Peter Somma

Heimat

Prolog

Wo Du Heimat finden wirst

Heimat wirst Du finden an der Mutterbrust. Sie wird Dich nähren, wird Dir Wärme und Zärtlichkeit. schenken

Heimat wirst Du finden, wenn Du das erste Mal verliebt sein wirst, Du wirst mit ihr Leidenschaft und Glückseeligkeit erleben.

Heimat wirst Du finden, wenn Du Dein erstes Kind in Händen hältst. Es wird Dir vertrauen, obwohl es Dich noch nie gesehen hast
Heimat wirst Du auf einer Bank am Wegesrand finden, wenn Du alt sein wirst wird sie Dir Ruhe schenken und neue Kraft zum weitergehen
Heimat ist die Erde die Dich bedecken wird, wenn Du tot sein wirst

*


Elvira war das erste Mal schwanger. Neun Monate hatte sie das Heranwachsen des Kindes in ihrem Leib gespürt. Neun Monate war es dort gewachsen, hatte das Schlagen des Herzens seiner Mutter gespürt, sich dort wohl gefühlt, hier seine erste Heimat gefunden. Dann war das Kind geboren worden, war nackt auf ein Tuch gelegt worden, hatte nicht mehr den Herzschlag seiner Mutter gespürt, nicht gewusst, wo es sich plötzlich befand, was nun mit ihm geschehen werde und hatte sich mit lautem Schreien gegen den ungewohnten Zustand gewehrt. Erst als die Hebamme es getrocknet und in warme Tücher gewickelt der Mutter auf die Brust gelegt hatte, hatte es wieder die Wärme des Leibes seiner Mutter gespürt, das Schlagen ihres Herzens vernommen, fühlte es sich wieder wohl, wieder geborgen, und angenommen und nachdem die Eltern ihm den Namen Herbert geben hatten, hatte es endgültig seinen Platz auf Erden, seine erste Heimat gefunden.
Herbert war herangewachsen, war zu einem ansehnlichen jungen Mann gereift. Obwohl er seine Eltern immer noch liebte, noch immer gerne gemeinsam in ihrer Wohnung lebte, trieb ihn irgendetwas, das er noch nicht benennen konnte, von Zuhause weg. Er sehnte sich nach Zuneigung, die ihm seine Mutter nicht geben konnte. Herbert war verliebt! Er suchte nach jemandem, einem weibliches Wesen, das ebenso fühlte und dachte, von demselben Verlangen geplagt wurde, wie er und er hoffte, dass dieses Wesen seine Zuneigung erwidern, und in ihm ihren Partner finden werde. Dieses Suchen nach der Richtigen, war für ihn gleichzeitig eine schlimme, aber auch eine aufregende, schöne Zeit. Als er dann die Richtige gefunden hatte, machte er sie zu seiner Geliebten, zu seiner Frau. Mit ihr plante er ihr gemeinsames Zuhause, ihr gemeinsames Daheim, ihr gemeinsames Sein. Er machte ihr gemeinsames Daheim zu seiner neuen, gemeinsame Heimat.
Seine Frau schenkte Herbert ein Kind. Es war genau so lieb und herzig, wie alle kleinen Kinder, aber für ihn war es etwas Besonderes, denn als sie ihm das erste Mal das Kind in seine Hände legte und er es sanft an sich schmiegte, fühlte es sich wohl bei ihm, und er spürte dass es ihm vertraute, obwohl es ihn doch noch nie gesehen hatte. Herbert war glücklich, denn er wusste, dass nie mehr in seinem Leben, er einen Menschen finden werde, der ihm so blind vertrauen wird, wie sein Kind, das er jetzt in seinen Händen hält. Er wusste aber auch, dass, wenn es erwachsen sein wird, ihn verlassen wird, es sein eigenes Leben leben wird wollen, aber auch dass es auch immer wieder zu ihm zurückkehren wird, weil es dort in seinen jungen Jahren, seine Heimat gefunden hatte.
Herbert hatte Glück in seinem Leben gehabt. Er war glücklich gewesen mit seiner Frau und den Kindern, die noch nachgekommen waren. Aber auch er wurde älter und älter und auch wenn er sich für recht rüstig hielt, wurde er doch bei längeren Spaziergängen oder Ausflügen schnell müde Dann war er, wenn er am Wegesrand eine Bank fand froh dort Platz nehmen, Rast finden, und von dort die Landschaft betrachten zu können, die er seit ewigen Zeiten kannte, die seine Heimat geworden und immer geblieben war. Nach dem er sich hier gestärkt hatte, setzte er dann seine Wanderung fort.
Herbert war alt geworden. Allerlei Krankheiten hatten ihn gequält, seine Beine hatten ihn nicht mehr tragen können und er hatte sich seinem Rollstuhl von einem Helfer durch seine Wohnung führen lassen. Vor einigen Jahren hatte er seine Frau verloren und seine Kinder hatten ihre Heimat anderswo gefunden. Er war einsam geworden und wartete ohne Furcht an die Zeit, in der er seinen letzten Atemzug tun werde. Als es so weit war, hatte man ihn aufgebahrt und zu seiner letzten Ruhestätte geführt, und alle die ihn gekannt hatten, hatten ihn ein letztes Mal begleitet. Man hatte ihn in sein Grab abgeseilt, hatte Gebete für ihn gesprochen und seine letzte Ruhestätte mit der Erde seiner Heimat bedeckt.

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