Anas Echcharai

Grenzen der Liebe



Es ist unglaublich komisch ihn wieder zu sehen. 
Seine braunen Haare glänzen wieder mal in der Sonne und seine wunderschönen, grünen Augen haben mich schon immer fasziniert. Es ist so als hätte er nie schlechte Laune, er sieht einfach immer glücklich aus mit seinem strahlenden Lächeln, er ist nahezu unbeschreiblich. 
Bloß schade, dass es nicht mehr das Selbe ist.

Nun ist es schon zwei Wochen her, seitdem es passiert ist.
Seitdem "Sie" passiert ist.
Sie ist ja schon schön, zumindest wenn man auf das offensichtlich schöne steht. 
Ihre blonden Haare machen glatt Rapunzel Konkurrenz. Die reine Perfektion in Person, wunderschön von Kopf bis Fuß und mit ihrem "Ach, ich bin so zerbrechlich, bitte behandle mich gut !"-Blick schien sie alle manipulieren zu können. 
Schon immer versuchte ich zwanghaft etwas zu finden, was mich an ihrem Aussehen stört, doch es klappt nie, hat es noch nie.
Ich verstehe nicht warum es bei mir so einfach ist. Es dauert bei mir keine Sekunde und schon finde ich die ersten Macken in meinem Gesicht und mit meinem Körper fange ich dann gar nicht erst an. 

Er hat mich echt gut behandelt. 
Er wusste immer was ich brauche und wie er mich glücklich macht, Ich war ernsthaft, durchgehend glücklich bei ihm, doch dann ist es passiert. Es war unglaublich, unerwartet und überraschend.
Er bat mich um ein Treffen.
Wir gingen immer in das Café um die Ecke von "Onkel Scaleze", keiner weiß wer damit angefangen hat ihn "Onkel" zu nennen, aber so nennen ihn alle hier.
Ich war bei unseren Treffen immer vor ihm da, ist mir aufgefallen.
Ich wollte anfangs nie anhänglich wirken, aber ich hab mir noch nie Gedanken drüber gemacht, wie das bei ihm ankam.
Ich bestellte mir ein Eis-Kakao bei "Onkel" mit viel Sahne, einem marshmallow und die leckeren Schockostreusel, so schmeckt er am besten. 

Sehnsüchtig wartete ich auf ihn, bis ich die Klingel der Tür hörte, wenn sie jemand öffnete.
Da war er! Der so ziemlich schönste Junge im Umkreis von hundert Kilometern.
Es war das erste Mal. 
Das erste mal, dass er nicht lächelte.
Er saß sich gegenüber von mir. Ich beugte mich vor, mit der Vorfreude seine perfekt geformten Lippen "mündlich" zu berühren, doch stattdessen umarmte er mich.
Wie dumm ich mich fühlte. Mir wurde alles klar. 
Langsam wurden meine Augen feucht, er brauchte nichts sagen, ich habe es ja schon verstanden.
Ich spürte, wie mein Bauch anfing mir Schmerzen zubereiten und zu verkrampfen. 
Es war das schlimmste Gefühl, dass ich jemals empfand. So stellte ich mir einen Messerstich in den Bauch vor.
Er stand auf, saß sich zu mir und umarmte mich. 
Die Tatsache, dass er nichts dazu sagte, hat das ganze nur verschlimmert, denn dadurch wusste ich, dass es so ist wie ich es mir dachte.

Ich habe versucht irgendetwas dazu zu sagen. Ich habe versucht zu sagen, was ich in dem Moment fühlte, doch meine Bemühungen reichten nur für ein leises "Warum ?".
Was dann kam hab ich echt nicht von ihm erwartet. Er sagte "Es liegt nicht an dir, sondern an mir.".
Ich schubste ihn weg.
War das sein ernst? Hat er wirklich so einen billigen Spruch zitiert? 
Ich habe versucht irgendetwas dazu zu sagen. Ich habe versucht zu sagen, was ich in dem Moment fühlte, doch meine Bemühungen reichten nur für ein leises "Warum?".
"Es ist Vanessa. Es ist sie, die ich liebe und nicht du." Sagte er.
Ich habe so sehr gehofft, dass er sich versprochen hat und fragte ihn deshalb zu Sicherheit nochmal.
"Ja, Vanessa.".
Leider habe ich richtig gehört.
Vanessa. Meine Vanessa. Meine Schwester. Mein Fleisch und Blut.
Ich bin aufgestanden und raus gerannt, dass ich "Onkel" nicht bezahlt habe, war mir in diesem Moment egal.
Ich rannte. Ich rannte zu ihr. Ich rannte zu der Perfektion. Ich rannte zu ihr, zu meiner Schwester.
Zuhause angekommen, stürmte ich in ihr Zimmer.
Ich wusste nicht, was ich sagen soll.
Ich sah sie wütend an.
Sie saß ruhig an ihrem Schminktisch.
Sie wusste nicht, was sie sagen soll.
Sie sah mich überrascht an.
Sie wusste was los ist, aber saß einfach nur leise da.
Ich wusste was ich hätte sagen sollen, aber habe es nicht rausbringen können.
Vanessa. Meine Vanessa. Meine Schwester. Mein Fleisch und Blut.
Ich habe versucht irgendetwas dazu zu sagen. Ich habe versucht zu sagen, was ich in dem Moment fühlte, doch meine Bemühungen reichten nur für ein leises "Warum ?".

-Anas Echcharai
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.01.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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