Elke Müller

Liebe, Kampf, SEHNSUCHT

Irina saß in einer weichen Decke gehüllt auf einen Schafwollteppich vor dem offenen Kamin, welcher sich im Raum befand, hatte ihre Arme um ihre Beine geschlungen und blickte in die zuckenden Flammen, wobei ein unbeschreiblicher Zauber und Liebreiz von ihr aus ging. Als ein leises Geräusch sie wahr nahm zuckte sie zusammen und glaubte sich geirrt zu haben. Doch da gab es etwas. Ein Brief, der unter der Tür hineingeschoben wurde. Sie lauschte. Es waren Schritte auf den Stufen der Treppe zu hören. Die warme Decke glitt von ihren Schultern herab und leise schlich sie zur Tür, dabei hörte sie ihr Herz wild schlagen. Mit zittriger Hand drückte sie vorsichtig die Türklinke herunter. Sie war diesmal nicht verschlossen. Ein kurzer Blick in den Flur. Leer. Sie spürte die vorhandene Kälte und schloss schnell die Tür und hob den Brief auf. Kein Absender, nur ihr Name stand darauf.

Als Lisa, die Betreuerin von Irina, eine etwas herrschsüchtige und arrogante Frau, war diesmal gut gelaunt, als sie mit dem Tablett vor Irinas Tür stand, klopfte sie an. Zückte den passenden Schlüssel und drehte ihn im Schloss um. Schon nach einer kurzen Bewegung fasste er. „ Nanu?“ Da stimmte etwas nicht. Mit einem Schubs öffnete sie die Tür. „ Guten Morgen, hat unsere ….“ Das Geschirr samt Tablett fiel polternd zu Boden. Lisa musste sich setzten, ihr zitterten die Knie. „ Oh nein! Niemand wird mir glauben, das.... Nein, hier hat sich jemand Zugang verschafft, es kann nicht anders sein.“ Sie kam sich selbst etwas lächerlich vor, aber sie musste es wohl oder übel Sven melden. Ob er es glauben mag oder nicht. Schweren Herzens begab sie sich in das Büro von ihm. Sie wurde sofort vorgelassen. Mit Herzklopfen stand sie schließlich vor ihm, um zu erzählen, was vorgefallen war. Sven drückte seine Zigarette ärgerlich aus. „ Wie kann so etwas passieren!“ „ Ich weiß es nicht... Ich glaube....“ „ Das spielt hier keine Rolle! Wie konnte sich jemand anderes in ihren Zimmer....“ Er sah Lisa scharf an. „ Habe ich nicht ausdrücklich Anweisung gegeben, das Zimmer immer zu verschließen, wenn es verlassen wird?“ Lisa zuckte förmlich zusammen. Sie schluchzte auf. „ Ich bin mir ganz sicher, ich habe es nicht vergessen.“ Sven runzelte die Stirn. „ Bedenke, du bist manchmal entsetzlich schusselig.“ „ Es... es ist wirklich vollkommen ausgeschlossen!“ Sven räusperte sich kurz. „ Da stimmt doch etwas nicht.“ Er erhob sich abrupt. „ Sie sind endlich da.“ Er warf Lisa einen vernichtenden Blick zu. „ Ich habe noch einige dringende Termine wahrzunehmen. Hinaus!“ Lisa atmete auf. Das Malheur ist noch einmal für sie glimpflich abgelaufen. Sven nahm eilig den Telefonhörer ab und führte ein langes lebhaftes Telefongespräch. Es gibt kaum ein Verbrechen, bei dem Sven nicht die Finger im Spiel hat. Obgleich er es mit Glücksspiel, Schmuggel und anderen Missetaten zu beträchtlichen Reichtum gebracht hat, dennoch, kennt seine Gier keine Grenzen.

Es war ein grauer kalter Novembertag. Der Weg zum kleinen Wäldchen war nicht weit. Man konzentrierte sich nun vorallem auf die Umgebung. Die Helligkeit des Tages verschwand, ein leichter feuchter Dunst stieg auf. Die Schritte wurden dadurch teilweise verschluckt. Laut Absprache fiel kein Wort. Keine Menschenseele begegnete ihnen. Ein kleiner Turm ragte plötzlich mit seiner Spitze über den Baumkronen hinweg. Ron verzog sich in die Deckung eines dicken Baumstammes. Von dort, hatte man einen perfekten Überblick. Eine Gruppe von Männern näherte sich. Ron gab ein Zeichen, aber sie wurden nicht gesehen. Der Nebel hatte an Dichte zugelegt und die Gestalten verschwanden wie Geister, die sich auflösten. Man war auf der Hut und rechnete mit dem Erscheinen von noch anderen düsteren Gesellen. Es blieb aber ruhig. Vorsichtig schlich der kleine Trupp weiter, obwohl es nicht sicher war, ob man sie nicht doch beobachtete, aber dieses Risiko gingen sie ein. Das ganze Anwesen von Sven Trailer war wie eine alte Festung. Es gab nur einen Eingang. Dort verschwanden nach und nach die Männer, welche man gesehen hatte. Ryo war darüber nicht begeistert. Jetzt hieß es, nach dem Geheimgang suchen. Dafür mussten sie auch das Anwesen umrunden. Einen Weg gab es nicht. Das Gras, seit Jahren schon ungeschnitten wuchs in die Höhe. Dichtes Gestrüpps umgab die Mauern. Eine altes dunkles Denkmal tauchte auf. Dr. Davis untersuchte es gründlich, fand dann, gut versteckt, den kleinen Hebel im Gewand der Heiligen. Er legte ihn um. Dreck krümelte zu Boden. Man hörte ein knirschen, dann bewegte sich eine große Steintür. Es entstand ein breiter Spalt. Licht viel hinein. Alle hielten einen Moment den Atem an. Dr. Davis ging nun voran, seine Haltung verriet eine gewisse Spannung, das er sofort reagieren würde, wenn etwas ungewöhnliches passieren sollte. Alle blieben dicht hinter ihm. Plötzlich blieb er wie angenagelt stehen. Irgend etwas kam ihm nicht geheuer vor. Diese seltsame Erscheinung, dort am Eisentor. Diese geduckte Gestalt mit der Waffe in der Hand. Man war auf alles gefasst.

Sie mussten bald kommen. Sie hatten es ihr versprochen. Sie hielten immer ihr Versprechen. Man hatte sie noch nie in Stich gelassen. Es war noch etwas Zeit bis Mitternacht. Irina stand von ihrem Bett auf, schlüpfte in die bereitstehenden Pantoffeln und ging zum Fenster. Sie war vollständig angezogen. Aber nun hieß es warten. Kamen sie oder kamen sie nicht? Die Zeit verstrich langsam. Sie hing ihren Gedanken nach während sie gespannt in die Dunkelheit hinaus schaute, ob irgend eine Bewegung zu sehen war. Es war eine kalte feuchte Nacht. Lange Wolkenbänke von aufsteigenden Nebelschleiern schwebten heran. Es war still. Sie kamen, ganz sicher. Sie waren noch nicht da, aber sie waren unterwegs, davon ging sie aus. Sie wartete weiter. Jetzt. Jetzt sah sie etwas. Schatten lösten sich vom Boden, nahmen langsam menschliche Formen an. Sie sind da. Irina nahm den Brief auf, faltete ihn auseinander. Ein gezeichneter Plan zeigte genau den Fluchtweg auf, diesen sollte sie folgen. Sie streifte die Pantoffeln ab, griff nach dem bereit liegenden Feuerzeug und Fackel, dann lief sie lautlos aus der Tür zur Treppe....


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.02.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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