Jacques Lupus

Heidi, der Dackel

Heidi der Dackel
 

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Nach einem schweren, harten Leben spielte das Herz unseres Vaters und Großvaters Waldemar nicht mehr mit.
Nach einem ungleichen Kampf verstarb er nach einem Herzinfarkt auf der Intensivstation im Kreiskrankenhaus Sömmerda.
Zu jener Zeit lebte ich mit meiner Frau und den Kindern im Wohngebiet " Am Roten Berg " in Erfurt, und unsere alte Mutter blieb allein am alten Bauernhof zurück.
Es war nicht leicht für sie ! So allein war sie noch nie in ihrem Leben gewesen.
Am Wochenende besuchten wir sie zwar regelmäßig; aber allein im großen Haus - wer fühlt sich da schon wohl ?
Als unsere Mutter noch in ihrem Elternhaus zu Hause war, war die Gesellschaft eines Hundes Selbstverständlichkeit. Ein Schäferhund,
ein Dackel waren treue Freunde, und so wuchs die Idee, unserer Mutter einen Dackel zu schenken.
Gleich hinter der Dorfwirtschaft stand direkt neben dem Friedhof ein alter verfallener Bauernhof, der einer total verarmten Familie gehörte.
Sie hatten es in ihrem Leben nie fertig gebracht, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu lernen. Dafür war der Kinderreichtum um so größer,
was aber in jenen Zeiten kein Problem war.
Für alle Kinder war genug Platz, alle besuchten die Schule und absolvierten eine Lehrausbildung. Sie waren inzwischen alle erwachsen
und hatten teils selbst schon Familie.
Diese Familie war im Begriff, Haus und Hof zu verkaufen, um in die nahe Kreisstadt zu ziehen.
Ihm war eine Hausmeisterstelle im Landratsamt und ihr eine Stelle als Putzfrau angeboten worden. Beide nutzten die Chance, zufrieden in einer Zweiraumwohnung zu leben.
Im Besitz der Familie war ein kleiner, etwa 6 Monate alter Dackel.
Sein Fell strahlte rehbraun,
und recht possierlich erweckte es sofort aller Zuneigung.
 

Das Tier entstammte einen Wurf aus " Noblen Hause ", gehörte aber eben zu den zuviel Geborenen und stand auf der Liste des Todes.
Die Familie hatte dafür gesorgt, daß das niedliche, rehbraune Tierchen dieses Schicksal nicht erleiden mußte und hatte es in seinen Besitz genommen.
Jetzt aber stand dem Dackel erneut dieses Leid vor Augen, denn in die neue Wohnung durfte kein Haustier mit einziehen.
Durch Zufall erfuhren wir davon, und für uns stand fest: dieser kleine Dackel sollte, durfte nicht sterben. Einhundert Deutsche Mark wechselten den Besitzer, und Dackelhündin Heide wackelte hinter unseren Sohn Michael her, immer mal zurück in die Richtung schauend, wo das alte vertraute Zuhause lag.
Nach einigen Abenden voller Sehnsucht nach dem alten Zuhause, hatte sich unser Dackel jedoch bald an uns gewöhnt. Heidi war der Liebling am Hof!
Stundenlang lag unser Dackelhündchen auf dem Schoß unseres Sohnes Sascha ohne eine Regung.
Behend jagte es alle Katzen vom Hof und stellte klar, wer der Chef am Hofe war. Unser alter Kater, der das für wahr nicht akzeptieren wollte, mußte seine Starrsinnigkeit sogar mit dem Leben bezahlen. Wir konnten unserem Dackel nicht böse sein. Er hatte weiter nichts wie seinen Jagdtrieb gestillt und dafür gesorgt,
daß unser Kater nicht an Altersschwäche sterben mußte.
Unsere Heide wuchs prächtig heran. Leider entwickelte sich eine typische Dackelkrankheit im Drüsenbereich, was nicht weiter störte.
Besonders unsere Mutter hatte viel Ablenkung durch ihren Dackel, der sie auch etwas an ihre Kinder- und Jugendzeit im Elternhaus erinnerte.
Er mußte aufs Wort parieren, wurde regelmäßig versorgt und sorgte für dieses und jenes wichtig Bellduell mit der Nachbarschäferhündin Tina.
Unser Ziel war erreicht : Oma Hildegard war nicht mehr allein im Haus !
Zu jener Zeit ging unser Sohn Sascha noch die Schule und besuchte regelmäßig seinen Schulfreund in einer nahe gelegenen Häusersiedlung. Die Familie besaß eine Katze, die eines Tages einen Wurf kleiner Katzen mit nach Hause brauchte. Die Katze hatte dem Locken eines prächtigen grauweiß gefleckten Katers nicht widerstehen können.
Eines der kleinen Katzen war seinem Vater gleich, und für unseren Sohn Sascha stand fest:
Dieser kleine Kater gehörte ihm. Er konnte stets und immer eine besondere Tierliebe empfinden.
Nachdem meine liebe Frau schon das Meerschweinchen in der Wohnung duldete, war aber eines klar :
Eine Katze kam nicht in die Wohnung ! Das Rätselraten begann . Wohin mit der kleinen Katze?
Unsere Oma in Wundersleben bot dafür immer eine Lösung, aber würde unser Dackel das Kätzchen leiden können?
An dieser Stelle bewies Sascha sein Talent, Tiere zu erziehen. Das Kätzchen war noch sehr klein. Ein nicht allzu großer Campingbeutel lag auf dem Rücksitz unseres Autos neben Sascha. Mit viel Schwung kletterte das Kätzchen daran herum oder spielte mit unserem Sohn.
Bei Oma Hildegard angekommen, mußte unser Dackel immer wieder den Geruch des Kätzchens in seine Nase spüren. Er bellte, daß Kätzchen fauchte vor Angst.
Plötzlich stockte mir der Atem ! Sascha hatte das Kätzchen völlig hilflos sich selbst überlassen.
Das Kätzchen begann die Dackelhündin als Mutter statt zu akzeptieren, schmiegte sich schmusend am seidigen Fell des Dackels, und Heide schmuste mit.
Vereint zogen sie zusammen in das Körbchen von der Dackelhündin Heidi ein und waren fortan eine Familie. Die "Dackelmutti" Heidi und das Katzenkind Moritz.
Wir alle verlebten schöne gemeinsame Jahre zusammen. Oft ging die wilder Hatz im Hof entlang, der Kater vorne weg, Heidi hinter her oder anders herum.


Es wurde auch wild gerauft, daß der Beobachter denken mußte: "Das wars ! Gleich ist das Kätzchen tot! "
Genau das trat aber nicht ein. Der kleine Kater wuchs heran, und selbst als beglückender Kater im Revier Brauhausgasse und Umgebung,
verantwortlich für neues Blut unter den Katzen im Dorf, besuchte er regelmäßig seine Ziehmutter Heidi, um zu schmusen und zu schnurren.
Seitdem hat unser Dackel keine Katze mehr getötet. Im Gegenteil : Alle Katzen wissen inzwischen, daß Dackelhündin Heidi ein lieber Hund und Katzenfreund ist.
Oft rennt sie mit dem Katzennachwuchs in wilder Hatz über den Hof und hält sich damit fit.
Inzwischen ist unsere Dackelhündin mit ihren neun Jahren eine alte Dame geworden.
Der Kater Moritz ist von einem Werbegang im Dorf nicht wieder zurück gekommen.
Seit einigen Jahren wohnen wir in meinem Elternhaus in Land Thüringen! Wir genießen die Dorfidylle, das Zwitschern der Vögel und die besinnliche Ruhe.
Unser Sohn Sascha ist ein erwachsener Mann und wohnt jetzt in der Nähe des Ruhrgebietes!
Im Dorf gibt es seither einige wunderschön grauweiß gefärbte Katzen! Wo die wohl herstammen?
 
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.04.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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