Elke Müller

Liebe, Kampf, SEHNSUCHT


Kapitel 2

Es regnete in strömen, es ist kalt und die Kleider klebten am Körper. Die herrlichen sonnigen Sommertage sind längst vergangen, die Welt ist in Grau getaucht. Die Bäume tragen keine oder nur noch teilweise Blätter, der Himmel ist Wolken behangen, kein Mensch befindet sich auf der Straße. Es war Herbst geworden und ein großes entscheidendes Abschlussrennen stand vor der Tür und sollte die Saison im Motorradsport, allgemein beenden. Irina packte, ohne es jemanden zu sagen, einen Koffer und die dazu gehörende Reisetasche. Sie wollte gleich früh am nächsten Morgen nach Suzuka ( Japan ) reisen, um Ryan damit zu überraschen. Die Gegend war ihr bestens bekannt, schon durch ihre Begleitung zu einigen Rennen, wenn es ihre Zeit zuließ, oder über die Berichte von Ryan, wusste sie, welches Hotel gerade als Quartier gebucht war. Der Beschreibung zufolge, sollte das Hotel irgendwo an einer bekannten Einkaufsstraße liegen, gleich neben dem Meer. Trotzdem klingelte sie, per Handy, eine gute Freundin Namens Anna zur Sicherheit an, um sich nochmals genau zu vergewissern.

Als das kleine private Flugzeug gelandet war, gab sie ihrer Agentur ihre neue Adresse durch, fuhr mit einem Taxi noch ein Stück und kam am Ziel gut an. Im Hotel, wo alle Rennfahrer untergebracht waren, fragte sie nach Ryan und buchte sich, unter ihren damaligen Mädchenname ein. Ihr gefiel das Haus. Die ansprechende Atmosphäre nahm sie immer wieder vom neuen gefangen. Das Hotel hatte eine gute Lage. Es gab reichlich viele Unterhaltungsmöglichkeiten hier. Es war nicht weit bis zum Strand, besaß zwei Schwimmpools, mehrere Restaurants sowie Bars. Auch fühlte man sich wohl in den komfortablen Suiten und Zimmern, die eine Klimaanlage besaßen. Im Foyer kam ihr lächelnd eine hübsche Frau entgegen, die sich auf Englisch als Miteigentümerin vorstellte. Nachdem die Formalitäten erledigt waren, begleitete ein Page sie zu ihrem Zimmer in der obersten Etage. „ Hatten Sie einen angenehmen Flug?“ fragte er, nahm ihr Gepäck auf und ging Irina voran, um ihr das Zimmer zu öffnen. „ Ich hoffe, sie fühlen sich hier wohl.“ Sie gab ein kleines Trinkgeld und er verschwand. Irina lies den Blick durch den Raum schweifen. Ihr Zimmer war nicht all zu groß, dafür besaß die Decke allerlei kunstvolle Stuckelemente. Schwungvoll öffnete sie zwei schmale verglaste Türen, die auf eine kleine Dachterrasse hinausgingen. Eine herrliche Aussicht zum Meer hinunter überraschte sie. Eine Weile stand sie auf den Balkon und genoss den zauberhaften Anblick. „ Wie traumhaft schön!“ Erinnerungen wurden wieder wach und ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, es dauerte bis sie sich von dem Anblick löste. Sie drehte sich um, betrat wieder, nun ihr kleine Reich. Mit einem Seufzer lies sie sich aufs Bett fallen. Wieder tauchten einige schöne Episoden vor ihrem geistigen Auge auf. Durch das Telefonklingeln wurde sie aus ihren Träumen gerissen. „ Entschuldigen Sie bitte die Störung, Frau Naomi. Aber heute findet eine Geburtstagsfeier zu Gunsten des Hauses statt. Und da wollte ich höflich anfragen, ob Sie vielleicht, mit an unseren Maskenball teilnehmen möchten? Die Feier beginnt heute Abend, so gegen 21.00 Uhr. Es wäre uns eine Freude Sie begrüßen zu können,“ sagte und fragte eine angenehme Stimme am anderen Ende der Leitung, welche auf Antwort wartete. Irina überlegte nicht lange und sagte zu. Lange hatte sie auf Vergnügungen verzichtet und ihre Arbeit an erste Stelle gesetzt. Nun wollte sie auch mal wieder etwas Entspannung haben. Schnell packte sie ihren Koffer aus, legte ein mitgebrachtes Abendkleid zurecht und ging unter die Dusche, um sich zu erfrischen. Ryan befand sich unterdessen in den Händen einer Masseurin und hatte keine Ahnung von Irinas Ankunft. Auch er wollte zum Maskenball gehen und hatte sogar schon eine passende Partnerin dafür parat. Aber so richtig freuen konnte er sich nicht darauf, ein paar Gewissensbisse plagten ihn doch schon.

Unterdessen war die Zeit voran geschritten und Irina zog sich, um nicht zu spät zum Fest zu kommen an. Um die lange Mähne zu bändigen, war eine Frisöse notwendig, welche sie schon per Telefon angefordert hatte. Diese kam der Arbeit gern nach und unter ihren geschickten Händen war die Frisur rasch fertig. Irina dankte mit einem kleinen zusätzlichen Taschengeld und warf noch einmal schnell einen prüfenden Blick in den Spiegel, nahm nun ihre kleine silberne Handtasche auf, atmete tief durch und ging zügig aus den Zimmer. Im Flur war schon ein reges Kommen und Gehen. Sie wendete sich der großen geschwungenen Treppe zu, ihr Herz schlug schnell, ihre Gedanken kreisten wieder um Ryan......

Der große Saal war für die Feierlichkeit herrlich geschmückt, die eigene Hausband spielte die Musik und einige Pärchen tanzten, andere saßen in Gruppen beieinander und diskutierten lebhaft. Es war ein buntgemischtes Völkchen verschiedener Nationen und Rassen, die sich hier vereint haben. Als Irina eintrat ging ein Staunen und Raunen durch die Runde. Sogar die kleine Kapelle unterbrach kurz ihr Spiel. Alle richteten ihre Blicke auf dies bezaubernde Wesen. Hinter vorgehaltener Hand fragte man sich, wer sie wohl sei und was für ein genialen Schneider und Frisör sie hatte. Man konnte wirklich denken, das sie nichts weiter als eine kostbare Körperbemalung trug. Erst bei genaueren hinsehen viel auf, das es ein langes hautfarbenes, nur mit über der Schulter laufendes Goldband gehaltenes, sonst aber Rücken freies, mit einem hohen Seitenschlitz versehenes Kleid ist, worauf gekonnt ein glitzernder fliegender Drache abgebildet war. Ihre von Ryan, damals erhaltene goldene Kette um den Hals die langen Haare hochgesteckt und mit Perlen geschmückt, sowie eine passende schwarze samtige Maske vor dem Gesicht, zeigte von Geschmack und machte alles komplett. Sie musste augenblicklich an das Märchen von Aschenputtel denken,welche sich,ebenfalls in so einer Situation befand. Sie lauschte auf das Gemurmel der vielen Stimmen und Sprachen, lächelte allen zu und schaute sich gleichzeitig nach Ryan um, konnte ihn aber nicht finden. Die Musik setzte wieder ein und Irina wurde gleich von mehreren jungen maskierten Männern zum Tanz aufgefordert. Sie gab, freundlich und etwas unterwürfig erzogen, jedem der Herren einen Tanz. Ihr letzter Tanzpartner, war ein sehr netter Kerl. Höchstens Anfang Dreißig schätzte Irina. Unter vollem, braunen etwas gelocktem Haar, das ihm ein wenig widerspenstig in die Stirn fiel, musterten sie zwei freundliche graue Augen. „ Ich bin entzückt. Sind Sie heute in Begleitung?“ „ Wer weiß? Und was wenn?,“ antwortete sie lächelnd. Er lud sie anschließend zu einem Drink an die Bar ein und redete von allen möglichen Dingen. Zugegeben, er sah gut aus, war charmant und scheinbar immer fröhlich, aber sie kannte ihn doch kaum, hatte ihn eben erst etwas kennen gelernt. Er schien ein Macho, Angeber und Playboy zu sein, dem nichts heilig war, außer seinem Hang zur Selbstherrlichkeit vielleicht. Jedenfalls war dies ihr erster Eindruck. Sie hörte kaum zu was er sagte, ihre Augen wanderten immer wieder zur Tür, in der Hoffnung endlich Ryan zu sehen. Nach langem warten kam er dann auch, in Bekleidung einer jungen schönen Dame. Diese flüsterte ihm gerade etwas ins Ohr, er lachte auf, gab ihr einen Kuss auf die Wange und zog sie zu einem kleinen Tisch. Irina wollte gerade vom Hocker rutschen, um sich zu erkennen zu geben, blieb aber wie erstarrt sitzen. Sie konnte es nicht glauben was sie sah, es tat weh, so unendlich weh. Sie drehte sich enttäuscht, nach kurzem Seufzer, ihrem Nachbarn wieder zu, der neugierig die Szene beobachtet hatte. Nun aber verlegen in sein Glas schaute, um nach Worten zu suchen und sie dann fragend anblickte. Langsam nahm er seine Maske ab. Seine Augen richteten sich mit einem undefinierten Ausdruck auf sie. Irina schien zu Stein erstarrt zu sein. Um die Stille zu brechen, legte er seinen Arm um ihre Taille, was sie aus ihrem Trübsinn aufschrecken lies. „ Scheint, als hätten wir uns einen schlechten Zeitpunkt ausgesucht, um uns kennen zu lernen,“ meinte er. „ So? Nicht wirklich,“ antwortete Irina verlegen. „ Den Aufenthalt hier .. haben Sie sich bestimmt auch etwas anders vorgestellt, nicht war? Na, wie ist ihr erster Eindruck? Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit?,“ erkundigte er sich weiter. „ Nun ja, ein wenig hektisch und etwas langweilig,“ gab Irina zu. „ Mir sind die Umstände ziemlich egal, um ehrlich zu sein. Darf ich Sie etwas später noch zu einem Kaffee oder einem Glas Wein einladen?“ Ihr Blick wanderte wieder an den kleinen Tisch hinüber. Sein Blick folgte den ihren. „ Sagen Sie bloß, Sie kennen die Beiden nicht?! Das ist ein berühmter Rennfahrer, Ryan Redley, heißt es und die hübsche Dame an seiner Seite soll glaube ich, seine Frau sein, weiß es aber nicht so genau. Man munkelt, die Hübsche soll ein Riesenvermögen geerbt haben. Ihre Feste die sie gibt, werden gern besucht. Sie denkt sich immer wieder neue Verrücktheiten aus. Die Männer liegen der schönen selbstbewussten Frau zu Füßen. Soll nicht übel in gewissen Dingen sein, jedenfalls würde ich sie auch ganz gerne mal...“ „ Wohl vernaschen. Und warum... warum machen Sie es nicht, gab es nicht genügend Möglichkeiten?“ Er zuckte die Schultern. „ Das kommt ganz darauf an, ob die Chemie stimmt.“ „ Wie ist denn das jetzt gemeint!“ Er atmete tief durch. „ Nichts. Vergessen Sie's und genießen sie ihren Drink. .. Ach, äh .. Oh, Verzeihung, ich habe mich ja noch nicht vorgestellt. Mein Name ist Sven,“ stellte der Mann sich vor und reichte Irina lächelnd die Hand. „ Na ja, eigentlich bin ich heute nur noch Gast in diesem Hause, morgen reise ich schon ab, wegen meinem Beruf, die Geschäfte warten. Ich werde übermorgen in meiner Firma erwartet, um über meinem Erfolg bei einem wichtigen Partner einen Vortrag zu halten.“ Er griff in die Innentasche seiner Anzugsjacke. „ Hier, meine Visitenkarte.“ Seine Lippen öffneten sich, sein Kopf neigte sich vor, kam ganz nahe und Irina vernahm seine flüsternde Stimme: „ Vielleicht werde ich ja mal von Nöten sein. Ich bin von Beruf Anwalt. Für Probleme aller Art!“, fügte er grinsend hinzu. „ Wirklich?“ Irina schaute in ein sonnengebräuntes, sympathisch, scharf geschnittenes Gesicht mit markanten Zügen. Erst jetzt bemerkte sie, das sie ihn noch gar nicht näher betrachtet hatte. Warf nun einen kurzen prüfenden Blick über seine Statur. Was sie sah, war eine gute Figur mit breiten Schultern und schmalen Hüften, er wirkte ziemlich groß. Auch sie reichte ihm die Hand. „ Ich heiße Irina.“ „ Was tun sie so.“ „ Ich habe mich der Kunst mit Haut und Haar verschrieben, auch bin ich .. seit einigen Jahren verheiratet!“ „ Oh , wie traurig! Sie sind also eine Kunsthistorikerin geworden?“ „ Ja. Es war ein Traum von mir.“ „ Aha. Aber .. ich will ja nichts unterstellen, trotzdem muss ich sagen, das Sie nicht unbedingt einen Beruf ausüben müssen. Es ist doch sicher nicht von Nöten, selbst Geld zu verdienen, wenn man heute verheiratet ist.“ „ Also, es geht mir auch nicht in erster Linie um das Geld. Ich suche die Selbstverwirklichung. Ich will selbst jemand sein, ohne die Hilfe von jemanden anderen. Außerdem liebe ich meinen Beruf und habe hart dafür gearbeitet, sowohl mich sehr anstrengen müssen, um mein Ziel zu erreichen. Ich bin sehr begabt und habe mir einen Namen damit gemacht. Deshalb möchte ich den Mann sehen, der mir verbieten will, meine Brötchen selbst zu verdienen. Da kennt er mich schlecht.“ Sven lachte schallend. „ Welch ein Temperament! Was spricht für eine Frau, dafür verheiratet zu sein wollen, wenn die Männer ihr hier im Saal zu Füßen liegen. Trotzdem, sehr schade, immer sind die hübschen Frauen vergeben, hab ich ein Pech!“ „ Wer sagt, das ich hübsch bin? Hinter der Maske kann vielleicht ein hässliches Gesicht stecken!“ „ Aber nein, das nicht, nur .. nun, ich habe ja den tollen Auftritt vorhin miterlebt und der erste Eindruck ist immer entscheidend. Da glaube ich sagen zu können, das dieser Glanz von dir .. nun ja, überstrahlt alles und es schon eine besondere Herkunft bedarf .. zum Beispiel, .. sind deine Augen besonderst schön, sie sind wie Rubine und haben einen seltsamen geheimnisvollen Ausdruck …. Sorry, .. ich darf doch du sagen, nicht war?“ „ Ich habe nichts dagegen.“ „ Also, .. ich , ich würde sehr gern dein Gesicht sehen, darf ich ..darf ich dir diese Maske, vielleicht abnehmen?“ Seine Hand war schmal und langfingrig, die sich zaghaft ihrer Stirn näherte. Er trug keinen Ring, nur eine goldene Armbanduhr zierte seinen Arm, die unter seinem Ärmel hervorlugte. „ Nein! .. Ich möchte noch nicht...“ „ Verstehe.“ Er grinste vergnügt. „ Wie mir scheint hält man mich wohl für einen recht argen Mädchenhändler. Oder aber, .. da gibt es wohl jemanden , der diese Überraschung nicht zu würdigen weiß. Der ist ein großer Narr in meinen Augen!“ Irina spürte wie rot sie wurde. „ Äh, nun ja, .. er weiß es eigentlich nicht, das ich seinetwegen hier bin.“ „ Ach ja? Seinetwegen? Ist er beruflich hier?“ Ihre Gedanken arbeiteten fieberhaft, um eine plausible Erklärung zu finden. „ Er ist auch ein Rennfahrer.“ „ Ich verstehe dann nicht, weshalb...“ „ Ich habe selber keine Ahnung! Muss wohl der Instinkt sein!“ Bisher hatte sie impulsiv gehandelt, doch nun, fragte sie sich, wie es weitergehen sollte. „ Darf ich fragen, warum hast du eigentlich noch keine Freundin?“ „ Die Arbeit, .. leider! Muss viel reisen und das will ich keinem Mädel antun, die auf mich warten muss! Alleine ist es zwar manchmal recht langweilig und öde, doch man gewöhnt sich daran und gefunden habe ich bis jetzt noch nicht die Richtige. Vielleicht bist du es ja?“ Verschmitzt schaute er zu Irina hinüber. Sie schaute ohne ein Lächeln, in Gedanken verloren in ihr Glas. „ Noch einen Drink?“ Oh, nein Danke. Ich sollte jetzt auf mein Zimmer gehen, um noch etwas Schlaf zu bekommen. Morgen treffe ich eine wichtigen Kunden und da will ich ausgeschlafen sein.“ „ Was schon ? Der Abend fängt doch gerade erst an! Darf ich dich noch in ein hübsches, gutes chinesisches Restaurant einladen? Vielleicht ist noch nicht alles verloren?“ „ Sehr lieb gemeint, aber ich möchte heute nicht ...“ „ Dann begleite ich dich zu deinem Zimmer, damit keine bösen Buben kommen.“ „ Nicht nötig, ich kann, wenn es nötig ist, gut auf mich selber achten ...Trotzdem , vielen Dank für das nette Angebot!“ Er setzte eine jämmerliche Grimasse auf. „ Na, na, sei nicht so gemein. Wo bleibt denn die Hingabe einer liebenden jungen Frau? Was kostet eine Nacht, sag schon? .. Wie schon gesagt, schade um solch eine schöne Frau und die dann auch noch allein ins Bett gehen muss, nein das ist nicht gut! Wenn ich auch ein Junggeselle bin, aber die Natur möge es gut mit mir meinen, indem sie mir in dieser Festnacht eine weniger grausame Dame zuführt, als ihr es seit.“ Er strich ihr zärtlich über die Wange und sagte dann: „ Ich hoffe, das dieser Abend bald vorbei sein wird und wir vielleicht dann etwas Zeit haben, um uns einander besser kennen zu lernen. Dann schlafe mal schön kleine Prinzessin, vielleicht sehen wir uns wieder und wenn es zum Frühstück ist.“ Sie zwang sich ein müdes Lächeln über dies leichtfertige Rede ab. „ Ich wüsste nicht, was ich lieber täte. Es war trotzdem ein netter Abend. Dann werde ich mal meine Rechnung zahlen und ..“ „ Nicht nötig, ich habe dich eingeladen! Ich kann eine Frau unmöglich bezahlen lassen. Deshalb erlaube mir bitte, die Rechnung zu begleichen. Auch ist es normal, dass der Mann bezahlt, wenn er eine Frau ausführt.“ „ Okay. Gute Nacht, Dr. Sven Trailer.“ „ Bitte nenne mich Sven, einfach Sven.“ „ Gut, .. also Sven, ich wünsche dir, das du bald die passende und richtige Frau findest, ade.“ Rutschte von ihrem Hocker herunter und blieb kurz stehen. Sie warf einen angewiderten Blick auf die junge Frau, die neben Ryan saß und sich gerade von irgendeinen Mann küssen lies. „ Also .. da fällt mir doch noch etwas ein,“ wandte sie sich an Sven. „ Entschuldige für die Frage, aber du scheinst ja diesen .. Rennfahrer Redley sehr gut zu kennen.“ „ Etwas dagegen?“ „ Nein, nein.“ Irina schluckte. Sven kratzte sich verlegen am Kinn und druckste herum. „ Nun, etwas schon, man hört ja so manches über ihn. Er hat die Rolle eines Anführers, man kann es gut mit dem eines einsamen Wolfes vergleichen. Er ist intelligent, berechnend und hat meist ein unterkühltes Gemüt. Unsensibel ist der Kerl. Ein Holzklotz. Einer der mit der Liebe seines Vaters Schindluder treibt. Aber in ihm steckt allerdings auch ein weicher Kern, was sich durch seine Freundschaft mit einem gewissen Ron doch recht deutlich zeigt. Und .. er ist ein Weiberheld, lässt nichts anbrennen. Ein Tausendsassa im Motorradsport. Hat schon so einige bedeutende Siege gemacht und ist ein gefürchteter Gegner. Aber was soll's, das Leben ist immer gefährlich, aber es geht auch immer irgendwie weiter.“ * Ich bin eifersüchtig auf ihn, verdammt eifersüchtig. Vor allem wegen dir.* Aus den Augenwinkeln warf er ihr einen Blick zu. Ein kaum sichtbares Lächeln spielte um seine Lippen. „ Übrigens, da sitzt dieser Schönling. .. Soll ich mal rüber gehen und ihn holen und ihn dir dann vorstellen?“ „ Nein, nein, so wichtig ist es nun auch wieder nicht! Also dann, ..gehe ich mal!“ „ Deine Augen hinter der Maske sind wunderschön. Alles an dir .. ist sehr wunderschön. Bleib da! Die Welt wäre um eine schöne Frau ärmer, wenn es dich nicht gäbe.“ Es war nicht nur ihre Ausstrahlung die ihn faszinierte, sowohl ihr frisches und natürliches Wesen gefielen ihm. Sie war hochgewachsen und schlank. Sie war eine Schönheit. Er sagte banale und amüsante Dinge. „ Du bist hübsch. Du gefällst mir. Komm, ich werde dich wärmen.“ Mit einer Hand, hob er plötzlich eine saftige Trüffel empor. „ Oh göttliche Trüffel, Segnung der Liebenden, flöße meinen Adern den frohen Schwung der Liebe ein! Ich werde mein Schätzchen bis zum Frührot liebkosen.“ Eben noch der höfliche junge Mann, entpuppte er sich jetzt als leidenschaftlicher Liebhaber. Irina wurde bis zu den Haarwurzeln hinauf rot. „ Äh, ich kann leider nicht .. tut mir leid!“ Das ist es, dachte sie, das ist es was ich ablehne, was ich niemals ertragen werde. Natürlich werde ich mich nicht mit ihm treffen. Schließlich gehört die Freizeit mir und da brauch ich mich niemanden gegenüber zu rechtfertigen. Drehte sich um und ging ohne einen Abschiedsgruß zu sagen entschlossen auf den Tisch zu, wo sich Ryan noch immer mit dem fremden Mädchen befand. Dort blieb sie regungslos stehen, blickte ihn traurig durch ihre Maske an. Am liebsten hätte sie Ryan umarmt, aber auch liebend gern gleichzeitig geohrfeigt und ihm eingeschärft, seine Pfoten von anderen Frauen zu lassen. Doch hob sie nur die Hände zum Mund. Unbehaglich fühlte sich Ryan plötzlich. Wer war Sie? Wieso hatte er Sie nicht schon früher bemerkt? Es lag etwas ungewöhnliches in dieser Haltung dieser Unbekannten, sowie in dessen Schweigen und auch in der Überraschung seiner am Tisch sitzenden jungen Begleiterin. Ryan blickte umher und runzelte leicht die Stirn. Eine Hand griff plötzlich nach der von Irina, gab einen Handkuss darauf und lächelte sie unterwürfig an. * Sven?* „ Entschuldigung, .. Sie sind ein Engel , nicht war? Und außerdem sehr schön. Beides findet man selten vereint .. und diese sehr schönen Augen! So ganz aus der Art geschlagen. Nun, zu verwundern braucht einem das ja nicht, nachdem .. „ Er brach bestürzt ab. Beinah hätte er zu viel gesagt. Seine Augen richteten sich flehend auf sie, einige dunkle gelockte Haarsträhnen hingen ihm in die Stirn, seine Nasenflügel vibrierten leicht vor Aufregung. „ Ein selten schönes Lob .. Ich bin geschmeichelt!“ Sie sah lächelnd zu ihm auf, fühlte aber eine Flut von Tränen in ihren Augen aufsteigen. Sie entzog sich ihm rasch und ging davon. Ryan schien wie vom Blitz getroffen zu erstarren. Verwundert schaute er der Erscheinung nach. Er suchte krampfhaft nach einer vernunftmäßigen Erklärung. Jemand erlaubte sich einen Scherz, dachte er, aber er wusste genau, das es nicht so war. Irgend etwas stimmte nicht. „ Eine Göttin nicht war, .. ich meine, die kleine bezaubernde Gestalt, die gerade an ihren Tisch vorbei schwebte! Man, die Kleine ist heiß wie Höllenfeuer und zugleich geheimnisvoll, so wie der Mond! Leider hatte ich Pech, ich war wohl nicht ihr Typ. .. Ach, wie gerne wäre ich derjenige, der diese kleine zarte Gans knabbert. .. Aber diesen Blödmann möchte ich sehen, der solch einer Frau den Laufpass gibt. Dem müsste man ..! Oh, ich vergaß, ich darf mich doch zu ihnen setzen, natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben. Alleine zu sein ist nicht gerade schön, deswegen dachte ich .. Ah, natürlich nur, wenn ich nicht störe. Sie werden sehen, ich kann auch ganz brav sein.“ „ Nein natürlich nicht. Bitte, nur zu junger Mann, ich bin gern in Gesellschaft von so schönen Geschöpfen, wie ihr es seit.“ „ Vielen Dank! Aber ihr übt auch keine schlechten Reize auf uns Männern aus, wie ich sehe , nicht war Fräulein?“ „ Sie sind ein gewiefter Schmeichler, .. mein Name ist Anja, einfach Anja!“ Ryan stand plötzlich auf, ging ohne ein Wort zu sagen davon. „ Huch, hab ich etwa, etwa etwas gesagt, das nicht hier her gehört? Hab ich den beleidigt? Das lag nicht in meiner Absicht. Das wäre ja peinlich für mich.“ „ Nein, nein, setzen Sie sich. Dieser Rennfahrer ist mir sowieso nicht geheuer, immer etwas kalt zu einem! Na, mit Ihnen scheint es ja keine Probleme zu geben, sie haben sicher einen besseren Umgang mit Frauen!“ „ Da haben Sie recht, ich kenne mich da gut aus! Vergessen Sie ihn. Darf ich mich kurz vorstellen.........“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Elke Müller).
Der Beitrag wurde von Elke Müller auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.03.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  • Autorensteckbrief
  • elkemueller59googlemail.com (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Elke Müller als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Heut' ist der Tag und jetzt ist die Zeit!: Gedichte und Aphorismen für eine bewahrte Zukunft von Jürgen Wagner



Diese Sammlung von Gedichten und Aphorismen aus den Jahren 2016-19 spiegelt auch die globalen und klimatischen Entwicklungen, deren Auswirkungen immer sichtbarer und deren Folgen immer konkreter werden. Die Poesie hat ihre eigene Art, damit umzugehen und darauf zu reagieren. Diese Gedichte schüren weder Ängste, noch flüchten sie in ein poetisches Traumland. Sie bleiben verwurzelt im Hier und Jetzt, der Erde treu und dem Himmel geöffnet wie die Bäume. Sie setzen besonnene Ruhe gegen panische Zukunftsängste; sie setzen aber auch ein waches Bewusstsein gegen ein bequemes Immer-weiter-so! Sie ziehen einige große Linien in die Vergangenheit – und in die Zukunft. Zentral ist die Liebe zum Leben, die Freude am Dasein und der Natur, die Verbundenheit mit allen Wesen, mit allem, was ist.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Fantasy" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Elke Müller

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Geliebtes fernes Land AMERIKA von Elke Müller (Fantasy)
Der Kuss, der auf seinen Lippen loderte von Margit Farwig (Fantasy)
Spiegelscherbe von Katja Ruhland (Sucht)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen