Irene Beddies

Wendel: Bankraub





In einigen Straßen der Stadt war etwas Ungewöhnliches zu sehen. Vor einem Gartenzaun stand ein Sofa. Vor einem anderen Zaun lagen drei Stühle umgekippt am Wegesrand, darüber lag eine Matratze. Wieder woanders stand ein Kühlschrank mit offener Tür.
Das kleine Gespenst beschloss, sich das aus der Nähe anzusehen. Es schwebte zu den Gegenständen und fand, sie sahen alle etwas schäbig aus und waren teilweise kaputt.
In einem Waschkorb aus Plastik entdeckte Wendel einen Stapel Zeitungen. Das Bild der Sparkasse war auf der obersten zu sehen. Mit Mühe entzifferte Wendel die Überschrift: „Bankraub“. Da er nicht gut lesen konnte, hatte er Mühe zu verstehen, was darüber in der Zeitung gedruckt war. Zwei Männer hatten offenbar die Sparkasse über Nacht ausgeraubt. Wie sie hineingekommen waren, wusste man noch nicht.

Wendel war sehr aufgeregt. Die Sparkasse war nicht weit von dem Haus entfernt, in dem er auf dem Dachboden lebte.
„Das werde ich herausfinden. Wenn die Einbrecher wiederkommen, werde ich sie verscheuchen.“
Er schwebte zur Sparkasse und beobachtete den Eingang. Als sich nichts rührte, sah er am Hintereingang nach, aber auch dort war kein lebendiges Wesen zu sehen.
Plötzlich hörte er Stimmen. Die kamen von zwei Männern, die sich dem Vordereingang näherten. Der eine Mann nahm eine kleine Karte aus der Manteltasche. Der andere lehnte sich gegen die Tür und schaute sich um. Beide Männer trugen Bärte und hatten Schals um den Hals.

Mit der Karte öffnete der erste Mann die Tür, indem er sie in einen Schlitz neben dem Eingang steckte und wieder herauszog. Dann verschwand er im Innern der Sparkasse. Der andere Mann hielt die Tür offen.
„Mach schnell, ich will hier nicht anwachsen“, murrte er. „Wir haben es eilig!“
Nach ein paar Augenblicken kam der erste Mann wieder aus der Tür und zählte einige Geldscheine. Einen Sack hatte er nicht dabei.
„Huhuuu! Huhuuu!“, schrie Wendel. Beide Männer hoben erschreckt die Köpfe und sahen sich um. Sie entdeckten etwas Weißes und rannten weg.   
Zufrieden kehrte das kleine Gespenst auf sein Dach zurück. Dort wartete schon die Eule.
„Na, wo warst du denn so lange?“, fragte sie.
„Ich habe einen Bankraub verhindert“ erklärte Wendel stolz und erzählte der Eule, wie er von einem Bankraub hier in der Stadt gelesen und daraufhin die Bank beobachtet und die Räuber vertrieben hatte.
„Und wo hast du die Zeitung her?“ fragte die Eule.
„Die lag in einem Korb am Straßenrand in der Siedlung am Hügel“.
„Ach du meine Güte“, lachte die Eule, „da ist morgen Sperrmüll. Da stellen die Menschen alte Sachen hin, die dann am Morgen abgeholt werden. Die Zeitung ist sicherlich schon sehr alt gewesen.“
„Wirklich?“, fragte Wendel ungläubig. „Aber die Männer haben doch Geld aus der Sparkasse geholt!“
„Ja, siehst du, die Menschen haben viele neue Erfindungen. Sie können Geld aus einem Kasten im Eingang einer Bank holen mit einer kleinen Karte.“

© I. Beddies
                Und hier noch ein Danke:


An Euch Zwei
…und einige andere

Ihr Lieben, Wendels treue Wegbegleiter!
Euch gebührt einmal mein Dank,
dass Ihr mutig weiter
 folgt dem Schicksalsgang ,
den das kleine Kerlchen munter 
ohne Zittern ohne Zag
und mit Neugierde mitunter
zwar nicht leget an den Tag,
aber lebt vertrauensvoll dem Monde vor.
Meistens liegt’s ja auf dem Ohr
im Karton und hinter’m Gurkenglas,
manchmal schwarz, doch meistens blass.
Dank, dass Ihr so treulich guckt,
wo er nächstens wieder spukt.
Dank und Freude Euch beim Lesen,
er wäre sonst allein gewesen.

Eure Irene



.

 





 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.02.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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