Sandra Lenz

Stürmisches Herz - Teil V

Die nächsten Tage ritt Ashley immer aus und traf sich mit Ryan am Strand. Sie verlebten herrliche Stunden miteinander, in denen sie sich viel erzählten und sich besser kennen gelernt hatten. Zu Ashleys Bedauern war es bisher noch zu keinem einzigen Kuss gekommen, obwohl sie sich nichts sehnlicher gewünscht hätte. Ryan war ihr regelrecht ans Herz gewachsen und irgendwie war er genauso rebellisch wie sie selbst. Genau das faszinierte sie so und vermutlich verstanden sie sich deshalb so prächtig. Sie teilten den gleichen Humor und interessierten sich für die gleichen Bereiche, über die sie stundenlang diskutieren konnten. In seiner Gegenwart fühlte sie sich wohl und geborgen. Sie fühlte sich einfach frei an seiner Seite.
Währenddessen saßen ihre Eltern gemeinsam im Teesalon und diskutierten über die Zukunft ihrer jüngsten Tochter.
„Also Henry, ich mache mir ernsthafte Sorgen über Ashley. Ständig reitet sie aus und kommt erst nach Stunden wieder zurück. Und sie kleidet sich nicht damenhaft und ihr rüpelhaftes Benehmen erst. Ich glaube, ich habe in meiner Erziehung versagt.“ Henriette Winston zog ein Taschentuch vor und hielt es sich vor den Mund. Ein Schluchzen entrang ihrer Kehle. Henry Winston stand sofort auf und legte seiner Gattin einen Arm um die Schulter. „Aber meine Liebe, du hast ganz und gar nicht versagt. Sieh doch nur welch’ Schönheit Ashley ist. Sie ist sogar noch viel schöner und liebreizender wie ihre Schwestern Lisbeth und Amelie. Und du weißt doch, wie sehr man uns für unsere hübschen Töchter beneidet. Ashley hat eben nur andere Interessen. Sie ist doch noch so jung. Das wird sich bestimmt bald ändern. Wenn sie erst einmal mit Marcus Manson verheiratet ist und ihm einen Erben schenkt, dann sind ihre wilden Zeiten mit Sicherheit vorbei.“ Aufmunternd lächelte er seine betrübte Gattin an und versuchte sie aufzuheitern.
Henriette lächelte zaghaft. „Vermutlich hast du recht, Henry. Und ich denke, wir sollten die Hochzeit nicht mehr länger hinauszögern. Marcus und Ashley sollten so schnell wie möglich heiraten.“ Eine Pause entstand zwischen den Beiden. Henry ging hinüber zur Kommode und zog eine Zigarre aus der kleinen Holzdose. Er blies den Dunst in kleinen Kringeln in die Luft und dachte einen Moment nach. „Ja, vermutlich hast du recht, meine Liebe.“ Er drehte sich seiner Frau wieder zu. „Wir sollten die Mansons für ein paar Tage besuchen gehen und die nötigen Vorkehrungen treffen. Während dieser Zeit können sich Marcus und Ashley noch besser kennen lernen.“ Henry Winston klingelte nach Maria dem Hausmädchen, um ihr eine Nachricht für die Mansons über ihren bevorstehenden Besuch zu übermitteln.

~.~

Die Sonne neigte sich langsam dem Horizont entgegen. Ashley und Ryan lagen nebeneinander im Sand und machten Witze. Den ganzen Tag über hatten sie ausgiebig gelacht und Scherze gemacht.
In Ryans Innerem brodelte es. Die letzten Tage waren für ihn einfach nur wunderbar gewesen, an der Seite dieses hübschen Geschöpfs. Er sehnte sich danach ihre warmen Lippen auf den seinen zu spüren, doch bis jetzt hatte er nicht den Mut gehabt seine Phantasie Realität werden zu lassen. Es war wie verhext, aber bei ihr war er einfach nur schüchtern. Das kannte er an sich selbst gar nicht, aber Ashley war ja auch nicht wie all die anderen Frauen die er kannte.
„Ryan, ich muss langsam zurück reiten.“ Ihre liebliche Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Sie blickte in seine meergrünen Augen, die so wunderbar waren. Seine Locken waren ganz zerzaust vom Wind und seine Haut duftete so männlich. Sie sollte sich lieber auf den Weg machen, denn sonst hätte sie ihn jetzt einfach geküsst. Aber das ziemte sich nicht für eine junge Dame. Beschämt über ihre eigenen Gedanken, blickte sie zu Boden und ihre Wangen röteten sich. Ryan zog die Augenbraue hoch, denn er sah den veränderten Gesichtsausdruck von Ashley. „Woran denkst du gerade? An das selbe wie ich?“ Ashley schaute ihn ein wenig verdutzt an. Was meinte er denn? Bevor sich Ashley versah hatte sich Ryan aufgesetzt, ihr Gesicht in seine Hände genommen und seine warmen Lippen auf die ihrigen gelegt. Sie erbebte und schmiegte sich näher an ihn. Ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen, als Ryan sie fordernder küsste. Ashley schlang ihre Arme um seinen Hals und ihre Hände griffen in seine dunklen Locken. Die Welt schien sich zu drehen und alles um sie herum schien völlig bedeutungslos zu werden.
Plötzlich hörten beide ein Pferd näher kommen. Ryan ließ von Ashley ab und schaute Richtung Wald. Ashley war noch völlig von diesem Kuss benommen und konnte im ersten Moment nicht klar denken.
Es näherte sich ein Schimmel mit einem jungen Mann auf dem Rücken. Ryan erkannte ihn sofort und sein Gesicht nahm einen härteren Zug an. Ashley stand ebenfalls auf und klopfte sich den Sand von der Hose. „Ryan, du musst sofort mit mir kommen.“ Der junge Mann wedelte aufgeregt mit den Händen in der Luft herum. Vor Ryan und Ashley brachte er sein Pferd zum Stehen und sprang aus dem Sattel. Sein Blick streifte neugierig Ashley, bevor er sich wieder Ryan zuwandte. „Es ist wirklich wichtig und du solltest sofort mit mir kommen.“ Er schaute Ryan ernst an. Dieser schien verstanden zu haben, das es sich um etwas äußerst wichtiges handeln musste. „Lass mich dir zuvor noch Ashley Winston vorstellen. Ashley, dies ist Jack, mein bester Freund und treuester Wegbegleiter.“ Jack nickte Ashley höflich zu. „Ich freue mich sehr ihre Bekanntschaft zu machen, Miss Winston. Ich habe schon sehr viel von ihnen gehört.“ Ashley wurde erneut rot. Hoffentlich nur gutes, dachte sie bei sich selbst. „Ryan, jetzt kann ich dich sehr gut verstehen.“ Er grinste seinen Freund schelmisch an. Jack war kleiner wie Ryan und auch kräftiger gebaut. Ihm schien der Wein und das Essen sehr gut zu schmecken, was der kleine runde Bauchansatz verriet. Er hatte blaue Augen, die in seinem sonnengebräunten Gesicht richtig zur Geltung kamen. Seine dunklen Haare standen wirr vom Kopf, aber trotz des ungepflegtem Äußeren, strahlte er eine Wärme aus, die man bei den meisten besseren Herren der Gesellschaft vergeblich suchte. Er hatte sich ein rotes Tuch um die Stirn gebunden, fast wie ein Pirat. Aber einer der teuflischen Fünf konnte er ja nicht sein, dafür war er doch viel zu nett und höflich, dachte sich Ashley und schüttelte diesen absurden Gedanken direkt beiseite.
Ryan und Jack entfernten sich ein Stück von ihr und flüsterten eine zeitlang miteinander. Ashley hätte zu gern gewusst um was es ging, doch es war zu leise als das sie es hätte verstehen können. Jack wandte sich dann ab, nickte ihr nochmals zu und ging dann mit seinem Schimmel Richtung Wald. Ryan drehte sich um und kam zu ihr zurück. „Ashley, ich habe schlechte Nachrichten erhalten und muss für eine zeitlang weg. Ich hoffe, wir werden uns so bald wie möglich wiedersehen?“ Ashley nickte stumm. Was, er wollte sie verlassen? Das konnte doch nicht wahr sein. „Aber Ryan, wann werden wir uns wiedersehen?“ Schluchzend sank sie in seine Arme. Er streichelte sanft ihren Rücken und bedeckte ihre Stirn mit Küssen. „Liebling, ich verspreche dir, das ich so schnell wie möglich zu dir zurückkehren werde.“ Ashley wollte in Tränen ausbrechen, doch ihr Stolz ließ das nicht zu. Nervös öffnete sie ihr schwarzes Halstuch, welches sie heute um den Hals trug und was nach Lilien duftete, dem Duft ihrer Haut. Sie drückte es Ryan in die Hand. „Bitte, nimm’ dies mit. Es soll dich an mich und unsere gemeinsame Zeit erinnern.“ Seine Hände griffen nach dem zarten Schal und er versteckte es unter seinem Hemd. „Dann lass mir dir auch etwas von mir geben.“ Er griff in seinen Nacken und öffnete einen kleinen goldenen Verschluss. Mit seiner linken Hand zog er eine kleine goldene Kette unter seinem schwarzen Hemd hervor, an dem ein goldener Anhänger leuchtete. Sanft griff er nach Ashleys Hand und legte die Kette in ihre Mitte. Solch’ einen Anhänger hatte Ashley nie zuvor gesehen. Er stellte ein Herz dar und ein Dreieck, welches miteinander verschmolz. „Ich habe diesen Anhänger extra anfertigen lassen und es existiert kein weiterer davon. Ich möchte, das du ihn trägst Ashley und dabei an mich denkst.“ Sprachlos blickte Ashley auf die Kette herab und Tränen schossen ihr in die Augen. „Ich verspreche es dir Ryan. Ich werde ihn immer tragen, bis zu dem Tage an dem wir uns wiedersehen.“ Er zog ihren Kopf zu sich heran und küsste sie leidenschaftlich zum Abschied. Dann drehte er sich ab und ging zu Poison. Er saß auf und einen Augenblick später waren Ryan und Jack verschwunden. Verschwunden vom Strand und aus Ashleys Leben. Sie wusste noch nicht einmal wo Ryan hinwollte oder wo er lebte. Jetzt konnte sie nur noch auf den Tag warten, an dem ihre große Liebe zu ihr zurückkehren würde.
Mit zitternden Händen legte sie die Kette um den Hals. Dieses Geschenk würde sie niemals wieder hergeben.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.05.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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