Helmut Wurm

Sokrates und die Wettervorhersagen


Sokrates geht an einem frühen Abend mit interessantemWolkenhimmel und seltenem Himmels-Farbspiel auf einer Anhöhe spazieren. Verschiedene Wolkenformationen sind in unterschiedlichen Höhen zusehen, der ist Himmel blass-violettrot bis gelbrot.

In den verschiedenen Höhenstufen scheinen unterschiedliche Windgeschwindigkeiten zu sein, denn die Wolken wandern mit verschiedenem Tempo. Das deutete darauf hin, dass  verschiedene Luftmassen mit unterschiedlichen Temperaturen und Feuchtigkeitsgehalten zusammentreffen und sich übereinander schieben. Welches Wetter braut sich da für die nächste Zeit zusammen?    
 
Während Sokrates sinnend zum Himmel schaut, kommen von 2 verschiedenen Seiten 2 Männer über die Anhöhe, die ebenfalls ständig in die Höhe sehen und den unterschiedlichen Zug der Wolken beobachten. Der eine hat ein altes Buch in der Hand, in dem er regelmäßig blättert und Himmelsmerkmale mit dortigen Beschreibungen und Abbildungen vergleicht, der andere hat eine Reihe von modernen Instrumenten umhängen. Beide achten nicht auf ihre irdische Umgebung und stoßen fast in der Nähe von Sokrates zusammen. Sie schauen sich und dann Sokrates erstaunt an und lachen. Sokrates bemerkt selbst lachend:
 
Sokrates: Da wären wir ja alle Drei beinahe zusammen gestoßen. Das kommt von unserer Himmelsguckerei… Interessieren Ihr Euch auch für diesen komischen Himmel heute?  
 
Der Eine mit dem Buch: Das tue ich in der Tat. Ich beschäftige mich mit den Wetter-Bauernregeln und dem Hundertjährigen Kalender und inwieweit sie bei unserer derzeitigen Klimaänderung noch gelten. Dieser Himmel deutet auf einen Kampf von Luftströmungen in der Höhe an. In der jetzigen Jahreszeit kommt  das öfter vor, aber nicht so heftig wie jetzt.
 
Mich interessiert, was unsere Vorfahren zu solchen Wetterlagen an Erfahrungen mitgeteilt haben und wie das Wetter danach erfahrungsgemäß werden könnte. Meine Freunde und Nachbarn fragen mich oft, was ich zum Wetter meine, besonders wie das Wetter langfristig werden könnte… Sie könnten dann vielleicht ihre Urlaubsreisen danach planen…
 
Sokrates: Du versuchst also Wetterprognosen nach alten Wetter-Erfahrungen zu machen.
In Athen machten auch Bauern und Seeleute solche Wetter-Erfahrungsprognosen… Das hat erstaunlich oft in der Tendenz gestimmt… Aber sind solche Erfahrungen bei der derzeitig raschen Klimaänderung noch anwendbar?
 
Der Mann mit dem Buch: Das frage ich mich allmählich auch… Irgendwie scheinen sich die Wetterlagen und Wetterreaktionen geändert zu haben… Ich werde unsicherer…
 
Sokrates (zu dem anderen mit den Instrumenten): Interessierst Du Dich auch für das Wetter und versuchst Du auch Wettervorhersagen?
 
Der Mann mit den Instrumenten: Ich bin nicht nur ein Wetter-Interessent, ich bin ein Meteorologe. Wir machen keine Erfahrungs-Prognosen, wir machen wissenschaftliche Wettervorhersagen. Die Medien sind sehr interessiert an unseren Voraussagen…
 
Sokrates: Du betonst die Wissenschaftlichkeit Eurer Wettervorhersagen. Dazu dienen wohl die vielen Instrumente, die Du mit Dir herum schleppst.
 
Der Mann mit den Instrumenten: Mit den Instrumenten fotografiere ich den Himmel, messe die Lufttemperatur, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit, Sonnenscheindauer und den Niederschlag und trage alles in mein Tablet ein… Das funkt die Daten an unsere Zentrale und dort fügt man alle Meldungen zusammen. Daraus werden dann Vorhersagen gemacht.
 
Sokrates: Und Ihr seid Euch sicher, dass diese wissenschaftlichen Prognosen auch bei unserer zunehmenden Klimaänderung stets stimmen?
 
Der Mann mit den Instrumenten (lächelt verschmitzt): Wir hoffen stets, dass unsere Vorhersagen stimmen… Aber es gibt bei uns im Wetteramt eine alte Tradition: Der letzte sieht bei Dienstschluss nach, ob alle Fenster zu sind, denn man kann ja nie wissen, wie das Wetter wird… Und diese alte Erfahrung nimmt an Wahrheit zu, seit die menschengemachte Klimaänderung voranschreitet…
(Alle lachen laut)
 
Sokrates: Dann macht Ihr eigentlich nur wissenschaftliche Wetter-Vermutungen, weil die moderne Klimaveränderung auch Euch Schwierigkeiten macht.
 
Der Mann mit den Instrumenten: Um ehrlich zu sein, auch unsere Wetterprognosen basieren auf langfristigen wissenschaftlichen Datensammlungen und daraus resultierenden Erfahrungswerten. Aber die Reaktionen der Luft und der Luftströmungen ändern sich mit der Klimawandlung, so dass die Häufigkeit von Fehlprognosen zuzunehmen scheinen, besonders in kleinräumiger Hinsicht… Die Klimaänderung bringt zu viele Neuerungen und Imponderabilien mit sich, auch für unsere Computerprogramme…
 
Sokrates: Das scheint mir auch so… Obwohl es eine Vielfalt von Wetter-Webseiten und Wetterprognosen in den Medien gibt, unterschieden sich manche Prognosen, widersprechen sich sogar… Wäre es da nicht fairer, Ihr würdet statt "Wetter-Prognose" den vorsichtigeren Terminus "Wetter-Vermutung" benutzen?
 
Der Mann mit den Instrumenten (wehrt entsetzt ab): Das geht nicht. Viele Medien verdienen Geld mit Wettervorhersagen und die Menschen erwarten, dass wir in unserem modernen Zeitalter das Wetter genau vorhersagen… Wir würden uns sehr blamieren… Wir müssen dann irgendwie bei Fehlprognosen darumherum reden…
 
Sokrates: Gibt es bei falschen Wettervorhersagen die Gefahr von heftigen Beschwerden oder sogar von Regress-Forderungen? Z.B. von Versicherungen oder Reise-Unternehmen, die auf gute Wetterprognosen vertraut und wegen schlechtem Wetter Verluste hatten?
 
Der Mann mit den Instrumenten: Das ist schon möglich… Aber man muss Prognosen möglichst offen formulieren, dass sie einem rechtlich nicht ans Leder können… Es gibt geschickte Datenzusammenstellungen und Formulierungen… 
 
Sokrates: Ich erinnere mich dunkel, Wettervorhersagen gelesen zu haben wie ungefähr diese: Mögliche Unwetterwarnung mit Starkregen und Hagel, Regenwahrscheinlichkeit 42%, berechnete Niederschlagsmenge 1-2 Liter pro qm… Da hat man alles drin und ist gleichzeitig offen geblieben: relativ trockenes Wetter und Unwetterwarnung… Juristisch ist da schwer etwas zu machen.
 
Der Mann mit den Instrumenten: So etwas mag vorkommen. Wir sind eben auch nur Menschen... Und der rasche Klimawandel erschwert unsere Vorhersagen… Und manchmal stimmen unsere Prognosen tatsächlich überhaupt nicht… Das ist dann peinlich...
 
Sokrates: In solchen Fällen handelte es sich nicht um wissenschaftliche Wetterprognosen, nicht um Wettererfahrungen und nicht um wissenschaftliche Wettervermutungen, sondern einfach um ungewollte "Meteorolügen".
 
Alle lachen und jeder geht in seiner Richtung weiter, den Blick zum Himmel gerichtet
 
(Verfasst vom discipulus Sokratis, der ebenfalls auf der Anhöhe mit dabei war)
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.08.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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