Christa Astl

Fritz will hoch hinauf



 Eine Kindergartengeschichte

 

Ein richtiger Lausbub ist der kleine Fritz. Überall steigt er hinauf, überall ist er drin, die Mama hat genug Arbeit, um immer auf ihn aufzupassen. Deshalb ist sie froh, dass der Bub endlich in den Kindergarten kommt.
Dem Fritzl gefällt es gut bei den anderen Kindern, und auch die Tanten mag er gerne. Oft gehen sie in den Wald spazieren, und dabei kommen sie immer an einem Hochstand vorbei. Über eine steile Leiter kann man ganz hoch hinaufsteigen, und dann ist da droben ein Haus, wo sich die Jäger verstecken, wenn sie Rehe und Hirsche beobachten. Unser Fritzl möchte natürlich gleich hinauf, aber die Tante hält ihn am Jackenärmel zurück. „Das schaffst du noch nicht, dazu bist du noch viel zu klein!“ Der Fritz glaubt das natürlich nicht und denkt: Ich werds euch schon zeigen!
Bald darauf gehen die Kindergartler wieder denselben Weg, und da will er es probieren. Der Fritz bleibt ein wenig zurück, und dann huscht er schnell, hopp hopp hinüber zu dem Baum. Er muss sich ganz fest strecken, um die erste Sprosse der Leiter zu erreichen, aber er schafft es. Seine ganze Kraft braucht er, um höher zu kommen, Riesenschritte muss er machen, die Arme strecken, dass ihm vorkommt, er ist ein Stück gewachsen. Ganz langsam, ganz vorsichtig steigt er höher und höher. Endlich ist er droben und kann in das Haus hineinschlüpfen. Vorne ist eine offene Tür mit einem Geländer, rundum sind Fenster zum Hinausschauen. und innen ist eine Bank zum Sitzen. Fritz rastet ein wenig, er ist doch ein bisschen müde geworden. Dann aber lehnt er sich an das Geländer und schaut weit in die Ferne. Seine Kindergartler sieht er als kleine Punkte tief unten, wie sie weiter gehen. Rund um ihn fliegen die Krähen, so groß sind die von hier aus!!
Dann möchte er wieder hinunter. Er geht zum Eingang, aber auf einmal weiß er nicht mehr wie tun. Die Beine zappeln in der Luft, er findet keinen Halt. Er versucht es anders, da findet er nichts zum Einhalten, es ist zum Verzweifeln, er kommt nicht mehr herunter. „Ich ruf nach der Tante“, denkt er, aber niemand hört ihn. Da packt ihn die Angst, und die Krähen über ihm schreien, als ob sie ihn auslachen. „Hoffentlich beißen die mich nicht! Ob die mich auffressen, wenn sie Hunger haben?“ Voller Angst verkriecht sich unser Lausbub unter der Bank, damit ihn keine Krähe sieht, und damit niemand sieht, wie ihm die Tränen über die Wangen herunter kugeln.
Ewiglang sitzt er so droben auf seinem Baum. Die anderen haben ihn vergessen, er wird sein Leben lang da oben bleiben müssen, bis er verhungern.
Plötzlich hört er Stimmen, und diese Stimmen rufen seinen Namen. „Hier bin ich!“ Erschrockene Köpfe drehen sich nach oben. „Ja, Fritzl, was machst denn du da oben? – Steig herunter!" –   rufen und schreien alle durcheinander. „Jetzt kommst du aber sofort herunter!“ ruft nun die Tante ärgerlich. „Wir suchen dich schon seit einer Stunde!“ – „Ich kann aber nicht mehr…“ gibt der Bub kleinlaut zur Antwort.
Aufgeregt springt und schreit die kleine Schar um den Baum herum. Dem Fritz wird vom Hinunterschauen schon ganz schwindlig. „Müssen wir jetzt die Feuerwehr holen?“ - "Muss er jetzt immer da droben bleiben?“ – „Wart halt, bis der Jäger kommt!“ so reden und plärren alle durcheinander. Die Tante sagt gar nichts. Aber sie tut etwas. Ganz langsam und vorsichtig steigt sie Sprosse für Sprosse die hohe Leiter empor. Mäuschenstill wir es unten, die Kinder getrauen sich fast nicht zu atmen. „So, Fritzl, jetzt komm, herunter tragen kann ich dich nicht, hinauf bist du ja auch selber gestiegen!“ - Sie dreht ihn richtig, dass er auf dem Bauch liegt und mit den Füßen voraus hinunter kann. Dann hält sie ihn, bis er die oberste Sprosse erreicht. Und dann muss er Schritt für Schritt langsam und vorsichtig oberhalb der Tante die Leiter hinunter steigen. Das ist fast noch schwerer als das Hinaufklettern!
Ist das eine Freude und ein Jubel, als die Zwei endlich wieder auf dem Boden stehen. Von allen Seiten werden sie umringt, umarmt und dann geht es im Triumphzug heimwärts. Die Tante ist natürlich der große Held.
Ein Lausbub ist der Fritz wohl geblieben, aber sooo frech und waghalsig war er nicht mehr.
 
 
ChA 09.02.2008

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.03.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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