, weil es Streitereien gab. Ja, es gibt so manche Stämme welche untereinander verfeindet sind und man weiß nie, wie sie zueinander stehen und solch einen Anlass gerne zu ihren Zwecken ausnutzen, deshalb ist immer etwas Vorsicht geboten. Aber warum willst du das wissen?“ schmunzelte die Frau, obwohl sie genau wusste warum, denn in den Augen von Ashley war seit Tagen ein leuchten vorhanden.

Gern streifte sie nun in ihrer Freizeit in der Nähe der Zelte umher und betrieb sehr ungeniert Beobachtungen über das häusliche Leben der Indianer. So schaute sie interessiert zu, wie die Frauen spinnen, um Sehnenzwirn herzustellen. Dabei werden die beim schlachten gewonnenen Sehnen eingespeichelt und mit Hilfe von Zähnen und Finger geteilt und zu feinen festen Zwirn verarbeitet. Oft wurde sie eingeladen sich in dieser Kunst der Herstellung auch selbst zu erproben. Auch beteiligte sie sich am fischen, mit Schnur und Haken, sammelte Beeren, Nüsse, Wurzeln, Holz und wildwachsende Pflanzen. Nicht selten wanderte ihr Blick zu einigen jungen Burschen welche sorgfältig Pfeile herstellten. Auch Heika saß mit auf den Boden, neben sich lagen Lederköcher aus denen bis zu neunzig Zentimeter lange hölzerne Pfeilschäften heraus sahen. An die 100 Stück konnte der Inhalt eines Köchers bestehen, denn ein Krieger war in der Lage 15 bis 20 Pfeile innerhalb einer Minute zu verschießen. Heika nahm nun einige auf, wählte die besten aus und schob die anderen in den Köcher zurück. Suchte unter den mehr als ein halbes Dutzend einfachen Knochen - und geschmiedeter Pfeilspitzen die passenden aus und schob den Rest gleichfalls mit in den Köcher. Dann wurden die Spitzen an die Pfeilschäften geleimt. Um eine bessere Flugeigenschaft der Pfeile zu erhalten, befestigt man am Ende zwei Federn, hauptsächlich vom Adler oder Habicht, die während des Fluges die richtige Lage geben, dann wurde das Federende und Spitze mit sehr dünnen Tiersehnen umwickelt. Anschließend fand eine Bemalung statt, nun mussten sie nur etwas trocknen. Heika stand auf , winkte Ashley heran. „ An diesen Federn liegt alles,“ erklärte er. „ Sie müssen schräg liegen, dadurch dreht sich der Pfeil und … wir treffen verteufelt gut. So bleiben wir unsichtbar und erledigen den weißen Eindringling mit einem Pfeil. Wenn es weit und breit keine Siedler mehr gibt, kann es auch nicht zu Mord und Totschlag kommen. Natürlich, ein Missgeschick kann alles verderben und gefährlich sein. Immerhin erlernen wir schon als Kind das jagen und anschleichen ohne das ein Zweig unter den Sohlen knackte. Manchmal wird dabei sogar der Atem angehalten, um nicht gehört zu werden.“ Er zeigte ihr noch einige andere Tätigkeiten und Ashley lauschte aufmerksam seine Schiderungen. Erst am späten Abend ging sie zu ihren Eltern zurück.

Dann kam der ersehnte Tag.
Die Nerven sind angespannt, Adrenalin durchflutet ihren Körper, aber sie lässt sich nichts anmerken. Geduldig erträgt Ashley die Ankleidung durch angesehene Frauen. Hunde bellen und einige Kinder tauchen auf, um schleunigst wieder davonzulaufen.
Ein vermummter Kerl springt wie verrückt um ein großes Feuer umher. An seinem Fellüberwurf hingen zahlreiche getrocknete Kröten, Frösche, Eidechsen und Insekten herab, welche bei jeder Bewegung rascheln. Er benutzt eine bemalte reich verzierte Rassel, ergreift Holz und Steine, um sie wegzuschleudern, als kämpfe er gegen unsichtbare Gestalten. Er singt dabei alte Melodien die so alt sind, dass der Ursprung unbekannt ist und gibt sich seiner Aufgabe voll hin und durchlebt seinen Tanz. Junge geschmückte Burschen traten hinzu, folgten stampfend und singend in langsamen gemessenen und dennoch wirren Bewegungen den Greis, um das Brautpaar langsam in einen magischen Kreis einzuschließen. Nun ging Heika langsam auf Ashley zu. Streifte Armringe über ihre Handgelenke und setzte ihr als Zeichen seiner Liebe einen breiten Silberreif auf Haar und Stirn. Heika war immer geduldig gewesen, doch jetzt strahlten seine Augen auf, er schlang seine Arme um Ashley und drückte sie an sich. „ Ich habe dich nun zur Frau genommen. Hier bist du allein und musst mit der Fremde fertig werden. Ich liebe sie, weil sie seltsam schön und voller Romantik ist. Ich bin oft allein gewesen, wenn ich mit Beute nach Hause kam, da war keiner da, der sich mit mir freute. Ich werde dir morgen all meine Lieblingsplätze zeigen.“ Nun traten ihre Eltern vor, nahmen die Hände der beiden in die ihren. Dann sprach ihr Vater: „ Nehmt sie und sei ehrlich und freundlich zu ihr! Das ist nämlich ein Mädchen, das wohl in jedes Mannes Haus willkommen sein muss.“ Abigail trat hinzu, legte lächelnd seine Hände auf die Schultern des Paares und segnete sie „ Die Götter wollen, das ihr gut miteinander seit und einander Treue haltet.“ Eine Pfeife wurde entzündet, um auch die Geister um Beistand und um Schutz für die beiden zu bitten. Jubel und Gesänge des Stammes erklangen. Mit großer Begeisterung ging man nun den verschiedensten Spielen nach, wie Pferderennen, Netzradspiel, Pfeilspiele und andere, wo jeder seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen konnte. Aus angemessener Entfernung wurde natürlich ab und zu ein Blick zu dem Brautpaar hinüber geworfen.

Auch während des gesamten Abendessen war man bedacht, der Braut und Bräutigam genügend Aufmerksamkeit entgegenzubringen, welche, die ganze Zeit des Festessen im Stehen verbrachte, so wie es der Brauch verlangte. Heika wurde von allen für seinen Mut und aufrichtiges Wesen bewundert. Stolz war man auf seine Wahl, die Frau zu heiraten, die längst eine der ihren geworden war. Bis tief in die Nacht hinein wurde getanzt und gelacht, gab man sich der Fröhlichkeit hin. Aber keiner näherte sich dem Zelt des getrauten Paares, in denen sie weilten.
Obwohl es nicht immer leicht sein wird, mit Heika in der Einsamkeit zu leben, hat Ashley ihr Herz an die Wildnis verloren, sie ist ihre zweite Heimat geworden.

ENDE



Allen vielen Dank, welche Interesse an dieser Geschichte zeigten und vielleicht auch etwas gefallen daran gefunden haben.Eine Fortsetzung der Geschichte kann ich mir gut vorstellen, habe dafür auch schon ein paar Ideen.Aber jetzt kommt bald eine ganz andere neue Fantasie - Geschichte von mir.

Also seit gespannt, bis auf bald.

Mit freundlichen Grüßen

Elke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Elke Müller).
Der Beitrag wurde von Elke Müller auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.02.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  • Autorensteckbrief
  • elkemueller59googlemail.com (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Elke Müller als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Spuren am Horizont: Kleine Geschichten vom Meer von Hermann Schuh



Aus einem verlängerten Segelurlaub wurden 13 Jahre eines intensiven Lebens auf See und den unausbleiblichen Abenteuern auf den Weiten der Meere. Die „Kleinen Geschichten vom Meer“ sind keine Reiseberichte im üblichen Sinn, sie sind mit dem Wunsch geschrieben, ein paar Spuren am Horizont zu hinterlassen und so des Lesers Fernweh ein wenig zu lindern.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Fantasy" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Elke Müller

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Geliebtes fernes Land AMERIKA von Elke Müller (Fantasy)
Die Zauberblume von Joachim Garcorz (Fantasy)
Zufall ? Vorbestimmung ? autobiographisch ! von Rüdiger Nazar (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen