Anschi Wiegand

Odilo hat Bauchweh

Kennst du Odilo? Odilo ist eine kleine Waldameise. Er wohnt mit vielen tausend anderen Ameisen in einem Ameisenhügel draußen im Wald. Seine Aufgabe ist es, Futter zu sammeln und all das, was sonst noch so im Ameisenbau benötigt wird. Normalerweise war Odilo auch sehr zuverlässig bei seiner Arbeit. Wie alle Ameisen arbeitet er für sein Leben gern.
Eines schönen Tages war er mit etlichen seiner Freunde dabei, die Reste einer weggeworfenen Eiswaffel zu zerteilen, um sie in den Bau zu bringen. Da konnte er sich nicht beherrschen, denn es duftete gar zu verlockend... und er schleckte gierig an dem süßen Saft des geschmolzenen Eises. Gar nicht mehr aufhören konnte er vor lauter Heißhunger. Sein Freund Fritzchen musste ihn richtig anschubsen, damit er sich wieder in Bewegung setzte und mit seiner Arbeit weiter machte.
Doch lange ging das gar nicht, da spürte Odilo ein Stechen in seinem kleinen Magen, das immer heftiger wurde. Mit allen sechs Beinchen rieb er sich den Bauch, doch es half nichts. Mühsam schleppte er sich die langen Gänge des Ameisenbaus entlang, bis er zu den Kinderzimmern kam, wo die Ameisenlarven lagerten. Dort legte er sich in die nächste Ecke und jammerte leise vor sich hin. Die Schmerzen wurden immer heftiger und Odilo wusste nicht mehr, was er tun sollte. Sein Jammern wurde immer lauter - und so fand ihn Fritzchen, der schon besorgt nach ihm gesucht hatte. "Das hast du nun von deiner Gefräßigkeit!" sagte Fritzchen. Aber natürlich tat ihm Odilo leid, wie er da mit seinen Bauchschmerzen lag und er überlegte, wie er ihm wohl helfen könnte. Da kam ihm eine gute Idee! Schnell lief er die vielen Gänge wieder zurück, bis er zu einem der zahlreichen Ausgänge kam. Gleich hinter dem Ausgang war eine Lichtung, wo es bei schönem Wetter immer ganz warm war und oft Spaziergänger ein Picknick machten. Dahin lief Fritzchen jetzt und schaute suchend am Wegrand entlang. Endlich fand er, was er suchte: da lag ein winzigkleines Steinchen, schön warm von der Sonne und genau in der richtigen Größe, um als Wärmflasche für Odilos Bauch zu dienen. Schnell nahm er den kleinen Stein und trug ihn zurück in den Bau, durch die vielen Gänge bis zu Odilo ins Kinderzimmer. Dort legte er das Steinchen vor Odilo hin und half ihm, hinauf zu krabbeln. Ermattet lag Odilo dann auf dem warmen Stein und langsam wurde sein Jammern leiser, bis es schließlich ganz aufhörte.
Fritzchen lief inzwischen noch einmal nach draußen, um bei den Blumen auf dem Feld noch nach einer guten Medizin für seinen Freund zu suchen. Endlich fand er eine kleine Kamillenblume und so viel er davon tragen konnte, nahm er mit zu Odilo. Der knabberte ziemlich unlustig an der Blüte herum, weil er überhaupt keinen Appetit mehr hatte. Aber nach einer Weile fühlte er sich tatsächlich etwas besser und er schlief schließlich erschöpft ein.
Als er am nächsten Morgen wieder aufwachte, wunderte sich Odilo zuerst, warum er da im Kinderzimmer auf einem Stein schlief. Da sah er Fritzchen neben sich stehen und ihm fiel alles wieder ein. Glücklich umarmte er seinen Freund und bedankte sich bei ihm für seine Hilfe. Fritzchens Behandlung war so gut gewesen, dass Odilo wieder ganz munter war und gar keine Schmerzen mehr hatte. Er hatte sofort Lust, an seine tägliche Arbeit zu gehen und gemeinsam machen sich die Freunde auf den Weg nach draußen zum Sammeln. Da sahen sie noch die Reste der Eiswaffel liegen - aber diesmal machte Odilo einen großen Bogen darum... und Fritzchen musste furchtbar lachen. A.G./2001

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Anschi Wiegand).
Der Beitrag wurde von Anschi Wiegand auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.05.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  • Autorensteckbrief
  • Anschipostweb.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)
  • 9 Leserinnen/Leser folgen Anschi Wiegand

  Anschi Wiegand als Lieblingsautorin markieren

Buch von Anschi Wiegand:

cover

Wie das Meer ist unsere Liebe von Anschi Wiegand



Wir alle wünschen uns einen Menschen, der uns liebt, dem wir vertrauen können und der da ist, wenn wir ihn brauchen - und für den auch wir da sein wollen, wenn er uns braucht. Dieser Wunsch scheint für viele unerreichbar, fast schon eine Illusion, doch für manche von uns ist er Wirklichkeit geworden. An dieser Wirklichkeit müssen wir jedoch immer wieder neu arbeiten, damit sie uns erhalten bleibt. Dieses Büchlein soll den Leser mitnehmen auf eine dankbare Gedankenreise, die deutlich macht: es ist möglich, Hand in Hand durchs Leben zu gehen, wenn dies wirklich beide Partner wollen. Es nimmt mit in erlebte Gefühle, die Liebe spürbar werden lassen. Und wenn wir dieses Büchlein weiter geben, ist es ein kleines DANKE an die, denen es mit uns gemeinsam gelungen ist, Liebe Hand in Hand zu erfahren... (Angela Gabel)

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (4)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Gute Nacht Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Anschi Wiegand

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Zwangserkrankung - Mein Weg aus der Angst von Anschi Wiegand (Lebensgeschichten & Schicksale)
Wendel, das Gespenst: Im Wald von Irene Beddies (Gute Nacht Geschichten)
Flaumis Entscheidung von Helga Edelsfeld (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen