Wilhelm Westerkamp

Moral - ein ewiger Fallstrick?

Sie lächelten sich angewidert an, so als seien sie „Feinde fürs Leben“. Vielleicht konnten sie sich ja aus einem bestimmten Grund nicht so recht leiden. So kamen sie auch moralisch gesehen nicht auf einen Nenner und knobeln deshalb fleißig um die Wette, wer denn wohl der „Moralste“ von ihnen sei. Die sich so ausgesprochen moralisch fühlen - geben sich scheinheilig-  als seien sie „moralische Menschen erster Klasse“, die über jeden Zweifel erhaben sind. Sie zeigen deshalb auch gerne anders Denkenden den drohenden Zeigefinger und das mit einer moralischen Haltung, der das Gewissen des Gegenübers treffen soll, wie eine Gewehrkugel so schnell und womöglich auch genau so treffsicher.
Wenn sich das Gewissen bei einer Person meldet und vielleicht dazu noch ein schlechtes, welches sie dazu veranlassen könnte, zu prüfen, welch schlechte Gedanken sie denn malträtieren. Jene Person könnte es dazu bringen, Hilfe zu holen, wenn ihn sein Gewissen derart plagt. Moral und Gewissen, scheinen also eng miteinander verwoben, so das man hierbei von einer Symbiose sprechen kann. Sollte also die Moral von einer Person durch eine andere Person unter Feuer gestellt werden, wird prompt das Gewissen Desjenigen alarmiert, so das eine gewisse Unruhe durch die grauen Zellen entsteht, welche versuchen werden, das nun „schlechte Gewissen“ zu ermitteln, um bald schon wieder, ein wenig Ruhe in das Gemüt der betreffenden Person hinein zu bekommen.
 Moral regt den Menschen also an, aber das Gewissen meldet sich immer dann, wenn das moralische Gemüt zu wackeln beginnt. Das Gewissen erzeugt also Schuldgefühle, die die betreffende Person unruhig werden läßt, so unruhig und massiv, dass das Gewissen einer Person so erschüttert werden kann, das es keine Ruhe mehr findet. Vielleicht ähnlich eines Psychiatrie-Patienten, der aber aus anderen Gründen starke Unruhe verspürt, die wohl von einer Stoffwechselstörung her stammen.
Auch Moralisten wie der kürzlich verstorbene Nobelpreisträger Günter Grass, müssen ein schlechtes Gewissen gehabt haben, haben sie sich doch ständig mit den Fragen der Moral auseinander gesetzt. So das ihre eigenen Moralvorstellungen vermutlich allzu streng ausgelegt waren, so das sie sich deshalb schnell schuldig gesprochen haben, da ihr ambivalentes Gewissen, sie dazu genötigt hat, ständig schlechte Gedanken zu haben, gibt es kaum ein Entrinnen aus diesem Dilemma.
Moral, ist ein sittenstrenges Instrument, das manchmal sicher seine Berechtigung hat und von diversen Schriftstellern aufgegriffen und publiziert wurde. Sollte dies scheinheilige Instrument jedoch nur schwach dosiert auftreten – und wenn es zu vermeiden wäre- auch ganz weggelassen werden könnte, denn „Moral-Debatten“ gibt es schon zu viele in den Medien – und weniger, wäre hier sicher mehr! Doch die menschliche Moral hängt wie ein blitzendes Schwert einem seelenruhig im Genick, bis das Schwert zusticht und die eigene Moral, einem glatt das Genick bricht. So gesehen ist die Moral ein gefährliches Instrument, welches einige Übung voraussetzt, um sie richtig anzuwenden. Denn niemand würde wohl freiwillig in den Sog der Moralisten geraten. Denn Moral kann tödlich sein, besonders aber für Menschen, deren Moral zweifelhaft erscheint.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.07.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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