Dirk Braun

Nie mehr

Ihre Liebe begann als er 17 und sie 15 Jahre alt waren. Geboren waren ihre Gefühle an einem Ort an dem es nur den Tod gab. Die einen nannten diesen Ort die Hölle, andere kannten den richtigen Namen. In die Zeitgeschichte ging der Ort des Grauens und der Schmerzen unter dem Namen KZ Dachau. Blut, Schweiss und Tränen hatten den Boden unfruchtbar gemacht, so unfruchtbar das nicht einmal die Hoffnung darauf wachsen konnte. Jeder Tag begann mit der immer gleichen Frage. Bin ich heute dran, muss ich heute in die Barracken aus denen es keine Wiederkehr gibt? 
Und dort, wo Angst der ständige Begleiter warm hatten sich ihre Herzen gefunden.  In den Augen kaum noch Leben, glühte doch immer wieder ein Funkeln auf wenn sie sich sahen. Das Funkeln war nicht nur ein Zeichen ihrer Liebe sondern das Feuer das sie antrieb jeden Tag so gut es ging zu überstehen. Wenn keiner der Aufseher hinsah, berührten sich ihre schmalen Finger zärtlich durch den Drahtzaun. In ihren Augen schwammen immer wieder Tränen und jedesmal versuchte er sie zu trocknen in dem er leise zu ihr sprach. "Halte durch, wir schaffen das. Unsere Liebe ist stark. Eines Tages kommen wir hier raus und dann können wir endlich zusammen sein."
Eines Tages waren die Nazis unruhig, ein Gerücht ging rum das der Krieg bald zu Ende sein musste.  Aber genaues wusste keiner. Am nächsten Morgen hörte er wie jemand erzählte das in der Nacht die weiblichen Gefangenen aus dem Lager weg gebracht worden sind. Auf Nachfragen wohin bekam er keine Antwort. Sein Herz zerbrach, hatte er seine Liebe verloren. Was würden sie mit den Frauen machen. Diesmal mussten seine eigenen Worte, die er sonst ihr immer gesagt hatte, ihn trösten. Eine Woche später wurde das Lager befreit. Er lebte, er war frei. Als er sich von den Strapazen seiner Gefangenschaft erholt hatte, machte er sich auf die Suche nach ihr, Doch leider erfolglos.
30 Jahre später sass er in einem Zug auf schlecht gefederten Sitzen und wurde im Takt des Zuges durchgeschüttelt. Er fuhr nach Hamburg, seiner neuen Heimat. Auf einmal verspürte er ein dringendes Bedprfnis und machte sich auf dem Weg zu einer der Toilettenräume. Auf dem schmalen Flur vor den Abtails kam ihm eine Frau entgegen. Um ihr Platz zu machen, drückte er sich gegen die Abteiltür hinter ihm und hob die Hand um seinen Hut zu festzuhalten. Als die Dame sich vorbei drückte und ihm ein Danke zu hauchen wollte, fiel ihr Blick auf sein Handgelenk.  und sie verstummte. Staunend und ungläubig starrte sie ihn an. Sie hatte die Nummer auf seinem Arm gesehen, ein Überbleibsel von Dachau.
Ist ihnen nicht gut, fragte er die Dame.  Ihre Lippen zitterten leicht als sie die Sprache wiedefand und sich nun ihrerseits an ihn wendete. Bist du es wirklich, kann das wirklich sein? Er verstand nicht was sie meinte und fragte nach. Aber anstelle einer Antwort öffnete sie den Knopf ihres Blusenärmels und schobn ihn und den Ärmel ihrer Jacke etwas nach oben und entblösste die Nummer die sich auf ihrem Handgelenk befand. Er staunte, sah sich die Nummern genauer an und wurde blass. Vor ihm stand die Frau in die er sich damals in Dachau verliebt hatte und sie aus den Augen verloren hatte, bis zu diesem Moment. Er schluckte, stammelte etwas und dann, nahm er sie einfach in die Arme. Erst zögerte sie, doch als er leise sagtre "Ja ich bin es. Ich hab dich wieder. umarmte sie ihn so fest als wenn sie Angst hätte ihn gleich wieder zu verlieren. Du lebst, er komte es nicht glauben. Du lebst ja auch, sagre sie unter einer Mischung aus Lachen und Weinen. Wie ist es dir ergangen, ich hab dich gesucht. Wohne jetzt in Hamburg, es sprudelte nur so aus ihm raus. Sie stopte ihn. Komm, sagte sie, da ist mein Abteil und deutete drauf, ein paar Schritte von ihnen entfernt. Da ist es etwas bequemer als hier im Gang zu stehen und wir haben uns eine Menge zu erzählen. 
Er nickte. Geh schon mal vor, komme gleich nach. Ich hol nur schnell mein Gepäck, sagte  er und wandte sich um als sie noch sagte, aber beeil dich. Worauf du dich verlassen kannst und verschwand durch die Tür in den nächsten Wagen. Noch einen Wagen weiter, öffnete er die Tür seines Abteils, nahm seinen Koffer aus der Ablage und wollte gerade wieder auf den Gang gehen, als es einen Höllenkrach gab. Danach gab es nur noch Schwärze für ihn.
In der Zeitung stand am nächsten Tag etwas über das Zugunglück drin bei dem durch Entgleisung 14 Menschen den Tod fanden und es viele Verletzte und Schwerverletzte gegeben hatte.
Er war einer der Schwerverletzen und wurde in ein Krankenhaus in der Nähe gebracht. Als er wieder erwachte war er umgeben von verschiedenen Apparaten. Die Schwester rief nach dem Artr als sie bemerkte das er bei Bewusstsein war. Der Doktor brachte ihm schonend bei was in den Zeitungen gestanden hatteund das er im Koma gelegen hatte. Für vier Monate. Leider konmte ihm hier keiner sagen ob seine Liebe die er im Zug wieder gefunden hatte, lebte oder tot war. Er weinte denn nun hatte er sie zum zweiten mal verloren. 
22 Jahre später sass er in einem Cafe in Hamburg an der Innenalster und schaute von seinem Tisch aus, auf das Wasser. Er hatte das Gefühl beobachtet zuz werden und als er sich umschaute entdeckte er eine Dame, die wie er auch in den Sechzigern sein mochte. Er nickte der Dame zu, die ihm vertraut vorkam obwohl er sich sicher war, sie nie zuvor gesehen zu haben. Er nippte an der Tasse und genoss den wohlschmeckenden Kaffe als er bemerkte das die Dame aufgestanden war und nun in langsamen Schritten auf seinen Tisch zu kam.
Entschuldigen sie, mein Herr wenn ich sie so einfach anspreche aber ich glaube, wir kennen uns. Er schaute sie sich genauer an, konnte sich aber nicht erinnern das er sie kannte und fragte daher nach dem Woher.
Er wurde bleich als sie den Ärmel hochzog und er die vertrauten Nummern sah, 
Sie hatten sich wiedergefunden und waren seit dem Tag unzertrennlich. Denn beide waren der Meinung das sie sich nie mehr aus den Augen verlieren dürfen.
Beide hatten sich all die Jahrzehnte nicht in andere verliebt denn ihre Liebe die in Dachau ihren Anfang gefunden hatte, war nie gestorben.
Sie genossen jeden gemeinsamen Tag wie verliebte Teenager und an jedem Abend wenn sie zu Bett gingen, schworen sie sich nach einem sanften Kuss den Anderen nie mehr allein zu lassen.
Eines Abends lagen sie wieder zusammen, schauten sich an und gaben sich einen sanften liebevollen Kuss aber diesmal war etwas anders. Anstelle ihres Schwurs sagtre er mit leiser Stimme "Liebes, ich muss gehen" Sie drückte seine Hand und sagte zu ihm "Ich gehe mit denn du weisst ja, ich lasse dich nie mehr alleine.
Er lächelte, küsste sie noch einmal und schloss die Augen und starb. Sekunden später hörte auch ihr Herz auf zu schlagen. Zurück blieb nur das Lächeln in ihren Gesichtern das zeigte wie glücklich sie miteinander waren.
Und Jeder der zu dieser Zeit in den Himmel geschaut hättem hääte gesehen wie zwei Sterne aufleuchteten, sich aufeinander zubewegten als würden sie sich küssen und dann zu einem verschmolzen.
Wie hatten sie gesagt:
Ich lass dich nie mehr alleine.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.03.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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