Elke Müller

Liebe, Kampf, SEHNSUCHT

Mako lies sich nun weniger sehen. Er hat eine Arbeit in einem Bistro angenommen, wo gleich eine Unterkunft dazu gehörte, in Form eines Zimmers. Wie still es doch dadurch war. Der Ablauf der Tage war fast immer der gleiche. Nur noch zu zweit, wussten sie zu gut, immer wenn sie sich etwas gemeinsames zu Hause vornahmen, gingen sie nach einer Weile getrennte Wege. Man aß, wusch das Geschirr ab, versuchte fernzusehen und dann verzog sich Ryan schließlich in sein Zimmer. Er hatte Berge von alten Büchern, Zeitungen und dicke Ordnermappen gesammelt, er wollte alles über Sven Trailer heraus bekommen. Manchmal spielte er am Computer Spiele oder grübelte über verschiedene Dinge nach. Bei den Krankenbesuchen wechselten sie sich ab, so wie eben die Zeit dazu reichte. Ryan half einige Tage in der Woche Conny bei der Arbeit, hat einige leichte Jobs in der Firma übernommen. Abends schaute er dann bei seinem Vater vorbei.

Es regnete schon den ganzen Tag wie aus Eimern. Ryan setzte sich auf einen Stuhl neben dem Bett. „ Ich habe ein paar Sachen für dich eingepackt.“ Nahm den kleinen, mitgebrachten Karton auf und stellte ihn auf den kleinen Tisch ab. Kramte einige Familienfotos heraus und stellte sie auf die Fensterbank. Schloss den Schrank auf und verstaute die noch restlichen Dinge darin. „ Weißt du, ich wünsche mir sehr, mit dir zu reden! Ich habe viel Zeit zum Nachdenken gehabet... und, es ist mir so einiges klar geworden... du hast dich immer um mich gesorgt gehabt.“ Viel Zeit hatte Ryan wirklich nie aufgebracht, um sich Gedanken über seinen Vater zu machen. „ Du hast mir manches zurück gegeben, du hast mir gezeigt wer ich bin und was ich bin. Aber eins verspreche ich dir, ich werde dir keine Schande machen!“ Er glaubte ein Stöhnen zu hören. Betätigte die Klingel für Notfälle. Mehrer Ärzte und Schwestern betraten eilig das Zimmer. Ryan ging nach draußen.

„ Ryan? Deinen Vater geht es besser, er ist kurz bei Bewusstsein gewesen, aber anscheinend kann er sich an den Unfall nicht erinnern. Wir gehen aber davon aus, dass er vollständig genesen wird. Nur wird es allerdings etwas länger dauern. Geh jetzt nach Hause... für heute übernehmen wir die Beobachtung.“

 

„ Endlich bist du wach, Vater. Ich war ein paar Mal hier, aber du hast dich nie bewegt.“ „ Ich weiß, ich sollte dir dankbar dafür sein, das du dich so um mich kümmerst. Am besten du lässt mich jetzt ein bisschen allein, Ryan. Ich habe mich mit unseren Notar in Verbindung gesetzt.“ „ Du denkst doch nicht... ans Sterben?“ „ Aber nein. Es ist wegen Sven. Ich möchte Gegenmaßnahmen ergreifen, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt. An so eine Sache muss man methodisch heran gehen, da man sonst Gefahr läuft, den Kopf zu verlieren. Du kannst also ohne Sorge sein.“ Wenig später meldete eine Schwester, das ein Herr Brauer gekommen sei. Eine halbe Minute danach, trat ein triefender Mann in einem hellen Trenchcoat ein. „ Na endlich,“ stöhnte Redley. Der Notar musterte Ryan argwöhnisch. Wenn er direkt angesprochen wurde, gab er nur fahrige, knappe Antworten. Er selber war groß, sehr schlank und hatte ein schmales Gesicht. Dazu trug er eine Hornbrille, die er ständig, aus Nervosität und Unkonzentration, zurecht rückte. Sein Alter schätzte Ryan auf zirka Mitte Fünfzig und er sah verdammt gut aus. An den Schläfen begann er grau zu werden und seine stattliche Erscheinung macht bestimmt auf vielen Frauen einen großen Eindruck. Und seine Vitalität war scheinbar die eines jungen Mannes. „ Verzeihen Sie bitte meine Verspätung und meinen Aufzug,“ bat der Notar und strich sich noch einige Tropfen aus dem Gesicht. „ Leider ist so ziemlich alles schiefgegangen, seit ich mein Haus verlassen habe. Kurz vor der Abfahrt von der Autobahn, verunglückte vor mir ein LKW mit Chemikalien und blockierte stundenlang beide Fahrbahnen, zum Schluss hatte ich auch noch einen Motorschaden. Das Wetter ist fast noch das Sahnehäubchen dazu.“ Er kicherte. „ Ryan, darf ich dir Herrn Jack Brauer vorstellen. Er ist unser Rechtsanwalt, nicht nur im geschäftlichen Dingen, sondern auch privat. Ich habe großes Vertrauen in ihm. Seit er bei uns ist, hat er viel Erfolg, ja, natürlich auch kleine Niederlagen, aber die gehören mit dazu. Ab und zu ist er auf Geschäftsreisen oder bei Verhandlungen. Aber wir stehen immer in Verbindung. Er führt ein atemloses und aufregendes Leben. Eigentlich musst du ihn doch kennen. Manchmal war er bei uns zu Hause.“ „ Ich weiß nicht so genau, habe mich nie um deine geladenen Gäste geschert, oder mich um den Steuerkram gekümmert... Sicher möchten Sie sich erst etwas ausruhen,“ fragte Ryan. „ Nein, vielen Dank,“ lehnte er höflich ab. „ Es wäre mir sehr angenehm, wenn alle zu klärenden Rechtsfragen rasch erledigt sind. Morgen früh habe ich nämlich schon wieder einen Termin vor Gericht, den ich keinesfalls verpassen darf. Sie verstehen...“ Ryan nickte. „ Kein Problem.“ Ging zur Tür und zog sich, ohne das es eines Wortes bedurfte, mit einer leichten Verbeugung, diskret zurück „ Ryan, warte. Es gibt einen Spruch, der besagt, dass dem, der ein Leben rettet, das Leben des Geretteten als Pfand gehört. Merke ihn dir gut, denn eines Tages werde ich dich daran erinnern.“ „ Okay. Ich warte draußen.“ Nach etlichen Stunden, eilte Herr Brauer dann endlich ohne ein Wort zu sagen, an Ryan vorbei, offenbar froh, alles hinter sich zu haben. Nach einigen Monaten meldete sich der Notar schriftlich bei Ryan und bat um ein Treffen bei sich. Ryan nahm die Einladung an und wollte die Gelegenheit nutzen, einige Dinge ins rechte Licht zu rücken.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.09.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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