Aber das Leben geht weiter.
Da sitzen sie nun, die "Goldene Hochzeit" ist vorüber und sie wissen sich nichts mehr zu sagen.
Selbst das "Guten Morgen mein Schatz" hat sie schon lange nicht mehr gehört.
Mürrisch reicht er ihr seine Tasse und ebenso mürrisch gießt sie den heißen Kaffeeein.
Jeder nimmt sich sein Brot, belegt es mehr oder weniger und isst schweigend vor sich hin.
"Der Kaffee ist wieder zu heiß"!
Er hat es gemurmelt, sie hat es gehört, schweigend essen sie weiter.
Nach dem Frühstück räumt sie noch etwas auf, er zieht sich die Schuhe und seine Jacke an...
"Ich geh dann mal raus"!
" Bring bitte noch Milch mit"!
Er brummt etwas Undeutliches und verläßt die Wohnung.
Sie hört wie er schwerfällig die Treppe hinunter geht.
Als sie ihm vom Fenster aus nachblickt, hört sie, wie sich die neuen Nachbarn,
ein junges Pärchen, unterhalten.
Er sagt zu seiner Frau" Karin ich liebe dich"!
Die alte Frau am Fenster hat Tränen in den Augen, sie schließt das Fenster und setzt sich
auf einen Stuhl.
Still weint sie vor sich hin.
Sie denkt zurück an die Zeit ihrer Jugend, ihrer ersten großen Liebe.
Sie sieht sich im Ballkleid und ein galanter, junger Mann, fordert sie zum Tanz auf.
Sie verlieben sich und träumen von einer rosigen Zukunft.
Die Nachricht, daß der Geliebte, bei einem Zugunglück tödlich verletzt wurde,
stürzte sie in tiefe Depressionen.
Nach fünf Jahren, die sie zurückgezogen verlebte, lernte sie ihren jetzigen Mann kennen.
Sie suchte Trost bei ihm und ihr Leben verlief zuerst wieder in normalen Bahnen.
Aber nun haben sie sich nichts mehr zu sagen,
ihr Leben geht an ihnen vorbei.
Die Kinder sind schon lange aus dem Haus, leben ihr eigenes Leben.
Ihr Mann entwickelt sich zu einen Eigenbrödler und sie selbst zog sich gern
in ihr eigenes Kämmerlein zurück.
Sie hörte wie er die Wohnungstür aufschloss, er zog sich in der Diele die Schuhe aus,
dann schlurfte er in die Küche und stellt eine Tüte Milch auf den Tisch.
Sie kommt dazu, nimmt die Milch und stellt sie in den Kühlschrank.
Er geht ins Wohnzimmer, schaltet den Fernseher ein und setzt sich in seinen Sessel,
es dauert nicht lange bis sie hört, wie er laut schnarcht...aber das Leben geht weiter.
Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Günter Weschke).
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.03.2014.
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Sprachtechniker Walter Mathois und Verskonstrukteurin Heike Gewi hämmern, klopfen ab, machen Licht in den Ecken des Vergessens, hängen Bilder neuer Momente in unser Bewusstsein, ohne einen Nagel zu verwenden. Auf Meditationsebene nickt Meister Bashô freundlich, Buddha lacht, der Affentempel steht und das Gnu tut verwundert. Doch der Mond schweigt. Sind Sie bereit mit Ihren Sinnen, Zeuge zu sein?
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