Christa Astl

Kollektive Einsamkeit?



(Eine Beobachtung)
 
 
Ein Abend in der Stadt, etwa zweiundzwanzig Uhr. Der milde Frühlingstag klingt aus. Noch sind einige Tische draußen aufgestellt, ein paar Leute sitzen zu zweit oder in kleineren und größeren Gruppen vor ihrem Getränk, hauptsächlich Bier.
Die offene Türe gibt Einblick in die Bar. Hier, am Tresen, sind alle Sitze belegt, ich erblicke nur Männer.
Jeder scheint allein zu sein. Sie sitzen stumm, den Rücken gebeugt, die Unterarme auf die Tischplatte gelegt, eine Hand umfasst wie Halt suchend das Glas. Manche stützen die Ellbogen auf und darauf noch den Kopf. Jeder starrt geradeaus, in sein Glas oder darüber hinweg an die Wand, nimmt vielleicht aus den Augenwinkeln den Barkeeper wahr, aber nicht den links oder rechts von ihm Sitzenden. Keiner spricht ein Wort.
Für mich ein beklemmender Anblick: geballte Einsamkeit, jeder lebt, denkt, sinniert – für sich. Einsame Frustration, die sich höchstens in einem Fluch entlädt.

Warum kommen diese Leute hierher? Sie könnten ihr Bier zu Hause billiger bekommen.
Zu Hause ist wahrscheinlich niemand, da fällt ihnen die Decke auf den Kopf. Also gehen sie in die Bar, um die Zeit totzuschlagen, um unter Menschen zu sein, oder aber genauer gesagt, gemeinsam die kollektive Einsamkeit zu erleben.
 
 
ChA 03.04.14

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.04.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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