Wilhelm Westerkamp

Der Unangepasste

Der Unangepasste, der mit Zornesfalten auf der Stirn stehend, ein schiefes Lächeln in seinem eckigen Gesicht trug, welches als solches aber, kaum mehr erkennbar war, so dass ihm jegliche Lebensfreude abhanden gekommen zu sein schien.
Er schaute nun etwas gelangweilt mit gesenktem Haupt auf seine nackten Füße, als er ungefähr in der Mitte seines Wohnzimmers stand. Da sein trüber Blick weiterhin zu Boden fiel, entdeckte er seine Waage und stellte sich mit einem Ruck auf sie. Die LED-Anzeige zeigte einen Wert von knapp hundertzwanzig Kilo an, ein Gewicht also, welches bei einer Größe von beinahe zwei Metern sicher im grünen Bereich lag.
Aber dieses Ergebnis befriedigte ihn in keiner Weise, visierte er doch ein Gewicht deutlich unter hundert Kilo an, wie er es sich seit langem schon vorgenommen hatte.Doch die Kalorienzahl noch weiter zu reduzieren und sich einer derart radikalen Diät zu unterziehen, wie manche Frauen dies zu tun pflegen, wäre für ihn wohl eine utopische Zielvorgabe.
Hierbei spielte jedoch seine ausgesprochen kränkbare Eitelkeit eine gewichtige Rolle. Obwohl sein Bauch aufgrund seiner beachtlichen Größe kaum ins Gewicht fiel, meinte er dennoch, er wäre vorallem im Profil gesehen, doch kaum zu übersehen.
Mit einem Schuss Ironie, schlug er sich dann mit den Innenseiten seiner Hände auf seinen seinen nackten Bauch ein, welches ein seltsames Geräusch produzierte.
Jetzt so in der Unterhose stehend, in seinem geräumigen Zimmer, fühlte er sich relativ gut!
Hier konnte ihn niemand sehen – vorallem keine attraktiven Frauen – vor denen er die größten Manschetten hatte.Er hatte diesbezüglich sogenannte „Komplexe“, die er auch in der mittleren Lebenshälfte seines Lebens nicht abstellen konnte.
Sein unangepasstes Verhalten, das war es wohl, was die Damen an ihm nicht mochten. Kam er mit Männern noch überein, musterten ihn die Damen aus ihrem spezifischen Blickwinkeln, die er nicht leiden konnte, ja es machte ihn psychisch regelrecht fertig.
Dennoch sah er es nicht ein sein verschrobenes Verhalten gegenüber Frauen zu ändern, mit der Folge, das die Damen sich – obwohl er ein gutaussehender Kerl war – von ihm kopfschüttelnd abwandten, so das er keine Partnerin fand, die er sich so sehnlichst gewünscht hatte.

Er stand jedoch weiterhin in der Mitte seines Wohnzimmers, in der Nähe seiner Waage. Doch er wollte sich nicht mehr wiegen und anziehen wollte er sich auch nicht! Er hatte jetzt entsetzlich schlechte Laune, eine Laune, die ihn psychisch tief nach unten riss.

Eigentlich hätte er heute ja nur zur Arbeit gehen müssen, wie an jedem Werktag in der Woche. Stattdessen ging er missmutig zu seiner Hausärztin und ließ sich für den einen Tag krank schreiben.
Zu Hause wieder angekommen, schickte er die Krankmeldung auf dem postalischem Wege zu seinem Arbeitgeber und damit dies auch regelkonform geschah, rief er auch zudem den Personalchef der Firma an und entschuldigte sich in einer geheuchelten, aber doch freundlichen Tonlage bei ihm.
So verbrachte er den restlichen Tag dann allein mit sich und seinen Neurosen zu Hause bei sich. Er war unzufrieden über seine ausweglose Situation und schaute nun angewidert fern, solange bis ihm die Augen davon vor Müdigkeit zu fielen und er deshalb erst spät in der Nacht zu Bett ging. Dabei jedoch nicht vergessend, das am nächsten Tag, der bereits folgende Arbeitstag unbarmherzig auf ihn warten würde, ob er dies nun wollte oder nicht, wenigstens diese Lektion hatte er in seinem verpfuschten Leben nun endlich begriffen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.08.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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