Darf ich mich vorstellen ? Mein Name ist Jeannie und ich bin eine Hundedame. Ich denke eine der Hundedamen, die wohl ein total und absolut glückliches und erfülltes Leben leben durfte und immer noch darf (aber nicht mehr hier auf Erden). Geboren wurde ich so ca. am 1. Juni 1997 (das wissen meine Menschen-Eltern nicht so ganz genau - spielt auch keine Rolle) und heute bin ich 16 Jahre und 2 Monate alt. Und diese 16 Jahre und 2 Monate waren ein Highlight nach dem Anderen.
Genau genommen bin ich so etwas wie ein Verkehrsunfall. Meine Mutti und mein Vati haben ihm gleichen Haus gewohnt. Eines Tages sind sie sich im Treppenhaus begegnet und dann ist es passiert. Einige Zeit später kamen ich und meine 2 Geschwister zur Welt. Wie das Leben aber so spielt und wir nicht wirklich geplant waren, begann bald darauf der Stress. Wir mussten dringend ein Plätzchen bei Pflegeeltern finden. Als ich 7 Wochen alt war, war es dann auch schon so weit und wir mussten das Weite suchen, resp. umgehend zu Pflegeeltern umsiedeln. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie es meinen beiden Geschwistern ergangen ist und wohin sie gekommen sind. Schade. Ich jedenfalls habe eine Super-Familie ergattert ! Jetzt wollen Sie sicher wissen, wie das passiert ist ? Kein Problem, kann ich locker erzählen. Schliesslich bin ich, trotz meinem fortgeschrittenen Teenager-Alter noch voll da, erinnerungsmässig.
Also, wie gesagt, meine Geschwister und ich mussten weg. Damit meine Mutti und deren Menschen-Mami auch mal etwas Wochenend-Ruhe geniessen konnten, waren ich und meine Kumpanen bei Familienangehörigen unter-gebracht. Nur für's Weekend. Am Dienstag darauf, erzählte der männliche Familienangehörige an seiner Arbeitsstelle von uns und, dass wir dringendst und schnellstmöglichst ein Plätzchen suchen. Das erzählte er meiner zukünftigen Mami. Da er glaubte in ihren Augen ein Aufblitzen gesehen zu haben, bat er seine Frau, doch mal am Nachmittag Fotos von uns Babies zu bringen um sie meiner potentiellen Mami zu zeigen. Aber, seine Frau nicht doof, hat nicht Fotos gebracht, sondern mich. Höchstlebendig und in voller Lebensgrösse (wenn auch noch recht wenig davon da war). Ich kam in die
Firma, ins Büro und da waren mehrere Leute. Aber ich habe "meine" Mami auf den ersten Blick entdeckt und sie war mir voll sympathisch. Ich habe ihr keine Wahl mehr gelassen. Mein auf sie Zutapsen (ich hatte riesige Vorderpfoten) und mein Blick (Dackelblick - den beherrschte ich, obwohl ich eine Mischung aus Spaniel und Zwergschnauzer bin !) haben sie umgehend überzeugt. Ich habe sofort bemerkt, dass ich da meinen Platz gefunden habe und eine Mami mit einem riesengrossen Herz, das nicht in der Lage sein würde, mich wieder weg zu schicken. Mein zukünftiger Papi war auch da. Er hatte sich anfänglich kurz etwas kühl gezeigt und zur Mami gesagt, dass sie selbst wissen müsse, was sie tue. Aber das weiss sie ja immer. Also war das eine gänzlich überflüssige Bemerkung. Dass ich mit meinem neuen Papi keine Probleme haben würde, war mir auch sofort klar.
Eigentlich sollte ich noch einige Tage bei meiner richtigen Mama und meinen Geschwisterchen bleiben. Dann musste es aber sehr schnell gehen, Stress im Haus ! Meine Menschen-Mami ist losgerannt und hat in der Zoohandlung alles gekauft, was es für mich braucht. Ein Bettchen, Futternapf (absolut und total wichtig), Wassernapf, Halsband, Leine (fand ich nicht wirklich notwendig) und Spielsachen. Mein allererstes Spiel-Quietsch-Dings war ein blaues Häschen. Das passte ja genau. Papi hat Mami auch immer Hase genannt. Dieses blaue Häschen hat mich durch mein ganzes Leben begleitet. Zwar habe zwischendurch kurzfristig auch mit anderen Sachen gequietscht, also Lärm gemacht, aber ich habe immer wieder mein blaues Hasi zur Hand, resp. zur Schnauze genommen.
Natürlich hat Mamai auch eine ausreichende Auswahl an guten Welpenspeisen gekauft. Und einen Wecker ! Ein Bekannter hatte ihr gesagt, das sei notwenig bei so einem kleinen Baby wie ich es war, damit ich dann im Bettchen denken würde, den Herzschlag meiner Mama zu hören. Aber ich hab Mami ganz schnell ausgetrickst. Nachdem wir in unserer Wohnung angekommen waren, habe ich erstmal alles genau untersucht und für ganz in Ordnung befunden und akzeptiert. Eine grosse Wohnung mit massig viel Platz für mich zum rumtoben. Und erst noch Spannteppiche. Mami meinte zwar, das sei nicht hygienisch, aber ich konnte rumrennen und bin nicht rumgerutscht, wie auf diesen doofen Stein- oder Holzböden. Davon hatte es in der Küche und um Bad schon genug.
Dieses durchstarten auf den Böden war mühsam. Auf dem Teppich hat das viel besser geklappt.
Dann kam die erste Nacht. Mein Bettchen (mit Wecker) neben dem Bett von Mami. Aber ich habe sie dazu gebracht, dass sie immer eine Hand auf mir liegen hatte. Wenn sie die weggenommen hat, habe ich eben trotz Wecker angefangen ganz herzzerreissend zu heulen. Irgendwann, nach Stunden der
Unruhe und bis dahin ohne Schlaf, hatte ich dann mein Ziel erreicht: Mami hat mich zu sich ins Bett genommen. Wow, war das schön und kuschelig. Ok, sie hat nicht nur wenig Schlaf bekommen, weil ich geheult habe, aber sie ist auch mindestens alle 2 Stunden mit mir Gassi gegangen. Das Ziel war ja, dass ich baldmöglichst clean werde. Die Menschen nennen das stubenrein, also gesell-schaftsfähig. Dafür muss ich mich und auch Mami loben. Mit 10 Wochen war ich schon absolut sauber und stolz wie Oskar. Unsere gemeinsame Hartnäckig-keit hat sich in diesem Bereich absolut gelohnt. Das war ja für Mami immer so eine riesige Freude, wenn ich draussen gepinkelt habe und nicht drinnen. Und für mich war die Freude auch der helle Wahnsinn, aber nur dank der Belohnung, die dann immer aus der Jackentasche von Mami kam. Lecker !
Schon vom ersten Tag an habe ich Mami zur Arbeit begleitet. Autofahren war cool. Anfangs musste ich aber auch um einen guten Platz im Auto kämpfen. Erst war ich in der Box im Kofferrraum, fand ich nicht gut. Also Losheulen war das Motto. Hat genützt. Mami hat angehalten und mich auf den Rücksitz verfrachtet. Passte mir aber auch nicht. Also heulen was das Zeug hält. Hat wieder genützt. Mami hat wieder angehalten und mich auf der Beifahrerseite auf den Boden gestellt. Aber auch das wollte ich nicht. Also wieder herzerwei-chend heulen. Hat wieder genützt. Mami hat wieder angehalten und dann war ich dort, wo ich wollte - auf dem Beifahrersitz und immer von Mami gehalten und gestreichelt, damit ich meine Klappe halte. Nach einigen Wochen hat dann aber sie ihren Kopf durchgesetzt und ich musste auf dem Rücksitz hinter hier Platz nehmen. Ok, war auch nicht schlecht. Sie hat mir schliesslich auch erklärt, dass es besser für unsere Sicherheit sei. Habe ich akzeptiert. Aber bei Papi im Auto dann nicht. Mit ihm durfte ich dann später öfters mal wohin fahren und bei ihm durfte ich immer auf dem Beifahrersitz bleiben oder sogar bei ihm auf dem Schoss. Das hat Spass gemacht. Mami hat dann aber immer mit ihm geschimpft. Mami hat immer versucht mir wenigstens ein wenig Manieren bei-zubringen, aber Papi hat das ständig boykottiert. Wenn Mami hütt gesagt hat, sagte Papi hott. Im Klartext, Mami erteilte mir gewisse Verbote (auf dem Bett rumtollen - vor allem mit schmutzigen Pfoten, Papis Socken zerreissen, Mamis Agenda anknabbern und vieles mehr) und Papi hat mich dann immer in Schutz genommen und zu Mami gesagt, sie sei eine Böse. War sie ja aber gar nicht. Es war einfach super, dass ich bei Papi absolute Narrenfreiheit hatte. Das habe ich natürlich vollumfänglich ausgekostet.
Eigentlich bin ich ja sehr gerne im Auto mitgefahren. Nur mit dem Ferrari von Papi hatte ich etwas Probleme. Der war so laut und unruhig und ich wurde immer ganz nervös und auch unruhig. Hab mich eben dem Auto angepasst. Wenn wir weggingen bin ich immer erst in Richtung von Mami's Auto gelaufen. Wenn die beiden mir aber dann gerufen haben und meinten ich sollte in den Ferrari einsteigen, habe ich immer alles hängen lassen, was ich hängen lassen konnte. Also die Ohren und mein Schwänzchen. Es war dann auch für Mami kein wirkliches Vergnügen im Ferrari. Sie musste mich ja auf den Schoss nehmen und ich hatte immerhin im Erwachsenenalter 13 Kilo, manchmal 14. Aber auf ihrem Schoss liegen wollte ich nicht, also stand ich auf ihren Ober-schenkeln und sie musste mich festhalten. In jeder Kurve war das für sie Schwerstarbeit. Papi hat dann noch einen Maserati gekauft. In dem war es mir wohler. Er hat sich dann einen Spass daraus gemacht, allen zu sagen, dass er den Maserati extra für mich gekauft habe und, dass das das Hunde-Auto sei. Einige von den Leuten haben daraufhin echt doof aus der Wäsche gekuckt und Papi hatte einen Riesenspass dabei.
Auch an der Arbeitsstelle von Mami, waren alle so total lieb und nett zu mir und haben mir alle Freiheiten gelassen. Ich durfte die Papierkörbe ausräumen, dem Chef die Schuhe stehlen, der Arbeitskollegin von Mami das Znüni aus der Tasche klauen, Computerendlospapier quer durch alle Räume verteilen. Das hat so viel Spass gemacht. Immer wenn Mami gesagt hat: Jeannie fertig jetzt !, war der Kommentar der anderen Menschen: Aber lass sie doch, macht doch nichts, sie ist ja noch ein Baby und so lieb. Ich hatte alle so schnell um den Finger gewickelt. War gar nicht anstrengend.
Einmal, als ich es wohl übertrieben hatte, hat Mami mich mit der Leine am Regal festgebunden. Sie meinte, sie müsse arbeiten und könne nicht nur hinter mir herräumen und putzen, was ich wieder kaputt gemacht hatte. Ok. Um ein Schläfchen zu halten, war das ja in Ordnung. Aber nach meinem Nickerchen wollte ich ja wieder etwas erleben. Weil Mami mich aber nicht freiwillig wieder losgelassen hat, habe ich dann eben an der Leine geknabbert und schwupps war ich wieder vogelfrei und konnte weitermachen, wo ich aufgehört hatte. Das haben mir dann mehrmals so praktiziert. Dann hat Mami eine stärkere Leine gekauft. Fertig schön. Mist.
Den ersten grossen Spaziergang haben wir gemacht an einem Samstagmittag. Papi sollte eigentlich an diesem Wochenende gar nicht da sein. Er ist Autorennen gefahren, aber sein Auto hat den Geist aufgegeben und dann ist er schon am Samstag wieder zurückgekommen und nicht erst am Sonntagabend. Mami ist dann mit mir zu ihm ins Geschäft (eine Autogarage) spaziert. Das war aber anstrengend. Alle Leute wollten mich streicheln und wissen was ich denn sei (ein Hund natürlich !) und wie alt (fragt man das eine Dame ?). Auf halbem Weg konnte und wollte ich nicht mehr und hab mich einfach hingelegt. Mami hat mich dann auf den Arm genommen und getragen. Das hat sie in ihrem Haus wo die Wohnung im dritten Stock war (ohne Lift) auch immer gemacht. Ich war noch zu klein und zu schwach auf den Knochen um Treppen zu laufen. Wenn sie noch Einkaufstaschen zum tragen hatte, hat sie mich ganz einfach in ihre Manteltasche gesteckt. Das war auch immer ein Riesenspass ! Ok, bin abge-schweift. Kurz vor Papis Geschäft, konnte ich es natürlich nicht mehr zulassen getragen zu werden. Ich wollte und musste Papi zeigen, wie tapfer, stark und auch mutig ich schon war. Ich hab den rumgezappelt bis Mami mich wieder auf meine Beine gestellt hat und ich zu Papi laufen konnte. Das war eine Begrüssung. Richtig filmreif. Jede Begrüssung mit Papi war mindestens Oskar-verdächtig. Dummerweise wurde ich dann aber wieder extrem müde und habe Mami das dann auch durch Kratzen an ihrem Bein gezeigt. Sie hat mich dann wieder auf den Arm genommen und da habe ich dann wirklich echt lange tief und fest geschlafen. Bin erst daheim dann wieder richtig wachgeworden. War gut so. Ich war wieder ausgeruht und konnte loslegen und mit Papi rumtoben während Mami unser Essen gemacht hat.
Wir sind dann auch bald einmal in eine sogenannte Welpenspielstunde gegangen. Da kann man als Hundebaby hin bis man 16 Wochen alt ist. Das sei gut für das Sozialverhalten des Hundes, hatten wir gehört. Aber ein Schäferwelpe hatte wohl noch nie etwas von Sozialverhalten gehört. Der hat mich ständig über den Haufen gerannt und mich gerammt. Der war ja viel grösser wie ich. Einfach unfair. Ich hatte mir vorgenommen, mich eines Tages zu rächen. Die anderen Welpen waren eigentlich alle in Ordnung und wir konnten toll zusammen spielen und rumtollen. Zwischendurch gab es aber auch schon Gehorsamsübungen, das heisst, wenn Mami mich gerufen hat, musste ich zu ihr laufen. Habe ich auch getan, anfangs meistens, später manch-mal. Ich wurde eben immer selbstsicherer !
Immer am Abend, wenn Papi heimkam war für mich eine Riesenparty angesagt. Ich habe nur sehr lange nicht verstanden, warum Papi dann immer wieder weg-gegangen ist, geschlafen hat er in seiner eigenen Wohnung. Irgendwann habe ich begriffen, dass Mami und Papi eigentlich nur noch gute Freunde waren seit einiger Zeit. Früher war das anscheinend anders. Ich hätte gerne beide immer bei mir gehabt. Aber es war auch so in Ordnung für mich.
Mami hat dann bald ihre Arbeitsstelle gewechselt und am neuen Ort war es schwierig mich mitzunehmen. Aber dann war ich tagsüber bei Omi und Opi. Das sind die Eltern von Papi. Die haben ein Haus mit Garten und sind stundenlang mit mir spazieren gegangen. Nun anfangs waren es kurze Spaziergänge, ich war ja noch klein und hatte noch nicht soviel Ausdauer. Aber später dann, wurden die Spaziergänge immer länger und länger, meistens 2-3 Stunden und das dreimal die Woche. Immer am Montag, Mittwoch und Freitag. Nach den Spaziergängen konnte ich dann bei gutem Wetter im Garten sein. Mit Omi und Opi unter dem Kirschbaum sitzen. Richtig schön war das. Abends, so kurz nach 17 Uhr kam dann Mami um mich abzuholen. Nach dem grossen Begrüssungsritual gings dann bald nach Hause und dann ist auch schon Papi gekommen, meistens wenigstens.
Was für Mami und Papi ein kleines Problem war, war die Tatsache, dass ich das Wort Gehorsam nicht begreifen wollte. Wozu auch, mir ging es super ! Mami meinte aber, dass das Flegelalter vorbei sei und ich doch etwas Manieren be-kommen sollte. Aus mir sollte zwar kein Polizeihund werden, aber doch soweit manierlich mit einer gewissen Gehorsamkeit. So von wegen Sitz, Platz, Fuss etc.. Aber mir hat es so, wie ich war viel mehr Spass gemacht. Die Zeit der Narrenfreiheit sei vorbei hat Mami gesagt. Sie wollte dann einen Junghundekurs mit mir durchziehen. Zum Glück hat das nicht geklappt. Ich dachte nämlich gar nicht daran auch nur Polizeihunde-ähnlich zu werden. Polizeihunde sind ja meistens Schäferhunde und die mochte ich gar nicht seit der Welpenspielstunde. Aber Mami ist hartnäckig geblieben. Sie hat dann mit mir einen Kurs belegt für Schwererziehbare ! So ein Jammer. Papi ist auch mitgekommen, weil Mami meinte, auch er müsse etwas über Hundeerziehung lernen. Papi und ich haben das aber gar nicht so gesehen. Wir haben dann den Kurs zwar unbeschadet überstanden, aber viel daraus gelernt haben wir nicht. Und wenn wir daraus gelernt hatten, haben wir uns geweigert es anzuwenden. Mami sagte immer, ich sei eine Stressnudel. Der Tierarzt erklärte ihr dann, dass nach meiner Unterbindung der Stress nachlasse und ich ruhiger würde. Das hatte ich aber gehört und allen einen dicken Strich durch ihre Rechnung gemacht. Ich war ich, ich war gut und wollte auch so bleiben. Das hat Papi von sich auch immer gesagt. Wir beiden waren die unfolgsamen Aussenseiter und haben immer nur das gemacht, was wir wollten. Ok, manchmal mussten wir auch Dinge tun, die wir nicht wollten, allerdings zähneknirschend und unter Einspruch.
Irgendwann, ich war glaube ich etwa 8 Monate alt, da wurde ich zur Frau (wie man so schön sagt), ich wurde läufig. War aber nicht schlimm. Kurz danach hat mich Mami zum Tierarzt gebracht, damit ich nicht plötzlich mit Babies heimkomme, die nicht geplant waren. Auch gut so. Aber ruhiger wurde ich dadurch nicht. Ich hatte das Buch, in dem das steht, nämlich nie gelesen und was die Leute alles so sagten, wollte ich so oder so nicht glauben und schon gar nicht auf mich anwenden. Nach der Operation musste ich aber 10 Tage an der Leine gehalten werden, bis die Fäden gezogen würden, sagte der Tierarzt durfte ich nicht herumtollen. Das war so was von ärgerlich. Ich wurde ich richtig kribbelig und konnte kaum erwarten, bis die blöden Fäden draussen waren. Als dann der grosse Tag kam, hat mich Mami dann daheim wo sie wohnte im Garten von der Leine gelassen. Wow, war das eine Freude. Ich machte riesengrosse Bocksprünge und rannte meine Runden wie eine Irre. Sogar die Nachbarn kamen aus ihren Wohnungen um meinem Gerenne zuzuschauen. Mami sagte dann, das nennt man ganz einfach pure und reine Lebensfreude. Damit hatte sie absolut recht.
Papi habe ich mit meiner Unfolgsamkeit auch das eine oder andere Mal etwas zum Wahnsinn getrieben. Vor allem dann, wenn er mit mir Gassi war und ich eine Katze erspäht hatte, die ich jagen konnte. Dann habe ich ihn einfach stehen lassen wo er war und dort durfte er dann stehen und stehen und stehen, bis ich irgendwann wieder gekommen bin. Aber ich bin ja immer wieder gekommen, also wo war denn dann bitte das Problem. Etwas Ruhepause beim Spaziergang, hat ihm ja sicher auch gut getan. Mit Mami habe ich das auch das auch öfters mal praktiziert. Ich wusste ja, dass sie mich nicht ausschimpfen dürfen, weil ich ja wieder gekommen bin. Ha, das habe ich im Kurs für Schwererziehbare ganz genau gehört ! Ich weiss zwar, dass Mami und auch Papi dabei gerne aus der Haut gefahren wären, aber sie durften ja nicht. Das fand ich war eine echt coole Sache. Katzen jagen, war ja so oder so echt super. Ueberhaupt jagen machte Spass. In einem grossen Park mit einem Teich wollte ich mir einmal ein paar Enten aus der Nähe anschauen. Dummerweise bin ich auf den nassen und glitschigen Steinen am Teichrand ausgerutscht und ins Wasser gefallen. Igittigitt war das widerlich. Mami hat mich dann wieder rausgeholt und sich dabei ihre Schuhe etwas, oder auch mehr oder weniger ruiniert. Vorsichtshalber war ich dann den Rest des Tages relativ anständig.
Einmal habe ich auch Rehe gejagt im Wald an einem Neujahrsmorgen. Puh hat Mami da mit Papi geschimpft, weil er mich von der Leine losgelassen hatte. Sie hatte den Verdacht, dass er Rehe haben könnte, aber Papi wollte das nicht glauben. Aber es hatte Rehe, 5 Stück und ich hinterher. Kreuz und quer. Irgendwann, als wir den Weg wieder gekreuzt haben, die Rehe zuerst, ich hinterher, hat Papi mit einem Hechtsprung auf mich, mich wieder eingefangen. Zum Glück hatte es etwas Schnee und so war sein Fall mit mein Fast-Erdrückt-werden nicht so hart und schmerzhaft. Den Rest des Spazierganges musste ich an der Leine zurücklegen. Aergerlich, aber wie Mami sagte unumgänglich, sonst hätte mich ein Jäger einfach erschiessen können. Wäre auch nicht so mein Ding gewesen.
Einmal, da war ich etwa 3 Jahre alt, waren in Spanien. ZIemlich weit unten in der Hitze des Sommers. Das waren alte Bekannte von Mami. Die hatten dort
ein grosses Haus mit viel Land rundherum und einem Pool. Aber da war auch ein Hund. Ein Rottweiler, der war so doof. Hat mich voll angehimmelt und wenn ich geknurrt oder meine Stimme erhoben (gebellt) habe, den Stummelschwanz eingezogen. Der hatte sich voll in mich verknallt. So ein Doofmann. Er wollte immer mit mir spielen und hat mir sogar seine Lieblingsspielsachen vor die Schnauze gelegt. Aber ich hab einen auf Zicke gemacht und ihn ignoriert. Die letzten 3 Tage (von 10) habe ich mich dann soweit heruntergelassen und mit ihm gespielt. Nein, ich habe ihn eher trangsaliert. Ich durfte ihm ungestraft in die Ohren, die Füsse und den Stummelschwanz kneifen. Er hat sich von mir alles gefallen lassen. Der war so was von vernarrt in mich. Wie ganz früher, als ich so etwa 12 Wochen alt war. Damals hatten Papi, Mami, Omi und Opi schon Ferien auf Cypern gebucht, als sie von mir noch gar nichts wussten und überhaupt nicht einen Gedanken daran verschwendet hatten, urplötzlich ein Hundebaby zu haben. Mami wollte eigentlich gar nicht mitgehen, wegen mir. Aber ein Angestellter von Papi, der hatte auch einen Hund, hat gesagt, ich könne den Urlaub bei ihm verbringen. Sein Hund war etwas älter als ich, 1 Jahr alt, und ein Riese. Ein Briard. Das ist ein riesengrosser französischer Hirtenhund, glaube ich. Aber auch den habe ich geschafft. Mami hatte zwar unendlich grosse Angst um mich. Ich war ja noch so klein und zart und Yaris (so hiess das liebe Monster) so riesig. Als Mami irgendwann von Cypern aus angerufen hat, hat Papi's Angestellter gesagt, man müsse keine Angst um mich haben, er habe eher Angst um seinen Yaris ! Dem hab ich's gezeigt. Aber es war super. Wir haben Stunde um Stunde gespielt und herumgetobt im Garten. Der Rottweiler in Spanien wurde Zorro gerufen. Aber wenn jemand im Pool war, hat er sich als Angsthase geoutet. Aber wie er mir erzählt hat, war er kein Angsthase wegen sich oder dem Wasser, sondern um die Menschen die im Wasser waren. Eines seiner !
Geschwis
ter ist ein einem Pool ertrunken und das hat er miterlebt. Seither ist er immer in Panik geraten, wenn jemand im Wasser war. Er kam immer erst zur Ruhe, wenn alle wieder an Land waren. Einmal war Papi im Wasser und Zorro wieder extrem nervös. Papi ist dann an den Rand zu ihm geschwommen und hat ihn getröstet und um den Hals gefasst. Da hat es schwups gemacht und der 90-Kilo-Mann von Papi war aus dem Wasser gehieft worden und stand draussen am Poolrand. Puh, als ich das gesehen habe, war mir klar, was für eine Kraft dieser Zorro hatte. Mami hat mir das immer gesagt und mir erklärt, dass ich lieb zu ihm sein solle, denn er könne mich mit einem Biss aus dem Leben entfernen. Das habe ich mir dann eben doch noch etwas zu Herzen genommen. Aber er war ja in mich verliebt und ich wusste, dass ich mit ihm alles machen konnte, was ich wollte.
Dort in Spanien war auch noch eine Katze, die dort wohnte. Die war schon dort bevor Zorro eingezogen ist. Die hat sich von mir absolut und gar nicht jagen lassen. Die ist einfach liegen geblieben. Nicht weggelaufen. Spielen wollte sie auch nicht. Die hatte überhaupt keine Angst. Man hat mir gesagt, dass sie Zorro schon gesagt habe, wer dort auf dem Gelände der Boss war. Nämlich sie, resp. er. Es war ein Kater namens Pascha. So hat er sich auch verhalten. Ich fand sein Benehmen absolut doof. Ich hätte ihn so gerne über das ganze Gelände gejagt. Da war aber absolut nichts zu machen. Ganz egal was ich angestellt habe. Mami und Papi konnten mir dabei auch nicht helfen. Weil ich darüber so frustiert war, habe ich das dann an Zorro ausgelassen. Nur wenn er seinen gefüllten Fressnapf bekommen hatte, wurde es manchmal etwas haarig. Ich habe versucht ihm etwas zu klauen, aber da musste ich dann doch einen Rückzug machen. Mami hat mich dann auch jedesmal von Zorro möglichst weit wegge-nommen und festgehalten, bis er mit fressen fertig war. Aber er durfte sich an meinem Essen auch nicht bedienen. Hat er auch gar nie versucht. Glücklicherweise. Da wäre ich schon etwas gefordert gewesen, muss ich offen zugeben. Alles in allem war die Zeit in Spanien gut, aber sehr, sehr heiss. Tags-über war nur faulenzen angesagt, aber dafür ging Nachts die Post ab. Mal etwas Anderes.
Zorro ist aber dann schon recht früh gestorben. Er hatte Magen-Darm-Krebs. Eine schlimme Sache. Ich glaube er wurde nur 6 oder 7 Jahre alt.
Bis ich 9 Jahre alt war, lief alles so seinen Gang. Ich hatte viel Spass, war 3mal in der Woche bei Omi und Opi, ging mit Mami und Papi in die Ferien und auf viele Ausflüge. Sie haben nur noch Ferien gemacht ohne Flugzeug, damit sie mich immer mitnehmen konnten. Ueberhaupt war ich eigentlich immer und überall dabei und wenn ich irgendwo nicht willkommen war, dann sind Mami und Papi da auch nicht hingegangen. War echt lieb von Ihnen. Aber vom Wort Gehorsam habe ich trotzdem immer Abstand genommen. Aus Prinzip.
Dann kam der Tag, also Mami ihr ganzes Leben umstellen musste. Sie sagte, sie müsse es tun, um alles in den Griff zu bekommen und um zu verarbeiten. Ich weiss zwar nicht genau, worum es ging, aber ich glaube es hatte mit Papi zu tun. Aus dieser Situation kam es zu einem Rollentausch. Die beste Variante war, dass ich definitiv zu Omi und Opi umziehe und Mami und/oder Papi mich nur dann zu sich nehmen, wenn Omi und Opi in Urlaub gehen. Ich glaube Mami hatte schon richtig gedacht, dass das die beste Lösung war. Ich kannte ja Omi und Opi schon jahrelang sehr gut und war oft bei ihnen, eigentlich fast mehr als bei Mami oder Papi. Ich weiss noch, es war der 10. Dezember als Mami mich zu Omi und Opi brachte und mir sagte, dass sie am Abend nicht mehr kommen würde. Sie hat so sehr geweint. Ich war auch traurig. Aber ich habe verstanden, was sie mir erklärt hatte und habe am Abend nicht auf sie gewartet, wie sonst immer. Ich wusste ja, dass sie nicht kommen würde. Ich wusste aber, dass sie irgendwann wieder kommen würde um mich zu besuchen. Ich wusste auch, dass ich auch an Wochenenden bei ihr würde sein können oder bei Papi. Omi und Opi waren ja immer so lieb und gut zu mir. Ich war eben ihr Enkelkind, oder wie man das nennt in der Menschensprache.
Bei Omi und Opi musste ich etwas anständiger sein. Gut ich war auch schon in den letzten Jahren etwas anständiger geworden, wenigstens innerhalb der Wohnung. Draussen war wieder eine ganz andere Sache ! Omi und Opi waren eben auch schon älter und konnten mir nicht so gut nachspurten wie Mami oder Papi das noch konnten. Da war ich freiwillig etwas weniger zappelig und bin nicht so weit weggelaufen und habe sie warten lassen, bis ich irgendwann Spaziergänge, an ganz bestimmten Stellen immer eine Zwischenverpflegung und von Opi (wie von Papi auch) ist immer wieder mal etwas vom Tisch gefallen beim Essen, aus Versehen oder Ungeschicktheit.
Es wurde also alles etwas ruhiger und gemässigter. Der Tierarzt meinte, das sei auch gut so, schliesslich sei ich ja schon 9 Jahre alt und es sei nur von Vorteil, wenn in meinem Alter etwas mehr Ruhe einkehren würde. Frechtheit, das mit dem Alter ! Gut, vorher war schon immer viel los. Am Montag morgens zu Omi und Opi und Abends mit Mami heim. Mittwoch und Freitag war es auch so. Am Dienstag und Donnerstag war ich mit Mami im Geschäft von Papi am arbeiten. Am Samstag vormittags war ich dann wieder bei Omi und Opi (damit Mami in Ruhe einkaufen, waschen und putzen konnte) und nachmittags dann wieder daheim bei Mami. Am Sonntagmorgen hat mich dann Papi geholt bis am Abend. Als ich dann bei Omi und Opi eingezogen bin, war es schon etwas ruhiger. Aber nicht wirklich langweilig, wie ich zuerst gedacht hatte.
Ich hatte ja ein Haus, musste es einfach teilen mit Omi und Opi, aber das war ok für mich. Opi ging täglich 2-3 Stunden mit mir spazieren. Das war immer cool.
Omi hat manchmal etwas genervt, wie eh und je. Immer hat sie an mir herumkommandiert. Jeannie komm doch zu Omi. Jeannie geh doch aus der Sonne in den Schatten. Jeannie lieg doch nicht auf dem kalten Boden. Die ganze Zeit ging das so. Mami hatte ihr schon Jahre vorher erklärt, dass sie mich doch ganz einfach in Ruhe lassen solle, vor allem dann, wenn ich tagsüber in mein Bettchen ging um zu relaxen. Aber Omi konnte es nicht lassen und hat ständig auf mich eingeredet. Ich hatte dann damit begonnen, immer wieder mal in mein Bettchen zu pinkeln. Omi hat dann meistens geschimpft und Mami hat ihr dann immer und immer wieder erklärt, dass das nur passiert, weil sie mir meine wohlverdiente Ruhe nicht gönnt. Das Bettchen war meine Rückzugsstätte und da wollte ich einfach nicht gestört werden. Mami hat das gewusst, aber Omi hat das nie wirklich begriffen.
Sehr oft kam Papi um mich zu holen. Am Sonntag sind wir dann immer zusammen auf den Vitaparcours gegangen im zu joggen. Papi hat gejoggt und ich habe gestaunt und mich gefragt, was er da tut, wenn er sich an einer Stange in die Höhe zieht. Wird wohl für irgendetwas gut gewesen sein.
Auch wochentags hat er mich öfters geholt und wir sind irgendwo essen gegangen. Lecker. Papi konnte meinem Blick unter dem Tisch, mein Köpfchen auf seinen Beinen liegend, nie widerstehen. Ich durfte wirklich von allem etwas kosten, egal ob Spaghetti oder Rindsfilet. In den Restaurants waren wirklich gute Köche beschäftigt. Ich kann das beurteilen.
Nach einiger Zeit konnte ich dann auch endlich Mami wiedersehen. Was für eine Freude. Ihren Geruch konnte ich schon vorher hin und wieder im Auto von Papi wahrnehmen, wenn er bei ihr war und sie im Auto gesessen hatte. Ich war dann auch immer wieder mal bei ihr, manchmal auch für eine Woche oder
mehr, wenn Papi oder Opi und Omi im Urlaub waren. Dann hatte ich auch Urlaub, bei Mami. Bei ihr musste ich allerdings folgsamer sein, als bei Papi. Das war schon immer so. War auch ok, sie war mein Boss. Aber damit kein Irrtum entsteht, oder falsche Gerüchte verbreitet werden: ich war nur etwas folgsamer, fein dosiert und nicht zuviel. Manchmal sind wir bei Ihrer Freundin auf Besuch gegangen. Da waren dann zwei Katzen. Allerdings jagen konnte ich sie nie wirklich. Nur anklotzen. Die Katze aussen hinter der Fensterscheibe der Balkontüre und ich innen. Nase an Nase. Schade. Ich hätte sie gerne durch den ganzen Garten auf den nächsten Baum gejagt. Aber das hat man mir immer vereitelt.
Ich kann mich noch erinnern, dass ich in diesem Garten einmal im Teich gelandet bin. Ich wollte Fischlein angeln und bin auf dem Schnee ausgerutscht und ins Wasser geplumpst. Igit, war das schlimm.
Einmal bin ich dort auch ausgebüchst, als sie nicht aufgepasst haben. Ich habe mich durch so einen sogenannten Lebhag (irgendwelches Grüngemüse als Zaun getarnt) durchgezwängt und habe dann die ganze Nachbarschaft ausgekundschaftet. Irgendwo, ein paar Gärten und Häuser weiter, habe ich dann Kinder gefunden und mit ihnen noch eine Runde gespielt. Dann haben mich Mami und Papi (damals waren sie noch zusammen) aufgespürt und an die Leine gelegt. Sie hatten damals ehrlich Angst, dass mir etwas passiert hätte sein können und ich habe ihre Erleichterung gespürt, als sie mich wiedergefunden hatten. Eigentlich wusste ich gar nicht, warum sie so ein Theater gemacht haben. War doch alles ok. Ich hatte meinen Spass und das war ja die Hauptsache. Zudem habe ich dafür gesorgt, dass die Menschen auch eine Be-schäftigung hatten, indem sie mich suchen mussten. Habe ja nur für allgemeine körperliche Betätigung gesorgt. Sonst wären sie ja noch stundenlang auf ihren Stühlen geklebt.
Auch als ich noch ganz, ganz klein war, habe ich immer dafür gesorgt, dass Mami in Bewegung bleiben musste. Ich hatte es nicht gerne, wenn sie abends nach der Arbeit ein gemütliches Bad nehmen wollte. Ich wollte, dass sie mit mir spielt und nicht in der Wanne liegt. Also habe ich jedesmal ein riesengrosses Gejaule abgelassen, wenn sie den Versuch machte in die Wanne zu steigen. Also hat sie es gelassen und immer nur kurz geduscht. Irgendwann hat sie dann
aber zu mir gesagt: Mädchen, mach was Du willst, Mami nimmt jetzt ein warmes Bad um sich zu erholen. Nun gut, sie stieg in die Wanne und ich nahm es wörtlich, das mit dem mach was du willst. Ich habe ihr dann in der Wohnung etwas nach meinem Geschmack aufgeräumt. Erst habe ich mich mit der Rolle Klopapier vom Bad beschäftigt. Ich habe sie mit ins Wohnzimmer genommen und zerlegt. Glücklicherweise war die Tür zum Gästeklo auch offen und da hatte es noch eine zweite Rolle von dem Papier. Auf dem Salontischchen im Wohnzimmer lagen noch Papiertaschentücher. Die habe ich auch noch zum Klopapier drapiert. Danach sah es schon recht nett aus. Aber noch nicht nett genug. Darum bin ich nochmal ins Bad und habe von dort den kleinen Teppich noch ins Wohnzimmer geschleppt (war etwas anstrengend, hat sich aber gelohnt). Plötzlich sah ich Mami's Handtasche am Boden stehen und darin war ja auch ihre Agenda ! Also noch mehr Papier, das man etwas in der Form verändern konnte. Auf dem Sofa lag eine Zeitschrift, aber nicht mehr lange. Auch nur Papier zum entsorgen. Es war schon komisch, ich habe Mami alles gezeigt, was mir da zwischen die Zähne kam und bevor ich es in seiner Form verändert habe, aber sie hat es ignoriert und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Um dem ganzen Papiergelage am Boden, dazwischen noch den gut dazu plazierten Badezimmerteppich, etwas mehr Ausdruck zu verleihen, habe ich noch Mami's Jeans und Pullover dazu geholt. War noch besser so. Aber es fehlte noch etwas. Ah, ich sah es: die kleinen Holzstücke, die sie immer brauchte um den Kamin anzufeuern. Die waren noch das Tüpfelchen auf dem i. Perfekt. Als Mami dann endlich aus der Badewanne ins Wohnzimmer kam, sass ich stolz wie Oskar mitten auf dem ganzen Haufen und hab sie angegrinst. Ja, das war eine meiner Begabungen: ich konnte lachen ! Hab ich von Mami und Papi abgeschaut. Die haben auch immer wieder die Mundwinkel nach hinten geschoben und die Zähne gezeigt!
. Man ha
tte mir dann erklärt, dass man das Lachen nennt. Es gefiel mir, darum habe ich es auch gemacht. Kam immer sehr gut an.
Sehr bald darauf ist mir aber das Lachen etwas vergangen. Meine Zähne haben mich geplagt. Die Menschen nennen das Zahnwechsel. Das ist der Moment, wenn einem die Milchzähne rausfallen und die echten Zähne kommen. Ich hatte in dieser Zeit immer das Bedürfnis an irgendetwas herum zu knabbern. Sehr oft waren das Mami's Arme. Ich glaube, sie war nicht sehr begeistert davon. Nun gut, ich muss zugeben, ohne meine Zahnabdrücke und ohne blutige, kleine Wunden, waren ihre Arme schon schöner. Aber da musste sie jetzt durch, bis ich durch war mit meinem Zahnwechseln.
Nun das waren ja alles nur Jugendsünden. Wirklich böse war mir nie jemand deswegen, im Gegenteil noch heute, Jahre später, können sich die Menschen darüber amüsieren, wenn sie an meine Kindheit zurückdenken.
Vor allem können sie sich auch darüber amüsieren, wie ich immer meinen Gorilla flachgelegt habe ! Das war so ein riesengrosses, schwarzes Stofftier mit einer Banane in den Pranken, das Mami irgendwann einmal aus Amerika mitgebracht hatte, weil es sie irgendwie an Papi erinnerte. Als ich ankam, was das Vieh grösser als ich. Aber ich habe es immer erfolgreich zu Boden gekämpft. Tagtäglich, viele Jahre lang. Und ich habe es für meine Triebe benutzt. Die Menschen sagen zwar immer, dass wir keine sexuellen Triebe hätten (was wissen den die schon über unsere Triebe !), sondern nur den natürlichen Trieb uns zu vermehren, oder dann eben, die Macht zu übernehmen. Wie das bei den Wölfen ja auch der Fall ist. Da darf ja nur das Alpha-Männchen die Weibchen begatten. Ich habe das immer wieder mal an Mami's Bein probiert, aber sie hat es mir strikte verboten. Sie hat auch Papi untersagt, das von mir zuzulassen. Sie meinte, wenn wir das zulassen, hätte ich das Gefühl der Rudel-Boss zu sein. War ich ja so oder so, im Vertrauen gesagt. Aber dem Gorilla hab ichs dann doch gezeigt, wer von uns beiden der Boss ist. Mami hat ihn immer mitten im Zimmer auf den Boden gesetzt und wenn ich in Wohnung kam, war die erste Handlung dieses Urvieh auf den Rücken zu legen und s'ihm richtig zu geben.
Irgendwann, ich glaube es war kurz bevor ich zu Omi und Opi umgezogen bin, hatte Mami wieder einen Mann kennengelernt. Man, diesen Typen mochte ich gar nicht. Er war Italiener und die haben ja so oder so Angst vor Hunden und vor allem vor schwarzen Hunden (das war ich nämlich, pechschwarz). Dass ich kein grosser schwarzer Hund war, tut ja nicht zur Sache. Er gab sich zwar nicht den Anschein Angst vor mir zu haben, aber die Abneigung war trotzdem gegenseitig. Das habe ich sofort gespürt. Ich war von Anfang an der festen Ueberzeugung, dass er nicht der Richtige für Mami war. Deshalb habe ich ihmauch gleich nach der ersten Nacht, die er bei Mami im Schlafzimmer verbracht hatte, seine Unterwäsche gebracht. Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass er wohl am besten jetzt geht. Mami hat den Wink mit dem Zaunpfahl damals aber leider nicht verstanden. Sie war eben bis über beide Ohren in den Kerl verliebt und hatte irgendwie etwas auf den Augen und ein umnebeltes Gehirn.
Viele Jahre und viele Tränen später hat sie dann erkannt, was ich ihr nach der besagten ersten Nacht sagen wollte. Ich war dann schon über 13 Jahre alt, aber noch immer hellwach und topfit, als sie ihn dann doch in die Wüste geschickt hat. Ich kann mich gut erinnern. Es war nach den Weihnachtstagen als ich für eine Woche oder so bei Mami war. Papi, bei dem ich in der Zwischenzeit eingezogen war, war irgendwohin verreist. Dieser Italiener war auch da. Ich wollte trotz allem freundlich zu ihm sein, habe mich schwanzwedelnd vor ihn hingestellt um ihn zu begrüssen, aber er hat mich nur arrogant von oben herab angeschaut. Wortlos und ohne auch nur das kleinste Streicheln. Als er in der Küche meinen Fressnapf gesehen hat, hat er reklamiert, dass das in der Küche nichts zu suchen habe. Ein Hund habe draussen im Freien zu fressen. Im Winter !? Eine Frechtheit. Mami hat ihm klargemacht, dass ihr Hund, nämlich ich, in der Küche sein Essen bekommt und sonst nirgends und schon gar nicht draussen. Dann hat der Typ auf dem Sofa meine Kuscheldecke gesehen und gesagt, ein Hund habe auf dem Sofa nichts verloren. Mami hat gesagt: Mein Hund schon ! Kurze Zeit später hat er im Schlafzimmer mein Bettchen gesehen und wieder reklamiert, ein Hund habe im Schlafzimmer nichts verloren. Mami hat gesagt: Mein Hund schon ! Sie war in der Zwischenzeit schon ziemlich sauer auf den Typen. Ich glaube es ist auch schon vorher dieses und jenes passiert, das sie wütend auf den Herrn gemacht hatte.
Später sind Mami und ich dann nochmal Gassi gegangen. Er hat uns nicht begleitet. War mir egal und Mami wohl auch, denn sie hatten sich noch weiter wegen, ich weiss nicht was, gestritten. Als wir zurückkamen, war er schon im Bett. Mami hat dann zu mir gesagt: Weisst Du was mein Herzblatt, wir beide schlafen auf dem Sofa, da Du im Schlafzimmer nicht willkommen bist, kann er auch gut auf mich verzichten. Gesagt, getan. Wir haben zusammen die Nacht fast zehn Uhr) endlich aus den Federn kam, hatten Mami und ich schon den ersten Spaziergang und das Frühstück hinter uns. Als er gleich wieder
angefangen zu reklamieren, hat sie ihm kurz und bündig gesagt, er solle sein Bündel packen und ihre Wohnung verlassen. Wow, war der wütend. Aber Mami auch. Er hat dann aber schnell bemerkt, dass alle seine Felle davon geschwommen waren und hat das Weite gesucht. Wir haben ihn nie mehr gesehen. Zum Glück. Wirklich traurig darüber war Mami nicht. Er hatte sich zuviel geleistet in den vergangenen Jahren. Mami hat erst dann begriffen, was ich ihr damals schon sagen wollte, als ich seine Unterhose im Schnauz hatte.
Im darauffolgenden Sommer bin ich 14 Jahre alt geworden. Ich war zwar noch bei recht guter Gesundheit, ausser dass mein Magen nicht mehr alles so gut vertragen hat, wie früher. Es musste Schonkost her. Aber meine Menschen haben gerne speziell für mich gekocht. Ruhiger bin ich natürlich auch geworden. Meine Ausdauer hatte nachgelassen. Irgendwie ja verständlich. Aber trotzdem habe ich zwischendurch allen gezeigt, dass die chinesische Kampfameise (so hatte mich einmal ein Polizist betitelt) immer noch aufdrehen konnte, wenn sie wollte. Ok, nicht mehr so lange wie früher, aber immer noch genug, dass meine Menschen und auch andere Leute erstaunt waren, wie fit ich in meinem Alter doch noch war. Vor allem Papi hat mich dann absolut verhätschelt und noch mehr verwöhnt.
Dann aber kam der Moment. Ein schlimmer Moment für meine Menschen. Als ich fast 16 war, hat Mami an meinem Mund auf der Seite innen einen Knoten bemerkt. Sie sagte es Papi und gab ihm den Auftrag das zu beobachten und notfalls mit mir zum Tierarzt zu gehen. Möglicherweise sei es nur eine Entzündung von einem Zahn. Der Knoten wurde aber sehr schnell, wirklich sehr schnell immer grösser. Schmerzen hatte ich aber keine. Beim Fressen hat mich das Ding aber doch etwas gestört. Wir sind dann zum Tierarzt. Der, resp. sie, es war eine Aerztin, hat den Knoten herausgeschnitten und zur Untersuchung eingeschickt. Das Resultat war für Mami und Papi und auch für Omi und Opi, niederschmetternd. Krebs, ein ganz bösartiger Krebs der sehr schnell Streuungen verursache, vor allem auf der Lunge und dann absolut tödlich sei, sagte die Aerztin. Meine Menschen konnten es kaum fassen, wollten es einfach nicht glauben. Sie waren unendlich traurig. Ich habe das eigentlich nicht wirklich verstanden. Meine Zeit war gekommen und für mich war es ok. Ich hatte ja nicht einmal Schmerzen. Ich war 16 Jahre alt und hatte ein wunderbares Leben hinter mir. Warum also diese Traurigkeit, diese Tränen, diese Verzweiflung meiner Leute ? Man hat mir noch weitere dreimal dieses Ding aus dem Mund rausgeschnitten, aber es ist immer wieder sehr schnell nachgewachsen. Ich wurde auch immer wieder sonst untersucht und auch durchleuchtet. Aber es konnte keine Streuung, keine Ausweitung vom Krebs gefunden werden. Das grenze schon an ein Wunder meinte die Tierärztin.
Mami und Papi's Freundin haben als erste verstanden, dass es langsam daran ging Abschied zu nehmen. Aber Papi wollte das einfach nicht einsehen und akzeptieren. Er wollte quasi kämpfen bis aufs Messer. Mami und seine Freundin haben ihm versucht zu erklären, dass er langsam loslassen muss, damit ich in Ruhe und Frieden gehen kann, wenn es für mich stimmt. Aber er hat sich enorm dagegen gewehrt. Wollte es einfach nicht einsehen und wahrhaben. Mami hat ihm dann gesagt: Lass los, der Kampf ist verloren. Aber Papi wollte es immer noch nicht akzeptieren. Sie hatten deswegen sogar einen Streit. Ich habe die ganze Sache nicht verstanden. Es war für mich ja ok. Ich wusste ja, dass meine Zeit abgelaufen war. Also warum dieses Theater ? Ich wurde immer ruhiger und ruhiger und dann habe auch aufgehört zu fressen. Da hat Papi es dann auch begriffen. Wir hatten dann alle gemeinsam, Mami, Papi und seine Freundin den letzten Gang zum Tierarzt unternommen. Es hat mich schier zerrissen, als ich sehen musste, wie traurig sie waren, wie sie weinten. Aber ich war bereit zu meinem letzten Schritt. Ich war nicht nervös, ich hatte keine Angst. Ich war ganz ruhig. Für mich war es ok. Ich war friedlich und in mir war alles friedlich und ruhig. Mami und Papi waren ja da und haben mich begleitet. Sie haben mich mehr als 16 Jahre lang begleitet und es war schön mit ihnen.
Heute schaue ich von meiner Himmelswolke auf sie herunter und bin dankbar für die Jahre, die wir hatten. Ich weiss, ich werde immer in ihren Herzen bleiben. So wie sie auch in meinem Herzen bleiben. Für immer und ewig.
Ich bin froh, dass meine Leute heute über meine Streiche wieder lächeln können. Sie trauern zwar immer noch, aber ihre Schwermut hat etwas an Gewicht verloren. Das ist gut so.
Ja, mein Leben war gut ! Und da wo ich jetzt bin, geht es mir auch gut.
Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Gretl Maier).
Der Beitrag wurde von Gretl Maier auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.07.2014.
- Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).
bluewin.ch (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)Gretl Maier als Lieblingsautorin markieren

Tambara: Oh Stadt, oh meine Stadt
von Heike M. Major
Tambara ist unser Traum von einer perfekten Stadt, einer Stadt, in der die Wirtschaft floriert, nachwachsende Organe und eine optimale medizinische Versorgung Gesundheit und ein langes Leben garantieren und ein breites Freizeitangebot die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Bürger befriedigt. Doch einigen Städtern ist dies nicht genug. Sie ahnen, dass ihnen etwas vorenthalten wird, etwas, von dem sie instinktiv spüren, dass es ein Teil von ihnen ist. Sie stöbern in der Vergangenheit und entdecken ... die Natur. Doch Nachforschungen sind nicht gern gesehen in der Stadt Tambara. Informationen verschwinden aus dem »Net«, und auf eine rätselhafte Weise verschwinden auch die Bürger, die sich dafür interessieren. Auf der Suche nach ihren spurlos verschwundenen Eltern entdeckt Soul den Getreidekonzern, ein Reservat, das von drei Klonen geleitet wird. Mit ihrem Bruder Reb und den Freunden Mortues und Botoja will sie das Geheimnis der Klonbrüder erkunden. Doch Geduld ist nicht gerade Souls Stärke. Noch bevor die anderen ihre Vorbereitungen beendet haben, ist sie schon auf dem Weg ins Reservat […]
Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!
Vorheriger Titel Nächster Titel
Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:
Diesen Beitrag empfehlen: