Wolfgang Küssner

Kleine Urlaubs-Geschichten 1 - Ein Thailand-Mosaik

Die Bucht
Die Präsentation der „Whitening Creams“ erfordert in den ört-lichen Supermärkten deutlich mehr Regalfläche, als die für Sonnenschutzmittel. Nicht wenige Thais sind von Tannen und Tulpen fasziniert, hätten gerne eine lange Nase und europä-ische Augen, würden gern einmal Schnee berühren und sehnen sich nach weisser Haut. Soviel zur Erklärung des Angebots.

Es ist für viele Thais unverständlich, warum Langnasen aus Europa, den USA oder Australien 30.000 Baht und mehr für einen Flug ausgeben, nur um anschliessend in der Sonne zu liegen und zu bräunen. Wenn ein Einheimischer schon an den Strand muss, dann doch eher kurz vor Sonnenuntergang; aber auf jeden Fall muss es schattig sein.

Hier auf Phuket haben viele Strände ein üppige Vegetation, die mal mehr, mal weniger Schatten spendet. Im kleinen Schatten-bereich einer Kokospalme zu liegen ist in der Zeit der Frucht-reife nicht ganz ohne Risiko. Obwohl die Einheimischen immer wieder erklären, Kokosnüsse hätten immerhin drei Augen und würden beim Herabfallen somit intensiver auf Menschen unter ihrem Baum achten. Naja.

Riesige Kasuarinen spenden durch ihre kräftigen Stämme fast mehr Schatten, als durch ihr Tannennadeln ähnliches Blätter-dach. Die Schraubenbäume der Gattung pandanus odoratis-simus  mit ihren markanten Stützwurzeln sind da schon deutlich ergiebiger. Doch hier ist ebenso Achtsamkeit angesagt, denn wenn ihre der Ananas etwas ähnlichen Früchte zur Reife gelan-gen – an dem kräftigen Rot-Orange zu erkennen – sind sie heissbegehrtes Ziel vieler flinker, grauer Zwerghörnchen, denen die Zapfen ausgesprochen gut zu munden scheinen. Und die Reste einer Mahlzeit rieseln nach unten und treffen eventuell den Touristen auf seiner Sonnenliege.

Und so richtig Schatten – wie die Thais es mögen – spendet der Barringtonia asiatica. Ältere Nordeuropäer mögen sich beim Anblick dieser Bäume an die Gummigewächse auf den Nieren-tischen der 60er Jahre erinnert fühlen. Grosse Blätter, bis zu 40 cm lang und 20 cm breit, bilden bei dieser immergrünen Pflanze ein ausgesprochen üppiges und schützendes Blätterdach. Leider blüht dieser Baum nur nachts. Am Morgen danach sieht man viele Blüten, die mit ihren 10 cm langen Staubblättern an einen Pinsel erinnern, unter dem Baum liegen. Die sich danach langsam entwickelnden Früchte gleichen in ihren Formen nied-lichen, viereckigen  Lampions. Doch auch hier heisst es aufge-passt, denn die schon erwähnten Zwerghörnchen wissen auch diese Blüten und Früchte als Ernährungsangebot zu schätzen. Sie toben dann voller Freude und Begeisterung affengleich durch die Bäume und lassen die Reste - halt zu Boden fallen.

Spendet die Natur einmal keinen Schatten, so sind – nicht nur für Thais – Sonnenschirme ratsam. Die Sonne kann hier in der Nähe des Äquators sehr heiss werden, die Sandstrände so aufladen, dass man dort Spiegeleier bereiten könnte.

Blauer Himmel, Sonnenschein, warme Temperaturen, klares Wasser, laue Winde, ein Bad im Meer, ein Drink auf der Liege – Urlaub, Abschalten, Entspannen, Erholen, Energietanken........

Apropos Bucht: Fast 12 qkm Fläche, der Strand ca. 3000 Meter lang, an der Westküste liegend, im Rücken die kleine Stadt mit Bars und Restaurants, Shopping-Möglichkeiten und Massage-Salons und vor dem Urlauber tausende Kilometer Indischer Ozean. Da können Gedanken so richtig in die Weite schweifen.
 
Burmesen
Genau wie bei den Thais ist ihre Haut braun, ihr Haar kräftig und schwarz, zieren eine kleine Nase und Mandelaugen ihre Gesichter. Sie sind beide mehrheitlich Buddhisten mit einer jeweils kleineren Moslem-Population im Land. Die Sprache der Burmesen ist für die meisten Urlauber ebenso unverständlich wie die der Thais.

Doch anders als in Thailand gibt es in Myanmar nicht genug Arbeit und so suchen viele Burmesen ihr Glück im Nachbarland. Mindesten 2,5 Millionen dürften es sein, die in Thailand Häuser und Strassen bauen, auf Kautschuk- und anderen Plantagen, in Supermärkten, Restaurants und Wäschereien, bei der Müllab-fuhr, in Schlachthöfen und Reinigungskolonnen beschäftigt sind. Dürfte aus anderen Teilen der Welt nicht unbekannt sein.

Woran kann der Besucher die nun aber Burmesen erkennen? Die total eingenständige Sprache mit einer völlig anderen Typografie wäre eine – wenn auch nicht unkomplizierte - Möglichkeit. Doch die Erkennung ist  ganz einfach möglich: Während die Thais  Anweisungen geben, Reden halten, beob-achten, investieren, kontrollieren, monieren, reklamieren, antreiben, verdienen etc., sind es die Burmesen – die arbeiten und arbeiten und arbeiten und .....
 
Smiley
In den Wolken meinen wir manchmal Gesichter von Figuren zu entdecken. Hin und wieder begegnen uns gesichtlose Men-schen. Viele achten darauf, das Gesicht nach Möglichkeit nicht zu verlieren, weder das eigene, noch das des anderen. Haben Bäume auch ein Gesicht? Können sie eventuell sogar lachen? Der Leser mag diese Frage vielleicht für lächerlich, für abartig halten. Doch sie ist ernst gemeint. Das ist ja zum Lachen! Okay, dann hat diese kleine Geschichte ja schon etwas bewirkt.

Der Leser soll nicht lange auf die Antwort warten müssen: Ja, Bäume können ein Gesicht haben. Allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Das mit dem Gesicht trifft nicht für alle Bäume zu. Wenn aber Karin und Klaus mehrere Tage im Schatten eines Baumes erholsame Urlaubstage verbracht haben, dann hat dieser Baum anschliessend ein Gesicht, dann kann er sogar lachen. Wie das?

Beim leichten Rauschen der Blätter hätte der Baum lustigen Geschichten lauschen können. Die haben sich Karin und Klaus sicherlich in seinem Schatten erzählt. Ob der Baum zugehört, die fremde Sprache überhaupt verstanden hat, bleibt offen.

Die Erklärung liegt ganz woanders. Die beiden – also Karin und Klaus – haben häufig mittels Kaugummi zusätzliche Zahnpflege betrieben und ihre Bubble-Reste anschliessend nicht einfach irgendwo hingespuckt, sondern Stück für Stück ihrem schatten-spendenden Baum daraus einen Smiley auf die Borke geklebt. Und so bekam der Baum ein Gesicht, dazu ein lachendes.
 
Doppelripp
Moden kommen und gehen. Der Schlüpfer wurde 1914 einge-führt, Doppelripp mit Eingriff folgte in Deutschland 1951. Die Lehrer ermahnten seinerzeit die Kinder, doch mindestens einmal wöchentlich die Unterhose zu wechseln. Dabei konnte man sie doch kochen. Wie der Name sagt, wird die Unterhose eigentlich unter der Hose getragen. So war es zumindest vorgestern.

Aus den Doppelripp-Hosen wurden Pants und Slips, Boxer-shorts und Briefs, Strings, Tangas und Retroshorts und – sie wurden attraktiver und bunter. Doch dieser Modetrend war nur in den Dessous-Abteilungen und auf Grabbeltischen zu sehen. Ein Nachahmeffekt nicht gegeben. Also schauten sich Marke-ting-Strategen in der Welt um und entdeckten die amerika-nischen Gefängnissen, denn Gürtel durften die Insassen dort nicht tragen. So wurde immer ein Stück von dem Darunter, ob gewollt oder nicht, sichtbar. Da kam ihnen eine Idee und das werbeträchtige, sogenannte „sagging“ war geboren; auf gut Deutsch: Zeigt her eure Schlüpfer!

An den Stränden im warmen Thailand begegnet man Gästen aus allen Teilen der Welt. Hier wird täglich so etwas wie eine „sagging-Parade“ veranstaltet. Es kommt nicht mehr nur auf die Unterhose an, sondern das Logo auf dem Gummi ist von ent-scheidender Bedeutung. Und wer genau hinschaut sieht „Björn Borg“ und „Tommy Hilfiger“, „Diesel“ und „Versace“, „Calvin Klein“ und „Privat Structure“, „aussiebum“ und „Rosso“, „tiger of sweden“ oder „C-IN2“, „Adventure“ und, und, und.... Doch das gehört offensichtlich schon wieder zum Gestern.

Heute zeigen immer mehr Männer – so sieht wohl der neue Trend aus – wie lang doch so ein Oberkörper sein kann. Die Shorts sind noch tiefer gerutscht, es wird nicht nur das Unter-hosen-Logo  gezeigt, sondern auch Teile einer einst behaarten Körperzone. Ob dieser Trend jetzt „clean-shaven“ heisst, entzieht sich der Kenntnis des Schreibers. Er fragt sich eher, was wohl morgen sein wird.

Da es in Thailand sehr warm sein kann, sieht man nicht selten Urlauber im Bikini, in Bade- oder Unterhose durch die Strassen gehen, im Supermarkt einkaufen, oder Restaurants durch-queren. Die Hitze scheint für so wenig Kleidung bei den Touristen ursächlich zu sein. Und was geschieht, wenn es wenige Grade wärmer wird? Eine zusätzliche Motivation, gegen den Klimawandel aktiv zu werden.

Fortsetzung folgt.
Juli 2015
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