Felix Bunke

Liebe ist...

Die warme Luft des frühen Sommertages legt sich behutsam auf die Erde. Die Sonnenstrahlen lassen die sonst so tristen Farben in einem freundlichen Ton erscheinen.
Nur die einzelne Birke wirft ihren Schatten auf die überwucherte Grasfläche. Die Halme sind im Laufe der Zeit so gewachsen, dass sie sich wieder zum Boden neigen und dennoch weiterwachen. So wirkt der Rasen als undurchdringlicher Dickicht. Nur die Erdfläche, auf dem früher die Blumen standen, ist durchgehend braun, frei von jeglichem pflanzlichem Leben. Zwischen den Randsteinen suchen sich wilde Pflanzen ihren Weg und haben schon längst ihren Platz in dieser Umgebung gefunden. Inmitten der großen Rasenfläche ist eine, aus Stein gemauerte Empore, dessen Oberfläche ein Ballen aus Gestrüpp ziert. Ineinander verwachsene Triebe, Äste und Blätter bilden ein bizarres Werk der Natur. Durchdrungen von sprießendem Unkraut, ist zwischen dem Braun und Dunkelgrün ein einziger farblicher Absatz. Eine Rosenblüte öffnet ihre Blätter und scheint der Verwahrlosung zu trotzen. Ihre tiefrote Farbe wirkt plötzlich leuchtend.
Diese eine Blüte verleiht dem Gebilde etwas Beruhigendes und sie scheint durch ihre leuchtende Farbe das Leben zu konzentrieren.
 
Maya Foster atmet tief ein und ist gedanklich in der Rosenblüte verloren. Der leichte Wind lässt ihr braunes Haar etwas vor ihrem Gesicht wehen. Sie sitzt auf der Bank am Rande des Gartens. Von hier aus kann man alles sehen, jeden Winkel des Gartens über die Terrasse bis zum Haus.
Ihren Tagträumen hingebend genießt Maya, die wärmende Sonne auf ihrem Kopf. Sie atmet  Tief ein, versucht dieses Stückchen Land in sich aufzunehmen. Sie verspürt diese Ruhe und den Frieden, den sie nur hier, an diesem Ort findet.
 
Eine tiefe männliche Stimme sagte von der Terrasse aus: „Kommst du immer noch hier her?“
Maya erschrak und fuhr zu der Richtung aus der die Stimme kam. Ihr Puls raste, als sie David in der Tür lehnend sieht. Erleichtert atmet sie aus, stand auf und ging zu ihm. Sie nahmen sich in den Arm und David flüstert in ihr Ohr: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Schwesterchen“
 
Beide gingen wieder zur Bank und setzten sich so langsam, als ob sie diesen Frieden nicht stören wollten.
„Ich bekomme es nicht übers Herz, das Haus zu verkaufen“ sagte Maya leise. „Es ist, als ob ein Stück von uns hier drin ist.“
David pfiff fröhlich: „Ich kann die Beulen und Schrammen gar nicht zählen, die mir dieser Garten verpasst hat. Sieh mal die Rosen blühen noch“
„Ich weiß“ erwidert Maya „ Die Rosen… das war immer meine Lieblingsgeschichte vom Papa. Er erzählte sie mir immer wenn es mir schlecht ging. Wenn er die Geschichte wiederholte, hatte ich den Eindruck, dass es nichts Schlimmes auf der Welt geben kann.“
Ein Lächeln formte sich auf Davids Lippen „Ja... Er hatte Mom einen kleinen Zögling geschenkt und immer gesagt, dass mit Geduld, Hingabe und Hoffnung etwas Wunderbares entstehen kann. Ihre Liebe ist mit der Rose gewachsen.“ Nun lächelt Maya ebenfalls, „Er hatte ihr zu jedem
Hochzeitstag einen Zögling oder ein Samenkorn geschenkt, doch irgendwie hat nur diese eine Rose überlebt. Schau, sie blüht selbst heute noch. Glaubst du, es zeigt, dass ihre Liebe immer noch da ist?“
„Maya, ich bitte dich…“ schnaufte David mit geschlossenen Augen „wenn ich etwas weiß, dann dass ich nichts in meinem Leben gesehen habe, was stärker war, als die Zuneigung von Mom und Dad.“ Beide hatten denselben Gedanken, sie sahen ihre Eltern vor sich. Die Blicke die sie sich, selbst nach
Jahren widmeten. Es schien als ob sie ewig verliebt geblieben sind. Ihr Vater mauerte die Empore und ihre Mutter pflanzte die Rose. War der Winter noch so kalt oder der Sommer brütend heiß, diese eine Rose, die allererste, blieb immer da und blühte jedes Jahr schöner.
Maya bemerkte: „Ich bin nicht abergläubisch oder so was, aber glaubst du dass Dad die Wahrheit sagte, dass die Rose ein Jahr lang nicht blühte… als Mom krank war?“
David richtet sich auf und holte tief Luft: „Ich weiß es nicht, vielleicht hat der alte Mann sich getäuscht. Im Grunde möchte ich es auch nicht glauben, dass ein Rose 46 Jahre überlebt hat. Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es nicht glauben. Aber die beiden waren ja auch einmalig… also warum nicht. Es wäre doch ein schöner Gedanke.“
 
David nahm seine kleine Schwester in den Arm. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter, ohne die Augen zu öffnen. „David, bitte sag mir, dass wir das Haus behalten.“
Er lehnte seine Wange an ihren Kopf: „Natürlich. Glaubst du, ich möchte das hier aufgeben? Das hier sind wir. Hier kommen wir her und hier sind wir doch immer alle glücklich gewesen. Und außerdem kenne ich keinen anderen Ort auf der Welt, an dem ich jemals wahre Liebe gesehen und erlebt habe.“
 
Ein leichtes vibrieren in Mayas Hosentasche unterbrach die einkehrende Ruhe.
„Oh, ich muss zurück in die Klink.“ Sie setzte sich aufrecht hin und kontrollierte ihren Communicator. David schnaufte kurz durch und sagte: „Ich muss auch wieder in die Kanzlei. Würdest du mir die Ehre erweisen, dich heute zum Abendessen einzuladen… zur Feier des Tages?“
„Gern, junger Mann“ erwidert sie Lächelnd.
 
David stand auf und gab Maya einen Kuss auf die Stirn: „Bis nachher“
Maya saß noch einen Moment allein auf der Bank und schaute zur Rosenblüte hinüber, bevor sie ebenfalls aufstand und verschwand.
 
Der Rosenstrauch wackelte ein wenig in dem aufkommenden Wind, doch die Blüte streckte sich gen Himmel. Durch den Wind lösten sich ein paar abgestorbene Äste aus den Gestrüpp und fiel zu Boden. An dieser Stelle  kamen 8 weitere Knospen zum Vorschein.
 
Diesen Sommer wird der Rosenstrauch wohl prächtig blühen, genauso wie die Liebe aus dem er entstand.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.02.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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