Elke Müller

Liebe, Kampf, SEHNSUCHT

Kapitel 3


Mit den Augen suchte Ryan den Saal ab, um den „ Engel „ zu finden. Er hatte da so eine Vermutung. Irina ist auf die Terrasse hinaus gegangen, über den sich der blaue Abend breitete, sie brauchte erst einmal frische Luft, sie war kurz davor zusammen zu brechen. Auch hier noch, hörte man aus dem Saal die Violinen und Gitarren einander antworten. Draußen führte sie ihre Hand an die Stirn. „ Wenn ich denke, sagte sie sich, während sie langsam herumgegangen und an der Rückseite, am Fuße einer Fassade zum stehen kam, „ das meine Befürchtungen war werden, spüre ich wieder diese Angst in mir, als wenn die Zeit, wo ich alleine war, wieder kommt. Man kann eben das Rad des Schicksals nicht anhalten noch zurück drehen.“ Ihre Augen schweiften verloren blickend, über die Gegend. Der Ort schien verlassen, denn die Paare, die an diesem Herbsttag, der doch recht kühlen Abendluft nicht scheuten, hielten sich auf den Rasen vor der Vorderfront auf. Zärtlich fuhr sie über den goldenen Armreif, den trug sie noch immer, seit Jahren, war es doch das erste Geschenk von Ryan gewesen. Etwas abgewetzt zwar, aber den goldenen Glanz hat er noch nicht verloren. Sie holte nochmals tief Luft und lief zur Treppe. Nur weg hier, nichts hören und sehen, wie glücklich all die verliebten Pärchen hier ihre Zeit verbrachten. Dann blieb sie unter einem mächtigen Eichenbaum plötzlich stehen und schaute in die Höhe. Ein vertrauter Kindheitsinstinkt veranlasste sie, ihre Schuhe auszuziehen und behände schwang sie sich trotz ihres langen Kleides auf einige starke Äste, die bis zum ersten Stockwerk des Hotels hinauf reichten. Ein Fenster stand offen und Irina beugte sich vorsichtig vor, um einige Gegenstände in Augenschein zu nehmen. Sie lies ihren Blick zu einem hohen, damastverkleidetes Bett schweifen und hatte plötzlich das Gefühl, als habe sich das Bild an der Wand in Leben verwandelt. Und wirklich, zwei nackte Körper umschlangen sich dort auf der in Unordnung geratenen Lacken, deren Spitzen auf den Boden hinab hingen. Irina erkannte, dass dort ein Mann und eine Frau lagen. Das dunkle, etwas lockige Haar des Mannes bedeckte fast völlig das Gesicht der Frau, die, sein langer Körper scheinbar fast erdrücken wollte. Gleichwohl bewegte er sich sanft, regelmäßig und im gedämpften Schein der Nachtlampe, offenbarte sich das Spiel seiner herrlichen Muskeln. „ Na da hast du ja doch noch Glück gehabt und etwas passende zur Nacht gefunden, werter Sven Trailer,“ kicherte Irina vor sich hin.Von der Frau sah man nur da und dort aus dem Halbdunkel hervortauchenden Schimmer, oder eine leichte weiße Hand, welche kam und ging wie ein Geist. Irina war fassungslos und zugleich unbestimmt verwundert. Endlich lösten sich die Liebenden. Sie lagen nun nebeneinander im Dunkeln. Man konnte sie nun deutlich sehen, ihre vollendeten runden Brüste, ihren geschmeidigen Leib, ihre langen gekreuzten Beine. „ Der Teufel hole die Störenfriede!“, rief plötzlich der Mann auf, während er über seiner Liebsten hinweg aus dem Bett sprang. Irina hatte das Klopfen an der Zimmertür nicht gehört und glaubte sich entdeckt. Leise rutschte sie, vorsichtig die Dunkelheit nutzend, rückwärts von dem Ast hinunter.

Trotz vorgerückter Stunde hatte Ryan die Suche noch nicht aufgegeben, schaute in jeden Flur, fragte vorbei eilende Leute, aber nichts. Plötzlich öffnete sich eine Aufzugstür und die gesuchte Person trat etwas zerschlissen heraus. Er blieb stehen, seine Blicke konnte er nicht mehr von ihr wenden und folgte ihr in einiger Entfernung. „ Hallo! .. Hey, darf ich kurz mal! .. Sorry, wenn ich falsch liege. .. Nun bleib doch mal stehen! Ich habe dich gesucht! .. Bitte warte! .. Ich habe dir was zu sagen! Gehen wir wo anders hin? .. Hey! Wieso läuft du weg? .. Warte doch! .. Hey.“ Sie blieb stehen, wartete ab. Ryan faste sie an die Schultern, drehte sie langsam zu sich herum. „ Ich wollte nur sagen, das ich...“ Irina hatte den Blick gesenkt und schaute nun auf. Trotz Maske, sah Ryan in zwei schwarze traurige, wütend und in böse Ironie blitzende Augen. Diese Augen, zwei leuchtende Smaragde gleich, die so klar wie ein See, oder verzweifelt, bis tief in die Seele des Herzens blicken konnten. Er kannte sie gut, sehr gut sogar. „ I R I N A !“ Kein Laut kam über ihre Lippen. Ohne Regung stand sie nur einfach da. Er faste nach der Maske, zog sie langsam vom Gesicht, strich damit über ihre zerzausten Haare und hielt sie dann in seinen Händen. „ Oh Gott, was ist passiert, du blutest ja!“ „ Nicht so schlimm! Ich, ich habe .. geweint .. bin wohl ausgerutscht und . ..Lass mich! Das macht nichts! Ich habe mich nur ein bisschen .. „ Sie legte ihre Hände auf seine Brust. Und plötzlich drängte sie sich an ihn, von trockenem Schluchzen geschüttelt.   " Ryan",    stöhnte sie, „ Sag mir, .. dass das nicht war ist was .. was ich gesehen habe. Willst du das wirklich tun? Ich habe Angst Ryan... Nimm mich in deine Arme, nimm mich fest in deine Arme, wenn du es noch unter diesen Umständen tun kannst! Drück mich an dich,drück mich fest an dich! Das ist alles worum ich dich bitte!“ „ I r i n a!“, flüsterte er leise. Sie schlang ihre Arme um den festen Nacken, zwang ihn, sein Gesicht an ihres zu lehnen. Er hatte getrunken und sie spürte seinen heißen Weinatem. Immer noch schaute sie ihn an, senkte den Blick schließlich, löste sich mit stockender Bewegung von ihm, drehte sich langsam um und ging auf Ihr Zimmer zu. Steckte den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür, blickte noch einmal kurz zu ihm, der, verdattert, keinen Schritt machen konnte. „ Es tut mir leid, wenn ich dich störe, ich werde lieber... Warum Ryan! Es tut so weh, es auf so eine Art zu erfahren! Ich weiß, dass das Leben nicht immer so verläuft wie man es sich wünscht und es ist voll von Fehlern, die man bereut. Dennoch muss nicht alles verloren sein, denn wo ein Wille ist, ist auch immer ein Weg!... Oh Gott, es tut mir leid, ich bin ja eine solch dumme Kuh!“ Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss. Noch eine kurze Weile stand sie, den Türknauf fest in der Hand haltend, den Kopf gegen die Tür gelehnt. Am liebsten würde sie diese wieder öffnen und sich weinend in seine Arme flüchten. Die Tragik der Ereignisse überwältigten sie und sie brach in Tränen aus. Sie gab sich ihren Schmerz frei hin, lief langsam zum Bett, die Hände vors Gesicht geschlagen, aufschluchzend lies sie sich fallen. Tränen rannen zwischen ihren Fingern hindurch und wurden vom Kopfkissen aufgesaugt. Ryan schlug mit der Faust ein paar mal gegen die Wand, wo er noch immer wie angewurzelt stand. „ Nein, nein, nein... warum nur! Verdammt, verdammt, verdammt! So eine Scheiße aber auch!“ Er war wütend auf sich, hatte er doch mal wieder, alles, aber alles falsch gemacht. Ein paar Schritte und er stand vor ihrer Tür, hörte sie weinen und würde das Geschehen gern rückgängig machen. Zaghaft klopfte er an. „ Bitte Irina! Irina bitte, .. darf ich rein kommen? Lass dir erklären!“.... „ Sei Still! Sei jetzt nicht .. auch noch herzlos! Nein, .. ich will dich nicht mehr sehen! Geh! Bitte geh endlich .. und lass mich alleine! Geh .. geh und mach mir .. nicht den Abschied noch schwerer .. wie er schon ist. Ich , ich... reise morgen ab! Ich .. werde dir nicht im Weg stehen, auch wenn es mir das Herz zerreist, aber, so ist es vielleicht das Beste für uns beide.... Bey- Bey!“ Jetzt war ein guter Rat gefragt.

In einer Nische versteckt, hatte Sven Trailer die Angelegenheit mit großem Interesse verfolgt. Er rieb sich die Hände vor Vergnügen und murmelte vor sich hin: „ Ich werde dafür sorgen, das sie dich in die Wüste schickt, mein lieber Ryan. Dein Vater wird sich von dir abwenden und dir diesmal nicht helfen können. Meine falle ist schon längst aufgebaut, wie eine Spinne habe ich meine Fäden gesponnen und ein Entrinnen ist nicht möglich. Du sollst mit teuer die Schmach bezahlen, die ich durch dich erhalten habe. Deine kleine Schöne wird mir gehören und zwar schon bald! Ich werde die kleine Wildkatze schon zähmen. Sie hat schon immer mir gehört und wird es auch wieder!“ Leise zog er sich zurück.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.04.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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