Hans-Juergen Ketteler

Spannende Recherche für Familien-Chronik


Ich hatte mich vor einigen Jahren dafür begeistern lassen, eine Familienchronik
zu schaffen. Ich wollte schon immer etwas auf die Beine stellen, was auch noch nach
meinem Ableben der Familie als Erinnerung an die gemeinsamen Lebensjahre erhal-
ten bleiben sollte.
Was bot sich da besser an als eine Familienchronik. Es wäre keine Kurzgeschichte
mehr, wenn ich an dieser Stelle über die aufwändige Recherche berichten würde, die
auf mich gewartet hat. Mein Manuskript, die Bildauswahl und ein noch abzuschließendes
Blindmuster liegen bereits vor, so dass eine Endfertigung kurzfristig erfolgen könnte.

Wenn nicht, ja wenn nicht ein ungeklärter Punkt aufgetaucht wäre, der mir keine Ruhe
lässt.
Meine Familienforschung geht bis in das Jahr 1675 zurück. Weiter konnten die Unterlagen
in den Taufbüchern unserer Kirchen nicht eingesehen werden, da zu dieser Zeit gewaltige
Feuerbrünste übers Land zogen und sämtliche Kirchenunterlagen vernichteten.
Ich war schon sehr zufrieden, dass ich die chronologische Entwicklung meiner Familie
ab 1675 bis zur Jetztzeit komplett beieinander hatte. Bis auf das Fragezeichen, das ich
oben angesprochen habe.
Mein Urgroßvater Franz Hermann war Lackierermeister und hatte sich mit einem kleinen
Betrieb in Osnabrück niedergelassen. Nach der Annexion des Königsreichs Hannover
durch Preußen im Jahr 1868 (Schlacht bei Langensalza) mussten alle Männer bis 45 Jahre
für 1 Jahr preußische Soldaten werden.  Bei der inneren Ablehnung Preußens durch die
eingefleischten Hannoveraner entzogen sich viele Männer und Jungmänner dem geforder-
ten Militärdienst durch heimliche Auswanderung nach Amerika. Auch mein Urgroßvater
muss ein echter Hannoveraner gewesen sein.Im Sommer 1868 beschloss er im Alter von
42 Jahren nach Amerika auszuwandern, um nach Gründung einer Existenz seine Familie
nachzuholen.
Hierzu ist es dann nicht mehr gekommen. Meine ersten Erkundungen brachten ans Tageslicht,
dass mein Urgroßvater  vor der Überfahrt in Bremerhaven von einem herabstürzenden Mast-
baum getroffen und erschlagen worden sei. Dieses war aus dem Totenregister unserer Stadt
zu entnehmen. Eine Überführung des Toten hatte damals nicht stattgefunden. So fügte sich
die Familie dieser traurigen Nachricht und ging davon aus, dass ihr Ernährer niemals mehr
zurückkam. 
Meine Urgroßmutter versuchte, sich mit mit ihren drei Söhnen durchzuschlagen,
fiel jedoch nach kurzer Zeit  in schwere Depressionen. Sie verstarb 1o Monate nach dem
vermeintlichen Tod ihres Ehemannes. Einer ihrer Brüder kümmerte sich um die Kinder und das
überlassene Vermögen.
Diese Geschichte wäre normalerweise nicht besonders erwähnenswert, wenn sich nicht durch
Zufall eine ganz neue Situation ergeben hätte, die mich als Chronisten nach nunmehr fast 150
Jahren in Bann gezogen hat.Durch Kontakt zu einer Mormonengruppe, die enge Beziehungen
zur amerikanischen Einwanderungsbehörde hat, erhielt ich eine Information , die mir fast die
Luft genommen hat. Demnach war mein Urgroßvater unzweifelhaft am 18. Oktober 1868 mit
einem Segelschiff in New York gelandet und hatte amerikanischen Boden betreten.
Danach verlor sich die Spur, weil sich zu diesem Zeitpunkt viele Tausend Einwanderer aus
Europa auf den Weg in die neue Welt gemacht hatten.
Ich will nun konkret wissen, was sich im Leben meines Urgroßvaters tatsächlich abgespielt hat.
Ich habe Kontakt zum Auswandererhaus in Cuxhaven aufgenommen und von dort weitere
Kontaktadressen in Amerika erhalten, über die ich weitergehende Informationen über das Schicksal
Franz Hermanns erfahren kann.
Warum liegt mir soviel an einer Klärung? Ich will einfach wissen, ob sich mein Urgroßvater even-
tuell nach Amerika abgesetzt und dort ein ganz neues Leben mit einer neuen Familie begolnnen hat.

Allein die Tatsache, dass meine Urgroßmutter nach dem angeblichen Unfall aus Gram  schwer-
mütig geworden war und kurz danach verstarb, sowie die Verschwendungssucht des Bruders,
der das den Kindern zustehende Erbe verschleudert hatte, beflügeln mich, nach so vielen Jahren
Klarheit in die Angelegenheit zu bringen.
Andere würden vielleicht die Sache ruhen lassen. Doch ich werde den Versuch starten. Erst dann ist meine Chronik komplett. Es bleibt spannend! 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.12.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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