Erika Schmidt

Muttertag

Es ist zwar noch eine Weile Zeit bis zum Muttertag, aber ich habe mir mal so meinen Gedanken darüber gemacht.
Der Muttertag ist für mich eigentlich nur ein Tag für die Geschäfte. Die Süßigkeitenindustrie und die Blumenladen haben da ihre besten Einnahmen. Auch finde ich, daß man das ganze Jahr über mal an die Mutter denken sollte.
Als ich selbst noch ein Kind war, wurde für die Mutti immer was gebastelt, ein Blumenstrauß von der Wiese gepflückt und ein Gesicht vorgetragen, Geld hatte ich ja nicht. Die Mama hat sich "riesig" gefreut und das Ganze dann in einem Schrank ganz hinten verstaut. Ich weiß das so genau, denn als meine Mutter starb, fand ich im Schrank hinten die ganzen, liebevoll gebastelten Gaben. Sie hatte sie alle aufgehoben.
Später dann, als ich auch eine junge Mutter war, habe ich mich über eine Kleinigkeit, und auch über selbst gebasteltes immer gefreut. Schon deshalb, weil die Kinder schon tagelang vorher große, heimliche Vorbreitungen hatten. Dann sind die Kinder aus dem Haus und haben selbst eine Familie gegründet. Ich habe meinen Kindern dann immer gesagt: Laßt das Schenken sein, das ist nur Geschäftemacherei. Denn eine Mutter ist nicht nur einmal im Jahr "Mutter" sondern eigentlich doch immer. Im Laufe der Jahre haben die Kinder sich auch daran gehalten. Es kam aber immer ein Anruf zum Muttertag, über den habe ich mich stets gefreut.

Letztes Jahr war das anders, da kam an diesem Tag kein Anruf. Ich habe mich doch etwas gewundert. Obwohl ich immer glaubte keinen Wert darauf zu legen, muß ich gestehen, daß ich doch ein bißchen enttäuscht war. Ich verstehe mich mit meinen Kindern bestens, und ich bin auch immer für sie da. Den ganzen Tag habe ich mir dann eingeredet: Ist schon ok, du willst ja keinen Muttertag. Aber heimlich wartete ich doch auf einen Anruf. Spät am Abend rief dann mein Sohn an. Er entschuldigte sich, weil er es fast vergessen hatte. Schön, dachte ich, wenigstens einer. Von meiner Tochter kam nichts.
Ein paar Tage später als wir uns trafen, habe ich so nebenbei erwähnt, daß ich mit ihrem Bruder am Sonntag gesprochen habe. Da meinte sie nur: Stimmt ja, da war ja Muttertag, da waren wir beim Essen. Jetzt war mir klar, vergessen hatte sie den Tag nicht, nur vergessen bei mir anzurufen. Auch wenn ich es nicht zugeben wollte, es tat schon ein bißchen weh. Ich machte meiner Tochter keine Vorwürfe, und sagte nichts.

Nun ist es ja bald wieder soweit. Bin mal gespannt, wie es dieses Jahr wird. Sagen werde ich nichts. Ich werde auch weiterhin immer für sie da sein wenn sie mich braucht, was häufig der Fall ist. Schließlich ist sie meine Tochter und selber Mutter. Und Geschenke will ich so wie so nicht haben, nur einen ganz kleinen Anruf vielleicht ,   -  zum Muttertag.




geschrieben von Erika Schmidt

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.04.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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