Horst Werner Bracker

Isaak Abraham Geißler

  Isaak Abraham Geißler

 

 

Noch schläfrig lag der frühe Tag im lila, blühenden Heidekraut. Es war so still, das man das ferne Rauschen der Kiefern hören konnte, so, als wäre es die Brandung,- des Heidemeeres. Und fürwahr, soweit mein Auge blicken konnte,- sah› ich nur Heide, ein endlos lila, blühendes Heidemeer, - von Horizont zu Horizont. Langsam, ganz langsam verwehten die letzten dunklen Schleier der Nacht. Noch zogen letzte, verlorene Nebelschleier tanzend, schwebend über den Grund und suchten die Elfen und Feen die nächtens nicht zurückgekehrt. Das Licht des Tages macht sich auf, um die Heide durch den Tag zu begleiten. In Pastellfarben zeigt sich der frühe Morgen, - fein der Strich und farblich abgestimmt der Horizont. Grau und lila, grün dazu und nicht das blau vergessend, - umarmen sich Farben und verschmelzen miteinander, wie ein Paar, - in Liebe. Keine Künstlerhand könnt so den Pinsel führen!
In kühler feuchte, - glänzen smaragdgrün die Kiefern und die Wacholdersträucher. Ihre Nadeln fein verziert, mit silbrig, schimmernden Nebelperlen. Eine Pracht Libelle sitzt reglos da, auch sie, mit Nebelperlen fein geschmückt.
Immer näherkommt des Tages helle. Mein Auge füllt sich mit schönen Bildern. Ein Rosenkäfer, smaragdgrün glänzend und wie mit golddurchwirkt, - präsentiert sein prächtiges Gewand! Dieses prachtvolle Wunderwesen der Natur lässt mich immer wieder staunen!
Da, wie im heil ‹gen Schreck erstarrt mein Schritt, - im nahen Schlehen Busch schmettert die hochbegabte Nachtigall ihr wunderbares Lied. Melodisch, virtuos und variabel, ein ständig Auf und Ab, eine Symphonie, die das Ohr umschmeichelt und eines jeden Menschen Herz erfreut.
Ein Pfad aus weißem Sande schlängelt sich wie ein Band der Hoffnung durchs Heideland. Aus der Ferne kommend, ein Pferdewagen Weg, Sand gewordene Schienen, die kein Zug je befährt.
Zur Heideblüte durch die Lüneburger Heide zu wandern, ist für mich geradezu ein Muss. Die Heide ist mit ihrer Flora und Fauna eine einzigartige Kulturlandschaft in Deutschland, ja ganz Europa. Nirgends sonst findet man so große Heideflächen, wie in der Lüneburger Heide. Von Horizont zu Horizont, ein endlos lila Blütenmeer. Hinter den Horizont, - eine weitere sanft hügelige Heide Ebene, locker bewachsen mit grünen Kiefern und Wacholder Büschen. Durchzogen von mäandrisch verlaufenden, hellsandigen Pfaden und Wege, - die aussehen, - wie zu Sand erstarrte Bäche und Flüsse.
 
      *

Den ganzen Vormittag war ich durch die blühende Heide gewandert und hatte gar manche Merkwürdigkeiten an Tier und Pflanzen beobachten können. Überhaupt, gehörte jener Morgen zu den Denkwürdigsten meiner Wandertage, hatte ich doch gleich zu Anfang das seltene Glück, zwei Waschbären zu begegnen! Diese gar nicht scheuen Deutsch-Amerikaner pflegen den Tag den zu verschlafen und nur des Nachts, im Schutze der Dunkelheit auf Beute zu gehen. Die beiden hatten wohl zu sehr getrödelt oder sich zu weit von ihrer Höhle fort gewagt, dass sie es nicht mehr schafften, vor Tagesanbruch ihrer Behausung zu erreichen.
 Eine Weile schaute ich ihnen zu, wie sie grunzend und schnaufend des Weges kamen. Als sie mich entdeckten, schauten sie überrascht, um dann flugs davon zu rennen. Dabei hopsten sie so urkomisch, dass ich laut hinterher lachte.

Dieser Augusttag hatte es in sich.
Heiß brannte die Sonne vom wolkenlosen Himmel herab. Kein Luftzug war um die Mittagszeit, zu spüren. Die Hitze flimmerte über die Heideflächen. Der weiße Sand auf den Wegen und Pfaden, reflektierten die Sonnenstrahlen und machte alles noch schlimmer.

Mittlerweile war es mittags geworden.

Die Bauern auf den Feldern setzten sich in die kühlen Schatten der Birken und Kieferhaine und verzehrten ihr mitgebrachtes Mittagsmal. Ich spürte noch keinen Hunger, indes mir der Durst arg zu schaffen machte. Am Rande eines lichten Birkenwaldes ließ ich mich ins Heidekraut nieder und lehnte mich an den Stamm einer Birke. Ich trank ein paar Schlucke aus meiner Wasserflasche. Ah, - wie gut das tat! Die lange Wanderung, die Hitze, hatte meiner Kondition doch zugesetzt.
Ich schaute mich um. Keine zehn Meter vor mir lag ein großer Stein, ein sogenannter »Findling«, wie man diese eiszeitlichen Steinriesen auch nennt. Der Findling war an allen Ecken und Enden glatt und rundgeschliffen.

Nur an der rechten oberen Seite ragte ein steinerner Pflock von etwa zwanzig Zentimeter Länge hervor. Dieser Steinpflock hatte etwa Ähnlichkeit mit einem »Pfannenstiel«. Während ich mich genüsslich gegen den Stamm lehnte, stellte ich Betrachtungen an, wie er wohl entstanden sein mochte. So sehr ich auch rätselte und hin und her überlegte, es wollte mir keine Erklärung einfallen. Nun denn dachte ich und versuchte mein Augenmerk auf andere Dinge zu lenken. Allein, - meine Gedanken kehrten immer wieder zum mysteriösen Pfannenstiel, zurück. Schließlich war mein Interesse derart gestiegen, dass ich aufstand, um denselben einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Was ich dabei feststellte, war ebenso sonderbar wie überraschend. Der Pfannenstiel bestand aus Stein und steckte ziemlich lose in den großen Findling; ließ sich jedoch nicht herausziehen. Ich begann ihn zudrehen, erst nach rechts, dann nach links herum. Dabei vernahm ich seltsam knackende Geräusche, wie man sie wohl hört, wenn man versucht, ein altes rostiges Schloss zu schließen. Konnte ich mir anfangs das alles nicht erklären, so offenbarte sich das Geheimnis doch ganz plötzlich und unvermittelt. Ich hatte eine gute Weile an den Pfannenstiel gedreht und gezogen, als der große Findling, - er wog wohl an die dreißig Tonnen, sich nach rechtshin in Bewegung setzte. Dabei pflügte er so viel Erdreich mit sich, das mir schien, die ganze Umgebung bewege sich. Erschrocken war ich ein paar Schritte zurückgewichen. Dort, wo jener mächtige Stein noch eben gelegen, gähnte nun eine große dunkle Öffnung. Der Schrecken war mir derart in die Glieder gefahren, dass ich lange Zeit nicht wagte, mich dem Loche zu nähern. Ich meinte, es müsse ein schreckliches Untier aus dem Loche herausfahren und sich auf mich stürzen. Doch nichts dergleichen geschah.
Es blieb alles ruhig. Fuß vor Fuß setzend, nährte ich mich langsam der dunklen Öffnung, aus dem mir eine eisige Feuchte entgegen wehte. Dann stand ich vor der Öffnung. Was ich sah›, übertraf meine ganze Fantasie und Vorstellungskraft: Der Zufall hatte mich eine verborgene Höhle entdecken lassen!
Die ganze Ungeheuerlichkeit des fantastischen Zufalls nahm mir den Atem und machte mich ganz euphorisch, ich lachte idiotisch, fuchtelte mit den Armen und tanzte unsinnig um die Höhlenöffnung.
Doch dieses überschwängliche Gebaren währte indes nicht lange. Ich beruhigte mich schnell wieder. Ohne Zweifel, so überlegte ich, das Drehen an den Pfannenstiel hatte den Mechanismus gelöst und der Stein, der gleichsam das Tor der Höhle da stellte, war zur Seite gefahren und hatte die Öffnung freigegeben. Ganz einfach und doch unvorstellbar!
 Die erste Überraschung und der vermaledeite Schreck waren verflogen, ich wollte mich sogleich daran machen, die Höhle zu erforschen. Die mit Moos bewachsenen Steinstufen, die in die Höhle hinab führten, waren feucht und rutschig. Beim Abstieg war größte Vorsicht geboten. Langsam schritt ich Stufe für Stufe abwärts. Eine leichte Beklommenheit hatte sich mir ins Herz geschlichen und ließ sich nicht so einfach abschütteln. Das war nur zu verständlich, wenn man bedenkt, dass ich mich in einer mir völlig unbekannten, unterirdischen Welt begab, von der ich nicht wusste, welche Gefahren dort meiner harrten. Ich hatte die Stufen von Anfang an mit gezählt, als ich die zehnte Stufe erreicht hatte, blieb ich eine Weile stehen und lauschte. Für einen Augenblick schloss ich die Augen, um sie schneller an das Dunkel zu gewöhnen. Doch war es so Dunkel in der Höhle, dass ich nichts zuerkennen vermochte. Ich stieg daher nochmals zehn Stufen hinab und, hatte den Höhlenboden erreicht! Das Tageslicht drang nur spärlich bis hier unten hinab, doch reichte es aus, einen Eisenring in der Felswand erkennen zu können, in dem eine halb heruntergebrannte Fackel steckte. Zaghaft zog ich die Fackel aus dem Ring und stellte zu meiner Freude fest, dass sie trocken war. Ich zündete sie an. Der rotgelbe Schein der Fackel lohte auf und malte gespenstische Schattenbilder an den Wänden der Höhle. Neugierig schaute ich mich um und gewahrte allerlei Kriegswerkzeuge, die überall an den Wänden hingen. Ledergurte mit langen Säbeln daran, lange Flinten, Pulvertaschen, Pferdegeschirre und Kugeltaschen, hölzerne Sättel und zahlreiche Dolche und Messer, Hellebarden und Morgensterne, matt schimmernde Rüstungen und viele andere Dinge ohne Zahl. Von all diesen stummen Zeugen längst vergangener Jahrhunderte geblendet, ging ich wie hypnotisiert an den Wänden entlang und sah› nicht ein großes Schwert, das an der Wand gelehnt stand. Ich stieß dagegen, sodass, es zu Boden fiel und andere metallener Gegenstände, die an der Wand gelehnt standen, mit zu Boden riss. Ein Lautes scheppern, hallte durch die Höhle. Völlig entnervt setzte ich meine Erkundungstour fort und stand plötzlich vor einen großen, eichenden Tisch, an dessen äußersten Längsseite ich eine menschliche Gestalt sitzen sah. Es war ein Mann.
Ich stand gleichsam erstarrt vor den Tisch, - unfähig mich zu bewegen. Der Mann hatte die Arme auf die Tischplatte und den Kopf auf beide Arme gelegt. Sein mächtiger Bart, der wohl zwei Meter lang war und über den Tisch gewachsen war, war schneeweiß. Ebenso sein strähniges Haupthaar, welches Wild, von seine schulten, herabhängte und über die Stuhllehne bis zum Fußboden reichte. Ganz langsam begann er sich, zu bewegen! Er hob den Kopf. Unter den langen, buschigen, eisgrauen Augenbrauen lugten zwei gerötete, triefende Augen hervor, - die mich unverwandt anstarrten.
Sein Gesicht und die lange Nase waren über und über mit Falten und Runzeln bedeckt und hatten das Aussehen wie Uraltes, rauchgeschwärztes Leder. Eine Weile des Schweigens war verstrichen. Den erste Schrecken, fast verflogen. Doch wagte ich es nicht, mich von der Stelle zu rühren. Der Alte, der sich ein wenig zurückgelehnt hatte, deutete auf einen Schemel und gebot mir mit einer Handbewegung, mich zusetzen. Da ich aber stehen blieb, denn ich getraute mich nicht, sagte er mit einer klaren und freundlichen Stimme, die ich nicht bei ihm vermutet hätte.
»Setzt euch nur hin, Ihr braucht euch nicht zu fürchten«!
Wie Ihr wohl seht, bin ich ein alter Mann!«
»Ihr hingegen seid jung und von kräftigem Wuchs. Was sollte ich euch da also Böses tun?«
»Nun«, sagt ich, - mich unwillkürlich seiner Sprechweise bedienend, »wohl seid ihr ein alter Mann, doch solange ich nicht weiß, wer Ihr seid und wie ihr hierhergekommen seid, habe ich allen Grund misstrauisch zu sein.«
»Wenn euch an meinen Namen so viel gelegen ist, will ich ihn euch nennen. Bezweifle aber, dass Ihr etwas mit ihm anfangen könnt!« Man nennt mich: Isaak Abraham Geißler!«
»Isaak Abraham Geißler?«, frage ich erstaunt. Mir fiel die uralte Sage wieder ein, die man sich in meinem Heimatdorfe über jenen Räuberhauptmann erzählte.
»So seid Ihr gar der berüchtigt-berühmte Anführer der Räuberbande, die in dem Dorfe Holm, zwischen Wedel und Uetersen ihr Unwesen trieben?«
»Ihr kennt mich?«
»Kennt meinen Namen wahrhaftig?«, sagte der Alte und schien freudig erregt.
»Woher sollte ich wohl sonst wissen, wo Ihr zur damaligen Zeit euch Unwesen triebt?«, , sagte ich.
»Übrigens ist es ein Unding, das Ihr jener Bandenanführer sein wollt, denn der lebte der Sage nach im 14. Jahrhundert!« Ihr aber sitzt hier leibhaftig im 20. Jahrhundert!«
»Allerdings muss ich zugeben«, räumte ich ein, »das euer Aussehen und die Umgebung, in der ich euch fand, recht merkwürdig sind.«
»Ihr habt recht! », sagte der Alte und wischte sich über die Augen.
»Solange Ihr meine Geschichte nicht kennt, könnt ihr mich unmöglich für den halten, der ich wirklich bin.«
»So erzählt sie mir!«, sagte ich voller Neugierde und nahm am Tisch Platz, der mit einer dicken Staubschicht bedeckt war.
»So will ich euch meine Geschichte erzählen,«, zuvor aber nennt mir euren Namen! ‹ ich hatte nichts dagegen und nannte meinen Namen.
»Nun muss ich mich sputen, viel Zeit bleibt mir nicht mehr!«


 Dann begann er zu erzählen: »Mein Vater war ein rechtschaffener Gerber. Meine Mutter habe ich nie gekannt, sie starb im Kindbettfieber bei meiner Geburt. Außer das Meine hatte mein Vater noch sechs andere Mäuler zu stopfen. So sehr er sich aber auch plagte, es mangelte an allen Ecken und Enden, nur selten war Brot genug da, um alle satt zu machen. Meine älteste Schwester, die bei meiner Geburt neun Jahre alt war, ersetzte uns die Mutter. Mit fünfzehn raffte sie eine schlimme Krankheit dahin. Mein Vater und meine übrigen Brüder und Schwestern wurden ebenfalls von dieser Krankheit hinweg gerafft. Ich überlebte als einziger und wurde in ein Waisenhaus gesteckt. Mit fünfzehn Jahren holte der Gutsbesitzer mich auf den Hof. Hier bekam ich statt Brot die Peitsche zu spüren, aus den nichtigsten Anlässen wurde ich grün und blau geprügelt. Als ich sechzehn war, lief ich fort und versteckte mich im Ezer Forst, wo ich von einer Räuberbande aufgestöbert wurde. Ich blieb bei ihnen und wurde mit zwanzig zu ihrem Oberhaupt gewählt. Seit jenem Tag zogen wir plündernd und brandschatzend durch die Lande. Von den Ufern der Elbe bis nach Dithmarschen.« Er hielt inne und strich sich ein übers andere Mal über die Augen.
 Dann fuhr er mit müder Stimme fort.
»Mein Hass gegen die wohlhabenden Bürger wurde von Tag zu Tag größer. Hatte ich sie anfangs geschont, so ließ ich sie jetzt alle niedermachen. Ich wurde so grausam, dass ich selbst vor den Kirchen nicht haltmachte. Gnadenlos ließ ich sie ausrauben und in Schutt und Asche legen. Viele von uns wurden von den Schergen ergriffen und an Ort und Stelle gehängt. Mir aber gelang es immer wieder meinen Häschern zu entkommen. Eines Tages nun, wir hatten ein ganzes Dorf ausgeraubt und nieder gebrannt, wurden wir von zahlreichen Soldaten eingekreist und überwältigt. Wir sollten an Ort und Stelle gehängt werden. Ich sollte der Letzte sein. Sie hängten alle meine Kumpane. Dann war ich dran. Doch gelang es mir, im letzten Augenblick mich von meinen Fesseln zu befreien. Ich sprang auf eines der Pferde meiner Häscher und flüchtete in dieser Höhle. Hier konnten mich die Häscher nicht finden. Ich wähnte mich schon in Sicherheit, da sah› ich eine Erscheinung dort an der Wand, der alte Mann hob die Rechte und deutete hinter mir, die Erscheinung war in ein gleißendes Licht gehüllt, sodass ich völlig geblendet war. Eine Stimme klang an mein Ohr, so mächtig und brausend, - das ich heftig erschrak.«
»Isaak Abraham Geißler sprach die unheimliche Stimme zu mir, »verflucht sollst du sein von jetzt an. Diese deine Höhle will ich versiegeln. Fortan sollst du in der Finsternis leben. Du sollst tot sein und doch nicht sterben. Das Blut der Menschen, der Kinder, Mütter und Väter, die durch deine Hand ihr Leben ließen, soll über dir kommen. So lange sollst du in deinem Verliese ausharren, bis dich ein Mensch findet und mit dir um Vergebung betet. Zuvor aber erzähl diesen Menschen deine Gräueltaten. Ist er dann noch bereit mit dir zu beten, so will ich dich erlösen!«
Er hielt inne und schaute auf die staubige Tischplatte.
 Bald darauf schaute er wieder auf und sagte:
»Nun seid Ihr gekommen und nur Ihr könnt mir Frieden und Erlösung bringen. Wollt ihr das für mich tun?« Seine Geschichte hatte mich auf das Tiefste erschüttert, sodass ich bereit war, mit ihm, um Vergebung zu beten.
 Ich sagte ihn, dass ich dazu bereit sei.
 »Ich danke euch mein Herr!«
»Ihr erweist mir einen großen Dienst! Sagt, reut es euch nicht im nach herein, mit einem Brandschatzer und Mörder gebetet zu haben?«
»Nein, sagte ich«, Christus hat uns gelehrt: Du sollst deinen Nächsten lieben! Bete um Vergebung, so wird euch vergeben!
»Ihr könnt getrost sein, es reut mich nicht. Im Übrigen habt Ihr für eure Gräueltaten zur Genüge gebüßt. Ihr sollt euren Frieden bekommen!«
»Ich danke euch für diese Worte!« Das Licht des Tages, das bis hier herdringt, zerstört meinen Körper.«
Erst jetzt gewahrte ich die sonderbare Veränderung, die mit dem Greis vor sich gegangenen war. Große Hautfetzen hatten sich von seinem Gesicht geschält, sodass die blanken Knochen weiß schimmernd hervor lugten. Das eisgraue Haar hatte sich büschelweise von der Kopfhaut abgelöst und hing wirr über Schulter und Stuhllehne. Der rechte Arm war fast schon ein Skelett! »Lasst uns eilen, hörte ich den Alten sagen, das Licht hat fast sein Werk vollendet!«
So wollen wir uns beeilen«, sagte ich.
Seine Hände waren skelettiert, sodass er sie nicht mehr zusammenbringen konnte. Ich half ihm dabei. Der alte Mann betete mit schwacher Stimme aber voller Inbrunst mit. Unheimlich laut hallte meine Stimme in dem Höhlengewölbe wider. Kaum war das, »Amen« verklungen, wurde die Gestalt des alten Mannes in ein weißes Licht gehüllt, von solch überirdischen Leuchten und Fülle, dass ich geblendet, meine Hände schützen vor den Augen halten musste. Eine mächtige, rollende Stimme erschallte durch die Höhle und sagte: »Isaak Abraham Geißler komm, her zu mir! Deine Schuld ist dir vergeben!« Du aber ‹Menschenkind› kehre zurück ans Sonnenlicht. Für immer will ich diese geweihte Höhle versiegeln.« Als ich die Hände von den Augen nahm, war der alte Mann verschwunden. Er hatte seine letzte Ruhe gefunden! Tief ergriffen stieg ich die Stufen empor. Hinter mir fuhr mit einem furchtbaren Donnern der große Stein vor den Höhleneingang.
Etwas Hartes stieß an meiner Schulter und eine laute, fluchende Stimme klang an mein Ohr. »Maaaann!«, haben sie mich erschreckt!« Ich schlug die Augen auf und fuhr erschrocken in die Höhe, ein grün gekleideter Jäger stand vor mir, die noch rauchende Flinte unterm Arm.
»Ich sah sie erst, als ich vor ihnen stand!«, sagte er immer noch erschrocken.
»Ich musste sie erst mit der Flinte anstoßen, so fest haben sie geschlafen! Naja, »fuhr er fort, es ist ja auch nicht weiter schlimm, dass sie hier schlafen, nur der Schreck!
Sie verstehen schon!«
»Ja!«, sagte ich und erhob mich.
»Das Wandern ist schon eine anstrengende Sache!« Da kann man bei einer Rast schon mal einschlafen!«
»Gewiss!«, sagte der Jäger, als wollte er sich entschuldigen.
»Doch nichts für ungut, mein Herr!«
Er ging davon.
Auch ich hatte mich vollends erhoben und meinen Rucksack geschultert. Dann ging auch ich davon, nicht ohne noch einmal auf den großen Findling zu blicken. Der steinerne Pfannenstiel, - war verschwunden!
»Höchst sonderbar!«

(Idee1977 - realisiert 2014.)
Neu Überarbeitet: 23.08.2015
 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.10.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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