Dieter Fetzer

An einem Ort von gestern

Ruhig lag das abgelegene Dorf da, inmitten eines breiten Tales, vom Mondschein schwach erleuchtet. Es sah aus, als habe es die letzten 20 Jahre überdauert. 

Der Verkehr hatte eine nächtliche Pause eingelegt. Die Menschen schliefen noch in ihren Betten. Nur einer war schon auf den Beinen: Karl Michler, seines Zeichens Frühaufsteher vom Dienst und Förster. Er wollte rechtzeitig auf die Pirsch gehen und von seinem Jagdstand aus die Tiere und Geschehnisse im nahen Wald beobachten.
Mit seinem Jeep erreichte er den Parkplatz, der nah am Wald gelegen war, innerhalb von 10 Minuten.
Er bezog den Försterstand mit seinem Marschgepäck, seinem Jagdgewehr sowie einem Präzisionsfernglas. Gestern hatte er die Spur eines verletzten Tieres aufgenommen, mußte die Suche jedoch kurz vor der einbrechenden Dunkelheit aufgeben, da sie sich im dichten Gestrüpp verlor.
Seit einiger Zeit hatte er eine vage Vermutung. Er nahm an, dass es sich um einen Wilderer handelte. Immer wieder verschwanden vor allem Hirsche und Wildschweine aus seinem Revier. Das Ganze hatte er bis jetzt aber nicht publik gemacht, um den Wilderer nicht abzuschrecken.
Kurz vor  5 Uhr morgens erschien auf der Lichtung vor ihm ein Achtender – ein besonders prachtvolles Exemplar seiner Sorte. Stolz schritt dieses Tier gemächlich über die Lichtung, doch kurz bevor es dessen Ende erreichte, fiel es um. Der Hirsch brach in sich zusammen und blieb auf der Seite liegen. Ein Einschussloch im Kopfbereich deutete daraufhin, dass der Wilderer wohl einen Schalldämpfer benutzt hatte.
Bis zur letzten Sehne war Karl gespannt, was jetzt geschehen würde. Durch sein Nachtfernglas konnte er sehen, wie eine Person im grauen Lodenmantel mit Hut und Tarnfarbe im Gesicht kurz darauf die Lichtung betrat.
Sie schaute sich rechts und links um, begab sich dann schnellen Schrittes zu dem erlegten Tier und begann es auszuweiden. 
Kurz darauf brach ein Bär aus dem Dickicht. Er hatte es wohl auf den Hirsch abgesehen, dessen Witterung er aufgenommen hatte. Der Wilderer hatte nicht den Ansatz einer Chance, noch zu flüchten. Sein Leben lief noch einmal vor seinen Augen ab. Da durchbrachen mehrere Gewehrschüsse die Stille des Waldes. Karl hatte binnen weniger Sekundenbruchteile die Situation erkannt und musste den Wilderer wohl oder übel retten. Ein Warnschuss allein hätte nicht genügt, da der Bär das Blut des erlegten Tieres gerochen hatte und offensichtlich sehr hungrig war.
Der Bär fiel ein paar Meter vor dem Wilderer tot zu Boden. Dieser konnte jedoch im Dämmerlicht nicht erkennen, woher die Schüsse genau gekommen waren. Außerdem war ihm durch das plötzliche Auftauchen des Bären ein Riesenschreck in die Glieder gefahren.
Diesen Schreckmoment nutzte der Förster, um sein Versteck zu verlassen und den Wilderer dingfest zu machen.
Er schlug den Wilderer mit dem Gewehr von hinten zu Boden und fesselte ihn mit einem Seil an Händen und Füßen.
Anschließend informierte er die ortsansässige Polizei per Handy, die kurz darauf am Tatort erschien.

Für den Abtransport des Bären und des Hirsches sorgte ein befreundeter Bauer mit seinem Traktor und einem Anhänger.
Die Polizei fand auf der gegenüberliegenden Seite des Waldes das Fahrzeug des Täters, in dem sie noch mehr Blutspuren fand, die später als Tierblut identifiziert wurden.
Der Wilderer musste mit einer langjährigen Gefängnisstrafe rechnen, aber die war ihm wohl weitaus lieber als sein Leben zu verlieren.
Er gestand, die Wilderei aus Armut begonnen zu haben, da er weder einen Job noch irgendwelche Verwandte hatte, die ihm helfen konnten. Er gab sogar zu, noch in anderen Revieren gewildert zu haben. Durch sein Geständnis blieb ihm dann doch die Höchststrafe erspart.
Am Ende musste er froh sein, dass Karl Michler auf ihn aufmerksam geworden war und durch sein beherztes Eingreifen Schlimmeres vereitelt hatte.
Karl war erleichtert, dass alles so glimpflich verlaufen war und konnte endlich seinen normalen Arbeitsalltag, der normalerweise  erst um 8 Uhr begann, wiederaufnehmen.

TheFeather











 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.05.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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