Wolfgang Küssner

Das Chile-Haus

~~Ein möglicher Weg von der geschäftigen Hamburger Innenstadt in die historische Speicherstadt führt durch die kurze Mohlenhofstrasse und das Chile-Haus. Es sind nur wenige hundert Meter, vorbei an Weinhandlung, Antiquitätengeschäft, Erika´s Imbiss, einer Schwulenbar, einem Tabakwarenhändler, Geschäft für Berufskleidung, einem Schuster, einer Obtshandlung, Reinigung, Asia-Imbiss, Kneipe, Apotheke und einer Dependence der Stadtbäckerei incl. Cafe.

In diesem Cafe habe ich häufig eine Mittagspause bei einer Tasse Kaffee und einem belegten Brötchen mit Räucherlachs oder Schweinebraten, thüringer Mett oder Forelle, Schnittei oder Krabbensalat etc. zugebracht. Gerne habe ich hier Brot z.B. mit Haselnüssen für den häuslichen Gebrauch gekauft.

Auch heute sitze ich im Cafe als am Tisch neben mir zwei ältere Damen Platz nehmen. Da die Distanz zwischen den Tischen nicht sehr gross ist, werde ich Zeuge folgenden Dialogs:

Sagt die grauhaarige – offensichtlich Hamburg-kundige - Dame zur anderen: „So, jetzt haben wir uns die Mönckebergstrasse angesehen und ein wenig Geld ausgegeben. Nun werden wir erst einmal eine stärkende Tasse Kaffee trinken und dann gehen wir weiter zum Chile-Haus.“

Die andere Dame ist offensichtlich nicht ganz so kundig und stellt die Frage: „Das Chile-Haus, was ist das?“ Die klare und umfassend aufklärende Antwort der grauhaarigen Hamburg-Kennerin: „Spitz!“

Keine weiteren Fragen. Denn in der Tat, das Chile-Haus ist spitz. Es soll an einen Schiffsbug erinnern. Erbaut wurde dieses Hamburger Kontorhaus in den Jahren 1922 bis 1924. Der Architekt Fritz Höger verwendete Bockhorner Klinker für den Bau. Der Bau ist eine Ikone des Expressionismus in der Architektur. Das Chile-Haus ist eines der ersten Hamburger Hochhäuser mit 5.950 qm Bürofläche. Und warum trägt es den Namen „Chile-Haus“? Der Bauherr Henry B. Sloman war durch den Salpeter-Handel ( ein Felsensalz )mit Chile zu Ruhm und verdammt viel Geld gekommen.

Dezember 2014
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