Irene Beddies

Die Geschwister (4): Wolkenbruch


 
Seit dem Morgen jagten Wolken heran, große, graublaue Wolkenmassen. Sie schlossen sich schnell zu einer dichten Wolkendecke zusammen. In der Ferne zuckten die ersten Blitze. Donner konnte man noch nicht hören.
Die drei Menschen unter dem Felsüberhang waren erregt. Ruk und Nali brachten eilig die Vorräte in der hintersten Ecke in Sicherheit. Sie schichteten Geröll davor auf, denn ihre Nahrung durfte nicht nass werden und verrotten.
Horu, dem es etwas besser ging, versuchte die Seite, an der er lag, mit Steinen aus der Reichweite seines gesunden Armes ein wenig abzudichten, denn dort würde Regenwasser am ersten in den Unterschlupf laufen.
So gut der Felsüberhang sie gegen die Sonne geschützt hatte, gegen einen Wolkenbruch konnte er nicht so viel Schutz bieten, er war einfach nicht groß genug.
Ruk holte noch einmal Wasser aus der Quelle bei den grünen Pflanzen und konnte dabei ein Kaninchen mit einem Stein töten.
Er nahm es aus und zog ihm das Fell ab. Dazu benutzte er den Faustkeil des Mannes. Mit diesem Instrument ging es viel besser als mit den brüchigen Steinen der Umgebung.
Alle drei aßen begierig das fast noch warme Fleisch. Wann würden sie wieder etwas Frisches essen können?
 
Und dann brach das Unwetter über sie herein mit all seiner Wucht. Blitze zuckten auf und schlugen ganz in der Nähe ein. Der Donner war ohrenbetäubend. Regen prasselte mit aller Macht auf das Felsdach und stürzte über ihrem Eingang herab. Graue Schleier verdeckten den Blick ins Land.
Die drei Menschen zwängten sich in den tiefsten Teil der kleinen Höhle Ein größeres Tier kam nahe an den Eingang, verschwand jedoch schnell wieder. Ruk war besorgt.
So plötzlich, wie der Regen eingesetzt hatte, hörte er nach fünf Tagen wieder auf. Welch eine Erleichterung! Ruk und Nali konnten endlich nach draußen und frische Vorräte sammeln.
Wie hatte sich die Landschaft verändert! Ein feiner grüner Schleier lag über der Savanne: überall hatten sich Samen geöffnet und Pflanzen hervorgebracht für eine kurze Saison. Eifrig gruben die Geschwister die nun saftigen Knollen aus der Erde, pflückten Kräuter, die sie kannten, und sammelten die vielen Insekten. Die Quelle war zu einem Tümpel geworden, in den sich zahlreiche kleine Rinnsale von den Felsen herab ergossen.
Unter dem Felsüberhang feierten die drei Menschen ein kleines Fest mit all der neuen Nahrung.
Horu zeigte den Geschwistern, wie man die frischen Knollen an Ranken zum Trocknen aufhängen konnte für Zeiten, in denen sie wieder in der kleinen Höhle würden bleiben müssen, denn die Regenzeit war noch nicht vorbei. Sie legte lediglich eine kurze Atempause ein.

 © I. Beddies
 
 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.05.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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