Margrit Baumgärtner

Freudensprünge im März

Es passiert nicht oft, dass die Frühlingssonne schon gleich das erste Märzwochenende erwärmt. Kein Wunder, dass daher alles im Freien ist, was Beine hat:Mütter, Väter, Kinder, Hunde, Radfahrer, Nordic-Walking-Läufer und einzelne Spaziergänger, so wie ich. Auf einer großen Koppel laufen zwei Pferde wild umher, als wären es die ersten Sprünge nach vielen, öden Stalltagen. Das Fell der beiden Braunen ist dreckig und verklebt, offensichtlich haben sie sich ausgiebig im tiefen Matsch gewälzt. Erst wenige Grashalme sind zu sehen und werden von den Pferden genießerisch ausgezupft. Doch schon stürmt ein Pferd wieder los, bockt mit hohen Luftsprüngen und das andere Pferd macht es ihm nach.
Zu einer kleinen Verschnaufspause kommen die beiden Dreckspatzen an den Zaun und lassen sich die Nasen streicheln. Als das zweite Pferd den Kopf zu mir wendet, stockt mir fast der Atem:
Auf der rechten Seite blickte ich gerade noch in ein großes, freundliches Pferdeauge. Doch auf der linken Seite ist nur - ein Nichts. Eine leere Höhle ohne Augapfel ! Erschreckt ziehe ich meine Hand zurück. Das sieht so gruselig und schrecklich aus. Wie mag das arme Tier sein Auge verloren haben, durch einen Unfall, durch Krankheit und Operation ?
Das einäugige Pferd wendet mir wieder seine vollständige Seite zu. Es schaut ruhig und zufrieden über den Zaun, ein scheinbar gesundes Pferd. Solange man nicht die andere Seite sieht....
Erst jetzt bemerke ich, wie sehr es sich an seinem Weidekumpel orientiert. Das erste Pferd ist im doppelten Sinn ein Leittier, es führt das sehbehinderte Pferd und achtet fürsorglich auf dessen Schritte.
Schon rennen beide wieder davon, im wilden Galopp, mit übermütigen Sprüngen. Ein perfektes lebensfrohes Weidepaar.
Nun stehen auch zwei kleine Kinder am Zaun und beobachten die Tiere.Aus der Entfernung sind es zwei ganz normale Pferde mit sehr schmutzigem Fell und viel Lebensfreude.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Margrit Baumgärtner).
Der Beitrag wurde von Margrit Baumgärtner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.03.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  • Autorensteckbrief
  • margritbaumgaertnerweb.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Margrit Baumgärtner als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Die Stunde des Fisches: Plädoyer für eine bedrohte Lebensart von Olaf Lüken



Die Stunde des Fisches ist ein Stundenbuch für die Wasserbewohner und eine Achtsamkeitslektüre für Anglerin und Angler. Der Leitgedanke: Folge dem Fisch sonst folgt er dir. Flüsse und Meere sind stark verseucht und verschmutzt, die Fische fast vollkommen weggeputzt. Ich war so frank und frei, aß Fisch, Plastik, Quecksilber für einen Schuss Omega 3. Tiere haben Emotionen, Gedanken, Sprache, ein Sozialleben und scheinen auch den Tod zu fürchten. Fische sind meine Freunde. Und meine Freunde esse ich nicht. Das Buch enthält zahlreiche Fischgedichte, Witze, Sprüche, Satire und Aphorismen, Kurzgeschichten und wissenschaftliche Beiträge.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (3)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Tiergeschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Margrit Baumgärtner

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Aus der Zeit gefallen von Margrit Baumgärtner (Impressionen)
Tatsachenbericht (gerettet) von Margit Kvarda (Tiergeschichten)
Ein verblüffender Zufall von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen