Elke Müller

Liebe, Kampf, SEHNSUCHT

Kap.31

Quälend langsam krochen die Stunden dahin, so schien es jedenfalls, bis endlich rote Lichter zu sehen waren und Sirenen heulten. Ryan hielt sich die Ohren zu, schloss die Augen und betete. Dann ging alles sehr schnell. Sanitäter kamen und zogen eine Trage auf Rädern hinter sich her. Ryan hob seinen Vater mit Leichtigkeit vom Boden auf und trug ihn zwischen den Leuten hindurch, ihm wie ein Kind auf seinen Armen haltend, unbeachtet das Blut was seinen Körper besudelte. Vorsichtig legte er seinen Vater auf die bereitstehende Barre. Ein Schaudern ging durch dessen Körper. „ Ruh dich aus,“ sagte Ryan leise und hielt seine Hand fest. Ayato murmelte: „ Ich wollte...Immer Freund gewesen...keinen Fehler machen... Schmerzen ...Heucheln, Lügen...“ Er schloss müde seine Augen. „ Schlimm. Meine ganze linke Seite, mein Arm, alles ein Schmerz.“ „ Mach dir keine Sorgen, du wirst...,“ sagte Ryan weiter leise. Das Blut floss klebrig über dessen Hände. „ Er wird es überleben,“ sagte nach einer Weile ein Sanitäter. „ Er ist ganz schön zäh.“ Sandy hatte die ganze Zeit an einer Wand gelehnt und beobachtete das Treiben. Als ein uniformierter Polizeibeamter in Begleitung von Sven kam, spuckte er vor ihm aus. Warf einen scharfen Blick über die Schulter und rief laut: „ Ihr wisst doch, wer das ist, oder? Der feine Herr ist ein gewiefter Betrüger und denkt, nur weil er ohne sein Hinzutun in einer reichen Familie hineingeboren wurde, sei er etwas Besseres. Alles was ich habe, habe ich durch meiner Hände Arbeit erworben. So einer wie der kennt das Wort Arbeit doch nur vom Hörensagen!“ Die Leute glotzten. „ Dummes Gewäsch!“ zischte Sven. „ Das sind nichts als böse Verleumdungen. Ach,...falls Sie Ihre schlecht bezahlte Tätigkeit einmal aufgeben wollen, so können Sie sich bei mir um eine Stelle als Kammerdiener bewerben. Andere Kleidung und ein paar bessere Manieren würden sicher einen idealen Bediensteten aus Ihnen machen.“ „ Das werden wir alles auf dem Revier klären,“ sagte der Polizist trocken und faste Sven fester an. „ Jetzt... haben Sie die einmalige Chance einen Mord aufzudecken Herr Sergeant und vielleicht... befördert zu werden,“ versicherte Sandy. „ Mord? Davon ist uns nichts bekannt,“ erklärte der Polizist. „ Damit würde natürlich der Fall eine neue Wendung nehmen. Natürlich werden alle Aussagen noch gründlich untersucht. Es liegt eine Meldung über das Verschwinden eines Mädchens vor, den Namen weiß ich leider noch nicht......“ „ Wenn Sie mich fragen, liegt eine derartige Vermutung durchaus auf der Hand und ist im Bereich des Möglichen,“ unterbrach Sandy, den Beamten. „ Nur Wahnsinnige sind solcher Gräueltaten fähig, wie man sie an dem Beispiel Sven Trailer, oh Verzeihung, natürlich Doktor Sven Trailer und seinen Gefolge heute sehen konnte.“ „ Die Beschreibung, betreffend des Täters, die könnte zutreffen. Aber solange noch keine Beweise vorliegen... sollte man einen Namen nicht in den Schmutz ziehen.“ „ Ha, die ganze Familie war selbst nichts weiter als Schmutz,“ entgegnete Sandy verächtlich. „ Übertreiben Sie nicht ein wenig,“ fragte der Sergeant. „ Können Sie mir sagen, worum es eigentlich geht?“ Sandy schluckte. Ryan kämpfte gegen seine Wut an. Doch dann: „ Ja, er hat gelogen, gemordet, vergewaltigt. Aber was kann man auch von einem Feigling erwarten!“ Sven zerrte an den Lederriemen, mit denen man ihn gefesselt hatte, riss sich plötzlich los und wollte sich wieder auf Ryan stürzen, doch zahlreiche Hände hielten ihn fest. „ Das sind alles Halluzinationen. Eigentlich habe ich gehofft, das du im Gefängnis vermoderst!“ schrie er. Ryan wendete sich ab. „ Sag mir, was los ist! Was hast du vor?“ „ Du stehst zwischen mir und meinem Traum.“ „ Welchen Traum?“ „ Irina, als meine Frau!“ „ Was? Was redest du da? Du redest nur Unsinn.“ „ Ha, ha, Unsinn? Ich habe sie in meiner Gewalt, an einem nur mir bekannten Ort. Also du siehst.“ „ Wahnsinnig. Du bist ja wahnsinnig!“, schrie jetzt Ryan. Sven schüttelte den Kopf. „ Nein, das stimmt nicht.“ Zorn flammte erneut in ihm auf. Und er warf einen hasserfüllten Blick zu Ryan. Dessen Miene war kalt wie Eis geworden und ebenso unversöhnlich. „ Ich weiß nicht, was ich von der ganzen Sache halten soll, Sven.“ Ohne weiter Beachtung stieg Ryan in den Krankenwagen und setzte sich neben seinen Vater. Er war sich der Blicke nicht bewusst, welche ihn verfolgten. „ Verdammter Mist!,“ fluchte Sven. „ Eines Tages komme ich wieder! Dann räche ich mich an dich!“ und trat wütend nach einem Abfallbehälter.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.06.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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