Elke Müller

Liebe, Kampf, SEHNSUCHT

Kapitel 15

Eines Tages erschien Sven bei Irina. „ Es gibt Neuigkeiten. Endlich ist es also soweit! Ein Prozess steht bevor.“ Ein Seufzer stieß Irina aus. „ Tja, leider gibt es ein kleines Problem.“ „ Was für ein Problem den?“ „ Schau selber.“ Er hielt ihr eine Zeitung hin. „ Irgend so ein kleiner, billiger Verfasser von der Presse, hat von den Prozess Wind bekommen. Mit üblen Beschimpfungen und vulgärsten Ausdrücken bedient er sich. Ich habe alles versucht diese Zeitungsschreiber zum Schweigen zu bringen, aber.. sie sind überall oder nirgends.“ „ Oh !“ Irina war leichenblass. „ Wie kann man dulden, das so etwas unbestraft sein Unwesen treibt!“ „ Ha, Pressefreiheit nennt man das! Wie wäre es,.. wenn du bis zum Prozess bei mir wohnst? Dann bist du vor Verfolgungen sicher. Es ist kein Problem, kann das Gästezimmer sofort herrichten lassen.“ Irina stimmte dem zögernd zu.

Einige Tage vor Weihnachten fing es an zu schneien. Die Stadt legte ihren Festschmuck an. Irina schaute aus dem Fenster, sie machte sich um Ryan Sorgen. Nie,.. nie durfte sie ihn besuchen, alle Anträge wurden abgelehnt. So, als wenn er ein Schwerverbrecher wäre. Ryo kam vorbei, mit einer Akte unter seinen Arm. Irina warf ihm einen verstohlenen Blick zu. „ Das Datum ist festgesetzt !“ sagte er ernst. „ Sehe ich da vielleicht Zweifel an Euch? Ihr habt doch die Möglichkeit, Ryan täglich aufzusuchen! Bitte,.. darf ich mitkommen?“ „ Es tut mir leid, hinsichtlich der strengen Anweisungen, muss ich dazu abraten. Auch steht noch nicht fest, ob ich eine Erlaubnis erhalte ihn zu sprechen.“ „ Ich weiß noch, es war Sven der Euch empfahl. Ich weiß noch genau was er sagte, nämlich, .. er ist ein schlauer Kopf der Anwaltschaft und wird nicht all zu viel kosten!“ „ Vielen Dank, für diese netten Worte.“ „ Ich glaube, nein, ich bin sicher, das Sven auch da seine Finger mit im Spiel hat. Findet Ihr nicht?“, stellte Irina fest. „ Vielleicht, aber darüber kann ich nichts sagen.“ Als Ryo am übernächsten Tag wiederkam, hatte er ein ironisches Lächeln im Gesicht und kramte einen Brief aus seiner abgewetzten Tasche. „ Ich habe es hier schriftlich,. das man mir erlaubt, .. mit den Gefangenen Ryan Redley zu sprechen.“ Bei dieser Mitteilung stürzte Irina auf den jungen Mann zu, schlang ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn herzhaft. Einen Augenblick später spürte sie den Druck zweier kräftiger Arme die sich um ihren Körper legten. Ein intensives wohliges Gefühl machte sich in ihr breit. Doch schon zog sie sich verwirrt zurück. Sie strich über ihre Augen, in denen sich Tränen schon sammelten. „ Entschuldigung, ich weiß schon gar nicht mehr, was ich tue. Ich halte es .. nicht mehr aus!“ Er nickte stumm und nahm den Brief wieder auf, den er abgelegt hatte. „ Nun, ich habe mir die wichtigsten Hauptanklagepunke notiert. „ Er wird in erster Linie wegen Diebstahl, Drogenbesitzes, der Vielweiberei und anderen kleinen Dingen belangt.“ „ Das ist doch nicht möglich, das sind ja die reinsten Unsinnigkeiten! Ihr glaubt doch nicht etwa daran?“ „ Ich bin ein Freigeist, glaube weder an Gott noch an den Teufel. Es wird mir sicher leicht fallen, seine Unschuld zu beweisen. Macht Euch keine Sorgen, ganz bestimmt steckt ein Schwindel dahinter und wir müssen zusehen, dass wir ihm zur rechten Zeit auf die Sprünge kommen.“ „ Vielleicht kann Ryan einiges zur Aufklärung sagen.“ „ Ich hoffe es. Auf jeden Fall steckt irgend ein Betrug dahinter. Ich spüre genau, irgend etwas ist ziemlich faul an der gesamten Sache. Punkt für Punkt muss widerlegt werden. Noch weiß ich nicht recht wie.“ Irina fröstelte es, es war eisig kalt draußen. Der Himmel war in einem schmutzigen Grau getaucht. Sie folgte Ryo stumm, der zügig voran schritt und es schien, als ob er in seinen Gedanken vertieft wäre. Plötzlich hielt er inne wandte sich um. „ Ich glaube...es ist doch besser, wenn ich alleine gehe.“ „ Warum?“ „ Kann es nicht erklären, hab so ein komisches Gefühl.“ „ Dann... Hier, ich habe Ryan einige Zeilen geschrieben,.. vielleicht bewirkt es etwas.“ Er nickte, schob seinen Hut tiefer ins Gesicht, schlug den Mantelkragen hoch und verschwand langsam. Es begann zu nieseln.

Irina saß daheim am Fenster und ihre Blicke suchten ständig die Gegend ab, ob vielleicht nicht .. Endlich, nach einigen Stunden erblickte sie ihn. Ihr Herz begann in unerklärlicher Beklommenheit zu klopfen. Sie öffnete schon die Tür, noch ehe die Klingel von Ryo betätigt wurde. Er legte seinen feuchten Mantel und Hut ab und setzte sich neben sie, zog seine Pfeife aus der Tasche und stopfte sie gemächlich. Irina war nervös, ihre Blicke hingen förmlich an seinen Lippen. Er war die Ruhe selbst, blies eine Wolke von Rauch in die Luft und schaute sie endlich mit nachdenklichen Gesichtszügen an. „ Ich bin ohne Mühe zu ihm vor gedrungen. Erst wollte er sich selbst verteidigen, ist aber nach kurzer Unterhaltung, auf mein Mitwirken eingegangen.“ „ Hat er meinen Brief gelesen? Hat er sich darüber gefreut? Leidet er sehr? Ist er verzweifelt?“ „ Das sind viele Fragen auf einmal... Nun, er ist sehr gefasst. Es gab sehr viele Verhöre, daher wirkt er etwas angeschlagen.“ „ Wir werden doch gewinnen, nicht wahr?“ „ Es wird nicht leicht sein, ich kann absolut nicht voraussehen, welchen Verlauf die Dinge nehmen werden. Ich werde nochmals alle Akten und Aufzeichnungen überprüfen, vielleicht habe ich etwas übersehen.“ Draußen auf der Straße nahm er sie in den Arm. Irina lies es geschehen und war etwas glücklich über die unerwartete Stütze.


Kapitel 16

Der Augenblick war gekommen, die Verhandlung sollte beginnen. Eine Stimme verkündete: „ Bitte erheben Sie sich,...das hohe Gericht!“ Die Zuhörerschar erhob sich. Es trat Stille ein. Irina erschrak, sie hatte Ryan gesehen. Er war grauenhaft abgemagert. Nach den langen Monaten der Trennung, sah sie ihn jetzt mit den Augen der Menge und war entsetzt über den Veränderungen, die mit ihm vorgegangen waren. Sein langes Haar, das ein verwüstetes, gespensterhaftes bleiches Gesicht umrahmte, die abgenutzte Kleidung, die gespenstige Magerkeit, all das verfehlte seine Wirkung auch auf die Menge nicht. Als er den Kopf hob und seine funkelnden Augen in einer Art spöttischen Überlegenheit aufblitzten, erhob sich ein Gemurmel. Irina suchte mit den Augen Ryo. Sie sah ihn, durch eine Tür in der Rückwand des Saales eintreten, die auch die Geschworenen benutzten. Dann wurde es wieder still. Es begann die allgemeine Abfragung von Name, Alter u.a. „ Angeklagter, leistet den Eid!“ sagte der Richter. „ Ich schwöre, die volle Wahrheit zu sagen. .. Indessen weiß ich, dass dies ein abgekartetes Spiel ist und ich unschuldig bin!“ „ Nun, es wird sich zeigen! Der Herr Staatsanwalt möge die Anklageschrift vorlesen.“ Irina hörte gar nicht richtig zu, sie hatte nur Augen für Ryan. Ihr Herz schlug ihr bis zum Halse. Der Richter begann mit dem Verhör. „ Gebt Ihr der Anklage Recht, welche Euch zur Last gelegt werden?“ „ Nein! ich leugne es in ihrer Gesamtheit, bin völlig unschuldig.“ „ Das steht Euch nicht zu. Ihr habt auf jede einzelne Frage zu antworten, welche die Anklageschrift enthält. Habt Ihr Drogen verkauft sowie selber eingenommen?“ „ Ich habe weder mit Drogen gehandelt noch irgend wann, selber solches Zeug zu mir genommen!“ „ Ihr schwört also, dass Ihr nie dergleichen ausgeübt habt!“ „ Das bezeuge ich.“ „ Abgesehen davon, sollt ihr eine gewisse Gabe haben, insbesondere hübsche junge Frauen ständig zu umgarnen.“ „ Ich für meinen Teil gestehe, dass ich mich gern mit Frauen abgebe. Schon durch meinen Beruf als Rennfahrer, wird man ständig angehimmelt. Aber die Liebe kommt und geht. Man muss halt Geduld aufbringen, bis man die einzige Richtige gefunden hat. Aber darüber brauch ich Euch doch sicher nichts zu sagen, oder?“ Der Richter nahm ein anderes Blatt auf. „ Ebenfalls, wie bekannt, finden Treffen in ihren Hause statt. Und da sollen keine Drogen im Umlauf gekommen sein? Ihr habt Euch mit absonderlichen Menschen umgeben, die aus dem Ausland kamen und vielleicht Spionage über unser Land führen.“ „ Ich will ja niemanden zu nahe treten, aber diese Menschen sind Freunde, Geschäftsleute meines Vaters, oder Freunde vom Motorradsport, und spionieren sicher nicht für was weiß ich, noch haben sie irgend welche krumme Dinger gedreht gehabt. Ansonsten fliegen sie raus, dies wissen alle Beschäftigten. Aber was hat dies mit mir zu tun?“ „ Ihre Ausschweifungen, es gibt zahlreiche Berichte, die besagen, öffentlich der körperlichen Liebe verherrlicht zu haben und von Ihnen geäußert worden.“ „ Schauen Sie doch einmal in die Bibel, da steht noch mehr solch netten Äußerungen drin. Diese Dinge scheinen brennend zu interessieren, wie auch die jüngere Generation.“ Eine weitere Stunde verging, in dem man allerlei unsinnige Fragen stellte. Ryan reagierte auf solche törichte Albernheiten mit Verachtung oder einem ironischen Lachen. „ Ihr habt noch nichts zu der gegen Euch erhobene Beschuldigung geäußert, sogar nicht vor Mord halt zu machen.“ „ Was würdet Ihr tun, werte Herren, wenn vor Euren Augen, eine geliebte Person gemeuchelt wird! Man hat versucht meine Frau umzubringen, sollte ich dabei zusehen? Man sagt so manches, wenn einem die Wut packt, da denkt man nicht groß nach.“ „ Ebenfalls habt Ihr versucht den Freund Eures Vaters, aus den Weg zu räumen. Er ist Staatsanwalt... und trotzdem so etwas. Ein Kampf hat sogar statt gefunden. Uns liegen dafür eindeutige Beweise vor.“ „ Ah, ich glaube auch zu wissen von wem. Es ist besagter guter Freund meines Vaters nicht wahr? Daher weht der Wind also. Ich hab mich schon die ganze Zeit gefragt, was der Bastard eigentlich vor hat.“ „ Sie sprechen von einem angesehenen Mitarbeiter des Gerichtes, wagen Sie nicht darüber zu spotten!“ „ Seit meiner Hochzeit, schnüffelt er ständig hinter uns her, ihm ist es doch ein leichtes, irgend etwas zu erfinden und....“ Der oberste Richter räusperte sich. „ Angeklagter, ich muss Euch um Anstand mahnen. Habt Ihr dem, was wir gesehen und gehört haben, etwas hinzuzufügen?“ „ Ich schwöre, keine der mir zur Last gelegten Beschuldigungen sind wahr. Alles sind Lügen, um mich aus den Weg zu räumen, damit ein Anderer freies Spiel hat!“ Tumult kam auf. Einige Stimmen wurden im Saal laut. „ Ruhe!“ Donnerte der Richter und schlug mit dem Hammer aufs Pult. „ Ich lasse den Saal räumen! Störenfriede werden hinaus geworfen! Schluss mit den Zwischenrufen... Kommen wir zum Ende! Anwalt Ryo, ich erteile Ihnen hiermit das Wort.“ Ryo erhob sich, grüßte das Gericht, blickte kurz zum Publikum. Irina erschien er blass, doch als er sprach, war seine Stimme klar.
„ Werte Herren, Wertes Gericht, wir haben nun nach einigen Tagen der Anhörung und der Beweisführung ein Urteil über einen Menschen abzugeben, der noch jung an Jahren, aber schon sehr früh schlechte, wie gute Erfahrungen im Leben sammeln konnte. Vergegenwärtigt Euch, auf welchen Tatsachen sich diese merkwürdigen, unlogischen Anschuldigungen belaufen, welche meinen Mandanten zur Last gelegt werden. Oh, ich weiß! All das formt noch keinen schlichten Menschen. Aufgewachsen ist er in einer zerrissener Familie. Er war seines Lebens arm dran. Arbeitete um sein Leben finanzieren zu können in verschiedenen Berufen. Er liebt die Frauen und verheimlicht es nicht. Gut, mit seinen zahllosen Affären ist der umtriebige Schürzenjäger längst manchen in Zorn geprellter Gatten und Neider, ein Dorn im Auge. Aber wir, die Vertreter des Gesetzes, hat uns nicht auch so manches Weib in Wallung gebracht? Werden nicht jeden Tag alle Gefühls- Situationen , von Romantik bis zur Tragödie durcheinander gewirbelt? Deswegen sollten wir nicht gar vermessen sein. Es gefällt den Frauen. Nun, frage ich Euch, wer kann das Herz der Frauen und ihre Leidenschaft erklären?... Und jetzt,... um auf den Vorwurf des Drogenhandels zu kommen. Mein Mandant ist ein Star im Motorsport und ist nachweislich, in besagter Zeit in Suzuka gewesen, da, wie wir alle wissen, ein Abschlussrennen der Motorrad - Meisterschaften stattfand. Er, unter zahlreicher Zeugenaussagen, mit keinen weiteren Personenkreis zusammen kam, außer... seiner Frau! Ebenfalls liegen ständig Kontrollen bei den Fahrern an, die betreffend nach Drogen und anderen dubiosen Aufputschmitteln überprüft werden. Ich habe hier die Liste mit allen Eintragungen über mehrere Jahre und... kann kein einziges mal, darin ein Verstoß vorfinden. Wenn er Drogen genommen, ist dies nachweisbar, über Haar, Urin und Blutproben...aber nichts,... weder sind Einstiche einer Nadel, noch andere Anzeichen zu finden. Er hat einen klaren Verstand, seine Reaktionen sind schnell und er ist zielstrebig. Es besteht ein Arztgutachten und kann dem Gericht als Beweis vorgelegt werden. Ebenso ist seine Zeit so eingeschränkt, das ein Handeln mit Drogen nicht möglich ist. Darüber gibt es gleichwohl eine Auflistung. Außerdem, ist der Name Redley in aller Welt bekannt und nicht nur viele Fans bejubeln ihn bei seinen Rennen...Wir alle kennen und setzten große Hoffnungen in ihn... Auch kann die Anklage wegen Mord, nicht in dieser Hinsicht stehen gelassen werden. Als Beweis liegt nur ein Bandmitschnitt vor. Deutlich sind Wegschnitte des Gesprochenen bemerkbar, an Hand des Textes zu hören. Für mich, ein Streit unter jungen Männern, der kommt öfter vor. Sagen wir, wenn natürlich Eifersucht vorliegt, werden alle Register gezogen, um ...na, sagen wir, dem anderen Rivalen eins auszuwischen. Es ist weder einen der Beteiligten etwas geschehen, noch irgend weitere Zwischenfälle vorgekommen. Auch werden wir dazu Stellung nehmen. Was möchte ich diesen Ausführungen noch hinzuzufügen? Ihr werdet Euer Urteil fällen. Mit der Tatsache, einen Unschuldigen an den Pranger gestellt und den Richtigen noch nicht habhaft geworden zu sein. So wird ihm mit Tricks und falschen Zeugen der Prozess gemacht. Hätten Sie für ihn mehr übrig, würden sich viele Sorgen erübrigen. Meine Herren, ich überlasse Euch Eurem Gewissen!“ Damit setzte sich Ryo nieder. Sven erhob seine Stimme. „ Ihr habt eine gute Geschichte erfunden, um die Richter damit zu beeindrucken, um einen Freispruch zu erzwingen.“ Ryo schnellte von seinem Stuhl hoch. „ Ihr beleidigt mich. Ich gedenke des Eides, den ich vor der Anwaltskammer abgelegt habe, als ich meine Zulassung bekam.“ Das Publikum sagte lärmend seine Meinung. Die Stimme von Ryo war aber dennoch zu hören. „ Hiermit ... Ich beantrage... ich beantrage die Vertagung der Verhandlung auf morgen.“ Eine Tür wurde aufgestoßen, kalte Luft drang herein. Ein kleiner Mann, ganz in schwarz gekleidet, kam schnellen Schrittes durch den Saal. Alle Blicke richteten sich auf ihn. „ Werte hohe Richter, ich glaube, diese wichtige Nachricht umgehend Euch mitteilen zu müssen. Werter Ryo hatte mich gebeten, Nachforschungen anzustellen. Leider konnte ich, die betreffende Person als Zeuge, zu meinem Leidwesen, nur noch tot vorfinden. Sein Tod ist vermutlich in den ersten Morgenstunden erfolgt....“ „ Ha, so schreckt Ihr also auch nicht vor einem Verbrechen zurück!“ Sven kreischte, rot vor Wut im Gesicht und zeigte mit dem Finger auf den Advokaten.
„ Bitte....Meine Herren,... das Gericht wird sich jetzt zur Urteilsfindung zurück ziehen.“ „ Tut das nicht. Mein Zeuge, ist eindeutig ermordet worden!“ „ Ja, von Euch!“, erwiderte Sven barsch und sein Blick war eiskalt dabei. Die Beratung dauerte ziemlich lang. Irina schien es, als ob die Zeit im Schneckentempo verging. Dann wurde mit bewegter Stimme das Urteil verkündet: „ Im Namen des Volkes, wird folgendes Urteil verkündet, dass sich Ryan Redley der Verführung, des Drogenhandels, versuchten Todschlages und anderer in dieser Verhandlung zur Sprache gekommenen Verbrechen für schuldig befunden wurde. Er wird deshalb zu fünf Jahren Jugendgefängnis bestraft. Ebenfalls ohne weitere Anhörung sofort übergestellt.“ Sven schien darüber sehr erfreut. Ryan schüttelte ungläubig den Kopf. „ Ich bin unschuldig!...Kann mir einer erklären, warum ich für die Sünden, die andere begehen bezahlen soll? Nun, bevor man mich wegführt, möchte ich noch dies sagen,...die Zukunft der Welt liegt nicht in der Hand von Menschen, die sich an die Stelle Gottes setzen, denn Verrat wird immer bestraft werden. Es gibt tausend Gründe für Diejenigen, die tief gefallen sind und hier als die Schuldigen eigentlich stehen müssten, sich vor der Zukunft zu fürchten...Deswegen ist es gut zu wissen, dass ich meine Zukunft selber in die Hand nehmen kann und davor brauche ich mich nicht zu fürchten!...Meinem Verteidiger möchte ich Dank sagen.“

Draußen war es dunkel und kalt geworden, als sich der Menschenstrom aus den Saal nach Beendigung der Verhandlung ergoss. Irina lies sich einfach mittreiben. Sie fühlte nichts. Sie spürte kein Leben in sich, wie eine leere Hülle, ohne Schmerz und Gefühl. Wie eine Nachtwandlerin, lief sie die Straße entlang. Keiner würde je in der Lage sein den Schmerz ihrer Wunde zu heilen. Ihr Hass auf diejenigen, welche am Unglück Schuld trugen stieg. Sie zitterte und biss sich die Lippen blutig. Ryo meldete sich noch einmal kurz bei ihr. Seit zwei Tagen brannten ihre Augen, von den Tränen, die sie in ihrer Einsamkeit vergossen hat, nun hat sie keine Tränen, kein Herz mehr. Man hat ihr das Liebste entrissen,...Ryan. Der junge Anwalt beschwor sie, sich zusammen zunehmen. „ Oh, die Männer sind doch alle gleich. Es ist ihnen ganz gleich, welche Verzweiflung sie in einem zurück lassen.“ „ Nein,...er trug mir auf...sagt ihr, das ich sie liebe , das sie mich überglücklich gemacht hat...Ich muss leider weg, man drohte mir mit Festnahme. Ach noch etwas. Vorsicht vor Sven Trailer, er spielt ein falsches Spiel und seine Anhänger kommen meist aus gescheiterten Existenzen. Auch bin ich mir sicher, das er der Auftraggeber zur Ermordung unseres Zeugen war. “ Er nahm seinen Hut und seinen langen Mantel, verbeugte sich vor ihr und schritt zum Ausgang.

Irina beschloss, wieder zurück in ihr vorheriges Heim, zu Ryans Vater, zu gehen. Sie erzählte es Sven, der sie entgeistert anstarrte. Sie blieb aber hart. Als ihre ganze Habschaft verstaut, warf sie nochmals einen letzten Blick umher. Der Möbelwagen setzte sich in Bewegung und fuhr davon. Sie trat auf die Straße hinaus und zog die Tür hinter sich zu. Einen Augenblick blieb sie stehen, dann wandte sie sich ab und tauchte im Stadtleben unter. Sie schlenderte ohne Ziel herum, blieb vor einem Restaurant stehen und schaute durch das Fenster, wo sie ein ihr bekanntes Gesicht betrachtete. „ Solltest dich nicht hier rumtreiben...es ist schon spät, jetzt kommen die ganzen Halsabschneider hervor.... Sag mal, hast du etwas Pinke, bin zur Zeit abgebrannt und mein Partner kommt wohl heute auch nicht.“ Irina wandte sich um und suchte zu erkennen, wer diese Worte an sie richtete. Sie entdeckte einen junger Mann in recht schäbiger Bekleidung, welcher ihr, auf merkwürdige Weise ein Zeichen zeigte. Ryan hatte einmal diese Geste ihr gezeigt. Auch goldene Kettchen, an denen sich eigenartige Amulette mit seltsamen Ornamenten geschmückt befanden, waren bei Gaunern und Betrügern als Zeichen sehr beliebt. * Du kreuzt die Finger so, und meine Freunde sagen: Es ist gut, du bist einer von uns * Sie machte das Zeichen. Über das Gesicht zog ein breites Grinsen. „ Du gehörst dazu, ich habe es mir schon gedacht. Aber ich weiß noch nicht, dich unterzubringen.“ Ohne zu antworten, drehte sich Irina dem Fenster vom neuen zu. „ Was ist so interessantes zu sehen, das du deine Augen nicht davon wenden kannst?“ „ Dort, dieser kleiner Kerl mit der Zahnlücke.“ „ An dem ist doch nichts besonderes, mach dir keine Mühe!“ Irina zog die Luft hörbar durch die Nase. „ Diesen Mann muss ich etwas fragen, weiß nur noch nicht, wie ich es anstellen soll, um an ihn alleine heran zu kommen. Er steht auf meiner Liste mit ganz oben....Ich habe die Absicht... ihn umzubringen.“ „ Wie willst du es machen. Hast du ein Messer bei dir?“ Irina schaute nun erstmals den jungen Mann richtig an, der wie ein Spuck plötzlich vor ihr aufgetaucht war. „ Komm mit mir, wir gehen zu unseren Versteck, dort finden wir bestimmt jemanden der dir die Arbeit abnimmt.“ Sie folgte ihm ohne zu zögern. Er stieß einen fröhlichen Jauchzer aus. „ Ich heiße Ron, nichts besonderes. Hihi!“ Nach einer Weile bückte er sich, hob einen Stein auf und warf ihn an ein Fenster. Dieses öffnete sich knarrend, ein Rucksack schlug polternd zu Boden. Irina konnte gerade noch zur Seite springen. Ron war verschwunden. Ein leiser Pfiff lenkte ihre Aufmerksamkeit zu zwei Motorrädern, wo Ron sich befand. Eine andere Gestalt tauchte auf, ergriff den Rucksack, warf ihn sich auf den Rücken und ging auf Ron zu. Irina folgte ihm langsam. „ Verzeihung, das ich dich in Stich lies, aber ich habe meinen Freund Marek geholt,“ erklärte Ron. Dieser schwang sich nun auf eins der Motorräder. Stülpte seinen Helm über den Kopf und warf einen Blick zu Irina. „ Was will sie?“ „ Dass man ihr hilft einen Kerl ausfindig zu machen und diesem vielleicht, etwas mit einem Messer an der Kehle kitzelt.“ „ Warum nicht! Zu wem gehört sie?“ „ Weiß ich nicht.“ Ron winke Irina heran zu kommen. „ Hier setz den Helm auf, wir wollen fahren.“ Die Maschinen heulten auf, man saß auf und los ging es. An einer Straßenkreuzung wurden sie von einer anderen Gruppe mit Motorrädern umringt und weiter ging es in rasanter Fahrt. Außerhalb der Stadt, bei einer ziemlich verrottenden Werkshalle hielten die Fahrzeuge. „ Das ist unser Treffpunkt, und Unterschlupf ... komm ich stell dich meinen Kumpels vor.“ Man ging hinein. Einige Männer saßen auf alten Fässern, spielten Karten, rauchten und tranken, unterhielten sich. Andere wieder hämmerten an irgend welchen Dingen herum, oder schraubten und bastelten an ihren Maschinen herum. Tumult brach aus und Irina fragte sich, was wohl mit ihr geschehen würde. Sie schaute sich um und sah sich von scheußlichen Gestalten umgeben, die sie mit Wolfsaugen anstarrten. Es trat beinahe Stille ein. „ Haste Angst?“„ Angst? Nein!“ „ Wem gehört sie?“ fragte jemand. „ Uns!“ Ron trat vor. „ Und lasst euch gesagt sein, die Finger weg von ihr!“ Man begab sich in die Mitte des Gebäudes, wo ein gewisser Komfort vorhanden war, lies sich auf Matratzen, Fässer oder anderem nieder. Ein dicker, stickiger Geruch von Schweiß, Öl, Abgasen und Lötdampf lag in der Luft. Keinem störte es. „ Wo kommst du her ? Obwohl du das Zeichen kennst, merke ich wohl, das du dich nicht auskennst in unseren Geflogenheiten.“ Ron blickte sie forsch an, ungeachtet der verlangenden Blicke der Anderen, die sich auf sie richteten. Sie setzte sich neben ihn nieder.
„ Kennt ihr Ryan? Er fährt Rennen.“ „ Ryan? Ryan den Rennfahrer?“ „ Ja.“ „ Der ist ein Freund von uns, ist aber schon lange nicht hier gewesen. Soll, wie es heißt, hinter Gittern sitzen! Was willst du vom ihm?“ Plötzlich entstand Lärm und die Menge teilte sich. Ein buntes Menschengetümmel tauchte auf. „ Ah... Die da, zählen zu den ganz Großen in der Stadt. Der lange, mit der mageren Gestalt und den grauen Haaren, spielt gern den Boss ...und der dort, sein Obergehilfe, der ist für unsere Gesetzte zuständig ...Oh, sieh an, unser schöner Victor ist auch wieder dabei.“ „ Halts Maul, sprich mich nicht an.“ Eine kräftige Faust packte Ron am Kragen, schob ihn von sich . „ Du kotzt mich an, Angeber!.... Wem gehörst du, hübscher Vogel?“ fragte er mit schmeichelnder Stimme zu Irina. „ Die da,... ist die Frau von Ryan!“ Irina drehte sich um. Eine dunkelhaarige Frau stand da und funkelte sie böse an. Victor fluchte, dann entfernte er sich, ohne sie jedoch aus den Augen zu lassen. Der Obergehilfe, drängelte sich durch die Menge, zeigte mit den Finger auf Irina. „ Der Boss will wissen, wer diese da ist!“ Victor stellte sich schützend vor sie hin. „ Ich, habe nach einer Braut verlangt.“ „ Nein,“ sagte eine ruhige Stimme hinter ihm. Victor fuhr herum. „ Ron!“ Dieser stand breitbeinig da und schaute Victor herausfordernd an. Eine Ladung an Schimpfwörtern ging nun hernieder. „ Du Sohn einer Hündin, lästiger Mäusedreck, Lumpenkerl, Bastard. Ich glaube,...einer von uns ist hier zuviel...!“schrie Victor auf. „ Sei ruhig du erbärmlicher Wurm einer Kröte,“ erwiderte Ron. Die Masse johlte vor Freude, gab es doch nicht immer so einen guten Schlagabtausch. Wetten wurden geschlossen. Victor stürzte sich auf Ron. Die Beiden kämpften wie zwei rasende Doggen, angestachelt von den Zurufen der erregten Zuschauer. Ein gezielter Faustschlag von Ron, beförderte Victor zu Boden und beendeten den Kampf. Noch schwer im Atem, betrachtet Ron lachend Irina. „ Laut unseren eigenen Gesetzen zur Folge...Sie gehört dir!“, erklärte der Spieler und reichte ihm die Siegerprämie. Mit einem Mal verspürte Irina...Angst...Ron kniff ein Auge zusammen. „ He, du!... Ich will dir helfen! Sei also unbesorgt, wir sind auf deiner Seite. Warum bist du mitgekommen? Du hast doch etwas auf den Herzen... wegen Ryan?“ Irina nickte. Einer der Pfeifenraucher stieß seinem Nachbar den Ellenbogen in die Seite. „ Die Kleine, würde ich auch nicht von der Bettkante stoßen. Da hat sich Ron was hübsches angelacht. Mir gefällt sie.“ Er machte dazu eindeutige Körperbewegungen, es brach ein johlendes Gelächter aus. „ Ein süßer leibhaftiger Engel! So was hat es bei uns noch nie gegeben! Und warum eigentlich nicht? Warum sollten wie schließlich nicht auch Engel sein! Auf dein Wohl!“ Wieder erschall Gelächter und man schlug sich auf die Schenkel. „ Hab keine Angst. Sie sind nicht böse, weißt du. Das ist so ihre Art. Komm, wir gehen.“ Wohlgefällige, ja geradezu bewundernde Blicke folgten ihr, als sie mit Ron hinaus ging. Draußen war es dunkel geworden. Ron packte ihren Arm und zog sie zu den Motorrädern. „ Brauchst keine Angst mehr zu haben, ich werde dich beschützen,“ sagte Ron mit einem spöttischen Lachen. Stieg auf seine Maschine, setzte den Helm auf und deutete Irina an, es gleichfalls zu tun.
„ Es ist bei uns so üblich, das der Mann, für seine Frau zahlt. Wie man einen schönen Gegenstand kauft, nach dem einem der Sinn steht... Ich nehme dich derweil mit zu mir, morgen sehen wir weiter. Also halte dich gut an mir fest, ich fahre ziemlich schnell.“.... BROOM.... BROOOOUUUM

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.05.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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