Annina Bergholz

Neubeginn

Glas splittert, Reifen quietschen, Geschrei von Menschen, ein dumpfer Aufprall ist zu hören. – Sie wacht schweißgebadet auf und dreht sich um, um nachzusehen, ob er noch schläft. Er tut es, zum Glück hat er nichts mitbekommen und schlummert friedlich weiter.
Sie versucht wieder einzuschlafen. Nach 20 Minuten steht sie auf, um eine heiße Schokolade zu trinken. Sie ist ganz leise, will ihn nicht aufwecken.
Sie macht sich ihre Schokolade und setzt sich auf die Veranda. Es ist warm und der Himmel klar, die Sterne leuchten. Sie lässt ihren Gedanken freien Lauf. Und da sind sie wieder, die Bilder des schrecklichen Unfalles, der alles zerstörte. Sie fragt sich immer wieder, warum dieser Betrunkene in ihr Auto rasen musste. Warum durfte das ungeborene Wesen in ihrem Bauch nicht geboren werden? Diese Fragen quälen sie jede Nacht. Dann zieht sie sich zurück, dass er ihre Tränen und Trauer nicht sieht. Sie weiß nicht, wie er darunter leidet. Sie weiß auch nicht, ob sie beide diese Krise überstehen werden. Sie geht wieder ins Bett, ganz leise und weint sich dort leise in den Schlaf, dass er nichts mitbekommt. Wie jede Nacht, die seit dem Unfall vergangen ist...
Am nächsten Morgen wachen beide gleichzeitig auf. Er sieht ihr an, was sie in der letzten Nacht erneut durchlitten hat und nimmt sie in den Arm. Er liebt sie. Er will sie nicht verlieren. Er will sie aus ihrer Trauer befreien, wie er es vor langer Zeit geschafft hat, vor vielen Monaten. Aber wie? Er weiß keinen Rat mehr. Er will mit ihr über den Unfall rede, der ihnen ihr Liebstes genommen hat. Aber sie wehrt seine Gespräche diesbezüglich ab. Er geht joggen, wie jeden Morgen, um sich neue Gedanken zu machen, wie sie beide über den Verlust reden können. Er will sie wieder glücklich sehen.
Er kommt zurück und sieht sie tränenüberströmt an einem Karton sitzen. Er ahnt, was sie gefunden hat...
Sie sitzt da und kann ihre Tränen nicht mehr aufhalten, sie weint hemmungslos. In ihrer Hand das letzte Ultraschallfoto ihres Kindes.
Sie sieht ihn auf sich zukommen, er nimmt sie in seine Arme. Sie lässt zum ersten ihren Schmerz in seiner Gegenwart zu. Beide können zunächst nur erst einmal weinen. Dann fragt sie ihn all die Fragen, die sie sich Nacht für Nacht stellt. Sie reden beide über ihr totes Baby bis in die tiefe Nacht hinein, froh es endlich getan zu haben. Es ist fast zu spät gewesen.
Es ist die erste Nacht, in der sie nicht von Albträumen geplagt aufwacht.
Sie wacht auf, die Morgendämmerung setzt ein. Sie beobachtet ihn und lächelt. Sie geht auf die Veranda, und keine traurigen Gedanken begleiten sie. Es ist ruhig und still, sie schließt die Augen und atmet die klare Luft ein. Arme schließen sich um ihren Leib. Sie hat nicht gemerkt, dass er ihr gefolgt ist. Sie dreht sich um und sieht ihm tief in die Augen.
Sie weiß, dass diesmal alles gut gehen wird. Sie weiß, dass unter ihrem Herzen ein neues Leben heranwächst...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.05.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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