Fabian Richter

Comeback zu Weihnachten

Ächzend ließ sich der alte Mann, mit den knorrigen Händen auf die Armlehnen gestützt, in seinen abgenutzten, aber verlockend bequemen Ohrensessel sinken und befreite seine Füße von den Pantoffeln, um sie knisterndem Kaminfeuer entgegenzustrecken. „Ach, weißt du“, begann er zu erzählen, „früher hätte ich mir nie träumen lassen, jemals tatenlos herumzusitzen. Was hatte ich nicht alles zu tun? Kam mit den unterschiedlichsten Leuten in Kontakt, erntete Dankbarkeit für meine Arbeit und kam außerdem viel herum.“ Er seufzte. „Aber das ist schon lange her.“

„Ich weiß, Chef“, quäkte die gnomenhafte Gestalt aus dem hinteren Bereich des Wohnzimmers, wo sie im Schein einer tropfenden Kerze an einem handlichen Stück Holz herumschnitzte. „Schließlich hab ich’s auch erlebt.“
 
„Stimmt ja, stimmt ja.“ Der alte Mann zog an seiner gebogenen Meerschaumpfeife und beobachtete, wie der Rauch vom dichten, ungepflegt wirkenden Bart aus das Zimmer eroberte. „Erinnerst du dich noch an all die ängstlichen Kinderaugen, als wir die Stuben betraten, und wie glücklich sie leuchteten, als sie ihre Geschenke in den Händen hielten? Wenn wir unsere Gaben verteilten, war selbst den Erwachsenen die Freude anzusehen! Griesgramen bogen sich die Mundwinkel nach oben, und auch den Ärmsten, den Kranken, vom Leben Geplagten bescherten wir Verzückung. Wenigstens einmal im Jahr.“
 
Der Gnom unterbrach seine Schnitzarbeit. „Bis auf den einen, Chef. Wie hieß der noch gleich?“ Er schnippte mit dem Finger. „Dieser grummelige Typ da, dieser Großunternehmer… Rudolf? Robert? Irgendwas mit R war‘s.“
„Heinrich“, grinste der alte Mann und paffte an seiner Pfeife. „Ein komischer Kauz war das, so ein richtiger Misanthrop.“
„Ich glaub‘, der hatt‘s uns übelgenommen, als wir seine Arbeiter alle abgeworben haben, für die Spielzeugfabrik.“
„Dabei bekam er so ein schönes Geschenk von uns …“
„Tja, hätt‘ er die Börse nicht sofort ins Feuer geworfen, hätt‘ er gemerkt, dass es ´ne Zauberbörse war.“
Der Alte meinte traurig: „Ein bedauernswerter Hitzkopf, der sein Leben statt in Wohlstand gichtkrank und verarmt ausklingen ließ.“
„Ach was soll’s, Chef. Das war ein schwarzes Schaf, die restliche Herde hast du gut behütet und beschenkt.“ Der Gnom legte sein Messer beiseite und begutachtete sein Werk, einen hölzernen Schlitten, von Rentieren gezogen und mit prallgefüllten Jutesäcken beladen. Vorn saßen zwei Gestalten, eine groß und majestätisch, die zweite dagegen von kleinem Wuchs, aber ebenso in einen dicken Wintermantel gehüllt. „Chef? Was hältst du von einem Comeback?“
 
***
 
„Dir ist schon klar, dass das Wilderei ist, Chef?“
„Was heißt hier Wilderei, früher haben wir das nicht anders gemacht.“
„Die Rentiere gehören aber jemandem!“
„Siehst du hier irgendwo einen Finnen, der uns aufhält? Nein? Ich auch nicht. Und jetzt sei still, ich glaube, da vorn ist eine Herde!“
Der Gnom murmelte mürrisch: „Hier leben Lappen und keine Finnen. Und nein, natürlich sehe ich keinen. Ich seh‘ ja noch nicht mal dich, so dunkel wie es hier ist.“ Wie auf Stichwort verhakte sich sein Fuß in einer Wurzel, die aus dem Schnee ragte, und taumelnd krachte er gegen einen nahen Baum. Sein mühsam unterdrückter Fluch vertrieb für einen kurzen Moment die nächtliche Stille des finnischen Waldes.
Sein Chef drehte sich um und machte: „Pscht!“
 
Innerlich kochend folgte der Gnom dem Geräusch von Stiefeln, die weiter vorn im harschen Schnee stapften, und hoffte, nicht noch einmal die Bekanntschaft mit einem Baum machen zu müssen. Selbst schuld, dachte er. Was musste ich auch den dämlichen Vorschlag machen? Statt in dieser Eiseskälte könnte ich jetzt in uns'rer warmen Stube sitzen, einen heißen Tee trinken und Figuren schnitzen. Ich hätte ahnen müssen, dass er's gleich wieder übertreibt. Wie damals, als er unbedingt diese neuartige Musik machen wollte, und als er keine Lust mehr hatte, trauerte alle Welt über den Tod von Freddy Mercury. Wer musste's arrangieren? Natürlich wieder ich. Das hier wird wieder so werden, ganz bestimmt. Wo will er überhaupt die ganzen Geschenke auftreiben, hat er da mal dran gedacht? Bestimmt nicht, das ist deine Sache, wird er dann sagen. Am Ende bleibt's immer an mir hängen. Nanu, wo is' er denn, der Chef?
 
Der Himmel war aufgeklart und im fahlen Mondlicht entpuppte sich der Wald als ein ziemlich langweiliges Schattenspiel aus lauter Baumstämmen.
Der Gnom stand ganz allein im kalten Winterwald. Nein, das stimmte nicht ganz, eine Armlänge entfernt starrten ihn zwei rotglühende Rentieraugen an, dicht darüber hing ein beängstigend großes Geweih, mit dem ihn das Ungeheuer spielend leicht in den Tod befördern könnte. Und so wie es für den Gnom aussah, tat es das auch, wenn er jetzt etwas Falsches machte.
Er schaute über seine Schulter, kläglich hallten die Worte zwischen den Bäumen: „Che... Chef? Bist du da?“ Eine Antwort bekam er nicht, dafür begann das Ren bedrohliche, schnaubende Geräusche von sich zu geben. Es senkte den Kopf.
 
Gerade, als der Gnom losrennen wollte, galoppierte ein sehr bärtiger Reiter auf einem zweiten Rentier heran und rief: „Steh nicht so faul herum! Wir müssen weiter, steig auf und dann folge mir!“
Schon ritt er davon und ließ seinen Gehilfen mit dem fiesen Ungeheuer allein.
Ganz, ganz toll. Wir hatten Jahrzehnte Zeit gehabt und jetzt soll es auf einmal schnell gehen. Kann ich mir nicht mal Zeit lassen mit diesem, diesem... Tier?
 
Als dann in der Ferne Schneemobile aufheulten und Lichtkegel von Scheinwerfern immer näher kamen, wusste der Gnom die Antwort. Von wütenden Einheimischen gelyncht zu werden, wollte er unter allen Umständen vermeiden, und so überwand er seine Scheu, schwang sich dem überraschten Rentier auf den Hals und trieb es dem alten Mann hinterher. Das Reiten gestaltete sich weit weniger elegant, als geplant, nur mühsam konnte er sich am Geweih festhalten, während er umhergeschleudert wurde und mit wirklich jedem Zweig dieses Waldes schmerzliche Bekanntschaft machte. Aber immerhin kam er von den aufgebrachten Schneemobilcowboys weg.
 
Eine halbe Stunde später erreichte er seinen Chef, der gelassen auf dem zweiten Rentier saß und wirkte, als hätte er schon eine Ewigkeit gewartet. Der Gnom rieb sich die Hände und wunderte sich, warum sie nicht schon längst zu Eis gefroren waren, als sein Chef rief: „Hui, das hat Spaß gemacht. Morgen holen wir noch mal zwei!“
 
***
 
Der alte Mann, der langsam wieder zum richtigen Weihnachtsmann wurde, klopfte gegen eines der  vielen Regale und beobachtete, wie der Staub von einer Etage zur nächsten rieselte. „Du hättest mir ruhig sagen können, dass unsere Fabrik stillsteht.“
Mit einem Gesicht, dem man die Worte: „Du glaubst gar nicht, wie oft ich dir das erzählt hab', Chef“ deutlich ablesen konnte, antwortete sein Handlanger: „Hätt' ich wohl... als sich die Kisten bis unter's Dach stapelten, und sie keinen Lohn mehr bekamen, sind unsere Arbeiter alle gegangen. Holzschnitzer, Tischler, Uhrmacher – alle sind sie verschwunden.“
„Na dann holen wir sie zurück“, sagte der Weihnachtsmann. „Kann ja nicht so schwer sein, sie wieder herzubringen, wenn wir ihnen Lohn versprechen.“
Der Gnom antwortete: „Du, Chef, das sind Menschen. Die sterben nach 'ner Weile. Wir können von Glück reden, wenn überhaupt noch einer von der alten Mannschaft lebt!“
„Und neue Leute einzuarbeiten dauert seine Zeit“, meinte der Weihnachtsmann nachdenklich. „Zeit, die wir nicht mehr haben. Aber Moment! Du sagtest, das Lager ist voll?“
„Stimmt, Chef.“
„Dann nehmen wir das!“ Der Weihnachtsmann lief los, in Richtung Lager. „Auf geht's, bis Weihnachten müssen wir viele Geschenke verpackt haben!“
„Das Zeug war vor Jahrzehnten modern, aber doch nicht mehr heute“, rief ihm sein Handlanger hinterher, aber der Weihnachtsmann hörte den Einwand gar nicht mehr.
 
„Ich weiß ganz genau, was er mit ‚wir verpacken Geschenke‘ meint“, grummelte er und schlurfte hinterher. Für ihn würden es Wochen voller langweiliger Arbeit werden.
 
***
 
Wenige Wochen später war der Weihnachtsmann wieder ganz der Alte. Vom schwächlichen Greis, der bei jeder Bewegung ächzte und ständig über alte Zeiten sinnierte, war nichts mehr zu sehen, stattdessen saß ein zwar alter, aber vor Lebenskraft nur so strotzender Mann auf dem großen Schlitten, mit langem, weißem Bart, und führte die Zügel des Rentiergespanns. Nur sein kleinwüchsiger Handlanger machte eine böse Miene zum guten Spiel und schimpfte und meckerte unentwegt.
 
Ein Auto überholte das winterliche Gefährt und versorgte den Gnom mit einer weiteren Ladung Pfützenwasser.
Der verzog angewidert das Gesicht und schüttelte sich. „Nicht mal richtigen Winter mit Schnee und gefrorenen Seen gibt’s mehr. Bescheuerter Regen. Bescheuerte Straßen und bescheuerte Autos. Und das mit den Rädern war ´ne bescheuerte Idee. Sieht sowas von lächerlich aus…“
„Ach was! Außerdem funktioniert’s problemlos“, antwortete der Weihnachtsmann fröhlich. „Unser alter Schlitten gehört nun mal dazu. Auf die Kutsche, die du angeschleppt hattest, hätten niemals alle Geschenke draufgepasst, schließlich funktioniert unsere Zaubertruhe nur auf dem Schlitten.“
„Trotzdem sieht’s saubescheuert aus“, brummte der Gnom.
„Ich rede mit Frau Holle über weiße Weihnachten, dann haben wir’s nächstes Jahr einfacher. Du hast ja Recht, Schnee gehört zu Weihnachten, wie der Schlitten zu uns.“
Der Gnom ächzte. „Nächstes Jahr! Du willst weitermachen?“
„Natürlich, was hast du denn gedacht?“
 
Sie passierten ein Ortsschild und hielten vor dem erstbesten Haus der kleinen Stadt. Während der Weihnachtsmann abstieg, den knorrigen Stab vom Schlitten kramte und seine Kapuze tief in die Stirn zog, kletterte der Gnom nach hinten und zerrte einen prallgefüllten Sack aus grobem Jutestoff aus der Zaubertruhe, den er mühsam vom Schlitten wuchtete.
 
Das Haus wirkte gepflegt, die Fenster weihnachtlich geschmückt. Hin zur Eingangstür führte ein gepflasterter Weg durch einen Vorgarten, rechts und links gesäumt von festlich dekorierten Büschen. Als der Weihnachtsmann den Klingelknopf drückte, ertönte drinnen die Melodie des Big Ben, und wenig später öffnete ein Mittvierziger und schaute die beiden Besucher skeptisch an.
„Wir haben keinen engagiert, Sie sind hier falsch“, brummte er abweisend.
 
Der Weihnachtsmann schaute irritiert zum Gnom, dann wieder zu dem Mann und zuckte die Schultern. „Mein lieber Herr, heut feiern wir den Heiligen Abend und ich bin hier, um die Bewohner dieses Hauses zu beschenken.“
„Hören sie“, sagte der sichtlich genervte Mann. „Ich bin gerade von der Arbeit heimgekommen. Ich habe einen stressigen Tag hinter mir und möchte den Abend in Ruhe mit meiner Frau und meiner Tochter verbringen. Da kann ich keinen Friede-Freude-Eierkuchen-Weihnachtsmann gebrauchen. Und überhaupt, wenn Sie schon Weihnachtsmann spielen wollen, sollten sie sich auch wie einer anziehen.“
 
Der vielleicht altmodische, dafür aber verdammt echte Weihnachtsmann horchte auf. „Sie haben eine Tochter? So lassen Sie mich doch herein, ich möchte das Mädchen beschenken!“
Hinter dem Mann erschien das Gesicht einer Frau seines Alters. „Der kommt mir nicht ins Haus! Erst unsere Tochter belästigen und dann noch Gage haben wollen, soweit kommt‘s noch.“
„Sie haben meine Frau gehört. Verschwinden Sie, oder ich rufe die Polizei.“
Einen Augenblick später stand der Weihnachtsmann vor verschlossener Türe und schaute verdattert zu seinem Handlanger, der plötzlich grinsen musste.
„Was war das denn?“
„Der echte Weihnachtsmann sieht nicht wie ein echter Weihnachtsmann aus“, griente der Gnom. „Vergiss, was ich vorhin gesagt hab‘, vielleicht wird’s ja doch noch ein lustiger Abend. Komm, auf zum nächsten Haus.“
„Moment“, sagte der Weihnachtsmann, zog drei Päckchen aus dem Sack und legte sie so auf die Schwelle, dass sie nicht nass wurden. „Jetzt können wir gehen.“
 
Mehrere Male wiederholte sich das Schauspiel, aber der Weihnachtsmann wollte nicht aufgeben. Vor jede Türe legte er Päckchen ab und hoffte, die Menschen hätten trotz ihres harschen Auftretens ein gutes Herz, denn Dankbarkeit war sein einziger Lohn. Trotzdem wunderte er sich, wie schnell die Menschen sich zu freuen verlernt hatten und damit das Weihnachtsfest seines Kerns beraubten. Er fühlte sich zugleich überflüssig und gebraucht, wurde abgewiesen, wo sein größtes Geschenk am Nötigsten war. Den Gnom freute es, er schien sich prächtig zu amüsieren.
 
Gerade drückte der Weihnachtsmann eine neue Klinke herunter, drückte das verschnörkelte Tor im Zaun auf und wollte auf das Haus zustapfen, da öffnete sich die Tür und ein Mann mit falschem Bart und billigem rotem Mantel trat hinaus. Er wurde von einer jungen Frau in einer Vertrautheit verabschiedet, als wäre er ein Freund der Familie, oder zumindest der Frau selbst. Als er den echten Weihnachtsmann sah, lachte er und rief: „Du bist zu spät, Kollege! Hier war schon ein Weihnachtsmann.“
 
Ein? Es gibt kein ‚ein‘, es gibt nur den Weihnachtsmann, und das bin ich!“
„Das kannst du den Kindern erzählen.“ Jetzt erst bemerkte der Fremde die kleine Gestalt neben dem Weihnachtsmann und lachte wieder. „Ach, ich verstehe. Dein Sohn soll glauben, du seist wirklich der Santa und um ihm das zu beweisen, verteilst du überall Geschenke. Was war passiert bei der Bescherung, hat er dein Gesicht erkannt, trotz des falschen Bartes? Oder hast du dich selbst verraten? Aua!“
Er rieb sich sein Knie, während ein für ein Kind verdammt verlebtes, wettergegerbtes Gesicht zu ihm heraufblickte und zischte: „Nenn mich noch einmal Sohn, und ich zeig‘ dir, wie schnell dein verdammt kurzes menschliches Leben noch viel kürzer wird.“
 
Einer kopfschüttelnd, der andere amüsiert, beobachtete das Gespann, wie der falsche Weihnachtsmann durchs Gartentor stolperte, von den schnaubenden Rentieren abprallte und Hals über Kopf davonlief.
 
„Das hätte nicht sein müssen“, meinte der Weihnachtsmann.
„Ich hab‘ noch nie jemanden in so billigen Stiefeln so schnell rennen sehen“, grinste der Gnom und hievte den nicht mehr ganz so prallgefüllten Jutesack auf den Wagen. „Komm schon, ich hatte lange nicht mehr solchen Spaß!“
 
Traurig entgegnete der Weihnachtsmann: „So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Es wird wohl das Beste sein, wir kehren um und fahren wieder nach Hause. Weihnachten braucht seinen Weihnachtsmann nicht mehr.“
 
***
 
Als der modifizierte Schlitten von den stolzen Rentieren durch die dreckigen Straßen der Stadt gezogen wurde, versank der Weihnachtsmann in Grübelei. Was konnte er tun? Weihnachten wirklich aufgeben, wieder den Menschen überlassen in ihrem Wahn, aus allem Profit zu schlagen? Nein, spätestens für nächstes Jahr würde er sich etwas einfallen lassen. Der Gnom hatte Recht gehabt, die Zeit war reif für ein Comeback, um ehrlich zu sein, war sie sogar überreif.
Wäre er damals doch bloß nicht auf den Deal mit diesem Konzern eingegangen, aber die Verlockung der Freizeit war zu groß gewesen. Ein süßes Gift, die Untätigkeit – lange Jahre erlag er ihm, verkam zusehends zu einem pfeiferauchenden Tattergreis, der sich auf den Taten vergangener Zeiten ausruhte. Tja, der Vertreter dieses Konzerns war klug gewesen und schnell mit der Zunge, wusste, wie er den Weihnachtsmann umgarnen musste, um ihm den Deal aufzuschwatzen. Er brauchte seinen Job bloß an den Konzern abzutreten, der eigene neu designte Weihnachtsmänner losschickte – wie hieß die Firma noch gleich?
 
Er fragte den Gnom, der nur stumm auf die andere Straßenseite zeigte. Dort wurde eine Häuserwand von einem riesengroßen Werbeplakat geziert, auf dem in großen Lettern prangte: „Coca Cola – Merry Christmas“. Ein weißbärtiger, pausbäckiger Mann in rotem Mantel hielt lachend eine Flasche mit irgendeiner dreckigen Brühe in der Hand, Päckchen stapelten sich unter einem Weihnachtsbaum im Hintergrund. Alles wirkte so ideal, wie es die Realität niemals sein konnte.
 
Unter dem Plakat saß zusammengekauert eine Gestalt und fror im Regen.
„Halt an“, sagte der Weihnachtsmann zu seinem Begleiter und stieg vom Schlitten. Als er die Gestalt erreicht hatte, fragte er: „Guter Mann, wie ist dein Name?“
Die Antwort konnte er nur sehr undeutlich verstehen, irgendetwas in Richtung Albert oder Arthur.
 
„Heute ist ein heiliger Abend, der Vorabend zum Weihnachtsfest, dem Fest der Liebe und des Mitgefühls, und trotzdem sehe ich dich hier im Regen sitzen und vor Kälte zittern. Was auch immer du angestellt hast, um so etwas zu verdienen, ich kann dein Elend nicht mit ansehen. Hier, nimm meinen Mantel, der hält dich selbst im tiefsten Winter warm! In meine Stiefel ist noch kein Tropfen Wasser hineingelangt, die kannst du auch haben. Zum Abschluss schenke ich dir meine dicken Handschuhe. Frohe Weihnachten, Alb… guter Mann!“
 
Ohne wirklich zu verstehen, was da gerade geschah, schaute der Mann dankbar zum Weihnachtsmann hinauf und nahm die Sachen entgegen. „Danke“, murmelte er.
 
Als der Weihnachtsmann wieder auf den Schlitten stieg, sagte er, wieder eine Spur von Mut in der Stimme: „Vielleicht ist Weihnachten doch nicht ganz verloren.“
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.12.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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