Manfred Bieschke-Behm

Kuchenkauf im Advent


Dritter Advent. Zehn Uhr. Mein Blick aus dem Fenster lässt wettermäßig nichts Gutes ahnen. Will es regnen, will es schneien? Ich glaube das Wetter kann sich nicht entscheiden und bietet mir beide Varianten. Ich dagegen habe mich entschieden zur Bäckerei zu laufen, und Kuchen für den Adventsnachmittagskaffee zu besorgen.
Beim Bäcker ist um diese Zeit nichts los. Nur ein Kunde steht am Kuchentresen. Das ließ vermuten, dass sich die Verkäuferin gleich mit meinen Wünschen beschäftigen wird. Dem ist nicht so. Der Kunde, ca. vierzig Jahre, schnauzbärtig, gewelltes, nach hinten gekämmtes gegeltes Haar, für die Jahreszeit unzweckmäßig gekleidet, gebrochen Deutsch sprechend nervt. Mich zunächst weniger, dafür umso mehr die Verkäuferin.
"Was darf´s denn sein?" wird der Kunde gefragt.
"Isch hätte gerne zwei Stück Ananaskuchen, zwei Stück Bienenstich, zwei Stück von dem da, insgesamt acht Stück"
"Das sind erst sechs!?"
"Wie sechs?"
"Das sind erst sechs Stück…"
"Isch möchte acht Kuchen…"
"Das habe ich verstanden. - Sie wollen zwei Mal Bienenstich, zwei Mal Ananas, und was noch?"
"Isch habe doch gesagt: zwei Mal Bienenstich, zwei Mal Ananas, zwei Mal Käsekuchen und zwei von dem da…."
"Käsekuchen haben Sie noch nicht gesagt und mit 'dem da' meinen Sie Apfelkuchen?"
"Nee, vom dem da."
"Na das ist doch Apfelkuchen."
"Ach so!"
Die Verkäuferin wirkt leicht gereizt, genau wie ich.
Ich beobachte, dass die Verkäuferin die acht Kuchenstücke auf ein Papptablett ablegt und im Begriff ist den Kuchen einpacken zu wollen.
"Kannst du eine größere… - dabei zeigt der Kunde auf die Pappunterlage,  auf der der Kuchen steht - nehmen?"
"Wie größere? - Der Kuchen steht doch sicher…"
"Weißt Du, ich habe Hund draußen…"
Die Verkäuferin schaut auf die Straße und sieht einen Hund, der am Laternenpfahl angeleint ist und schmachtend in den Laden blickt.
"Und was hat der Hund mit dem Kuchen und dem Papptablett zu tun?"
"Großer Hund, weißt Du!"
Die Verkäuferin kann keinen Zusammenhang herstellen und fragt, ob sie eine zweite Pappunterlage unter das Kuchenpaket schieben soll.
"Ja, aber größer."
Die Verkäuferin hebt das Kuchenpaket an und demonstriert so dem Kunden, dass das der Kuchen sicher steht und fragt: "Alles ok?"
 
Bei mir ist schon längst nicht mehr alles ok. Ich spüre meine Ungeduld und überlege, ob ich 'einschreite', den Laden ohne Kuchen verlasse oder einfach weiter warte bis ich dran bin.  
 
Der Kunde ist, wenn auch aus anderen Gründen, als ich, unzufrieden.
 
Nochmals möchte die Verkäuferin wissen, ob alles in Ordnung ist.
Der Kunde reagiert nicht auf die Nachfrage. Vielmehr scheint er zu begreifen, dass er keine größere Unterlage bekommt und, dass die acht Kuchenstücke sicher stehen. Vielleicht hat er auch nur resigniert und stellt deshalb keine weitere Forderung.
 
Die Verkäuferin packt das Kuchenpaket ein, nennt den Preis, kassiert und bietet dem Kunden für den Kuchentransport eine Plastiktüte an.
Der Kuchenkäufer nimmt das Paket, verschmäht die Plastiktüte. Er verlässt die Bäckerei mit einem nicht zu überhörendem 'Bock Alamacka' was wohl heißt 'Scheiß Deutsche'.
 
"Ich hätte gerne einen Mohnstollen und einen Christstollen."
"Soll ich die Stollen auf eine Pappunterlage stellen?"
"Ja bitte, aber nehmen Sie eine große Unterlage."
 
Beide lachen wir und wünschen uns einen schönen dritten Advent.   
 
 

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