Andreas Rüdig

Der Sado

Neben Meister und Herr ist Sado der einzige Begriff, der das männliche Gegenstück zu einer Domina bezeichnet. Die meisten Sado sollen sich auf homosexuelle Freier spezialisiert haben; hier soll auch Geschlechtsverkehr zwischen Sados und ihren Kunden üblich sein. IN der kommerziellen Erotik sind Dominas wesentlich verbreiteter.

Maledom bezeichnet die heterosexuelle Variante, in der der Mann die dominante Rolle einnimmt; das Gegenstück heißt Femdom.

Gestatten: Balthasar, mein Name. Ich bin Rechtsanwalt von Beruf und auf Erbschaftsfälle konzentriert.

Ernst-August macht mir Sorgen. Lange Zeit war er mein Klient. Vor drei Wochen ist er nun gestorben. Sein materielles Erbe ist nicht groß zu nennen. Die paar hundert Mark, die er hinterlassen hat, reichten gerade einmal aus, um seine Beerdigung zu bezahlen.

Jetzt hat sich aber gestern Suitbert bei mir gemeldet. Er sei Sado und lange Zeit der Herr, Meister und Gebieter von Ernst-August gewesen. Jetzt, da sein Sklave tot sei, wolle er wissen, ob er einen Erbschein für dessen Brüder Friedrich-Wilhelm und Karl-Heinz brauche. Schließlich müsse er sie ja nun als die Brüder des Verstorbenen übernehmen. Das stehe so in der Bibel und sei völlig legitim. Nur: Wie soll man das einem Rechtspfleger erklären?

So ganz spontan sagte ich: Die Sklaverei ist abgeschafft. Man kann Menschen heute nicht mehr als Dinge und Sachen besitzen. Außerdem gelte der Grundsatz, daß ein Erbschein nur für Gegenstände ausgestellt werden könne.

Suitbert grübelte für einen kurzen Augenblick. Dann sagte er: "Ernst-August, Friedrich-Wilhelm und Karl-Heinz sind das einzige Brüder-Trio, das komplett schwul ist. Sie lieben es, mit herrenbevorzugenden, herrischen und männlichen Sados zu tun zu haben. Mit Frauen können sie nichts anfangen. Die Frauen würden sie nur ausnutzen."

In diesem Augenblick stutzte ich. "Wie meinen Sie das?" begehrte ich zu wissen. "Na, stellen Sie sich doch einmal vor: Sie gehen zu einer Frau, einer Domina, und sagen zu ihr: Quäle mich! Beherrsche mich! Erniedrige mich! Dominiere mich! Und was macht die Frau? Sie sagt einfach nur Nein!. Das ist seelische Grausamkeit."

"Ist das denn bei Männern anders?" - "Ja, natürlich. Ich sage zu A: Du machst das jetzt, sonst schläfst du auf  der Couch und ich vergnüge mich mit B. Aus lauter Angst, daß ich meine Drohung in die Tat umsetze, bekomme ich, was ich möchte."

Für einen kurzen Augenblick überlegte ich. Dann konnte ich Suitbert einen Vorschlag machen: "Ihr drei macht eine Wohngemeinschaft auf. Nach außen hin seid ihr dann ehrbare Junggesellen, die sich Bett und Bad teilen. Von euren Neigungen wird niemand etwas erfahren."

"Gut, einverstanden. Aber was ist mit meiner Folterkammer?" - "Welcher Folterkammer?" - "Sklaven müssen gelegentlich gezüchtigt werden." - "Gezüchtigt? So mit Ohrfeigen und Liebesentzug?" - "Nein, körperlich. Mit Peitschen, Gerten, Peniskäfigen und Hodenpressen - oft reicht schon die Androhung der Qual, um Sklaven gefügig zu machen. Viele sind nämlich sehr ängstlich, müssen Sie wissen."

Reden wir hier über seine berufliche Arbeit als Sado? Oder ob wir hier in meiner Praxis über sein Privatleben sprechen? Als ich das zu wissen wünsche, mußte Suitbert überlegen. Eigentlich über beides. Schließlich war Ernst-August zuerst sein Kunde und dann sein Geliebter gewesen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.02.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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