Daniel ".:gefaehrte:." Friedrich

Kleine Liebesgeschichte

“Nein“, sagt sie und lächelt.
Ich drehe mich um, sehe zur Türe.
“Es geht nicht, ich kann nicht mehr“.
Außen regnet es,
aber am Horizont zeichnen sich blaue Wolken ab.
“Warum?“ frage ich.
“Weil ich nicht kann“.
Im Garten unten sieht es schrecklich aus,
der Rasen ist nicht gemäht,
die Blumen langsam welk im Herbstwind.
“Du glaubst nicht an Wunder nehme ich an“, frage ich.
“Nein - auch nicht“, die dreht sich zu mir,
blickt mit ihren rehbraunen Augen in meine Augen...
“Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist,
aber es geht nicht!
Laß mich jetzt bitte allein.“
Ich gehe zur dunkelbraunen Türe,
schließe sie hinter mir.
Als ich zur Treppe hinuntergehe,
kullert mir eine Träne über die Wange.
Ich laufe aus der Haustüre.
Sie blickt mir selbst mit verregneten Augen hinterher.
Tut es ihr leid?
Ich renne die Straße hinunter,
immer mit dem Gedanken,
warum es nicht sein sollte.
Ein kleines Mädchen kommt mir entgegen,
am liebsten würde ich stoppen und ihr sagen,
daß sie glücklich sein soll,
weil sie noch nichts von Dingen wie Liebe weiß,
aber ich tue es nicht.
Ich drehe mich noch einmal in die Richtung ihres Hauses,
schreie: “Verdammt - ich bin in dich verknallt,
kapierst du das eigentlich nicht?
Bist du so bescheuert um das zu übersehen....scheiße!“.
Ich weiß nicht, ob sie das noch hören kann,
denn der Regen schluckt viel meiner Stimme.
Ein Stadtbus fährt an mir vorbei,
die Menschen darin sind irgendwie grau.
Und der Regen schluckt immer mehr meiner Stimme.
Wie gut, daß man im Regen keine Tränen sehen kann - denn ich weine.
Ich renne immer weiter...
...ihr Haus ist schon aus meinem Blick entschwunden...
...ich setze mich......bin total durchnäßt, aber es ist mir egal...
...soll ich halt krank werden...
...ist mir auch egal!
Sie ist nicht bei mir.
Ich schließe meine Augen, etwas Zeit vergeht...
“Wenn du noch willst, können wir es vielleicht doch mal versuchen“.
Ich öffne die Augen wieder...sie steht vor mir, hat zu mir gesprochen.
“Wo kommst du jetzt her?“
“Ich bin durch den Regen gelaufen, bin dir nachgerannt“
“Warum?“
“Weil es mir leid tut“
“Auf einmal?“
“Ja“
“Warum?“
“Weil ich dich brauche“
“Warum sagst du das erst jetzt?“
“Weil ich Angst hatte!“
“Angst, wovor?“
“Vor mir selbst...aber ich brauche dich...
ich konnte es dir nur nicht sagen“
“Hast du es gewußt?“
“Schon immer...seit dem Anfang“
“Und jetzt?“
“Laß uns erst mal ins trockene zurückgehen“
“Das ist eine gute Idee“
Und wir laufen Hand in Hand zurück zum Haus, sind durchnäßt...
...und ein Stadtbus fährt vorbei...
...in ihm sind alle Leute grau...
...nur ich und sie, wir sind nicht mehr grau...
...wir sind farbig...
- Ende -

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