Sandra Lenz

Stürmisches Herz - Teil IV

Ashley hatte sich in der Zwischenzeit frisch gemacht und war in ihr sonnengelbes Sommerkleid geschlüpft. Ihre Haare hatte sie hochgesteckt und mit kleinen gelben Blüten verziert. Das Kleid brachte ihre gute Figur so richtig zur Geltung. Mit dem Ergebnis zufrieden machte sie sich auf den Weg hinunter in den Teesalon, wo ihre Eltern bereits mit den Mansons in ein angeregtes Gespräch vertieft waren. Als Ashley den Raum betrat, erhoben sich die Herren von ihren Plätzen. Marcus Augen begannen sogleich zu strahlen und sein Blick heftete sich auf Ashleys Dekolleté fest. Der Saum ihres Kleides betonte ihre jungen Brüste, ohne zuviel davon preiszugeben. „Guten Abend Mrs. Manson, Mr. Manson, Marcus.“ Ashley begrüßte die Gäste in einer angemessen höflichen Form und reichte ihnen die Hand. Marcus ergriff ihre Hand und führte sie hinauf zu seinen Lippen. „Meine teuerste Ashley, welch’ Freude sie wiederzusehen. Sie strahlen heller wie die Sterne am Abendhimmel.“ Ihre Mutter lächelte über dieses Kompliment von Marcus. Es freute sie sehr, das Ashley so etwas von Marcus gesagt bekam, da er doch ihr ausgewählter Heiratskandidat für ihre Tochter war. Ashley entzog sich dem Griff von Marcus und ging ein paar Schritte um den Tisch herum. Sie wählte den freien Platz neben ihrer Mutter. Bloß nicht neben Marcus, dachte sie sich. Die beiden Väter begannen sich über die Politik auszutauschen und währenddessen rauchten sie eine der teuren kubanischen Zigarren dazu. Die beiden Mütter wählten ein unspektakuläreres Thema und besprachen die neusten Modetrends und den letzten Klatsch aus der Stadt. Marcus sah sich dieses Spiel ein paar Minuten lang an, bevor er sich erhob und auf Ashley zuging. „Meine Teuerste. Würden sie mir das Vergnügen bereiten und mit mir ein bisschen draußen spazieren gehen?“ Aus dem Augenwinkel hatte Ashleys Mutter das Ganze mitbekommen und nun nickte sie ihrer Tochter aufmunternd zu. Sie wollte ihren Eltern jetzt keine Szene bereiten, also setzte sie eines ihrer strahlenden Lächeln auf und erwiderte „Vielen Dank Marcus. Mit dem größten Vergnügen.“ Das entsprach nicht der Tatsache, aber was tat man nicht alles aus Liebe zu seinen Eltern. Sie hatte zwar ihre Differenzen daheim, aber tief in ihrem Herzen liebte sie ihre Eltern natürlich über alles.
Sie ließ sich von dem jungen Mann aufhelfen und legte ihre Hand sanft auf seinen Arm, um sich hinausgeleiten zu lassen. Die beiden wanderten durch den kleinen Rosengarten und nahmen schließlich auf der kleinen Steinbank Platz, die neben dem Brunnen stand. „Ashley, wie habe ich mich danach verzehrt dich wiederzusehen.“ Marcus schaute Ashley mit seinen dunklen kalten Augen eindringlich an. Er hatte wie sie ebenfalls pechschwarzes Haar, das er länger trug als die Mode es eigentlich zur Zeit vormachte. Aber Marcus war schon immer ein Typ gewesen, der stets gegen den Strom schwimmen musste. Meist trug er nur schwarze Kleidungsstücke. Zwar stets sehr edel, aber dennoch ging irgendetwas Böses von ihm aus. Er konnte noch so nett tun, wenn man halbwegs gescheit war durchschaute man sein durchtriebenes Spiel recht schnell. Ashley traute ihm keineswegs über den Weg. Sie konnte nicht genau sagen woran es lag, aber sie spürte seine Boshaftigkeit und genau das stieß sie ab. Ihre Eltern sahen in ihm immer nur den wohlerzogenen, sehr galanten Dandy, alles andere interessierte sie nicht. Außerdem war er natürlich eine sehr gute Partie, denn sein Vater war ein großer Waffenhersteller und er würde einmal ein sehr großes Vermögen erben. Er griff erneut nach ihrer zarten Hand und führte sie zu seinen Lippen. Er ließ seine Zunge ein Stück über ihre Haut wandern. Ashley sah ihn erschrocken an und zog ihre Hand blitzschnell zurück. „Wie können sie es nur wagen Marcus ...“ Mit einem kleinen Taschentuch wischte sie über ihre Haut, die gerade noch von seinen Lippen berührt worden war. Marcus grinste teuflisch. „Aber meine liebe Ashley, sie wissen doch wie sehr ich sie vergöttere. Der Duft ihrer Haut macht mich völlig wahnsinnig. Ich musste einfach kosten, wie süß sie schmecken.“ Er leckte sich über seine Lippen und sein Blick wanderte hinunter zu ihrem Dekolleté. Ashley schüttelte ihren hübschen Kopf über diesen fiesen Kerl. „Ich bitte sie solche Dinge in Zukunft zu unterlassen, Marcus.“ Dieser zuckte mitleidig mit den Schultern. „Verzeih’ mir bitte, liebste Ashley. Ich wollte mir nur einen Vorgeschmack darauf holen, welches mir sowieso bald gehören wird.“ Er grinste fies und ließ seine Zähne aufleuchten. Ashley hätte ihm am liebsten eine Ohrfeige verpasst, aber das hätte wieder nur zu irgendwelchen Problemen geführt. Also ließ sie es bleiben und stand auf. „Marcus, es ist doch recht kühl geworden. Es wäre besser wenn wir zurück ins Haus gingen.“ Sie wollte weg von ihm und diese Zweisamkeit wollte sie ebenfalls nicht länger dulden. Marcus hatte sie dann ordnungsgemäß zurück ins Haus geführt, wo gerade das Essen aufgetischt wurde. „Ashley, Marcus, ihr kommt gerade richtig. Wir wollten mit dem Mahl beginnen.“ Ashleys Vater klopfte Marcus freundschaftlich auf die Schulter und zwinkerte ihm zu. Die Familien nahmen gemeinsam im Speisezimmer Platz. Marcus setzte sich natürlich direkt Ashley gegenüber. So konnte er sie das ganze Essen über im Blick behalten. Das er ein großes Interesse an ihr verspürte, konnte jeder der Anwesenden im Raum eindeutig spüren. Er konnte seinen Blick kaum von ihrer Schönheit wenden. In seiner Phantasie machte er bereits die wildesten Dinge mit ihr. Am liebsten hätte er sie gleich hier auf dem Tisch genommen, doch er musste weiterhin den Gentleman spielen und durfte sich seinen Eltern gegenüber nichts anmerken lassen. Ihren Eltern natürlich auch nicht, denn sonst würde Henry Winston nie sein Einverständnis geben, wenn er um Ashleys Hand anhalten würde. Emilie Manson dachte nur das allerbeste von ihrem eigenen Sohn. Das er eine äußerst kranke Phantasie besaß, war ihr nicht bewusst. Das wäre ja noch nicht das schlimmste gewesen, doch Marcus lebte diese Phantasie im Verborgenen aus. Er war sadistisch veranlagt und liebte es die Leute zu quälen. Mit Ashley hingegen würde er nur die süßesten Freuden haben, da war er sich bereits jetzt sicher. Er führte gerade mit der Gabel ein Stück saftiges Steak zum Mund. Das Stück Fleisch war noch recht blutig und so blieb eine Spur von Blut auf seinen Lippen zurück. Marcus leckte sich genau dieses ganz langsam ab, in dem er seine Zunge über seine Lippen führte. Sein Blick haftete dabei auf Ashley. Sie sah dies und sie wusste genau, woran er dachte. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Nein, solch’ einen Mann würde sie niemals lieben können. Egal was er auch anstellen würde, eher würde sie sterben wollen.

~.~

Ashley sprang von ihrem Hengst und ging wieder zum Strand herunter. Die letzten zwei Tage waren die reinste Hölle für sie gewesen. Ständig hing dieser ekelige Typ von Marcus an ihr und versuchte sie zu betatschen. Immer wenn sich ihm eine Gelegenheit bot berührte er sie. Sie hatte sich nichts anmerken lassen, da sie keinen erneuten Streit mit ihren Eltern vom Zaun brechen wollte. Gott sei Dank waren die Mansons jetzt wieder fort. Sie war auch gleich hinunter zum Strand geritten, in der Hoffnung den Fremden wiederzusehen. Dieser Mann war die letzten Tage ständig in ihren Gedanken gewesen und hatte dort ein mulmiges Gefühl hinterlassen. Er faszinierte sie, auch wenn sie nicht wusste wer er war. Ashley suchte mit ihren Blicken den Strand ab, doch weit und breit war nichts und niemand zu sehen. „Wäre ja auch zu schön gewesen.“ Enttäuscht ließ sie sich im warmen Sand nieder. Gedankenverloren ließ sie die feinen Sandkörner durch ihre Hände gleiten, als sie plötzlich ein Knacken hinter sich vernahm und erschrocken umfuhr. Ryan Vander kam geradewegs auf sie zugeschritten, was ihr Herz kräftig zum Schlagen brachte. Er sah so verdammt gut aus, noch besser wie sie ihn in Erinnerung gehabt hatte. Unsicher stand sie auf, um ihn zu begrüßen. „Mr. Vander, welch’ Freude sie wiederzusehen.“ Ashley reichte ihm die Hand. Charmant hauchte er ihr einen Kuss auf den Handrücken. „Die Freude ist ganz meinerseits, liebste Ashley. Ich hatte die Hoffnung sie hier wiederzusehen.“ Ihr Herz wollte Purzelbäume schlagen. Er freute sich also auch über das Wiedersehen.
Geschmeidig ließ er sich neben ihr im Sand nieder. Wieder trug er ausnahmslos schwarz, was hervorragend zu ihm passte und ihn sehr gut aussehen ließ. Ganz im Gegensatz zu Marcus ...
„Ich hatte sie gestern ebenfalls hier erwartet. Leider wurde meine Hoffnung zunichte gemacht.“ Er blickte Ashley von der Seite an und wartete auf ihre Reaktion. Sie trug ihre Haare zusammengebunden und die leichte Sonnenbräune auf ihren Wangen ließen sie unheimlich süß wirken. Ihre Veilchenblauen Augen blickten ihn ein wenig wehmütig an. „Ja, es tut mir sehr leid. Aber ich konnte nicht kommen. Meine Eltern hatten Besuch und ich musste im Haus verweilen.“ Sie atmete tief aus. „Auch wenn ich viel lieber hier gewesen wäre.“ Ihr Blick verfinsterte sich, als sie an Marcus dachte. Aber nun saß sie ja hier neben ihrer neuen Bekanntschaft und ihr Herz schlug bedeutend schneller.
„Mr. Vander, erzählen sie mir doch ein wenig über sich. Ich denke, dies wäre der leichteste Weg uns besser kennen zu lernen. Woher kommen sie?“ Sie drehte sich ihm neugierig entgegen und wartete auf seine Antwort. Ryan wusste gar nicht so recht, was er ihr nun erzählen sollte. Schließlich konnte er ihr doch nicht die Wahrheit sagen und ihr erklären, das er ein Pirat sei, der Schiffe überfallen und seine Beute dann verkaufen würde, um an Geld zu kommen. Sie würde gleich das Weite suchen und ihm die Polizei auf den Hals jagen. Nervös griff er in seine Hosentasche und zog eine Zigarette hervor. Ashley sah ihn neugierig an, wie er die Zigarette zwischen seinen schlanken Fingern drehte und anzündete. Seine Lippen legten sich um die Zigarette und er nahm einen tiefen Zug. Ja, genau das könnte sie jetzt auch gebrauchen. So als hätte Ryan ihre Gedanken erraten, hielt er ihr den glimmenden Stängel hin. Sie griff danach und nahm einen Zug. Sie war sich bewusst, das ihre eigenen Lippen genau die Stelle berührten, wo gerade noch die von Ryan gewesen waren. Er beobachtete sie amüsiert. Ashley verhielt sich so überhaupt nicht wie eine Dame der feineren Gesellschaft. Sie rauchte, trieb sich mit ihr völlig fremden Männern herum und kleidete sich wie ein Mann. Nicht das Ryan etwas dagegen gehabt hätte. Er mochte alles außergewöhnliche und außerdem stand ihr das hervorragend. „Aber Miss Ashley, sie rauchen?“ Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Ich weiß, das gehört sich nicht für eine junge anständige Dame, aber ich bin halt keine.“ Sie lächelte zaghaft. „Ich glaube, ich bin für meine Eltern eine mittlere Katastrophe.“ Ihr Blick schweifte hinaus aufs Meer und nahm einen sehnsüchtigen Blick an. „Ich würde gerne hinaus fahren, aufs weite Meer und viele interessante Orte kennen lernen. Abenteuer erleben ... und ...“ Sie stockte. „Und was?“ Er schaute sie interessiert an und wollte erfahren, was sie gern erleben würde. Aber sie beendete ihre Ausführungen abrupt. „Lassen wir das, Mr. Vander. Erzählen sie mir etwas über sich.“
Ryan erzählte ihr aus seinen Kindertagen und von seinem besten Kumpel Jack. Das Thema über seine Arbeit ließ er bewusst aus. Er erzählte von Orten, die er besucht hatte und von seiner treuen Stute Poison. „Welch’ außergewöhnlicher Name für ein Pferd. Aber er gefällt mir sehr gut.“ Sie schenkte ihm ein wunderschönes Lächeln. Ryan hätte sie jetzt am liebsten zu sich herangezogen und sie sanft geküsst. Ihre Lippen mussten süß wie Wein schmecken. Doch soweit wagte er jetzt nicht zu gehen. Schließlich kannten sie sich dafür viel zu kurz. Ashley mochte keine gewöhnliche Dame der Gesellschaft sein, aber immerhin war sie eine Dame, die sich garantiert nicht von irgendeinem Mann küssen ließ.
Die Sonne begann sich langsam dem Horizont zu nähern und die beiden hatten gar nicht bemerkt, wie spät es inzwischen geworden war. Hastig sprang Ashley auf. „Ich muss sofort nach Hause reiten. Das wird wieder ein Donnerwetter geben. Heute Abend sind wir noch auf einen Ball eingeladen.“ Ryan erhob sich ebenfalls. Er schaute ihr tief in die Augen. „Ashley, werden wir uns morgen wieder hier sehen? Zur gleichen Zeit?“ Er hoffte inständig, das sie nicht nein sagen würde. Ashley schaute ein bisschen beschämt zu Boden. „Ryan, das würde mich sehr freuen.“ Ihr Herzschlag beschleunigte sich erneut, als Ryan sanft ihre Hand nahm und sie küsste. Seine meergrünen Augen ruhten auf den ihrigen und eine Wärme erfüllte ihr Herz, wie sie es niemals zuvor verspürt hatte. Sie lächelte ihn an und stieg dann auf Stormy Wind auf. Die Zeit drängte und sie musste nach Hause. Schnell wie der Wind entschwand sie Richtung Highgroove.
Ryan sah ihr noch eine Weile nach, bis ihr schwarzer Hengst nicht mehr zu sehen war. Er klopfte Poison auf den Hals. „Was hat diese Frau bloß mit mir gemacht, meine Gute. Ich fühle mich wie verhext.“ Sein Pferd schaute ihn an, so als würde sie genau spüren was ihr Herr jetzt fühlte. In freudiger Erwartung auf den nächsten Tag machte er sich auf den Weg zurück.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.05.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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