Hans Witteborg

Despektierlich

Despektierlich

Mit jedem Tag wird der Mensch älter, eines Tages erreicht er den Zustand, in dem er seine Zukunft schon hinter sich gelassen hat. Aus Teilhabe wird Anteilnahme im wahrsten
Sinne des Wortes, man nimmt ihm seinen Teil am Gesellschaftsleben zum Beispiel auch mitunter den Respekt.
Was halten sie von folgender Verhaltensweise?
Ein alter Mann geht über den Friedhof, um seinen Heimweg abzukürzen. Er begegnet einer mittvierziger Nachbarin.
Freundlich witzelt sie:“Ach, daß ich Sie hier treffe.. kommen Sie vom Probeliegen?“
Sehr humorvoll finden Sie? Dann kommt Ihnen sicherlich beim Begegnen einer alten Rollstuhlfahrerin der Gedanke, daß diese wohl alteingesessen sein muß! Egal was man im Alter tut, stets ist man der Kritik jüngerer Menschen ausgesetzt. Da begegnet ein älterer Herr einer Gruppe halbwüchsiger aufgemotzter Mädchen, die lärmend ihre Bierflaschen schwenken. Im Vorrübergehen rufen sie ihm zu:“ Hey Mann, was glotzt du alter geiler Bock soooo..
Sie meinen, die Mädels hätten recht, dann lesen Sie erst gar nicht weiter!
Selbst im Supermarkt kann man nicht in Ruhe einkaufen.
An dem Gemüsestand packt gerade ein Rentner einen Blumenkohl in seinen Einkaufswagen. Da wird er von hinten angesprochen.“Sie sollten keinen Blumenkohl kaufen, der hat nur wenig Fittamine, in Ihrem Alter wären Möhren viel angebrachter, schon wegen der Augen!“
Sie sagt wirklich Fittamine, meint VITAMINE und bedenkt nicht, daß Kohl reichlich Folsäure besitzt und das wiederum gut für den verbliebenen Rest der Kauleiste ist. Aber es geht ja weiter, der alte Mann kommt mit seinem vollen Einkaufswagen an die Kasse. Er kann den Einkauf mit zittriger Hand gar nicht so schnell verstauen, wie die Kassiererin abrechnet. Es entsteht ein Stau. Die nächste Kundin, jung, dynamisch und nervös: „Mein Gott, können Sie sich nicht beeilen...sonst sterben Sie noch bevor Sie zu Hause sind!“
Da beeilt man sich und schon ist es passiert, man läuft vor ein Auto und das auf dem Zebrastreifen! Die Fahrerin wütend zu dem Polizisten: „Es ist nicht meine Schuld,
der trottelige Friedhofsblonde ist mir direkt ins Auto gelaufen!“
Da fährt man besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Aber auch das ist gefährlich, weil man sich darüber bis zum Herzinfarkt aufregt, daß die Jugendlichen die von den 68er
erkämpften Demokratierechte wahrnehmen und aus Gleichheitsgründen dem alten Mann keinen Platz anbieten.
Bleibt das eigene Auto...man fährt ja vorsichtig! Im Radio kommt gerade die Verkehrsmeldung, daß ein verwirrter alter Autofahrer offenbar die Auffahrt der Autobahn in der verkehrten Richtung genommen hat und nun als Geisterfahrer eine erhebliche Gefahr darstellt. Der wiederum denkt: „Wieso e i n Geisterfahrer es sind doch viel mehr..“ (Ich weiß, ein alter Witz aber in meinem Alter fällt einem auch nicht mehr allzuviel ein!!)
Aber der Vorfall gibt einem jungen Abgeortneten der Schwarz-Rot-Goldenen Regierung Gelegenheit, Forderungen an den Gesetzgeber zu stellen. Hier ein Ausschnitt seiner Rede:
„Der Führerschein ist ein Beleg für ein hohes Verantwortungsbewußtsein. Kann man dieser Verantwortung altersbedingt nicht mehr gerecht werden,
sollte ab einem gewissen Alter (er nennt keine Grenze, könnten ja auch noch seine Wähler drunter fallen..Anm. des Verfassers) die Betroffenen gezwungen werden, ihren
LÖFFEL......äh, Verzeihung, ihren Führerschein abzugeben.

Meinen Sie nicht auch, daß der Freudsche Versprechen so manches gesellschaftliche Problem lösen würde? Oder halten Sie dies für despektierlich. Ihre Meinung ist gefragt.
Rentner sind von dieser Umfrage ausgeschlossen!

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Hans Witteborg).
Der Beitrag wurde von Hans Witteborg auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.05.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Hans Witteborg:

cover

Vom Ufer aus von Hans Witteborg



Die Gedichte begleiten durch die vier Jahreszeiten und erzählen wie die Natur erwacht, blüht und welkt, wissen von reicher Ernte zu berichten. Der Spätsommer im Park, winterliche Gefilde oder Mailandschaften scheinen auf. Der Autor verwendet meist gereimte Zeilen, zeigt sich als Suchender, der neues Terrain entdecken möchte. Der Band spricht von den Zeiten der Liebe, zeigt enttäuschte Hoffnungen und die Spur der Einsamkeit. Wut und Trauer werden nicht ausgespart. Es dreht sich das Kaleidoskop der Emotionen. Der kritische Blick auf die Gesellschaft und sich selbst kommt zum Zuge. Kassandras Rufe sind zu hören. Zu guter Letzt würzt ein Kapitel Humor und Satire. So nimmt der Autor seine Zettelwirtschaft aufs Korn, ein hoffnungsloser Fall.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (3)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Satire" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Hans Witteborg

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Diebstahl mit Folgen von Hans Witteborg (Fabeln)
Förderverein der Profiteure (FDP) von Norbert Wittke (Satire)
Die Frau ohne Hund von Margit Farwig (Wahre Geschichten)