Elke Müller

Liebe, Kampf, SEHNSUCHT

Kapitel 14

Auf ein Schreiben von Ryo hin, verlies heimlich Irina das Haus, die Kapuze ihres Mantels tief ins Gesicht gezogen. Es war stockfinster, nur einige Lampen beleuchteten den Weg. Sie hörte Schritte hinter sich und wich erschrocken zurück. Sie schrie auf als sich eine Hand auf ihre Schulter legte. „ Es ist gefährlich, so alleine zu so einer späten Zeit, herum zu wandern. Ich grüße Euch! Ich wollte eben zu dem Büro von Herrn Trailer, um Euch zu sprechen und habe es mir schon gedacht, das ich Euch treffen würde.“ „ So, .. leider kenne ich Euch nicht.“ „ Wirklich nicht?“ Er nahm seinen breitrandigen Hut ab, welcher sein Gesicht verdeckte. „ Warum habt Ihr nicht warten können, bis ich gekommen bin.“ „ Ryo, ihr seit es? Warum diese Verkleidung?“ Mit leiser Stimme sagte er: „ Ich war gestern im Gefängnis. Nun, gehen wir, die Gegend hier ist nicht gerade...Und, wirkt es nicht echt?“ „ Gewiss, der lange, dunkle Mantel und der große Hut, ich habe mich täuschen lassen. Macht Ihr das öfter ?“ „ Nein, nur in bestimmten Fällen, ist manchmal für meine Nachforschungen nützlich.“ Schweigend ging man nebeneinander her, bis eine Kneipe vor ihnen auftauchte. Lautes Gegröle drang bis auf die Straße hinaus. Über den Eingang hing ein windschiefes Schild, worauf ein schwarzes Ross gezeichnet war. Sie liefen einige Stufen hinunter und betraten einen nach Tabakrauch, Braten und Alkoholduft erfüllten Raum. Im Hintergrund beschäftigt, hantierte ein kleiner rundlicher Wirt mit einem Tablett voller Biergläser herum. Die Beiden setzten sich an einen abseits stehenden Tisch unter einem Fenster. Ryo bestellte. Irina zog ihre Geldbörse hervor. „ Ich bin es, der bezahlt.“ An diesen Abend waren Komödianten anwesend und führten einige Darbietungen auf, welche Irina mit großen Augen neugierig betrachtete. Die Zuschauer lachten. Langsam kehrte aber die Unruhe in ihren Körper zurück. Sie fragte sich, wie lange ihre Geduld wohl noch auf die Probe gestellt werden würde. Ryo schaute sie prüfend an und zog eine verdrießliche Grimasse.
„ Die Gefühlsduselei ist ein Leiden, das man nicht so leicht los wird, wenn dann noch Abenteuerlust hinzukommt, ist ein böses Ende gewiss. Aber man weiß nie, was von beiden siegt. Und wenn es der Zorn ist, dann.. Gnade uns Gott! Kurz, je mehr sich Eure Angelegenheit kompliziert, desto mehr fesselt sie mich.“ Das Glas Wein vor ihr, hatte sie noch nicht angerührt. „ Wenn ich recht verstanden habe, seit Ihr in einer üblen Geschichte verwickelt, bei der Ihr Euer Leben aufs Spiel setzt. Eigentlich überrascht es mich nicht, ich bin so etwas gewohnt! Aber Ihr könnt Euch noch aus der Affäre ziehen.“ „ Was ist mit Ryan? Ich soll ihn im Stich lassen! Wer wird dafür sorgen, dass ihm Gerechtigkeit widerfährt? Es ist grauenhaft, wohin man auch schaut, überall sieht man nur hasserfüllt, neidische, verächtliche, drohende Blicke! Ich will aber meinen Mann zurück!,“ schrie Irina plötzlich und sprang wütend auf. Verwunderte Blicke richteten sich auf die Zwei.„ Ihr seit wirklich eine wunderliche Frau!“ „ Ihr seit ein Feigling und zittert doch nur um euer Leben, statt etwas zu tun!“ Der Advokat erhob sich und schlug ein kleines Heft auf. „ Hier die Aufstellung meiner Auslagen, ich habe nichts für mich selbst einbehalten.“ „ Es ist mir gleich, ob Ihr ehrlich oder ein Gauner seit. Ich werde Sven um weitere Hilfe bitten.“ „ Er hat nicht die Absicht in dieser Angelegenheit Partei zu ergreifen. Er hat Euch zwar angehört .. aber an mich weiter verwiesen, weil er, wenn alles zu seinem Gunsten verläuft, erhofft Ruhm zu ernten, andernfalls seine Hände in Unschuld waschen zu können. Sollte man mich noch brauchen, ich bin jeden Abend hier anwesend, so lasst mich rufen.“ Ryo erhob sich und ging, ohne ein Wort zu sagen. Als er gegangen war, fühlte Irina sich allein gelassen mit all ihren Sorgen und wusste sich im Moment nicht zu helfen. Auch sie verließ, nach der Bezahlung, den Ort. Sie schritt die Straße entlang ohne auf den Weg zu achten. Ihr war im Moment alles egal. Zu Hause auf ihrem Zimmer kreisten ihre Gedanken noch einmal um die erlebten Ereignisse des Tages. Ihre Erinnerungen an Ryan kehrte zurück, als sie noch miteinander glücklich waren.

 

Am nächsten Morgen kam ihre ehemalige Freundin Liane auf eine Stippvisite vorbei und nahm Irina gleich unter ihre Fittiche. „ Ich habe einiges über dich gehört und habe mal etwas nachgefragt, es ist nicht viel, aber immerhin.“ „ Erzähl, was hast du in Erfahrung gebracht?“ „ Nun, offen gesagt, die Leute wissen nichts oder tun so, als ob sie nichts wüssten! Ich habe meinen guten Namen und meine ganzen Beziehungen spielen lassen. Aber, wie man hört, soll unser Ryan, wegen Diebstahl, Erpressung und Drogenbesitz, sogar wegen versuchten Todschlag angeklagt werden!“ Irina glaubte ihr Herz blieb stehen. „ Hör mal, ohne Anlass sperrt man keinem Menschen einfach ein, da muss etwas faul sein. Ryan würde doch nie...“ plapperte Liane weiter. Ein brennender Stich lies Irina erschaudern. Sie verbarg ihr Gesicht in den Händen und bemühte sich ihre Ruhe zurück zu gewinnen.

Die Tür wurde aufgerissen und Ryo packte Irina plötzlich bei der Hand.„ Kommt, ich habe Neuigkeiten! Rasch!“ Er zog sie auf den Gang, wo Sven mit einigen Kumpanen stand und mit kalten Augen den Geschehen zuschaute. Ryo bemerkte im Augenwinkel eine Geste, die von Sven gemacht wurde und stürzte mit Irina im Schlepptau in wilder Flucht davon, gefolgt von Svens Freunden. Ein Messer wirbelte durch die Luft und verfehlte sie nur um wenige Zentimeter. Es folgte ein weiteres, Irina verspürte Schmerzen am Arm, achtete aber nicht darauf, sondern rannte angsterfüllt weiter. Sie hörte noch das Wort schwarzes Ross in ihren Ohren, dann trennten sich plötzlich die beiden, um ihre Verfolger zu verwirren.

Im „ Schwarzen Ross „ herrschte reger Betrieb. Ryo stopfte sich gerade eine Pfeife, als Irina außer Atem, den Raum betrat. Sie lies sich keuchend neben ihn nieder. „ Da haben wir ja noch mal Glück gehabt! Es sieht ganz danach aus, als ob Sven mit der Sache zu tun hat.“ Ein lastendes Schweigen trat ein, in dem das Gegröle einer Gruppe Betrunkener und die ungeduldigen Rufe der wartenden Speisegäste zu hören war. „ Es wäre sicher besser, für kurze Zeit den Wohnort zu wechseln.“ Irina presste die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf.
„ Ohne Ryan, geh ich hier nicht weg.“ „ Hängst du so sehr an deinem Mann?“ Irina biss sich auf die Lippen. „ Ich weiß wohl, es klingt lächerlich, aber ich liebe ihn!“ „ Pah! Genug damit. Wie sagt man so schön, .. alle Wege führen nach Rom. Komm, jetzt wird ordentlich gegessen. Hinterher schmieden wir Pläne, was weiter getan wird. .. Heda, Herr Kellner! Wollt ihr uns Hungers sterben lassen?“ Eilig trat dieser herbei, nahm die Bestellung auf. „ Ihr werdet so schnell wie möglich bedient werden!“ Damit eilte er der Küche zu. Das Essen sah prächtig aus, als man es servierte, man hatte sich wirklich große Mühe gegeben. Irina hatte keinen großen Hunger, stocherte nur lustlos auf ihrem Teller herum und aß nur einige Happen. Mit der Zeit stellte sich eine gewisse Müdigkeit ein.
„ Nun, ich muss aufbrechen!“ Man ging hinaus, es hatte geregnet und ein frischer angenehmer Duft lag in der Luft. Verlegen warf Irina einen Blick zu Ryo. „ Bitte glaubt mir Ryo, … Ryan ist ein feiner und guter Mensch!“ „ Ich hoffe es. Bleibt Ihr bei der Feststellung von neulich?“ Sie sah zu ihm auf, die von Müdigkeit verklärten schönen Augen gaben eine kaum definierbare Tönung ab. „Welcher Feststellung?“ „ Das Ihr kein Vertrauen zu mir habt!“
„ Im Augenblick gibt es nur noch Euch, zu dem ich Vertrauen haben kann! Begreift Ihr?“ „ Ich begreife vor allem, dass Ihr, wenn die Wunde am Arm nicht bald versorgt wird, bald krank seid. So kommt, Ihr braucht etwas Ruhe sowie Pflege, um wieder zu Kräften zu kommen.“ Er nahm sie am Arm und zog sie durch das Gewühl der morgendlichen Stadt. An einer Apotheke, machte man halt. Nochmals musterte er sie und trat dann ein. „ Der Inhaber ist ein Freund von mir. Keine Angst!“ Einige Minuten verstrichen, bevor sich der Besitzer, eigenhändig ihrer annahm. „ Ah, ich sehe schon, was hier los ist! Wieder ein Opfer der zunehmenden Gewaltherrschaft! Nun, ich soll sie wohl wieder instand setzen, bevor du sie.... hihi … unverbesserlicher Schürzenjäger? Vertrau dich mir nur an mein schönes Kind, damit Ryo hernach unbesorgt … hihi … werdet schon sehen, wie frisch ihr Euch gleich fühlen werdet.“ Ryo verzog keine Miene. „ Darum geht es nicht. Sie hat sich eine Verletzung zugezogen und ich möchte, dass du es dir anschaust und ihr ein wenig Linderung verschaffst.“ Man folgte dem Apotheker in ein kleines Nebenzimmer. Irina geriet in tiefste Verlegenheit, bis jetzt war sie nie krank gewesen und sich vor den Männern entkleiden zu müssen, war ihr ein graus. Aber noch bevor sie sich dagegen zu Wehr setzen konnte, hatte Ryo auf die selbstverständlichste Weise der Welt und mit der Geschicklichkeit eines Mannes, für den weibliche Kleidungsstücke nichts geheimnisvolles haben, ihre Bluse aufgeknöpft, das ihr daraufhin über die Arme bis zur Taille hinabglitt. Sein Freund Ronald beugte sich über sie und besah die Wunde. „ Hm, hm, ich sehe schon, um was es sich handelt. Da hat ein galanter Edelmann wohl seine Finger im Spiel gehabt.“ „ Sag, was kannst du tun, bei solch einer Wunde?“ „ Tja, sie schaut weder gut noch schlecht aus. Wir werden eine heilende und erfrischende Mixtur auflegen, wir aus Italien wissen darüber bestens Bescheid.“ Er entfernte sich, um die Mischung vorzubereiten. Irina verging vor Scham und versuchte sich wieder anzuziehen. Doch Ryo wusste dies zu verhindern. „ Spiel jetzt nicht die Prüde, du kleine Närrin! Du hast dich auf einen Kampf eingelassen, ein Spiel auf Leben und Tod. Zierereien gibt es da nicht und .. man kann sie sich auch nicht leisten, sonst!“ Er machte eine fegende Armbewegung. Der Apotheker kam zurück. „ Ich glaube, die Wunde hatte sich etwas entzündet, glaubte Eiter unter der Haut gesehen zu haben. Du brauchst dich nicht zu fürchten, nur ein kleiner Schnitt ins Fleisch. Sei unbesorgt, niemand hat eine leichtere Hand wie Meister Ronald.“ Trotz ihrer Angst, merkte sie kaum Schmerzen, er ging sehr geschickt zu Werke. Danach goss er eine Flüssigkeit auf die Wunde, die sie zusammenzucken lies. Sie bedeckte etwas ihren Körper und wurde nach nebenan geführt. Dort waren schon allerlei Menschen versammelt und erzählten sich den neusten Klatsch und Tratsch. Man sah nur kurz auf, um die Neue in Augenschein zu nehmen. Sie setzte sich auf einen Stuhl und schon kam der Meister mit Verbandszeug in der Hand zu ihr, ohne sich um die anderen zu kümmern. „ Ich weiß ein gutes Mittel, .. hihi .. wie du wieder Schwung und Farbe ins Gesicht bekommst,“ wisperte er ihr zu. „ Hier ist es, .. ein guter Rotwein und eine Liebesnacht .. hihi ..“ Er hatte ihr einen festen Verband angelegt und lies sie nun gehen. Sie zog sich weiter an. Ryo wartete derweil schon im Laden. Sein Freund Ronald stellte sich vor ihm auf. „ Sie ist so weit, aber seid nicht zu brutal, wie sonst, die Wunde an ihrer Schulter muss erst vernarbt sein. Sollte es schlimmer werden, bleibt nichts andres übrig als einen Arzt aufzusuchen.“ Irina fühlte sich plötzlich unwohl, ihr fielen die Augen zu, unfähig zu jeglicher Gegenwehr, es wurde Nacht um sie. Als sie erwachte, lag sie ausgestreckt auf einer Bank und das Knie des Advokaten diente ihr als Kissen. Sie sah in sein Gesicht, der mit halbgeschlossenen Augen und in versonnener Haltung dasaß. Hastig richtete sie sich auf. „ Oh, verzeiht mir. Es muss furchtbar unbequem für Euch gewesen sein.“ „ Habt Ihr gut geschlafen?“ erkundigte er sich, wobei sich in seine Stimme Müdigkeit mischte. „ Lasst uns gehen.“ „ Hm.“ Trotz ihrer Blässe errötet sie. Auf der Straße zurück, blickte er sie an. „ Euch geht es also wieder gut?“ „ Ich fühle mich etwas schwach, aber keine Sorge, die Rosskur war meiner Gesundheit dienlich. Ob ich es wieder mal ausprobiere, weiß ich allerdings nicht.“ „ Man sollte nicht sagen, nie mehr. Das Leben ist veränderlich, das Rad der Zeit dreht sich unentwegt, mein Herzchen!“ Nach einem kurzen Schweigen murmelte sie. „ In einem Menschen sind so viele verschiedene Dinge vereint. Man kann sehr böse und zugleich sehr gut sein. Ihr seit sehr gut Ryo.“ „ Das finde ich nicht. Ich bin arm. Meine Mutter starb viel zu früh, am gebrochenem Herzen. Es gab viel Streit bei uns. Sie wollte immer zurück in ihr Land. Sie war eine tübische Französin … Tja, mein Vater .. mein Vater hat mir zwar seine Advokatenzulassung überschrieben, aber auch gleichzeitig sein Schuldenberg vererbt. Er ist ein Säufer gewesen der sich Tag und Nacht in der Stadt amüsierte. Ich selbst kenne nichts anderes als die Armut. Als Student gab es damals nichts herrlicheres, als die Lokale und Freudenmädchen. Möglich, das ich mal ein gewitzter Anwalt werde, falls ich einmal einen großen Prozess gewinnen werde. Nun ja.“ „ Ihr dürft nicht aufgeben, das Glück ist Euch sicher hold!“ „ Ja, vielleicht sollte ich etwas daran glauben.“ Sie hakte sich unter und lächelte ihn an

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.05.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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