Peter P. Ecoc

Was blieb von der EU-Kulturhauptstadt Graz 2003?

Wir wollen in diesem Rahmen über vergangene, gegenwärtige und künftige Kulturhauptstädte berichten.


Was blieb von Graz2003 ?

Die markanteste Erinnerung an die EU-Kulturhauptstadt ist zugleich eine der schrulligsten. Einer der Kuratoren hatte vorgeschlagen, mitten im nicht besonders breiten Fluss eine sogenannte „Murinsel“ zu bauen. Zwanzig Meter breit, mit einem Kaffeehaus darauf und Zugängen einerseits von der Schlossbergseite  und anderseits vom Kongresszentrum. Kein Verkehrshindernis, weil es ohnehin keinen bedeutenden Bootsverkehr gibt. Aber irgendwie überflüssig und zunächst von den Grazern vehement abgelehnt. Als es dann aber an den Rückbau bestimmter Stätten der Begegnung aus Graz2003 ging, wurde dieses neuzeitliche Denkmal mit der gleichen Vehemenz verteidigt und vor dem Abbau gerettet.
 
Dem fiel u.a.  der gläserne Lift zur Mariensäule in der Herrengasse (Fußgängerzone) zum Opfer, ein Projekt, welches es ermöglichen sollte, die  Statue am oberen Ende der Säule ein paar Minuten genauer zu betrachten. Die Ausstellung „Erinnerungen im Berg“ – in den Luftschutzräumen in der Tiefe des Schlossbergs untergebracht – ist ebenfalls nicht mehr zu sehen. Das Ausstellungsteam sammelte gut 20.000 Erinnerungen, indem es die Bürger aufforderte, ihre einprägsamsten Grazer Erlebnisse zu berichten - mit oder ohne Andenken. Nur der ,moderne Lift, der vom Stadtzentrum dorthin führte und weiter auf das aussichtreiche Plateau  des Schlossbergs, tut beständig seine Dienste, im Wettbewerb zur traditionellen Standseilbahn.
 
 
Architekten prägten das moderne Graz
 
Aus dem Reigen spektakulärer universitärer Neubauten sei u.a. die RESOWI-Fakultät der Karl Franzens-Universität  von Günther Domenig erwähnt. Für Messen, Kongresse und große Show-Events leistete man sich 2003 die Grazer Stadthalle. Im aktuellen Wettstreit um die Austragung des Song Contest 2015 hat sie übrigens nur um wenige Punkte gegenüber Wien verloren. Die Vorjahrsgewinner(in) des Bewerbs stammt allerdings aus der Steiermark ....
 
Der sogenannte „Schatten des Uhrturms“, der 2003 natürlich neben dem echten Wahrzeichen der Stadt stand, übersiedelte später in ein großes Einkaufszentrum im Süden der Landeshauptstadt der Steiermark, behielt aber seine Wahrzeichen-Funktion.
 
Als besondere Designer-Highlights können das futuristisch anmutende Kunsthaus  direkt an der Mur und die lang ersehnte Helmut List- Konzerthalle genannt werden.. Nikolaus Harnoncourt als Dirigent, Meister der Barockmusik und musikalische Leitfigur des Jahres lieferte dort wegweisende  Interpretationen bekannter und weniger bekannter Kompositionen von Händel bis Mozart ab, die heute noch oft und gerne in den Medien präsentiert werden.
 
 
 
 
Landesvater Erzherzog Johann und zeitgenössische Kunst im „Raumschiff“
 
In der Studenten-Hochburg Graz, der mit 270.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Österreichs, ist das Interesse an der Malerei groß und so hat sich das Kunsthaus,   von seinen Schöpfern Peter Cook und  Colin Fournier „Friendly Alien“ genannt, einen Ehrenplatz als Galerie für zeitgenössische  Kunst in Österreich gesichert. In Teilbereichen der Fassade des raumschiffartigen Gebäudes sind Lichtelemente integriert, welche die Außenhaut des Gebäudes als Kommunikationsmedium nutzbar machen.
 
Das Haus ist übrigens Teil des weitverzweigten steirischen Universalmuseums Joanneum, das in den Jahren danach einer großzügigen Erneuerung und Erweiterung unterzogen wurde und etwa durch ein unterirdisches Besucherzentrum in der City glänzt.  Benannt wurde es nach Erzherzog Johann, dem Landesherrn der Steiermark und Gründer des Museums. Er war ein großer Erneuerer und Freund der Wissenschaften, legte besonderen Wert auf Technik und Naturwissenschaften. Das Joanneum verfügt auch über die weltweit größte Waffenkammer (Landeszeughaus), ist das älteste Museum Österreichs und nach dem Kunsthistorischen Museum in Wien auch das zweitgrößte.
 
Die Grazer Altstadt wurde wegen ihres hervorragend erhaltenen Stadtkerns gemeinsam mit Schloss Eggenberg zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Seit 2011 trägt sie auch den Titel UNESCO City of Design. Erinnerungswert von Graz 2003 bleibt auch eine vom KHM gezeigte sprachwissenschaftliche Ausstellung „Der Turmbau zu Babel“ im Schloss Eggenberg, nahe dem Stadtzentrum.
 
Wien gegenüber fühlten sich die Grazer immer ein wenig unterlegen, obwohl die Universitäten im Ausland sehr populär sind, Produkte aus der Steiermark weltweit die höchste Wertschätzung genießen und viele namhafte Künstler einen Grazer Hintergrund besitzen (Johann Nestroy beispielsweise). Das hat sich seit 2003 geändert. Natürlich ist Wien größer und global bekannter, aber auf  vielen kulturellen Sektoren erlebt man sich heute auf Augenhöhe mit der Bundeshauptstadt, meint Eberhard Schrempf, der damalige Geschäftsführer von Graz2003. Der Tourismus seinerseits freute sich im entscheidenden Hauptstadtjahr und jenem danach über Zuwächse von 25% und seither stetig wachsenden Besucherzahlen
 
Graz hat seine EU-Chance genützt und ist auf der Landkarte Europas kulturell bestens aufgestellt.
 
 
++ecoc++
 
 

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