Wolfgang Küssner

Kleine Urlaubs-Geschichten 3 - Ein Thailand-Mosaik

Wolkenbruch
Das Restaurant hatte er gerade noch trockenen Fusses erreicht. Beim Aperitif fielen die ersten Tropfen, bei der Vorspeise regnete es heftiger, beim Hauptgericht wurde daraus kräftiger Regen und zum Dessert öffnete der Himmel seine Schleusen. Weinglas um Weinglas wurden geleert, der Wolkenbruch wollte und wollte kein Ende nehmen. Und während sich die Wolken ihrer tonnen-schweren Fracht entledigten, konnte die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr aufnehmen.

Wolkenbrüche dieser Dimension sind in der Zeit des Monsun kein Seltenheit; die auf den Strassen und Plätzen steigenden Wasserpegel gehören dazu. Ist so ein Unwetter normalerweise nach wenigen Stunden erledigt, so wollte es an diesem Abend nicht enden. Taxen, ob nun als Moped, Tuc-Tuc oder Auto konnten nicht mehr verkehren. Jet-Skis waren nicht im Angebot. Ein Fussmarsch im knietiefen Wasser zurück zum Hotel wäre bei unebenen Wegen mit tückischen Löchern ausgesprochen gefährlich gewesen. Was also tun?

Das zum Restaurant gehörende Hotel war ausgbucht, sonst hätte er ein Zimmer nehmen können. Noch ein weiteres Glas Wein? In der Hoffnung auf Besserung? Der Rezeptionist hatte die Idee. Ein kleiner, hochliegender LKW wurde geordert, Was-serstände von 50 cm konnten dem nichts anhaben.
Und so trat er – leicht vom Wein beschwingt und hoch auf dem Wagen sitzend – mit dem LKW die sichere Heimreise an.
 
Zum Kugeln
Zur Feier des Tages wollte er das Dinner heute mit einem Des-sert ausklingen lassen. Nach einer leckeren Eiscreme stand ihm der Sinn. Er gab dem Ober ein Zeichen und dieser kam wie gewünscht mit der Dessert-Karte.

Sowohl der Gast als auch die Bedienung waren nicht ganz der Englischen Sprache mächtig. So blieb das Gesicht des Kellners  ausdruckslos, als der Gast seinen Wunsch mit den Worten äusserte: „I like to have three balls ( der Finger zeigte auf die Eisabbildung der Karte ) – chocolate, vanilla and mango.“

Der Australier am Tisch nebenan konnte sich das Lachen nicht verkneifen; seine Gedanken musste man nicht erraten: „Hör dir den Alten an. Jetzt will er drei Hoden haben und die auch noch in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.“

Das Kugeln mit „balls“ könnte schmerzlich sein. Eiscreme-Scoops versprechen meistens mehr Genuss.
 
Gäste
Bei Familienveranstaltungen oder ähnlichen Ereignissen kann man sich seine Gäste aussuchen und einladen. Bei Staaten wird dieses schon etwas komplizierter, vor allen Dingen dann, wenn sie wirtschaftlich auf den Tourismus angewiesen sind. Da kann das Land dann nur hoffen, dass möglichst viele Menschen die Reise z.B. nach Thailand antreten. Und so kommen aus dem Reich der Mitte innerhalb von 12 Monaten etwa 5 bis 6  Millionen Urlauber ins Land. Nach 2 bis 3 Tagen Augenthalt treten sie meisten die Rückreise an. Muss man sich dafür auf Thailand vorbereiten? Die Chinesen reisen häufig zum ersten mal ins Ausland, Billig-Angebote machen es möglich. Ausser-dem kommen sie aus einer uralten Kultur-Nation, da weiss man / frau, sich auch in femden Ländern zu benehmen. Oder auch nicht.

Am 19. Februar fand 2015 das chinesische Neujahrsfest statt, ein Anlass für viele, einen Kurzurlaub zu buchen. Und so wurden in den Tagen vor dem Jahreswechsel 900 Flugzeuge mit Gästen aus China erwartet.

Dass sich diese Besucher in Thailand nicht besonderer Beliebtheit erfreuen, war der Regierung schon bekannt und so bat sie wenige Tage vor dem Ereignis ihre Landsleute, die Gäste aus dem Reich der Mitte doch freundlich zu empfangen, sie seinen schliesslich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Sollen die Thais wirklich freundlich sein, wenn die Gäste

  • sich nicht zu benehmen wissen
  • überall durch rüpelhaftes, rücksichtsloses und lautes Verhalten auffallen
  • ihren Müll auf Schritt und Tritt entsorgen
  • ihre Kinder in Swimming Pools urinieren lassen
  • Essenreste auf die Tische spucken
  • keine Trinkgelder geben
  • sich in Flugzeugen untereinander Schlägereien liefern
  • nasse BH´s und Schlüpfer in öffentlichen Warteräumen zum Trocknen ausbreiten
  • Toiletten in Tempelanlagen total verdrecken, dass diese stundenlang gereinigt werden müssen
  • Füsse in Handwaschbecken reinigen ( geht in Thailand gar nicht )
  • Hotelzimmer als Müllhalden hinterlassen
  • überall ihren Speichel hervorwürgen und hinspucken
  • Stewardessen mit kochendem Wasser übergiessen
  • Speiseeis in den Supermärkten solange öffnen und probieren, bis sie die richtige Geschmacksrichtung gefunden haben und dabei die angebrochenen Proben in die Kühlregale zurücklegen
  • in Hotelzimmern verbotenerweise Stinkfrucht verzehren     ( 3 Tage Lüftung sind anschliessend erforderlich )
  • sich überwiegend von Nudelsuppen und Chips auf den Zimmern ernähren
  • überall lärmen und fast immer in Gruppen auftreten
  • ihren Müll auf den Hotelfluren anonym entsorgen
  • eigene Trinkbehälter mit Frühstücksangeboten füllen
  • eine Buchung für 2 Erwachsene und 1 Kind vornehmen und beim Einchecken mit 3 Kindern an der Rezeption stehen ( hat halt zwei Freunde mitgebracht )
  • in Restaurants Papierservietten von einem Tisch nehmen, sich die Nase säubern und die Tücher dann auf einem anderen Tisch wieder ablegen
  • Hotelbalkone mit Wäscheleinen und Wäsche verunzieren
  • ohne Besteck oder Stäbchen die Nahrung direkt vom Teller in den Mund schlürfen
  • sich am Buffet in Mengen bedienen, die kein Magen aufnehmen kann
  • usw. usf. etc.... etc.
Das mit der Kultur der Chinesen muss schon viele Jahre zurückliegen. Was ist mit der Kultur der stolzen Thais? Wird diese auf dem Altar des schnöden Mammons geopfert?
 
Wahrsagung
Unter Casuarina-Bäumen haben Wahrsager ihr Quartier aufgeschlagen. Auf einer Bastmatte im Lotussitz verharrend, warten sie mit Karten und Notizblock auf neugierige Kunden. Was wird die Zukunft bringen? Ein wohl in vielen Teilen der Welt orakelhaftes Spiel.

Neben dem Wahrsagen und vielen anderen Möglichkeiten der Befragung, gibt es in den buddhistischen Tempeln die Möglichkeit, mittels Glücksstäbchen die Zukunft in Erfahrung zu bringen.

Kniend, vor einer Buddha-Figur, nimmt man ein Bambusgefäss, einem Becher ähnlich, zwischen die langgestreckten Hände. Das Gefäss beinhaltet dreissig dünne Bambusstäbchen, die an ihrem oberen Ende eine Ziffer tragen. Man beginnt nun vorsichtig das Gefäss zu schütteln, bis das erste Stäbchen herausfällt. Das Schicksal oder das Glück hat nun in Buddhas Nähe entschieden.

Zu den einzelnen Ziffern auf den Stäbchen gibt es in einer Box kleine Zettelchen mit den dazugehörigen erklärenden, aufklärenden, informativen Texten.
Die Ziffern 1 bis 30 lassen jeden Fragenden erahnen, das Leben hat 30 Zukunfts-Variationen parat.  Doch es gibt eine ausserplanmässige, eine zusätzliche Variante.

Kaum hatte ich mit dem Schütteln der Stäbchen begonnen, sprang ein Gecko zur Überraschung aller aus dem Gefäss. Der Gang zu den erläuternden Zettelchen erübrigte sich. Diese Nummer bedeutete  – ohne Wenn und Aber – pures Glück.
 
Fortsetzung folgt.
Juli 2015
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.07.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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