Christa Astl

Eigenen Boden unter den Füßen ...



 
 
Ein eigenes Grundstück haben, auf eigenem Boden durch eine Wiese laufen, .... wohl der Wunschtraum, oder vielleicht auch er Alptraum vieler Wohnungsbesitzer? Nicht nur bei Sonnenschein auf einer Bank im Park zu sitzen, oder auf  gepflegten Wanderwegen durch die Natur zu gehen, nein, ein Stück Grünland sein Eigen nennen zu dürfen, darüber zu verfügen, etwas darin oder daraus gestalten...
Die heutigen Grünflächen um die neuen Häuser sind künstlich aufgeschüttet, begradigt, genau im Winkel, die Aufteilung erfolgt überall nach den gleichen Prinzipien: Vorne zur Straße eine hohe Hecke oder Sträucher von fast zwei Metern, dass niemand herein sieht, und man auch leider nicht hinaus sieht, zur Terrasse hin ist ein Blumenbeet, auch hier in fast allen Gärten zur gleichen Jahreszeit die gleichen Blüten zu sehen. Dazwischen kurz geschorener Rasen, auf dem sich kein Löwenzahn, kein Gänseblümchen sehen lassen darf, erst recht kein Maulwurfshügel oder der Gang einer Wühlmaus. Auch das ist Natur...
 
Mein Garten ist anders.
Das Grundstück, ein ehemaliges Weideland, wurde nach Kriegsende von den Eltern erworben, Stück für Stück durch Pacht oder Kauf vergrößert, nach Bedarf bebaut, verbaut oder brachliegend, es lebte, war den jeweiligen Veränderungen unterworfen, regenerierte sich wieder, bis es einer neuen Bestimmung zugeführt oder unterworfen wurde.
Die Mulde, wo in früheren Vorbesitzerszeiten ein Stadel gestanden war und daneben ein Hügel, wo man wahrscheinlich der Aushub deponiert hatte, sind heute noch zu erkennen. So lese ich aus meinem Boden sogar geschichtliche Spuren. Vermodernde Baumstümpfe erinnern mich an die Bäume meiner Kinderzeit, als ich an deren Wurzeln meine Zwergenhäuschen baute, wo ich meine damaligen "Schätze", schöne bunte Steine, vergrub, die ich allerdings nicht mehr wieder fand, all das spricht heute im Vorübergehen zu mir, winkt mir als Erinnerung entgegen. Seit dem Abriss des alten Hauses sind noch einige weitere Hügel und Mulden entstanden.
Wohlmeinende Nachbarn machten mir den Vorschlag, doch das ganze Gelände einzuebnen, es wäre viel leichter zum Mähen. Ja das vielleicht schon, und mit Schrecken sehe ich mich schon eingereiht in die Schar der wöchentlichen Rasen-Mäher! Nein, nicht so lange ich noch meine zwei Beine habe, die mich auch kleine Erhöhungen erklimmen lassen und mich sicher hinab bremsen.
Was ist mein Grundstück gegen einen Spaziergang auf asphaltierten Wegen im Park! Hier geht es bergauf und bergab, steil oder weniger steil, ich kann es mir aussuchen, hier heißt es nicht: Betreten des Rasens verboten. Hier fordere ich nur eine gewisse Achtsamkeit gegenüber der Natur. Wenn Kinder aus reinem Übermut Blumen, und seien es auch nur reine Wildkräuter, abreißen oder gar die Eidechsen, welche an der Sonnenseite ihren Platz haben, fangen, dann kann ich mir das nicht gefallen lassen. Wenn sie allerdings in ihrer überschwänglichen Lebensfreude den Berg hinauf rennen und hinunter springen, so ist diese Bewegung gesund für sie und ich freue mich beim Zuschauen; in etwas gemäßigterem, leider dem Alter entsprechenden Tempo laufe und springe ich noch gerne mit.
Meine damals noch nicht zweijährige Enkelin ist ihre Runden gelaufen, dabei jedes Mal in der selben, kleinen Vertiefung hingefallen. Ich nahm sie an der Hand, lief mit ihr, wir durchquerten diese Mulde mit dem Ruf: "Owi - auffi (hinab - hinauf") Ein neues Spiel war erfunden: Allein rannte sie mit "owi -  auffi" sturzfrei diesen Weg, immer und immer wieder. Wie gesund das für das kindliche Gleichgewichtsfinden und die Freude an der Bewegung im allgemeinen ist, braucht man wohl niemandem zu erklären. Ihr kleinen Grenzen lernen sie so kennen und überwinden, sie lernen auch auf Gefahren zu achten, wie ein paar Disteln, die Heckenrose, eventuelle Bienen oder Wespen auf Blumen, aber auch die Fähigkeit, mit (oft sogar bloßen) Füßen den Boden, feucht oder trocken, mit hohem oder niederem Gras, steinig, moosig, zu erspüren, sie erfassen die Natur noch mit allen Sinnen, später fährt man im Auto an ihr vorbei, ohne noch etwas zu fühlen, kaum etwas zu sehen....
Natürlich muss der eigene Boden auch in gewissem Sinn gepflegt werden, wilde Bäume und Sträucher keimen schnell und würden binnen Jahren einen Urwald ergeben. Das ganze Jahr über ist hin und wieder was auszureißen, damit Neues, gerade Blühendes Platz bekommt. Unangenehmes, wie leichtsinnig weggeworfene Abfälle der vorübergehenden Nachbarn, sogar Hunde- und Katzenkot, und vor allem die vielen Schnecken muss ich entfernen. Ich darf aber auch die Früchte meines Gartens genießen, wie Erdbeeren, Himbeeren, Mirabellen und Brombeeren. Meist stehen auch selbst gepflückte Blumen auf meinem Tisch, alles aus dem eigenen Garten.
Ich kenne noch die Erdverbundenheit, die Bodenständigkeit im wahrsten Sinn des Wortes, und hoffe, dies als Erbe meinen Nachkommen weiter geben zu können.
 
 
ChA 31.07.15

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.07.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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