Meinhard Pahlke

Die Abenteuer eines Seefahrers

die Abenteuer enes Seefahrers

wenn ein Fahrer  sein Auto verliert ist das schmerzhaft.  Wenn ein Hausbesitzer sein Haus verliert ist das noch schlimmer. Wenn aber ein Seemann sein Schiff verliert ist das eine Katastrophe, denn das Schiff ist Heimat, Wohnort und Arbeitsplatz für den Seemann.  Es ist deshalb erst einmal ein Schock an einem heißen Tag  in Westafrika an die Pier zu kommen und festzustellen daß das Schiff weg ist. Erst in diesem Moment stellt der Seemann fest wie sehr er dieses Schiff geliebt hat. Er hat mit ihm gesprochen und das Schiff mit ihm denn das Schiff hatte eine Seele. Nicht so wie moderne Frachter heute die tausende Container in Expresszeit von hier nach da transportieren und wo es garnicht mehr möglich ist den Dampfer zu verlieren denn der legt an einem speziellen Containerpier weit draußen vor dem Hafen an und wenn einer auf die Idee kommen würde nach menschlichen Behausungen zu suchen oder sogar ein bisschen Vergnügen nach wochenlangem Turn von Asien nach Europa brauchte garnicht mehr an die Pier zurück gehen weil in der Zeit computergesteuerte Greifer alle Container entladen haben und weil Time Money ist und der Dampfer auf noch mehr Profit für die Gesellschaft fahren muss wird abgelegt wenn der letzte Container noch am Haken hängt, egal ob alle da sind oder nicht. Deshalb müsste ein Schiff eigentlich einen Alarm auslösen wenn es merkt das ein Mann der Besatzung fehlt. Dann würde eine Sirene losgehen und ob der Seemann gerade irgendwo sein Bier trinkt oder sich mit einem schönen Mädchen vergnügt und deshalb die Zeit vergißt würde er doch das Tüffon hören und sofort zum Schiff zurück laufen um nicht "Achtern raus zu segeln "  was soviel heißt, daß man die  Abfahrt verpasst hat.
Zuerst will man es nicht glauben, daß da ein anderes Schiff gemütlich am Pier liegt wo vorher noch sein Dampfer gelegen hat und hofft noch, daß man sich womöglich an der Pier vertan hat und der bekannte Schornstein irgendwo in der Nähe auftaucht und man freudig loslaufen kann um wieder " zu Hause "  zu sein. Aber dann registriert das Gehirn unbarmherzig die Tatsache daß man "achtern raus gesegelt" ist und macht erst einmal Bestandsaufnahme was man noch alles nach einer wilden Nacht in den Taschen hat und stellt fest, daß das Geld drauf gegangen ist und die Zigaretten auch nur noch für einige Stunden reichen wenn sie rationell eingeteilt werden denn wer hätte denn daran gedacht, daß seine Kabine weggeschwommen ist wo in den Schubladen Rauchwaren in Hülle und Fülle und Geld und Papiere waren und man sich keine Gedanken um den nächsten Tag machen mußte weil Frühstück, Mittag und Abendessen geregelt waren und man sich Nachts sorgenfrei in seine Koje legen konnte. Erst da fällt einem auf, daß  ja sein Seefahrtsbuch an Bord ist wo es sicher im Schrank des Kapitäns liegt. Das nützt jetzt aber wenig denn man ist jetzt quasi illegal in einem fremden Land ohne Papiere, ohne Geld und ohne Unterkunft und das tut erst einmal weh. Erst in diesem Moment fällt es dem Seemann auch ein , daß er eigentlich auf dem besten Schiff der Welt war was nun weg ist und daß er dort nur schöne Tage hatte.
Aber der Seemann ist erfinderisch . Er muß noch bei Windstärke  Elf seine Arbeit verrichten wenn sich dabei ein Landbewohner vor Angst in die Hosen machen würde und in wenigen Tagen Sommer und Winter erleben. Er muß Dinge ertragen die jedem Stadtmenschen fremd sind und ist an Härte gewöhnt.
Nachdem ich das alles registriert hatte besah ich mir den Dampfer etwas näher. Ein Ostzonaler aus der DDR mit Heimathafen Roststock. Und weil ich in diesem Moment auch noch Hunger bekam nahm ich Anlauf und  enterte über die ausgefahrene Gangway an Bord . Es zahlte sich aus, daß wir zusammen Deutsche waren und die gleiche Spache sprachen. So gab es keine Probleme mit dem Koch zu sprechen und dabei an ein ausgiebiges Frühstück zu kommen , auch wenn die Zeit bereits vorbei war denn wir waren  alle Seeleute und deshalb  eine Familie, egal ob Ost oder West . Danach fühlte ich mich schon etwas.  besser und die Welt sah nach einigen Spiegeleiern mit Schinken und zwei Pott Kaffee schon besser aus. Und nachdem ich wußte, wo das Mittagessen gesichert war und mich der Koch noch mit Zigaretten versorgt hatte die ich im normalen Leben nie geraucht hätte, aber nun ganz passabel schmeckten, ging ich die Sache an und begann mich in der neuen Situation zurecht zu finden.
" Wieviel Franc wollen Sie ? "  fragte der Schiffshändler. " 10.000 "  antwortete ich, denn das war nicht so viel wie es sich anhörte, würde mir aber über die nächsten Tagen helfen nicht ganz mittellos herum zu laufen denn innerlich hatte ich mich bereits damit abgefunden die nächsten Tage im Hafen zu beleiben. " " " Dann hätte ich gerne Ihr Seefahrtsbuch ".  
" Mein Seefahrtsbuch ist auf meinem Schiff, und mein Schiff ist weg "  meinte ich.
" In diesem Fall kann ich Ihnen kein Geld geben " bedauerte der Mann, " da rate ich Ihnen zur deutschen Botschaft zu gehen. Der Botschafter hilft Ihnen "
Zunächst hörte sich der Vorschlag ganz gut an, denn der Seemann ist gläubig  und glaubt noch an das Gute im Menschen und das ein deutscher Botschafter in einem fremden Land einem deutschen Seemann in einer schlimmen Situation tatsächlich hilft.
" Und in welcher Angelegeneit wollen Sie mich sprechen ? " blaffte mich der Vertreter deutscher Interessen im Ausland an und wedelte ungehalten mit dem Stück Papier auf dem ich ausfüllen sollte warum ich hier war. Ich hatte Passschwierigkeiten als Grund eingetragen womit der Botschafter wohl nichts anfangen konnte und mir wurde im gleichen Moment schmerzlich klar, daß ich hier falsch war. Es kam aber noch schlimmer.
" Meine Schwierigkeit besteht darin, daß ich gar keinen Pass habe weil mein Pass auf meinem Schiff ist was in der letzten Nacht ausgefahren ist ohne mich mit zu nehmen " . 
" In diesem Fall wundere ich mich, daß Sie noch nicht wegen Landstreicherei verhaftet worden sind "
Jetzt wußte ich, daß die Sache für mich brenzlig wurde denn dieser Mann, von dem ich Hilfe erwartet hatte erwies sich als brandgefährlich . Ich hatte zwar mein Schiff verpasst was schlimm genug war aber ich war noch garnicht auf die Idee gekommen, daß ich damit gleichzeitig zum Landstreicher geworden war weil Niemand, der seinen Pass zu Hause in der Schublade liegen hat und durch die Stadt läuft  automatisch ein Landstreicher ist. Die zwei Stunden die mich diese Eskursion gekostet hatte war vergeblich gewesen und hatte wertvolle Zeit verschwendet die ich brauchte um aus der Sache heraus zu kommen.
Ich ging aus diesem Grund auf Rückzug, machte noch einige Bemerkungen von Position auf meine Steuern und war froh aus diesem ungastlichen Haus ohne größeren Schaden heraus zu kommen.
Um eine Erfahrung reicher machte ich mich wieder auf den Weg zum Hafen weil ein Hafen Heimatähnlich ist und weil es der einzige Ort in diesem Land war an dem ich mich zurechtfand ohne wegen Landstreicherei verhaftet zu werden.  
" Hallo Chief "  Der Einheimische stand breit lachend vor mir und schien auf mich gewartet zu haben.  Ich erwähnte bereits, daß ein Seemann gläubig und abergläubig ist und ein richtiger Kapitän niemals an einem Freitag den Dreizehnten  auslaufen würde weil das Unglück bedeutete. Ich hatte an diesem Morgen Glück. 
" mein Schiff ist weg "
" ich weiß, aber vielleicht weiß ich eine Lösung für Dich "
Ich dankte Gott, daß ich diesem Mann am Vortag zwei Schwarzbrote geschenkt hatte um die er mich gebeten hatte. Gutheit zahlte sich in diesem Moment für mich aus und dieser einfache Mann erwies sich im Gegensatz zu meinem Staatsvertreter als wirkliche Hilfe.
" Ich freue mich echt Dich wieder zu sehen " sagte ich und war gespannt darauf was er vorzuschlagen hatte.
" Heute Nachmittag kommt noch ein deutsches Schiff " .  Er hatte alle Schiffsbewegungen im Kopf denn davon lebte er und wusste genau wer wann hereinkam und welcher Dampfer wann ausfuhr und wohin.  "und ich glaube, daß es auch nach Guyana fährt "
Ich kam mir vor als hätte ich im Lotto gewonnen. Ich konnte mein Glück kaum fassen " per Anhalter " einige tausend Kilometer weiter in ein Land zu kommen wo nur wenige Frachter hinfahren . So einen Zufall konnte es doch garnicht geben, aber der Herr war mir hold und ein paar Stunden später stand ich einem Kapitän der Deutsch-Westafrica-Linie gegenüber der Verständnis für meine Lage hatte.
" Was sage ich dem deutschen Botschafter ? " 
" Schicke ihm eine Ansichtskarte ". Und ehe ich´s vergesse. " Zu rauchen hast Du sicher auch nichts mehr" griff er in seinen Zollschrank und gab mir eine Stange Zigaretten. 
" Wieviel Knoten macht ihr ? "
" Ungefähr zehn, mit Rückenwind maximal zwölf "
" Da sind wir um Einiges schneller und holen Deinen Dampfer vielleicht sogar noch ein " Er lachte, " und geh nicht so weit weg an Land denn wir legen in drei Stunden wieder ab und ich möchte nicht, daß Du nochmal einem Schiff hinterher winkst " 
An Bord bekam ich die Krankenkabine und fühlte mich wie ein Urlauber der eine Seereise genießt. Als ich zum Abendessen in die Messe kam erlebte ich die nächste Überrascchung, denn der Bootsmann begrüßte mich in Wiedersehensfreude. Wir hatten uns vor einem oder zwei Jahren in der Karibik in Haiti kennen gelernt wie sich Seeleute eben kennenlernen die gemeinsam in einem Hafen liegen.  Wo kommt ihr her und wo geht Ihr hin und daß in der oder der Bar in dem oder dem Hafen etwas los ist oder nicht . Der Seemann ist ja der toleranteste Mensch der Welt und gäbe es mehr davon wäre die Welt ohne Krieg denn der Seemann interessiert sich nicht um Politik. Ihm ist es egal welche Hautfarbe ein Mensch hat und zu welchem Gott er betet wenn er nur etwas Freude in dem Hafen hat wo er gerade liegt. Häfen wie New York, London oder Rotterdam sind deshalb völlig uninteressant weil sie unpersönlich sind und teuer. Auch Fracht, welche für arabische Länder bestimmt ist und das Schiff weit draußen auf Reede liegt weil es keinen richtigen Hafen mit Pier und so gibt ist kein Favorit nach dem Motte " Was soll der Seemann nach Land ausgehen, er kann das Land vom Schiff aus sehen " Da freut man sich auf Reisen zu Häfen in Südamerika wo es nicht so hektisch zugeht und schon einmal zwei Wochen Liegezeit an einem Stück drin sind sodaß man schon fast als verheiratet gilt wenn es wieder raus geht. Dann wird noch richtig geheult und man hat dem Mädchen gerne seine Dollars gegeben damit sie ihre Familie ernähren kann. So sind die Mädchen glücklich und die Seeleute .
Nach einigen Tagen unbeschwertem Nichtstuen war die Reise zu Ende und wir fuhren in Conakry, dem einzigen Hafen in Westguyana ein wo ich an der Reeling stand und ungeduldig den Schornstein von meinem Schiff suchte. Der Schornstein ist so etwas wie die Visitenkarte des Schiffes denn da kann man an den aufgemalten Emblemen erkennen für welche Reederei das Schiff fährt . Zu dieser Zeit konnte man bei näherem Hinsehen auch noch erkennen woher das Schiff war weil der Schiffsname und der Hafen groß auf das Heck aufgemalt waren. Heute ist das nicht mehr so sicher weil die Reeder Sicherheitsvorschriften umgehen wollen die Geld kosten und um noch mehr Profit zu machen ihre Schiffe ausmustern und in Billigstaaten registrieren um möglichst wenig Steuern zu zahlen und nur noch Matrosen aus Billigländer einzustellen.Aus diesem Grund haben Griechenland , Cypern und Liberia die größte Flotte der Welt.
Ich suchte vergeblich im Hafen die Schornsteine ab und ahnte noch nicht, daß wir während meiner Abwesenheit verkauft worden waren . Ich wollte schon resignieren als der Erste Offizier auf mich zukam und mir sagte, daß ich mit ihm  gehen sollte . Er wußte wo mein Schiff lag und  wolle mich begleiten weil ich als blinder Passagier ohne Papiere im Hafen angekommen war und ohne seine Hilfe eine Menge Probleme bekommen würde wenn das von der Behörde bemerkt würde.
Aber das Glück war auf meiner Seite und ließ mich nicht im Stich bis ich meinen Dampfer entdeckte wo ich schon vom Weiten die Matrosen entdeckte die auf Gerüsten rund um den Schornstein turnten und munter das neue Emblem aufmalten.
" Tausche eueren Mann gegen eine Flasche Whisky " 
Mein Kapitän staunte nicht schlecht als ich in Begleitung des fremden Offiziers an Bord kam. Den Whisky brachte ich dann persönlich am Abend rüber und bedankte mich nochmals.  Und am nächsten Tag, an meinem Geburtstag blutete ich heftig weil ich zwei Besatzungen freihalten musste die auf meine Kosten mit chinesischem Bier feierten.

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Meinhard Pahlke).
Der Beitrag wurde von Meinhard Pahlke auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.05.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • meinhard.brohl2freenet.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Meinhard Pahlke als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Inmitten der Gesellschaft: Gedichte und Texte von Max Vödisch



Bei meinen Gedichten handelt es sich größtenteils um gesellschaftskritische und zeitlose Lyrik.
Bürgerliche Vorurteile und Verhaltensmuster, eigene Erfahrungen, Wünsche, Träume Zweifel, Niederlagen, Sehsüchte und Ängste, sowie die Suche nach Frieden, Glück, Gerechtigkeit und Zufriedenheit charakterisieren die Texte dieses Buches.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Spannende Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Meinhard Pahlke

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der Hase Fridolin, oder wie der Osterhase zu den Menschen kam von Meinhard Pahlke (Kinderträume)
... und ist vermutlich bewaffnet von Ingo A. Granderath (Zwischenmenschliches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen