Jessica Scharf

Angel of Death

Kalt war die Nacht, eisig lag der Schnee wie eine schimmernde Decke über alles gelegt. Mit verzweifelter Traurigkeit sahen zwei Augen das weitläufige Weiß an, was im Mondschein so bezaubernd glänzte.
Schwer lag das Herz was kaum noch zu schlagen wusste, schreiend nach Hilfe in die Nacht hinein.
Das Gesicht des jungen Mannes, welcher schlafend seinen Kopf auf die Eigenen Arme, an ihrem Bett saß, wirkte so einsam, die Hoffnungslosigkeit war ihm ins Gesicht geschrieben und die Spuren von heißen Tränen lagen noch immer auf seine Wangen.
Behutsam streckte Kiara die Hand aus, ihre Finger zitterten, vorsichtigen berührten sie die Oberfläche seines Gesichtes, strichen mit ihrer bereits vorhandenen Kälte vorsichtig das Haar von seiner Stirn.
Stumm liefen ihr erneute Tränen über das blasse Gesicht, Augen die mittlerweile schon so viel geweint hatten und kaum noch fähig waren lange aufgehalten zu werden.
"Ich möchte nicht das du leidest, ich will dich so nicht sehen!", war der weinerliche Klang ihrer Stimme dünn, während das Zittern ihrer Unterlippe das reden kaum erlaubte und das Herz unsagbar Laut nach Hilfe schrie.

Überrascht hob die weiße Gestallt den Kopf, in mitten der Bewegung innegehalten, die Augen hoch zum Himmel gewandt, stand sie auf den Ast eines der Seelenbäume, die mit ihrem farblosen Leuchten die Nacht erhellten.
Suchend nach etwas dessen Inhalt sie nicht kannte, lagen ihre Augen in der Ferne des nächtlichen Himmels, unsicher ob sie sich dies nur eingebildet hatte, wollte sie ihre Bewegung fortsetzen und leicht wie eine Feder zum Absprung ansetzen, um von einem Baum zum nächsten zu gelangen, als sie wieder dieser zerreißende Hilfeschrei erreichte und sie erneut in ihrer Bewegung stockte.
Es war kein Klang, keine Stimme, sondern ein Gefühl was sie in ihrem inneren spürte, als ob etwas, nein jemand! Sah sie in die Dunkelheit der Nacht, als ob jemand Wortlos auf verzweifelter Weise nach Hilfe schreien würde.

"Weißt du wie viel Angst ich um dich habe?", sanken Kiaras Schultern immer weiter runter, sie wusste das ihrer Zeit zum Countdown nun angefangen hatte runter zu zählen. Ihr Körper war mittlerweile schon so schwach geworden, dass jede Bewegung ihr Unmengen an Kraft abverlangte.
"Ich glaube kurz bevor man diese Welt verlässt...", legte sie sich zurück in die Kissen. Sein Gesicht wirkte noch immer so ruhig, auch wenn seine Wimpern sich immer wieder mit erneuten Tränen fühlten, die langsam an den Seiten seiner Augen herunter glitten und seine Augenlieder dabei unruhig hin und her zuckten, wirkte es als ob er friedlich schlafen würde, was ihren Lippen ein sachtes Lächeln schenkte.
":..das man plötzlich vermag Dinge zu wissen, die man sonst nicht wissen würde?", wurde aus dem Lächeln ein besorgtes Gesicht, die Augen, dessen Lieder immer schwerer wurden, versuchten verzweifelt sein Gesicht zu fixieren, das Gesicht von dem Menschen das ihr Herz über alles liebte. Doch das Bild wurde immer kleiner, verlor an Intensität, ihr Atem wurde schneller, die Angst größer, das Bild immer undeutlicher und im letzten Moment als ihre Augen sich ganz schlossen schrie ihr Herz ein letztes Mal in die Nacht hinein.

Tränen schossen der Weißen Gestallt in die Augen, welche entsetzt realisierten was geschehen war, als sie von dem letzten Baum zum Sprung auf die Wirklichkeit abgesetzt hatte, von oben herab, schwebend auf ein großes Gebäude niederblickte und ihr Körper von einem entsetzlichen letzten Schrei durchdrungen wurde.
Schweigsam sah Tia von außen durch das Fenster hinein, eine wunderschöne junge Frau lag dort auf dem Bett, die Augen geschlossen, wirkte es als ob sie legendlich schlafen würde, doch Tia wusste das es nicht dem war, der Schrei der ihren Körper durchfuhr und sie hier her gerufen hatte, war von dieser Person gekommen, ein Schrei nach Hilfe der so verzweifelt und stark gewesen war, das es die Wirklichkeit durchbrach und von Tias Herz wahr genommen wurde.
"Kiara?", hob der junge Mann langsam seinen Kopf und sah die junge Frau welche mit geschlossenen Augen dort vor ihm lag skeptisch an
"Kiara?", beugte er sich zu ihr rüber, doch die Augen der Frau blieben geschlossen, das blasse Gesicht regte sich nicht.
"Kiara?", flehte seine Stimme dünn, seine Hand strich verzweifelt über ihr Gesicht, Tränen verschwämmte die Sicht, sein Hals fühlte sich mit einen Mal so trocken an. Er wollte etwas sagen, nach Hilfe schreien, doch kein Ton gelang über seine Lippen, die bloß fest aufeinander gepresst blieben, in einem Gesicht was in diesem Moment nichts anderes mehr als Leid und Schmerz aussagen konnte.
Mittleidig legte Tia eine Hand auf die von der Kälte eisig gewordene Scheibe des Fensters, ohne das Glas wirklich berühren zu können. Sie verstand den Inhalt des Schreies, der zuvor durch die Nacht zu ihr herüber getragen wurde. Das Herz dieser Frau fürchtete nicht um sich selbst, ihre Angst galt nicht ihrem eigenem Leben, sondern dem dieses jungen Mannes, der zitternd vor dem Bett stand und im selben Moment fürchterlich schreiend dran herunter glitt.
Alles was danach geschah erschien für das fremde Geschöpf innerhalt nur einer Sekunde sich abzuspielen. Zwei Schwestern kamen in das Zimmer gerannt, eine von beiden versuchte den jungen Mann von Bett weg zu geleiten, während die andere Den Puls der dort im Bett liegenden Frau fühlte und signalisierend den Köpf schüttelte.
"Du weißt das du gestorben bist?!", sprach Tia leise, ohne ihren Blick dem Geschehenem abzuwenden. Lächelnd befand sich die Frau hinter ihr, ein leeres von Tränen begleitetes Lächeln.
"Du hast meinen Ruf gehört, hab ich recht?", fragte sie leise, der Ton ihrer Stimme war so ruhig und sanft, was Tia das Herz zuschnürte und verstehen lies was für einen Charakter die Person dieses starken Herzens gewesen sein musste.
"Ich habe Angst um ihn!", zitterte nun die gerade noch ruhige Stimme.
"Du wusstest das seine Zeit noch nicht abgelaufen ist, spürtest aber das sein Leben trotzdem in Gefahr ist, richtig?", wandte sich die Weiße Gestallt vom Fenster ab und sah die junge Frau vor sich schwach lächelnd an.
Das lange dunkle Haar der jungen Frau wurde vom Wind immer wieder zur Seite weg gerissen, die dunklen Augen sahen sie direkt und offen an. Noch nie hatte Tia das Herz eines Menschen erreicht, noch nie hatte sie einen derartigen Hilfeschrei wahr genommen, wieso konnte das Herz dieser Frau sie erreichen? Blickten ihre Farblosen Augen sie bedenklich an.
"Ich weiß das etwas geschehen wird, aus dem er ohne Hilfe nicht raus kommen kann! Bitte hilf ihm!", schwebte der Ton ihrer Stimme noch immer deutlich in der Luft, obwohl ihr Körperliches Abbild schon längst zu verblassen angefangen hatte und nun seinen Weg zu einem neuen Uhrsprung fand.

Dimitries ganzer Körper fühlte sich unsagbar taub an, Augen die nicht mehr in der Lage waren zu realisieren was sie sahen und ein Gesichtsausdruck der nur noch Gleichgültigkeit allem anderen gegenüber aufwies.
Die letzten drei Tage waren an ihm wie ein surrealer Alptraum vorbei gerauscht und nun stand er dort, der Himmel war von hellem Sonnenschein geprägt, während der Priester die letzten Gedenkworte sprach.
-Ich liebe die Sonne, mit ihren goldenen Schein wirkt alles viel schöner, oder Dimitrie?-, hallte Kiaras stimme in seinen Erinnerungen wieder, was über sein harte gewordenes Gesicht eine Tränen seinen weg herunter bahnen lies.
"Sonnenschein?", murmelte er leise, sie liebte den Sonnenschein so sehr, blickte er hoch zum Fenster der Kapelle, wieso erschien es ihm dann nun nur so als ob soetwas wie Sonnenschein in diesem Moment eigentlich nicht sein sollte? Das anstatt seiner der Himmel düster mit seinem Regen den Moment wiedergeben sollte? Wieso war da nun nur dieser verdammte Sonnenschein?
Wortlos erhob Dimitrie sich mit den anderen Trauernden, ohne wirklich mitbekommen zu haben das der Priester seinen Beitrag dem Ende zugeführt hatte. So wunderschön wie seine Worte wahrscheinlich gewesen waren, hatte keines von ihnen Dimitries Ohren erreichen können, auch all die anderen Stimmen, all das nutzlose Stimmgewier hallte bloß lautlos an ihm vorbei, das einzige was er noch war nahm, war die Stimme von Kiara in seinen Erinnerungen, die von vergangener Zeit erzählte.
Langsam wurde der Sarg nun in die Erde gelassen, dem nun eine Person nach der anderen zum letzten Abschied entgegen trat. Tränen, wimmernde Worte, Leid was dem Moment entgegen geschrien wurde, keiner von ihnen war bereit gewesen sie gehen zu lassen, blickte Tia von oben auf alles hinab
Mit zittriger Hand blieb nun eine ältere Dame vor dem in die Erde gelassenem Sarg stehen. Die alten Augen sahen wässrig in das einsam wirkende Loch hinunter, die Mundwinkel zitterten, die schmalen aufeinander gepressten Lippen öffneten sich ein Stück, sie wollte etwas sagen, ihrer Tochter das Herz ausschütten, sagen wie sehr sie sie liebte, doch stattdessen presste sie wieder weinend die Lippen aufeinander. Tränen die unaufhörlich ihrem Gesicht herunter strömten, Atem der schwer und schluchzend ertönte und ein Gesicht was so bleich wie die Sonnenstrahlen die auf alles vielen hell waren, durchbrachen nun die Mauer die um Dimitries Augen sich hoch gezogen hatte und ließen ihn bitterlich realisieren das diese Person dort unten in dem Sarg wirklich das Mädchen war was er über alles liebte, das all dies wirklich nicht nur ein surrealer Alptraum war, das sie wirklich gestorben war.
"Ist schon gut...", legte sich ein Arm schützend um Dimitrie.
"Wie konnte das nur passieren?", schrie seine Stimme schwach, Frau Larenz blickte ihren Sonn schmerzvoll an, was sollte sie sagen, es gab in diesen Moment einfach keine Worte die ihrem Sohn den Schmerz nehmen würden.
"Der Strich durch seine Augen wird immer dunkler!", ließ Tia sich direkt vor Dimitrie runter, seine Augen sahen direkt durch sie hindurch, ebenso wie keiner der anderen in der Lage waren ihr Gegenwart wahr zu nehmen, von dem da sein auf einer anderen Ebene getrennt.
Vorsichtig hob die Weiße Gestallt ihre Hand, ihre Finger strichen Dimitries Augen entlang ohne ihn zu berühren, der dunkle Strich durch seine Augen zeigte wie nah er dem Ende seiner Zeit war, doch genau so konnte sie auch spüren das seine wirkliche Zeit noch lange nicht abgelaufen war.
"Was wirst du tun?", erhob sie sich wieder, ihre Füße entzogen sich dem Boden und ihr Körper glitt immer weiter in die Höhe, bis all die Trauernden nichts weiter mehr als kleine schwarze Punkte waren, die viel zu weit entfernt waren, als das sie etwas von dem was dort unten geschah hätte noch sehen können.



Lange starrte Dimitrie die Tabletten in seiner Hand an, das Glas mit seiner klaren Flüssigkeit in der anderen Hand, saß er allein in dem großen Zimmer auf seinem Bett, das selbe Bett in das zuvor Kiara mit ihm zusammen gelegen hatte, das selbe Zimmer in das sie zuvor so oft ein und aus gegangen war und nun nicht mehr als bloße Erinnerungen dessen in sich trug.
"Ich kann nicht ohne dich sein!", lächelte er schmerzvoll, die Hand mit den Tabletten in einer schnellen Bewegung zum Mund geführt, ging sein Kopf ein Stück weit mit zurück, indessen die kleinen weißen Tabletten seine Kehle runter glitten.
Schwer lächelnd setzte er nun das Glass mit dem Wasser am Mund an, schloss die Augen und spülte den widerlichen Geschmack von Tabletten weg.
Nach all den Tränen die seine Augen rötteten, legte er sich seit dem Tod von Kiara nun das ersten Mal mit einem friedlichen Ausdruck auf seinem Gesicht wieder zurück in die weich nachgebenden Kissen seines Bettes.
Das Herz hörte langsam auf zu schmerzen, seine Gedanken wurden immer unklarer und der Atem immer schwacher, während sein Herz immer langsamer zu schlagen begann.
Eine Moment lang stand Tia, den Kopf schräg gelegt von außen vor dem Fenster, bevor sie durch das kalte Glas hindurch ging, dabei weder ein Wiederstand, noch etwas anderes spürte, als ob das Glas nichts weiter als eine surreale Projektion von Lichtergebnissen gewesen wäre.
Traurig lächelnd stand sie nun vor dem Bett und setzte sich behutsam neben dem Tode nähen jungen Mann.
"Deine Zeit ist noch nicht gekommen!", beugte sie sich langsam zu ihm runter, das lange weiße Haar berührte seine Wangen, während synchron ihre Lippen sich sanft auf den seinen legten und ihr Mund sich etwas öffnete. Weißes Licht glitt langsam von ihrem Mund durch den Kuss in Dimitrie hinein. Ein Gefühl als ob für den Moment alles Schmerz versiegte, einer gewaltigen Wärme weichte, öffnete Dimitrie langsam die Augen.
-Traume ich?-, fragten seine Gedanken, während er das gleißend weiße Gesicht mit den geschlossenen Augen ansah, und ihre Lippen auf seine spürte. Worauf die Fremde ihre Augen öffnete, ihre Lippen sich von seinen lösten und sie mit dem Oberkörper zurück ging, während seine Augen sich wieder schlossen und sein Bewusstsein wieder abdriftete.
Mit entsetzten Blick sah Tia ihn an, ihr Herz besaß plötzlich dieses Gefühl von durcheinander sein, wurde in dem Moment als er seine Augen aufschlug und sie so direkt ansah völlig nervös, wo sie das Rasen dessen noch immer spüren konnte.
Unschlüssig sah Tia ihn an, als plötzlich ihre Wahrnehmung anfing schwächer zu werden, es war das Zeichen dafür das sie sich nun schon zu lange dieser Wirklichkeit ausgesetzt hatte, ohne wirklich ein Teil von ihr zu sein. Etwas was für jemanden wie Tia lebensgefährlich werden konnte, wenn man nicht schnell genug wieder zurück ins Zwielicht tritt. Mit einem letzten Blick auf den schlafenden jungen Mann erhob sie sich schwerelos vom Bett um im selben Moment von der Wirklichkeit zurück ins Zwielicht zu treten, was ihren Körper nun völlig ausgelaugt hatte. Hätte Tia auch nur etwas länger noch gewartet, wäre ihr Körper zu schwach gewesen um den Wechsel von der Wirklichkeit ins Zwielicht zu bewältigen.

Mühselig öffnete Dimitrie langsam die Augen, das dröhnende Klingeln vom Telefon hatte ihn unsanft aus einem nun schwerfällig wirkenden Traum heraus gerissen und wirkte nun enorm verstärkend auf das Pochen in seiner Schläfe, mit dem er sich nun mehr schwankend noch als gerade zum Flur hinbegab.
"Ja?", nahm er den Hörer von der Gabel und brummte es mit zugekniffenen Augen hinein. Einen Moment herrschte Stille bevor es am anderen Ende besorgt fragte, "Geht es dir gut, soll ich nicht vielleicht doch vorbei kommen?"
"Nein ich will nur meine Ruhe haben!", versuchte er seiner Mutter zu verdeutlichen das er es ernst meinte, das er niemanden sehen will.
"Dimitrie vielleicht ist es wirklich besser wenn du nicht alleine bist!"
Dimitrie konnte die Verzweiflung in ihrer Stimme hören, die Hilflosigkeit und die Sorgen um ihn. Allerdings fand nichts von dem Gehör in seinem Herzen, nichts von all dem schaffte es in zu erreichen.
"Ich lege jetzt auf!", würgte er das Gespräch teilnahmslos ab.
"Dimi...", wollte seine Mutter ihn von abhalten, noch was sagen, als das penetrante Tuten schon ihre Ohren erreichte.
Kummervoll sah Frau Larenz den Höher an, Dimitrie war schon immer jemand der seine Probleme selbst in die Hand nahm, jemand der nie nach Hilfe fragte und genau so wenig jemanden wirklich an sich ran lies. War mit siebzehn schon von zuhause ausgezogen, argumentierte damit, das er als Student seine Ruhe bräuchte und langsam selbst lernen müsste auf eigenen Füßen zu stehen. Das einzige was Silvia Larenz zu jener Zeit tun konnte war ein ihrer Meinung nach angemessenes Apartment zu kaufen und ihr Kind ziehen lassen. Doch nun schien Dimitrie jeden Halt zu verlieren, aber wer sollte es ihm verübeln? Kiara und Dimitrie waren über vier Jahre zusammen gewesen, seine erste große Liebe, welche er mit vierzehn fand und danach nie wieder los lies und nun trennte das Leben die beiden voneinander. Lief der Frau eine Träne nach der anderen übers Gesicht.

Demütig sah Dimitrie die Packung mit den Schlaftabletten an, die Hälfe vom Inhalt hatte er geschluckt gehabt, hatte gemerkt wie seinem Körper die Kraft verlies und doch hatte er seine Augen wieder geöffnet! War sein Blick starr auf die weiße Verpackung gerichtet. War es vielleicht eine Fehlproduktion? Sollte er es vielleicht nochmal versuchen? Schloss er für den Moment die Augen.
-Was?-, schlug er sie im selben Moment wieder auf, als er vor seinem Geistigen Auge dieses Gesicht sah, diese schimmernde weiße Haut, lange helle Haare und unsagbar schöne große Augen, welche ebenfalls wie ihr Haar keinerlei Farbpigmente in sich besaßen. Für den Moment fing eine Stimme in ihm zu fragen ob es Wirklichkeit gewesen war? Ob es diese leuchtende Gestallt wirklich gegeben hatte, glitten seine Finger über seine Lippen, wo er ein Gefühl verspürte was sich wie eine Erinnerung eines Kusses anfühlte.
"Ein Traum!", verengten sich für den Augenblick seine Augen, auch wenn die Erinnerung, das Bild dieser Erscheinung etwas in ihm bewegte, würde er niemals zulassen das eine andere ihn küssen würde, Mal abgesehen von der Tatsache das sie mehr oder weniger wie aus einem Fantasie- Film zu wirken schien, obwohl ein anderer Teil sie als zu real wirkend für das ansah. Wenn dieser weiße Glanz nicht auf ihre Haut gewesen wäre und ihre Augen vielleicht braun, oder grün stoppten seine Gedanken, er wollte nicht an eine andere Frau denken, ob Traum oder nicht, in seinem Herzen gab es nur Platz für ein Gesicht und das war das noch immer sanft Lächelnde von Kirara, ein Lächeln was sein Herz niemals vergessen sollte.

Verzweifelt lag Tia in einem Meer aus Blumen, violetten Blüten die im Schein des immer gegenwärtigen Mondes schimmerten. In ihrer Wirklichkeit gab es keinen Tag, sondern nur die Nacht, das Zwielicht war keine Welt der lebenden, sondern der Zeitlosigkeit. Dort war die Existenz anders als in der Ebene der Lebenden. Hier hatte Zeit keine Bedeutung, Schwerkraft nicht dieselbe Effizienz und das warme Licht der Sonne keinen Einhalt und doch besaß dieser Ort keine Kälte. Nichts hier war wirklich, alles nur der Schein des Momentes und doch lebendig. Erhob sie sich, die weißen Augen dem Rundkörper am Himmel entgegen gerichtet, wo das Mondlicht ihr Gesicht in sein Kaltes Weiß eintauchte.
Mit traurigem Lächeln hob die zierliche Person den rechten Arm ein Stück weit hoch und zog mit dem Zeigefinger eine gerade Linie von oben nach unten, welche die Luft in mitten der gezogenen Linie auseinander schnitt.
Das selbe wiederholte sie noch einmal, nur das es diesmal ein senkrechter Strich war und diese Wirklichkeit an dieser Stelle wie ein Blatt papier zerschnitt, wo nun die andere Wirklichkeit, die Welt aus der er kam sich offenbarte.
"Du weißt das du diese Welt nicht betreten darfst oder?", trat nun jemand aus den Schatten des Waldes heraus und schritt somit auf Tia zu.
"Ja!", lachte sie tonlos, "Ich weiß ich darf die Welt der lebenden nicht betreten, nur das Diesseits", verlor ihr Lächeln sich, das Diesseits war zwar mehr oder weniger dieselbe Welt, jedoch legendlich nur wie ein begehbares Polaroid Foto in dem die Zeit still stand, die Welt der lebenden im Todesschein und sie doch die lebenden sehen kann, ohne das es andersherum auch der Fall war.
"Ich kenne dich nur zu gut um zu wissen was du vorhast Tia!", fixierten seine Augen sie mit starker Ernsthaftigkeit.
"Du warst da als ich ihn sein Leben zurück gab, oder?", sah sie ihn mit einem wackeligen Lachen an.
"Ja!", das weiße Gesicht des Mannes wirkte unberührt, als ob die farblosen Augen noch nie irrgendeine Emotion besaßen
"Er ist nur ein Mensch!"
Tia schwieg, während sie starr in die offene Schnittstelle die andere Welt ansah, eine Farblose Wirklichkeit, durch die man sie zwar sehen und hören konnte, doch weder berühren noch wirklich in derselben Existenzebene sich befand.
Langsam fing die Schnittstelle sich wieder an zu schließen, die Linien zogen sich wieder zusammen, bis schlussendlich von der anderen Wirklichkeit nichts mehr zu sehen war.
"Glaubst du das du in der Welt der Menschen dich zurecht finden würdest? Das sie dich akzeptieren würden?", konnte man noch immer kein Gefühl aus seinem Ton heraus hören. Seelenführer waren eigentlich Emotionslos, nur selten kam es mal vor das etwas ihr Herz berührte. Doch Tia war nie in der Lage Mitleid oder Traurigkeit zu verdrängen. Nicht so wie Filice.
Doch noch nie hatte Tia so ein Gefühl in sich getragen wie ihr Herz es in diesem Moment fühlte. Ein Schmerz der sich doch lächeln lies, allerdings genau so verzweifelt machte. Dabei war es absurd, sah sie die Stelle an, wo sich gerade der Schnitt zwischen den Ebenen geschlossen hatte.
Ihr Gehirn lachte, sagte das dieses Gefühl abwegig war, das Sie, die Menschen, das er vergänglich war, doch ihr Herz konnte dieses Gefühl nicht abschütteln.
"Er hat sich wegen einer anderen das Leben genommen Tia! In seinem Herzen ist kein Platz für dich!", waren seine Worte hart, doch er sah es in ihrem Gesicht, die Sehnsucht, das sie hier nicht stoppen wollte. Tia war schon immer Stursinnig, viel zu aufgeweckt und wusste immer ihren Herzen zu folgen. Was auch der Grund war wieso ihr Herz die Hilfeschreie der Menschen wahr nehmen konnte, von ihnen erreicht wurde, doch nie zuvor in dieser Wirklichkeit. Was eigentlich den Weg zum Racheengel offenlegen würde. Doch war sie zu weich, zu emotional noch gebunden, als das sie dem schon standhalten könnte. Vielleicht in ein paar Jahrzehnte, sah Filice sie mit ausdruckslosem Gesicht an, was keines seiner Gedanken offenbarte. Doch ihr Blick sagte ihm das sie noch zu sehr an das Herz der Menschen glaubte.
"Tia ich lasse dich in die Wirklichkeit der Menschen, versuch sein Herz zu erreichen!"
Überrascht sah Tia ihn an, sie wusste das er dem bemächtig war, das seine kraft die ihre überstieg. Doch sie konnte in seinen Augen in diesen Moment auch deutlich ein Aber sehen.
Filices Augenlieder senkten sich, das Gesicht noch immer von der selben Härte geprägt sprach er, "Ich gebe dir jedoch eine Zeitbegrenzung, drei Monate Tia, solltest du in dieser Zeit sein Herz erreichen, schließe ich meine Augen, als ob ich dich nie in die Menschenwelt hab gehen gesehen! Doch solltest du es nicht, werde ich dir jede Erinnerung an ihm nehmen!", öffnete er seine rechte Hand, indessen Innenfläche ein Licht sich zu bilden Anfing um seine Form auseinander zu ziehen, nach unten und Oben sich weg zog, bis ein dunkler Starb mit lang laufender Sichel am Ende entstand, mit dessen Schneide er in einer schnellen Bewegung dir Wirklichkeit durchschnitt.
"Drei Monate Tia, vergiss es nicht!", kehrte er ihr den Rücken zu und verschwand wieder in den Schatten des Waldes, der mit seinen Seelenbäumen die Nacht erhellte.
Zögerlich ging Tia auf den Schnitt in ihrer Wirklichkeit zu, drei Monate waren nicht viel und sie wusste das sein Herz schon jemanden liebte. Filices Worte waren zwar hart gewesen, doch die Wahrheit. Ein Mensch der sich aus Liebe das Leben nimmt, so ein Mensch liebte mit Herz und Seele. Wie sollte sie mit solchen Voraussetzungen sein Herz erreichen können?
Doch sie wollte es wenigstens versuchen, versuchte sie zu lächeln, während sie langsam durch die Schnittstellen hindurch trat. Ein Gefühl als ob sie versuchen würde durch eine dünne Folie hindurch zu laufen, so lange druck gegen ausüben würde bis sie reißt, riss in diesem Moment die Grenze ihrer Wirklichkeit unter ihrem Körper, womit alles vor ihren Augen zu schwimmen anfing und sie in währender Dunkelheit versank.


Überrascht schob der Professor seine Brille zurecht, als sie mitten in seiner Vorlesung die Tür öffnete, Dimitrie mit seine Tasche über der Schulter rein kam und ohne ein Wort der Erklärung an ihm vorbei ging und den für ihn gewohnten Platz auf der Tribüne einnahm.
Innerlich sich wieder gesammelt fuhr der alte Mann mit seinem Unterricht fort, denn selbst wenn er gewollt hätte, hätte er nicht die Worte gefunden um Dimitrie anzureden, oder gar für sein zu spät kommen zu tadeln. Der ganze Lehrkörper wusste was geschehen war, der Tod von Kiara ging auch an ihnen nicht einfach so spurlos vorbei. Kiara war eine spitzen Studentin, ein wirklich liebeswertes Mädchen gewesen, wo der Verlust noch vielen von ihnen unsagbar über diese Tragödie des Lebens den Kopf schütteln lies.
Wortlos sah Dimon seinen Freund zu, wie er seinen Block und einen Kugelschreiber aus der Tasche holte, sein Gesicht wirkte gleichgültig und die klaren blauen Augen auf seltsamer Weise kalt. Als ob mit dem Tod von Kiara auch sein Herz gestorben wäre. Dachte Dimon verzweifelt, hilflos mit der Hand durch das wild nach oben gegellte Haar gestrichen.
"Alles in Ordnung Dimitrie?", drehte sich eine junge Dame mit gewelltem Haar, zwei Reihen weiter unten Dimitrie zu.
"Alles bestens!", gab Dimitrie dunkel von sich, ohne Evelin wirklich anzusehen, an dem blonden Haar vorbei zur Tafel hin.
Verzweifelt verzog Evelin den Mund, den Blick für ein Moment noch auf Dimitrie gerichtet. Wie er dort so saß, Dimitrie war ihr am ersten Tag hier schon ins Auge gefallen, Das Haar im Nacken kurz geschnitten, war es oben präzise gestuft gewesen um nach vorne in den seitlich weg gestuften Pony über zu gehen und an den Seiten vor den Ohren etwas fransig auszulaufen. Dazu diese Stechend blauen Augen, die mit dem Grinsen was er zu jener Zeit seinem Kollegen zu warf, ein Bild von sich gab was Evelin direkt gefesselte hatte. Umso verstörender war es gewesen als ihre neu erworbene Freundin und Sitznachtbarin ihr ihren Freund vorstellte und dieser sich dann als Dimitrie zeigte. Ein Jahr war seitdem vergangen und sie konnte trotz des Wissens das er der Freund von Kiara war, der liebenswerten Kirara, dessen Schönheit dem ihrem im nichts nach stand, ihre Versuche ihn an zu flirten und das selbst in Kiaras Gegenwart nicht unterlassen, dazu gefiel er ihr einfach zu gut. Leider war jeder Annäherungsversuch wie an einer Bruchsicheren Scheibe steht’s abgeprallt. Und nun wo Kiara nicht mehr lebte, ihr Herz den Verlust auch schmerzhaft traf, war da dennoch ein Funke der Hoffnung nun aufgekeimt. Aber noch wusste sie das er Zeit brauchen würde und die würde sie ihm auch geben.
"Dimitrie, wir, also wir wollten später Eislaufen gehen, die neue Eisbahn ausprobieren, ich dachte mir das dir etwas Ablenkung vielleicht.. !", bracht Dimon den Satz hilflos wieder ab, als Dimitries Blick sich ihm zu wandte und kein Lächeln sich drauf zeigte, worauf Dimietrie auch direkt wieder nach vorne sah, jedoch seufzend sagte, "Vielleicht hast du recht, Ablenkung wäre gut!"
"Gut, ja Gut!", nickte Dimon eifrig, im Wissen das Dimitrie ihn überhaupt nicht mehr ansah. Mit gespitzten Ohren hatte Evelin alles mit angehört gehabt und legte nun ein zufriedenes Grinsen auf ihre Lippen. Auch wenn sein Herz noch verschlossen war, konnte sie die Situation dennoch ausnutzen um ihn etwas auf andere Gedanken zu bringen, besaß ihr Lächeln einen Hauch von Schüchternheit in sich, wenn auch nur ganz eben.


"Tia aufstehen, Tia!"
-Was?-, runzelte Tia die Stirn, die Augen noch immer geschlossen.
"Tia, wir müssen gleich zum Sekretariat, alles für deine Anmeldung klären!", erklang die weibliche Stimme erneut, nur diesmal drängender.
-Anmeldung? Sekretariat? Was?-, wollte Tia dem gegen über, als ob sie sagen wollte, was für ein Unsinn, den Kopf schütteln, als ihr im selben Augenblick die Tatsache zurück in Erinnerung kam das sie nicht mehr in ihrer, sondern in der Menschenwelt war und riss aufgeregt die Augen auf. Eine Frau in Mitte ihres Lebens, mit kurz gelockten Haaren und sanften grünen Augen sah sie schmunzelnd an.
Tia überlegte kurz, Filice musste ihr ein Leben, eine Vergangenheit hier gegeben haben, nur welche? Sie wollte gerade diese Frau fragen als ihr plötzlich mehrere Bilder durch den Kopf schossen, Bilder von einem Waisenhaus, einer Frau die lächelnd auf sie zu kam. Ein Büro wo sie neben einer dicken Frau saß, welche ihr mitteilte das sie nun adoptiert wurde, das sie es zwar überraschend fand, das diese Frau sich für sie endschieden hatte, sich aber für sie freute. Dann ein Gefühl als ob mehrere Jahre vor ihren Augen im schnelldurchlauf vorbei rauschten, bis hin zu dem Gespräch: das sie nun wo sie die zwölfte Klasse beendet hatte, studieren wollte.
"Schätzchen, wir hätten dich schon vor einem halben Jahr anmelden müssen, die drücken nur ein Auge zu und lassen dich mitten im Semester noch einsteigen weil deine Noten so gut sind, meinst du nicht auch, dass wir da wenigstens nicht gleich am ersten Tag zu spät kommen sollten?!", tippte sie mit dem Finger signalisierend auf die Scheibe ihrer Armbanduhr.
Tia lachte nickend.

Gelangweilt schlenderte Evelin den Korridor entlang, mit der Ausrede geschmückt das sie eben auf die Toilette müsse, wollte sie nur schnell eine rauchen gehen. Manchmal hatte sie das, dann überkam der Drang nach einer Zigarette sie von einem Moment auf den anderen so stark, dass es ihr egal war, ob sie wie ein kleines Kind wirkte, weil sie fragte ob sie mal eben für kleine Mädchen gehen dürfe. Wo die meisten natürlich wussten das sie legendlich eine rauchen würde.
Am Sekretariat vorbei, um die Kurve schrie Evelin plötzlich genervt auf, als sie mit einer anderen jungen Dame zusammen gestoßen war und diese nun musternd anblickte.
"kannst du nicht aufpassen wo du hingehst?", wurde ihre Stimme durch die Tatsache dass es ihr nicht zusagte das ihr Gegenüber so hübsch war, noch barscher.
"Gilt das gleiche nicht für dich auch?", brummte Tia zurück, schließlich war es ja nicht nur ihre Schuld gewesen. Evelin verzog böse das Gesicht, erst rannte sie in ihr hinein und nun besaß sie auch noch eine große Klappe?
"Pass mal auf Fräulein wie du mit mir redest!", zog sie die Augenbrauen tief ins Gesicht, unberührt fing Tia an zu lachen, verdunkelte aber im nächsten Moment ihre Augen und sah sie mit hart gewordener Mimik finster an.
"Erstens bin ich nicht dein Fräulein und zweitens solltest du auf deinen Ton besser gut achtgeben!", neigte sie gefährlich den Kopf. Tia war schon immer schnell auf die Palme zu bringen, aber durch ein wohlwollendes Lächeln dann auch schnell wieder zu ersanften, was Evelin in diesem Moment aber kaum wissen konnte.
"Sag mal Mädel, willst du jetzt wirklich Ärger mit mir haben?", ging Evelin einen Schritt drohend auf Tia zu.
"Was ist wenn ja?", hob Tia die Augenbraue, die Augen zu drohenden Schlitzen verzogen.
"Was macht ihr beiden hier?!"
"Scheiße!", zuckte Evelin unmerklich zusammen, als sie die brummige Stimme direkt als ihren Matheprofessor wieder erkannte.
"Ich höre?", stand dieser nun direkt hinter ihr.
"Ich wollte nur eben auf die Toilette gehen!", wirbelte Evelin auf den Absetzen herum und sah den Mann mit dem grimmigen Gesichtsausdruck lieblich an. Herr Lanske war einer der jüngsten Professoren, welcher gerade sein Studium erst beendet hatte und durch seine überdurchschnittlichen Notendurschnitt hier als angehender Professor anfangen konnte. Natürlich hatte Evelin schon des Öfteren versucht gehabt ihm schöne Augen zu machen und war damit jedoch auch nicht die einzige die gnadenlos an dem Versuch scheiterte.
"Sieht das hier aus wie die Toiletten?", verschränkte er die Arme ineinander, während Tia ihn musternd ansah. Sein Gesicht nachzugehen schätzte sie ihn auf Mitte zwanzig, Anfang dreißig, älter jedoch auf keinen Fall. Das Haar zu einer wilden Frisur hoch gestylt hätte Tia ihn ohne den dunklen Anzug den er trug auch nicht als Professor erkannt.
"Ich geh dann Mal ne!", legte Evelin das Gesicht lächelnd schief, worauf sie ohne auf eine Antwort des Professors zu warten, welcher sie nur unberührt angesehen hatte, wieder rumwirbelte um im Schnellschritt von dannen zu laufen.
"Und was ist mit ihnen?", ging das Grün seiner Augen nun zu Tia rüber, welche zuvor von Evelin komplett für ihn verdeckt gewesen war. Wo ihm erst jetzt die großen grauen Augen von ihr auffielen und das lange beinahe schon farblose Haar. Unter all den Studentinen hatte er bis her schon alle möglichen Arten von Schönheit gesehen, von natürlicher bis hin zu aufgetakeltem, von Braun bis blond, dick bis dünn. Überdurchschnittlich schön, bis hin zu übernatürlich hässlich. wirklich alles war hier vertreten. Doch diese junge Dame die nun vor ihm stand, mit dem hellem Gesicht, während sie ihn mit großen Augen ansah und antwortete: das sie heute nur wegen der Anmeldung hier sei! Sie unterschied sich von den anderen, die Schönheit welche sie ihr eigen nennen konnte strahlte etwas reines, etwas völlig unbekanntes aus, dessen Gedanken der Professor seinem Gesicht nichts ansehen lies. Blickte sie legendlich mit fast demselben ersten Gesichtsausdruck an, wie er zuvor auch Evelin angesehen hatte, auch wenn sich unmerklich für ihn ein Grinsen auf seine Lippen empor gehoben hatte.
"Ihr Name bitte!", blieb jedoch der Autoritäre Ton in seiner Stimme.
"Tia Williems", antwortete die zierliche Gestalt.
"Dann werden sie so wie es aussieht wohl ab morgen auch meinen Unterricht besuchen, also schon einmal zum Mitschreiben miss Williems, ich rate ihnen in meinem Unterricht besser aufzupassen, den ich dulde keine Querulanten", spielte er auf die Auseinandersetzung mit Evelin hin.
Überrascht hob Dimon sein Gesicht an, die Augenbraun so stark gerunzelt das man meinen könnte er wölle dem alten Professor Vorne Konkurrenz machen.
"Pass auf das dein Gesicht nicht so bleibt!", grinste Dimitrie schwach.
"Sag mal, ist der Mathelehrer nicht eigentlich immer ein arrogantes Arschloch?"
"Was meinst du?"
"Ja das er so was wie ein freundliches Gesicht machen, nicht wirklich kennt oder?"
Dimitrie nickte, Herr Laske zog zwar beinahe jeden Witz mit und grinste auch viel, doch war er auch ebenso distanziert und arrogant mit einem kalten Gesichtsausdruck.
"Wieso fragste?"
"Na weil er da gerade eine Schülerin anlächelt!", nun beugte Dimitrie sich ebenfalls über Dimon hinweg zum Fenster rüber. Und tatsächlich, Herr Laske stand dort auf dem Schulhof unter der Dachverdeckung und schien irrgendeine Schülerin an zu lächeln, vielleicht war es auch ein Grinsen, aus der Entfernung konnte man es nicht so genau erkennen.
"Kannst du sie sehen?", fragte Dimitrie neugierig, weil für ihn der Pfosten alles bis auf etwas von dem langem Haar verdeckte.
"Ne leider nicht, aber vielleicht kennt er sie ja bloß!", drückte Dimon Dimitrie zurück auf seinen Platz als er den Blick vom Professor bemerkte und lächelte wackelig als Entschuldigung.
Aber auch Dimitrie lächelte den Professor, wenn auch aussagelos und gleichgültig an, dennoch war es der Versuch zu lächeln, wand der Professor sich der Tafel wieder zu.

Herr Laske lachte leise, als Tia gestand das sie sich mehr oder weniger Verlaufen hatte und das Sekretariat suchte, in dem ihre (Adoptiv) Mutter auf sie wartete.
"Das Sekretariat, ja?", schüttelte er lachend den Kopf und zeigte mit ausgestreckten Arm auf dem Weg hinter sich
"Durch die Tür den Flur entlang, dann werden sie es nicht verfehlen können!", galt sein Lachen der Tatsache das sie wohl dran vorbei gegangen war und nun auf den Weg zu den Toiletten sich befand, wo es ihm Sehens bewusst gewesen war das Evelin hingegen wohl von der Raucherecke kommen musste, weil ihr Weg sie aus der entgegen gerichteten Richtung hier her geführt hatte.
"Ernsthaft?", sah die zierliche Person den Professor entrüstet an, Herr Laske nickte grinsend, ganz langsam, als ob er der Richtigkeit seiner Worte so Nachdruck verleihen wollte.
"Okay, immer Geradeaus ja?", lief sie ein paar Schritte an ihm vorbei und sah ihn noch Mal prüfend an.
"Ganz genau, immer Geradeaus, dann können sie es nicht verfehlen!", grinste er weiter, Tia seufzte, nickte nochmal, wonach sie sich auf den Weg zum Sekretariat begab.
Lachend schüttelte Herr Laske noch immer den Kopf, Frederik Laske wusste zwar nicht ob er lachte weil sie so hilflos auf schusseliger Art wirkte, oder weil etwas von ihrem Wesen in anzusprechen schien. Was es auch war, er hatte zuvor noch keine Studentin hier angetroffen die es schaffte ihn zum lachen zu bringen, was sie für ihn äußerst interessant machte, wie eine kleine Babykatze die noch zu tollpatschig war um richtig zu laufen und legendlich so vor sich hin stolpernd rum tapste, was man einfach niedlich finden musste.

"Ich schwör der ist am lachen!" machte Dimon große Augen, wovon Dimitrie nichts sehen konnte, weil sein Freund schon wieder gänzlich dem Fenster zu gedreht war.
"Und haste sie gesehen?", fragte Dimitrie amüsiert, während das Lächeln seinem schweren Herzen wieder weichen musste.
"Ne, aber ich werde mal sehen ob ich sie nicht finden kann! ihre Haare habe ich ja gesehen!", schnellte er plötzlich die Hand nach oben.
"Ja Herr Beigen?", sah der Professor ihn auffordernd zu reden an.
"Ich müsste Mal eben aufs Klo!", sprach er ungeniert.
"Dann warten sie bitte bis miss Voigs wieder hier ist!", wollte der Professor sich gerade wieder umdrehen, als Dimon mit dringlich wirkendem Gesicht dagegen sprach "Soll ich mir bis dahin in die Hose gemacht haben?", war sein Gesicht stur, lautes Gelache drang durch den Saal, was den Professor deprimiert nur zu nicken lies.
"Mach Foto!", flüsterte Dimitrie noch leise, als sein Freund sich erhob, der ihm kurz zu nickte und schnell die drei Stufen der Tribüne runter huschte um auf schnellen Weg den Hörsaal zu verlassen.
"Was ist Herr Larenz, müssen sie auch auf die Toilette, das sie ihren Freund so nach schauen?", sah der alte Mann Dimitrie an.
"Seh ich so aus?", senkte sich jedoch bloß Dimitries Augenlieder, womit die gleichgültige Eisigkeit sein Gesicht wieder belegt hatte, als ob so was wie eine Gefühlsmäßige Regung in den blauen Augen und auf dem schönen Gesichtszügen nie existiert hätten.


Schlendernd blieb Tia vor der Glastür des Sekretariat stehen, wo sie ihre Mutter noch immer drin reden sah, mit einem gekünstelten lächeln auf dem Stuhl sitzend.
Sich gegen die Idee endschieden da nun rein zu gehen und an dem formlichen Gespräch teil zu nehmen, drehte sie wieder um, doch ging diesmal die breitläufige Treppe nach oben, wo ebenfalls wie Unten, verschiedene Vorlesesäle zu finden waren.
Die letzte Stufe der ersten Treppe hinter sich gelassen, wich Tia erschrocken zu Seite, als plötzlich ein Schüler mit hoher Geschwindigkeit abrupt an ihr vorbei sauste, sich jedoch mitten in der Bewegung, auf der Treppe wieder umdrehte und sie ebenso irritiert wie überrascht ansah.
"Neu?", fragte er stehen geblieben und hängte gleich die nächste Frage mit dran, "hast du dich gerade mit Herr Laske unterhalten?"
"Dem Matheprofessor?", fragte sie unsicher wegen der Frage, der Schüler nickte, das Augenmerk noch immer mit Direktheit auf ihr Gesicht.
"Ja und ja, er hatte mir den Weg erklärt, weil ich mich verlaufen hatte!", erklärte sie, als das auf seinen Lippen sich bildende Grinsen auf ihr >Ja< ihr nicht gefallen wollte.
"Verlaufen? Hier?", fragte er noch breiter im Grinsen, weil diese Universität seiner Meinung nach ziemlich übersichtlich war.
Stur verengten sich Tias Augen, den Mund grimmig kleiner gezogen, "Ist das so witzig?", legte sie den Kopf schief, als der blonde junge Mann vor ihr schon dicke Wangen machte weil das verkneifen vom Lachen immer schwerer wurde.
"Na vielleicht ein bisschen!", gestand er, als schon das Klingeln zur Pause ertönte und die Studenten in ihrer gemütlichen Gangweise an ihnen vorbei schritten. Neugierige Gesichter welche sich immer wieder auf die junge Dame zu richten wussten und ihr Gesicht von Mal zu Mal mit immer mehr bedrängender Sturheit besetzt.
Sie war es nicht gewohnt das andere sie ansahen, denn eigentlich konnte keiner der Menschen sie überhaupt sehen und nun legten sich so viele Augen auf sie, ein Gefühl als ob sie ein seltenes Tier im Zoologischen Garten wäre, lies ihr Gesicht mit dem Gedanke immer verschämter werden.
"Alles okay?", fragte Dimon, als er bemerkte das sie ihr Kopf immer weiter senkte, als ob sie den neugierigen Blicken der anderen so versuchen würde auszuweichen.
"Wieso?", fragte sie etwas verdutzt, Dimon lachte, drückte wie ein nervöser kleiner Junge den Kopf etwas in die Schultern, neigte das Gesicht und lächelte breit "na weil du ungefähr so guckst!"
"Bitte?!", machte Tia große Augen, "ich hab bestimmt nicht mit so eine Schwulität geguckt!", schrillte ihre Stimme wie ein entsetztes Kind.
"Schwulität?", lachte hinter Tia eine Stimme, während das Gesicht von Dimon auf der Aussage hin völlig entrüstet mit den Augen klimperte und Dimitrie noch mehr lachen lies.
"Und ist das die kleine?", fragte Dimitrie, noch immer auf der letzten Stufe von den anderen Treppe stehen geblieben.
"Was?", drehte Tia sich um, -Oh Gott- und öffnete entsetzt den Mund, aber auch Dimitries Blick änderte sich, von einer lachenden Mimik zur puren Überraschtheit. Tias Herz brannte, sie konnte noch immer sehen wie er weinend vor dem Bett dieser frau zusammen gebrochen war und danach versuchte sich das Leben zu nehmen. Ein Herz was seine Beweggründe vollkommen verstand und deswegen noch erdrückender von runtergezogen wurde.
"Kennen wir uns?", fragte Dimitrie, er war sich sicher diese Augen schon Mal irgendwo gesehen zu haben, welche ihn in diesen Augenblick so groß anblickten. Die langen Wimpern, die dunkle Schatten warfen, doch wirkte irgendetwas an ihnen falsch, überlegte Dimitrie, irrgendwas war anders, als ihm bewusst wurde woher er diese Augen kannte und sich innerlich selbst begann auszulachen. - Genau, sie müssten weiß sein-, höhnte sein Verstand über den Vergleich, womit ihm auch wieder der Kuss in Erinnerung zurück kam und mit ihm die Gedanken an Kiara.
"Hast du was gesagt?", fand Dimitrie mit der Kenntnis den weg aus seiner Gedanken wieder heraus und bemerkte das ihr Mund ein Stück weit geöffnet war, als ob sie geredet hätte. Doch schüttelte sie bloß mit geschlossenen Augen den Kopf, sah noch Mal zu Dimon hin, streckte grimmig kuckend die Zunge raus und ging an Dimitrie vorbei die Treppe hoch.
"Was schaust du den jetzt so?", fragte dieser, als sein Freund vollkommen verdutzt die Augenbrauen bis zum Anschlag hoch gerissen hatte.
"Die hat mir böse guckend die Zunge raus gestreckt!", bewegte sich sein Mund wie von allein, ohne wirklichen Ton in der Stimme.

Tias Herz raste und schmerzte gleichzeitig, während sie unaufhörlich die vielen Treppen bis ganz nach oben hoch rannte, wo sie nun vor einer grün gestrichenen Tür wieder zum stehen kam. Vorsichtig drückte sie die Klinke nach unten, die Tür öffnete sich, war nicht abgeschlossen? drückte Tia sie weiter auf, wo vor ihr sich nun eine große Plattform mit drum herrumgezogenem Geländer zeigte. Das Schuldach- lachte sie, so oft hatte sie es von oben schon gesehen, Studenten dort liegen oder sitzen gesehen und nun stand sie selbst hier, selbst als eine von ihnen. Doch war ihr Herz viel zu schwer, auch wenn sie nun wie ein Mensch aussah, ein Leben sogar mit Vergangenheit zugedacht bekommen hatte, eine Studentin, nun Tia Williems war. War sie in Wirklichkeit noch immer ein Todesbote, kein Mensch, sondern ein Todesengel! Und so wie Racheengel nun Mal die Sehnsüchte, Schmerzen, die Gefühle andere Menschen sie erreichten, so erreichte Dimitries innerlicher Schmerz und die Sehnsucht nach dieser Frau ihr Herz! Blickte sie über die Reling in die Ferne, starker Wind blies ihr entgegen und lies ihren Körper für den Moment auf zittern, Kälte, ebenfalls ein Gefühl an das sie sich noch gewöhnen müsste, daran Dinge wie Wärme, Kälte zu fühlen.
"Wenn du noch weiter dich rüber beugst, glaubt noch jemand das du springen willst!", erschrocken drehte Tia ihr Gesicht seitlich der männlichen Stimme zu und sah geschockt, weil sie sich so erschrocken hatte, den dort hinter dem Vorsprung liegenden jungen Mann an. Dessen Augen wieder geschlossen waren. Die Arme gemütlich unter Kopf verschränkt, wirkte es als ob er lediglich schlafen würde.
"Hallo?", versuchte Tia auf sich aufmerksam zu machen.
Keine Reaktion.
"Haaalllooo?", versuchte sie es erneut.
Wieder keine Reaktion.
Langsam ging sie nun auf ihn zu, Schritt für Schritt, noch immer blieben seine Augen geschlossen, musternd bemerkte Tia erst jetzt das Honigfarbende Haar, was angelockt fransig über die Ohren runter reichte und niedlich auf der Stirn tanzend sein Gesicht zur Geltung brachte.
"Wenn du noch näher kommst, könnte diesmal ich was falsches denken!", öffnete er nun die Augen und sah die junge Dame vor sich an, wo auch er jetzt erst in der Lage war ihr Gesicht wirklich zu sehen.
"Du musst neu sein oder?", blieb er weiterhin ruhig liegen, weiterhin mit unterm Kopf verschränkten Armen.
"Sieht man es mir an? Das mich das jeder fragen tut?", fragte Tia fuchsig, den Mund klein gemacht.
"Ich denke mal das liegt daran das man dich sonst schon hier bemerkt hätte!", lachte er gelassen, lies sich von ihrer brummigen Art überhaupt nicht stören.
"Willst du damit sagen das ich anders aussehe?", wurde ihre Stimme schrill, die innerliche Alarmglocke fing an zu läuten. Sie war kein Mensch, sah man es ihr an? Sah sie noch immer anders aus?
Nun richtete der junge Mann sich auf und fing noch mehr an zu lachen, den Kopf weit zurück geworfen.
Sauer wurde ihr Ausdruck grimmig, erst behauptete er das sie anders aussehe und nun lachte er sie aus! Konnte es noch besser werden? Zog sie scharf Luft in die Lunge
"Süße...", stand er auf , "unter so vielen Hackfressen fällt so ein schönes Gesicht auf!", blieb er beim Reden kurz neben ihr stehen und ging dann weiter zu Tür hin, welcher noch immer offen stand und überlies Tia sich selbst.
Bedenklich blieb Angelo vor den Stufen noch mal stehen, sie war schön, ja, aber das war es nicht was er so seltsam an ihr fand. Sondern die Tatsache das sie nicht wirklich in der Lage zu sein schien Anspielungen, geschweige einen Witz lokalisieren zu können. Vielleicht hatte er es sich eingebildet, trotzdem hatte es sein Misstrauen geweckt.
"Drei Monate!", murmelte Tia, während sie wieder die Hände auf das Eisen vom Geländer stützte.
Was wenn sie es in dieser Zeit nicht schaffen sollte? Filice würde ihr dann alle Erinnerungen an ihm nehmen... vielleicht wäre das dann ja auch besser, war das Lächeln auf ihren Lippen so zittrig das man meinen könnte sie würde anfangen zu weinen. Denn wenn sie sein Herz nicht erreichen sollte, würde sie so wenigstens nicht leiden.

"Biste wieder eingepennt?" sah Dimon den jungen Mann mit den Honigfarbenden Haaren an. Angelo war vom Äußeren her zwar Engelshaft, aber sicherlich nicht vom Wesen her. Im Gegenteil, er war zynisch, großspurig aber auch sanftmütig, jedoch auch genau so intelligent. Auch wenn er vielleicht mit seiner unbekümmert wirkenden Persönlichkeit, die steht den Anschein machte über alles lachen zu können, nichts wirklich ernst zu nehmen schien, war er schnell skeptisch, lies nie etwas ungeklärt für sich stehen und hinter fragte alles. Selbst die Professoren sprachen von ihm nur als Genie.
"Anteilig, wurde jedoch von nem Süßen Vöglein unterbrochen!", legte er den Kopf seitlich zurück, eine für ihn typische Haltung, was auf dem ersten Blick so aussah als ob er auf einem herab sehen würde, aber in Wirklichkeit bloß aus der Bequemen Haltung her rührte.
"Ein Vöglein?", fragte Dimitrie, ohne wirklich Interesse an der Antwort zu zeigen. Angelo schwieg, es würde nichts bringen drauf einzugehen, er war und würde noch lange Zeit nicht wirklich anwesend sein. Vielleicht hier und dort etwas wirklich realisiert wahrnehmen, doch der Großteil seines Bewusstseins war nicht im hier und jetzt, sondern bei Kiara.
"Du meinst damit doch wohl nicht den Vogel oder?!", wollte allerdings Dimon die Antwort wissen. Schmunzelnd sah Angelo den jungen Mann an. Auch wenn Dimon und Angelo nie wirklich derselben Meinung über etwas waren, würden sie sich wundern wenn sie wüssten das sie beide schon dem Vöglein begegnet waren und von ihrer Erscheinung wie auch Art direkt angetan waren. Doch Angelo grinste nur mit den Schultern zuckend und verließ die beiden wieder.
"Ich schwör, ich kann den nicht ab!", wütete Dimon, weil er es nicht für nötig gehalten hatte eine Antwort zu geben. Wo Dimitrie weder von dem einem noch von dem anderen etwas wirklich mitbekam. Seine Augen sahen nur die Vergangenheit, ihr Gesicht und seine Ohren hörten nur ihre Stimme, dennoch fing das Bild immer wieder an zu verzerren, zu wackeln und wurde immer wieder erneut von einem anderen Bild durchblitzt, von zwei großen farblosen Augen und diesem glänzendem Gesicht.


Die Fahrt zurück im Auto hatte Tia stumm damit verbracht gehabt seitlich aus dem Fenster zu sehen, Autos, ja sie wusste was Autos waren, hatte sie schon zu genüge gesehen, war lachend an ihnen vorbei geflogen, die Gesichter der Kinder hinten durch die Fensterscheiben gesehen, oder die müde wirkenden Gesichter der Fernfahrer. Doch nie zuvor hatte sie selbst in einem gesessen, bis heut. Sahen ihre Augen wie schnell alles an ihr vorbei huschte, ohne das das Gefühl zu besitzen wie der Wind unter dem eigenen Körper brach oder die Richtung bestimmen zu müssen.
"Und wie hatte dir die Universität gefallen? War es so wie du es dir vorgestellt hattest?", stieg Frau Williems aus, Tia überlegte, während sie neben ihrer Adoptivmutter den kleinen steinigen Weg zum Haus hin lief. Hatte sie sich so das leben hier vorgestellt? Zu einer Uni zu gehen, eventuell Freundschaften zu schließen? Wie ein normaler Mensch wirklich zu leben? Ja eigentlich schon, musste sie zu geben. Sie hatte sie alle immer still beneidet, beneidet darum das sie nicht einsam waren, nicht in einer Welt leben mussten wo es nur wenige der eigenen Art gab und nur alle hundert Jahre ein Baby das Licht der Welt erblickte. Tia selbst konnte nicht einmal sagen wie alt sie war, Zeit besaß in ihrer Welt eine andere Bedeutung.
"Vielleicht solltest du mal das Eis kennen lernen!"zog eine andere Stimme Tias Aufmerksamkeit auf sich, als diese gerade das Haus betreten wollte.
Schnell hatte Tia sich umgedreht, die Augen freudig auf gefunkelt, hätte sie beinahe unüberlegt seinen Namen gerufen und wäre auf ihn zu gerannt, wenn ihr in diesem Moment nicht die Tochter der Nachbarin in die Augen gestochen wäre, die mit ihren arroganten Blick Tia unfreundlich musterte.
-Eis?-, fragte sie durch die Gedanken, Filices Gesicht blieb glatt und unberührt, während er mit monotoner Stimme sprach: "In dieser Welt fahren die Menschen auf dem Eis, auf künstlichem Eis. Denke Dran Tia, drei Monate!", verschwand die weiße Gestallt mit dem schwarzen Mantel wieder ins Nichts, als ob er durch ein Tuch, was zu anfangs noch durchsichtig war, immer weiter vor ihren Augen verblasst wäre. Doch in Wirklichkeit stand Filice noch immer vor Tia, im Todesschein, wo jegliche Farbe dem Stillstand weichen musste und graue Trostlosigkeit alles in sich einhüllte. Ein Ort an dem jedes normale Herz irgendwann zerbrechen würde. Wo die Luft geruchlos war und kein Geräusch die Stille durchbrechen konnte, das Licht nur fahl und stumpf war. Doch für Tia war es die Verbindung zu der anderen Welt gewesen, aus dem Zwielicht konnte sie die Menschen beobachten und für eine gewisse Zeit so tun als ob sie zu ihnen gehören würde. Und nun war sie wirklich ein Teil von ihnen, sah Filice ihr noch immer nach, wie sie der Frau folgte. Und hoffte das sie so auch die Grausamkeit ihrer kennen lernen würde.
Einen Moment musste Tia schwer schlucken, bevor sie das Wort rufend aussprechen konnte "Mama?", fragend drehte die Frau mit den kurzen Locken sich um.
"Wo kann man hier auf Eis fahren?"
"Auf Eis fahren?", lachte die Mutter ungehalten weil ihre Tochter sich so unbeholfen ausdrückte. "Du meinst Schlittschuhlaufen?", fragte sie noch immer kichernd, setzte sich in der Küche am Tisch und zog sich die Stöckelschuhe aus, von denen ihr schon fürchterlich die Füße brannten.
"Ja!" erwiderte Tia, auch wenn sie nicht wirklich wusste ob das richtig war, was überhaupt Schlittschuhe waren.
"In der Stadt gibt es eine Eislaufhalle, welche erst aufgemacht hatte, wenn du magst kann ich dich später hinbringen!", auf dem Stuhl gegenüber hingehasstet nickte Tia eifrig, als ob sie Angst hätte das sie ihr Angebot gleich wieder zurück ziehen würde. Denn Filice sagte nie etwas ohne Grund und sicherlich wollte er ihr nicht nur etwas Spaßiges Näher legen.

Genervt hob Dimitrie den Hörer von der Gabel, seufzte einmal kurz und nahm das Gespräch entgegen, hatte die Hausnummer seiner Mutter schon auf dem Display gesehen und ahnte das nun wieder eine besorgte Stimme nach fragen würde ob alles in Ordnung sei. Wie sollte er da denn vergessen, bzw. verdrängen können? Sich ablenken? Wenn immer wieder jemand fragte wie es einen ging?
"Dimitrie? Dimitrie?", ertönte es durch den Hörer, als dieser nach einigen Sekunden noch immer nichts sagte, sein Blick nur starr auf das Foto an der Wang ging, von dem Kiara ihm entgegen lachte.
"Ja?", fragte er deswegen abwesend, das klare Blau seiner Augen betrübt in die leblos aus dem Foto zu ihm blickenden Augen von Kiara gerichtet, die ihn auf dem Foto fröhlich in ihre Arme geschlossen hatte und dabei lächelnd hinter ihm stand.
"Ich hatte deine Nachbarin heute getroffen und sie sagte mir das du wohl Schlaftabletten gekauft haben solltest, hast du Probleme beim Einschlafen?", war ihre Stimme schrill und wenn sie noch einen Tacken höher gesprochen hätte, wäre der Vergleich zu Mickey Mause auf Helium wahrscheinlich nahe liegend gewesen.
"Ja, aber es ist wieder besser, ich brauche sie auch nicht mehr!", log er, aber was hätte er auch sagen sollen? Das er damit versucht hatte sich umzubringen? Das es nur leider nicht effektiv genug gewesen war? Aber da hatte man es wieder, die dicke Frau von nebenan steckte jedes Mal ihre Nase in den Angelegenheiten von anderen hinein, kein Wunder das ihr Mann immer nur auswärts arbeitete, war wahrscheinlich auch schon zu genervt von ihr unentdecktes Talent der Spionage gewesen.
"Bist du sicher? Ich kann dir auch einen Termin bei meinem Arzt ausmachen?", wurden ihre letzten Worte von dem Schellen an der Tür übertönt.
"Mutter es hat geschellt, ich leg jetzt auf!", hielt er sich knapp, legte den Hörer zurück auf die Gabel und öffnete die Tür.
Mit aufgezwungenem Lächeln nickte er Dimon und Evelin zu, schnappte seine Jacke von der Garderobe, den Schlüssel vom Schrank und zog die Tür hinter sich wieder zu.
"Ich hoffe das du wenigstens etwas Spaß haben wirst!", lief Evelin auch direkt neben Dimitrie, mit zuckersüßen Blick, so wie sie ihn immer trug wenn sie mit ihm redete. Dem bezüglich Dimon nicht wusste was er denken sollte. Als Kiara noch lebte hatte Dimitrie weil seine Freundin es nicht zu stören schien, es immer nur belächelt, doch nun wo Kiara nicht mehr da war, wusste Dimon wenn er ehrlich war nicht wie Dimitrie auf Dauer reagieren würde. Aber das sollte nicht sein Problem sein, entzog er dem seinen Blick. Wenn sie kein Taktgefühl besaß würde sie halt die Konsequenzen ihres Handelns spüren müssen.

Bestürzt weil Tia nicht wirklich mit der Bezeichnung was anfangen konnte, stand sie vor dem großen Schild an der Seite vom Kassenhäuschen. Wo das Wort Blanddate schwarz in dicken Buchstaben zu lesen war.
"Tia du weißt bescheid oder? Wenn ich dich wieder abholen soll das du mich einfach anrufen sollst ne!", wollte Silvia Williems wieder zurück zum Auto gehen, Sie hatte vergessen die Parkuhr zu stellen und wollte nicht unbedingt einen Strafzettel riskieren. Wurde jedoch von Tias Griff an ihrem Jackenärmel davon abgehalten.
"Was bedeutet Blanddate?", fragte sie unschlüssig über das Wort. Das Gesicht der Mutter wurde zu einer Mischung aus peinlicher Gerührtheit und schmunzelnder Amüsiertheit, wo sie sich räuspernd anfing es mehr oder weniger zu erklären, "Blanddate bedeutet nichts anderes als Zeit mit jemanden zu verbringen den man noch nicht kennt, bzw. wo man im voraus nicht weiß um wen es sich handelt!"
"Also eigentlich nichts Schlimmes?", lächelte Tia erleichtert, wo Frau Williems sich nicht wirklich sicher war ob sie den Inhalt nun genau so verstanden hatte wie sie es meinte! Runzelte sie die Stirn, dieses Mädchen war zwar wirklich schön und damit meinte Frau Williems selten schön. Aber auch ebenso seltsam, nicht anders als ein Kind was man noch alles erklären musste. Trotzdem enorm liebenswert, würde ihr Lächeln zufrieden, womit sie der jungen Dame zu nickte und sie unbekümmert um das Kassenhaus herum gehen ließ.
"Manchmal ist es besser etwas aus erster Hand zu erfahren!", murmelte sie deprimiert, weil sie an Tias Stelle bei so einem Motto- Thema sicherlich nicht reingegangen wäre.
"Einmal bitte!", legte Tia das Geld hin was ihre Mutter ihr zuvor gegeben hatte hin und smilte dabei schief. Prüfend sah der Mann sie an, ein kleiner dicker Mann Ende der vierzig, mit kahler Stirn und dicken Schaal um den Hals.
"Sie wissen wie alles abläuft?", fragte er, Tia schüttelte den Kopf, der Mann seufzte und fing mit heiseren Stimme an zu erklären, "Sie werden gleich dort rein gehen, sehen sie die beiden separat getrennten Eingänge?", Tia nickte, der eigentlich breite Eingang mit den beiden Flügeltüren war in der Mitte durch einen schwarzen Vorhang getrennt worden, so das beide Türen jeweils in einen der beiden Eingänge führten.
"Sie müssen da durch den linken hinein gehen, dann erreichen sie einen Rolle mit Zetteln wo meine Arbeitskollegin sie auffordern wird eine Nummer zu ziehen. Jede Nummer gibt es exakt zweimal, das bedeutet das der glückliche mit derselben Nummer ihr Partner sein wird!", nun fing der Mann etwas an zu lachen, ein heiserenes verschnupftes Lachen, "darauf gehen sie dann in den Vorraum rein, wo beide Gänge wieder ineinander führen, dort…", lachte der Mann erneut, "Fordert sie jemand auf zu warten bis ihr Gegenstück da ist, wenn sie Glück haben geht es schnell, ansonsten, nun ja, warten macht Freude. Und wenn ihr Partner dann endlich da ist, wird euch beiden gepolsterte Handschellen angelegt, dessen Verbindungsstück mit einem Seil verlängert wurde, so das jeder seinen Privatraum für sich bewahren kann. Und wollen sie noch immer eine Karte kaufen?", grinste der dicke Mann von einem Ohr zum anderen, nicht mehr von ausgehend das sie wirklich nun dort rein wollen würde, denn ihr entsetztes Gesicht sprach da schon für sich. Doch zu seiner Verwunderung nickte sie nichtsdessotrotz fest entschlossen zu.
Die Nummer gezogen folgte Tia der Aufforderung den Gang weiter bis hin zur Vorhalle zu gehen. Wo eine weitere Frau mit roten Haaren nun auf sie zu kam
"Hi!", glänzten ihre Lippen vom Lipgloss, was Tia stutzig ansah, sie sah das da etwas auf den Lippen dieser Frau war, sah wie sie glänzten, wie die spiegelnde Oberfläche von Wasser, doch sie wusste nicht was es war. Wollte aber auch nicht fragen.
"Bitte, deine Hand!", hielt die rothaarige Frau ihre auffordernd hin, in der Tia ihre zögerlich hinein legte und im nächsten Moment eine Seite der Handschellen drum hatte.
"Nun müssen wir nur noch auf dein Gegenstück warten"

"Zieh du ruhig zuerst!" presste Dimon die Lippen zu einem Stich zusammen, denn er wollte es nun wirklich nicht riskieren mit Evelin Paarfahren zu müssen. Dimitries Augenlieder senkten sich während er der Aufforderung des Mannes nachkam und einen Zettel von der Rolle abzog.
"Tut mir leid, wir wussten nicht das heute Themenmotto ist!", endschuldigte sich Dimon, indessen er nun ebenfalls einen Zettel zog und Dimitrie in die Vorhalle folgte.
"Ah da kommen ja schon die nächsten!", lachte die rothaarige Schrill, entsetzt drehte Tia sich etwas zur Seite, war mehr ein Reflex auf ihr Entsetzen war, auf die Nervosität die von ihr in diesen Moment besitzt ergriffen hatte.
"Wer von euch beiden hübschen hat den nun die Nummer Dreiundvierzig?", lachte die Frau unbekümmert.
Dimitries Blick verfinsterte sich, er wollte das alles nicht, nicht mit irrgendeiner dahergelaufenen auf Pärchen machen und schon gar nicht die ganze Zeit ein erzwungenes Lächeln zum besten geben. Vieleicht sollte er einfach gehen? Überlegte er kurz, endschied sie jedoch schlussendlich Wortlos einfach auf die Frau zu zugehen.
"Ah sie sind also der Glückliche?"
"Glückliche?", konnte Dimon sich das Lachen nicht verkneifen, wer sollte mit so jemanden wie Evelin glücklich sein? Wurde allerding totenbleich als er genau diese aus dem Nebengang heraus schreiten sah und musste stimmlos mit ansehen das es sich bei der jungen Dame die seltsamerweise hinter der Frau stand, nicht um Evelin handeln konnte, da diese nun direkt neben ihm stand und genauso entgeistert mit ansah wie Dimitrie mit einer anderen verbunden wurde. Was heißen sollte das...!
"Nein!", sahen beide sich synchron geschockt an, zwei Stimmen die in diesem Moment gesprochen zu einer wurden und sich fassungslos auf nicht wollender Weise ansahen.
"Na wenn du dich noch mehr hinter der Frau versteckst, müssen wir sie gleich wohl oder übel gezwungendermaßem mit aufs Eis nehmen!"
Zaghaft luckte nun ein Gesicht hinter der Schulter der Frau hervor, was Dimitrie unwillkürlich smilen lies.
"So sieht man sich also wieder, was!"
Tia zog die Mundwinkel unwirklich auseinander, viel zu breit und viel zu steif, als das es überzeugend aussehen könnte.
"Ich werde dich schon nicht fressen Rotkäppchen!", grinste Dimitrie, auch wenn sein Gesicht noch immer diese eigenwillige Gleichgültigkeit aufwies.
"Mäuschen, da wartet noch ein Pärchen was verbunden werden will!", war die Stimme der Frau wohlwollend, sie empfand Tia genau dasselbe gegenüber was auch Frau Williems spürte, das trügerische Gefühl ein kleines Kind vor sich zu haben.
"Rotkäppchen?", hatte diese jedoch nur die Augenbrauen weit hoch gezogen und sah Dimitrie verdattert an, nicht wissend was ein Rotkäppchen sein sollte.
"Na die vom bösen Wolf!", antwortete Dimitrie, Tias Blick blieb unwissend.
"Du kennst wirklich Rotkäppchen nicht?", wollte er nicht glauben was anscheinend aber Tatsache war. Er konnte ja nicht wissen das es in ihrer Welt so was wie Rotkäppchen, die Schöne und das Biest oder Cinderella nicht gab.
"Na los, kommse!", zog Dimitrie plötzlich mit einem Ruck an der Schnur und Tia somit abrupt zu sich, welche mit weit aufgerissenen Augen vor ihm zum stehen kam und die rothaarige Frau dabei unwillkürlich etwas zur Seite gestoßen hatte.
"Na schon besser, oder?", legte er den Kopf schief, griff nach ihrer Hand und zog sie hinter sich her, zur der langen Bank mit den Schlittschuhen.
Mit Augen die zuvor weder so was wie Schlittschuhe gesehen hatten, noch wirklich wusste was man mit ihnen anstellen sollte, stand sie immer noch nur so da, mit den Blick auf die vielen Schuhe, während Dimitrie sich schon ein passendes Paar raus zog und nun neben ihr auf der Bank saß.
"Willst du nicht auch welche anziehen?", sah er sie skeptisch an, als sie nach dem er auch den zweiten schon anhatte und nun verschnürte, noch immer nur so dort stand.
Prüfend sah Tia erst auf ihre Schuhe, schwarze Lackschuhe wo die weißen Spitzensocken heraus luckten, dann auf die vielen aneinander in vier Reihen verteilten Schlittschuhe.
"Diese!" hatte sie auch gleich die passende Größe lokalisiert gehabt, sie raus gezogen und sich neben Dimitrie( mit genug Platz zwischen ihn und sich) gesetzt.
"Das ist genau dieselbe Größe die du anhast oder?", sah Dimitrie die Schlittschuhe in ihren Händen an, Tia nickte ohne zu verstehen wieso er das fragte.
"Es ist immer besser eine Nummer größer zu nehmen, also die daneben!", zeigte er auf die Schlittschuhe rechts von der nun dort befindlichen Lücke, in der vorher die Schlittschuhe standen die Tia nun in der Hand hielt. Nickend erhob Tia sich wieder, stellte sie wieder zurück und zog das paar daneben heraus.
"Na ihr beiden!", kam Dimon mit Evelin hinzu, die Tia direkt missbilligend ansah, was auch Dimitrie nicht verborgen blieb, aber wenig interessierte.
Die Schlittschuhe angezogen, hatte Tia sich zuvor genau mitangesehen wie Dimitrie seinen zweiten geschnürt hatte und geschickt imitiert gehabt. wo sie nun mehr schlecht als recht auf den Dingern versuchte Dimitrie zu folgen. Welcher weder Notiz noch Interesse anscheinend daran hatte ob sie ihn nun folgen konnte oder nicht. Was ihr Herz auch wahrnahm, es spürte nur durchgehend die Sehnsucht die er nach dieser Frau besaß und musste sich zusammen reißen um es ihrem Gesichtsausdruck nicht anmerken zu lassen.
"Mensch Dimitrie!", knirschte Dimon mit den Zähnen, während er Evelin unsanft mit sich riss um Tia helfen zu können.
"Hast du sie noch alle?", fauchte diese wütend, weil sie gerade ein passendes paar Schlittschuhe heraus nehmen wollte und unvorgewarnt plötzlich nach hinten gerissen wurde.
"Du kannst nicht einmal fahren habe ich recht? Das erste Mal hier?", stöhnte Dimitrie entgeistert.
"Sollen wir die Frau fragen ob wir die Partner tauschen können?", sah Dimon seinen Freund ernst an.
"Ja gute Idee, ich kann fahren und wenn Dimon ihr gerne das Fahren beibringen möchte, wieso nicht, oder?", mischte Evelin sich direkt mit ein. Tias Herz raste, schmerzte und wollte stehen bleiben gleichzeitig, eine Nervtötende Stille trat ein, in der Dimitrie seinen Freund Wortlos ansah. Tia wollte nicht das er wechseln würde, allerding hatte sie auch nicht die Kraft dazu seiner Gleichgültigkeit entgegen zu treten, nicht jetzt und nicht heute.
"Ja lass uns bitte tauschen!", lächelte sie deswegen resignativ, Evelin grinste zufrieden.
"Nein!", sprach Dimitrie jedoch plötzlich endschieden, umfasste ihr Handgelenk und führte sie so mit sich aufs Eis.
"Ich zeig dir wie es geht, also pass gut auf!", sah er auf ihre Füße, wo Tia erst jetzt wirklich realisierend auffiel das er sie die ganze Zeit schon nicht wirklich angesehen hatte. entweder an ihr vorbei, ihre Hände oder so wie nun ihre Füße legendlich angesehen hatte.
"Ist okay!", machte es ihre Stimme fester und den Blick stur.
"Gut!", hatte Dimitrie zwar den Wandel in ihrer Stimme bemerkt gehabt, aber kein wirkliches Interesse dran gezeigt.
Fest nahm er ihre Hände in die Seine und bewegte langsam einen Fuß gleitend nach dem anderen zurück, so das sie ihm problemlos hätte folgen können. Stattdessen hatte sie allerdings beide Schlittschuhe fest aneinander gepresst, den Körper vollkommen versteift und sich so bloß mit ziehen lassen.
"Na so kann es nichts werden!“, blieb sein Blick weiterhin auf ihre Füße, Tia schwieg.
"Also noch mal!", wiederholte er seine Bewegung, ganz langsam, indessen Tia sich jedoch immer noch bloß mitziehen lies, er nun aber das Zittern ihrer Hände bemerkte und wenn er in diesem Moment hoch gesehen hätte, hätte er auch die Weißen Augen gesehen, die vor Angst für den Moment ihre Maskerade nicht halten konnten, aber mit dem klang seiner Stimme sich direkt wieder normalisierten (für Menschen)
"Du musst dich lockern, du brauchst keine Angst haben, ich halte dich!", sah er nun zu ihr hoch, in ihre Augen, diese großen schönen Augen, die wieder dieses Bild, was fast schon verblasst war, wieder hoch holte und ihn gleich wieder weg sehen lies.
Die Zähne aufeinander gepresst hätte sie in diesem Moment am liebsten angefangen zu schreien, weil sein Herz einen lauten Hilfeschrei erklingen lassen hatte, ein Hilfeschrei danach das er diese Augen nicht sehen will und gleichzeitig verzweifelt innerlich um Kiara weinte.
Trotzig, weil sie dieses Gefühl nicht spüren wollte, seine Trauer und Sehnsucht nach dieser Frau nicht fühlen wollte, bewegte sie gleitend ein Fuß vor den anderen, seinen Bewegungen folgend.
"Na geht doch!", wollte Dimitrie gerade zu ihr auf sehen, als ihm plötzlich jemand mit der Hand fest auf die Schulter packte und er erschrocken in Angelos Gesicht sah.
"Komm schon, bitte lass uns tauschen!", zog er das Seil der Handschellen mit der anderen Hand nach vorne, wo eine junge Dame mit dunklem Haar nun zum Vorschein kam.
"Dimon wollte ich nicht fragen, weil Evelin zu ertragen, ne, nein danke, aber ich will auch nicht unbedingt mit meiner eigenen Schwester fahren!", verzog er das Gesicht. Angelo und Tiana waren Eineiige Zwillinge und Dimitrie wusste das Angelo wohl nur hier war um sie auf andere Gedanken zu bringen. Das ihre Beziehung vor zwei Tagen unschön in die Brüche gegangen war und sie seitdem wie ein Schluck Wasser nur noch im Bett gelegen hatte. Und mit Dimon hatte er auch legendlich nur nicht getaucht weil ihm sonst mit den Flirtversuchen von Evelin wahrscheinlich irgendwann der Kragen geplatzt wäre und wenn manche Dinge erst einmal ausgesprochen waren, konnte man sie nicht mehr zurück nehmen.
"Von mir aus kein Problem, was ist mit dir?", sah er Tia an, die ihren verletzten Blick gut kaschierte und nickend lächelte.
Auch wenn die Frau mit den roten Haaren überrascht darüber war das Dimitrie nun doch tauschen wollte und das auch noch gegen eine die zwar ebenfalls hübsch, aber noch lange nicht so schön wie die zierliche Blondine war. Aber was sollte sie tun? Sie hatte keinen Grund es zu verweigern und wollte es auch nicht, dazu wirkte der Blick der Kleinen schon viel zu verletzt, als das sie ihr noch mehr Demütigung auf erzwingen wollte und mit jemanden fahren lässt der anscheinend nicht mit ihr fahren wollte.

"Na Vöglein! Nimm es Dimitrie nicht böse, doch er hätte jede getaucht!", hielt Angelo ihr die Hände hin, schon mit den Füßen auf dem Eis, während Tia noch immer auf dem Betonboden stand und ihre Hände nun in die seine legte.
"Jede?", echote sie es fragend, Angelo nickte, während er Tia zaghaft aufs Eis führte, anders als es zuvor Dimitrie getan hatte. Viel vorsichtiger und bestimmter.
"Du musst wissen das seine Verlobte gerade erst Beerdigt wurde und meine Schwester, also Tiana ist die einzige die wirklich an ihn ran kommt. Die beiden hatten sich schon immer blendend verstanden und ich glaube wenn seine Verlobte nicht gewesen wäre, hätte aus den beiden auch was werden können!" - und sie wäre nie an dieses Arschloch geraten-, fügten seine Gedanken noch hinzu. Mit der Ahnung um das Wissen das jedes seiner Worte die zierliche Person vor sich schmerzhaft verletzte.
Tia wusste zwar das es schwer werden würde, doch das es so schwer werden würde und das sie so wie es aussah, nun nicht nur gegen eine Frau die selbst im Tode noch sein Herz gefangen hielt, auch noch gegen eine die gegenwärtig, mit ihm vertraut war, kämpfen musste, das hatte Tia nicht gewusst und ein Teil von ihr wollte schon fast wieder aufgeben, Filice sich ihn vergessen lassen. Aber Tia wäre nicht Tia wenn sie nicht weiter kämpfen würde, kam ein Teil ihres alten Funkels in den Augen zurück, mit denen sie Angelo nun fest ansah.
Angelos Worte waren zwar nicht gelogen und wenn genug Zeit vergehen würde, da war er sich sicher, das die beiden eventuell wirklich zueinander finden würden. Doch er hatte es diesem Mädchen nicht gesagt weil er bloß Dimitries Handeln endschuldigen wollte und nicht genug Feingefühl besitzen würde um nicht bemerkt zu haben das Dimitris Handeln sie verletzte. Nein, er tat es nur um zu sehen wie die Reaktion ihrer Mimik sein würde, in wie weit es sie treffen würde und in wie fern sie durch Dimitries Handeln verletzt war. Zuerst hatte er auch angenommen, als ihre Augen immer demütiger wurden, das ihr Herz gerade unter seinen Worten brechen würde, aber als ihre Augen sich plötzlich wieder festigten, war er sich dem gar nicht mehr so sicher.
Tia grinste innerlich, sie hatte die Emotionale Situation in seinem Herzen bemerkt gehabt, das Mitleid gespürt was sein Herz zu geschnürt hatte und dem endsprechend wieder gelächelt, ein alles- wird- gut- Lächeln aufgelegt, was so fest war, das es selbst jemand wie Angelo für echt hielt.
"Ich hoffe das deine Schwester sein Leid lindern wird, wenn ich solche Schicksalsschläge höre nimmt es mich immer sehr mit!", schwächte ihr lächeln gewollt bei der Lüge ab. Angelo hob die Augenbraue, konnte er sich da wirklich so getäuscht haben? Auch wenn alles in diesem Moment dafür sprach, blieb ein Restzweifel in ihm, der so lange er nicht vollkommen niedergestreckt sein würde, immer wieder neu entflammen würde.

"Auch wenn du deine Gefühlslage überspielst, mich kannst du nicht täuschen, ich sehe das dieses Lächeln nicht echt ist!", fuhr Tiana ruhig neben ihm, im selben gleitschritt wie es auch Dimitrie tat. Ja Dimitrie wusste das sie sein wie gemeißelt wirkendes Lächeln durchschauen würde, genauso wie er wusste das er in ihrer Gegenwart nichts vorspielen musste, das er bei ihr einfach er selbst sein konnte. So wie es schon immer so gewesen war.
"Ich versuche es so zu verarbeiten!", machte er einen leichten Bogen, dem Tiana problemlos folgte und steuerte auf die Tische mit den Stühlen zu.
Vorsichtig mit den Dingern wie schuhe über die Pflasterung gelaufen, setzte Tiana sich ihm gegenüber, vor einem kleinen vier eckigen Tisch, an denen jeweils immer nur zwei Stühle platziert wurden.
"Auch wenn du versuchst den Schmerz zu verdrängen, er verschwindet nicht einfach so, aufgeschoben ist noch lange nicht aufgehoben, Dimitrie!", legte sie ihre Hände auf den Schoss. Tiana war eine ebenso ruhige und sanfte Persönlichkeit wie es auch Kiara gewesen war und bevor er Kiara kennen gelernt hatte, fing es fast schon an zwischen den beiden zu knistern, wo sie noch zarte vierzehn waren und nun saß sie mit neunzehn vor ihm, ein ebenso gebrochenes Herz wie er, vielleicht war es ein Wink vom Schicksal, dachte er sich für den Moment, doch sein Herz schrie gleichzeitig wieder nach Kiara, so laut und so stark das es wie ein Pfeil durch Tias Herz hindurch schoss und sie für den Moment unwillkürlich entsetzt den Kopf anheben lies, wo sich beinahe auf Grund dieses schmerzvollen Echos seiner Gefühle, Tränen in ihren Augen gebildet hätte.
"Alles in Ordnung Tia?", fragte Angelo vorsichtig, ihre Züge waren für den Moment vollkommen versteinert gewesen, die Augen als ob sie einen starken Schmerz erlitten hätte, weit aufgerissen, wo sich ihre Haltung nun langsam wieder lockerte und sie wieder mit diesem >alles ist gut< lächeln ihn ansah.
"Oh man das gibt’s doch nicht!", blieb Evelin hastig stehen als sie Dimitrie mit Tiana dort sitzen sah. Wenn es eine Liste mit von ihr gehassten Frauen geben würde, wäre jede einzelne drauf die irgendwie eine Rolle in Dimitris Leben spielte, angeführt von der Nummer eins: Tiana.
"Irgendwie ist mir ein wenig schummrig!", sah Tia Angelo endschuldigend an und erklärte das sie für ein paar Minuten raus gehen wolle.
"Soll ich mit kommen?", fragte dieser besorgt, Tia schüttelte den Kopf, sie musste diesen Schmerz nur eben sacken lassen und dafür brauchte sie etwas Zeit für sich, auch wenn es nur ein paar Minuten sein sollte.
"Ich möchte nur kurz etwas Luft schnappen!", blieb sie mit ihm vor der rot Haarigen frau stehen, die ebenfalls dafür dort stand um die paare voneinander zu lösen, falls mal eine auf die Toilette müsste.(Tia und Angelo standen vorher immer noch vor der Plattform)
"Kurz lösen?", fragte die Frau, Tia nickte.
"Okay, ich warte hier auf dich!", sah er sie vertrauensvoll an, während die Frau mit dem kleinen Schlüssel die Fessel um Tias Hand löste. Auch wenn ihr es eigentlich egal sein könnte, wusste sie nicht ob sie dieses Mädchen nun bedauern oder beneiden sollte, den ihr jetziger Partner sah ebenso gut aus wie der vorige! Dennoch schien sie noch immer diesen tief schmerzvollen Blick in ihren Augen zu besitzen, auch wenn durch ein Lächeln kaschiert.
"Ist okay!", huschte Tiadurch den Eingang, wo sie die Flügeltür aufschob und angelehnt an ihr stehen blieb.
Das Vermächtnis des Racheengels ware mittlerweile in Tia schon so stark ausgeprägt gewesen, das sie beinahe schon genauso stark waren, das sie kaum noch in der Lage war diese Wortlosen Hilfeschreie zu ignorieren. Ein Racheengel konnte Schmerz, die Sehnsucht, den Hass und den Todeswunsch von jemanden spüren, allerdings so was wie Liebe, Freude, oder Vertrauen wiederrum nicht! Nur die Gefühle die aus Leid resultieren.
Dabei war das Wort Engel vollkommen Schwachsinnig, sie waren Wesen aus dem Jenseits, einem Ort was nicht wie die Vorstellungen der Menschen so was wie der Himmel war, sondern wo die Seelen zurück zu ihrem Uhrsprung den Seelenbäumen gelangen um wieder erneut geboren zu werden.
Sie waren keine Engel ohne freien Willen, sondern bloß an einer Aufgabe gebunden, den das Seelenführen regelte die Existenz, somit auch ihre Existenz, ohne den ewigen Kreislauf der Seelen würden die Seelenbäume nicht existieren können, ihre Aufgabe verlieren und somit verschwinden und mit ihnen auch sie, den die Ewigkeit war keine Unsterblichkeit, sondern bloß eine Koexistenz mit den Seelenbäumen, ein miteinander was ohne einander nicht funktioniert. Dem bezüglich waren die von den Menschen ironischer Weise betitelten Racheengel bloß Seelenführer mit sensiblen Herzen, wie eine Antenne für Leid. Wahrscheinlich ein Genfehler, wo es den Wesen selbst überlassen war auf so einen Ruf zu reagieren oder nicht. Doch dachte Tia bis her immer das einen diese Rufe nur erreichen können wenn man als Seelenführer denn Todesschein betritt.

So sehr wie Dimitrie die Gegenwart von Tiana auch mochte, war das alles nun zu viel für ihn, er schaffte es nicht mehr sich aufs Fahren, oder einem Gespräch zu konzentrieren, seine Augen fühlten sich schon wieder so nass an und er wusste, das wenn er länger in diesem Zustand unter seinen Freunden sein würde, das er entweder so gereizt sein würde, das jedes Wort das andere irgendwann in der Falschen Richtung ergeben könnte, oder er vor ihnen noch zusammen brechen würde. Weder das eine noch das andere wollte er. Lief er mit gedanken- Verlorenheit den Gang an dem schwarzen Vorhang entlang zurück, durch die Flügeltür hinaus.
"Sie hatte Recht gehabt, so lange du verdrängst, wird das Leid schlimmer!"
-Was?-, riss in diesem Moment der Geduldsfaden in Dimitrie ganz, womit er sich Hasserfüllt umdrehte und in das Gesicht von Tia blickte, was weder eine erschrockene noch entsetzte Reaktion auf seinen finsteren Blick zeigte.
"Wenn du von nichts ne Ahnung hast solltest du dich raus halten!", raunte seine Stimme drohend, doch Tia senkte nur ihre Augenlieder, sie hatte vorher für den Moment vergessen gehabt was sie wirklich war, in den Versuch sich verloren sein Herz erreichen zu wollen. Doch hat der Stich durch ihr Herz, der wie ein Pfeil durch sie von Dimitrie hindurch geschossen wurde, das letzte bisschen Hoffnung auf dem Boden der Realität in ihr zerschellen lassen und sie dazu gebracht den Endschluss zu fassen hier aufzugeben. Bevor ihr Herz für die Ewigkeit gebrochen sein sollte. Und die drei Monate einfach nur als Mensch hier alles kennen zu lernen.
"Glaubst du wirklich das Schmerz so banal ist? Das es aufhört weh zu tun wenn du versuchst es zu vergessen?", blieb ihr Blick apathisch, obwohl ihre Worte so schwer wiegend waren. Tia wusste nämlich das Schmerz nicht einfach verschwand, das er so nur gnadenloser werden würde.
"Was zum Teufel geht es dich an? Wer bist du überhaupt das du dich in die Angelegenheiten anderer einmischen tust?", wütete Dimitrie weiter, sein ganzer Körper bebte schon.
"Jemand der mehr über Trauer und Schmerz weiß als du!", kehrte sie ihm den Rücken zu und ging zurück in den Gang. Doch Dimitrie war zu sauer, zu außer Kontrolle geraten als das er es so auf sich beruhen lassen könnte. Was bildete sie sich auch ein? Was wagte sie es so etwas zu sagen? Schritt er ihr hinter her, holte sie ein und zog sie am Arm zurück.
"Was glaubst du eigentlich wer du bist?", schrie er, seine Augen sprachen nur eins, Hass. Doch Tia spürte nur den Hilfeschrei von seinem Herzen, den Schmerz der es zu zerbrechen drohte.
"Glaubst du das sie sich besser fühlen würde wenn sie wüsste wie sehr du dich selbst quälst?", hielt sie seinem Blick stand, mit den Rücken dem Vorhang zu gewandt und seinem schmerzvollen Griff um ihren Arm.
"Rede nicht so als ob du sie gekannt hättest!", wurde sein Ton dunkel, dieses Mädchen stach immer weiter mit ihren Worte in Richtungen ein die sie lieber nicht anrühren sollte.
"Woher willst du wissen ob ich sie gekannt habe oder nicht?"
"Weil wir immer zusammen waren und ich bemerkt hätte wenn da noch jemand anderes als die gängigen Freunde gewesen wären!", knirschte er mit den Zähnen.
Tia sah ihn unberührt an.
"Bist du nun stolz auf dich? Hast du erreicht was du wolltest?", ließ er plötzlich ihren Arm los und setzte einen Schritt zurück.
"Bist du stolz auf dich, das du dich aufführst als ob du der einzige wärst der leiden würde?", wurde nun ihre Stimme lauter, Dimitris Gesicht war nun völlig verdunkelt, sein Mund öffnete sich schon, doch Tia lies nicht zu das er redete, sprach immer lauter weiter, "Glaubst du nicht auch das sie die Jenige war die gelitten hatte? Das nicht du, sondern sie die bestrafte war? Zu wissen das man sterben wird und trotzdem Angst um den Menschen haben muss den man liebst, weil seine Welt darunter zerbrach?", schrien die Gefühle aus Tia heraus die sie in diesem Moment als sie diese Frau gesehen hatte fühlte. Perplex und vollkommen verstört sah Dimitrie sie für den Moment an, bevor er sich wieder fing.
"Rede nicht so als ob du sie kennen würdest!", wiederholte er es scharf.
"Ich habe sie gekannt!", schrie Tia, ihr Herz schmerzte so sehr, das sie nicht einmal mehr in der Lage war nach zu denken.
"Ich habe gesagt, du sollst aufhören so zu tun als ob du sie gekannt hättest!", schrie Dimitrie nun außer sich vor Zorn.
"Nicht gekannt?", stieß sie ihn von sich weg, als er wieder unsanft drohend nach ihrem Arm greifen wollte.
"Ich war dabei als sie starb, ich habe gesehen wie schmerzvoll sie dich in ihren Bett angesehen hatte…"
"Was?", murmelte er wie paralysiert.
"Ich habe gesehen wie sie ihre Augen schloss, wie du an dem Bett zusammen gebrochen bist! Ich war die jenige die ihr versprach auf dich aufzupassen, weil sie Angst hatte du könntest dir was tun! Also fang du dich langsam mal und versuch zu verstehen was der Tod bedeutet, das der Schmerz den du dir selbst zufügst nichts ändern kann. Sondern trauer endlich um sie!", liefen nun unwillkürlich Tränen über ihr Gesicht, was Dimitris ganze Wut verrauchen lies, das Gesicht versteinerte und nur erstarrt mit ansehen konnte wie Tia in ihren Socken davon lief.
"Sie hat Recht Dimitrie!", trat Tiana in den Gang hinein, auch wenn sie selbst entsetzt darüber war was dieses Mädchen von sich gab, waren ihre Worte richtig gewesen
"Wenn du weiterhin dich vom Leben so entfernst wirst du dich selber zerstören!"
Dimitrie wusste das sie Recht hatte, das sie beide Recht hatten und nun wo seine Wut verraucht war konnte er auch wieder klar denken.
"Du musst mir einen Gefallen tun!", sah er sie ernst an.

Nun war Tia wirklich nach weinen zu mute, aber nicht weil sie sein Schmerz fühlen konnte, sondern weil sie nun ihren eigen spürte. Filice hatte Recht! Waren ihre Augen wackelig, die Menschen waren grausam, zerstörerisch und gnadenlos! Musste sie gegen den Drang ankämpfen ihn her zu rufen, zurück in ihre Welt zu gehen und stattdessen sich auf die Bank zu setzen und die Schlittschuhe wieder über zu streifen.
"Du hast also bemerkt wie schrecklich die Menschen sein können ja!", sah Filice sie vom Vorraum aus an, im Todesschein verhüllt, während Tia auf Angelo zu ging und ein gespieltes Lächeln über ihren Schmerz legte.
Die Frau wollte gerade die Handschelle um Tias Hand legen, als eine gelassen wirkende Stimme hinter ihr erklang, "Wir tauschen wieder!", stand nun Dimitrie mit Tiana vor ihr.
"Und aus welchen Grund so plötzlich?", sah Angelo ihn prüfend an.
"Nein!", sagte Tia hingegen schneidend.
"Wir beiden haben die gleiche Nummer, oder? Also müssen sie auch uns beiden mit einander verketten, oder sehe ich das falsch?", überging er einfach Tias Gegenspruch und sah die rot Haarige Frau ernst an.
"Ja, richtig!", war diese durch seinen autoritären fordernden Blick eingeschüchtert, entnahm Tiana die Handschelle und legte sie erst Dimitrie und dann Tia an, die nur wiederwillig ihren Arm hinhielt weil Dimitrie ihn nach vorne gezogen hatte.
"Dann lass uns mal etwas fahren Rotkäppchen!", grinste er genauso unheilvoll wie es der böse Wolf tun würde, im Wissen das sie diese Geschichte nicht zu kennen schien.
"Warum tust du das?", waren ihre Hände in seinen verkrampft.
"Wie ich sehe kannst du schon recht gut fahren!", lies er trotz der Erkenntnis ihre Hände nicht los. Tia schwieg, sah ihn nur weiterhin auffordernd ihrer Frage bezüglich an.
"Du kanntest also Kiara? Habt ihr euch im Krankenhaus kennen gelernt?", wurde sein Blick von süffisant zu ernst.
"Ja!", gab sie schnippisch Antwort, auch wenn es nicht ganz die Wahrheit war, sie stattdessen hätte sagen müssen, vor dem Fenster des Krankenhauses, weit über den Boden im Todesschein! Doch eine Lüge war es ja auch nicht.
"Haben wir beiden uns vorher schon einmal gesehen?", musste er wieder an seinen merkwürdigen Traum denken, als er trotz der Tabletten wieder aufgewacht war. Vielleicht hatte er sie ja dort gesehen und sein Unterbewusstsein es in einem Traum verändert!
"Nein, du hattest mich nicht gesehen!", log sie, den sie wusste das er nach dem Kuss kurz die Augen aufgeschlagen hatte, das er sie hatte deutlich sehen können.
"Wieso warst du dort im Krankenhaus und wie habt ihr euch kennen gelernt?", bewegte er sie weiterhin auf dem Eis hinter sich her, langsam und mit geschmeidiger Schrittführung.
"Zu dem einen, das ist meine private Sache und zum anderen, es war mehr oder weniger eine Zufalls Begegnung an dem Tag als sie starb, wo sie diese Bitte während du vor dem Bett auf dem Stuhl geschlafen hattest, an mich richtete!", verschleierte das >Mehr oder weniger< die Tatsache das sie ihrem Hilfeschrei gefolgt war.
"Und wie willst du auf mich aufpassen?", zogen sich seine Mundwinkel etwas nach oben, dennoch spürte sie noch immer den Schmerz in ihm, auch wenn er langsam wieder etwas abklang, die Spitze des Berges wieder verließ.
"Wie sollte ich es können? Ich habe etwas versprochen ohne zu wissen wie oder wer du wirklich bist, ohne dein Gesicht vorher gesehen zu haben ( er schlief auf seinen Ellenbogen) Ohne zu wissen wie störrisch und zerstörerisch du bist. Doch hat es mir etwas gezeigt, den nun verstehe ich ihre Angst!", verfinsterte sich ihr Blick von Wort zu Wort genauso wie Dimitrie seiner sich auch.
"Vielleicht hättest du es nicht versprechen sollen!"
"Vielleicht hätte ich dich auch sterben lassen sollen!", erwiderte sie, worauf Dimitrie in seiner Bewegung ruckartig stoppte.
"Was hast du gesagt?", war der Gesichtsausdruck auf seinem Gesicht bleich und ernst. Nun bemerkte Tia auch was sie gerade gesagt hatte und musste sich schnell etwas einfallen lassen.
"Wie gesagt, deine Freundin hatte mir erklärt gehabt das sie Angst hatte das du dir was antun würdest, weswegen ich zu Anfangs auch wirklich darauf gepicht war mein Versprechen zu halten. Und als ich gesehen hatte wie du die Schlaftabletten gekauft hattest, konnte ich eins und eins zusammen Zählen!", fiel ihr wieder ein wie er in die Apotheke ging, den dieser Teil war bis dahin wirklich nicht gelogen.
"Doch als du auf das Schellen auch nicht reagiertest, hatte ich den Schlüsseldienst gebeten mir auf zu machen, gesagt das ich den Schlüssel vergessen hatte wonach ich dich dann so vor fand!"
"Du hast mich also wirklich geküsst?", an dieser Aussage hätte Tia sich beinahe verschluckt gehabt und genauso panisch waren ihre Augen auch weit aufgeschlagen, doch fing sie gleichzeitig gespielt an zu schmunzeln.
"Nein, ich hatte Brechmittel vorher gekauft gehabt und es dir so verabreicht, wahrscheinlich erinnerst du dich nicht mehr daran wie du danach alles ausgebrochen hattest!", grinste sie schief, beinahe schon entschuldigend. Daran konnte Dimitrie sich aber wirklich nicht erinnern ( er wusste ja nicht das es eine Lüge in der Wahrheit war) Er erinnerte sich an das Gefühl wie ihre Lippen die seine berührten, an den Moment wie er die Augen öffnete und ihre sanften Augen sah, dieses schöne Gesicht was nun vor ihm war und ihn hart anblickte.
"Also war es trotzdem ein indirekter Kuss gewesen!", grinste er breiter, womit Tia den Schmerz in ihm nur noch ganz eben wahrnehmen konnte, aber Tia wusste das er im Moment nur abgelenkt war.
"Willst du es noch mal versuchen?", festigte sich das Grinsen und für den Moment schien Kiara völlig aus seinen Gedanken verschwunden zu sein, wofür er sich später verurteilen sollte und sie noch mehr. Doch aus Tias Gedanken war sie nicht verschwunden und auch die Tatsache nicht das sie es aus seinem Herzen auch nicht war.
"Ich werde mein Versprechen für die Zeit die ich hier bin halten, doch wenn die Zeit abgelaufen ist, habe ich meine Schuldigkeit getan!", war es Tias ernst, denn wenn der Countdown anfängt runter zu zählen, zählte er auch den Countdown zu dem Moment runter in dem er aus ihren Erinnerungen verschwinden würde.
"Soll das bedeuten das du bald wieder gehen wirst? Wohin gehst du?", blieb das Grinsen auf seinen Lippen, auch wenn man in seinen Augen bei genauerem Hinsehen noch etwas anderes hätte sehen können.
"Waren es nicht deine Worte das man sich in die Angelegenheiten anderer nicht einmischen soll?"
"Du mischt dich in meine doch auch ein!", hielt er gegen, langsam wieder weiter mit ihr zurück fahrend
"Zurück nach Hause!", antwortete sie.
"Wo ist das?"
"Ein Ort den du nicht kennst!"
"Woher willst du das wissen?", zog er sie mit den Händen etwas näher, nicht viel, nur ein wenig.
"Weil ich es weiß!", brummte sie genervt.
"Gesprächig bist du wohl nicht gerade oder?", lachte er leise.
Aufmerksam hatte nicht nur Tiana alles mit angesehen, sondern auch Angelo und was er nun sah schien seltsamerweise andersherum nun zu sein, nun öffnete er sich ihr und sie machte dicht!
Abschätzend ging Angelos Blick danach zu seiner Schwester hin, sie stand mit merkwürdigen Lächeln neben ihm, die Lippen grausam auseinander gezogen, wobei man meinen könnte sie würde still vor sich hin weinen. Doch das tat sie nicht, es war kein gespieltes Lächeln, keine Fassade, sondern ehrlich, legendlich mit Traurigkeit und Verlustangst besetzt, auch wenn sie wusste das Dimitrie nur wegen Kiara so handelte, doch schien sein Gesicht in diesem Moment nichts von ihr zu erzählen.
"Ich glaube ich werde jetzt aber gehen!", hielt Tia unerwartet für ihn ihren Arm signalisierend hoch.
"Dann musst du erst einmal versuchen mich dazu zu bekommen zurück zu fahren!", fuhr er mit bestimmten Bewegungen, denen sie unwillkürlich Folge leisten musste, auf die Tische zu, an denen er zuvor mit Tiana gesessen hatte und diesen überwältigend grausamen Hilfeschreie ausgesendet hatte.
"Möchtest du auch etwas trinken?", zwang er sie mit weiter an den Tischen vorbei zu der Bar zu gehen. Eine kleine weiße Baar, dessen Oberfläche an der Seite blaues LED-Licht besaß.
"Nein danke!", zischte sie patzig und kam mit den Schlittschuhen unbeholfen neben ihm vor der Bar zum stehen.
"Was darf es sein?", hatte ein alter Mann die beiden schon auf sich zukommen sehen und mit geduldiger Mimik gewartet.
"Eine Cola bitte!", zuerst war Dimitrie am überlegen gewesen etwas Härteres zu nehmen, etwas was vielleicht die Welt für gewisser Zeit etwas rosiger wirken lassen könnte. Endschied sich dann jedoch bloß für die Cola.
"Kommt sofort!", nickte der alte Mann, womit Dimitrie die junge Dame wieder zu dem Tisch zurück zog an dem er zuvor mit Tiana gesessen hatte.
"Du kannst von mir aus auch gerne stehen bleiben!", blieb Dimitries Mienenspiel unberührt als Tia nach einigen Sekunden noch immer stur vor dem Tisch stand und eingeschnappt die Arme ineinander verschlungen hatte, sich dann aber doch nur angefressen hinsetze, auf demselben Stuhl auf dem zuvor auch Tiana gesessen hatte, nur das ihr Blick deutlich wohlgesonnener gewesen war, als der es von Tia in diesem Moment war.

Stutzig sah Silvia Voigs zur Tür hin als es zweimal klingelte, Besuch erwartete sie eigentlich nicht, weswegen sie ehr mit Unbehagen der Tür entgegen schritt, als mit Neugier wer es sein könnte. Was noch aus der Vergangenheit resultierte, bevor sie ihren jetzigen Mann kennen lernte und Dimitrie bekam. Zu einer Zeit wo sie sich von ihrem Ex trennte und dieser es nicht so akzeptieren wollte, wütend sogar den Postkasten demolierte und immer wieder betrunken an schellte um Ärger zu machen.
"Hallo Sherelin!", lächelte ein ausgelaugt wirkendes Gesicht der Frau entgegen, als diese die Tür vorsichtig geöffnet hatte.
"Tanja! Komm doch bitte rein!", setzte Sherelin hastig einen Schritt zur Seite, damit die dunkel haarige Frau eintreten konnte.
"Geht es Dimitrie besser?", fragte die Frau mit heiserer Stimme, während sie wie gewohnt denn schmalen Flur bis zur Küche ging und sich mit einem schwachen Lächeln hinsetzte.
Silvia Voigs schüttelte demütig den Kopf, nein ihrem Sohn ging es noch nicht besser und das würde es auch noch lange nicht.
"Er muss sehr unter dem Tod meiner Tochter leiden!", sahen die wieder nass werdenden Augen Silvia an, ein schwimmendes Grün was seit dem Tod ihrer Tochter immer wieder in Tränen ausbrach. Silvia wollte sie ihm Arm nehmen, irgendetwas sagen, stattdessen sah sie jedoch nur kummervoll an, in der Bewegung erstarrt, nicht fähig irgendetwas zu tun.
"kann ich einen Kaffee haben!", wischte Kiaras Mutter sich mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen, bevor sie auch nur die Gelegenheit bekamen über ihr Gesicht zu laufen.
"Natürlich!", hasstete Silvia zur Kaffemaschine.
"Das Grab haben se auch schön gemacht, da ist nun ein Stein mit nem Foto von ihr eingraviert!" presste Tanja die Lippen aufeinander um das Lächeln nicht so zittern zu lassen.

"Da du jetzt ausgetrunken hast, können wir?", hob Tia die Augenbrauen, den Kopf tief geneigt war ihr Blick noch immer angefressen. Sie wollte nicht mit ihm reden und auch nicht in sein Gesicht schauen müssen. Ihr Herz schmerzte schon genug, da musste sie sich nicht auch noch selber quälen.
"Was ist wenn ich noch eine Cola trinken will?"
"Da kann auch ich dir Gesellschaft leisten wenn du nicht alleine sein willst!", kam Evelin mit strahlenden Augen hinzu, Dimon hinter sich her geschliffen.
"Lieb von dir Evelin, aber ich habe schon jemanden der mit mir hier sitzt!", grinste Dimitrie ohne Evelin angesehen zu haben, den Blick provokant auf das noch immer angefressene Gesicht von Tia, dessen Lippen zusammen gezogen den Anschein machten jedes Wort sich selbst verbieten zu müssen, um nicht gleich richtig los zu posaunen.
"Warte Mal!", zog Dimon sich einen Stuhl vom Nebentisch zu sich und lies sich seufzend drauf nieder. Kurz sah Evelin ihn prüfend an, als ob sie sagen wollte und das ist mit mir? Nahm sich dann jedoch selber einen um sich ebenfalls hinzu zusetzen.
Tia wusste nicht ob sie nun zu der größer gewordenen Anzahl von Gesichtern positiv gegenüber eingestellt sein sollte, oder es die ganze Situation noch verschlechterte.
"Wie ich sehe gebt ihr beiden wieder zusammen das Fahrpärchen? Wie komms?", legte Dimon ein Fuß über den anderen, die Beine weit ausgestreckt. Kurz ging Tias Blick durch die Runde, vor ihr saß Dimitrie, daneben Evelin und neben ihr nun Dimon, wo sie weder von dem einen, noch von dem anderen den Name wusste.
"Das würde mich auch Mal brennend interessieren!", senkte sie die Augenlieder und gab dies nach einigen Sekunden des Schweigens von sich. Aber Dimitrie war noch nie jemand der sich vorführen lassen würde, oder schnell die Flinte ins Korn schmiss, im Gegenteil!
"Ich würde sagen das wenn ich schon von jemanden geküsst werde, das die jenige wenigstens den Anstand haben sollte etwas Zeit vorher mit mir verbracht zu haben und da sie es nicht getan hatte, holen wir es nun nach!"
Sowohl Evelin wie auch Dimon saßen nun mit weit aufgeschlagenen und geöffneten Münden vor den Beiden, den Blick auf Dimitrie gerichtet,  welcher vergnügt vor sich hin schmunzelte und noch immer direkt die junge Dame vor sich ansah. Evelins Mundwinkel fingen schon an zu zucken, unzählige Worte lagen schon auf ihren Lippen, Worte die sich zu missbilligenden und hassvollen Sätzen zusammen fügen wollten. Doch war sie zu sehr von dem Schock dessen noch erstarrt und von Dimitries ruhiger Haltung, ja sogar schon amüsierter Haltung überrascht.
"Sie hat dich geküsst?", bekam nun endlich Dimon seine Lippen auseinander, die Augen kugelig auf Dimitrie gerichtet.
"Ja, als ich geschlafen habe und als ich dann wach wurde und ihr Gesicht sah, bin ich direkt  wieder weggetreten und dachte es sei ein Traum gewesen!", Wusste Dimitrie das seine Detailierung sie immer weiter in die Enge trieb, doch ihr nervös peinlich gerührtes Gesicht war  einfach nur zum Schießen und Spaß hatte er auch dran. Obwohl er zugeben musste das dieser vermeidlich gedachte Traum schon etwas anziehendes an sich gehabt hatte, dessen Realisierung er jedoch nicht bereit war zu akzeptieren, sein Herz was nur Kiara in sich kannte, noch nicht fähig war sich jemand anderem zu öffnen.
Nun waren alle Blicke auf die zierliche Blondine gerichtet, die Augen verfinstert atmete sie ganz ruhig ein und aus, sie wollte jetzt nichts Falsches sagen, sich nicht wieder um Kopf und Kragen  reden müssen. Diesmal musste sie strategisch dran gehen.
"Wie sah die Frau die dich angeblich geküsst haben sollte den bitte aus? Vielleicht war es ja gar  nicht ich und du meinst es nur!", grinste sie unheilvoll. Ungewollt sah Dimitrie die Szene wieder genau vor sich, wie er die Augen kurz aufschlug, dieses Bild von großen farblosen Augen sah, wo die dunklen Wimpern tiefe schatten warfen, das lange Haar, was ebenso weiß wie das Gesicht, wie beinahe alles an ihr war.
"So wie du!", sah er sie wieder an und es war nicht gelogen, sie sah aus wie sie! Oder etwa nicht? Nein eigentlich sah sie nicht so aus wie sie, ihre Haut schimmerte nicht, ihre Augen waren nicht dieselben weißen und die Haut war auch nicht so sehr hell, zwar blasser als für gewöhnlich, aber nicht dieses strahlende Weiß, als ob man mit weißen Klamotten unter Neonlicht stehen würde.
"Bist du sicher das ich dich geküsst habe?", bekam ihr Blick etwas herausforderndes, wie ein Spieler der wusste das seine Karten gut, vielleicht sogar besser waren.
"Da du es gerade zugegeben hattest, würde ich sagen ja!", war ein Teil in ihm dessen sich jedoch unsicher, der sich gleichzeitig fragte ob es so ein Wesen wirklich geben kann und wenn ja, wer war sie? Wie kann er sie wieder sehen? Merkte er wie sein Herz bei der unwillkürlich gedachten selbst Unterhaltung etwas aussagen wollte, etwas schneller ging, er noch diese Wärme wie ein echo in diesem Moment auf seine Lippen wahr nehmen konnte.
"Was genau haben ich den zugeben? Dich geküsst zu haben?", blieb sie ihrer Sache sicher.
"Wenn nicht, was war es dann?", kehrte aber auch Dimitries Selbstsicherheit zurück "Willst du damit sagen das deine Lippen nicht meine berührt hatten?", hatte er raffiniert die Falle mit im Satz eingeflochten.
"Hast du ihn nun geküsst oder nicht?", schrie Evelin fast schon ungehalten. Traurig sah Tia ihn an, ja sie hatte ihn geküsst, zwar um sein Leben zu retten, doch war es, egal wie man es drehte und wendete, es war ein Kuss gewesen. Denn sie in diesem Moment auch genau so gewollt hatte. Ihr erster Kuss der nun durch seine Worte eine Schlinge um ihren Hals legte.
"Ich habe bis her nur einen einzigen Mann geküsst, ein einziges Mal und zwar die Person der ich mein Herz geschenkt hatte. Willst du behaupten das ich mich in dich verliebt haben könnte? Obwohl wir uns nicht kennen? In der Uni das erste Mal real uns gegenüber standen?", wusste aber auch Tia wie sie trügerische Trickfallen einbauen konnte. Sie hatte die Wahrheit gesagt, sie hatte sich in ihn verliebt gehabt, er war der einzige den sie je geküsst hatte und das erste Mal standen sich das erste Mal real in der Universität gegenüber. Den während des Kusses befand sie sich zwischen dieser Wirklichkeit und dem Todesschein, Wie ein Trugbild was man sah, berühren konnte, aber in Wirklichkeit nicht auf derselben Ebene war. Den ihre Welt das Jenseits liegt hinter dem Todesschein und vor dem Todesschein lag diese Wirklichkeit, wo jeweils zwischen den Wirklichkeiten eine Grenze Bestand, die man ebenfalls betreten konnte und sich währenddessen in beiden Ebenen befindet, wessen der Körper nicht lange standhalten kann.
"Schön du hast bis her nur einen einzigen Mann geküsst! Und wer war nun dieser Mann?", flippte Evelin so langsam richtig aus, dieses Hin und Her, sie wollte gefälligst eine eindeutige Antwort haben und nicht rätseln müssen.
Dabei hatte sie überhaupt keine Ahnung wie schwerliegend dieses Rätseln wirklich war, das weder sie, noch Dimitrie wirklich in der Lage wären es zu lösen.
"Du scheinst dich herausgefordert zu fühlen, was?", schnaufte Tiana, die sich zusammen mit Angelo, ohne das die anderen es realisiert hatten, weil sie zu beschäftigt mit sich selbst waren, nur zwei Tische entfernt von ihnen befanden.
"Es ist interessant oder meinst du nicht auch?", warf er den Kopf in die Schräge zurück. War es das? War es interessant? Tiana wusste es nicht, vielleicht lag es daran das es zu kompliziert für sie war, zu undurchschaulich? Angelo hingegen, seine Gehirnzellen kompensierten viel schneller Gesprochenes und knüpften direkte Verbindungen, die immer wieder wie lose Punkte hin und her sprangen um neue Bindungen zu knöpfen.
Sie hatte zugegeben das sie ihn geküsst hatte, zu mindestens das sich ihre Lippen berührt hatten, gleichzeitig sagt sie das sie nur einen Mann bis her geküsst hatte, welchen sie liebte, aber dann wiederrum das sie Dimitrie das erste Mal in der Uni, also heute gegenüberstand! Sah Angelo Tia auf ihre Antwort wartend gespannt an, von Dimitrie konnte er wiederrum nur den Rücken sehen.
"Warum sollte ich dir seinen Namen sagen?", giftete sie zu Evelin zurück.
"Was anderes, wo geht du den in drei Monaten hin?", warf Dimitrie wieder ein, als ihm wieder einfiel das sie dem bezüglich keine Antwort geben wollte.
"Zurück!", grinste Tia.
"Und wo ist dein zurück?", lies Dimitrie nicht locker, Tias Augen fühlten sich mit einem Zwiespalt aus Traurigkeit und Sehnsucht.
"Beinahe schon eine andere Welt im Gegensatz zu diesem Leben hier!", war ihr Lächeln schwer, ein bleiiges Lächeln was unechter hätte nicht mehr wirken können.
"Woher kommst du denn?", fragte Dimon, sich nun auch wieder mit ins Gespräch geschmissen, fand er es schade das sie wieder gehen sollte. Tia zog das Lächeln wie einen geraden Strich etwas höher.
"Ich glaub nicht das jemand von euch je dorthin kommen wird, also bringt es nichts wenn es euch erklären würde!"
Angelos Skepsis meldete sich wie eine schrille Alarmanlage, irgendetwas war falsch, sie sagte sie liebt die einzige Person die sie je küsste, streitet jedoch nicht ab das sie ihn geküsst hatte, räumte es dennoch aber auch nicht ein und anders sagt sie das sie in drei Monaten wieder gehen müsse, zu einem Ort den keiner von ihnen kennen würde, ohne wirklich sicher sein zu können das es vielleicht nicht doch so ist!
"Wie weit ist es entfernt?", fragte Dimon, wo er für Angelo eine wirklich geschickte Frage stellte, ohne es als dies zu realisieren.
"Fast ein Katzensprung!", antwortete Tia wahrheitsgemäß und kaschierte diese Tatsache mit einem Lachen.
"Jetzt Mal ehrlich!", wurde Dimons Stimme deprimiert weil sie ein Scherz raus machte. Für Tia füllte dieses Verhör sich immer schlimmer an, der ungepolsterte Stuhl fing an ungemütlich zu werden und die drahtige Lehne schmerzte. Selbst wenn sie gewollt hätte, in diesem Moment stand Tia die Möglichkeit zu lügen nicht offen, sie wusste nicht wie man die Länder in dieser Welt benannte, nicht mal die Stadt in der sie gerade war wusste sie zu betiteln, was also sollte sie sagen?
"Ich...", wurde sie jedoch von dem penetranten Geklingel von Dimitries Handy unterbrochen.
"Ja?", ging er genervt dran, ohne Tia aus den Augen zu lassen, um im selben Moment einen leeren Blick zu bekommen und mit einem, "Ja ist gut, ich bin gleich da!" wieder aufzulegen.
"Es ist Zeit, wir müssen das Gespräch hier beenden!", erhob er sich, dem Tia sich gleich tat, sie hatte synchron wie sein Blick leer wurde den schmerzenden Schrei in seinem Herzen gespürt gehabt und demütig kurz die Augen geschlossen.
-Sein Herz ist unerreichbar!-, nickte sie Wortlos und folgte ihm, zurück zu der Frau um sich die Handschellen entledigen zu lassen. Nicht einmal ein letztes Wort, nicht einmal einen einzigen Blick hatte er danach ihr noch mal zu gedacht gehabt, er war einfach nur mit dem gleichen leeren Blick an ihr vorbei raus gegangen und hatte Tia mit ihrem vor Leid schreiendem Herzen dort allein zurück gelassen.
"lass uns auch mal die Dinger abnehmen lassen!", stand Angelo nun auch auf.
"Aber ich wollte mich noch ein wenig mit den anderen unterhalten!", wollte Tiana gegen protestieren.
"Kannst du auch ohne mich!", blieb ihr Bruder jedoch eisern.
Schwer seufzend tapste Tia raus, die Augen langsam mit Tränen sich füllend. So hatte sie sich die Liebe nicht vorgestellt gehabt, sondern immer angenommen sie sei etwas Schönes, etwas was ein das Herz erwärmt, doch nun musste sie sehen das es anders war, das Liebe genauso zerstörerisch sein konnte und es auch war! Dieses Gefühl als ob das Herz in der Brust runter gezogen werden würde, der Magen immer schwerer wird, es lies ihr Gesicht zu einer Maske des Schmerzes werden.
"Willst du schon aufgeben?", hielt eine Stimme draußen sie vom weiter gehen ab.
"Du wusstest das dies geschehen würde oder?", drehte Tia sich seitlich und sah zu das Emotionslose Gesicht von Filice hoch.
"Mit wem redet sie da?", drückte Angelo sich reflexartig etwas weiter gegen den schwarzen Umhang, um vorsichtig durch den Spiegel an der Wand sie beobachten zu können.
"Das war gerade ziemlich knapp, was hättest du gesagt, geantwortet wenn der Zufall nicht dieses Anruf eingeleitet hätte?", blieb das Gesicht unberührt, als ob er legendlich über das Wetter reden würde, die farblosen Augen teilnahmslos.
"Ja hätte sicherlich witzig geklungen wenn ich gesagt hätte, aus dem Todesschein, oder? Aber ich denke Mal das hätten sie sowieso dann als Spaß angesehen!", lachte Tia tonlos, den Kopf nach vorne weg fallen gelassen, wo das Haar wie ein Schleier zusammen viel, ein Blonder Schleier der wie Seide wirkte.
-Todesschein?-, runzelte Angelo die Stirn, durch den Spiegel sah es so aus als ob sie sich mit jemanden unterhalten würde, doch außer Tia konnte er dort niemanden sehen.
"Aber du scheinst noch nicht wirklich aufgeben zu wollen, sehe ich das recht?", senkten sich die farblosen Augen und die harte Mimik wurde noch steinerner.
"Aufgeben? Nein, ich werde bis zum letzten Tag kämpfen und falls ich verlieren sollte, es hinnehmen!"
"Was hinnehmen? Das du ihn dann vergessen wirst?"
"Ja, vielleicht ist es dann ja gar keine wirkliche Strafe wenn du ihn aus meinen Erinnerungen löschen tust, sondern ein Segen für mein Herz!", war ihr Blick nicht vorwurfsmäßig, sondern akzeptierend.
Angelos Ausdruck wurde Scharfsinniger, der ferne Ort, der Todesschein? Und wenn sie das um das sie Kämpft nicht erreichen sollte, verliert sie ihre Erinnerungen an jemanden? Die Person die sie liebt?
"Wer, oder was bist du?", hielt Angelo das was er sah und hörte keines Wegs für Spinnereien, oder ein absurdes Selbstgespräch, da musste jemand sein mit dem sie redete und er nicht sehen konnte. Angelo war schon immer offen für alles und das Wort Todesschein war kein so sehr unbekannter Begriff. Im Gegenteil, er tauchte in den Mythen und vor allem in den verschiedensten Kulturellen Glaubensrichtungen immer wieder Mal auf, nur konnte er im Moment nicht ganz definieren mit was. Aber dem würde er sich auch noch kundig machen. Sah er durch den Spiegel zu, wie Tia ein letztes Mal zu den Punkt vor sich hinlächelte, wo sie beim reden die ganze Zeit hingesehen hatte und dann ihren Weg weiter ging.

"Wieso ist Dimitrie den plötzlich so schnell weg gewesen?" hatte Tiana sich auf dem Stuhl niedergelassen auf dem zuvor Dimitrie gesessen hatte und der Stuhl gegenüber nun unbesetzt war.
"Wenn wir das nur wüssten!" zuckte Dimon mit den Schultern, der burschikose Blondling war nun schon seit unzähligen Jahren sein bester Freund gewesen und kannte ihn gut genug um erkannt zu haben das es sich bei dem Anruf um etwas handeln musste was mit Kiara zusammen hing, das war seinem verzweifeltem Blick anzusehen.
"Was ist den dir über die Leber gelaufen?", lachte Evelin halbherzig als sie Angelo mit abwesend wirkendem Blick auf sie alle zu kommen sah.

Dimitries Lippen zitterten, seine Hände fanden kaum noch einen Halt, doch er versuchte zu lächeln, hockte vor dem Bett, auf dem eine junge Dame mit verweintem Gesicht saß und durch ihn hindurch, ins Nichts starrte, bloß den kleinen schwarzen Rucksack auf ihren Beinen umklammert.
"Klara?", fühlte sich Dimitries Kehle trocken an, das Mädchen sah ihn kurz an, registrierte für den Moment das da jemand vor ihr war, ein bekanntes Gesicht, doch verlor die Klarheit ihrer Augen sich direkt wieder in währende Dunkelheit. Das permanente Summen von der Neonleuchte am Bett lies die grausame Stille nicht abklingen. Das durchgehende sterile Weiß der Tapeten, vom Bettbezug, von beinahe allem, lies Dimitries Herz weiter verkrampfen und schmerzhafte Erinnerungen aufkeimen, die er direkt wieder erstickte.
"Klara?", versuchte er es erneut, es kostete viel Kraft den Bruch der eigenen Stimme nicht durchsickern zu lassen, in diesem Moment stark zu sein, obwohl alles in ihm danach schrie dieses Gottverfluchte Krankenhaus wieder zu verlassen. Doch er konnte nicht einfach so gehen, sie brauchte ihn nun und das wusste Dimitrie.
"Klara hörst du mich?", versuchte er das Regungslos wirkende Gesicht der jugendlichen zu erreichen, in ihr Unterbewusstsein zu gelingen. Langsam hoben sich wieder die leeren Augen, die schon vollkommen geröttet vom weinen waren.
"Deine Mama mach sich Sorgen um dich Klara!", zog er verzweifelt die Augenbrauen runter.
"Ich will hier nicht weg, ich kann nicht hier weg, was ist wenn sie noch hier ist?", zitterte die Stimme, welche viel zu dünn war um wirklich laut zu erklingen. Dimitrie schloss verstört kurz die Augen um den Schmerz tief in sich runter zu schlucken.
"Klara deine Schwester ist nicht mehr hier! Sondern dort!", deutete er auf ihre Brust wo das kleine Herz zu schlagen wusste. "Dort drin, verstehst du? Kiara wird immer dort drin sein, so immer bei dir sein!"
"Sie fehlt mir so sehr!", brach die kleine wieder weinend zusammen, den Rucksack auf ihren Schoss fest an sich gekrallt, strömten bitterliche Tränen über ihr Gesicht.
"Ich soll..", fing sie wieder an zu reden, konnte dem bitterlichem Schlurzen jedoch noch nicht stand halten in dem sie japsend nach Luft ragte.
"Atme erst einmal ruhig ein und aus Klara und dann sag mir was du sollst!", strich er ihr tröstend über die Hände. Klara nickte schlurzend, worauf sie mit zittrigen Händen unter mehreren Anläufen endlich schaffte etwas aus der Tasche zu ziehen. Einen kleinen weißen Umschlag den sie für den Moment weinend ansah, bevor sie ihn Dimitrie mit aufeinander gepressten Lippen hinhielt.
"Für mich?", fragte Dimitrie unschlüssig, die grünen Augen der kleinen schwammen in ihren Tränen, während sie eifrig mit dem Kopf nickte. Vorsichtig entnahm er ihren Händen den Brief.
"Okay, ich steck ihn hier rein, siehst du? Aber jetzt müssen wir dieses Zimmer verlassen!", erhob er sich um den Umschlag in seine Jackentasche zu verstauen und hielt ihre auffordernd die Hand hin, in die sie behutsam nun die ihre legte um das Krankenhaus endlich verlassen zu können.

Demütig senkte Tia das Gesicht zur Seite weg, als sie auf dem Balkon von ihrem Zimmer stand und dieser schmerzliche teils schon erstickte Schrei durch ihr Herz schoss und still eine Träne über ihr Gesicht lief, indessen sich die wackelnden Augen wieder öffneten und unter verschwommenen Blick wieder hoch zum Himmel sahen, wo der Mond nun langsam seine volle Bracht entfaltete.
"Ich weine, ja ich weine!", sackte er vor dem Grab mit dem eingravierten Bild einer sanft lächelnden Kiara herunter.
"Dabei habe ich vorher nie geweint, egal was geschah", zuckten seine Schultern beim tonlosen Lachen.
"Dabei sagtest du immer das ich zu stolz sei um zu weinen!", sah er das Bild mit einem schiefen Lächeln an, was keinen weiteren Windstoß mehr stand halten konnte.
"Der Weg ist dunkel, siehst du das? Trotzdem geh ich weiter...", schnürten die Tränen seine Kehle zu, die Finger, vollkommen am Boden zerstört, in die Erde vergraben.
"Weißt du, es ist eigentlich schon egal ob ich die Augen auf habe oder nicht, den ich sehe rein Garnichts mehr. Trage kein Gefühl mehr wirklich in mir, ... verspüre nur noch diese Leere ... und mein Herz schreien.
Noch nie habe ich so etwas gefühlt, das mir durchgehend nur nach weinen zu Mute war.. Siehst du das? Siehst du es??? Ich weine, obwohl ich das nie wollte, es mir immer das wichtigste war, das mich nie jemand weinen sieht... Verstehst du das? Weißt du wieso ich nun weine? Weil du mir wichtiger bist als mein Stolz! Sagt das nicht alles!", liefen die Tränen unaufhörlich mit heißen Spuren seinem Gesicht herunter, das Bild, dieses Lächeln, ihr Foto es schwamm, verzehrte sich und wurde immer unscharfer. Während Dimitrie völlig aufgelöst, indessen sein Herz bitterlich flehte, das er doch nur bei ihr sein wollte. Doch keiner dieser Tränen, keines seiner Worte würde sie mehr erreichen können. Ihn quälte die Trauer, das Leid was das fast schon verkümmerte Herz immer weiter verkrampfte.
Dabei hatte er sich doch geschworen gehabt sie niemals wieder gehen zu lassen, wieso konnte er sie dann nicht aufhalten? Wieso hatte er sie dann trotzdem verloren? Sie gehen lassen müssen?
An diesen Tag konnte Tia die Trostlosigkeit in den nie enden würdenen Schmerz in seinen Augen sehen. Verhüllt im Todesschein, wo sie ohne das er es wusste, ohne das er ihre verletzten Augen sehen konnte, oder das brechen ihres Herzens hätte hören können.
Dennoch sie ihm näher brachte, seinen Schmerz verstehen lies und doch noch viel weiter von ihm entfernte.


Erschöpft lag Tia auf ihrem Bett, nun wo sie an dieser Realität gebunden war, die Grenze übertreten hatte, ohne vorher von den Seelenbäumen wieder erkannt worden zu sein. War der Aufenthalt im Todesschein für ihren Körper anstrengend gewesen. Zerrte an ihren Kräften und lies sie nur kurze Zeit in ihn eintauchen lassen.
Doch sie wollte diesem Ruf der so bitterlich, so trostlos gewesen war folgen. Mit eigenen Augen sehen was dieser hat ausgelöst. Doch was sie dann sah, war etwas was sie nicht hatte sehen wollen. Sie wollte den Menschen den sie liebte, der ihr Herz in seinen Händen hielt nicht so wegen einer anderen sehen, weil er damit das kleine ohnehin schon schwache Herz in seiner Hand immer weiter zusammen drückte, ohne es überhaupt zu bemerkten, das kleine Herz einfach übersah.

Minuten waren schon vergangen in denen Dimitrie in der Dunkelheit auf seinem Bett lag, als ihm der Umschlag in seiner Jacke wieder einfiel. Das kleine Licht am Bett angeknipst, tapste er schnell barfuß durch den Flur zur Garderobe hin, zog den Brief aus der Jackentasche und setzte sich damit zurück aufs Bett.
Unwissen was dies für ein Brief sein sollte, entnahm er den Zettel dem Umschlag, faltete es auf und musste direkt wieder mit den Tränen Kämpfen als er die erste Zeile las.
-Ich weiß nicht so genau wie man so etwas anfängt und sicherlich mache ich es auch falsch, wenn man so etwas überhaupt falsch machen kann.
Sicherlich werden deine Augen nun fragen wieso, und sicherlich scheint auch die Sonne. Ja sie wird sicherlich scheinen, um dir ein Lächeln auf den Lippen zu geben, denn ich wünsche mir so sehr das du nun für mich lächelst, weil ich es nun geschafft habe.
Weißt du ich habe lange mit mir gerungen diesen Brief zu schreiben, meine Angst um dich war größer als meine eigene vor dem Tod.
Deswegen habe ich mich für diesen Weg endschieden, dir all das in diesem Brief näher zu legen.
Auch wenn du nun denkst das die Welt sich nicht mehr weiter drehen wird! Wirst du jedoch sehen das das Leben wirklich weiter geht, das es nicht nur ein Spruch ist wenn man sagt die Zeit heilt alle Wunden.
Deswegen bitte ich dich, lass zu das die Wunden in deinem Herzen wieder heilen können. leben dein Leben für mich mit, verliebe dich neu und werde glücklich, denn so kann ich in Frieden gehen und auch glücklich sein. Im Wissen das der Mensch der für mich die Welt war nicht wegen mir leiden würde. Ich möchte nicht der Grund deiner Tränen sein, sondern der der dich zum lächeln bringt, wenn du an unsere gemeinsame Zeit denkst.
Deswegen bitte ich dich, mich in schönen Erinnerungen, in Verbindung mit einem schönen Gefühl behältst und nicht in Verbindung mit Schmerz und Traurigkeit. Denn ich wusste das ich sterben werde, doch dank dir war mein Leben schön gewesen und lies mich bis zu meinem letzten Atemzug nichts bereuen.
Deine dich immer liebende Kiara.-
"Willst du nun doch aufgeben?"
Tia schwieg, sie stand nur von außen auf der Fensterbank und sah durch das Glas hindurch in das Zimmer hinein, wo ein kleines Licht Dimitries Gesicht erhellte, dessen zittrigen Hände kaum noch in der Lage waren das Stück Papier um das sich seine Finger verkrampften fest zu halten.
"man kann ein Herz was nicht frei ist nicht für sich gewinnen Tia! Oder kann jemand anderes dein Herz für sich gewinnen?"
"Ich kann nichts dafür das mein Herz diese Wahrheit nicht sehen will!", sprach Tia leise. der Wind zog scharf an ihr vorbei, lies sie auf zittern und für den Moment das Gefühl bekommen als ob Filice sich schützend deswegen vor ihr begeben hätte, mit seinem Körper versucht hätte den Wind Einhalt zu gebieten. Doch als sie zu ihm auf sah, war er nicht mehr da.

die ersten Sonnenstrahlen des Morgens durchbrachen die nächtliche Dunkelheit und Tia war seit zwei Stunden schon wach. Saß in der Küche vor dem Tisch und studierte mit Genauigkeit das Buch was vor ihr lag. Formel, Zahlen, blickten Tias Augen deprimiert die gedruckten Matheaufgaben mit Zerknirschung an. Sie hatte alles was dort stand schon verinnerlicht, das ganze Buch vom innerhalt in wenig Zeit, gerade so viel wie ihre Augen brauchten das ganze gedruckte zu erfassen. Wo sie nun nicht verstand wieso die Menschen so lange dazu brauchten, wieso sie etwas erst unzählige Male üben mussten bis es wirklich drin war. Lag es daran das sie ein anderes Wesen war? Kein Mensch, das ihre Augen mehr Zeit besaßen, den Ausmaß von Leben anders definierten?
Aber es spielte auch keine Rolle. Sie tat es nur um den Anforderrungen dieser Universität gerecht zu werden. Sich diese Drei Monate durch mogeln zu können, dazu gehören zu können. Obwohl es ja keine ganzen drei Monate mehr waren, Zwei Tage waren nun schon verschwunden und auch wenn drei Monate sich nach viel Zeit anhörte wusste Tia das es in Wirklichkeit nichts weiter als ein Wimpernschlag war.

"Und sie sind da wirklich ganz sicher?", umfasste Angelo das Plastik des Hörers.
"Ja Herr Pragos, eine Tia hatte es bei uns in dem Waisenhaus nie gegeben!"
"Vielleicht hatte sie vorher einen anderen Name gehabt!", wollte die Vernunft in ihm, die noch nicht bereit war den unbedacht gesprochenen Worten von Tia zu glauben, die Worte dieser Frau wiederlegen.
"Nein Herr Pragos, wir haben auch niemals ein Kind an eine Frau mit dem Namen Williems vermittelt!", blieb die Stimme am anderen Ende endschieden.
"Okay, ich danke ihnen. Auf Wiedersehen!". legte er den Hörer wieder auf. Er hatte nun alle in Frage kommenden Waisenhäuser angerufen, selbst beim Einwohnermeldeamt hatte er sich informiert. Doch egal wo er auch anrief, wo er auch versuchte etwas über Tia heraus zu finden, es war als ob es sie nie wirklich gegeben hätte. Wie ein Phantom was aus dem Nichts kam um später wieder ins Nichts zu verschwinden.
Das Emotionslose Gesicht von Filice sah den Jungen musternd an, atmete einmal noch gelassen durch, bevor er mit einem Schritt zurück das Zwielicht verlies.

Tia war völlig Aufgeregt, nicht nur das dies Heute ihr erster wirklicher Tag als Studentin an dieser Uni war, nein, es sollte auch noch ausgerechnet am Wandertag standfinden. Dies war ein mehr oder weniger noch neu anzusehendes Projekt der Universität. Es sollte den Studenten die Natur näher legen, sie mit den eigenen Augen sehen können lassen. Wozu einmal im Monat eine Art Ausflug vom Naturwissenschaftslehrkörper mit den verschiedenen Kursbesuchern gemacht werden. Insgesamt waren es dann Sieben so gesehene Klassen, wo es heute die von Tia sein sollte.
Zufrieden stand die Professorin vor den Studenten, ganz anders gekleidet als man es sonst von ihr kannte. Eine kurze Hose in bräunlichem grau, ein helles T-Shirt, was locker in die Hose gesteckt war, mit braunen Sandalen. Anstatt des langen Rockes und der immer in ihrer Farbe variierenden Bluse.
Ebenso ungewohnt was das Schulter lange Haar, was mit seinen Wellen eigentlich immer offen war, hatte sie diesmal zu einem kleinen Zopf zusammen gebunden, womit sie ein deutlich jüngeres Aussehen bekam.
"Heute schauen wir uns mal den angrenzenden Wald an, es heißt das dort ein kleiner Wunschbrunnen liegen soll, der den alten Legenden nach wenn man glaubt die tiefsten Sehnsüchte erkennt und einen offen legt", strahlte das zierliche Gesicht der Professoren hell auf. Frau Deike war zwar nicht unbedingt die Art von Mensch die an Mythen oder Legenden glaubten, sich jedoch so was trotzdem immer wieder gerne ansah.
Für Frau Deike passte heute alles prima zu ihrer Planung, das Wetter war herrlich, es wurde weder Regen noch sonst etwas in dieser Richtung angesagt und die Studenten schienen auch gute Laune zu besitzen, lächelte sie friedlich vor sich hin, gleichwohl sie jedoch auch wusste das sie alle lieber ihre Zeit ohne den Klassenzwang hier verbringen würden.
Der Professoren nach, betraten die Studenten nun den angrenzenden Wald, wo von dem Blätterdach geworfener Schatten alles in eine dunklere Atmosphäre eintauchte, in der Lichterfäden über alles hinweg tanzten.
"Was für ein Zufall oder? In letzter Zeit scheint das Schicksal unsere Wege sehr offt miteinande zu überkreuzen!", lief Dimitrie unerwartet für Tia mit einem Mal neben ihr, das Gesicht eben wie ihres selbst der Nase nach legendlich Geradeaus gerichtet.
-Das Schicksal?-, Bildete sich ein sachtes Grinsen, - Ehr Filice!-, ging sie einen Schritt schneller um dem gemeinsamen Schritt mit Dimitrie zu entkommen.
Aber nicht nur Dimitries Blicke konnte Tia unaufhörlich auf sich ruhen Spüren, sondern auch den von Angelo, dessen Blick allerding eine andere Mimik besaß. Seine Augen waren beobachtend, nicht direkt, sondern mehr aus dem Seitenwinkel her. Doch sie merkte das sie ihren Bewegungen steht’s wachsam folgten, ein scharf gestellter Verstand irgendetwas zu wittern schien, ohne das Tia wirklich erahnen könnte in wie weit er ihrem Geheimnis schon auf der Spur war.
Immer tiefer führte die Professorin ihre Studenten in den angrenzenden Wald hinein, über Unterholz und beinahe auch unbekannt wirkenden Bodenpflanzen hinweg.
Auch wenn Tia gerade noch den Schmerz von Dimitries innerlicher Qual deutlich in ihrem Herzen spüren konnte, war gleichwohl wie sie den ersten schritt auf das Unterholz des Bodens setzte ein ganz anderes Gefühl entstanden. Die vorherigen Gedanken mit ihrer innerlichen Panik lösten sich unwillkürlich in ein Gefühl von Vertrautheit, welche nun langsam in ihrem Unterbewusstsein aufkeimte, als ob dieser Ort etwas wäre was ihrer Welt zu gleichen schien.
Augen die soeben noch ziellos versuchten einen Fixierpunkt zu finden, den Blicken der anderen auszuweichen, was zum größten Teil den überraschend vielen weiblichen Studentinnen galt und dies vor allem Evelin gegenüber, verloren ihre Augen ihre Starre und warfen ihr Augenmerk auf die unberührte Vegetation die diesen Wald noch beherrschte.
Dennoch blieb die dicke Eisenkette, welche unabhängig von der Schwere in diesen Moment von Tias Inneres als irrelevant angesehen wurde und das funkeln in ihren Augen nicht trüben konnte.
Vergnügt sah Frau Deike die junge Dame an, unter all den gelangweilten und klagenden Gesichter war Tias das einzige was Sympathie dem gegenüber ausstrahlte was sie sah.
"Sind sie öfters in Wäldern Frau Williems?", blieb die Professorin neben der Studentin stehen.
"Nein, das ist das erste Mal!", sah Tia die blond haarige Frau überrascht an, weil sie von dem was ihren Augen sich dort darbot so eingenommen war, das sie nicht ein Mal bemerkt hatte das jemand neben ihr getreten war.
"Ich liebe die Wälder, sie sind ruhig, nicht so laut und hektisch wie die Städte!", erklärte Frau Deike, Tia nickte, sie verstand was diese Frau versuchte ihr zu sagen, auch wenn es nicht ganz das war was sie in diesem Moment empfand.
Verwundert blieb Dimon stehen, hastig nach Dimitries Arm gegriffen, der gerade wie alle anderen weiter gehen wollte, an Bäumen entlang die für ihn alle gleich aussahen, egal wie viele unterschiedliche Merkmale sie auch aufweisen konnten.
"Dimitrie!", war Dimons komplette Bewegung abrupt mit dem zurück halten von Dimitries Arm gestoppt, indessen er ihn somit zwang ebenfalls stehen zu bleiben.
Irritiert sah Dimitrie seinen Freund an, dessen bewegungsloses Gesicht mit den Augen zu dem Baum vor sich signalisierte.
"Scheiße!", wollte Dimitrie im ersten Moment als seine Augen lokalisierten was Dimon derartige Angst einjagte, zurück weichen, konnte sich im letzten Augenblick dennoch von der hastigen Bewegung abhalten, im Wissen das die dort um dem dicken Ast geschlungene Schlange sofort auf ihn zu geschnellt wäre.
"Frau Deike!", zitterte seine Stimme, ohne das er seinen Kopf der Professorin zuwandte, welche wenige Schritte hinter ihm stand und nun ebenfalls wie alle anderen die ungewöhnlich große Schlange, dessen Kopfumfang größer als der Dimitries war und mit stechenden Blick sowohl ihn wie auch Dimon direkt beobachtete.
"Nur nicht bewegen!", versuchte die Professorin ruhig zu bleiben, was weder ihrer zittrigen Stimme, noch ihrem fahlem Gesichtsausdruck gelang.
Tia wollte gerade etwas zu frau Deike sagen, fragen wie diese Pflanze, die sich ineinander verschlungen neben einen der Bäume in die Höhe ragte, heißt, als sie beim Umdrehen das farblose Wesen direkt anstarrte und wie paralysiert kein Wort mehr aus dem Mund bekam.
"Nicht bewegen!", hatte diese jedoch Tias Bewegung mit dem ausgestreckten Arm gegen ihren Oberkörper gestoppt, den sie darauf langsam wieder sinken ließ.
"Was sollen wir machen?", fragte Dimon mit fast unbewegten Lippen, die Worte mehr zischend als klar aussprechend.
Für die ganze Klasse war der Moment ein kaltes Grauen was jegliche normale Gedanken auseinander riss und sowohl die Professorin wie auch die Studenten völlig perplex werden ließen. Nur Tia setzte unwillkürlich einen Schritt an der Professorin vorbei auf die Schlange zu, die darauf ihr Augenmerk direkt auf die zierliche Person richtete, dem Tia mit angehobenem Kopf standhielt.
Es waren nur wenige Zentimeter die der Kopf der Schlange von Dimitris Gesicht trennte und nun langsam seitlich ein Stück weit an ihm vorbeiging, bis er den sich langziehenden Atem der Schlange direkt neben seinem Ohr wahrnehmen konnte.
Entsetzt starrte die Professorin Tia an, die nun direkt vor der Schlange sich befand. Ihr Körper war vollkommen ruhig und ihre Augen fixierten den Blick der Schlange, als ob sie in diesen Moment so die Aufmerksamkeit des Wesens gefangen halten würde.
Die farblosen Augen der Schlange spiegelten auf einer obskuren Weise Tias Abbild wieder, während ihr Kopf sich in einer schleichend langsamen Bewegung weiter auf sie zu bewegte, das Maul noch immer fest geschlossen.
Tias ganzer Körper besaß trotz der Gefahr, die diesen Moment innehielt, eine merkwürdige Gelassenheit, wobei sie nun ebenfalls einen Schritt auf die Schlange zu machte, die synchron in derselben Geschwindigkeit zurück ging
"Geh zurück, zieh dich zurück, dies ist kein Ort für dich!", bewegten sich Tias Lippen mit einen monotonen dunklen Klang, der mit fester Autorität der Schlange entgegen gebracht wurde, die mit jedem Schritt den Tia weiter auf sie zusetzte, weiter zurück wich.
"Isch weisch wer du bischt!", vernahm Tia eine zischende Stimme in ihrem Kopf, während die Augen der Schlange sie eindringlich ansahen.
So überrascht wie Tia über diese Begebenheit auch war, blieb ihr Gesicht standhaft und der Worte vollkommen unberührt
"Deine Zeit alsch dasch ischt fascht vorbei, du musscht dich langscham erinnern!", erklang die Stimme erneut, drängender und viel klarer als zuvor
-Erinnern?-, blieb Tia nun direkt vor dem Stamm des Baums stehen, an dem die Schlange sich den Ästen entgegen zurückgezogen hatte und von oben seine Augen wieder Tia zuwandte
"Wenn zwölf Jahre vollendet schind, ischt der Schand der Uhr abgelaufen, nischt nur isch gehöre nischt hierher, sondern du ebenso nischt!", zog das Reptil sich weiter den Baum hinauf, bis es von dem dichten Blätterdach verdeckt wurde und unter den Studenten, wo Dimitrie und Dimon direkt vom Baum wegschnellten, sich sichtbare Erleichterung ausbreitete. Jedoch war Tia die einzige die in diesen Moment wusste, das dieses Wesen sich nicht im Schutz der Blätter zurück gezogen hatte, sondern im Todesschein verschwunden war, sie hatte die schwimmenden Konturen gesehen, dessen Striche sich im Lichteinfall vollkommen aufgelöst hatten, als ob Licht durch Schatten bricht und ihn somit auflösen würde.
"Verdammt! Weißt du wie gefährlich das war!!", schrie die Professorin außer sich, wobei sie unsanft an ihre Schultern rüttelte, sie darauf jedoch mit verzweifelter Dankbarkeit wortlos immer wieder im Arm schloss.
"Wie zum Teufel hast du das gemacht?", kam Dimon nun auch auf Tia zu, dessen Gesicht langsam an Farbe wieder gewann und ängstliche starre den Körper wieder verließ.
-Isch weisch wer du bischt!-, kamen die Worte der Schlange als ob man ein Tape bis zu der Stelle zurück gespült hätte und erneut abspielen lies, in Tias Gedanken zurück, die sie vorerst einmal willkürlich bei Seite schob.
Angelo wusste zwar nicht wie und auch nicht was, doch es war als ob sie sich Stimmlos unterhalten hätten, blickten seine Augen den Stamm hoch zum Blätterdach, doch von dem Reptil war nichts mehr zu sehen.
Stur sah Evelin sich die Szene an, Tia blickte mit einem - Ist doch alles gut!- Ausdruck die Professorin an, Dimitrie irritiert wirkend überrascht zu Tia und Dimon wusste noch immer nicht so recht wie er sein Augenmerk dem Blätterdach in das sich die Schlange zurück gezogen hatte entreißen sollte, als ob er damit rechnen müsste das dieses selten farbloses Reptil der Schlagen Gattung zurück kommen würde. Während sie alle von Filice aus dem Todesschein beobachtet wurden. Er hatte die Klanglosen Worte der Schlange auch wahr nehmen können, Worte die mehr verrieten als sie sollten und noch viel weniger als das Tia ihren Sinn hätte verstehen können.
Das Schicksal war wie eine endlose Schleifenansage, sie lief bis zum Ende aus um darauf wieder erneut zu erklingen, der einzige Unterschied dessen war die Wahrnehmung des zuhörenden, so wie in der Schicksalsschleifenansage die Umstände immer wieder mal etwas voneinander variierten, doch das selbe Resultat schlussendlich immer aufwies.
Einige Schicksalsschleifen waren irrelevant, legendlich kleine Nebenrollen dessen Existenz nur manschen bewusst wurden. Denselben Effekt wie die kurze Gegenwart von einer Fliege an der Wand besaßen. Doch dann gab es da auch noch andere Schicksalsschleifen, solche wie Tias Existenz und das mit ihr verbundene eine war. Eine Schleife dessen Anfang Filice mit der Enormität seiner schon erlebten Zeit nun das dritte Mal schon mit erlebte. Ein Wesen aus seiner Welt welche sich in einen jungen Mann aus dieser Wirklichkeit verliebt, das Herz so rein besitzt das die Liebe so selbstlos war das ihr eigenes Leben nicht denselben Wert für sie besaß wie das Herz des Mannes den sie liebte. Ein Herz was schon eine andere zu lieben gelernt hatte und dieses Wesen nur um das Leid in ihm zu heilen, den innigsten Wunsch den er in sich trug zu erfüllen, ihr eigenes Leben gab und die Frau die er so sehr liebte zurück zu holen. Ohne das er jemals von ihrer Existenz, von ihrer Liebe erfahren hatte. Doch das zurück holen von einem Menschen aus dem Reich der Toten erforderte einen Preis, denn wo der Tod verweilt, muss auch der Tod verweilen, ein Leben gegen das andere und das von Tia war mächtig genug den tausch möglich zu machen, wenn dieser Wunsch in ihr aufkeimen sollte und dieselbe Intensität erreichen sollte wie es in der Vergangenheit der Fall war, ein Leben gegen das andere!
Das war auch der Grund wieso Filice ihr den Weg in diese Wirklichkeit ermöglichte, auch mit den Wissen was für Konsequenzen es mit sich bringen würde, das nicht er der jenige sein würde der ihr die Erinnerung an ihm neben würde, sondern das durchschreiten der Grenze von dieser Wirklichkeit in die ihre. Der Todesschein war nur ein Vorort, so was wie der Verbindungflur von einem Raum zum nächsten, den sie noch Problemlos betreten konnte, da er ebenso ein Teil dieser Wirklichkeit war, wie auch des Jenseits.
Und die drei Monate spiegeln den Zeitraum der Vergangenheit dar in denen ihr Herz eins diesen Wunsch entwickelt hatte, in der sie bei ihm war, sein Leid spürte, seine Tränen sah, immer in seiner Nähe sich befand und doch für ihn ungesehen, unbemerkt blieb.
Filice hoffte durch das aufeinander treffen der beiden das sich das Ende der Schicksalsschleife ändern würde, das dieser für ihn als schreckliche Kehrseite der Liebe bestehende Fluch vielleicht brechen würde. Das entweder die beiden Herzen zueinander finden würden, oder sie durch den Ablauf der Frist und das durchschreiten der Wirkichkeitsgrenze ihn und alles was mit dieser Wirklichkeit zu tun hatte, vergessen würde und somit auch der Wunsch in ihr sterben würde seinen Wunsch zu erfüllen, nur damit sein Herz aufhören würde so fürchterlich zu leiden.
"Ich werde dich nicht wieder einfach so sterben lassen!", sah er sie ein letztes Mal an, bevor er wieder in seine Wirklichkeit verschwand. Den ihr erstes Ich war die Person die Filice selbst eins über alles geliebt hatte.
Irritiert hob Tia den Kopf an, es war ihr für den Moment so als ob sie Filice Stimme hätte hören können, aber vielleicht war es auch nur das Wispern der Blätter dachte sie sich, als sie hoch zum Himmel sah, wo langsam der Wind immer stärker zu herrschen schien und schon auf ein Unwetter schließen lassen könnte, wenn das Wetter an sich nicht immer so wandelbar wäre.


So schön wie der Wandertag auch war, der Unterschied zwischen den Wäldern durch die Augen des Zwielichtes und der Wirklichkeit sie zu faszinieren wusste, ebenso erleichtert war Tia auch gewesen als sie wieder zuhause bei ihrer (irgendwie) Mutter war, lang auf dem Bett austreckt die Augen schloss und in die Traumwelt abdriftend ein Lächeln auf ihren Lippen trug.
Zufrieden hielt Sherelin Williems einen Moment inne, als sie gerade ihre Tochter fragen wollte wie der erste Tag nun als Studentin gewesen war, dann jedoch nur sah das ihre kleine Tochter, die nun schon nicht mehr als Kind angesehen werden konnte, dennoch wie einen friedlich eingeschlafen war und zog leise die Tür hinter sich wieder ins Schloss.
Langsam lief sie die mit Teppich befassten Stufen runter, an der Küche vorbei und setzte sich im Wohnzimmer auf der Couch.
Sherelin war wirklich froh Tia bei sich zu haben, dadurch nicht einsam zu sein, fühlten sich ihre Augen mit glücklicher Zufriedenheit. Dennoch war irgendwo noch dieses Gefühl gegenwärtig als ob sie Tia überhaupt nicht wirklich zu kennen schien. ihre schusselige Unwissenheit ganz alltäglicher Dinge gegenüber, die permanent aufgeweckte, dennoch sanfte Art ihres Wesens, wieso kam es ihr nur so vor als ob sie all dies gerade erst am kennen lernen war, wenn sie doch schon so lange nun schon bei ihr als ihre Tochter lebte?
Die Gedanken bei Seite gezogen machte sie ihre Beine auf der weichen Polsterung lang, zog die dünne Wolldecke etwas höher und wartete darauf das die Werbung endlich ihr Ende nehmen würde, als das Telefon auf dem kleinen Bei Tisch neben ihr zu klingeln anfing und Sherelin erschrocken zusammen zucken lies. Sherelin war schon immer sehr schreckhaft was sich bei Horrorfilmen immer am besten zeigen konnte.
"Williems!" meldete sie sich
"Frau Williems, Krankenhaus Teiles hier, es geht um ihre Schwester Tatjana Williems!"


"Wo gehst du denn so plötzlich hin?", sah Angelo von seinem Schreibtisch auf, als seine Schwester gerade an seinem Zimmer vorbei huschen wollte (die Tür stand offen)
Lächelnd drehte Tiana sich ihrem Bruder zu, ein verschmitztes Lächeln was sofort zeigte das sie der Frage gegenüber verlegen war.
"Dimitrie hatte mir versprochen mit mir zu der Neueröffnung der Unterwasserwelt zu gehen!", strahlte sie bis über beide Ohren.
"Du meinst Auqasea?", Tiana nickte. "Also soll ich jetzt nicht mehr mit hingehen ja?", die dunkelhaarige Schönheit schüttelte glücklich den Kopf.
Die Hände in den Hosentaschen auf und ab wippend wartete Dimitrie in der schon emens langen Schlange vor dem Eingang der Unterwasserwelt, wo er grinsend den fünf Jahre jüngeren Junge neben sich ansah.
„Was?“, fauchte dieser grimmig, Dimitrie verzog spöttisch das Gesicht
„Hättest eben nicht im Hintergrund schreien sollen das das Auquasee doch so ein toller Ort sei und du an meiner Stelle auch gehen würdest!“, wurde das Grinsen von Dimitrie so breit das man fast meinen könnte, das es eingemeißelt wäre.
Angefressen sah Julian zur anderen Seite weg, er war zwar erst vierzehn, doch alt genug um so einen Ort nun wirklich nicht mehr in seinem Interessenfeld haben zu müssen. Dabei war es ein für eigentlich harmloser Jux den er seinen Bruder spielen wollte, mit dem Wissen geschmückt das Dimitrie sich besseres vorstellen konnte als bunte Fische beim nichts tun zu zuschauen. Leider hatte er nicht damit gerechnet das Dimitrie sich auf diese Weise für den Scherz bei ihm bedanken würde und droht ihrer Mutter Mal nahe zu legen das ihr jüngster nicht nur raucht, sondern sich auch regelmäßig mit anderen prügeln tut. Das dieses Engelsbild was sie von ihm hatte die völlige Kehrseite als Realität in sich trägt.
Seufzend sah Julian sich um, blaue und weiße Luftballons, zwei blutjunge Frauen die Flyer verteilten und im Hintergrund diese penetrant fröhliche Musik von Meeresgeräuschen, verdrehte er die Augen und blickte einen jungen ungefähr in seinem Alter mit angehobenen Augenbrauen auffordernd weg zu schauen böse an, der auch direkt die Warnung verstanden hatte und demütig den Blick abwand.
"Hast du schon lange gewartet?", kam Tia, beide Hände vor ihren Beine ineinander gelegt, vor Dimitrie mit Engelsaugen zum stehen, „Oh hallo Julian!“ bemerkte sie im nächsten Moment den kleinen Bruder von Dimitrie, als dieser von dem anderen Jungen zu ihr hinsah, aber auf die freundliche Begrüßung hin nichts erwiderte.
Dimitrie grinste, nein er hatte noch nicht als zulange gewartet, doch Tiana wusste noch ganz genau wie sehr er das warten immer hasste.
„Da mein Brüderchen ja so begeistert vom Aquasee war, wollte ich ihn es nicht nehmen mit zu dürfen!“, grinste Dimitrie provokant. „Oder Julian?“
„Und wie!“, brummte dieser jedoch nur desinteressiert an der ganzen Situation, hatte längst bereut gehabt Dimitrios in diesem Moment besuchen gegangen zu sein.


"HEUTE NEU ERÖFFNUNG AQUASEE! Kommen und erleben sie die Unterwasserwelt-
HEUTE NEU ERÖFFNUNG AQUASEA! Kommen und erleben sie die Unterwasserwelt-
HEUTE NEU ERÖFFNUNG AQUASEA! Kommen und erleben sie die Unterwasserwelt-
HEUTE NEU ERÖFFNUNG AQUASEA! Kommen und erleben sie die Unterwasserwelt-
HEUTE NEU ERÖFFNUNG AQUASEA! Kommen und erleben sie die Unterwasserwelt-"
-Was?-, drückte Tia schon die Augenbrauen tiefer als der noch schlummernde Schlaf von dieser permanent erklingenden Männerstimme durchdrungen wurde.
"HEUTE NEU ERÖFFNUNG AQUASEA! Kommen und erleben sie die Unterwasserwelt-"
-Aquasea?-, Versuchte etwas während ihrer noch leichten Schlafphase auf die Stimme zu reagieren.
"HEUTE NEU ERÖFFNUNG AQUASEA! Kommen und erleben sie die Unterwasserwelt-"
"Aquasea? Was zum..?", öffnete sie nun die Augen und sah unwillkürlich gesteuert direkt zum Bildschirm des Fernsehens hin, wo sie nun die sich immer wiederholende Szene sah, als ob eine DVD einen Sprung hätte. Doch war dies keine DVD und Tia verstand was dies zu bedeuten hatte.
Gefühlslos nickte Filice als Tia sich den Name und Adresse notierte, nach dem er das Bild aufhörte zurück zu setzen und Tia in zügigen Schritten aus dem Zimmer verschwand.

Es brauchte auch keiner großen Überredungskunst ihre Mutter von den Besuch des Aquaseas zu überzeugen, im Gegenteil, Sherelin fand die Unterwasserwelt sowieso schon immer äußerst interessant und fand es umso angenehmer dort nicht irgendwann allein hingehen zu müssen.
"Gibt es vielleicht noch einen Nebengrund?", drehte Frau Williems den Zündschlüssel um, zog die Handbremse an und den Schlüssel aus der Zündung raus.
"Nebengrund?", sah Tia vom Fenster, wo sie Dimitrie mit Angelos Schwester stehen sah, zu ihrer Mutter hin. Sherelin lächelte schmunzelnd, indem sie mit den dunklen Augen das Bild von Dimitrie fixierte, dem Blick von Tia vorher gefolgt.
Tia zog die Mundwinkel etwas auseinander, nicht viel, nur gerade so das man ein Lächeln unter dem seltsam getroffenem Ausdruck erahnen konnte.
"Ist das seine Freundin?", verstand Frau Williems die Aussage ihrer traurig lächelnden Augen, Tia seufzte, war sie so etwas wie seine Freundin? Sie waren ja zusammen hier? Ein Date?
"Ich weiß es nicht!", gestand Tia, zu der Frau neben sich, welche mit dem hellen Locken, die wild ihr Gesicht umschmeichelten, eine unausgesprochene Art von Vertrauen gefasst. So als ob in diesem Moment wirklich legendlich Tochter und Mutter zusammen in diesem Auto gesessen hätten.
"Sie ist nicht so hübsch wie du!", strich sie Tia eine ihrer weiß-blonden Strähnen aus dem Gesicht. Sherelins Worte waren kein bloßer Trost, sondern ernst gemeint. Ihrer Meinung nach konnte dieses Mädchen ihrer Tia nicht das Wasser reichen, da unterschieden sich Welten. Wenn sie ihre Tochter so ansah, würde Sherelin sagen das sie bis her allgemein noch kein anderes Mädchen gesehen hatte, welche von derselben Schönheit gesegnet wurde wie es Tia war. Seltsam? Irgendwie schon, das musste auch sie sagen. Menschen waren nicht perfekt, waren nicht Makellos, auch die schönsten Model waren nicht ohne Schönheitsfehler. Wieso nur schien dieses Mädchen Fehlerlos zu sein? Wieso war auf dem makellosen Gesicht keine Anzeichen von unreiner Haut? Keine Farbunterschiede? Nur dieses Helle zarte Rosa? Das wirklich helle Haar so gesund? So geschmeidig und seidig, ohne die geringsten Anzeichen von Spliss? Ihr Körper? Wieso schien er wie gemalt? Sah Sherelin zwar für den Moment das Tias Lippen sich bewegten, doch war von diesen fragenden Gedanken viel zu eingenommen gewesen.
"Mama?", hob Tia die Augenbrauen, erst jetzt realisierte Sherelin wirklich das ihre Tochter mit ihr sprach und lächelte endschuldigend
"Tut mir leid, was hast du gesagt?"
"Ach schon gut!", lachte Tia "Können wir?", die Mutter nickte.

Seit fast fünf Minuten schellte es nun schon Sturm, fünf Minuten in denen Angelos Gesichtsfläche immer weiter von genervter Wut geprägt wurde, die Decke über dem Kopf gezogen, dieses expressive Geräusch der Klingel nicht dämpfen konnte.
Angelo war die Art von Mensch die nicht die Tür öffneten wenn sich der Besuch zuvor nicht anzukündigen wusste, Zu oft standen Vertreter vor der Tür die durch ihre Dreistigkeit meinen sich alles Recht der Welt raus nehmen zu dürfen, nur um ihre Sachen an den Mann zu bringen.
"MAANNNN!", war der Geduldsfaden gerissen, er konnte es einfach nicht fassen, ein-zwei Mal klingeln, Okay! Drei Mal, auch noch okay, aber seid geschlagenen fünf Minuten durch? War er zur Tür gestampft, durch den langen Flur bis hin zu der weiß gestrichenen Holztür, die darauf mit einen Ruck von ihm aufgerissen wurde.
"Du?", drückten sich seine Augenbrauen noch tiefer ins Gesicht, als er den jungen Mann mit dem hoch gestylten Haaren sah
"Ich will mit Tiana reden!", konnte man in seinem Umgangston keinerlei Freundlichkeit finden.
"Ich wüsste nicht was du mit ihr zu bereden hättest!", waren Angelos Augenlieder arrogant gesenkt, arrogant und herablassend.
"Das geht nur mich und Tiana etwas an!", blieb der dringliche Gesichtsausdruck von Jack hart.
"Selbst wenn sie nun hier wäre, was sie allerdings nicht ist, würde ich nicht zulassen das du auch nur ein Wort schaffst an sie zu richten!"
"Willst du mich verarschen?", zuckten seine Mundwinkel verärgert, das Grau seiner Augen, in denen ein Stich Grün durch schimmerte, fest auf Angelo gerichtet.
"Sie ist auf einem Date!", grinste Angelo breit, ungerührt von seinem Blick und Reaktion.
"Ist mir scheiß egal, ich will nur diese verdammten Lügen geklärt haben die sie über mich erzählt!"
Prüfend sah Angelo den jungen Mann an, seine Aussage schien keine wirkliche Reaktion hervorgerufen zu haben, als ob es ihn nicht interessieren würde!
"Was für eine Lüge?", lag auf Angelos Gesicht eine stille Aufmerksamkeit.
"Zum einem ich hätte sie betrogen, zum anderen ich wäre nie irgendwo mit ihr hingegangen und hätte sie eingesperrt, soll ich noch weiter machen?"
"Du willst also sagen das du sie nicht betrogen hast?", neigte sich Angelos Gesicht tief.
"Genau so wenig wie ich sie angeblich eingesperrt haben sollte und den Umgang mit anderen verboten hätte!", lag weder in seinem Blick noch in seiner Stimme irrgendeine Liest, "Sie fing seit dem Tod von der Freundin von diesem einen Kerl an so rum zu spinnen!", untermauerte Jack noch hinzufügend.
Auch wenn es sich hierbei um seine Schwester handelte, dennoch konnte Angelo sich die Wahrheit in seinen Worten gut vorstellen, es passte alles ins Bild, griff praktisch gesehen schon in einander. Die Tatsache das sie sich von niemanden außer Dimitrie hatte aufbauen lassen wollen, uhrplötzlich als sie von ihm hörte das sie ihn gefragt hatten ob er mit Schlittschuhlaufen geht, aus ihrer Selbstmittleidphase raus fand und ihn so offen von der schrecklichen Beziehung erzählt hatte, das sie doch so gerne dort und dort hingegangen wäre, er ihr jedoch nie etwas zusagte. Klar Angelo hätte es schon ehr erkennen müssen, sie wusste das Dimitrie ihr gegenüber schon immer ein weiches Herz hatte und es ihm leid tun würde, das er versuchen würde sie auf andere Gedanken zu bringen.
"Wenn du wirklich ein klärendes Gespräch haben möchtest, sie ist im Aquasea!", kam Angelo dem jungen Mann mit den hoch gestylten Haaren entgegen, im Wissen das er die Hoffnung seiner Schwester damit zu Nichte machen würde, das Dimitrie sich durch diesen Stress direkt wieder zurück ziehen würde. Doch ihm war diese Variante lieber als wenn sie es wirklich versuchen würde ihn für sich zu gewinnen, einen Schritt dabei eventuell zu weit gehen könnte und Dimitries Trauer sich in Hass umschlagen würde. Denn sie war nicht Kiara und auch keine andere würde Kiara ersetzen können.

Wie ein kleines Kind sah Tiana aus dem Gläsernen Fahrstuhl den ganzen Fischschwärmen nach, die wie kleine Windzüge an ihr vorbei rauschten, silberne und rot schimmernde Striche, dessen Vielzahl wirklich emens war.
Dimitrie lächelte zufrieden, wenigstens hatte einer von ihnen wirklich spaß und so verschwand vielleicht etwas von dem bitteren Beigeschmack der diese Trennung bei ihr hinterlassen hatte, wobei der Blick seines kleinen Bruders weniger begeistert schien, sondern nur immer düsterer zu werden schien.
-Dir würde das sicherlich auch gefallen oder Kiara?-, sah der Schmerz in seinen Augen die gleitenden Silberstriche lächelnd an. Ja es würde ihr gefallen! Kiara liebte das Wasser, die Vielfalt der Farben und alles was irgendwie kitschig war.
"Tia alles in Ordnung?", sah ihre Mutter sie besorgt an, als sie dem Mann an der Kasse das Geld gab und den bedrückten Blick ihrer Tochter bemerkte.
"Alles bestens!", log Tia entwarnend, den Blick am Ende des Lachens gesenkt. Mann sagte das der letzte Ton eines Lachens zeigte wie die Gefühlswelt dieser Person wirklich aussah und es stimmte, wie Sherelin sehen musste, den anstatt ein Lächeln hatte sie für diesen kurzen Augenblick eine verloren wirkende Bedrücktheit gesehen.
Nun ebenfalls den gläsernen Lift welcher langsam nach unten fuhr, betreten staunten Sherelins Augen begeistert. Es war schöner als sie im Fernsehen gesehen hätte, viel atemberaubender als so eine Linse hätte es einfangen können.
"Na los komm!", ergriff sie Tias Hand als der Fahrstuhl seine Glastüren öffnete und zog die zierliche Blondine direkt zur nächsten Glaswand, Bruchsicheres Glas hinter dem gerade ein riesiger grauer Hai geschwindigkeitslos an ihnen vorbei glitt.
Dunkle Augen die reine Gefahr ausstrahlten, ruhig und dennoch durchdringlich erschienen. Doch Tias Augen bestaunten nicht den imposanten Räuber der Meere, sie suchten nach den einen jungen Mann mit den frech geschnittenen Haaren, die bei jeder Bewegung auf seiner Stirn hin und her tanzten, um darauf wieder ihre Position einzunehmen.
Überrascht wollte Dimitrie gerade auf grinsen als er etwas von sich entfernt Tia bemerkte, ihre Blicke sich trafen, im selben Moment von Tiana jedoch in den Gang links von sich zu den Delphinen reingezogen wurde und Julian schon schreiend fragend wollte was für eine Macke nun in ihren Kopf rumgehämmert hätte, aber dann doch nur die Augen genervt verdrehte. Dadurch das Dimitries Blick auf Tia gerichtet war, hatte er den böse auf funkelnden Blick von Tiana nicht sehen können, als sie seinem folgte und ihn darauf zügig weiter zu ziehen wusste.
Doch Tia hingegen hatte das was Dimitrie verborgen geblieben war nicht übersehen gehabt, ihren Augen war die wütenden Augen von Tiana aufgefallen und das darauf weg ziehen von Dimitrie bewies was ihre Augen ihr versuchten zu zeigen. Das sie verhindern wollte das Tia ihr dazwischen funken würde. Aber so nicht blitzten Tias Augen, sie wäre bereit die Niederlage gegen Kiara, der eins so sanftmütigen Seele die ihr Ruf so stark in die Nacht gerufen hatte, das er Tia erreichte, zu akzeptieren, doch gegen jemanden anderen nicht.
"Woaa schau mal!", zeigte Tiana auf die anmutigen Tiere, welche spielerisch durchs Wasser fuhren, an der Scheibe vorbei und in Kreisen wieder zurück. Delphine waren wirklich Tianas Lieblingstiere unter den Wasserbewohnern und eigentlich auch die einzigen die sie wirklich schön fand. Denn wenn Dimitrie richtig hinsehen würde, nicht nur das bemerken würde was sie ihm mit Absicht zeigte. Würde er bemerken das Tiana an nichts wirklich hier interessiert war.  Sondern legendlich die Zeit mit Dimitrie genießen wollte(auch wenn der kleine Bruder dabei war).
Dabei war so was eigentlich nicht Tianas Art, weder die Lügen, noch die biestige Eifersucht gegen Tia. Aber was sollte sie machen? Sie hatte den Kampf damals gegen Kiara schon verloren gehabt und hatte dennoch nie aufgehört ihn zu lieben. Sie stellte sich doch noch nicht zwischen welchen, Dimitrie empfand noch nichts für Tia und andersherum auch nicht. Hoffe es wenigstens in ihr, denn wenn ihre Augen ihr etwas anderes zeigen würden, wüsste Tiana nicht mehr ob sie weiter sich zwischen ihnen hätte stellen können, dazu war ihr Herz zu aufopferisch, als das sie das Glück anderer für ihr eigenes zerstören würde. Und sie realistisch genug um zu erkennen wann sie verloren hatte. Allerding wollte sie von all dem noch nichts sehen und die Anzeichen waren noch viel zu klein, als das sie sich nicht mehr hätte selbst anlügen können.

"Was ist, willst du dort hinten irgendwo hingehen?", fragte Sherelin als sie sah das Tia noch immer in ein und dieselbe Richtung blickte.
"Ehm was?", drehte diese sich verdutzt um.
"Na weil du die ganze Zeit nach dort hinten hinschaust!", legte ihre Mutter den Kopf schief, den Mund klein verzogen und fügte noch hinzu: "Du kannst auch gerne schon Mal weiter gehen!"
"Kann ich?", realisierte sie unwillkürlich den Wink mit dem Zaunpfahl, den ihre Mutter ihr zuteilwerden ließ. Sherelin nickte, sie hatte nämlich schon bemerkt wen sie zuvor angesehen hatte und Liebe ließ sich nicht bändigen, auch nicht nur für einen Tag.
"Okay, ich komme gleich wieder!", konnte sie ihre Tochter noch rufen hören und sehen wie sie um die Biegung zur Linken Seite verschwand.
"Du!", rannte sie direkt auf Tiana zu, von der sie nun deswegen genauso verwirrt angesehen wurde wie von Dimitrie selbst, da beide wenn überhaupt damit gerechnet hatten das sie ihn anreden würde.
"Ja?", fragte sie deswegen misstrauisch.
"Ist dein Bruder auch hier?", strahlte Tia gespielt über beide Ohren, sie war ja nicht dumm und wusste das man sich erst seinen Feinden annehmen sollte und wenn möglich sie auf ihre Seite ziehen.
"Mein Bruder? Ich mein er ist zuhause!", schien Tianas Gesicht schon irgendwie weicher in den Konturen zu werden.
"Ach so!", zog Tia ihren Mund zu einem enttäuschten Strich, Dimitries Gesichtsausdruck hingegen zeigte das es ihm nicht zu passen schien das sie ausgerechnet nach Angelo fragte, allerdings unter einem desinteressiertem Grinsen versteckt.
„Sag nicht noch so eine Fischverrückte!“, kam indessen auch Julian wieder hinzu, wo Tia sich irritiert dem Jungen nun zudrehte und noch verdutzter blickte als sie erkannte das der kleine Junge nun vor ihr fast genau so groß war wie sie selbst, aber auch Julian blickte erst sehens überrascht, aber musste dann doch vollkommen zu lachen anfangen, Ihr peinlich gerührtes und vor allem verdutztes Gesicht war einfach zu komisch gewesen, als das er sich das Lachen hätte wirklich verkneifen können.
Mit verengten Augen blickte Tia den kleinen wütend an, wobei ihr Blick sich jedoch gleich wieder normalisierte als sie erkannte wie ähnlich er Dimitrie sah, auch wenn seine Augen nicht blau wie die von Dimitrie selbst waren, sondern ein enorm helles Grau besaßen. Doch war da auch noch dieses andere Gefühl in ihr, was sich für den Moment fest in ihre Gedanken krallte und etwas erzählen wollte, doch von ihr nicht wirklich realisierend wahr genommen wurde.
Den Kopf schief gelegt hörte Julian wieder auf zu lachen als er ihren musternden Blick bemerkte, aber auch er bemerkte nun erst ihre großen Augen, diese enorm helle Haut, die unglaubliche Schönheit die sie besaß.
„Pass auf Tia, sonst verliebt der Kleine sich noch in dich!“, neckte Tiana ihn, wobei Julian gerade anfangen wollte zu fauchen, ihr klar zu machen das wenn sie nicht noch böse mit ihm aneinander geraten wolle, lieber ihre dummen Kommentare für sich behalten sollte und Dimitrie sah die tickende Zeitbombe in seinen Bruder genauso wie er wusste das er für seine zwar erst vierzehn Jahre, nicht unterschätzt werden sollte. Anfangs als er mitbekommen hatte das er sich immer wieder auf dem Schulhof mit anderen zu prügeln anfing, hatte er es noch belächelt, schließlich sah es bei ihm in diesen Alter nicht viel anders aus. Doch entwickele sich aus dieser zu anfangs noch harmlosen Aggressivität eine gefährliche Sache. Julian schien plötzlich immer brutaler, immer stärker und vor allem Dingen, immer schneller gereizt zu werden. Doch das wahre Ausmaß dessen hatte Dimitrie noch gar nicht vor Augen geführt bekommen. Er wusste noch nicht das Julian anfing sich über die anderen Schüler zu stellen und dies mit den Jahren noch ganz andere Ausmaße einnehmen sollte.
„Hast du mich jetzt lange genug angekuckt oder willste lieber ein Foto haben?“, richtete Julian nun sein Wort an Tia, welche so überrascht von der großen Klappe hinter dem schönen Gesicht war, das man meinen würde, sie würde nun vollkommen überfordert nur dumm aus die Wäsche kucken. Aber nicht Tia, wurde ihre Mimik dunkler
„Warum, willst du auch ein Foto? Schließlich starrst du mich ja genauso an oder?!“, fauchte sie ebenso angefressen wie Julian es selbst war.
„Sei Mal nicht so arrogant ja! Ich kuck dich nur an, weil du mich so angaffen tust!“, grinste Julian überlegen und sah darauf seinen Bruder an um ihn mit zu teilen das ihm das hier zu dumm war und das er nun gehen würde. Wonach er allerdings unwillkürlich noch einmal einen Blick auf Tia werfen musste, ohne in diesem Moment zu ahnen das sich dieser letzte Blick auf ihr eingeschnapptes Gesicht, was in diesem Moment dieselbe Trotzigkeit wie ein stures Kind besaß, fest in seinen Erinnerungen eingraben und nie wieder sich von dort lösen würde.
„Endschuldige meinen kleinen Bruder! Aber Julian hatte schon immer eine so große Klappe an sich!“, lachte Dimitrie.
"Aber wenn du magst kannst du gleich mit uns mitkommen, wir wollten sowieso noch zu mir!", lenkte Tiana von dem Thema ab und erreichte damit wieder ein Lächeln auf Tias Lippen.
"Ja okay, aber ich muss eben meiner Mutter Bescheid geben ja!", kniff Tia beim Lachen beide Augen zu, wirbelte auf den Sollen wieder zur anderen Seite herum und rannte wieder zurück.
"Also doch keine Fische mehr betrachten?", lachte Dimitrie, Tiana smilte.
"Könntest du bei so einem glücklichen Gesicht wie das ihre Nein sagen?", argumentierte sie dagegen, ohne zu wissen das er es konnte und das er es würde, das er die beiden nicht zusammen sehen wollte, doch warum? Runzelte er als er es realisierte die Augenbrauen. Kam aber nicht weiter dazu sich mit dieser Frage auseinander zu setzen, da Tia im selben Moment wieder auf die beiden zukam.
"Boaar dafür das du so schnell rennst scheinst du überhaupt nicht aus der Puste zu kommen!", hob Tiana staunend die Augenbrauen, als Tia vor den beiden wieder zum stehen kam, womit auch Dimitrie es nun auffiel.
"Warst du Athletin oder so was?", fragte er kurz auf grinsend, Tia schüttelte den Kopf, obwohl sie nicht einmal wirklich wusste was dieses Wort bedeutete.

Durch den Rückspiegel im Auto wanderte Dimitries Blick bei Gelegenheit immer wieder zu Tia, die mit dem Gesicht zum Fenster gerichtet durchgehend ein Lächeln trug. War es weil sie gleich Angelo sehen sollte? Dimitrie konnte es ihr nicht verübeln, Angelo war für viele Frauen ein Magnet, ein gut aussehendes Genie was aber auch genauso egozentrisch sein konnte. Doch was Frauen anging war Angelos Maßstab seiner Meinung nach viel zu hoch, unerreichbar und er hielt jede die seinen Vorstellungen nach nichts interessenwertes an sich hatte auf unnahbarem Abstand.
Sollte sie es schaffen durch diese Unsichtbare Mauer hindurch zu dringen? Überlegte er und etwas tief in ihm war der Meinung das sie die Mauer längst schon durchbrochen hatte.
"Falls mein Bruder irgendwie barsch oder so werden sollte, sag mir sofort Bescheid!", drehte Tiana sich nach hinten, um Tia direkt ansehen zu können. Nun wo sie nicht durch ihre Eifersucht gesteuert wurde konnte Tiana die zierliche Blondine so sehen wie sie wirklich war, was die Möglichkeit das sie eventuel das Herz ihres Bruder erreichen könnte immer realer werden ließ.

Genervt verdrehte Angelo die Augen ließ sich gähnend von der Sitzbank am Fenster runter gleiten und schlenderte noch viel gemütlicher durch das Zimmer zum Flur hin, wo seine Schwester schon lauthals nach ihm gerufen hatte. Beim im Wohnzimmer betreten jedoch überrascht wieder stehen blieb, als er sah das nicht nur seine Schwester und Dimitrie dort saßen, sondern Tia ebenfalls, die ihn lieb anlächelte.
"Das hier ist dein Besuch!" zeigte Tiana mit beiden Händen auf Tia, als ob sie ihren Bruder ein Geschenk präsentieren wollte.
"Du wolltest zu mir?"
"Ja, ist das denn so abwegig?", blieb das Lächeln auf ihren Lippen standhaft.
"Du bist sicher das du zu mir wolltest? Das du nicht lieber mit den beiden Pappnasen dort Zeit verbringen möchtest?", als ob Dimitrie nun eine andere Antwort als die schon gegebene auf diese Frage erhoffte, richtete sein Blick sich direkt auf Tia.
"Ich wollte zu dir!", blieb ihre Antwort standhaft, unwiederuflich und ebenso fest in ihren Augen zu sehen.
"Na geht schon!", zog Tiana sie mit einen Rück an den Händen hoch und schob sie ihrem Bruder entgegen. Verlegen drehte Tia sich noch mal zu den beiden um, bevor sie Angelo die drei Stufen hoch den Gang entlang zu seinem Zimmer folgte.
Was Dimitrie an sich schon zu wundern wusste, Angelo und jemanden allgemein mit in sein Zimmer nehmen, es schien wirklich eine seltene Begebenheit zu sein und nun sogar ein Mädchen?
"Du kannst ruhig rein kommen, ich fresse dich nicht!", blieb Angelo in der Mitte seines Zimmers stehen, als er bemerkte das Tia noch immer in der Tür stand.
"Das trifft sich ziemlich gut, ich wollte sowieso mit dir reden!", setzte er sich auf dem Sofa kopfüber vom Bett und signalisierte ihr das sie neben ihm sich setzen sollte.

Sauer suchten Jacks Augen in der sich permanent bewegenden Menge nach der dunkelhaarigen jungen Dame, an alten Damen, Kindern und Pärchen entlang, doch nirgendswo war auch nur die geringste Spur von ihr zu finden. Nur schwimmender Tunfisch in allen möglichen Varianten.

"Worüber wolltest du denn mit mir reden?" setzte sie sich ganz vorsichtig auf den Platz neben Angelo. Die Art wie er sie ansah, es hatte etwas von weicher Sentimentalität und unheilvoller Verkündung.
Das angelockte Haar, das Grau seiner Augen, was sie so direkt ansah, etwas in Tia wollte sich regen, das Herz etwas schneller schlagen, seine Nähe machte sie nervös. Doch war es nicht dieselbe Intensivität wie es das bei Dimitrie der Fall gewesen war.
"Tia wer bist du?", unbeholfen klimperte die junge Dame mit den Augen, wie sollte er diese Frage meinen? Sein Gesichtsausdruck sah nicht nach einem Schmerz aus.
"Wie meinst du das?", fragte sie auch genau dies.
"Wo kommst du her Tia?", blieben seine Augen weich, doch die Gesichtszüge hart.
"Ich glaube nicht das du den Ort kennst!", versuchte sie auszuweichen, so langsam wurde ihr richtig flau im Magen, Unbehaglichkeit.
"Tia wieso musst du nach drei Monaten gehen?", klang ein unterdrückt trauriger Klang bei der Frage mit.
"Weil ich dann wieder zurück muss!"
"Tia ich habe dich gesehen und gehört wie du mit jemanden gesprochen hattest, jemanden den ich nicht befähigt war zu sehen!", Nun war es draußen und ihr Gesicht wurde um einige Nuancen Heller, Bleich wie die Tapete hinter ihr und die Bedecke vor ihm.

Dimitrie wurde innerlich immer unruhiger, während Tiana mit einem glücklichen smilen neben ihm saß und man weder hören noch sehen konnte was dort oben vor sich ging.
"Erinnerst du dich noch daran wie ich dir damals sagte das du der einzige Mensch bist dem ich bedingungslos vertraue?", zog Tiana ihre Beine am Körper ran (Die Schuhe hatte sie zuvor ausgezogen)
"Ja, das ist aber schon sehr lange her, da waren wir noch Kinder!", zwang Dimitrie sich von dem Gedanke was sie dort oben wohl machten, loszureißen.
"Ja, aber es hat sich bisher nicht geändert gehabt!", senkte Tiana den Blick, das schwache Lächeln dennoch auf den Lippen fest gehalten.
Unsicher sah Dimitrie sie an, ihre Haltung, der gesenkte Blick, wie sie ihre Füße so am Körper gezogen hatte. Dimitrie kannte Tiana nur zu gut um die Signale deutlich lesen zu können. Sie war nervös, wegen ihm!
"Tiana, ich glaube es ist nun besser wenn ich gehe!", erhob Dimitrie sich.
"Nein, wieso?", sprang sie direkt mit auf, doch sein Blick, der ebenso endschuldigend wie unerweichlich war, bedurfte keiner Worte mehr um ihr nun mit der harten Wahrheit ins Gesicht zu springen. Sie wusste das er die Situation richtig erkannt hatte und sie deswegen stoppte, das er ihr so das vor dem Kopf stoßen ersparen wollte. Und auch wenn sie in diesen Moment verletzt und gekränkt war, dennoch war sie auch genau so Dankbar dafür das er ihr es so ermöglichte ihr Gesicht zu bewahren, denn manchmal war es wirklich besser gewisse Dinge unausgesprochen zu lassen, als mit den Konsequenzen klar kommen zu müssen.
Deswegen senkte sie nur die Augen und lies sie geschlossen bis das Geräusch wie die Tür zurück ins schloss viel ihr Herz endgültig brechen lies und sie somit wusste das er wirklich gegangen war.
Tiana wusste, oder hatte zu mindestens irgendwo schon geahnt das es so ausgehen würde, er hatte Kiara nicht vergessen gehabt und sein Herz würde sie sicherlich auch niemals vergessen.

Kummervoll lief Tiana eine Stufe nach der anderen hoch, langsam, fast zeitlos.
"Tia ich hatte Nachforschungen danach angestellt! Über dich existieren keinerlei Dokumente, keine Geburtsurkunde, keine Vergangenheit! Keines der Waisenhäuser hatte dich vermittelt, als ob du bis vor den einen Tag nie existiert hattest!", Sah er sie ernst an. Zuerst hatte er anhand ihrer Mutter versucht, dessen Daten er aus dem Universitäts Computer entnommen hatte, etwas über ihre Tochter heraus zu finden, da diese selbst aber nie ein Kind bekommen hatte, nahm er an das sie eventuell adoptiert wurde, doch als auch dies nicht der Fall war, versuchte er über ihren Namen selbst etwas in Erfahrung zu bringen, aber auch dies war Resultatlos geblieben.
Irritiert blieb Tiana stehen als sie die Stimme ihres Bruders so ernst hören konnte und die Worte ihr das Entsetzen ins Gesicht schlugen. Fest gegen die Wand gedrückt blieb sie direkt neben der wie für gewöhnlich offenen Tür zu dem Zimmer ihres Bruders stehen.
Tias Lippen waren unsagbar fest aufeinander gepresst, wodurch die für eigentlich schön roserne Farbe der Lippen in ein trocken wirkendes Weiß überging.
"Der Ort von dem du kommst ist der Todesschein oder?"
"Was?!", wurden Tianas Augen riesig.
Tias Augen fingen an zu wackeln, der eigentlich gespielte Gesichtsausdruck zerbrach und der Schmerz der sich wirklich die ganze Zeit hinter ihrer Maske versteckt hatte kam zum Vorschein.
"Erzähl mir deine Geschichte, wieso bist du hier? Und wieso nur für die Dauer von drei Monaten?"
Eine nervenzermürbende Stille trat für den Moment ein, in der sowohl Angelo wie auch Tianas Körper vor Anspannung verkrampfte, bevor Tia schlussendlich zum Reden ansetzte.
"Ich bin das was ihr einen Todesengel nennt", lächelte sie verloren, wieso war es auch so schwer die Wahrheit, den Ausmaß ihrer zu erzählen?
"Ich folgte eins den Hilferuf von Kiaras Herzen, den sie in dem Moment in dem sie starb durch mein Herz hat fahren lassen. Ihr hatte ich versprochen auf Dimitrie aufzupassen, zu verhindern das er sich selber das Leben nehmen würde!", erzählte sie die Geschichte wie sie ihn durch einen Kuss zurück ins Leben holte, das seine Zeit noch nicht abgelaufen war. Das sie sich so in ihn verliebte und die Liebe zwischen einem Wesen aus ihrer Wirklichkeit und die ihrer nicht wirklich möglich sei. Das ihre Liebe aber so stark war, das sie das Risiko danach ihn ganz zu vergessen, wenn sie sein Herz in diesen drei Monaten nicht erreichen sollte, bereit gewesen war ein zu gehen.
-Sie liebt ihn?-, wurde Tiana die schwere dieser Geschichte bewusst und das Leid was hinter ihren Worten steckte, als sie erzählte das sie jedoch die Sehnsucht und den Schmerz wegen Kiara aufs genaue deutlich in ihm verspüren konnte und das es die Hoffnung in ihr hat sterben lassen.
"Du willst also aufgeben?", sah er sie ernst an.
"Nein, das darfst du nicht!", platzte mit dieser Frage Tiana mit Tränen behangenen Wimpern ins Zimmer herein. Entsetzt starrten beide die junge Dame an, keiner von ihnen, weder Angelo noch Tia hatte ihre Gegenwart bemerkt gehabt und nun war es zu spät.

Die ganze Fahrt bis nach Hause hin hatte Dimitrie versucht zu verstehen wie es so weit kommen konnte. Er hatte wirklich angenommen das Tiana und er so was wie beste Freunde waren, wie konnte er nur so ein verkehrtes Weltbild der Lage haben?
Am Straßenrand rechts ran gefahren, den Zündschlüssel umgedreht, legte er beide Hände fest aufs Lenkrad ab und den Kopf auf seine Hände.
Er sehnte sich so sehr nach Kiara, mit jedem Tag der verging, wurde das klaffende Loch in seinem Herzen unerträglicher. Nie im Leben hätte er Mal gedacht das so etwas Mal ihn treffen würde. Hatte sich so viele Filme mit ihr wo das Ende ein tragisch war angesehen. Ja sie waren traurig und manchmal sogar mitreißend, doch hätte er nie erwägt das die Tragik jemanden zu verlieren noch viel mehr Schmerz offenbaren würde als es den Zuschauern in den Filmen vermittelt wurde. Zeit heilt alle Wunden? Sie hatte ihm geschrieben das er wieder glücklich werden sollte, sich neu verlieben! Wie? Wie sollte er sein Herz neu verschenken können wenn es doch so sehr an ihr hing, selbst im Angesicht des Todes nicht aufhörte sie zu lieben? Wenn die Person die man liebte stirbt, stirbt die Liebe nicht mit ihr, sie ist es die zurück bleibt, die einen mit jeden ruhigen Moment erneut zusammen brechen lässt! schlossen sich seine Augen, womit die heißen Spuren der Tränen sich wieder ihren Weg über seine Wangen ebneten.
Er würde alles dafür tun sie noch einmal wiedersehen zu können, noch einmal ihr Gesicht zu sehen und ihr sagen zu können was sie ihm bedeutete. Sie beide hatten zum Schluss gewusst das sie sterben würde, trotzdem hatte er es nicht geschafft sich zu verabschieden. Sie war einfach während er schlief, verdammt noch mal! Schrien seine Gedanken, sie war gegangen während er schlief!

"Alles in Ordnung?", runzelte Tiana die Stirn, sie hatte sich zu den beiden mit auf die Couch gesetzt gehabt, direkt neben ihren Bruder, welcher neben Tia saß, dessen Ausdruck plötzlich wie weit entfernt wirkte, indessen sich langsam Tränen in den Augen zu bilden anfingen.
"Sein Herz schreit!", bewegten sich ihre Lippen, ohne das ihre Stimme einen wirklichen Klang besaß, wie jemand der etwas sagte ohne wirklich zu realisieren das er es tatsächlich ausspricht.
"Dimitrie?", fragte Angelo vorsichtig, diese Sache erforderte eine Menge Fingerspitzengefühl, etwas womit Angelo nicht wirklich viel gesegnet wurde. Doch Tias Schweigen war Antwort genug, worauf Tiana ihr behutsam übers Bein strich, soweit über ihren Bruder hinweg gestreckt das man meinen könnte sie versuchte die andere Seite der Couch zu erreichen.
"Vielleicht schaffst du es ja Dimitries Herz zu erreichen!", viel Tiana der Satz schwer, doch sie glaubte wirklich dran, sie hatte schließlich bemerkt das seine Augen nicht aufhören konnten ihr zu folgen.

Die Tage vergingen in denen Tia versuchte Dimitrie mehr oder weniger aus dem Weg zu gehen. Sie wollte diesen Schmerz nicht mehr spüren, nicht wenn ihr Herz sowieso schon weh tat, sich selber Quälen konnte sie auch so schon allein gut genug, dafür brauchte sie ihn nicht.
Allerdings gab es dann noch die gemeinsamen Seminarstunden, wo Dimitries Augen meist immer auf ihr lagen, undeutbar und seltsam. Wieso beobachtete er sie, wenn er doch keine Gefühle für sie hatte? Dies fragte sich nicht nur Tia, sondern Dimitrie selbst auch. Er wusste nicht was es war, doch etwas tief in ihm holte immer wieder dieses Traumbild hoch, dieses Gesicht, diesen Kuss. Auch wenn er wusste das sein Unterbewusstsein wahrscheinlich nur diese Illusion aus ihr gemacht hatte, schien es als ob sein Herz von dieser fiktiven Erscheinung angesprochen wurde. Diese weißen Augen, das Gefühl während des Kusses. Sein Herz hatte diesen Moment in sich eingeschlossen, dort wo auch das Bild von Kiara niemals verblassen sollte.
Dafür hatte sich aber zwischen Angelo, Tiana und Tia eine zu Anfangs vorsichtige und nun wirklich gute Freundschaft entwickelt. Tia vertraute den beiden bedingungslos, sie kannte ihr Geheimnis und akzeptierten sie trotzdem als eine von ihnen, als ob sie selbst ein Mensch wäre.
Der Abend hatte seine Flügel über alles hinaus gestreckt, die ersten Sterne konnte man am Firmament erkennen und Tia lief in ihren Gedanken versunken die Hauptstraße entlang. Es war noch immer etwas wirklich Unfassbares für sie diese Wirklichkeit mit diesen Augen zu sehen. Die Vielfalt der Farben, der Geräusche, es war ganz anders als aus dem Todesschein in diese Wirklichkeit zu blicken, sie zwar zu sehen aber dennoch kein Teil von ihr zu sein und doch vermisste sie auch ihre Welt, die Seelenwälder, die singenden Blumenmeere.
Eigentlich sollte dies anfänglich nur ein Spaziergang werden, ein bisschen die Umgebung anschauen und dabei den Gedanken nachgeben. Und nun war sie schon seit mehr als sechs Stunden unterwegs, ohne ein wirkliches Ziel vor Augen zu haben, bog sie an der Kirche in die Nebenstraße mit ihren Eigentumshäusern ein.

Unbehaglich richtete eine junge Frau beim Laufen immer wieder ihren Blick über die Schulter zurück, Ein dunkler Schatten, schwere Schritte welche ihr nun schon seit einigen Minuten folgten. Ihr Herz raste vor Angst, die Schritte kamen näher, wurden lauter.
Nur noch knapp zwei Monate! Sah Tia hoch zum Himmel wo sich langsam die Pracht des Mondes ganz entfaltete, der Tag der Nacht gewichen war.
"Nein bitte tuen sie mir nichts!", schrillte plötzlich eine hoch erklingende Stimme.
"Ich habe dir doch gesagt das du es bereuen wirst oder!", sah der Mann sie mit durchbohrenden Augen an, das Haar von einer Kapuze verdeckt und das Gesicht von einem drei Tage Bart geprägt.
Mit geweiteten Augen wich die Frau immer weiter zurück, im Wissen die Stimme wieder erkannt zu haben, wusste auch er das sie ihn, seine Stimme nun zuordnen konnte, von den nächtlichen Anrufen, den Drohungen, wo er sie nun zu bewahrheiten wusste.
"Ich habe dir doch gesagt das wenn du einen anderen an dich ran lässt, das du es bereuen wirst!", wurde das bizarr wirkende Grinsen breiter, das auf blitzen seiner Augen bedrohlicher.
"Bitte lassen sie mich doch in Ruhe!", wich sie weiter zurück, dem Parkplatz von Supermarkt entgegen.
"Du bist nun dreckig, ich muss deine Seele retten bevor sie vollkommen verschmutzt ist!", ging er weiter auf sie zu, die rechte Hand aus der Jacke gezogen, wo seine Finger sich nun um den Griff eines Messers fest geschlossen hielten. Starr fixierten ihre Augen die im Mond schimmernde Klinge, die er gefährlich hin und her drehte.
"Hat sie nicht gesagt das du sie in Ruhe lassen sollst?", durchbohrte zeitgleich jedoch eine böse gesprochene Stimme die Luft.
Lachend als ob er ihre Worte nicht verstehen würde, sie legendlich einen guten Witz gemacht hätte, drehte der Mann sich mit dem Gesicht ihr zu, ohne die bedrohliche Klinge aus seiner Position genommen zu haben. Schallte und war kehlig, zusammen mit dem Wahn in seinen Augen der zur tobenden Gefahr geworden war.
"Willst du auch sterben kleines Mädchen? Von mir gerettet werden bevor auch du schmutzig werden kannst?", lachte er noch lauter, wollte sich im nächsten Moment jedoch wieder der Frau vor sich zuwenden, als Tia mit einen Mal auf die beiden zu rannte, sich für den Moment die Blicke von den beiden jungen Frauen trafen, als sich ihr Griff auch schon um seinen Oberarm legte und im nächsten Moment seine Sinne die seltsame Stille realisierten, als ob jeglicher Ton ausgeschaltet worden wäre und seine Augen die farblose Trostlosigkeit sahen.
"Was ist das?", ließ er panisch das Messer fallen, was ohne das eigentlich erklingende Klirren zu Boden fiel.
"Willst du sterben? Willst du die Hölle jetzt schon sehen?", langsam als ob er Angst haben würde zu sehen was dort hinter ihm stand, drehte er sich um und wich direkt schreiend so weit wie er konnte zurück. Seine Augen glaubten nicht was ihnen gezeigt wurden. Dort vor ihm, mit gnadenlosen Blick stand eine in weißen Schimmer eingehüllte Person, dessen farblosen großen Augen ihn kalt ansahen und die Gesichtszüge deutliche Härte signalisierten.
"Wa-was bist du?", schrie er schrill und wich noch weiter zurück.
"Hier kannst du mir nicht entkommen, der Todesschein ist die Vorroute der Hölle!", neigte Tia den Kopf mit demselben bizarren Grinsen das zuvor er getragen hatte.
Die rechte Hand vom Körper weg gestreckt, zog sie die Finger zusammen, als ob sie etwas umfassen wollte, womit sich langsam ein Starb aus purem Licht offenbarte um im nächsten Moment in seinem Farblosen Stahl zu erscheinen und die Augen des Mannes entsetzt die Sanduhr am oberen Ende anstarrte.
"Dies ist deine Zeit, deine Lebensspanne!", stieß sie mit dem Ende des Stabes auf dem Boden. "Wenn ich das Glas der Sanduhr zerstöre wirst du dein Leben ausgehaucht haben! Möchtest du sterben?", die Gestalt die nun vor ihm stand war nicht Tia, sondern ein gnadenloser Racheengel, der dem innerlichen Hilferuf der Frau gefolgt war.
"Bitte, verschone mich!", flehte das bleich gewordene Gesicht, wo nun Tränen der Verstörtheit auf quellten.
"Hättest du das Leben dieser Frau auch verschont?", verschwand das Grinsen auf ihren Lippen.
"Sie war unrein!", verdunkelte sich sein Gesicht wiedersprechend.
"So soll es sein, dann werde ich dir nun auch zeigen wie unrein du bist!", hob sie den Starb und schlug ihn mit dem anderen Ende auf dem Boden, womit das Glas der Sanduhr Klanglos zerschellte und seine Augen sich schreiend weiteten.
Zuckend drehte der Mann mit der Kapuze sich in alle Richtungen, Stimmen die durcheinander sprachen, sein Gesicht durch ihren Klang schmerzverzerrten, alle dasselbe sagten.
"Du bist unrein!", Finger die auf ihn zeigten, mit schweren Schritten immer näher kamen. Schimmernde Klingen indessen seine Gestalt sich wiederspiegelte, das fahle Licht des Mondes auffingen.
"Nein, nein, NEEEIIIIIINNNNN!!!", schrie er hysterisch und wollte davon rennen, doch entgegen gerichtete Klingen hinter ihm ließen seine Bewegung stoppen und ein letzten hohen Schrei aus seiner Kehle ertönen, womit der Starb in Tias Hand sich wieder auflöste und die auf dem Boden liegenden Scherben der Sanduhr verschwanden.
Unfassbar starrte die Frau Tia an, welche im selben Moment wie der Mann mit ihr verschwand wieder auftauchte, als ob sie überhaupt nicht fort gewesen wäre. Doch war dies nicht mehr das unschuldige kleine Mädchen was ohne die Gefahr zu kennen sich eingemischt hatte, sondern eine leuchtende Gestallt die mit ihren großen Farblosen Augen sie ruhig ansah.
"W-wo wo ist d-der...", zitterte ihre Stimme, unwillkürlich mit weit aufgerissenen Augen einen Schritt zurück gewichen.
"Er durchlebt nun immer und immer wieder seine eigene Hölle!", bewegten sich Tias Lippen mit grausamer Gewissheit dessen, während das Mondlicht sich in ihren farblosen Augen wiederspiegelte.
„A-aber..“, Tia schüttelte den Kopf
"Dein Wunsch nach Rache wurde erhört und Erfüllung gewehrt!", senkten sich ihre Augenlieder womit das schimmernde Leuchten erlosch und Tia wieder verschwunden war.
"Du hast also nun endlich den Weg des Racheerfüllers beschritten!", stand Filice hinter ihr, während Tia aus dem Todesschein heraus die junge Frau noch immer ansah. Ihr Gesicht war eine Mischung aus verzweifelter Dankbarkeit, dem Wissen das ihr soeben das Leben gerettet wurde und entsetzter Fassungslosigkeit, die ihren Körper noch immer diese Starre nicht entledigen und die Augen riesen groß gehalten ließ.
"Ich hatte ihm die Möglichkeit gegeben noch mal mit dem Leben davon zu kommen, sich zu ändern!", sprach Tia mit brüchiger Stimme.
"Ich weiß, aber er blieb bei der Meinung das sie getötet werden müsse!", trat Filice neben ihr und richtete ebenso wie Tia seinen Blick auf das Gesicht der Frau, welche nun langsam tief ein und ausatmete um ihren Weg endlich weiter führen zu können, auch wenn ihr Körper noch immer zitterte wie Espenlaub und das Gesicht trügerischer Weise den Anschein machte krank zu sein.
Womit auch die beiden verschwanden und das aus dem Schatten des Parkplatzes empor treten des jungen Mannes der in dem Moment als Tia als Racheengel wieder auftauchte durch den kleinen Nebenweg auf den Parkplatz getreten war, nicht sahen.
-Es gibt sie wirklich!-, sah er der Frau noch nach wie sie vom Parkplatz runter die Straße überquerte.
"Wunsch nach Rache? Erhört und gewehrt? Racheengel?", murmelte er rekonstruierend.
Eigentlich wollte Dimitrie sie aufhalten, sie ansprechen, doch er war so überwältig von ihrer Erscheinung gewesen das er nichts anderes konnte als sie mit angehaltenen Atem anzusehen. Und nun wusste er auch das er sich den Kuss nicht eingebildet hatte, das er Wirklichkeit gewesen war und sein Unterbewusstsein es realisierte. Er wusste zwar nicht ob es bevor Tia ihn dort fand oder danach geschehen war, doch das es geschehen war das wusste er nun und sein Herz was nun ganz leise, noch weit davon entfernt mit der eigentlich vorhandenen Intensivität zu schlagen, dennoch etwas schneller zu schlangen anfing, auch.

"Tia!", zog Angelo die junge Dame ruckartig wieder aus dem Hörsaal heraus, als diese gerade gähnend den Raum betreten hatte.
Denn Gang bis zum Ende hin Tia an der Hand mit sich gezogen blieb er nun mit der immer noch vorhandenen dringlich wirkenden Miene vor ihr wieder stehen.
"Die ganze Uni spricht schon davon das gestern ein Racheengel einer Studentin dieser Uni das Leben gerettet hatte und den Kerl in die Hölle brachte!", geschockt sah Tia den jungen Mann an, weil sie ganz genau wusste von was er da sprach.
"Gibt es noch mehr Wesen wie du es bist?", Tia lächelte leicht.
"Das war ich gewesen, ich bin dem Angstschrei ihrer Seele als Racheerfüller gefolgt!"
"Du?", runzelte er entsetzt die Augenbrauen. "Folgt ihr jedem Rachewunsch?", wurde sein Gesicht etwas blasser, wo man eigentlich meinen könnte bei so einer hellen Haut würde es gar nicht mehr möglich sein.
"Nein, wir bestrafen nur die jenigen wo wir selber es als angemessen sehen, Menschen die anderen unerträgliches Leid zu fügten!", lachte sie beruhigend.
"Racheerfüller sagst du?", Tia nickte.
"Ja wie ein Engel sehe ich doch wohl nicht aus oder? Wir sind die Wächter des Lebens und gleichzeitig die Boten des Todes, wir geleiten die Seelen der Verstorbenen in den Tod und ins neue Leben!"
"Neue Leben, also wird man wirklich wiedergeboren?", Tia musste schmunzeln, es war witzig wie unwissend sie waren, glaubten an so etwas wie Gott und den Himmel, obwohl es sich eigentlich von alleine erklärte.
"Wie ist das dann möglich das es Geister gibt?", fragte er leise, weil in dem Moment zwei Studentinnen sich unterhaltend an den beiden vorbei gingen.
"Das ist nicht so einfach in einem Satz zu erklären! Pass auf, manchmal wenn eine Seele nicht bereit ist zu gehen, kann sie nicht wieder geboren werden, sondern erst wenn ihr Herz von dem Grund der sie hält los lässt!"
"Ich habe Mal gelesen das ein Todesengel auch Menschen zurück ins Leben holen können!", Tia lächelte schwer, eine Strichkombination die so schwer war das sie ihr nicht wirklich standhalten konnte.
"Ja, aber das hat schlimme Konsequenzen, zu einem bedeutet es, wenn diese Seele schon wiedergeboren wurde, das die jetztige Hülle verschwindet, sterben tut und zudem wo der Tod ist muss auch der Tod verweilen, eine Seele gegen die andere!", brach sie den Satz ab, weil sie den Rest nicht erläutern wollte.



Unschlüssig über das Fazit ihrer Antwort sah Angelo der jungen Dame nach, wie sie ruhig und erneut gähnend den Korridor zurück ging und mit einem letzten aufmunternden Blick auf ihn gerichtet den Saal betrat.
"So jetzt alle auf ihre Plätze!", kam der Matheprofessor mit kalt wirkendem Lachen in den Hörsaal hinein, dem Angelo zuvor kam und nun mit immer noch fragender Mimik seine grünen Augen auf Tia gerichtet neben ihr saß.
Die Antwort die sie ihm bezüglich seiner Frage gegeben hatte, was das wieder holen von verstorben anging, es hatte starke Skepsis in ihm hervorgerufen, das Gefühl als ob sie dem bezüglich etwas Wichtiges verschwiegen hätte. Dem hinzu kam noch die Tatsache das sie mal ebenso einen vermeidlichen Mörder in die Hölle geschickt hatte. So viele Fragen und Wissenslücken wie in seinem Kopf entstanden sind, wie sollte er all dies nun bei Seite schieben und dem Unterricht folgen, der ihn sowieso schon zu unterfordern wusste?
"Herr Pragos es scheint als ob das Gesicht von Frau Williems für sie interessanter zu sein scheint als das was ich versuche hier zu lehren!", sah Herr Lanske Angelo direkt an, wobei er etwas in Richtung des jungen Mannes nach vorne gegangen war. Welcher ihn nun mit gesenkten Augenliedern ansah.
"Wenn sie wenigstens etwas schwerwiegender in der Thematik sein würden, wäre es vielleicht nicht der Fall gewesen!", entgegnete Angelo unberührt von seinem stechendem Blick. Der Professor grinste anerkennend, als ob Angelo legendlich einen guten Schachzug gemacht hätte.
"Sie wollen also etwas mehr in Richtung Herausforderung haben? Wie wäre es wenn sie sich dann hier vorne hinstellen?!", war der Ton seiner Stimme eine Mischung aus Provokation und herausfordernder Ernsthaftigkeit.
"Tut mir leid, er wird jetzt aufpassen!", griff Tia direkt ein, als ihr klar wurde das diese eigentlich harmlos angefangene Konversation für ihren Geschmack etwas zu sehr am aus Athen war.
Nickend sah der Professor ihr signalisierend ins Gesicht, ein Blick der für den Moment etwas anderes aussagte als das er ihren Vorschlag eingehen würde. Sondern anerkennend ihrem Wesen gegenüber den Hut herunter zog, als ob er sagen wollen würde, du weißt mich zu überraschen! Verengten sich Angelos Augen noch ein Stück weit mehr, dieser Blick wollte ihm nicht gefallen und das kurz aufklingende Grinsen in seinem Gesicht auch nicht, als der Professor sagte " Dann will ich hoffen das diese Äußerung für sie genau so gilt wie für Herr Pragos!" und sich wieder der ganzen Studentenanhäufung zuwandt.
Aber auch Dimitrie hatte es mit aufmerksamer Geduldigkeit mit angesehen, wobei er wieder an Dimons Worte denken musste, wie er sagte das er eine Studentin merkwürdigerweise angelächelt hätte und selber sich von seinem Lachen sogar überzeugen konnte, wo sich die Studentin später als Tia heraus stellte.
"Herr Lanske, haben sie auch das mit diesen Racheengel mitbekommen?", zerbrach plötzlich eine weitere Studentin die kurz währende Stille, worauf der junge Professor sie für den Moment prüfend ansah
"Sie meinen das einer Studentin von dieser Uni angeblich von so etwas wie einem Racheengel das Leben gerettet worden sein sollte?", stellte er die Bestätigung ihrer Frage als Gegenfrage, die Brünette nickte eifrig, ja Herr Lanske hatte es auch schon gehört gehabt, so wie der ganze Lehrkörper hier.
"Alle hier die dies glauben, bitte die Hände mal hoch heben!", ging er zwei Schritte zurück um das Ganze im Blickfeld zu bekommen, während er seine Stimme laut fordernd durch den Saal erhallen lies.
Prüfen wanderten Tias Augen an all den vielen Gesichtern vorbei, zuerst sahen sie alle ebenso wie Tia sich nur prüfend um, als ob sie sehen wollten ob wer anderes die Hand heben würde, es nicht wagen wollte als einzige Person seine Hand oben zu haben, doch als einer dann den Anfang machte, welcher zu ihrer Überraschung Dimitrie selbst gewesen war, folgten dem immer mehr, bis der größte Anteil der Studenten mit entschlossenen Mimik ihre Hände oben hatten.



Mit traurigem Blick stand Silvia Williems vor dem Krankenhauszimmer in dem ihre Schwester drin lag, ihre Hände zitterten, während ihre Finger krampfhaft versuchten die Blumen in ihrer Hand nicht fallen zu lassen. Lilane Tulpen, die ihre Schwester schon als Kind sehr geliebt hatte.
Langsam schob sie die Tür nun auf, mit einem wie programmiert unecht wirkendes Lächeln auf den Lippen, was viel zu steif, viel zu wackelig war, als das es ihrer Schwester ein Gefühl von fröhlich gestimmt sein- hätte geben können.
Schwach lächelte Tatjana zurück, die dünne Haube, welche eigentlich eine Art von Hut sein sollte, aber nur gerade so eben als Kopfbedeckung durchgehen konnte, lies ihr Gesicht noch viel schmaler erscheinen, wo selbst ihre Augenbrauen nur noch in den Erinnerungen von Silvia existierten. Die Krankheit hatte ihrer Schwester viel abverlangt, sie auf weniger als die Hälfte von dem was sie vorher war, abmagern lassen.
"Sind die für mich?", sah die dürre Frau die Tulpen in Silvias Händen an, welche durch die Verkrampfung schon fast drohten an ihren Stängeln zerquetscht zu werden.
"Schau doch nicht so verzweifelt! Noch lebe ich noch!", lachte Tatjana mit diesem unbekümmert gespieltem Lachen auf den Lippen, etwas was sie immer tat wenn es in ihr in Wirklichkeit anders aussah, den Schmerz und die Angst kaschieren und eine heile Welt vorspielen.


Nickend als ob Herr Lanske zufrieden durch das Resultat seiner Frage sei, sah er die vielen nach oben gerichteten Hände an, dessen Gesichter starke Sympathie dem gegenüber zeigten.
"Ihr meint also dass es so ein Wesen wie den Racheengel wirklich gibt?", trat er wieder einen Schritt nach vorne.
"Das wäre das selbe als ob sie fragen würden ob es Gott wirklich gibt!", entgegnete Angelo mit Kühler Stimme. Es belächelnd sah der Professor ihn an, ja der Vergleich war gut, doch so einfach war es auch nicht.
"In diesem Fall soll es doch eine Zeugin geben, jemand der diesen besagten Racheengel gesehen haben soll, sogar seine Hilfe erfahren haben soll!", blieb die Stimme des Mathe Professors ruhig.
"Wenn wir nach den Propheten gehen gibt es Gott bezüglich ebenfalls Zeugen!", hielt Angelo stand, wieder nickte Herr Lanske.
"In der Tat Herr Pragos, doch unterscheidet es sich in dem Sinne, das es sich bei den von ihnen erwähnten Propheten immer um eine Art von Versionen gehandelt haben sollte! Und in diesem Fall soll es ein reales Geschehen gewesen sein, dieser Racheengel einen anderen Menschen tatsächlich der Hölle übergeben haben!", wurden die Gesichtszüge des Matheprofessors etwas sturer, so das man nicht wirklich sagen konnte ob er es nun selbst glaubte oder für bloßen Schwindel hielt.
"Deswegen frage ich euch, hat, egal um welch ein Wesen es sich auch handelt, jemand das Recht ein anderes Leben auszulöschen, bzw. seine Seele zu verdammen? Was ist wenn ihr das nächste Mal ein Opfer von ihr werdet, weil irgendwer Rachegefühle euch gegenüber hegt?", wandte er sich wieder den ganzen Studenten zu, wo direktes Entsetzen als Reaktion hervor gebracht wurde. Der Gedanke war erschreckend und grausam logisch, was wäre wenn es wirklich so weit kommen sollte?
"So einfach ist es nicht!", durchbrach die zierlich gesprochene Stimme von Tia die Panik aller, überrascht sah der junge Professor die Studentin an.
"In wie fern ist es ihrer Meinung nach nicht so einfach Frau Williems?", blickten seine Augen sie direkt an. Tia lächelte, das Gesicht von unberührter Ruhe geprägt, als ob ihr Herz diese wirklich Panik versetzende Frage nicht erreicht hätte. Ein Lächelnd was auch Frederik Lanske in diesem Moment irgendwie viel zu unbekümmert erschien. Das Lächeln auf den Lippen noch fester sprach sie mit beinahe schon autoritär klingender Stimme, "Der Mann hätte ihr das Leben genommen, wenn dieses Wesen nicht eingeschritten wäre. Zudem heißt es das Racheengel der Schwere der Schuld nach endscheiden ob der Rache Erfüllung gewehrt wird oder nicht!"
"Und nach welchen Kriterien soll dieses Wesen die Schwere der Schuld beurteilen?", fragte Herr Lanske, indessen letztes Wort Angelo die junge Dame mit einem vielsagenden Blick ansah. Er hatte die Trittfalle in der Frage direkt bemerkt, ebenso wie den zuvor skeptisch werden Blick von ihm, auch wenn er nicht der Meinung war das er ihrem Geheimnis auf der Schliche gekommen sei, war die Frage gefährlich gestellt gewesen.
"Meine Mutter hatte mir als ich noch klein war immer von den Racheengeln erzählt, das sie das Leid der Opfer spüren, spüren was ihnen angetan wurde und bevor sie handeln dennoch immer dem Beschuldigten die Möglichkeit geben Reue zu zeigen!", antwortete sie Wahrheitsgemäß, auch wenn der Teil bezüglich ihrer Mutter gelogen war. Beobachtend sah Dimitrie sie an, wie sie dort auf der Tribüne neben Angelo saß, den Professor fest in die Augen blickte und dabei noch immer dieses: alles ist gut-Lächeln trug. Konnte sie wirklich irgendetwas dem bezüglich wissen? Er selber hatte dieses Geschöpf gesehen, ihre Worte gehört und würde von demselben Resultat ausgehen, was dieses Mädchen gerade zum besten gegeben hatte.
„Ihr wollt also sagen, das der unbewiesene Glaube eurer Mutter Grund genug ist um auf solchen Thesen zu vertrauen Miss Williems?“, ließ der Professor die Überzeugende Kraft in ihren Worten nicht stehen.
„Ihre Variante ist ebenfalls eine These Herr Lanske, woher also soll man wissen welche Version richtig ist?“, mischte sich Angelo mit ein. Noch immer ruhig beobachtete Dimitrie das hin und der der drei diskutierenden. Herr Lanske der sichtlich Tia herausforderte und ein langsam immer deutlicheres Grinsen in den Mundwinkeln besaß, Angelo der jedes Wort von Tia zu untermauern schien und dann Tia selbst, welche noch immer dieses- alles ist in Ordnung Lächeln trug, ohne das die Worte des Professors es abschwächen konnte.
„Sagen sie mir Miss Williems (Betonnte er extra für Angelo ihren Namen) wie sieht ihre Meinung dazu aus, was denken sie selbst, nicht ihre Mutter, oder Herr Pragos, sondern was wirklich ihre eigene Meinung dem gegenüber ist!“, funkelten die Augen von Herr Lanske provokant. Die Frage war dazu gedacht die Unsicherheit in ihrer eigenen Behauptung zu zeigen und die Möglichkeit zu nehmen ihre These zu untermauern.
Doch zu der Überraschung des jungen Mannes wurde das Lächeln auf ihrem Gesicht noch sicherer dem gegenüber, als es das zuvor schon gewesen war. Nun war es nicht mehr dieses-alles ist in Ordnung- lächeln, sondern ein- Ich erzähle euch nun die Wahrheit-Lächeln.
„Ich denke das so ein Geschöpf wie ein Racheengel selbst so etwas wie ein Herz, ein Gewissen besitzt. Das es ebenso Lieben und Hassen kann. Dennoch ist es in diesem Moment der Richter, jemand der seine eigenen Empfindungen und Vorurteile nicht hineinbeziehen darf. Herr Lanske, wenn sie das Leid eines anderen spüren könnten, den Wunsch vor Angst und Schmerz sich selber das Leben zu nehmen, Verzweifelte Aussichtlosigkeit der eigenen Hölle spüren, die von der Person ausgeht. Und der Täter keine Reue zeigt, selbst nach dem er all die Angst die sein Opfer besaß, am eigenen Leib spüren musste, er trotzdem noch immer diesen Weg weiter gehen will und ihr genau wissen tut, das wenn ihr diese Person nun gehen lässt, das es das Leben des Opfers kosten würde und wahrscheinlich danach ein neues Opfer fordert. Sagen sie mir Herr Lanske, würden sie ihn dann nicht verdammen? Den Rachewunsch um selber leben zu können, dem Opfer nicht erfüllen?“, war es nicht die Studentin mit ihren jungen Jahren die dort zu dem Professor gesprochen hatte. Sondern der Racheengel dessen Augen mehr Zeit an sich vorbei streifen schon gesehen hatte, als sie alle zusammen.
Für den Moment war Frederik Lanske vollkommen konfus. Sein Verstand stellte die Frage wie er in solch einer fiktiv erschienenen Situation reagieren würde und sein Herz, sein Mitleid und vor allem das Ich selbst in ihm wusste die Antwort schon längst.
„Ich würde die Person ebenfalls verdammen!“, antwortete er und wollte eigentlich noch etwas hinzufügen, etwas was wiederrum gegen ihre Ansichten reden würde. Doch ließ Tia es nicht zu
„Und würden sie ebenso jemanden verdammen der legendlich aus Neid, Eifersucht oder nicht mögen verdammt werden soll?“, stellte sie nun die endscheidende Frage, dessen Gefährlich gestellte Trittfalle größer war als alle seine zusammen gestellten gemeinsam.
„Nein!“, konnte er nicht anders als ihr genau die Antwort zu geben die sie hören wollte, im Wissen das er dadurch das Spiel verloren hatte.
„Sehen sie! Wieso sollte so ein Geschöpf wie ein Racheengel es dann tun?“
Grinsende Gesichter hatten dem Machstreit der beiden Kontrahenten neugierig zugehört und waren eben derselben Meinung wie es Tia für sie war, das ein Geschöpf was eine unschuldige rettet, nicht böse sein kann.
Während Dimitries Blick allerdings unschlüssig auf Tia lag, auch wenn ihre Worte für ihn wahrheitsgemäß erklangen, störte es ihm das sie so redete als ob sie etwas wissen würde. Obwohl sie das Wesen nie gesehen hatte. Ebenso wie sie sich vorher anmaßte ein Urteil über ihn und Kiara zu erlauben.
Verwirrt verzog Dimon das Gesicht, als er von Tia zu seinem Freund sah, ihn nach seiner Meinung fragen wollte und die düstere Mimik auf seinen Zügen bemerkte.
„Alles in Ordnung?“, fragte er vorsichtig, Ohne die Mimik zu ändern, sah Dimitrie ihn an, sagte aber nichts, es gab da einfach nichts was er hätte sagen können.

Als das Ende der Stunde seinen Anfang fand und Tia beim raus gehen von Herr Lanske aufgehalten wurde, packte Dimitrie plötzlich an ihrem Handgelenkt und zerrte sie im Schnellschritt hinter sich mit aus dem Saal herraus.
Skeptisch hatte Angelo es mit angesehen gehabt, Dimitrie reagierte in Tias Gegenwart allgemein immer ziemlich gereizt, wo sich nur die Frage stelle warum? Was brachte ihn dazu so auf sie zu reagieren?
„Was soll das?“, fauchte Tia kleinlaut, als er sie den ganzen Korridor bis zum Treppenhaus mit gezogen hatte und nun anstatt runter zu gehen, die Stufen hoch sie weiter hinter sich her schleifte.
„Wir müssen reden!“, raunte seine Stimme unberührt von ihrem Stimmlichem Protest, der genau zeigte das sie weder seiner Gegenwart ausgesetzt sein wollte, noch mit ihm gehen wollte.
Tia durch die Grün gestrichene Tür zur Dachplattform gezogen, schob er sie darauf direkt wieder zu.
„Ich will jetzt wissen was es genau mit diesen Kuss zwischen uns auf sich hatte!“, herrschte er sie ernst an. Tia senkte die Augenlieder, sie wollte sich von ihm nicht so in die Ecke treiben lassen und schon gar nicht so rum schupsen.
„Stelle deine Frage direkt und genauer, was genau ist es was du wissen willst?“, sah sie ihn nun ebenso ernst an, während der Himmel sich über sie zusammen zog.
„Hast du mich geküsst?“, neigte er den Kopf, die Augenlieder nun genau so gesenkt wie sie. Die kalte Atmosphäre zwischen ihnen war Nervenzerreibend, doch sie würde auch dem standhalten, festigte sie das freudlose Lächeln auf ihren Lippen zu einer grotesk wirkenden Strichkombination.
„Indirekt!“, antwortete Tia zweischneidig, auch wenn es schlussendlich ein realer Kuss gewesen war, wurde er noch immer von ihr ausgeführt um sein Leben zu retten.
„Du kannst mir also nicht sagen ob es nun ein Kuss war oder nicht, ja?“, ging er einen Schritt nach dem anderen auf sie zu. Zurück weichend wusste Tia nicht wie sie das plötzliche anziehen seiner Mundwinkel beurteilen sollte.
„Soll ich dir zeigen was ein richtiger Kuss ist, damit du mir antworten kannst?“, stemmte er seine Arme gegen die Wand, als Tia sie mit den Rücken nun berührte und somit an dem weiter zurück weichen gehindert wurde.
Groß und wackelig gingen ihre Augen in die seine, während sein Gesicht ihr immer näher kam.
„Was ist? Das hast du mit mir doch auch schon getan oder?“, neigte er seinen Kopf etwas schief als seine Nasenspitze schon ihre fast erreicht hatte und führte seine Lippen nun tatsächlich auf die ihre.
Die Augen erschrocken weit auseinander gerissen, zwang die nervöse Panik in Tia sie den Atmen währenddessen an zu halten.
Es war vollkommen anders, nicht wie in dem Moment wo ihre Lippen die seine berührt hatten. Schrie ihr Herz zitternd, als seine Lippen sich auf ihren bewegten. Ein Gefühl von innerlicher Hitze gewaltsam über ihren Körper zog und sie erschrocken zur Seite ausweichen wollte, als seine Zunge sich durch ihre Lippen zwängte, seine Hände mit festen Druck um ihre Handgelenke, als sie versuchen wollte in hektisch von sich weg zu schieben, sie gegen die Wand drückten und somit daran hinderte sich dem Kuss von ihm zu entziehen.
-Was?-, kehrte die Klarheit in seinen Augen zurück, als er realisierte was er gerade dort tat. Es sollte doch bloß ein bedeutungsloses Lippen aufeinanderlegen sein, schreckte er mit verzweifelter Reue Kiara gegenüber von ihr zurück. Ein Stich der mit eisiger Gewalt durch Tias Herz stach und die geraden noch entsetzt großen Augen grausam machte.
„Danke für den Vergleich Dimitrie!“, wurde ihre Stimme tonlos und gleichgültig, „Jetzt kann ich dir sagen das ich dich dem hier nach definitiv nicht geküsst habe!“, senkte sie ihren Blick in einem nach unten gleitenden Blick an ihm vorbei, womit sie die Tür neben sich wieder aufzog und ohne ein weiteres Wort diesen Ort verlies.
Dimitrie wusste nicht wieso er plötzlich trocken anfangen musste zu lachen, konfus und sarkastisch. Wie konnte es auch nur so weit kommen? Lachte sein Herz in weiter aus, das Herz was das Bild von Kiara so verinnerlicht hatte und doch zu gelassen hatte das er eine andere auf so eine weise küssen tut!

„Was wollte Dimitrie von dir?“ blockte Evelin mit fordernder Stimmlange Tia den Weg beim runter gehen der Stufen, was sie nach der dritten Stufe zwang wieder stehen zu bleiben.
„Wieso fragst du es ihn nicht selber?“, Trotzigkeit war schon immer etwas was in Tia sehr schnell die Oberhand gewann.
Böse funkelnd standen die beiden jungen Damen sich gegenüber, Die zierliche Blondine mit den großen grauen Augen innerlich noch immer so gepeinigt das ihr in diesem Moment eigentlich jeder als Gegner recht gewesen wäre, wo Evelin sich dummerweise genau den richtigen Zeitpunkt ausgesucht hatte um Tia ihren Standpunkt unwiderruflich klar machen zu wollen.

Trostlos sah Dimitrie zum Himmel hoch, noch waren es nur vereinzelte Tropfen die sich auf alles nieder fallen ließen. Kleine dunkle Punkte auf die Dachplattforn sprenkelten, doch Dimitrie wusste das es jeden Moment richtig anfangen würde zu plästern und die nächste Vorlesung war Zeitlich auch nicht mehr weit entfernt, zog er die Grüngestrichene Tür schwungvoll auf, wo noch immer Tia und Evelin sich mit auseinander pflückenden Blicken voreinander standen und keiner dem anderen weichen wollte.
„Wollt ihr jetzt hier stehen bleiben?“, fragte Dimitrie mürrisch.
„Nein natürlich nicht!“, trat Evelin direkt einen Schritt mit lieblicher Stimme zur Seite, worauf Tia ohne auch nur Dimitrie eines einzigen Blickes gewürdigt zu haben die Stufen weiter runter ging.
„Habt ihr euch gestritten?“, fragte Evelin Besorgnis vorgespielt, während sie neben Dimitrie die Treppen runter ging, dessen Augen noch immer auf der jungen Dame vor sich ruhten.
„Vielleicht ist gestritten nicht das richtige Wort, oder Tia?“, redete er extra laut. Tia reagierte nicht, sie war zwar aufbrausend vom Charakter her und das in jeglicher Richtung, doch sie war nicht dumm genug um sich in so einer Large auch noch provozieren zu lassen.
„Ich verstehe nicht!“, stocherte Evelin weiter nach, drehte dabei das gewellte Haar um ihre Finger, mit der Absicht Kiara irgendwie unauffällig zu imitieren. Es war eine Möglichkeit die sie für sich selbst gefunden hatte. Wenn Dimitrie nicht aufhören konnte Kiara zu lieben, musste sie halt eben genau wie sie werden um ihren Platz in Dimitries Herzen einnehmen zu können.
Auch wenn Dimitrie das Spielen von ihren Fingern in ihrem Haar bemerkt hatte und seine Erinnerungen die Ähnlichkeit dessen zu Kiara erkannte, kompensierte es in diesen Moment nicht seine Fixion auf Tia.
„Wir hatten nur versucht heraus zu finden welche Art von Kuss das vorher zwischen uns gewesen sein könnte, oder Tia?“, band er sie weiterhin absichtlich mit ein. Evelins rechtes Auge fing schon an zu zucken, was ihre Lieblichkeit in seiner Gegenwart aber noch gut zu verschleiern wusste.
„Und habt ihr raus gefunden welche Art es gewesen war?“, wollte das Wort Kuss nicht über ihre Lippen gehen. Dimitrie grinste, breit und eigenwillig. „Immerhin wissen wir nun das die Art die ich unter einem Kuss verstehe anscheinend eine andere ist als die ihre!“, lachte er hell auf, womit Tia böse stehen blieb und sich den beiden zudrehte. Sie hatte bei Gott seine Worte die ganze Zeit zwanghaft versucht zu ignorieren, doch wie sollte man eine solch selbstgefällige Arroganz ignorieren können?
„Wenn du was zu sagen hast, dann sag es endlich?“, waren ihre Augen zu kleinen Schlitzen verzogen.
Dimitries Grinsen veränderte sich nicht, den Blick fest in das unechte Grün ihrer Augen gerichtet, fühlte Evelin sich immer unwohler, diese Art wie er sie ansah, es gefiel ihr nicht.
„Wir sollten weiter gehen!“, wollte sie deswegen zwischen funken.
„Ich glaube du solltest schon mal vor gehen, die liebe Tia hat so wie es aussieht noch was mit mir zu klären!“, wank er ab.
„Nicht wirklich!“, drehte Tia sich wieder um, indem Dimitries Hand jedoch mit der Aussage: „Ich glaube aber doch!“, nach ihrem Handgelenk griff und wieder zwang stehen zu bleiben.
„Dimitrie..“
„Nein, geh!“, unterbrach er Evelins Versuch ihn davon zu überzeugen das Tia es doch anscheinend sowieso nicht wollte.
Zusammen gezuckt lief Evelin direkt weiter, die Stufen bis zum Ende herunter und verschwand durch die Tür.
„Was hätten wir den bitte zu klären?“, fragte Tia bissig, noch immer blieb der Griff um ihr linkes Handgelenk eisern. Doch wenn Dimitrie ehrlich war, wusste er selbst nicht genau was er ihr zu sagen hatte, nur das er sauer war und sie es auch, aber war dies ein Grund so zu reagieren?
Nein, aber dennoch wollte er sie dafür bestrafen das sie ihn so wütend anstarrte.
„Ich will das du mir zeigst wie du mich geküsst hast!“, verengten sich seine Augen dunkel.
Erschrocken wich ihr alles Farbe aus dem Gesicht.
„Was redest du da?“, stotterte sie verstört, das konnte doch nicht sein ernst sein. Sein Blick blieb fordernd, es war sein ernst und er würde nicht von ablassen, es sollte ihm beweisen das dieses merkwürdige Gefühl in seiner Brust nicht von ihr resultierte, sondern das dieses schimmernde Geschöpf es wirklich war die ihn zu jener Zeit küsste, das diese Erinnerungen nichts mit Tia zu tun hatten. Doch wenn der Schmerz und das irrtümliche Denken seine Emotionale Ebene in diesem Moment nicht so durcheinander gebracht hätten, wäre ihm auch aufgefallen das diese großen unglaublich schönen Augen in völlig einnahmen, das dieses schöne Gesicht in das er so wütend rein blickte daran schuld war das er so durcheinander war.
Erst wollte Tia rumschreien, versuchen ihre Hand aus seinem Griff heraus zu ziehen, stattdessen endschied sie sich dann doch für einen anderen Weg, der in diesem Moment eine gnadenlose Gleichgültigkeit in ihre Gestallt legte.
„Ist okay!“, ging sie an ihm vorbei die Treppen wieder hoch, womit er ihr Handgelenk los gelassen hatte.
Grinsend war Dimitrie ihr wieder zur Plattform gefolgt, wo der rieselnde Regen schon den ganzen Boden mit seiner Nässe überzogen hatte.
„Bitte! Leg dich hin!“, wies sie mit der Hand das er es direkt dort wo der Regen über alles herrschte es tun sollte. Grinsend verzog Dimitrie das Gesicht, denn er wusste das sie von ausgehen würde das er es nicht tun würde. Was ihn im Endeffekt doch genau das tun ließ. Er legte sich tatsächlich dort im Regen auf dem Boden.
„Schließe deine Augen!“, sah sie ihn mit kalt glänzenden Licht in den Augen an. Einen Moment sah Dimitrie sie noch abschätzend an, sie stand noch immer so dort vor ihm, mit einem durchbohrenden Blick. Die Augen geschlossen konnte er nun das Geräusch vom fallendem Regen hören und spürte wie sein Körper immer nasser wurde.
Langsam kniete Tia sich neben ihn, ging vorsichtig mit dem Oberkörper zu ihm runter. Es war wirklich als ob ihre Erinnerung daran lebendig geworden wäre. Wie er dort vor ihr lag, das Gesicht ruhig und die Augen geschlossen, bewegte sie sich immer weiter auf seine Lippen zu, sie wollte ihm zeigen wie es gewesen war, es noch einmal selbst erleben, bevor sie dieses Gefühl bereit sein würde aufzugeben.
Den Atmen unwillkürlich angehalten merkte Dimitrie wie ihre Lippen sich zart auf seine Legten. Ein Moment der wirkte als ob er stehen geblieben wäre und Tia ungewollt sich drin verlieren ließ. Ohne zu realisieren das Dimitrie sie plötzlich während des Kusses mit seinen Bewegungen zurück drückte, mit den Oberkörper immer weiter hoch kam, seine Hände sanft gegen ihre Schultern Druck ausübte und sie im nächsten Moment mit dem Rücken auf dieser Plattform lag, während er sich über sie befand und in einem flüssigen Übergang, mit derselben Zeitlosigkeit ihre Lippen auseinander bewegte und zärtlich seine Zunge hindurch schob. Doch als sie spürte das er erst mit dem einem Knie sich zwischen ihre Beine begab, war es schon zu spät als sie ihre Augen aufriss und er das andere Bein auch schon nach gezogen, ihre Oberschenkel dadurch das er sich ganz auf ihr legte, auseinander drückte.
Sie wollte schreien, was sagen, irgendwas! Doch er küsste sie weiter. Mit einer Leidenschaft die ihren ganzen Körper zittern ließ. Der Regen wurde immer fester, seine Zunge immer dominierender, bewegte seine Lippen auf ihren, den Kopf immer wieder zu einer anderen Seite geneigt. Während sie japsend nach Luft ragte, als sie plötzlich eine Hand an ihrem linken Oberschenkel hoch gleiten spürte, bis hin zu Innenseite. Als seine Bewegung plötzlich stoppte, seine Lippen sich von den ihren löste und er sich vollkommen erschrocken anstarrte. Wenn er in diesem Moment nicht selbst wieder für diesen einen kleinen Moment wieder klar im Kopf geworden wäre, weil das Gefühl von über den Rücken laufendes Wasser ihn auf zittern ließ, wäre er weiter gegangen. Hätte sich seine Hand ihr Ziel zwischen ihre Beine gesucht um den Rest so einleiten zu können.
Wie konnte das geschehen? Schrie die Wut in ihm, die sich auch sogleich durch seine Augen zeigte. Doch war da auch noch immer etwas anderes. Undefinierbares Verlangen was wenn er nicht Augenblicklich wie es wieder besitzt von ihm erlangen wollte, aufgeschnellt wäre. Wusste er, das er sich danach nicht mehr hätte stoppen können.
Innerlich weinte Tia, seine Berührungen brannten auf ihrer Haut, so ein Gefühl wie gerade, was ihre Sinne zu vernebeln wusste, hatte sie zuvor noch nie gespürt. Tia kannte keine Körperlichen Berührungen in dieser Richtung. Sie war noch immer vollkommen unberührt.
„So was kann passieren wenn du einen Mann auf diese Weise küssen tust!“, grinste Dimitrie, ein gespieltes Grinsen was seine eigene Erschrockenheit verstecken sollte.
„Dann muss ich mir wohl jetzt jemanden suchen der diese Erinnerungen wieder auslöscht was?“, stand sie auf, nur um im nächsten Moment mit bösem Gegrinse von ihm in die andere Richtung gedreht, gegen die Wand zu prallen und fest gegen gedrückt zu werden.
„Warum? Bist du etwa so eine Hure?“, waren seine Worte mit einen Mal Hassvoll, ohne das er sich selbst noch unter Kontrolle hatte.
„Bitte?“, hauchte sie empört.
„Ob du so eine Hure bist?“, strafte die Wut in seinem Gesicht sie, den Schattenriss seine Augen enorm verdunkelt.
„Lass mich los!“, verkrampfen sich ihre Hände zu Fäusten.
„Dann pass beim nächsten Mal auf wie du redest!“, ließ er von ihr, die Wut in ihm hatte sich mit der Drohung in ihren Worten verrauscht gehabt.
„Ich bin nicht wie du!“, ging sie an ihm vorbei, durch die Tür hindurch und hatte ihn ohne es gewollt zu haben, mehr verraten als die Worte auf dem ersten Blick verrieten, als ihm ihre vollkommende verstörte Passivität indessen auffiel. So reagierte nur jemand der…
„Scheiße!“, trat er mit deprimierter Wut vor die Wand.
Vielleicht würde jeder anderer der dies sieht sauer, vielleicht sogar ungehalten werden. Doch hatte Filice etwas in Dimitries Blick gesehen was ihn mit einem zufriedenen Ausdruck wieder verschwinden ließ.
„Hey Di…“, erschrocken war Tia stehen geblieben während die Tür hinter sich wieder ins Schloss zurück fiel und sah den jungen Mann vor sich ebenso erschrocken an, wie er sie überrascht ansah.
Die Universität hatte genau drei Prinzen, den Eisprinz Dimitrie, das Genie Angelo und den Engelsreichen scharmanten, der nun vor ihr stand.
Locker fallendes Haar was ebenso wie bei Dimitrie frech auf der Stirn lag, jedoch im Gegensatz zu ihn fast schon die identische Helligkeit besaß wie die es von Tia besaßen. Große Blaue Augen die überrascht in die ihre Blickten und eine unbeschwerte Haltung, wo die eine Hand auf dem Geländer ruhte, während die andere einen grauen Rucksack über die Schulter gehangen fest hielt.
„Alles in Ordnung?“
„Aciro?“, sah Dimitrie den jungen Mann verdutzt an, als er gerade ebenfalls die Tür auf zog und die Treppen zum Unterricht runter wollte.
Ohne was gesagt zu haben ging Tia an ihm vorbei, mit schnellen Schritten die Stufen herab, um bloß so schnell wie möglich von Dimitrie weg zu kommen.
„Wer war die Kleine?“, runzelte Aciro die Stirn, auch wenn Dimitrie nun am liebsten ebenso Wortlos an ihm vorbei gegangen wäre, ohne seine Frage zu beantworten, ließ er jedoch nur die Schultern fallen und antwortete, „Tia Williems, eine neue Studentin, du hast drei Kurse mit ihr zusammen!“, erklärte Dimitrie. Aciro lächelte zufrieden, was Dimitrie ignorierte, Sollte es ihm doch egal sein, sollte sie ihm doch egal sein! Ging er nun auch endlich die Treppen runter, dem sich Aciro direkt mit anschloss.

Überrascht neigte Angelo den Kopf schief, als seine Schwester auf ihn zu kam und mitteilte das sie gerade Aciro gesehen habe. Erst wollte Angelo sie fragen ob sie sich vielleicht verguckt habe, musste dann aber mit eigenen Augen sehen das sie die Wahrheit sprach, als genau dieser hinter einer Übels böse wirkenden Tia mit Dimitrie den Korridor auf ihn zu kam.
„Was ist dir den über die Leber gelaufen?“, steckte er die Hände in den Hosentaschen als Tia ihn endlich erreicht hatte.
Aber schüttelte die junge Dame zu seiner Verdutztheit legendlich ihren Kopf und ging mit der gleichen angefressenen Mimik an ihm vorbei in den Hörsaal.
„Angelo, Tiana!“, begrüßte der zierliche Student die beiden fröhlich, was von Tiana mit hoch roten Kopf und von Angelo mit anteiliger Dessinteresse erwidert wurde.
„Und hast du sie nun gefunden?“, brannte die Frage Tiana schon auf der Zunge, als sie ihn zuvor Richtung Treppenhaus hatte gehen sehen.
Angelo hatte vor fast einen Jahr zugelassen das das Mädchen was er liebte das Land verließ, ohne das er zuvor ehrlich zu seinen eigenen Gefühlen hatte stehen können.
„Um ehrlich zu sein, nein!“, lächelte er, als ob er sich gleichzeitig dafür endschuldigen wollen würde, auf eine charmante Art und Weise.
„Tut mir leid!“, senkte Tiana den Blick, sie alle wussten wie stark seine Gefühle für Tessy gewesen waren. Sie hatten sich hier auf der Universität kennen gelernt gehabt und sehr schnell eine eng bindende Freundschaft zueinander geknüpft, die auch über zwei Jahre gehalten hatte. Doch durch die Gewohnheit den anderen um sich herum zu haben, blieb die Realisierung seiner eigenen Gefühle für Aciro auf der Strecke. An dem Tag bevor sie abflog hatte Tessy ihm dann ihre Gefühle gestanden, die sie mehr als zwei Jahre geheim gehalten hatte. Derzeit konnte Aciro allerdings noch nicht viel mit anfangen, erst als mehrere Tage vergangen waren und die Sehnsucht Einhalt fand, kam auch die Realisierung um den Stand seines eigenen Herzens.
Und nun sollte es zu spät sein? Sah Tiana ihn entrüstet an, denn wenn sie jemanden wirklich das Glück von ganzen Herzen gegönnt hatte, dann war es Aciro.
„Ist schon in Ordnung!“, wank dieser ab, Aciro war noch nie gut darin Gefühle zu zeigen und noch viel weniger über schmerzliche Dinge zu reden. Er lächelte lieber immer alles weg und spielte auf heile Welt. Dabei war das letzte halbe Jahr eine Tortur für ihn gewesen, was noch immer Inhalt seiner Alpträume war.
Die Thematik der Unterhaltung war für Dimitrie einfach zu schwerliegend als das er wirklich es schaffte ihr lange beiwohnen zu können. Verlust, Liebe, Worte die tiefe Narben ihrer Bedeutung in seiner Seele gebrannt hatten.
Konzentrierend schloss Tia ihre Augen, es war schon schlimm genug den Schmerz der wirklich emens war von Dimitrie zu spüren, doch nun war auch noch dieser neue Student da, dessen Herz mit demselben Pein und Leid beseht war, der selbe Schmerz und dieselbe Verzweiflung, die er hinter einem Lächeln und einer Lüge versteckte und doch besaß dieses Leid ein viel intensiveres Level.
„Tia, darf ich vorstellen?“, holte die freundlich aufgekratzte Stimme von Tiana sie wieder aus ihren Gedanken heraus. Wie jemand der Kopfschmerzen hatte, öffnete Tia mit zusammen gedrückter Stirn die Augen. Auch wenn er in diesem Moment lächelnd vor ihr stand und der Schrei nicht mehr so laut wie gerade eben war, konnte sie ihn dennoch hören, Ein entzetlicher Schrei der trotz geschlossenen Lippen und eines Lächelns Tia erreichte.
„…das ist Aciro! Aciro das hier ist Tia!“, wanderte Tianas Hand von Aciro zu Tia.
Indessen Tia mit geweiteten Augen ihren Kopf angehoben hatte, als der Hilfeschrei seines Herzens den Racheengel in ihr gerufen hatte und somit von ihrer Seele angenommen wurde.
„Ja Hallo!“, versuchte sie ihre Mimik in den Griff zu bekommen, Aciro lächelte, zwar etwas konfus, dennoch sympathisch eingestimmt.
„Komm, schnell, bevor der Professor kommt!“, zog Tiana ihn darauf direkt wieder weiter, auch wenn es für den Moment so wirkte als ob er Tia noch liebend gern weiterhin so angesehen hätte.
„Stimmt was nicht?“, bemerkte Angelo den merkwürdigen Blick in ihren Augen, der Aciro gefolgt war.
„Er hat den Racheengel in mir gerufen!“, erklärte sie leise, so das niemand anderes in der Lage war ihre Worte zu vernehmen.
„Was?“, sah Angelo sie entsetzt an, aber verstand direkt das es etwas mit Tessy zu tun haben musste und der nicht wirklichen Überzeugungskraft seines Lächelns, womit er die Tatsache das er sie angeblich nicht gefunden hätte, weg streichen wollte.

Für Tiana war es als ob nie etwas zwischen den vieren gestanden hätte, als ob die Zeit in der sie, ihr Bruder, Dimitrie und Aciro nie getrennte Wege gegangen wären, sondern noch immer so unbeschwert durch eine tief greifende Freundschaft verbunden wären, nur mit den Unterschied das Tessy und Kiara nicht mehr da waren.
„Sag mal, was hat es eigentlich mit dem Gerücht über diesen Racheengel auf sich?“, flüsterte Aciro Tiana während der Professor seinen Vortrag hielt, leise zu.
Grinsend sah Dimitrie ihn an, für ihn war es ja nicht unbedingt schwer gewesen die Fragestellung mit zubekommen, da Aciro direkt die Mitte zwischen ihm und Tiana einnahm, wo Angelo eigentlich nun neben Tiana sitzen würde, stattdessen allerdings neben Tia saß. Aber selbst Dimon hatte die Frage deutlich mitbekommen gehabt und das obwohl er links von Dimitrie saß. Aciro war schon immer nicht unbedingt leise im Flüstern gewesen, was an und Mal sehr witzig sein konnte, aber ebenso auch das Gegenteil mit sich bringen konnte.
„Das soll ein weiblicher Racheengel sein der einer Studentin hier das Leben rettete, in dem sie den Täter in die Hölle verdammte!“, erklärte Tiana, wo ihre Stimme im Gegensatz zu seiner genug von der Lautstärke her gesenkt war, um es den Professor nicht gleich mitbekommen zu lassen. Aciro nickte zufrieden, wobei sein Blick unwillkürlich sich auf Tia richtete, Vielleicht war es ihr schönes Äußeres, vielleicht aber auch die Neugier die seine Augen schon fast an ihr fesselten.
„Sag mal, ist diese Tia mit deinem Bruder zusammen?“, fragte Aciro, wobei Tiana prustend zu lachen anfangen musste, weil der Kopf von Angelo sich direkt ihnen entgegen hob und arrogant die Augenbrauen anhob. Nur Tia schien irgendwie überhaupt nicht anwesend zu sein, runzelte Dimitrie die Augenbrauen, weil ihr Blick weiterhin irgendwie leer wirkend auf dem Professor gerichtet war. Als ob sie ihn ansah, aber in Wirklichkeit überhaupt nicht bemerken würde.
„Nein sind sie nicht, noch nicht jedenfalls!“, grinste Tiana breit, mit voller Absicht, da sie das Interesse von Dimitrie der Antwort gegenüber selbst aus hundert Meter Entfernung hätte riechen können.
„Kaum zu fassen, es gibt sie also doch, die Frau die das Herz eines Angelo Pragos erweichen konnte!“, lachte Aciro süffisant auf scharmante Weise. Aber es wunderte ihn auch nicht wirklich das sie sein Herz erlangen konnte. Er selbst war von ihrer Erscheinung dort oben auf den Treppen ebenso angetan gewesen, das es für den Moment das klaffende Loch in seinem Herzen sogar in Vergessenheit geraten ließ, bevor es mit all seiner Wucht wieder in seinen Erinnerungen zurückkam.

Als die Vorlesung endlich zu Ende war, passte Tia genau den Moment ab in dem Aciro durch die Tür ging und berührte, als ob sie sich selber bremsen wollte, um nicht mit ihm zusammen zu stoßen, seinen Arm, was ihn kurz lächeln und dann weiter gehen ließ.
Wie jemand der lange unter Wasser die Luft angehalten hatte, zog Tia schnell Luft in die Lunge, weswegen sie von Angelo besorgt angesehen wurde.
„Keine Angst, das ist normal, sein Leid hat mir die Vergangenheit gezeigt!“, versuchte sie unter Umstände zu lächeln, die zu grausam waren als das es ihr gelungen wäre. Das was sich ihr zeigte, die Gnadenlosigkeit hinter all dem ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren und auch wenn sie bis her immer dachte niemals wirklich den Weg des Racheengel zu gehen, war es das was sie nun sehen musste, was die Endscheidung in ihr festigte den Pfad doch Vollendens nun zu betreten.


Unsicher sah Angelo die ganze Zeit auf die Uhr, ging in seinem Zimmer wie ein ruheloser Tiger in seinem Käfig unaufhörlich auf und ab. Sie würde den Rachewunsch erfüllen! Kreischten seine Gedanken. Er wusste nicht viel, nur so viel das die früher immer fröhlich lachende Tessy, dessen Wesen so sanftmütig gewesen war, das man sie selbst mit enormer Wut im Bauch durch ein Lächeln wieder sanft stimmen konnte, das dieses Mädchen getötet worden sein sollte! Von einem Monster was schon eine undefinierbare Zahl von Frauen auf dem Gewissen hatte. Jedoch wusste er nicht wie, oder wo! Geschweige wie der Racheweg sich nun gestalten würde. Nur das was sie ihm erzählt hatte!
„Verdammt!“ fluchte er so laut, das es Tiana wie von ner Tarantel gestochen, aus ihrem Zimmer in seinem Zimmer rein gerannt kommen ließ und keuchend mit fragendem Ausdruck nun vor ihr stand.
„Alles in Ordnung!“ wollte Angelo sie direkt wieder aus seinem Zimmer raus schieben, beide Hände fest gegen ihren Rücken gestemmt, doch umging die junge Dame ihren Bruder geschickt und stand nun direkt hinter ihm.
„Nein, wirklich alles in Ordnung!“ versuchte er zu lügen! Vielleicht lag es daran das Zwillinge mit einer besonderen Art von Antenne füreinander geboren werden, Angelo wusste es nicht, doch das Gesicht seiner Schwester zeigte nur zu deutlich das nicht Glauben an seinen Worten.
„Erzähl!“


 
Still beobachtend saß Tia an einem kleinen silbernen Rundtisch, die Musik dröhnte aus allen Seiten, laute mit starkem Bass unterstrichene Musik, tanzende Menschen die sich im Rhythmus der Klänge bewegten, schwitzende Körper die sich aneinander drängten, jubelnd alles um sich herum vergaßen und sich dem was sie taten voll und ganz hingaben.
"Ihre Cola!" stellte ein junger Mann Tia das Glas auf dem Tisch und lächelte sie vielsagend an.
Desinteressierte Augen blickten aus dem schönem Gesicht dem jungen Mann entgegen, der darauf Wortlos sich wieder zurückzog.
Zielsicher glitten Tias grüne Augen wieder über die Tanzfläche, sie konnte das lautlose Hilfeschreien der Seele eindeutig vernehmen, unausgesprochenes Leid was nicht einmal im Takt der Musik sich verlor und Tia wie das Gesang einer Sirene anlockte.
Mit einer langsamen Bewegung strich sie sich das helle Haar aus dem Gesicht, was in langen glatten Bahnen ihren Rücken bis zur Mitte herunter reichte und im Licht der permanent wechselnden Farben seidig glänzte.
Langsam setzte sie das Glas an die Lippen, die Augen der Tanzfläche nicht entziehend, hatte sie nun endlich den jungen Mann gefunden, dessen innerlicher Hilfeschrei lauter als die Musik zu sein schien und doch kein einziges Ohr erreichen konnte
"Hab ich dich!" setzte sie das Glas wieder ab, während sie in derselben Bewegung sich erhob und von all dem um sie herum vollkommen unberührt die auf der Tanzfläche, sich in der Musik mit bewegenden Person ansteuerte.
Kurzes blondes Haar was locker auf der Stirn jeder Bewegung folgte, ein lächelndes Gesicht was den Anschein machte, nichts als das hier und jetzt zu kennen, doch Tias Augen sahen etwas anderes, Tias Blick zeigte ihr die wahren Emotionen die hinter diesem Lächeln sich verbargen, Leid, fürchterliches Leid.
"Oh endschuldige!" drehte Aciro sich Tia zu, als er bemerkte das er beim Tanzen mit dem Ellbogen an sie geraten war, ohne zu wissen das Tia mit Absicht so nah an Ihn heran getreten war.
Doch ging Aciros Blick nur ins Leere, ohne Tia bemerkt zu haben.
Das Tanzen und die alles überdröhnende Musik war das einzige was Aciro gestattete den Pein der Hilflosigkeit und des Verlustes für geraume Zeit immer vergessen lassen zu können. Doch wehrte diese Momente nie lange genug um sein Herz wieder aufatmen zu lassen, oder die Schwere von seinem Lächeln wieder zu nehmen, die es nicht mehr echt wirken ließ.
Es half nicht dieses Gesicht zu vergessen was ihn in seinen Träumen verfolgte, er dem Phantomzeichner der Kommission beschrieben hatte und sie trotzdem nicht fanden. Es half einfach nicht den Tag als es geschah zu vergessen, das Geräusch des Regens, als er aus der Diskothek trat, schlussendlich sich doch endschieden hatte ihr, sie die sauer raus gerannt war, doch nach zu gehen und er plötzlich in der Dunkelheit ihn sah, wie er sie gerade in den Kofferraum seines Wagens hievte, ihn direkt angrinste, im Wissen das er nicht schnell genug wird rennen können und es auch nicht war.
Mehrere Male hatten die verantwortlichen Polizistin ihn gefragt ob er sich wirklich nicht an das Kennzeichen des Wagens erinnern könnte, ein kleines schwarzes Auto, er wünschte sich doch so sehr er hätte es gesehen, doch es war zu dunkel gewesen, alles viel zu schnell gewesen! Glitten ihm wieder Tränen der Verzweiflung über das Gesicht.
Diese eine kleine Berührung hatte schon vollkommen ausgereicht um all das was ihr wiederfahren war zu sehen, all das was Tia wissen musste noch mal auf zu zeigen, was sie wissen musste, wusste sie nun!
"Deinem Wunsch nach Rache wurde erhört und wird Erfüllung gewehrt!"
Erschrocken drehte sich Aciro um, suchend nach der jenigen dessen Stimme gerade diese Worte gesprochen hatten und ihm eine unerklärbare Gänsehaut über den Rücken gejagt hatte, doch dort war niemand der ihn ansah oder den Anschein machte dies gesagt haben zu können.

Wortlos trat Tia aus dem Eingang der Diskothek, Die nächtliche Kälte kam ihr erfrischend entgegen, ein starker Kontrast zu der schwitzenden Atmosphäre die sie gerade dort drin noch umgeben hatte.
Seufzend blickten die dunklen Augen dem dunklen Firmament entgegen
"Eine schöne Nacht für Rache" lächelte sie kalt, das schöne Gesicht der runden Scheibe entgegen gehoben, die mit ihrem Schein den ganzen Parkplatz erhellte, der legendlich aus einem enorm großen Ascheplatz bestand.
Wortlos ging sie an eine ihr entgegen kommenden Gruppe vorbei, die aus zwei Frauen und drei Männern bestand, von den Schatten der Nacht verdeckt, nahm keiner der vorbeigehenden wirklich Notiz von der jungen Dame, die wie ein Windhauch an ihrer Wahrnehmung einfach vorbei ging.
Die Weite des Ascheplatzes fast gänzlich hinter sich gelassen, verschwand Tia von dieser Wirklichkeit in das Zwielicht um ihren Ziel entgegen zu schreiten.



Mit eisiger Kälte wehte der Wind Tia entgegen, fest stand sie mit den Füßen auf das Schräge Dach eines Hauses, Eine von außen her völlig normale Familie, doch was hinter diesen Türen vor sich ging war der blanke Horror, setzten sich dunkle Schatten über das Braun ihrer Augen.
Ein Racheengel war das Höchste Gesetzt der Selbstjustiz, sie traten immer dann ein, wenn ein Opfer so viel gelitten hatte das es keinen Ausweg mehr fand.
Wenn die Angst und die immer während durchlebenden Qualen eine unschuldige Seele an die Grenze des erträglichen drängte, wenn diese eine bestimmte Grenze von diesen Menschen beinahe schon überschritten war, dann traten sie auf dem Plan, um über das Übel zu urteilen und das darauf folgende zu verhindern.
Wo der graue Strich in Aciro von der Hilflosigkeit und der Verzweiflung weil sie alle wussten das der Täter wieder ungeschoren davon kommen würde, ihn fast schon die Grenze aus Leid und Hass überschreiten hatte lassen.
Langsam setzte sie von der Schräge in die Schwerelosigkeit und glitt im Fall durch die Vorderwand des Hauses durch, ohne von ihrer Beschaffenheit aufgehalten zu werden, noch immer im Zwielicht, wo sie nun dort in diesem Wohnzimmer stand. Weiße Tapeten mit blauen Blümchenmustern, eine weitläufige Couch mit hässlichen Wolldecken drauf und in alledem eine mager wirkende Frau. Ihr Gesicht war blass, irgendwie kränklich. Unter den Augen zogen sich tiefe Halbkreise wie feste Linien entlang. Fad wirkende Augen und ein Ausdruck der weder lebendig noch irgendwie vorhanden wirkte.
Auch ihr Herz schrie einen gewaltigen Hilfeschrei in die Welt hinaus, Hilfe vor diesen Mann den sie eins geheiratet hatte, der zu anfangs noch so lieb und fürsorglich gewesen war und nun bloß noch die Hülle eines Menschen besaß, dessen inneres ein Monstrum wiederspiegelte.
„Eurer Wunsch nach Rache wurde ebenfalls erhört und wird nun Erfüllung gewehrt!“ durchbrach eine fremde Stimme plötzlich mit autoritärer Tonlage die Stille und ließ die Frau zusammen gezuckt fast vom anderen Ende der Couch fallen, wo sie nun ehrfürchtig in das Gesicht von einer jungen Dame blickte. Langes farbloses Haar, was bei ihrem Umdrehen mit schwang. Ein ebenso farbloses Kleid was sie nur noch von ihren Rückenansicht wirklich betrachten konnte, während diese Gestallt denn Keller anvisierte und den Anschein hinterließ in ihren Bewegungen Zeitlos zu wirken.
Stufe für Stufe die Tia diesen schmalen Kellergang herunter ging, dieser miefige Geruch von alten Gemäuer immer penetranter wurde, spürte Tia das der wirkliche Hilfeschrei der sich schlussendlich auch wirklich nach hier hin hat kommen lassen, immer lauter, immer deutlicher, immer näher kam und doch spürte sie das es längst zu spät war.
Im Zwielicht getreten lief Tia mit Entsetzen in den Augen, was hinter der gleichgültigen Verssarde versteckt war, langsam um den langen Tisch herum, über dem eine hin und her schwenkende Lampe mit seinem Licht das Bild grotesk wirken ließ, die Schatten in die Länge zogen, kreisend um den langen Tisch herum, sah Tia mit erschreckenden Augen an was das Bild auf dem Tisch ihr dort offenbarte.
Die Augen geschlossen, das Gesicht unberührt, war der Rest des Körpers von Schnittwunden, Verbrennungen und Misshandlungen überseht, von der Frau die wie eine Puppe unbeweglich dort auf dem Tisch lag, während ein hoch gewachsener Mann mit einem Pinsel Make up über die Wunden legte.
Das Grau in den schmalen Augen begutachtete sein Werk dabei akribisch genau, während ein zufriedenes Lächeln auf den dicken Lippen lag und ein unübersehbarer Wahn in den Schatten seiner Augen kreiste.
Konnte man noch mehr Abscheu empfinden, als es Tia in diesem Moment tat? In dem sie diesen Mann ansah, dessen Augen erfreudige Erregung besaßen, während er den leblosen Körper seines Opfers ansah, mit den Pinsel über die von ihm zugefügten Verletzungen tanzte. Schnittwunden die tief und lang verliefen, Rötungen, indessen Mitte Brantmerkmale von enormer Hitze zu sehen waren, als ob er ein aus Eisen bestehendes Werkzeug glühend heiß werden ließ und auf ihre Arme und Beine gepresst hätte, wanderten Tias Augen von den Brandwunden hin zu dem auf dem ersten Blick friedlich wirkendem und unversehrt erscheinendem Gesicht. Doch dieses Gesicht war nicht unversehrt, die Lippen unter dem roser schimmernder Lippenstift rissig, trocken und an den Mundwinkel auf geschnitten. Die geschlossenen Augen besaßen in der Mitte ihrer Augenlieder rote Striemen, als ob er sie mit irgendwas fortwährend offen gehalten hätte.
Dieser Mann war kein Mensch mehr, sah sie ihn Hass voll an, während er leise vor sich hin pfiff und auch die letzten Unschönheiten seiner Quälerei verdeckte.
Behutsam legte Tia ihre Hand auf den Leblosen Körper der Frau, schloss für den Moment die Augen, bevor sie ihre Finger durch die Haut gleiten ließ.
„Wir kriegen dich!“, langsam, das Gesicht verzerrt, sah der Mann von ihrem Arm zum Gesicht auf, wo die starr wirkenden Augen ihn direkt ansahen, schreiend wich der Mann zurück, als die leblose Frau aus ihrer liegenden Position heraus sich hoch bewegte.
„Wir werden dich jagen bist wir dich kriegen!“ richtete sich der Körper der Frau auf, die leeren Augen auf ihn gerichtet, ohne dass sie wirklich etwas hätten sehen können.
„Du bist tod, TOD!“ schrie der Mann verstört, die Arme schützend vor seinen Kopf gehalten.
„Wir werden dich jagen, bis du gestehst was du uns angetan hast!“ glitt der tote Körper vom Tisch runter, auf steifen Beinen.
„Gestehe!“ ging sie weiter auf ihn zu
„Gestehe was du uns angetan hast!“, wich er fürchterlich blass weiter zurück
„Gestehe!“ wiederholten die Lippen das Wort stimmlos immer und immer wieder, während der tote Körper auf ihn zu torkelte und Tias Finger durch dessen Hand seine Schulter berührten.
Schreiend versuchte der Mann sich zu bewegen, riss mit seinen Armen und Füßen an den Seilen und spürte das kalte Holz unter seinem nackten Körper, während ein hohl klingendes Gelächter über ihn erklang und ihm Jemand nun langsam die Augenbinde abnahm.
„Nur Leid macht wirklich schön!“ sah das Gesichtslose Gesicht ihn lachend an, Eduats Augen wurden riesen groß, das Fahle Licht der Kellerbeleuchtung ließ die schmale Klinge des Skalpells aufglänzen und die Schatten verzerrt um sie herum tanzen.
„Das ist nur ein Traum, genau, ich träume nur!“ schloss er bangend die Augen, worauf ihm direkt ein fürchterlicher Schmerzschrei über die Lippen fuhr, als die kalte Klinge in sein Fleisch schnitt und eine dünne blutige Linie über sein rechtes Oberschenkel zog.
„Aufhören! AUFHÖREN!“ quellten die Tränen an den Seiten seiner Augen herab. Wieder erklang lautes Gelächter
„Ich werde dich für ewig schön aussehen lassen!“, fuhr die Klinge erneut auf seine Haut nieder und erneut schrie er kehlig auf. Der Schmerz während die Klinge seine Haut durchfuhr, sich weiter hoch zog, die Haut auseinander schnitt, benebelte seine Sinne, zerstörten die Klarheit seiner Gedanken und ließ fürchterlich seine Schreie durch die Nacht erhallen.
„Hier wird dich niemand hören, egal wie laut du schreist!“ tupfte der Gesichtslose Mann mit einem Wattepad das Blut sachte weg und Eduard wusste das ihn dort niemand hören konnte, denn er hatte den Keller ja selbst abgedämmt.
„Und auch deine Frau wird nicht kommen, sie hat viel zu viel Angst vor dir, als das sie den Keller betreten würde, zumal du ihr sowieso die Sehnen ihrer Füße durchtrennt hattest!“ wurde das Gelächter des Mannes lauter, worauf es plötzlich heller wurde, bis seine entsetzten Augen sahen das es sich dabei nicht mehr um einen Mann, sondern einer jungen Frau handelte, das Skalpell in der Hand sah sie ihn mit gnadenlosem Blick an.
„Gestehe!“
„Ja ich gestehe, ich werde gestehen!“ schrie er fürchtend als er sich wieder dort auf den Boden in seinem Keller befand, wo der leblose Körper der Frau mit diesen Worten direkt vor ihn zu Bode fiel.
„Der Hass den du in anderen gesät hast hat dich verdammt und wenn die Zeit gekommen ist werde ich kommen und dich holen, wenn die Schuld angefangen ist beglichen zu werden, werde ich kommen und sie ganz begleichen!“ trat nun Tia aus dem Todesschein in seine Wirklichkeit, die Farblosen Augen kalt auf den ängstlich zusammen gekauerten Mann mit dem irren Blick gerichtet.
„Ich-ich-„ stammelte er noch immer verstört
„GEHSTEHE SOFORT!!!“

Schon völlig überarbeitet blätterte der Detektiv nun schon das vierte Mal hintereinander die ganzen Akten durch. Doch egal wie oft er sie sich auch ansah, wie oft er auch versuchte irgendwelche Zusammenhänge, Spuren zu finden, er fand einfach nichts!
Das einzige was sie gemein hatten war die Art und Weise wie sie getötet wurden und wie man sie im Nachhinein auffand. Geschminkt und auf dem ersten Blick vollkommen unversehrt, doch wenn man dann genauer hinsah, erkannte man was sich unter der Schminke verbarg und ließ einen das Blut in den Adern sprichwörtlich erfrieren. Sein letztes Opfer war eine junge Frau die noch gar nicht lange hier gewohnt hatte. Doch auch sie besaß nichts was sie mit den anderen Opfern hätte verbinden können. Sie besaßen variierende Äußerlichkeiten, die Altersstufen waren unterschiedlich, ja selbst die Nationalität schien keine Priorität in irrgendeiner Richtung zu besitzen. Nach welchen Chema wählte er also seine Opfer? Ging sein Blick zu der Tafel hin, wo Fotos von elf verschiedenen Frauen auf gehangen wurden, allesamt Opfer dieses Psychopathen, seufzte er niedergeschlagen, als lauter werdendes Gelächter aus dem vorderraum zu ihm rüber getragen wurde.
Nicht genug das er anscheinend der einzige war der noch versuchte irgendwelche Hinweise in diesen Fällen zu finden, nein! Nun schienen sie sich auch noch prima zu amüsieren, so laut wie sie am lachen waren. Steuerte der Mann, die Augenbrauen tief ins Gesicht gezogen, den Vorraum an. Musste allerdings irritiert wieder stehen bleiben als er das völlig erbleichte Gesicht eines Mannes mittleren Alters sah und seine Kollegen wie sie allesamt von ihren Schreibtischen, den Positionen wo sie standen, ihn auslachten. Sich kaum noch ein bekamen vor Lachen.
„Er behauptet das er der gesuchte Serienkiller sei und das ein Racheengel ihm auf dem Fersen sei!“ brachte der dickbärtige neben Joschua lachend hervor, schaffte es aber nicht wirklich mehr weiter zu reden. Weswegen ein anderer ihn ergänzen musste.
„Und das sie, Eine Sie!“ lachte der Mann auf „Das sie trotzdem kommen wird um ihn zu holen!“
„Sie wird kommen, ich sag die Wahrheit! Ihr müsst mich beschützen!“ versuchte sich der Mann an dem Polizisten vor sich zu klammern, zog sich an seiner Jacke hoch und zitterte währenddessen am gesamten Körper.
„Immer mit der Ruhe!“ versuchte dieser, aber ebenfalls wie die anderen lachend, den Mann zu beruhigen, dessen Augen von kreisendem Wahn durchsickert waren und sich immer wieder weit hervor quirlten.
„Sie sagen das sie der gesuchte Serienkiller sind? Dass sie es sind der die elf jungen Frauen entführt und getötet hatte?“ ging Joschua auf ihn zu. Auf seinem Gesicht konnte man kein Lachen sehen, seiner Stimme nichts dieser irrwitzigen Situation heraushören. Sondern pure Ernsthaftigkeit die absolut nicht zum Scherzen aufgelegt war.
Zittrig nickte der Mann, eifrig und ungehalten, als ob er damit überhaupt nicht mehr aufhören wollte.
Die Nacht war so schon lang genug für Joschua gewesen und nun stand da dieser Mann vor ihm, der behauptete der gesuchte Mörder zu sein, aber nicht nur das, sondern auch das ein Racheengel hinter ihm her sei.
„Sie sagte... Sie sagte das der Hass denn ich gesät habe mich nun verdammt hat!“ redete er wie ihm Wahn, wie jemand der um sich herum nichts mehr realisierend mit bekommt, in seiner eigenen Welt steckt und vor dieser enorme Angst zu haben schien!
„Wissen sie was es bedeutet ein derartiges Geständnis abzugeben? Den Mord an Elf Personen zu gestehen?“ versuchte der Detektiv es noch einmal, die ganze Situation diesem Mann begreiflich zu machen. Noch immer nickte der Mann
„Es sind nicht nur Elf, es sind mehr als Elf!“ suchten seine Finger nun zittrig nach Halt in dem Stoff von Joschuas Jacke.
„Sie scheinen überhaupt nicht bei verstand zu sein!“ blitzte Joschua ihn ernst an
„Ich sage die Wahrheit, die letzte liegt noch in meinem Keller, sie stand auf, verdammt sie hatte mich angesehen! Obwohl sie schon tot war!“ schrie er fast schon hysterisch
„GENAAUUU, du hast einen Zombie in deinem Keller!“ lachte der dickbärtige ungehalten. Joschua sah den Mann noch immer bedenklich an, seine Worte klangen zwar äußerst verwirrt, ja beinahe schon Geisteskrank, doch interessierte ihn die Frage viel mehr, vor was genau er so eine höllische Angst besitzen musste? Seine Augen sprangen kontinuierlich über das Grau der Tische, zu den Fenstern mit ihren blauen Jalousien, behielten die Wände, die dunklen Ecken, den Eingab im Auge, als ob er jeden Moment damit rechnen müsste das dieser Racheengel, wie er sagte, kommen würde.
„Nein, ich lüge nicht!“ schrie er schon wieder in diesem irrsinnigen Wahn, um darauf plötzlich mit diesem irren Blitzen von Begeisterung in seinen Augen weiter zu reden „Ich hatte sie schon fast fertig, wollte gerade beginnen sie wieder schön zu machen, fing schon an das Make up auf zu tragen, ihre Schönheit zu verdeutlichen, als…“ verschwand die erregte Begeisterung wieder und blanke Angst kennzeichnete wieder sein Gesicht.
„Make Up?“ war der Inhalt jedoch wie ein spitzer Pfeil durch die Ohren von Joschua gebohrt.
„Wo wohnen sie?“
„Dingsbergstraße 15!“ antwortete er noch immer in seinem Wahn, indessen er zu sich selber sprach, immer wieder nuschelnd sagte „Sie kommt, sie wird kommen, sie wird mich holen!“ ließen seine Finger von der Jacke des Detektivs, drehte sich dabei um, seine Augen starrten seine Hände an, die ziellos ineinander herumspielten „Ja, genau, sie wird kommen, gleich ist sie da!“ Grinste er plötzlich.
Die Augen fest zusammen gekniffen starrte Joschua den Mann an.
-Das ist dieses Grinsen!- schoss es ihm plötzlich durch den Kopf, wobei sich die Phantomzeichnung dieses Jungen wieder vor sein geistliches Auge auftat
„Wir müssen in sein Haus rein! Los! „ schrie Joschua zur Überraschung der anderen auf.

„Wieder so eine langweilige Schicht!“ stellte der dicke Streifenpolizist seinen Kaffee in der Halterung des Wagens ab. Die Nacht war noch immer am Anfang und bis auf ein paar vereinzelte klein Kriminelle war noch nichts wirklich aufregendes geschehen, was ihn angeödet gähnen ließ.
Schmunzelnd sah der dickbäuchige neben ihn zu ihm rüber und schüttelte kaum merklich mit dem Kopf, früher als er noch so jung war und auch noch neu bei der Polizei, da war er auch noch voller Tatendrang, genauso wie er es gewesen war. Doch die Jahre zeigten das dieses Ideal von Gerechtigkeit sich oftmals mit dem Gesetzt nicht vertragen wollte. Das ihnen öfters Mal die Hände gebunden sein werden als ihnen lieb war. Dass sie trotz des Wissens das jemand schuldig war, sie öfters nichtsdestotrotz gehen lassen werden müssen, weil das Gesetzt es als nicht ausreichend bewiesen ansieht.
Schlupflöcher die so gewaltig groß waren, das die schäbigsten Gestalten der Menschheit immer wieder durch schlüpften. Und er wollte dem Grünschnabel auch gerade sagen das er mal etwas mehr relaxen sollte, als plötzlich ein Funkspruch durch kam, der sie zu der durchgegebenen Adresse orderte, aber auch ausdrücklich anwies auf Verstärkung zu warten.


Aciros Gesicht zeigte nichts anderes mehr als Verlorenheit und Schmerz auf, das vollkommen verweinte Gesicht glänzte mit seinen Spuren der Tränen in der Beleuchtung der Laterne, während er mit schwerfälligen Schritten über den Ascheplatz lief.
„Dein Wunsch nach Rache wird nun Vergeltung zu geteilt!“ ließ eine deutlich gesprochene Stimme seine Bewegungen einfrieren, in der er sich schleichend, als ob er träumen würde, nun umdrehte.
Die Augen fassungslos geweitet war er unwillkürlich wie gelähmt, seine Augen zeigten ihm dieses Farblose Geschöpf, diese großen glatten Augen, die mit ihrem Weiß ihn direkt ansahen, das lange Pigmentlose Haar, was im Wind unwirklich um sie herum tänzelte, während ihrem Gesicht eine autoritäre Ernsthaftigkeit auferlegt war.
„Meiner Rache?“ röchelte er dünn, die Gestalt nickte, langsam und deutlich
„Zahn und Zahn,… Auge um Auge… und die Hölle für das zugefügte Leid!“ verschwand die Gestalt wieder, womit der blonde junge Mann wieder allein dort stand und seine Augen suchend, als ob er hoffte das es noch jemand gesehen hätte, überall hin gingen.

„Joschua!“ öffnete die dickere Polizistin dessen Aufgabe es war, das Funkgerät zu bedienen, die Tür zum Verhörraum.
„Sie haben die Frau gefunden, was er sagte ist wahr!“ bestätigte sie nun seine Worte, wo Joschua außer dies nichts Weiteres mehr aus diesem Mann heraus bekommen hatte. Weder warum er es getan hatte, noch wie, oder nach welch einem Chema er die Opfer auswählte. Er hatte die ganze Zeit nur immer und immer wieder dasselbe vor sich hin genuschelt, das sie kommen wird und ihn holen wird.
„Okay!“ erhob Joschua sich, ging um den Tisch herum und zerrte den Mann an den Handschellen, die um seine Handgelenke lagen, aus dem Raum heraus. Doch drückte dieser sich plötzlich mit dem ersten Schritt in den Vorraum direkt wieder zitternd zurück, wie ein Hund der blanke Angst vor etwas besaß und sich nicht mehr zum weiter gehen bewegen lassen wollte.
„Ich bin gekommen um dich zu holen!“ durchschnitt die zierliche Gestalt einer jungen Dame das Stimmengewirr der anwesenden.
„Wer zum Teufel bist du denn?“ wollte ein Polizist gerade aufstehen, während ein anderer gerade lachend fragen wollte ob dies sein gefürchteter Racheengel sei. Doch blieb ihnen im nächsten Moment das Wort im Halse schon stecken, als sie ihre Hand vom Körper weg bewegte und sie um einen schwarzen Starb schloss, an dessen Ende eine Sanduhr wie von Ästen umschlossen, sich einmal drehte um den Sand nach unten rieseln zu lassen.
„Wer bist du?“ fragte Joschua, ohne das zitternde Angstbündel hinter sich weg rennen zu lassen, die Kette seiner Handschellen noch immer mit eisernem Griff in seiner Hand.
„Ich bin das höchste Gesetzt der Selbstjustiz!“ antwortete die farblose Gestalt, dessen Augen nun das Grün verloren und jeden einzelnen mit ansehen ließ wie ihre Haut zu schimmern begann, bis sie von ihrem menschlichem Dasein sich vollkommen gelöst hatte.
Auch wenn Joschua innerlich zitterte und seine Augen fassungslos das Wesen vor sich nur anstarren konnten, bewegten sich seine Lippen und seine Stimme war fest
„So etwas wie Selbstjustiz wird hier nicht geduldet, für so etwas gibt es hier das Gesetzt!“
„Das Gesetzt hat seinen Zweck erfüllt und ihn schuldig gesprochen, was ich der Gerechtigkeit zugestand. Doch ab hier bin ich nun das Gericht und der Henker!“ waren ihre Worte Gefühlskalt und erlaubten keine wiederrede.
„Dieser Mann muss einem richtigen Gericht vorgeführt werden, die Familien der Opfer müssen selbst miterleben das er für das was er tat büßen wird!“ blieb Joschua hart, auch wenn seine Stimme nicht mehr so fest war.
„Ihr könnt es nicht aufhalten! Diese Sanduhr spiegelt seine zeitliche Lebenspanne wieder und wenn ich sie zerbreche wird er seinen letzten Atemzug gemacht haben!“ hob sie den Kopf etwas an
„Wer seit ihr, das ihr über Leben und Tod endscheidet?“ musste Joschua sich zwingen nicht zu schreien, auch wenn er wusste das dieser Abschaum es alle Male verdient hatte, war er ein Mann des Gesetzes.
Tia lachte Tonlos „Ich bin der Vollstrecker der Rache, meine Aufgabe ist es die Schuldigen zu verdammen! “ setzte sie einen Schritt auf die beiden zu
„ Auge um Auge…“ ging sie unnachgiebig weiter auf ihn zu „Zahn um Zahn…“ hob sie den Stab hoch
„Und die Hölle für das zugefügte Leid!“ hallte das klirren des Glases in Joschuas Ohren wieder, gleichzeitig wie die Augen des Mannes hinter ihm sich weiteten, als dieses Wesen die Sanduhr auf den Boden schlug.
-Was?- merkte Joschua wie das Metall der Handschellen nach unten weg gegen sein Handgelenk fiel.
„Wo ist er hin?" sah Joschua die Handschellen in seiner Hand an, die gerade noch um die Handgelenke von Eduard Welles gelegen hatten und nun nicht mehr gegenwärtig war.
„Er wird nun all das was er anderen angetan hatte immer und immer wieder am eigenem Leibe erfahren, bis in die Ewigkeit!“ verschwand die Farblose Gestalt wieder.
Wo Joschuas Augen direkt prüfend zur Linken Ecke des Raumes hoch ging.
„Rella?“
„Ja?“ sah die Frau welche die ganze Zeit wie eine Salzsäule erstarrt hinter Eduard gestanden hatte ihn zusammen gezuckt an
„Hat die dort oben alles mitgeschnitten?“

Lächelnd sah Tia Angelo an, als dieser gähnend auf sie zu kam und der Tatsache gegenüber das sie nun wieder Unterricht bei Herr Lanske hatten nicht gerade glücklich gestimmt gegenüber war. Jedoch Augenblicklich als sein Verstand wach wurde, Tia ungehalten den Flur weiter entlang zog.
Kaltherzig senkten sich Dimitries Augenlieder als er Angelos Hand um Tias geschlossen sah und wie er sie den Korridor weiter hinter sich her zog.
„Morgen!“ lachte Evelin lieblich, womit sie und Dimitrie den Hörsaal betraten.
„Hast du?“ blieb Angelo wieder vor Tia stehen, die lächelnd mit den Augen zu funkeln begann
„Ja, er wird nun nie wieder einer Frau so etwas zu fügen können!“ war sie stolz auf sich selbst und fügte direkt noch hinzu „Auch die Hinterlassenen seiner Opfer werden nun wissen wer es getan hat und das dem mit dem Tod von ihm ein Ende zu geführt wurde!“
„Wie, die Hinterlassenen werden es nun auch wissen?“ wollte etwas in ihm anfangen Alarm zu schlagen, doch Tia lächelte nur und rannte wieder zum Hörsaal zurück, wobei sie im gleichen Moment als sie in den Raum rein war, plötzlich eine Hand sich um ihren Arm geschlossen hatte und zum wieder stehen bleiben zwang.
„Warum bist denn du plötzlich so fröhlich?“ knirschte Dimitrie zornig bei der Frage
„Was geht dich das denn bitte an?“ fauchte Tia jedoch nur zurück, diesmal würde er es nicht schaffen ihr Herz runter zu ziehen, schrien ihre Gedanken.
„Scheinst dich mit Angelo anscheinend richtig gut zu verstehen, was?“ wurde seine Stimme immer rauer
„Alles in Ordnung Dimitrie?“ hatte Aciro seine wütende Haltung mitbekommen und ihm die Hand auf die Schulter gelegt, welche Dimitrie direkt wieder abschüttelte.
„Verdammt Dimitrie was soll das?“ mischte sich nun auch Tiana ein, Dimitries Blick hielt sich weiterhin nur böse auf Tia gerichtet.
„Dimitrie?“ fragte Aciro erneut
„Das ist ne Sache zwischen Tia und mir!“ knurrte Dimitrie
„Aber..!“ wollte Tiana Gegenreden
„VERSCHWINDET!“ herrschte Dimitrie jedoch ungehalten, was beide sofort weg gehen ließ.
„Was für ein Spielchen spielst du hier?“ knallte seine Stimme immer gnadenloser gegen Tias Herz.
„Ich verstehe nicht?“ konnte sie gegen den Schmerz in ihre Augen nicht ankämpfen, der im dem Licht der Beleuchtung durch ihnen hindurch sickerte.
„Wieso küsst du mich, wenn du in Angelo verliebt bist?“ sagte er nun das was er wirklich dachte, auch wenn es ihn selbst zu erschrecken wusste, blieben seine Augen ernst.
„Wer hat dir den so ein Unsinn erzählt?“ kam Angelo genau in diesem Moment in den Hörsaal hinein, beide Hände in den Hosentaschen und die Arme durchgedrückt, hinterließ er trotz Dimitries barschen Worten eine vollkommene Ruhe.
„Ach so, du willst mir also erzählen das du nur aus Freundschaft sie so nah an dich heran gelassen hast, ja?“ höhnte Dimitrie, er kannte ihn gut genug um zu wissen das diese Variante vollkommen absurd war.
„Nein! Aber meine Einseitige Liebe ist mein Problem! Aber was interessiert es dich überhaupt?“ legte Angelo den Kopf schief. Ja was interessierte es ihn überhaupt? Das fragte er sich nun auch, wieso machte es ihn so wütend? Wieso rastete er deswegen gerade so aus?
„Empfindest du vielleicht etwas für sie?“ fragte Angelo nun genau die Frage die Dimitries Herz zusammen krampfen ließ. Wortlos sah er ihn kurz an, sah kurz noch mal zu Tia, dessen Blick noch immer verletzt auf ihn gerichtet war, um danach ohne was darauf gesagt zu haben sich auf seinen Platz zu begeben.
„Was ist denn hier los? Massenversammlung?“ kam Herr Lanske herein und grinste kalt.
„Alles in Ordnung?“ sah Angelo die junge Dame besorgt an, als er bemerkte wie leidvoll ihr Blick war, wie verletzt und niedergeschlagen ihre Mundwinkel das entwarnende Lächeln nicht wirklich tragen konnte.
„Und hat einer von euch noch mal über die Geschichte mit dem Racheengel nachgedacht?“ blieb der junge Professor vor seinen Pult den Studenten zugedreht stehen, auch wenn Aciro nicht in der Stunde von Herr Lanske dabei gewesen war, als sie dieses Thema debattierten, hatte Tiana ihm alles darüber erzählt gehabt, ebenso wie die Meinung die er anscheinend dem bezüglich vertreten tat.
Unsicher ging seine Hand nur sehr zögerlich nach oben und wollte auf halben Weg wieder stoppen.
„Ja Herr?“
„Aciro Fiils!“ stellte der junge Mann sich vor
„Herr Fiils?“, sah Herr Lanske ihn neugierig an
„Ich glaube mir ist dieser Racheengel gestern ebenfalls begegnet!“ sagte Aciro es bestimmt, denn eigentlich war er sich ziemlich sicher dass es sich bei diesem Wesen um den Racheengel gehandelt hatte.
„Ihr sagt also, dass ihr den Sagen umwogenden Racheengel gestern selbst begegnet seit? Wo habt ihr ihn den gesehen?“ konnte man nicht genau bestimmen ob der Ton seiner Stimme nun sarkastisch oder überrascht war.
„Nicht ich habe sie entdeckt, sondern sie ist zu mir gekommen!“ , Herr Lanskes Augenbrauen runzelten sich, aber auch die Gesichter der anderen zeigten das sie nicht so recht wussten was sie von halten sollten. Aciro war keiner der Sorte die sich durch Lügen wichtig tuen würden.
„Sie sagte das meinem Wunsch nach Rache nun Vergeltung zugeteilt wird und dann irgend etwas von, warten sie!“ legte er den Kopf überlegend schief, wobei seine Augen zur Seite ins Nichts blickten, bevor er den Professor wieder ansah und sagte dann mit Bestimmtheit ihre Worte wiederholend auf
„Zahn um Zahn, Auge um Auge und die Hölle für das zugefügte Leid!“
„Sie sagte also das sie..:“ wurde Herr Lanske von dem Klingeln in Aciros Jackentasche unterbrochen, dessen Augen direkt riesen groß wurden als dort die Nummer von dem Detektiv angezeigt wurde.
„Ist- ist die Mordkommission!“ sah Aciro den Professor groß an, der Professor nickte, womit der Student das Gespräch entgegen nahm.
„Spreche ich da mit Aciro Fiils?“
„Ja!?“ zitterte Aciros Stimme selbst bei dem einen Wort schon unglaublich
„Haben sie ein Fernsehen in der Nähe?“
„Er fragt ob ich ein Fernsehen in der näher habe!“ hielt Aciro für den Moment die Hand gegen das Handy, der Professor nickte dem zu, womit er die Leinwand runter fahren ließ, wo der Resiver ebenfalls DVPT enthielt.
„Dann sollte sie jetzt vielleicht einmal den Sender BBSC einschalten!“
„Herr Lanske, könnten sie bitte den Sender BBSC einschalten?“ sah der Student den Professor an, welche direkt die Zahl des Programes eingab wo der Sender abgespeichert war
-Das Videomaterial was wir ihnen nun zeigen, wurde uns direkt von der örtlichen Mordkommission zu gespielt und enthält die Aufnahmen der Videoüberwachung, wo sich spektakuläres zu getragen hatte, wo ein Mann namens Eduard Biel den Mord an mehr als Elf jungen Frauen gestanden hatte und darauf unvorstellbares sich in der Polizeiwache zu getragen hatte und wir ihnen nun aus erster Hand zeigen wollten- erklärte eine dürre blonde Frau, bevor das Video abgespielt wurde.
Den eigenen Atmen unkontrolliert schneller geworden, wurden Tias Augen riesen Groß, aber auch Angelos Augen weiteten sich entsetzt, als eine junge Dame dort wie aus dem nichts auftauchte mit strafendem Blick und autoritärem Auftreten.
„Ist das nicht Tia?“ legte Evelin die Stirn in Falten
„Ja oder?“ murmelte Dimon verstört, während Dimitrie nicht glauben wollte was er dort sah. Aber auch der Professor wirkte plötzlich Aschfahl im Gesicht.
Als aus der jungen Dame dort auf den Aufnahmen plötzlich ein schimmerndes Wesen wurde und sie schlussendlich mit den Worten „ Auge um Auge…“ auf den Mann zuging, mit den Worten „Zahn um Zahn…“ diesen Stab anhob
„Und die Hölle für das zugefügte Leid!“ und mit diesen Worten das Glas der Sanduhr auf den Boden zerschellte, womit der Mörder hinter dem Detektiv verschwand und diese Gestalt, wo nun alle wussten das es Tia war, erklärte das er nun das Leid was er anderen zugefügt hatte nun immer und immer wieder selbst erleiden würde, ohne dass dies jemals ein Ende finden würde.
Erdrückende Stille war es die über all denen herrschte die zu jener Zeit in der Vorlesung von Herr Lanske sich befanden und mit unschlüssigen Augen eine ungewöhnlich schöne junge Dame unter ihnen ansahen. Wo der Professor es letztendlich war, der die Stille durchbrach und mit dünner Stimme das Wort an Tia richtete
„Also waren es keine Thesen, sondern die Wahrheit die du beim letzten Mal versucht hattest uns nahe zu legen?“ besaß seine Stimme etwas weiches, fast schon verstehendes. Tia lächelte, für sie fühlte der Moment sich so an, als ob sie aus einem langen Traum erwacht sei und nun realisieren musste das er doch viel zu kurz war.
Dimitrie war wie gelähmt, er wollte was sagen, sein ganzer Körper drängte ihn, doch er war nicht zu mehr fähig gewesen als wie all die anderen sie mit erstarrtem Blick nur anzusehen.
„Wesen unserer Art ist es eigentlich nicht einmal gewehrt diese Wirklichkeit zu betreten!“ lächelte sie mit demütig geschlossenen Augen.
„Warum seit ihr dann hier?“ waren die Worte des Professors vorsichtig gesprochen, doch das war es was wirklich jeder in diesem Moment von ihnen wissen wollte.
Mitleidig sah Angelo sie an, aber auch Tianas Blick verriet das sie mehr wissen musste als die anderen, was Dimitrie direkt auffiel.
„Wisst ihr!“ erhob die zierliche Person sich, lächelte Angelo beim vorbei gehen noch mal an und trat vor die Tribünen um die Studenten alle direkt ansehen zu können.
„Eigentlich war ich ein Seelenführer, unsere Aufgabe ist es die Seelen der Verstorbenen zu einem neuem Leben zu geleiten, sie dem Licht des Lebens sicher zu übergeben. Doch gibt es auch jene unter uns, die mit besonderen Kräften ausgestattet sind, sowie der Gabe der Empathischen Empfangung Leid, Hass und Schmerz gegenüber. Diese wenigen unter uns sind die Vollstrecker der Rache!“ war ihr Ausdruck sicher und ihre Augen dennoch weich
„Sie schreiten ein wenn ein Opfer den letzten Ausweg in seinen eigenen Tod sieht. Ich selbst war eigentlich nie geeignet dafür!“ wurde ich Lächeln schwerer „Ich war zwar einer dieser wenigen die diese Macht besaßen, dennoch mit zu viel Mitleid und den glaube an das Gute in den Menschen bestückt, was mein Herz zu weich machte.
Doch schaffte es schlussendlich doch ein Hilfeschrei mich zu erreichen!“ ging ihr Blick zu Dimitrie rüber, dessen Augen verletzt wackelten und unwillkürlich sagte „Kiara?“, Tia nickte.
„Noch nie zuvor war es vorgekommen dass der Schrei eines Herzens die Wirklichkeit durchbrach, doch ihr Herz schaffte es und erreichte mich. Es war nicht die Angst um ihr eigenes Leben, sondern das von der Person die sie über alles liebte! Ich versprach ihr dann auch in jener Nacht als sie starb, dich zu beschützen und als ich dann sah das du versucht hattest dir das Leben zu nehmen, zwang mein Versprechen mich einzuschreiten, wo ich dir durch einen Kuss das Leben wieder zurück gab, doch geschah dabei etwas, was nicht hätte geschehen dürfen!“ wurde nun Tias Mimik verzweifelt, doch das Lächeln auf ihren Lippen blieb standhaft, ein trauriges Lächeln was mehr Schmerz als Freude in sich besaß.
„Doch meine Zeit hier endet nun hier im jetzt und hier!“ zog sich das Grün aus ihren Augen, womit ihr Körper das nun wiederspiegelte was sie wirklich war.
„Wie ich sehe hast du aufgegeben?“ erhallte eine weitere, tiefere Stimme, indessen ein Mann aus dem Schatten hinter der linken Tribüne heraus trat.
Fassungslos schaffte niemand etwas zu sagen, Gesichter dessen Augen erstarrt die beiden ansahen.
Mit dem Gesicht einer Frau was hofft in seinen Augen eine Antwort zu finden, sah Tia Dimitrie an, doch seine Lippen blieben geschlossen, kein Wort von dem was sein Herz in dem Moment schrie gelang über sie hinweg, indessen er Tia nur noch immer fassungslos dem gegenüber anstarrte.
„Ja!“ fügte sich Tia damit dem was ihr Herz nun glaubte zu wissen.
„Neiiin TIAAAAA!“ wollte Angelo auf sie zu, doch war ein alles-wird-gut- Lächeln das letzte was er von ihr sehen konnte bevor sie mit diesem Mann zusammen verschwand und Tiana neben Aciro in völliger Verzweiflung zu weinen begann.
„Ihr wusstest wer sie war?“ blitzten Dimitries Augen Angelo direkt an, dem in diesen Moment der eigentlich immer resistente Geduldsfaden innerlich riss.
„Ja und soll ich dir die wahre Geschichte hinter Tia erzählen? Das was sie nicht sagte? Denn Grund wieso sie hier war?“ fragte Angelo Gefühlskalt.
„Warum bitte war sie denn hier?“ lag in Dimitrie der Schock und der Schmerz auch so tief das es ihn dies vollkommen erkaltet sagen ließ.
„Weißt du, die Liebe zwischen einem Menschen und einem Wesen aus ihrer Welt kann nicht bestehen weil sie von den Wirklichkeiten voneinander getrennt werden. Doch Tia hatte sich in einen Menschen verliebt und das mit ganzen Herzen, ihre Liebe war so groß das man ihr gewehte die Wirklichkeit zu durchbrechen. Sie sollte innerhalb von 30 Tagen das Herz des Mannes der ihr Herz in den Händen hielt erreichen und könnte danach unter den Menschen weiter leben, wodurch sie allerdings dem altern der Menschen ausgesetzt sein würde, dies wäre halt der Preis den sie für ihre Liebe hätte zahlen müssen. Doch sollte sie sein Herz bis Ablauf der Frist nicht erreicht haben, oder aufgeben, würde es für sie schlussendlich bedeuten, die Person die ihr Herz so sehr liebt, samt ihren ganzen Erinnerungen zu verlieren!“
„Und warum konnte so jemand wie sie das Herz des Mannes nicht erreichen?“ fragte der Zorn in Dimitrie, der es sich nicht vorstellen konnte. Welch ein Mann könnte so jemanden wie Tia auch lange wiederstehen?
Verächtlich zischte Angelo, wo man für den Moment in seinen Augen tief sitzenden Hass sehen konnte.
„Soll ich dir sagen was ihre Worte dazu waren? Ein Herz was schon vergeben ist, kann man nicht mehr erreichen! Dimitrie!“ betonnte er seinen Namen vielsagend, wodurch der Zorn in Dimitrie brach und blankem Entsetzen weichte, als er realisierte wer damit gemeint war, was sie meinte als sie sagte, das nach dem Kuss etwas geschah was nie hätte geschehen dürfen. Wachte sein Herz endlich auf, doch nun war es zu spät!



langsam öffnete Tia die Augen, es fühlte sich an, als ob sie aus einen viel zu langen Traum erwachen würde, der ihre Sinne noch immer zu vernebeln wusste.
Weißes Licht, ein Schatten, sie versuchte mit den Augen zu blinzeln, das Bild deutlicher werden zu lassen. Langsam bildeten sich Konturen, dunkle Haare, ein schwarzer langer Mantel, ihr Atem stockte.
"Erinnerst du dich an deinen Namen?" fragte eine dunkle Stimme, der junge Mann beugte sich langsam zu ihr herunter, erst jetzt nahm sie richtig war das sie auf etwas lag, ein Bett? blickte sie an sich runter, wo ebenfalls alles aus weiß bestand, kein Bett?
"Deinen Namen, erinnerst du dich an deinen Namen?" fragte die Stimme erneut, nur diesmal mit starkem Nachdruck.
Irritiert sah sie den jungen Mann an, die hellen blauen Augen sahen sie fixierend an, seine Stimme hatte sie klar und deutlich gehört, eine tiefe feste Stimme
-seine Lippen haben sich nicht bewegt- wollte ihr ganzer Körper zurück weichen, sich von diesem Mann weg schieben, doch stattdessen schüttelte sie nur mit dem Kopf.
Der Mann nickte erkenntlich
"Nun gut, dann werde ich dir nun deinen Namen sagen!" richtete der Mann mit den dunklen Mantel sich wieder gerade auf.
"Meinen Namen?" fragte sie vorsichtig, innerlich versuchte sie sich abermals an etwas zu erinnern, wer sie war, woher sie kam, wo sie war. Doch ihr Kopf schien eine ausgedehnte leere zu sein, als ob sie keine Vergangenheit besitzen würde
„Wieso erinnere ich mich an nichts mehr?“ fragte sie klagend
"Weil du keine Erinnerungen mehr besitzt! Hier und jetzt beginnt dein neues Leben!"
"Ich versteh nicht?" richtete sie sich auf, ein unangenehmes Kribbeln sauste durch ihren Rücken und lies sie unwillkürlich zusammen zucken
"Dies ist die Strafe für das durchbrechen der Wirklichkeit!" hob er seine rechte Hand, worauf eine lange schwarze Sense sich in seiner Hand bildete und mit der Spitze der klinge auf Tia zeigte.
Erschrocken hielt er mitten in der Bewegung inne, das Blau seiner Augen färbte sich eine Nuance heller. Unwissen sah Tia ihn an, Angst, Panik und Unwissenheit lag in ihren Augen, die verzweifelt versuchte zu verstehen was gerade geschehen ist
"Alles in Ordnung Midian?“ kam eine weitere Person hinzu, dessen rotes Haar in prachtvollen Locken den Rücken runter reichte.
„Nein, ich dachte nur für den Moment, ach schon gut!“ zog er die Schneide seiner Sense wieder zurück
„Keine Angst Mäuschen, du wirst schon nach und nach alles verstehen, dich selbst in die Bedeutung ein Racheengel zu sein hineinfinden!“ blieb die Frau vor Tia stehen
„Racheengel? Ich verstehe nicht!“ wisperte Tia überfordert, der junge Mann mit den blauen Augen lachte kurz auf.
"Kurz um gesagt, du wirst ganz normal wie ein Mensch weiter auf der Erde leben, nur kein wirklicher Teil der Menschheit sein, deine Zeit vergeht anders, als die der Menschen. Deine Aufgabe besteht darin den Rachewünschen der Unschuldigen nach zu gehen, deren Herzen die dem leid selbst nicht mehr entkommen können!" erklärte Midian
"Du verhinderst das diesen unschuldigen Seelen sich selbst das Leben nehmen!" beendete die Frau den Satz.
"Ich nehme also Rache für die gequellten! Und wie endscheide ich für wenn ich Rache nehme? Wie finde ich diese Menschen?" setzte sich Tia im Schneidersitzt hin, die Liege fühlte sich von Mal zu Mal immer unbequemer an.
"Die Menschen selbst sind steht’s von gewissen Auren umgeben, dessen Präsenz du nun befähigt bist zu spüren, du wirst wissen wer deine Hilfe braucht, genauso wirst du spüren wirst wer Gefährlich ist, oder gar ebenso wie du kein wirklicher Mensch!"
"Da gibt es andere wie mich?"
Midian musste lachen " Von uns Racheengel gibt es nicht viele, aber ja, sie leben auch dort, unerkannt unter den Menschen. Doch da draußen existieren auch noch andere Lebensformen unter den Menschen, gefährliche und ebenso auch gut gesinnte, aber das wirst du alles noch mit eigenen Augen erfahren, mehr als dies können wir dir im Moment noch nicht offen legen"
"Du wirst jetzt als Tia ein neues Leben beginnen und ebenso auch wieder zur Schule gehen!" lachte Aria
"Schule?" sah Tia sie entsetzt an, Aria konnte sich das Lachen nicht mehr verkneifen und brach in schallendes Gelächter aus, wobei sie die Klinge von Midians Sense an sich ran zog und Tia wies hinein zu schauen.
Irritiert blickte Tia die dunkle Klinge an die ihr eigenes Abbild wiederspiegelte
"Was?" sprang sie erschrocken auf
"Wie alt bin ich?" wurde ihre Stimme schrill, das Gesicht bleich wie das Weiß von dem Gewand was sie trug
"Das spielt keine große Rolle, deine Zeit verläuft anders, glaubst du wir sind so jung wie wir aussehen?" zog Midian mit düsteren Blick die Klinge zurück.
"Komm es wird Zeit!" stand Aria auf und hielt Tia auffordernd ihre Hand entgegen.
Ohne nachzudenken ergriff Tia die ihr angebotene Hand und lies sich Wortlos mit hoch ziehen, eine schneller Bewegung von Midian mit seiner Sense, ließ die Wirklichkeit in der sie sich befanden unter ihr sich wie ein Blatt Papier auseinander schneiden.
"Das ist der Weg zu deinem neuem Leben, niemand dort weiß wessen du fähig bist und so lange du nicht her deiner eigenen Kräfte bist, würde ich jeden Schritt und jedes Wort mit Bedacht wählen!"
"Was?" drehte Tia sich entsetzlich erschrocken zu Midian um
"Ach, mach dir keine Sorgen und genieße einfach nur dein neues Leben!" schob Aria sie jedoch nur lachend durch den riss, womit für Tia alles Schwarz wurde.
"Meinst du es war gut ihr zu verschweigen was sie wirklich ist?" sah Aria Midian unsicher an. Die Stille des Nichts umgab die beiden wie ein eisernes Schweigen über ein Geheimnis was so gewaltig war das es alles ändern konnte.
„Fürs erste ja, sie wird nach und nach schon selbst entdecken wer sie wirklich ist, das Schicksal nimmt immer seinen Lauf, egal auf welchen Weg, doch fürs erste ist es besser wenn niemand wirklich ahnen kann wer und vor allem was sie wirklich ist!"

"So alle wieder auf ihre Plätze, aber schnell jetzt!" schallte die Stimme der Lehrerin schneidend durch das Getöse der Klasse.
Gehorsam begaben sich die Schüler der zehnten Klasse dieser schule zurück auf ihre Plätze, mit fragenden Blicken auf die Mollige Frau die noch Wortlos darauf wartete das auch der letzte den Weg zurück zu seinem Stuhl gefunden hatte
"Nun gut.." wand sie sich der Klassentür zu " Komm bitte rein!" , folgsam trat Tia neben die mollige Frau und wand sich ebenfalls den neugierigen Augen der Schüler zu
"Das ist Tia Filas, sie wird ab heute ein Teil dieser Klasse sein, ich hoffe ich werdet sie mit offenen Armen aufnehmen und schnell mit einbinden!" applaudierte die Lehrerin an die Manieren der Schüler, dessen neugierige Blicke noch immer abschätzend auf Tia lagen.
Fast drei Jahre waren seit diesem Tag an dem Tia ohne ihre Erinnerungen aufgewachte vergangen, wo es Tia nun in eine andere Stadt zog, etwas was ein Racheengel immer wieder mal über sich ergehen lassen musste. Sie konnten nie wirklich lange an einen Ort bleiben, ohne dass die unveränderte Beschaffenheit ihrer Äußerlichkeit auffallen würde.
Was Tia in diesem Moment aber noch nicht wusste war, das ihre Angewohnheit Tyrannen auf die Füße zu treten und die Tatsache das sie sich nichts sagen ließ und noch viel weniger vor jemanden resignierte, sie auf diese Schule schnell einem starken Gegner entgegen spielt, wo es für beide noch eine sehr überraschende Begegnung sein sollte.

Die ersten drei Stunden hatte Tia auch gut überstanden gehabt, wo man sie freundlich in der Klasse aufgenommen hatte und ebenfalls den Vorschlag aus mehreren Richtungen unterbreitete ihr die Schule zu zeigen. Doch Tia wollte sie sich selber anschauen, sich selbst ihr Bild von allem machen.
Der Schulhof war im Gegensatz zu ihrer alten um das Dreifache größer. Wo hinter dem Hauptgebäude sich eine riesige Wiese mit anrandenen Büschen und Bäumen befand, umzäunt von einem grünen Stangenzaun.
Gähnend wollte Tia gerade über die Wiese hinten an der Turnhalle einbiegen um sich den Rest anzuschauen, wo sie nicht mehr viel weiter als noch ein kleines Stück Wiese erwartet hatte, was durch die Seitenwand der Turnhalle abgegrenzt war und tatsächlich, dort war wirklich nur noch ein kleines viereckiges Stück Wiese, was man von der anderen Seite überhaupt nicht sehen konnte. Doch war es nicht das, was sie in diesen Moment zu überrascht auf entsetzter Weise mit den Augen klimpern ließ. Sondern ein dunkelhaariger Schüler der dort mit einer anderen Schülerin am rum machen war, indessen sie auf ihn drauf saß und er seine Hand in ihr Haar gegriffen, sie zu sich runter gezogen, fest hielt.
„Macht es Spaß zu spannen?“ erklang es auch direkt mit tiefer und süffisant klingender Stimme, während die Hand sich in dem Haar der dunkelhaarigen lockerte, um an ihr vorbei sehen zu können und Tia genau in diesem Moment ihre vorlaute Klappe auf zu reißen wusste.
„Spannern? Was denn? Da sind die Fünfzig Pfennig Peepshows von Damals ja noch interessanter!“ fauchte sie verbissen, worauf der junge Mann die Schülerin von sich runter schob und Tia mit bösen Augen anfunkelte, welche sich schon längst umgedreht hatte und wieder gehen wollte.
„Wag es dich nicht!“ hielt seine finster klingende Stimme sie allerdings von ab
„Warum? Willst du mir sonst hinter her rennen?“ fragte Tia unberührt, ohne sich ihm zu zudrehen
„Kann das sein das du wirklich lebensmüde bist?“ spottete seine Stimme böse.
„Wie wärs, du machst da weiter wo du aufgehört hast und ich versuch das grässliche Bild wieder aus meinem Kopf zu bekommen?“ streckte sie ihm beim kurzen zudrehen die Zunge raus, sah wie er gleichzeitig hoch schnellte und rannte so schnell es ihr ihre Beine erlaubten die Wiese entlang.
„Wenn ich dich erwische hat dein letztes Stündlein geschlagen!“ schrie Julian hinter her und wenn Tia in diesem Moment gewusst hätte wenn sie dort vor sich hatte, wäre ihr auch klar gewesen das dies keine leeren Worte waren.
„Glaubst du nicht auch das du dafür erst einmal etwas schneller rennen so…!“ stoppte sie entrüstetet als sie beim über die Schulter zurück blicken sah wie schnell er aufholte, wenn es weiter so gehen sollte, würde er sie noch erwischt haben, bevor sie das Ende der Wiese erreicht hatte! Sprang ihr Augenmerk auf die offen stehende Hintertür vom Gebäude, was eigentlich der Fluchtweg für den Feueralarm darstellte und für Tia in diesem Moment die passende Rettung darbot.
Durch die Tür durch gerauscht hatte Tia zwei Wege zu Auswahl, die Treppe hoch, wo es zu den Jahrgängen ging, oder die Treppe runter, zu den Chemieräumen und dem Keller.
„Scheiße!“ rannte sie die Treppen runter, als sie sah das er die Tür schon fast erreicht hatte, im Wissen das die Stufen hoch rennen viel zu anstrengend gewesen wären.
Wie eine wütende Dampfwalze rannte Julian der Blondine die Treppen runter hinterher, Das blonde Haar war auch alles was er von ihr sehen konnte, doch genug um sie wieder erkennen zu können. Weil es nicht viele gab die ein so enorm helles Blond besaßen, das es beinahe schon so wirkte als ob es weiß sei.
„Vor mir kannst du dich nicht verstecken! Egal wo du dich auch verkrochen hast, ich werde dich finden!“ trat er die letzte Stufe herunter, wo das schon angegangene Licht zeigte das sie diesen Korridor der Kellerräume entlang gerannt sein musste, da die Deckenbeleuchtung nur auf Bewegungen reagierte, wo nur der eine Weg hinein und auch wieder aus dem Keller heraus führte, dessen nur ein langer Flur mit an jeder Seite sechs Vorsprünge und vier Türen sich befand.
Eindringlich versuchten Tias Gedanken einen Ausweg auf dieser Situation zu finden, wenn sie nun in den Todesschein eintauchen würde, wäre die Frage offen wie sie dort einfach so verschwinden konnte, was im Endeffekt vielleicht noch viel schlimmer war, als von ihm geschnappt zu werden! Zermarterte sie sich das Gehirn, während seine Schritte immer näher kamen, nur noch zwei Vorsprünge ihn von ihr trennten.
Akribisch genau wanderte Julias Blick an alles vorbei, hinter jeder Trennwand und zu jeder Tür hin, im Wissen das das das kleine abgerundete Dreieck über dem Schlüsselloch zeigte ob die Tür zugeschlossen war, oder nicht. Denn wenn sie es war, zeigte das Dreieck nur die eine Farbe: Rot und wenn nicht konnte man diese Farbe nur bis zur Hälfte sehen, wo die andere Seite weiß war.
„Gleich habe ich dich!“ hallte seine Stimme höhnend durch den Keller und Tia wusste, noch eine Trennwand und er würde vor ihr stehen. Wo sie nicht drauf warten wollte bis er sie finden würde
„Warum? Willste deine fünfzig Pfennig für die Peepshow haben?“ spottete Tia zurück
-Hab ich dich!- grinste Julians Verstand, als er ihre Stimme hinter der nächsten Trennwand zu lokalisieren wusste und genau vor dieser stehen blieb.
„Sag mal Mädchen, hälst du dich für Mutig oder für unausgesprochen dumm?“, Tias Augen verfinsterten sich, wie konnte er es wagen so etwas zu sagen? Maulte der Zorn in ihr innerlich
„Du genierst dich doch nur weil euch jemand gesehen hatte!“ lachte sie trotzig, grinsend fing Julians Augenbraue an zu zucken.
„Du weißt das ich hinter dir stehe oder?“ raunte er applaudierend
„Was ist los, bist du sauer weil ich dir das Mädel verschreckt habe?“ lachte Tia provozierend
„Mir kann man kein Mädel verschrecken, dafür sind zu viele da die liebend gerne ihren Platz einnehmen würden! Vielleicht bist du ja eine von ihnen und bist absichtlich rein geplatzt!“
„Wow, das ist schlimmer als ich dachte, du hast also auch noch einen Prinzensyndrom in deinem Kopf festsitzen ja!“ konnte Tia ihre Fresse nicht halten.
-Prinzensyndrom?- zuckte das linke Auge nun von Julian verärgert auf, hatte sie gerade wirklich gesagt das er ein Prinzensyndrom hat? Schrie sein Ego wütend
„Soll ich dir jetzt dafür die Knochen brechen oder lieber später?“ fragte er klanglos und Tias Gedanken assoziierten das passende kalte Gesicht hinzu, mit den gefährlich gesenkten Augenliedern.
„Okay tut mir leid, wäre dir Prinzessinsyndrom lieber?“ musste Tia jedoch noch einen drauf setzen, wodurch Julian ganz der Geduldfaden riss und er hinter der Trennwand hervor schnellte und ebenso große überraschte Augen machen musste wie Tia.
Diese Augen, dieses Gesicht? Sprang sein Augenmerk zu dem hellen Haar rüber und dann wieder zu diesem unglaublich schönem Gesicht, genauso wie er es noch immer in seinen Erinnerungen sehen konnte und schuld daran war, das er sich bis her nicht verlieben konnte.
„Du kennst meinen Bruder, oder?!“ fragte Julian, ohne es wirklich gefragt haben zu wollen und realisierte erst beim Aussprechen was er dort gesagt hatte.
„Müsste ich nicht erst einmal wissen wer du bist, bevor ich dir sagen kann ob ich deinen Bruder kenne?“ legte sie den Kopf schief, noch immer mit ihrer provokanten Art. Julian zog tief Luft in die Lunge
„Glaub ja nicht das dein hübsches Gesicht dich retten würde!“ ging er zu Tia runter, die mit dem Rücken gegen die abgeschlossene Tür lehnte und ihn nervös nun anstarrte, weil er direkt vor ihr in die Hocke gegangen war.
“Was ist? Jetzt doch nicht mehr so mutig?“ kam er ihr mit dem Gesicht noch ein Stück näher, Worauf Tia plötzlich zu seiner Überraschtheit jedoch zu grinsen begann und mit dem Gesicht so weit nach vorne ging, das er ihren Atem beim Reden schon auf seinen Lippen wahr nehmen konnte
„Der Lehrer hinter die scheint nicht gerade begeistert zu schauen!“ flüsterte sie leise, worauf Julian sich unwillkürlich umdrehen musste und im selben Moment von ihr zurück gestoßen wurde und nur noch in der Lage war ihr nach zu sehen wie sie die Stufen wieder hoch rannte und im nächsten Moment aus seinem Sichtfeld verschwunden war.
„Gibt’s doch nicht!“ musste Julian grinsen, hatte sie ihn doch tatsächlich verarscht gehabt! Stand er auf, mit einem amüsanten Grinsen auf den Lippen, was allerdings auch deutlich sprach das die Angelegenheit sich damit noch nicht gegessen hatte für ihn.
Doch eins das müsste er noch vorher erledigen, seinen Bruder fragen ob dieses Mädchen von früher eine kleine Schwester oder derartiges hatte! Denn sie selbst hatte er nach diesem Tag nie wieder gesehen und als er drei Jahre später ihn einmal auf sie ansprach, Schlussendlich glaubte das sein Aussehen und seine erwachsene Art den Altersunterschied weg machen würde, war das einzige was sein Bruder ihm mitteilte, das sie nicht mehr in dieser Welt verweilte. Worauf er annahm das sie gestorben sei! Er konnte ja nicht wissen das Dimitrie legendlich eine andere Wirklichkeit gemeint hatte. Dennoch hatte diese Aussage Julian enorm zu quälen begannen, den er konnte nicht abstreiten das er es nicht schaffte sie zu vergessen und das obwohl er sie nur einmal gesehen hatte. Und nun war da dieses Mädchen, grinste sein Verstand, während der Zorn in ihm sich schon ausmalte ihr das heim zu zahlen.

„Es scheint als ob du dir direkt am ersten Tag gleich einen Feind gemacht hast was!“ verwundet über die Stimme, die Tia dies amüsiert entgegen geworfen hatte, drehte die junge Dame sich vor der Tür zum Gebäude um
„Midian?“ runzelte sie die Stirn, während die grünen großen Augen den jungen Mann unbeholfen ansahen. Ein grauer Anzug und eine Farblose Nickelbrille, dazu noch der schwarze Aktenkoffer in seiner Hand, hoben sich ihre Augenbrauen.
„Du bist Lehrer hier?!“ wollte es nur sehr schwer über ihre Lippen. Auch wenn Midian das Oberhaupt der Racheengel war und den Kräften der anderen über weiten voraus war, besaß er allerdings nur anteilig die Charakteristischen Eigenschaften eines Anführers, er war ihrer Meinung nach dazu viel zu arrogant und unbekümmert in seiner Haltung. Midian konnte zwar wenn es sein musste wirklich ernst und ziemlich Angsteinflößend werden, aber ebenso wie dies, war er auch jemand der immer dieses neckische Grinsen trug und Tia wenn sie die Möglichkeit ergab, gerne durch Zweideutigkeit in Verlegenheit brachte.
Tia wollte gerade die Tür aufdrücken als ihr Blick sich mit dem eines anderen kreuzte und der Moment auf grausamer Weise für den Augenblick still zu stehen schien. Entsetzt sah Dimitrie die junge Dame an, im Blick vollkommen erstarrt, während Midian die Tür für Tia aufdrückte und signalisierend sie aufhielt, bis diese sich wieder fing und durch ging. Ihr Herz hatte innerlich für den Moment als sie diese stechend blauen Augen sah, fürchterlich angefangen zu schreien. Auch wenn es nur ein Augenblick war in dem dieses Gefühl diese blauen Augen zu kennen in Tia dies auszulösen vermochte, hatte es einen bitteren Beigeschmack hinter lassen, mit dem sie nun neben Midian auf den Lehrer vor sich zu ging.
„Guten Tag Herr Larenz!“ nickte Midian als Geschichtslehrer dem jungen Mann zu.
„Dies ist Tia Feals, sie geht ab heute in eure Klasse, die anderen Schüler hat sie schon alle kennen gelernt!“ erklärte Midian, wobei ein Grinsen seine Lippen zierte und den Gedanken frei setzte das die sich gerade entwickelnde Situation noch sehr interessant werden könnte.
„Tia Feals?“ echote Dimitrie den Namen unwirklich, als ob er sagen wollen würde das es anders heißen sollte, nicht Feals, sondern Williems und das sie überhaupt nicht seine Schülerin sein dürfte. Doch von alle dem kam nichts über seine Lippen.
„Ja!“ antwortete Tia lächelnd, wobei sich ihre Gesichtsmuskulatur anfühlte als ob sie vollkommen verspannt sei, dieses viel zu schwere Lächeln nicht tragen wollen würde.
„Ab hier überlasse ich dir die junge Dame dann Mal! Man sieht sich Tia!“ zwinkerte Midian der Schülerin noch zu, bevor er seinen Weg weiter ging. Im Wissen das es Dimitrie stutzig gemacht haben wird, den Midian war ebenso wie Dimitrie ein beliebtes Ziel der Schülerinnen um der Erfahrung sich in eine Autoritäts Person zu verlieben zu durchleben. Dimitrie selbst hielt aus diesem Grund immer den erforderlichen Abstand zu den jungen Dingern. Midian hingegen ließ sich die unaufhörlichen Versuche dieser jungen Dinger immer mit einem Lächeln gefallen, ohne aus der Passivität jedoch heraus zu treten. Was in diesem Fall bei Tia anders gewesen war. Dieses Augenzwinkern, wie er mit ihr sprach, aber Dimitrie konnte ja auch nicht wissen das er immer mit Tia so umging. Schon vom ersten Tag an, als sie sich unter seinen Fittichen wieder fand, hatte er spaß dran gefunden sie an der Nase herum zu führen, oder in Panik zu versetzen, so wie er es mit der Schneide seiner Sense zu jener Zeit vor ihrem Gesicht getan hatte.
„Kann das sein das ihr euch privat kennt?“ fragte Dimitrie sie, während die beiden den Flur zur Treppe hin entlang gingen.
„Mehr oder weniger!“ antwortete Tia wahrheitsgemäß. Sie kannte ihn schon, doch ihn einzuschätzen das wusste sie nicht.

„Wie lange willst du noch dort im verborgenem bleiben?“ drückte Midian die Tür vom Lehrerzimmer wieder zurück ins Schloss, wo außer ihm kein anderer Lehrer in diesem Moment anwesend war.
„Was für ein Spiel spielst du da?“ trat Filice aus dem Todesschein heraus, mit dem für ihn normalen Ausdruck im Gesicht, der trotz des Vorwurfes keinerlei Emotionen besaß, weder Sorge noch Wut oder sonst irrgendein rationales Gefühl.
Grinsend seufzte Midian, das helle Blau seiner Augen belustigt auf Filice gerichtet. Wo nun zwei ebenwürdige Gegner voreinander standen und jeweils ihren Grund hinter dem Interesse an Tia besaßen und ohne es zu wissen, vielleicht nicht einmal so unterschiedlich indem sind.
„Worauf willst du hinaus?“ setzte Midian sich auf die Oberfläche einer der aneinander  gestellten Tische, die zusammen einen großen ergaben.
„Wieso diese Schule?“
„Warum nicht?“ hielt Midian trocken gegen
„Ich warne dich Midian, vergesse ja nie dass ich dich im Auge behalte!“ verschwand Filice wieder, womit seine Gegenwart für Midian nicht mehr spürbar war und das Grinsen sich in eine böse Mine wandelte.
Er wusste ganz genau das Tia und Dimitrie ein Schicksal mit einander verbunden hatte, indessen Filice alles dran gesetzt hatte um diesen Fluch zu brechen und erstaunlicherweise sogar geschafft hatte.
Doch ebenso wusste er das die Liebe zwischen den beiden noch nicht endgültig gestorben war und das ihr Herz so lange es nicht erst endgültig von ihm gebrochen wurde, nicht frei sein würde und genau dies war der Grund wieso er sie auf diese Schule orderte. Er wollte dass sie mit dem konfrontiert werden würde, was er wusste um sie danach von ihrer Vergangenheit komplett zu befreien.
„Oh Herr Till!“ öffnete sich die Tür, womit eine junge Lehrerin das Lehrerzimmer betrat, ein sanftes Lächeln um die Mundwinkel, indessen Gesicht grüne Augen eine ebenso große Sanftheit ausstrahlten wie dieses Lächeln in sich trug.
„Guten Morgen Frau Larenz!“

Dimitries Herz fühlte sich immer mehr an als ob es innerlich verbrennen würde, um schlussendlich nichts weiter als Asche zu hinterlassen. Immer wieder richteten sich seine Augen aus dem Augenwinkel auf die junge Dame. Diese großen Augen, das helle Haar und dieses unvergleichbar schöne Gesicht. So lange hatte es ihn verfolgt, so lange hatte er von ihren Augen, von den Momenten in dem er ihr sich auf erzwungen hatte geträumt. Die Begebenheiten verändert und versucht eine andere Realität zu erträumen. Doch egal wie lange er auch wartete, wie sehr sein Herz sich auch nach ihr gesehnt hatte. Musste er mit der Zeit einsehen das er sie nie wieder sehen würde und die Tatsache Begreifen das er für sie nicht mehr in ihren Erinnerungen existierte. Und nun war sie dort neben ihn! Lief mit diesem unecht wirkendem Lächeln neben ihm die Stufen der Treppe zu seinem Klassenzimmer hoch und sein Herz wusste ganz genau das sie es auch wirklich war! Dass es sie direkt erkannt hatte.

„Findet sie!“ senkten sich Julians Augenlieder gefährlich, als Zeichen das er kein „Aber“ duldete, dem die anderen gehorsam sich ergaben.
„Vielleicht ist sie neu hier! Und weiß überhaupt nicht mit wem sie es da zu tun hatte!“
„Interessiert mich nicht!“ schnitt Julian dem Schüler mit der Brille das Wort vernichtend ab. Dem Debian kein weiteres Wort hinzufügen wollte. Der Schüler wusste dass er trotz der Position seiner Freundschaft ebenso vorsichtig seinem Tempa und vor allem seiner Wut gegenüber agieren musste, wie die anderen es taten.
Eigentlich war Debian immer so etwas wie ein Außenseiter gewesen, gehänselt und verprügelt worden, selbst das Pausengeld wurde ihm immer abgenommen. Doch wie der Zufall es wollte, war Julian damals zu jener Zeit, wo er sich dem Aquasee weiterhin zu bestaunen verweigert hatte, dem damaligen vierzehn jährigen Jungen über den Weg gelaufen, als drei größere ihm gerade eine ihrer sogenannten Lektionen erteilen wollten. Julian der an diesem Tag sowieso schon gereizt genug gewesen war, hatte es als willkommene Gelegenheit gesehen etwas Frust abzubauen. Nie würde Debian dieses Bild vergessen, wie der burschikose Junge einen von ihnen mit in den Hosentaschen verstauten Händen gegen den Rücken nach vorne trat und fragte ob er mit machen darf. Niemand von ihnen, nicht einmal Debian selbst, hatte zu diesen Zeitpunkt gedacht das hinter diesem burschikosem Äußeren sich ein Monster verbergen würde, doch genau das mussten die drei Schläger aus Debians Kindheit am eigenen Leibe realisieren. Von diesem Tag an wollte Debian seine Schuld bei ihm ausgleichen, lief ihm nach, versuchte ihm zu helfen. Egal wie oft er ihm auch versucht hatte begreiflich zu machen das er es nicht tat um ihn zu helfen, sondern um seinen Frust abzubauen, lief Debian ihm weiterhin nach, was jedoch damals niemand von den beiden gewusst hatte war, dass dies der Anfang einer wirklich guten Freundschaft war, die später einmal für Julian sehr viel Bedeutung haben sollte.

Gebannt sah Tia zum Fenster hinaus, Regen der sich auf alles nieder ließ und ein Bild von Trostlosigkeit in ihr bildete. Die junge Dame wusste nicht was genau es war, doch wenn sie den Regen so ruhig wie in diesem Moment beobachte, war es als ob er tief verborgene Erinnerungen in ihr wach rufen würde, dieses tief paralysierende Geräusch von fallenden Regen ihr versuchte etwas zu erzählen, die Sinne vernebelte und Tia an und Mal meinte etwas in dem Schwarzen Loch ihrer Erinnerungen aus der Versenkung aufblitzen zu sehen. Einen Moment, es war als ob sie dort jemanden schlafen sehen würde, aber anders als dies, stiller und leerer. Dann dieses Gefühl von Sehnsucht, das Bild verdeutlichte sich etwas mehr, die erinnerte sich daran wie sie mit dem Gesicht seinem Näher kam, spürte wie ihr Herz wild klopfte. Doch bevor der Moment noch wirklich an Klarheit gewinnen konnte, zerfiel er wieder, wie Sand zwischen ihren Fingern,
„Tia!“ stupste die Brünette neben ihr die Schülerin vorsichtig mit dem Ellenbogen an, doch als diese irritiert deswegen sich ihr zuwenden wollte, dabei ihr Blick jedoch an dem Lehrer vorne hängen blieb, konnte sie nur noch vor den süffisanten Grinsen von Dimitrie resignieren, der sie direkt als Belohnung fürs nicht aufpassen vor die Tür schickte.
„Hallo!“ musste Tia sich zwingen nicht verzweifelt die Augen weit auf zu schlagen als eine Lehrerin aus dem schräg gegenüber liegendem Lehrerzimmer heraus kam und ein starker Hilferuf aus dessen Herz sie erreichte.
Die Hilfeschreie der Menschen waren von unterschiedlicher Präsenz, einige waren wie ein schweres Wimmern, andere wie ein zittriges hilfesuchen, aber einige waren wie ein zerrender Angstschrei und der dieser Lehrerin war ein Angstschrei der wie ein hohes Echo noch immer in Tias Ohren nachklang.
„Endschuldigen sie die Frage, aber könnte ich einmal ihre Uhr sehen?“
„Meine Uhr?“ blieb die Frau stehen und sah Tia mit ihren grünen Augen überrascht wegen der Frage an, lächelte dann allerdings und ging auf sie zu.
Behutsam legte Tia ihre Finger auf den Arm der Frau, die mit einem sanften Lächeln die Bluse an dem Arm wo die Uhr sich befand ein Stückchen hoch gezogen hatte.
Das was sich zwischen den beiden in nur Inhalt weniger Zufrieden lächelte Midian, mit dem Blick auf die beiden, worauf er in die andere Richtung weiter ging.
„Schöne Uhr danke!“ versuchte Tia unter diesen Umständen zu lächeln, innerlich vollkommen geschockt.
„Kein Problem!“ nickte die Lehrerin und ging den Korridor weiter entlang, worauf im nächsten Moment die Tür hinter Tia sich wieder öffnete
„Du kannst wieder rein kommen!“ grinste Dimitrie autoritär, dem Tia ohne was drauf gesagt zu haben, nach kam.

"Ehm.." sah die dunkelhaarige dessen Haare kurz unter den Ohren endete, Tia verschüchtert an, als diese sich gerade erhoben hatte und ebenfalls wie die anderen nun das Klassenzimmer verlassen wollte. Den ersten Tag ansatzweise heil überstanden hatte und nun dem Hilfeschrei nachgehen wollte. Allerdings ihre Sitznachbarin nun fragend entgegen blickte.
"Ich wollte noch in die Eisdiele und ich...!" suchte Natascha nach Worten, sie wollte sie fragen ob sie mit möchte, den Anfang einer Freundschaft kreieren. Nur war Natascha schon immer ziemlich schüchtern, was es ihr in diesen Moment nicht gerade leicht machte.
Lieb lächelte Tia sie an und legte den Kopf schief, darauf wartend dass sie weiter spricht, mit einer Ahnung worauf es hinausgehen sollte.
"M-möchtest du mit kommen?" sprach sie es mit Schnelligkeit aus, die Augen dabei wie ein Kind was hofft es so hinter sich zu haben, zu gekniffen, öffnete sie diese wieder und sah Tia nun fragend an.
Eigentlich wollte Tia nein sagen, dieser Hilfeschrei klang noch wie ein Piepsen in ihren Ohren nach und würde erst verschwinden wenn sie das Leid beendet hätte. Doch konnte sie diesem verschüchtert hoffenden Blick kein Nein entgegen tragen.
"Okay!" presste sie deswegen die Lippen zu einem Lächeln zusammen und verließ mit der Brünette zusammen die Klasse.

Noch immer angefressen lief Julian mit einem dem entsprechenden Ausdruck in seiner Mimik neben Debian durch die Stadt. Wohingegen der hagere junge Mann mit der Brille ein zufriedenes Grinsen trug. Auch wenn er es eigentlich schon gewohnt sein müsste, das Julians Gegenwart entweder die Blicke auf sich zog, oder andere einen großen Bogen um sie herum ziehen, war es dennoch immer wieder eine innerliche Show von Belustigung dem gegenüber, ging sein Blick aus dem Augenwinkel zu Julian herüber, dessen expressive Mimik immer dunkler zu werden erschien.
"Du scheinst wirklich noch immer extrem wütend zu sein!" war der Klang von Debians Stimme lethargisch, als ob er wissen würde das alles gut gemeinte Ablenken dem bezüglich aussichtslos sei.
"Niemand wagt es mit mir so zu reden! Zu sagen dass ich ein Prinzessinsyndrom in meinem Kopf habe!" sprach er tonlos. Die Augen innerlich lachend etwas rausgedrückt, hätte Debian sich bei der Bezeichnung Prinzessinsyndrom fast verschluckt gehabt. Die Neugier wer diese kleine war, wurde innerlich immer stabiler. Sein scharfzynischer Verstand assoziierte dem jemanden zu, der entweder keine Ahnung hatte was sie mit ihren Mundwerk sich selber dort einbrockte, oder aus irgendwelchen Gründen wirklich keine Angst vor ihm zu besitzen schien. Welche Variante schien wahrscheinlicher? Sah er das Blau des Himmels an, was klar seine Farbintensität besaß.
"Julian, deine renommierte Stellung, dein Angsteinflößendes Temper und vor allem die Tatsache das sie all das weiß und trotzdem so gegen dich agierte, lässt die Frage aufstellen, warum sie sich das traute, meinst du nicht auch? Falls sie wissen sollte wer du bist!"
"Auf was willst du hinaus?" blieb Julian stehen und sah ihn skeptisch an.

-Oh Gott- wurden Tias Augen groß, als sie an Natascha vorbei zum Stattmitte Brunnen sah und einige Schritte weiter einen jungen Mann mit Brille und direkt daneben Julian!!!. Die Speisekarte vor dem Gesicht aufgeschlagen, den Kopf weit nach unten geduckt, sah Natascha die junge Dame verwirrt an
"Alles in Ordnung?" legte sie behutsam die Finger auf die eingeschweißte Bedruckung von Eisspezialitäten und drückte sie etwas nach unten.
"Ach nichts, da ist nur jemand mit dem ich mich angelegt hatte und ich möchte nicht unbedingt das er die Atmosphäre hier kaputt macht!" lachte sie unbekümmert. Was in den Moment Julian und Debian unwillkürlich zu ihnen rüber sehen ließ, gleichzeitig wie Natascha sich deswegen ihren Blick gefolgt auch umdrehte und mit kalkigen Blick Julian erblickte, welcher zusammen mit Debian zu den beiden verdutzt rüber sah. Ein Moment in denen alle vier sich ansahen, Natascha panisch, Debian deswegen misstrauisch und Julian skeptisch weil er außer der hoch gehaltenen Speisekarte nichts anderes als das blasse Gesicht von der Brünette sehen konnte.
"Ich glaube du machst ihr Angst!" grinste Debian, Julian zuckte mit den Schultern und ging wieder weiter, dem Debian sich anschloss.
Die Schultern erleichtert wieder von ihrer Steifheit befreit ließ Tia die Speisekarte ein Stück weit runter gehen und luckte prüfend den beiden hinterher.
"Sag nicht du hast dich mit Julian angelegt!" war Nataschas Stimme kaum noch fähig sich zu halten, viel zu dünn und hoch gesprochen. Tia verzog die Mundwinkel zu einem infantil bestätigenden Grinsen, was in seiner Intensität kaum unwirklicher mehr hätte sein können.
"Vielleicht ein bisschen?" zeigte sie eine Eventualität mit den Fingern, indem sie den Zeigefinger fast schon auf den Daum gedrückt hoch hielt, als Zeichen von einer Mengenangabe, in wie fern sie sich vielleicht mit ihm angelegt haben könnte. Nur das in Wahrheit der Ausmaß dem nicht gerade nah kam.
"Wie konntest du dich nur mit dem anlegen? Mit jeden, aber doch nicht mit Julian!" zitterte Nataschas Stimme mitleidig.
"Ist er so schlimm?" hob sie demütig bei der Frage die Schultern an, Natascha ließ deprimiert den Kopf hängen
"Schlimmer als schlimm, er ist nicht nur der Schulkomittee Präsident, sondern auch der Gangleader dieser Schule!" versuchte sie zu erklären, was sich für Tia wie ein absurdes Bild von Lächerlichkeit anhörte, Gangleader! Sollten sie als nächstes hier auch noch mit Motorräder auftauchen?
"Tut mir wirklich Leid Tia, aber unter diesen Umständen kann ich nicht..."
"Schon gut, wirklich!" sah Tia der jungen Dame beim Aufstehen zu, auch wenn sie Natascha ansehen konnte wie leid es ihr tat, die Augen flehend um Entschuldigung baten, senkte Tia allerdings nur den Blick zur Seite weg und ließ zu das Natascha ging.
"Das wirst du mir büßen!" blitzten ihre Augen zornig auf, womit sie sich erhob und die Eisdiele zum ebenfalls verließ, den gleichen Weg eingeschlagen den auch Julian zusammen mit Debian zuvor gegangen war.

Wehmütig wurde das Herz von der Brünette immer schwerer, wieso war die Angst in ihr auch immer stärker als sie? Blieb sie stehen und sah zur Eisdiele zurück, wo Tia jedoch nicht mehr saß und senkten den Blick um mit diesem Schmerz in der Brust weiter zu gehen.

An einem kleinen Laden mit Krimskrams vorbei gegangen, griff Tia nach einem der Tennisbälle, ohne überhaupt hingesehen zu haben, unbemerkt für die Verkäuferin, welche sich drinnen gerade mit einem Mann amüsiert am unterhalten war.

"Na endlich blickst du nicht mehr wie ein wütender Bulle!" lachte Debian, als die Mimik sich während der Unterhaltung der beiden langsam wieder normalisierte.
"Meinst d..."
"DUUUUCKEEEEN!" schrie jedoch plötzlich eine Stimme ihm das Wort abschneidend, als er das Geräusch von durchbrechender Luft wahr nahm, doch dem entgegen sausenden Tennisball nicht mehr ausweichen konnte, der ihm direkt gegen den Kopf knallte.
Die Augenbrauen wütend ins Gesicht gezogen, drehte Julian sich ganz langsam um, mit einem Blick der tödliches Versprach, wo Tia mit dem Satz "Fangen ist wohl nicht so deine Stärke was!" sich lachend umdrehte und in die andere Richtung zurück rannte.
"Das gibt’s nicht!" wusste Julian nicht ob er lachen, oder durchrasten sollte, hatte dieses Gör ihm wirklich gerade einen Tennisball gegen den Kopf geworfen und war lachend weg gerannt? Schnellte er in dieselbe Richtung, auf der Suche nach genau diesem Göre, welche durch seine Perplexheit einen kleinen Vorsprung ergattern konnte, dem er allerdings wenn er sie erwischen sollte, den Hals umdrehen würde.
Lachend rannte Tia durch die Fußgängerzone in die kleine Verbindungsgasse zur anderen Seite rein, welche zum Stadtpark führte. Sie wusste das Julian schneller war als sie, viel schneller, doch diesen Makel wusste sie auszugleichen, in dem sie aus der Gasse heraus in den Park hinein rannte, nach hinten zu den vielen Bäumen, die ihr genügend Spielraum verschaffen würden.
"Glaubst du wirklich dich verstecken zu können?" schrie Julian sauer, er hatte sie fast eingeholt, wo er helles Haar zurück flattern sah und ein kurzes weißes Kleid, wo eine schwarze kurze Hose immer wieder an den Seiten hervor blitzte.
"Ich würde sagen, ja!" rannte Tia zwischen den ersten Bäumen hindurch, bog links um einen ab und versteckte sich hinter dem rechten.
"Willst du jetzt verstecken spielen?" hatte er die Bäume erreicht und lief mit langsamer Schrittweise an ihnen entlang, seine Augen akribisch nach hellem Haar suchen lassend. Er wusste das sie hier war und das er sie kriegen würde, wenn sie jetzt versuchen würde zurück zu rennen, die Spannweite der Verbindungsgasse zur Stadt war lang und er hatte beim hinterher rennen schon bemerkt das er schneller war, auch wenn sie flink zu sein schien, konnte sie seiner Schnelligkeit damit nicht entgegen wirken.
"Komm sofort raus, so lange ich noch freundlich bin!" dröhnte seine Stimme dunkel durch den kleinen angesetzten Park
"Seh ich so lebensmüde aus?" fragte Tia, während sie im Zickzack hinter den Bäumen um ihn herum rannte, so dass er ihre Stimme nicht ausmachen konnte und immer wenn er dachte sie gesehen zu haben, sie schon längst wieder wo anders war.
"Du bist wirklich lebensmüde oder?" horchte Julian den Geräuschen die sie machte, wenn sie über den Boden hinweg irgendwo entlang huschte.
"Hab ich dich!" schnellte er nach rechts und griff in einer hastig ausgeführten Bewegung nach ihrem Handgelenk
"Und jetzt?" standen sie sich vor einem Baum gegenüber, getrennt von seinem Stamm, wo er ihr rechtes Handgelenk fest hielt und sie sein linkes
"Willst du mich jetzt verarschen?" raunte er entrüstet, denn dadurch dass sie sein Handgelenk festhielt, konnte er sie nicht hinter dem Baum hervor ziehen, ohne dass sie sich legendlich dadurch im Kreis drehen würden
-Ringel rangel Rose- lachte sein Verstand höhnend
"Ich weiß nicht, lass du zuerst los, dann lass ich ebenfalls los!"
"Okay!" grinste Julian, ohne dass sie es sehen konnte, doch Tia wusste das er sich nicht einfach so darauf einlassen würde, ohne was vorzuhaben
"Na gut!", war ihr auch klar was es sein sollte, doch synchron wie er seine Finger von ihrem Handgelenk löste, zog sie ihre Hand um sein Handgelenk ebenfalls zurück, bevor er auch nur die Chance hatte nach genau dieser zu greifen.
"Okay, gut reagiert!" musste Julian zugeben, auch wenn er noch immer sehens wütend war, machte sie ihn auch neugierig.
"Was ist los? Hast du Angst vor mir?" provozierte er sie, Tia lachte amüsiert
"Natürlich, oder dachtest du, das ich nicht weiß mit wen ich mich da anlege?" lachte sie weiter
"Glaubst du wirklich dass du dich jetzt die ganze Zeit hier vor mir verstecken kannst?" setzte er einen Schritt nach rechts, so leise wie es ging
"Nein, nicht wirklich!" tat sie dasselbe in die andere Richtung und beugte sich so weit nach vorne, das Julian zu seiner Überraschung sie tatsächlich am Baumstamm hervor lucken sehen konnte.
"Ich würde sagen, lange kannst du dich nicht mehr verstecken!" grinste er, auch wenn ihr Anblick ihn noch immer irritierte, ließ er sich davon nichts ansehen, überspielt von seinem selbstsicheren Grinsen
"Ich habe gar nicht vor mich zu verstecken, ich mag fangen spielen viel lieber!" streckte sie ihm provokant die Zunge heraus und schnellte direkt nach hinten, als Julian sauer nach vorne sprang und nach ihr greifen wollte
"Dir ist klar das wenn ich dich erwische das dein letztes Stündlein geschlagen hat oder?" ging er um den Baum herum, während Tia schon hinter dem nächsten in Deckung ging, aber noch nicht ganz hinter stand, sondern ihn offen ansah.
"Du wiederholst dich aber ziemlich oft ne!" lachte sie höhnend.
"Ich sag es zum letzten Mal, komm raus so lange ich noch ansatzweise Freundlich bin!" wiederholte er seine Forderung warnend. Er hatte keine Lust sich weiter von ihr an der Nase herum führen zu lassen und ein Geduldsmensch war er noch nie gewesen.
"Wenn du schon so lieb drum bittest, komm ich natürlich raus!" spielte Tia ein sympathisierendes Gesicht vor, jedoch realisierte Julian im selben Moment, als er dachte sie würde nun resignieren, das sie legendlich im Zick Zack einen Bogen zwischen die Bäume an ihm vorbei gemacht hatte und über die Wiese auf die Verbindungsgasse zu, zurück rannte. Zuvor hatte Debian auch endlich die Verbindungsgasse von der Stadt zum Park hinter sich gelassen und sah wie dieses Mädchen plötzlich an Julian vorbei, auf ihn zu gerannt kam, währenddessen Julian lauthals schrie das er sie aufhalten solle. Und Debian wollte auch gerade nach rechts vor zucken, als Tias grinsendes Gesicht ihn allerdings für den Moment so konfus werden ließ, das er legendlich ins leere greifen konnte und verzweifelt sah wie sie die Verbindungsgasse erreicht hatte und ohne das einer von beiden es sah, mittig von dieser in den Todesschein überwechselte.
"Tut mir leid!" sah Debian seinen Freund durch die Gläser seiner Brille auf seine fragil wirkende Weise endschuldigend an. Eigentlich hatte der junge Mann mit der Brille eigentlich gedacht das Julian nun völlig aus der Haut fahren würde, zu mindestens laut zu schimpfen anfängt, oder irgendwo zornig vortreten würde, stattdessen sah er ihn allerdings mit einem -ist-okay- Blick an und nickte Wortlos, um nun ebenfalls die Gasse anzusteuern, dem sich Debian anschloss.
"Die Fäden desch Schicksalsch ziehen sisch wieder zusammen!" verschwand das farblose Reptil ohne dass jemand von ihnen Notiz von dem Tier genommen hatte, von den Ästen des Baumes in das Zwielicht.


„Bist du dir sicher?“ starrte Angelo das Bild mit dem Wasserfall über der Kommode, ohne was zu sehen, an, die Hand völlig um das Handy an seinem Ohr verkrampft.
Drei Jahre war es nur her, drei Jahre in denen Frau Williems fast schon daran zerbrochen war das ihre Tochter eines Tages einfach nicht mehr von der Universität zurück kam, in denen Angelo und Tiana der Tatsache ins Gesicht schauen mussten das sie eine sehr gute Freundin verloren hatten, die bei beiden von ihnen eine andere Bedeutung in dessen Herzen eingenommen hatte. Und nun sagte Dimitrie das sie wieder da sei?
„Ich schwöre, sie ist es wirklich!“
„Und sie ist nun eine deiner Schülerinnen?“ wollte diese Begebenheit noch immer nicht in Kopf des CEO des Wellesplaces, dem Hotel wo er sich zuvor immer weigerte die Nachfolge anzutreten, hinein zu gehen.
„Ja, sie hatte heute ihren ersten Tag auf dieser Schule!“ schloss Dimitrie beim reden für den Moment die Augen, während das Herz in ihm noch immer brannte. Als er seine Frau, die im Wohnzimmer auf der Couch eingeschlafen war, aufschreien hörte
„Ich melde mich später noch mal!“ drückte Dimitrie das Gespräch weg und hastete durch die Küchentür ins Wohnzimmer hinein, wo seine Frau weinend noch immer auf der Couch saß und beide Hände vor dem Gesicht hielt.
Wie erstarrt hob sich Tias Kopf ein Stück, ihr Herz schlug immer schneller
-Di…- wollte ein Name zurück an die Oberfläche gelangen, sie sah wieder dieses noch unklare Bild vor sich, wieder diesen Moment in dem sie sich jemanden vorsichtig näherte, spürte wie ihr Herz raste, dann die Erinnerung davon wie sich ihre Lippen auf seine setzten, der Name kehrte zurück „Dimitrie?“ wurde aus dem Bild ihrer Erinnerung ein anderes, wo sie nun Dimitrie sah wie er diese Frau beschützen in seine Arme schloss, während diese sich weinend an ihm krallte und ihr Gesicht in seinem Shirt vergrub, indessen eine Träne Tia über die Wange lief.
„Dein Wunsch nach Rache wurde erhört!“ trat Tia vom Todesschein in die Wirklichkeit  „Und wird nun Erfüllung gewehrt!“ hallte ihre Stimme durch den Raum und ließ die junge Frau mit nassen Augen aufsehen, im Wissen das dies an sie gerichtet war, das ihr Herz die Worte erreicht hatten.
„Tia?“ bewegten sich Dimitries Lippen, doch seine Stimme war viel zu schwach, wo der erstarrte Ausdruck in seinen Augen allerdings die Fassungslosigkeit des Momentes wiederspiegelte.
„Auge um Auge, Zahn um Zahn und die Hölle für das zugefügte Leid!“ verschwand Tia wieder ebenso ins Nichts, wie sie für die beiden aus dem Nichts gekommen war.
„Das war der Racheengel oder? Das war doch der Racheengel, bitte sag das es der Racheengel war!“ flehten Liaras Augen ihren Mann an, das er ihr sagen sollte das sie sich das gerade eben nicht eingebildet hatte, das es wirklich geschehen war und dieses Geschöpf nun wirklich Rache für sie nehmen würde. Denn sie hatte das Video damals in den Nachrichten ebenfalls gesehen und dieses Geschöpf nun an seinem schimmernden Licht wiedererkannt.
Wortlos nickte Dimitrie, war einfach nicht in der Lage etwas zu sagen, wurde von dem pochendem Schmerz in seiner Brust geblockt, der noch immer den Moment in dem sie vor drei Jahren verschwand, in der Gegenwart festhielt.
„Du hast es also nun herausgefunden?“ trat Filice neben Tia, dessen Gesicht von Tränen der Erinnerung benetzt war.
„Wahrscheinlich wäre es besser gewesen wenn du dich nie erinnert hättest!“ blickte Filice ebenso die beiden auf dieser Couch an, wo Dimitrie seine Frau Wortlos ansah
„Wieso habe ich mich wieder erinnert?“ war ihre eigene Stimme für Tia weit weg
„Weil Liebe sich niemals ganz auslöschen lässt, sondern nur ersetzen, Liebe kann nur durch Liebe ersetzt werden!“ verschwand Filice wieder, womit auch Tia sich nun endgültig diesem Bild entzog und die beiden wieder wirklich allein dort verweilten.

„Ja?“ meldete sich Tiana mürrisch, als ihr Handy ausgerechnet während ihres Dates zu klingeln anfangen musste
„Tiana, ich werde morgen nicht zu dem Meeting erscheinen können, du musst dann meinen Part übernehmen!“ erklang die Stimme ihres Bruders dringlich
„Warum denn das auf einmal?“ verzog die schöne dunkelhaarige das Gesicht, wobei es ihr in diesem Moment völlig egal wurde das sie in einem Restaurant, an einem Tisch für zwei mit Kerzenbeleuchtung saß und vor ihr dieser berauschend schöne Mann.
„Ich werde dir später alles erklären!“ würgte er das Gespräch ab und legte auf, denn hätte er seiner Schwester nun gesagt was er vorhatte, würde diese es sich nicht nehmen lassen mit zu kommen.
Auch wenn die Eltern von den beiden sehr viel Wert darauf gelegt hatten das sie wie normale Kinder aufwachsen, in einem normalen Familienhaus, ohne dem ganzen extra vakantem drum herum, war Tiana dennoch ein Charakter der es gewohnt war zu bekommen was sie wollte, so lange es nicht unbedingt um Dinge ging, die anderen Schaden zufügten. Und Angelo war sich nicht sicher wie die Begegnung zwischen ihm und Tia schon von statten gehen würde, wie würde es dann aussehen wenn er seine aufbrausende Schwester dabei hätte? Die sich wohlmöglich nicht einmal zurück halten könnte und anfängt aus dem Nähkästchen zu reden, oder Tia plötzlich aus dem Reflex heraus in die Arme schließen will.
Seufzend sah Angelo sein Handy an, als es zu klingen begann und der Name Tiana groß aufblinkte
„Ich kann ihr doch nicht sagen das Tia wieder da ist!“ lag in seinem Blick etwas Trauriges
„Wieso nicht?“, erschrocken wirbelte Angelo auf den Absetzten herum und blickte nun in genau das Gesicht von Tia hinein.
„Du erinnerst dich?“ sah er sie mit wenig Hoffnung dessen an, obwohl sie ja gerade vor ihm in seinem Büro stand.
Tia nickte, sie erinnerte sich wieder an alles, an alle sie und auch daran wie viel Vertrauen sie Angelo entgegen gebracht hatte. Leider auch daran das sie ihre damalige Mutter in dieser Wirklichkeit einfach so ohne ein Wort des Abschiedes verlassen hatte.
„Bist du wegen Dimitri…“
„Nein! Ich bin nicht wegen Dimitrie hier!“ setzte sie sich auf dem Lederstuhl vor dem wuchtigem Schreibtisch, vor dem Angelos stand.
„Ich verstehe gar nicht! Du bist wieder hier, in dieser Wirklichkeit und deine Erinnerungen scheinen auch nicht verschwunden zu sein!“ setzte nun auch Angelo sich hin, wieder völlig gelassen, doch seine Augen wirkten alles andere als dies.
„Ich hatte bis heute meine Erinnerungen einbüßen müssen! Doch gab es da etwas was dies änderte! Und ein Teil von mir wünscht sich wieder vergessen zu können!“ wurde ihr Lächeln traurig, die Augen senkten sich und das gedämmte Licht ließ den sowieso schon bedrückten Blick verzweifelt wirken.
„Du hast die beiden also zusammen gesehen, ja?“ wusste Angelo das es nur das eine sein konnte. Tia nickte, wobei sie mit aller Kraft gegen ihre Tränen ankämpfen musste. Sie hatte doch so sehr versucht gehabt sein Herz zu erreichen, doch wieso hatte diese Frau das geschafft was ihr verwehrt geblieben war? Fragten ihre Augen unausgesprochen.
„Tia weißt du…“ wollte Angelo gerade zu erklären anfangen, etwas erklären wofür es eigentlich keine wirklichen Worte gab um es wirklich auskleiden zu können.
„Angelo! Dimitries kleiner Bruder, wie hieß er noch mal?“ wechselte sie schnell das Thema, als ihr die Begegnung mit Julian wieder einfiel.
„Du meinst Julian? Um Gottes Willen Tia, geh ihm bloß aus dem Weg, seh ihn am besten nicht einmal schräg an, am besten gleich ganz den Kopf senken wenn du ihn irgendwo sehen solltest!“ überschlug Angelo sich fast in seiner Warnung, als ihm bewusst wurde auf wessen Schule Tia nun ging. Deprimiert zog diese die Mundwinkel auseinander, wie ein Kind was gerade gesagt bekommt was es nicht darf und genau dies schon längst getan hatte.
„Sag nicht ihr beiden seit euch schon auf die Füße getreten?“ wurde sein Gesicht aschbleich, was den ernst der Large nun auch für Tia endlich verdeutlichte, den Angelo wusste nicht einmal Dimitrie einzuschüchtern und Dimitrie war schon äußerst ungehalten was seine Aggressionen anging.
„So würde ich es jetzt nicht nennen, sagen wir es mal so!“ zeigte Tia bei dem bizarr schräg verzogenem Grinsen Zähne „Ich hatte ihn während seiner kleinen Peepshow gestört und er danach das fang mich spiel mit mir verloren, wo er mir androhte mich umzubringen wenn er mich erwischt!“, Angelos Gesicht wurde noch bleicher und das obwohl Tia eigentlich gedacht hätte noch kalkiger als das geradige würde nicht mehr gehen.
„Wechsel am besten einfach die Schule, das wird wahrscheinlich in diesem Fall sowieso das Beste sein, so musst du Dimitrie nicht mehr über den Weg laufen und bleibst am Leben!“ , Tia legte den Kopf schief, die Augenbrauen bis zum Anschlag hoch gezogen
„Du scheinst wohl vergessen zu haben was ich in Wirklichkeit bin! Meinst du das ein Racheengel Angst vor einem Schüler haben müsste?“ fragte Tia mit festem Ton. Ihr Argument war gut, doch die Argumente in Angelos Kopf auch, die selbst vor dem Wort Racheengel nicht resignieren wollten.
„Die Menschen dürfen nicht wissen was du wirklich bist, sehe ich das recht?“ fragte Angelo ernst
„Wie meinst du das?“ verstand Tia worauf er hinaus wollte
„Als das letzte Mal deine Identität aufflog, hast du diese Wirklichkeit verlassen und wie durch ein Wunder waren alle Bänder, jegliche Beweise für diesen Vorfall mit einen Mal wie gelöscht gewesen, wie ein Foto was sein Bild einbüßt!“ erklärte Angelo, wessen Fazit er selbst noch nicht wirklich schlüssig war. Tia seufzte, erhob sich aus dem Stuhl und sah in entwarnend an, mit diesem alles- ist- in- Ordnung- Lächeln, was sie Früher auch immer besessen hatte.
„Ich muss mich nun dringend um etwas kümmern, aber ich würde mich freuen wenn du mich mit Tiana besuchen kommen würdest. Meine Adresse sollte ja in dem Pc der Schule registriert sein!“ lachte Tia. Angelo wollte gerade etwas sagen, fragen was sie so wichtiges zu tun hätte, sie vom Gehen abhalten, als sein Handy wieder zu klingeln begann und Tia damit verschwand.
Schweren Herzens sah Angelo auf das Display und nahm das Gespräch entgegen.
„Sie war gerade hier, sie ist es wirklich… sie…“
„Ich weiß!“ unterbrach Angelo die Hektik von Dimitries Worten
„Wie du weißt?“ fragte er perplex
„Sie war gerade hier bei mir!“
„Soll das bedeuten das sie...“
„ja!“ unterbrach Angelo ihn wieder „Sie kann sich wieder an alles erinnern, auch an dich Dimitrie!“, konnte er die Schwere von Angelos Stimme in dem Satz raus hören, was Dimitrie eindeutig mitteilte das etwas nicht stimmte.
„Angelo?“ fragte er deswegen ernst, Angelo seufzte sarkastisch, was sollte er ihm nun sagen? Das Tias Herz zerbrach als sie die beiden gesehen haben musste? Dass sie mit diesem bitterlichen Ausdruck im Gesicht vor ihm gerade noch gesessen hatte? Nein das konnte Angelo ihm nicht sagen, den er wusste wie lange sein Herz an dem Verschwinden von Tia zu kauen hatte, wie schwerwiegend es für ihn gewesen war, die Gefühle die er für sie hatte sich endlich eingestehen zu müssen und dennoch zu begreifen das es nun zu spät dafür war.
„Sie hat sich so wie es aussieht mit deinem Bruder angelegt!“ log er, obwohl es nicht wirklich als Lüge angesehen werden konnte. Denn das bereitete ihn wirklich Kopfschmerzen, die mit starker Wucht anfingen gegen seine Schläfe zu randalieren.
„Bitte was hat sie?“ fragte Dimitrie entrüstet, in der Hoffnung sich doch vielleicht irgendwie verhört zu haben, doch die Stille am anderen Ende verriet das es nicht dem war.
Dimitrie überlegte kurz, die kaum noch vorhandene Starke seines Herzens fing an wild zu schlagen. Er dachte an die Situation im Aquasee damals, wie erschrocken Julian Tia als vierzehn Jähriger angesehen hatte und Jahre später nach ihr fragte. Dimitries Herz wollte für den Moment stehen bleiben, als er den Blick von damals in seinen Augen realisierte, dieser verlorene Schmerz der in ihnen schimmerte
„Er hatte sich in sie verliebt“ sprach er leise zu sich selbst
„Was?“ fragte Angelo irritiert, als er Dimitrie legendlich etwas ins Handy rein nuscheln hörte
„Er hatte sich in sie verliebt, damals, als er sie im Aquasee gesehen hatte, mein Bruder! Und als er mich ein paar Jahre später nach ihr fragte, musste ich ihm sagen das sie nicht mehr lebte!“
„Du willst damit sagen das Julian in die Tia von damals verliebt war und nun jemanden sah der für ihn nur so aussieht? Wieso um alles in der Welt reagiert er dann so auf sie?“ ergab es für Angelo wenig Sinn. Dimitrie begann zu lachen, ein schallendes Lachen, während sein Herz nicht zu brennen aufhören wollte.
„Mein Bruder will von der Liebe nichts wissen und wenn Tia ihn wie du sagtest auf den falschen Fuß erwischt hatte, wird diese Tatsache ihn nur noch viel aggressiver machen!“ erlosch das Lachen in seinem Ton
„So wie bei dir damals, als du nicht akzeptieren wolltest dich in sie verliebt zu haben? Die Tia von damals ist für ihn indirekt das was Kiara damals für dich war!“ ergänzte Angelo Dimitries Erklärung. Dimitrie schwieg, er brauchte es nicht zu bestätigen, beide wussten dass es so war.

In einer kaum bemerkbaren Bewegung ließ Tia sich von der Krone des Baumes nach vorne fallen, Windloser Fall dessen Trostlosigkeit alles in fortwährende Stille hielt. Der Todesschein war etwas was Tia selbst nach diesen drei Jahren noch immer ein Schauer über den Rücken jagen konnte und es mit ihren Erinnerungen nun ebenso noch konnte.
Leichtfüßig wie eine Feder setzte sie einen Fuß nach dem anderen auf den Vorsprung der Fensterbank. Das Licht des Vollmondes schien auch im Zwielicht mit niederzwingenden Intensität durch die Dunkelheit der Nacht. Mit schwerem Gefühl sah Tia durch das verdreckte Fenster hindurch. Ein riesiger Raum wo auf jeder Seite zwölf Betten standen, auf den ersten Blick ein ganz normales Schlafzimmer in einem Waisenhauses, wo die Mädchen ruhig, beinahe schon unbewegt auf den schmalen Matratzen lagen. Doch wenn man genauer hinsah und mit demselben Wissen bestückt war was Tia besaß, zerfiel der friedliche Schein des Truges und offenbarte ein erschreckend grausames Bild. Die Kinder, dessen Alter von drei bis achtzehn Jahren variierten, lagen nicht ruhig, sondern starr vor Angst in ihren Betten, die Augen bei jedem Geräusch Angstvoll zugedrückt, konnte man nun schwerfällige Schritte der Tür näher kommen hören. Schritte dessen Geräusche Dimitries Frau in ihren Alpträumen noch verfolgten.
Zitternd drang das Geräusch des Schlüssels, wie er im Schloss umgedreht wurde an den Ohren dieser Kinder. Wimmern, leises Schlurzen, Tias Herz verkrampfte sich, womit sie nun langsam durch das Glas hindurch glitt und auf den Teppichlosen Boden auftrat.
„Los beeil dich!“ knurrte eine dunkle Frauenstimme, als die Tür sich aufschob und das Licht vom Flur seinen Spalt durch die Dunkelheit des Zimmers zog.
„Kehr!!! Hört auf zu heulen!“ grölte ein groß gewachsener Mann genervt durchs Zimmer, während er mit seinen Stiefeln an den ersten Betten vorbei ging.
„Du!“ blieb er vor eines stehen, wobei das kleine Mädchen Angstschreiend aus dem Bett sprang und in das nächste zu einem anderen Mädchen rein rannte.
„Herkommen, los!“ verzog er das Gesicht zu einer ungeduldigen Fratze.
„Bitte, sie ist doch erst vier Jahre alt!“ sah das etwas ältere Weisenmädchen, in dessen Bett sie geflüchtet war den Mann ernst an.
„Wenn du willst, kannst auch gerne du ihren Platz einnehmen!“ seufzte Dirian genervt, grinste das Mädchen allerdings unheilvoll an. Dirian hasste diese Quälgeister, ihr Gewimmer und Geheule, doch egal wie viele er auch abführte, es kamen immer wieder neue hinzu.
Mit wutentflamten Augen trat Tia aus dem Zwielicht heraus, als der Mann gerade das kleine Mädchen am Arm packen wollte um aus diesem Bett heraus zu ziehen.
„Eurer Wunsch nach Rache wurde erhört!“ hallte ihre Stimme mit tiefen Echo durch den Raum
„Was zum Teufel bist denn du?“ wusste Dirian nicht ob er nun lachen oder manisch werden sollte.
„Und Erfüllung gewehrt!“ umgriff sie einen Stab der nun für alle sichtbar wurde und anstatt den normalen Sand in der Uhr schwarzen Schlamm drin hatte, der wie dickflüssiges Wasser langsam durch die kleine Öffnung herunter glitt (Je nach Unreinheit des Herzens konnte es dunkler und zähflüssiger werden, oder feiner und heller, wenn das Herz enorm rein war)
Midian wollte gerade anfangen zu lachen, als seine Sicht plötzlich aus einer anderen Position sich auf diese Lichtgestallt gerichtet hatte, von viel weiter unten her, wurden seine Augen ausdrucksstark.
„Was ist hier los?“ fragte seine Kinderstimme verstört, als ein Schatten seine Hand grob um seinen Arm legte und ihn den Weg zu Tür aus dem Zimmer wieder raus zerrte.
„Ein Junge?“ sah die korpulente Frau mit dem strengen Zopf und den kleinen Augen den Schatten, der für sie in diesen Moment Dirian darstellte verwirrt an. Stimmlos gab der Schatten Antwort, ohne auch nur eine einzige Silbe benutzt zu haben.
„Dann wird der Rotzlöffel sich wahrscheinlich heimlich hingeschlichen haben, geschieht ihn recht!“ sah sie den kleinen Jungen, der eigentlich Dirian war, Mitleidlos in ihrem Grinsen an. Für die korpulente Frau waren es alles nur irrelevante Existenzen, sie kamen und gingen, ein unaufhörlicher Kreislauf, Namenlose Gesichter, dessen oftmals verzweifelte Blicke ihr zu Stein gewordenes Herz nicht erreichen konnten. Wenn es nach ihr gehen würde, würde sie alle Kinder gleichzeitig in den großen Äscheroffen im Keller rein stopfen und dabei anteilnahmslos den erklingenden Todesschreien zu hören, ohne dass sie auch nur ein einziges Mal dabei ihr Gesicht verziehen würde.
„Peatre, ich bin es… Peatre!“ schrie Dirian laut, doch Peatre grinste nur weiter, drehte sich um und ging den schmalen Flur mit seinen kaputten Holzfenstern entlang, Ohne auch nur eines seiner Worte gehört zu haben.
Dirians Herz schlug vor lauter Angst bis zum Hals, er wusste was die Kinder dort immer erwartete, wohin der schmale Kellergang nach der Treppe folgte, was sich hinter der verschlossenen Tür befand, die nun von einem weiteren Mann, dessen Gesicht mit einem weißen Mundschutz besetzt war, geöffnet wurde.
„Legt es dort hinten auf der Liege hin!“ ging der Mann von der Tür weg „Und vergesst nicht die Schnallen fest zu ziehen, nicht so wie beim letzten Mal, ich will nicht wieder so eine Sauerei haben!“ rief der Arzt, der eigentlich Schmerz lindern sollte und nun zufügte, dem Schatten und der korpulenten Frau zu.
„Lass mich los! Ich bin keines dieser Weisenkinder, lasst mich los!“ schrie Dirian, doch das unberührte Gesicht der dicken Frau reagierte nicht, zog nur schnell die Lederschnallen zu und trat einen Schritt von dem Metallisch zurück.
„Na dann lasst uns mal!“ zog der Mann mit dem Mundschutz sich die Gummihandschuhe über und warf prüfend einen Blick auf den Schiebewagen neben sich.
„Auge um Auge!“
„Was?“ wich der Arzt erschrocken ein Schritt zurück, als neben dem Metalltisch plötzlich ein zweiter erschien.
„Zahn um Zahn!“ und ein dritter, wo ihren Augen nun ebenfalls die Position der Sicht einen anderen Blickwinkel zeigten.
„Und die Hölle für das zugefügte leid!“ erschien die Lichtgestallt womit das Glas der Sanduhr auf den Boden zerbrach, zwei weitere Schatten die beiden nun zu Kindergewordenen auf die für sie vorgesehenen Liegen zerrten und ebenso wie die korpulente vorher, ihr Schatten die Schnallen fest zog.
„Nein, Nein, was ist hier los?“ schrie der Arzt, als sein Schatten Stimmlos anfing zu lachen, ein irres und laut erklingendes Lachen und mit dem Skalpell auf ihn zuging.

Überrascht sah die Polizistin das Telefon an, als es sein klingendes Geräusch erklingen ließ und schon eine Kinderstimme von der andere Seite anfing hysterisch los zu reden, bevor sie auch nur wirklich was hätte sagen könnte.
„Immer mit der Ruhe, was ist denn los?“ versuchte sie das Mädchen zu beruhigen.
„Der Racheengel hat uns gerettet und gesagt dass wir sie anrufen sollen und sagen sollen dass wir Schutzlos und unbeaufsichtigt sind!“
„Was?“ wurde der Gesichtsausdruck der Frau konfus.


"Was ist los?" sah Joschua seine Kollegin unschlüssig ihrem verwirrten Ausdruck gegen über an. Rella war eigentlich nie jemand der direkt rationale Emotionen im Gesicht trug, ehr im Gegenteil, sie war sehr gefasst und professionell auf ihrem Gebiet. Eine wirklich gute Polizistin, wo der Detektiv sie nun mit seinen fragenden Blick abwartend ansah, bis diese sich erst einmal sammeln konnte, bzw. das in diesem Gespräch gesagte zusammen sammeln konnte.
"Das eben war ein Anruf aus dem Waisenhaus, unten an der Ecke zur Bröckenerscheid!"
"Du meinst das übergangsheim, wo von die meisten Kinder entweder direkt weiter vermitteln werden, oder anderen Waisenhäusern übergeben?" wusste Joschua auch direkt welches sie meinte. Es war das Waisenhaus mit den höchsten Quoten an Vermittlungen, meisten ins Ausland oder legendlich etwas weiter entfernt liegende Regionen. Rella nickte, wobei ihre Augen hinter den Gläsern der Brille fiebrig blitzten, verstört und unsicher.
"Was genau würde während dem Anruf gesagt?" versuchte Joschua Herr der Lage zu bleiben und sich nichts seiner Unsicherheit ihrem Blick gegenüber anmerken zu lassen.
"Der Anruf war von einem der Weisenkinder, sie sagte das der Racheengel sie damit beauftragte uns zu benachrichtigen, das die Aufseher, das alle dort verschwunden sind und sie sich allein überlassen Hilfe brauchen!" hetzte Rellas Herz, sie war nicht mehr die jüngste, kein Jungspund ohne Erfahrung, sondern jemand der aus der Stimme eines Anrufer sehr wohl schon heraus hören konnte, was nun absurd war und was Wahrheitsgemäß! Und die Stimme dieser Kleinen Klang bitter, beinahe schon hysterisch in Angst getrieben, obwohl auch ein Schwall von Erleichterung raus hörbar gewesen war.
"Wir sollten uns das ganze Mal ansehen!" sprach Dimitrie ruhig, doch sein Blick war nun ebenso fiebrig wie der ihre, denn beide hatten noch zu gut in Erinnerung was vor drei Jahren sich hier zugetragen hatte und das der Begriff Racheengel absolut nicht belächelt, oder gar weg gelächelt werden sollte.
Wo es den Detektiv später noch grausig durch die Knochen gehen sollte, wenn sie das Waisenhaus nach den führenden Leitpersonen durchsuchen und unten im Keller auf der einen Abzweigung ein unvorstellbar grausames Szenario ihnen mit der Sicht der Operationsgegenständen und Liegen klar wird, wo sich auf der anderen Seite ein alte großer Offen befand, indessen Asche noch unzählige Kinderknochen aufzufinden waren.


Noch herrschte in der Schule fast unbehelllichte Stille, in der die Lehrer langsam anfingen sich für den Tag aufzurappeln und die ersten Schüler so langsam nach und nach eintrudelten.
Gelangweilt griff Julian in das lange Haar der Brünette, während er sein Becken weiterhin in schnellen Bewegungen gegen sie drückte und sich mit der anderen Hand am Geländer der Treppen abstützte, wo ihre fest aufeinander gepressten Lippen kein einzigen Ton von sich gaben. Ihre Hände sich um das Geländer verkrampften, während Julian sie auf dem kleinen Verbindungsweg zwischen den beiden Treppen von hinten, die vorige Peepshow zu Ende führte. Doch diesmal schien es für ihn nicht wirklich den gleichen Reiz wie sonst zu besitzen. Weder die Tatsache dass sich nach der Treppe unter ihnen der Weg zur Mensa ebnete, noch ihr Perfekter Körper. Er wollte sie auch gerade von sich weg stoßen, als er plötzlich Schritte unten hörte und sein Blick zum Fenster hin, wo die morgendliche Dunkelheit die Scheiben wie ein Spiegel wirken ließen, ihm zeigten um wen es sich dabei handelte.
Die Brünette vom Geländer weg gezerrt, drückte er sie mit dem Oberkörper in Richtung der letzten Treppe, wo er seine Bewegungen mit mehr Krafteinsatz ausführte, während er ihren Oberkörper an rechen Arm oben hielt, das die Schülerin sich das leise aufstöhnen nicht mehr verkneifen konnte. Was Tia in diesem Moment irritiert zu den Treppen hoch sehen ließ und mit entsetzten mit jedem weiteren Schritt erkennen musste, das es sich dabei um Julian handelte der gerade! Erstarrte ihr Blick, als sie die Brünette vor ihm sah, dessen Körper vibrierend immer wieder nach vorne gestoßen wurde, während sein Blick mit gesenkten Augenliedern in ihre Augen ging, ohne das seine Lippen sich auch nur ein Stück auseinander bewegten.
„Wie es aussieht hast du wirklich eine Vorliebe fürs Spannern was!“ ließ Julian den Arm der Brünette los, womit er sie von sich weg drückte.
Ebenfalls den Blick verstört auf Tia gerichtet, knöpfte die Schülerin schnell ihre Bluse wieder zu und rannte die Stufen runter, an Tia vorbei, indessen sie ihr willkürlich die Schulter gegen ihre Linke Seite rammte.
„Was? Willst du etwa ihren Platz einnehmen?“ steckte Julian unberührt von ihren noch immer entsetzten Blick die Hände in die Hosentaschen.
„Du tust mir echt leid!“ änderte sich jedoch nur Tias Blick, Sauer verengten sich Julians Augen, womit er einen Schritt auf die erste Stufe zu machte, wo nun die anderen Schüler auch langsam das Gebäude betraten.
„Du willst doch wohl nicht wieder rennen oder?!“ bemerkte Julian bei seinem nächsten Schritt das Tia langsam zurück wich.
„Du hörst die anderen oder? Keiner von ihnen lässt zu das du mir entwischt!“ wurde sein Gesicht unheilvoll im Grinsen. Und Tia wusste das seine Worte nicht leer waren. Das Julian nicht nur der Tyrann dieser Schule war, der nichtsdestotrotz von den Schülerinnen hier angehimmelt und von den Schülern respektiert wurde, nein er war zu allem Überfluss auch noch der Präsident der Schülerschaft, konnte es noch schlimmer werden?
„Wie ich sagte, du tust mir echt leid!“ wiederholte Tia ihren Satz fest, die Augen sicher in die seine gerichtet
„Ich tu dir also leid, ja?“ lachte er kurz böse auf, bevor er die nächste Stufe runter ging.
„Ja! Nimmst dir was du willst, wenn und wann auch immer du willst, doch ändert es nichts daran das du ein Herz aus Stein hast!“ setzte Tia einen Schritt zurück, als ihr klar wurde das er die letzte Stufe fast erreicht hatte und sah wie grimmig seine Gesichtszüge sich plötzlich verzogen. Doch im nächsten Moment als sie schon dachte er würde nun auf sie zu rennen und sie auch schon los rennen wollte, vernahm sie plötzlich Dimitries Stimme, welche sie unwillkürlich vollkommen stramm stehen ließ.
„Was ist hier los?“ sah dieser seinen Bruder ernst an.
Genervt zischte Julian zwischen seine Zähne hervor und ging die letzten drei Stufen der Treppe herunter „So ein Glück wirst du nicht immer haben!“ flüsterte er Tia noch beim Vorbeigehen zu, bevor er die Hand abwinkend anhob und an der Mensa vorbei aus dem Sichtfeld der beiden verschwunden war.
„Ich weiß dass du es bist und auch das du dich an mich erinnerst!“ sprach Dimitrie ohne Tia dabei anzusehen.
Tia schwieg und lief einfach weiter, doch hatte sie dabei Dimitries unzerlegbares Temperament vergessen, der sie kurzerhand am Arm zurück, mit um die Ecke den Gang hinein zog.
„Du kannst nach all dem was gewesen ist, nicht einfach so tun als ob wir uns nicht kennen würden!“ knirschte er böse mit den Zähnen, während er mit finsteren Blick vor ihr stand. Mit dem Rücken gegen die Tür sah Tia ihn gleichgültig an, ihr Herz verdammte ihn für das was er ihr angetan hatte, doch ihre Augen blickte in bloß Gefühlskalt an.
„Julian ist wirklich gefährlich!“ zischte Dimitrie zornig
„Dimitrie was willst du von mir?“ überging Tia jedoch seine warnenden Worte
„Was soll die Frage jetzt?“ sah er sie ernst an
„Wieso sorgt es dich ob Julian für mich gefährlich werden kann oder nicht?“ blieb ihr Tonfall ebenso gleichgültig wie es ihr Blick war. Sauer drückte Dimitrie sie an den Schultern gegen die Tür, in diesem Moment war es nicht der Lehrer Dimitrie der vor ihr stand, sondern der Student Dimitrie von früher, dessen ungehaltene Art sich gegen sich sie richtete.
„Wieso?“ hauchte er aggressiv, wobei er ihr mit dem Gesicht unbemerkt immer näher kam und erschrocken die Augenbrauen anhob als er bemerkte das seine Lippen fast ihre schon berührten und wenn sein Verstand in diesem Moment Liara nicht wieder in seinen Erinnerungen wach gerufen hätte, dem war Dimitrie sich sicher, hätte er dem Moment nach gegeben und sie wirklich geküsst. Doch stattdessen ließ er nur von ihr, hob distanziert den Kopf etwas an und sagte „Der Unterricht fängt gleich an, du solltest in die Klasse gehen!“ war es nun wieder der Lehrer Dimitrie der vor Tia stand, an dem die junge Dame ohne noch etwas gesagt zu haben, oder ihn auch nur einmal noch angesehen zu haben, vorbei ging. Doch ihr Herz weinte in diesem Moment bitterliche Tränen, das Herz was die Zeit, das Gefühl von damals noch immer nicht vergessen konnte.
„Morgen Herr Larenz!“ kam im selben Moment Midian den Flur entlang und lächelte den Lehrer begrüßend zu. Anstatt Nickelbrille diesmal einen weißen Kittel an. Midian war auf dieser Schule neben Geschichtslehrer auch der Arzt der Krankenstation, wo Aria ebenfalls als Schwester arbeitete.
„Guten Morgen Herr Till!“ sah Dimitrie ihn prüfend an, ob er auch wirklich nichts von dem geradigen Vorfall mitbekommen hatte. Doch sein freundliches Lächeln war entwarnend genug, womit Dimitrie zufrieden ebenfalls nun seinen Weg weiter fort führte, ohne die Wandlung von Midians Gesicht gesehen zu haben. Dort wo zuvor noch das freundliche Lächeln lag, war das Gesicht nun Wutverzerrt, er hatte die gesamte Situation genau mitbeobachten können und zwar aus dem Todesschein heraus. Doch Midian war nicht dumm genug um rational zu handeln, nicht wenn es seinem anvisierten Ziel schaden würde. Zog er die Brille aus der Kitteltasche und setzte sie auf, um sich mit einem freundlichen Lächeln umzudrehen, als ein paar Schülerinnen mit überspitzter Freundlichkeit schon seinen Namen gerufen hatten.

Sauer stand die Brünette in dem Türrahmen zu ihrer Klasse, das zornige Blitzen in ihren Augen gegen den Boden gerichtet.
„Klara?“ kam eine Blondine mit kurzen Locken auf die Brünette zu, die kurz über den Schultern endeten.
Aggressiv schloss Klara die Augen, der einzige Grund wieso sie schlussendlich in die Klasse gegangen war, lag nicht daran das die ganze Situation ihr unangenehm war, sondern weil sie Dimitrie hatte kommen sehen, als sie die letzte Stufe runter gegangen war. Auch wenn der Tod ihrer Schwester nun schon so lange zurück lag und sie nun auch nicht mehr das kleine unschuldige Mädchen von früher war, spielte Dimitrie noch immer eine große Rolle in ihrem Leben. Nicht nur weil er der Bruder von Julian war, sondern weil er all die Zeit, wo sie nicht über den Tod ihrer Schwester hinweg kam, für sie da gewesen war. Was ein Teil in ihr überaus erleichtert darüber sein ließ, das dieses Mädchen die beiden unterbrochen hatte, sonst hätte er sie vielleicht noch dabei erwischt! Doch änderte es nicht an der Tatsache dass Julian ihretwegen sie so behandelt hatte, sie wie wertlosen Abfall von sich weg gestoßen hatte. Aber das würde diese Schlampe ihr noch büßen, schrien ihre Augen deutlich, mit denen sie nun Tinka ansah, die Blondine die sie die ganze Zeit besorgt anblickte weil sie den bitter bösen Blick an ihr nicht verstand. Tinka war nun seit fast zwei Jahren schon ihre beste Freundin und hatte mit bekommen wie sehr Klara um den Platz an Julians Seite kämpfen musste, es gehörte schon mehr als nur ein gutes Aussehen oder Julians Interesse dazu. Denn es bedeutete auch sich bei den anderen durchzusetzen, bei all jenen die ihren Platz haben wollten, oder sie nicht in dieser Position akzeptierten. Doch Klara hatte genug Haare auf den Zähnen und ebenfalls genug die unter ihr standen, ob aus Angst oder Freundschaft, es spielte keine Rolle, das einzige was zählte war, das sie sich zu behaupten wusste und nun stand sie mit diesem bösen Blick vor ihr und das obwohl Tinka genau wusste das sie gerade noch bei Julian gewesen war. Der zerknickerte Rock und der fehlende Knopf oben an der Bluse selbst schon erschließen ließ was genau die beiden getrieben haben mussten.
Klara wusste das ihre Position an Julians Seite aus nicht mehr als für ihn belanglosen Sex resultierte und das Julian sie jede Zeit gegen eine andere wieder austauschen könnte, oder gar noch mit anderen nebenher was haben, was wiederrum bis her nie der Fall war. Julian tauschte legendlich immer eine gegen die andere. Doch sie hatte ihr ganzes Herzblut mit hinein gesteckt gehabt und würde sich den Platz nicht so schnell streitig machen lassen. Denn es lag nicht nur allein an Julian, ob er nun an einer anderen Interesse hatte, sondern auch ob die Jenige die diese Position momentan auskleidet zu lässt das die andere sich dafür anbietet oder sie genug abzuschrecken weiß und das wusste Julian!


Es belächelnd kam Aria mit ihrer roten Mähne auf Midian zu, als dieser sich endlich von den Schülerinnen los reißen konnte und die Krankenstation betrat.
„Du hast da eine kranke Patienten!“ wies sie Kopfnickend auf das belegte Bett mit den zugezogenen Vorhängen drum herum, die an jedem der sechs Liegen wieder zu finden waren, schwere weiße vorhänge die den kranken Schülern ihre Privatsphäre und vor allem ihre Ruhe geben sollten.
Unbekümmert dem gegenüber zog der Schularzt den Vorhang etwas zu Seite und sah die Schülerin mit dem dunkel gefärbten Haaren lächelnd an
„Was fehlt die den Elenor?“
„Ich weiß nicht, aber mir tut der Magen irgendwie ziemlich schmerzen!“ sah die Schülerin Midian aus dunklen Augen verführerisch und doch krank spielend an.
Aria hingegen hatte sich in das Hinterzimmer verzogen, so wie sie es immer tat, wenn sie nicht gebraucht wurde, wo sie eigentlich auch nur dann anwesend war, wenn der Schulatzt Geschichtsunterricht geben musste, was genau zwei Mal die Woche vorkam und das gleich bei dem ganzen zehnten Jahrgang, eine Klasse nach der anderen.
„Dann lass uns mal sehen!“ ging Midian auf sie zu und bat sie etwas ihre Oberteil hoch zu ziehen, wo die junge Dame natürlich mit Absicht es soweit hochzog das man den Ansatz ihres BHs sehen konnte, der nicht ohne Grund aus nicht mehr als einem durchsichtigem dunklen Stoff bestand.
Midian ließen solche Anspielungen jedoch völlig kalt, es allerdings trotzdem äußerst amüsant immer wieder andeutungsmäßig mitspielte, nur um sie schlussendlich ins Leere laufen zu lassen.
„Tut es hier weh?“ drückte er mit den zeige und Mittelfinger zusammen auf eine Stelle ihres Bauches. Die dunkelhaarige Schülerin schüttelte mit dem Kopf, wobei sie ihre Augen fixierend in die seine hielt.
„Wie sieht es hier aus?“ fuhr er etwas weiter höher, wobei er die Gänsehaut auf ihren Körper und die Nervosität in ihren Augen sehen konnte, aber auch die Begierdige Hoffnung.
Wieder schüttelte die Schülerin mit dem Kopf und als sie schon dachte dass er nun noch etwas weiter höher gehen würde, zog er seine Hand zurück und lächelte sie an
„Ich denke mal dass es vielleicht eine harmlose Magenverstimmung sein könnte, aber nichts ernstes, ein wenig Ruhe, dann dürfte es dir wieder besser gehen!“ trat er wieder aus dem umschlossenen Raum der Liege heraus und zog den Vorhang zu.
„Wie du das nur aushältst!“ grinste Aria, als Midian das Hinterzimmer betrat
„Man darf es einfach nicht so ernst nehmen!“ nahm er die Brille ab, wobei die Jugendlichkeit seines Gesichtes wieder zum Vorschein kam und die provokanten Augen im Licht der weißen Beleuchtung glänzten.
„Du denkst an die kleine oder?“ legte Aria den Kopf schief, wobei die rote Mähne über ihre Schulter nach vorne fiel. Auch für sie gab es mal eine lange Zeit wo sie starke Gefühle für ihn hegte. Doch mit den Jahren diese fest weg zu schließen gelernt hatte, bis sie irgendwann verblassten. Denn das Herz konnte sie sich selber auch ganz gut brechen, dafür brauchte sie kein Gefühlslosen Bastard wie es Midian einer war. Umso unwirklicher erschien sein Interesse an Tia. Das erste Mal wo es ihr auffiel, war wo sie noch nicht die Augen aufgeschlagen hatte und im Schlaf des Vergessens lag. Wie er dort vor ihr gestanden hatte, mit der Hand zärtlich über ihr Gesicht fuhr. Es wirkte wie ein Mann der eine Frau gerade geheiratet hatte, ohne zu wissen wie sie aussah und überrascht mit zärtlichen Gefühlen feststellen musste wie wunderschön sie doch war.
Für den Moment hatte es das alte Ego in Aria angegriffen, doch mit dem Blick auf dieses Gesicht, diese unschuldige Gestalt, war dieses Gefühl schnell wieder verschwunden. Denn was darauf kam war Mitleid, Midian war zwar ebenso unglaublich schön und bis her hatte noch nie Eine sein Herz geschafft gehabt einzufangen. Doch andersherum wusste Aria wiederum wie Midian sein konnte wenn er was haben wollte, dann heiligte der Zweck die Mittel und er konnte ebenso unbekümmert und burschikos wie er war, auch grausam und gnadenlos werden. Etwas was Tia allerdings noch nicht wissen konnte! Sah sie das Oberhaupt der Racheengel mit gemischten Gefühlen an. Weil ein andere Teil in ihr sich nicht vorstellen konnte, dass wenn er es erst wirklich in Erwägung ziehen würde, das Tia ebenso wie all die anderen Schülerinnen seinen Scham wiederstehen können wird.

Mit leeren Augen sah Tia während des Unterrichts zum Fenster hinaus. Die morgendliche Dunkelheit klärte langsam auf und das Gezwitscher von Vögeln durchbrach die Stille in ihrem Kopf, wo mit ihren Erinnerungen auch die Sehnsucht nach der anderen Wirklichkeit zurück kehrte, nach dem Blumenmeer, den Seelenwälder und der nie endenden Nacht.
Doch als Racheengel war sie gezwungen in der Welt der Menschen zu leben. Versteckt unter ihnen, wie ein Zigeuner der nach ner Zeit immer wieder seine Zelte abreißen musste, um weiter zu wandern. Damals hätte sie alles dafür gegeben um in dieser Wirklichkeit bleiben zu können. Doch nun? Es gab keinen Grund mehr der sie hier halten konnte, das einzige was zurück geblieben war, war der schreiende Schmerz in ihrem Herzen, was einsehen musste ihn verloren zu haben, ging ihr Blick zu Dimitrie hin, der den Unterricht mit einem Lächeln führte und die Sympathie der Klasse bei sich wusste.
Doch auch Dimitries Augen mussten sich immer wieder unwillkürlich auf die junge Dame richtet. Letzte Nacht hatte er von der Situation geträumt gehabt wo sie ihm auf dieser Dachplattform geküsst hatte und als er dann durch das herein kommen seine Frau wach wurde, diese plötzlich anfing ihn zärtlich zu küssen, war es nicht sie, die er in dieser Nacht vor sich sah, nicht Liaras grünen Augen, oder honigblonden Haare, sondern die großen grünen Augen von Tia und dieses makellose helle Gesicht. Wofür er sich später schämte und schuld dran war, das er seine Frau danach nicht wirklich ins Gesicht blicken konnte. Die das erste Mal ohne Angst vor Alpträume eingeschlafen war, weil sie wusste das dieser Racheengel sie und all die anderen Kinder aus dem Waisenhaus gerächt hatte, dieses Monster aufgehalten hatte. Doch wie würde sie denken wenn sie gewusst hätte, das wo er mit ihr schlief, das er genau diese hatte vor sich gesehen, aber nicht als Racheengel, nicht als dieses unbeschreiblich schöne Geschöpf, was doch unverkennbar Tia gewesen war, sondern mit der jungen Frau Tia, dessen großen grünen Augen ihn so oft entsetzt oder böse angefunkelt hatten und nun seine Schülerin war. Was würde sie sagen, wenn sie wissen würde dass eben genau sie nun dort in seiner Klasse saß? Richtete sein Blick sich auf die Schülerin, welche schon wieder zum Fenster raus sah und ungewollt mit einem kurzen Blick in seine Richtung die Erinnerung an letzte Nacht wieder wach rief und ihn demütig weg sehen ließ.

Grinsend sah die dunkelhaarige Schülerin den Schularzt an, als Aria die Schule und damit auch die Krankenstation wieder verlassen hatte. Denn was Aria nicht wissen konnte war, das Midian an und Mal eines dieser jungen Dinger doch näher als sie dachte an sich ran ließ.
„Du könntest schon etwas zärtlicher beim nächsten Mal sein!“ drehte die Schülerin den Drehstuhl auf dem der Schularzt vor dem Schreibtisch links von der Liege saß, zu sich. Grinsend sah Midian sie an, ihr Schlafzimmerblick und die Tatsache dass sie sich schon auf seinen Schoss gesetzt hatte, zeigte nur zu genau was sie wollte und er ihr auch geben würde.


Als der Gong zur Mittagspause ertönte und alle Schüler soweit die Klasse schon verlassen hatten, wollte Dimitrie Tia erst dran hindern, zuckte auch schon mit der Hand etwas nach vorne, ließ sie dann aber doch ohne was gesagt zu haben, aus der Kasse heraus gehen. Mit dem Endschluss es ab hier und jetzt auf sich beruhen zu lassen. Denn wenn er sich von ihr nicht distanzieren würde, wüsste Dimitrie nicht wo dies enden sollte, die letzte Nacht hatte ihm nur zu deutlich gezeigt gehabt auf was es aus seiner Warte hinaus laufen würde. Und das konnte er weder ihr noch seiner Frau antun.
„Sie?“, sah Tia beim aus der Klasse raus gehen plötzlich einen dickeren Schüler mit einem anderen reden, während er auf sie zeigte, wo die Gesichter der anderen vier sich ebenfalls zu ihr hin richteten, als der gefragte Schüler zu nickte und schnell zu sah das er weiter kam.
„Du bist also die neue Schülerin, ja?“ kam der dicke auf sie, mit einem süffisantem grinsen zu, was seine dicken Lippen wie Fahrradschläuche auseinander zog, dem die anderen vier mit ebenfalls belächelnden Mienen folgten.
Unberührt sah Tia den dicken an und hob fragend die Augenbrauen
„Unser Schulpräsident möchte das wir dich zu ihm bringen!“ antwortete er auf ihre Wortlos gestellte Frage. Kurz an ihm vorbei gesehen, wusste Tia das sie nur eine Möglichkeit hatte aus dieser Situation heraus zu kommen und diese bedeutete zurück in die Klasse zu Dimitrie zu gehen, was für sie allerdings noch weniger verlockend erschien als denen nun zu folgen.
„Los komm!“ griff der dicke grob nach ihrem Arm und zerrte sie hinter sich her, wo die anderen folgten.

Sardonisch die Mundwinkel hoch gezogen saß Klara auf dem Schreibtisch vor dem Dimitrie saß und drei weitere Schüler neben standen, als der dicke Tia unsanft in den Kellerraum hinein beförderte.
„So sieht man sich wieder, was?“ schwang ein belustigter Ton in Julians Stimme mit, worauf Tia böse funkelnd aufschaute.
„Ich denke Mal sie wirst du sicherlich kennen, oder? Und ich glaube du solltest dich erst einmal bei ihr endschuldigen!“ wies Julian auf Klara, die deswegen über beide Augen strahlte, doch wurde Tias Gesichtsausdruck nur völlig erschrocken, wo sie die junge Dame nun im Licht richtig sah und ihr Gesicht erblickte
„Kiara?“ bewegten sich Tias Lippen unwillkürlich, während ihre Augen ihr die junge Dame von damals in diesem Gesicht wiederzeigten
„Was?“ weiteten sich Klaras Augen, aber auch Julian sah sie erschrocken an, dies war ein Name den sie überhaupt nicht kennen konnte, nicht kennen durfte! Starrte er sie entsetzt an.
„Was hast du gerade gesagt?“ fragte Julian mit gefährlich geneigtem Blick, Tia schwieg, sah nur weiterhin das Gesicht von Klara an. Ihr Herz drückte sich zusammen, dieses Mädchen sah wirklich genauso aus wie das Mädchen was Dimitrie damals so sehr geliebt hatte, gegen die sie nicht ankämpfen konnte, das selbe Gesicht was den Schmerz in ihrem Herzen all die Zeit damals verfolgt hatte.
„Du wurdest was gefragt!“ stieß der dicke Tia unsanft gegen den Rücken nach vorne, was Tia torkelnd zwei Schritte gehen ließ und demütig die Augen zu wütenden Schlitzen verziehen.
„Woher kennst du diesen Namen?“ fragte nun Klara mit zittriger Stimme, wieder antwortete Tia nicht
„DU SOLLST SAGEN WOHER DU IHN KENNST!“ schrie Julian ungehalten, doch auch darauf antwortete Tia nichts, zuckte nur erschrocken zusammen. Sauer zog Julian scharf Luft in die Lunge und verschränkte die Hände unter seinem Kin ineinander, die Ellenbogen auf dem Tisch vor sich abgestützt
„Du willst also nicht reden ja?“ kehrte die amüsierte Stimme wieder zurück, welche diesmal aber eine eindeutige Warnung mit sich schwingen ließ, eine Warnung davor auf die Gelassenheit herein zu fallen die seine Person nun umgab.
„Alle raus!“ sprach er plötzlich ruhig, ohne Ton
„Was?“ sah Klara ihn verwirrt an
„Ihr sollt alle raus!“ senkten sich seine Augenlieder warnend, wo nun auch der dicke ihn perplex ansah
„RAUS SOFORT!“ schoss Julian darauf schreiend hoch, worauf alle auf zugigen Weg den Raum und damit den Keller verließen
„Du nicht!“ hielt er jedoch Tia vom Gehen ab, die ihn nun erschrocken ansah. Julian jedoch grinste, ging um den Tisch herum, an ihr vorbei und drückte die Tür zu, drehte den Schlüssel im Schloss um und zog ihn heraus, um ihn danach in seiner Hosentasche zu verstauen. Mit panischen Augen hatte Tia es mit angesehen und wich direkt zurück als er wieder auf sie zu, aber legendlich an ihr vorbei, sich auf den Tisch setzte.
„So jetzt denke ich Mal, dass wir uns ungestört unterhalten können, meinst du nicht auch?“ verschwand der Zorn in seinen Augen wieder, wo er sie nun mit starker Überlegenheit ansah. Verbissen war Tia ohne sich zu bewegen dort stehen geblieben und sah ihn ernst an. Auch wenn sie Panik hatte, ließ sie sich davon nichts anmerken.
Sie war ein Racheengel, hatte es mit Mördern, Vergewaltigern, dem schlimmsten Abschaum dieser Welt zu tun, da würde sie doch vor einem Julian keine Angst haben, auch wenn sie ihr wahres Ich nicht zeigen durfte.
„Also woher kennst du diesen Namen? Und stell dich jetzt nicht auf dumm!“ fragte er noch mal, nur diesmal ausgelassener.
„Wieso interessiert es dich?“ setzte Tia ihr ich-habe-keine-Angst-vor-dir-Blick auf, Julian atmete tief ein und wieder aus, glitt von der Oberfläche des Tisches runter und ging an Tia vorbei
„Ich habe gefragt WOHER?“ drückte er sie plötzlich im nächsten Moment, mit der Hand im Nacken, herunter. Mit dem Oberkörper geneigt schlug Tias Herz vor Wut wild gegen die Brust, so stark das es sie wirklich viel Kraft kostete nicht ins Zwielicht überzutreten und ihn mit zu ziehen.
„Ich kannte sie!“ gab sie stattdessen die Wahrheit als Antwort und war nun gezwungen ihr agieren gut zu durchdenken und eine Lüge in die Wahrheit einzuflechten. Ihr Glück war nur das sie zu jener Zeit viel jünger als eine Studentin aussehen würde, aussah, eben wie jetzt auch.
Überrascht ließ Julian wieder von ihr und sah sie auffordernd das sie reden sollte an.
Mit viel Abstand zwischen sich und Julian blitzte sie ihn zornig an. Julian hingegen blickte weiterhin auffordernd in ihre Augen.
„Du meinst doch die damalige Freundin deines Bruder oder?“ zogen sich ihre Mundwinkel ansatzweise nach oben, doch grinsen tat sie nicht wirklich, der Blick blieb ernst.
„Du kanntest sie also, ja!“ setzte Julian sich wieder auf den Tisch
„Ebenso wie wir uns schon einmal über den Weg gelaufen sind, nicht war Julian!“, entrüstet hob er die Augenbrauen, vollkommen entsetz
„Wir sind uns schon Mal begegnet?“ fragte er mit tiefer Stimme, die gefährlich gereizt klang
„Ich sag mal so, ich erinnere mich noch sehr gut daran wie du meintest dich derzeit mit mir anlegen zu wollen!“ verriet sie es mit Absicht nicht, womit sie allerdings sein schnell außer sich geratendes Temperament vergaß, was Dimitrie ebenso an sich besaß, den im nächsten Moment war er schon vom Tisch wieder runter gesprungen und hatte mit enormer Schnelligkeit den Abstand zwischen sich und ihr dezimiert gehabt, wo sie erschrocken nur noch fähig war mit großen Augen in seine zu blicken, als er sie schon unsanft gegen die Wand gedrückt hatte.
„WO HABEN WIR UNS SCHON MAL GESEHEN?“ schrie er herrschend, stur sah Tia ihn böse an
„Wenn du willst gleich in der Hölle!“ trotzte sie
„Was hast du gesagt?“ neigte er den Kopf
„Jetzt auch noch schwerhörig?“ konnte sie ihr eigenes Temperament nicht mehr zurück halten.
„Du scheinst echt mutig zu sein, was?“ höhnte er „Aber den Ernst der Lage noch immer nicht zu sehen, was!“ kam er ihr mit dem Gesicht noch näher, gefährlich nah! Ihr Herz fing an zu rasen, sie wurde nervös, sein Atmen auf ihren Lippen stockte ihrer
„Was? Hast du nun plötzlich doch Angst vor mir!“ strich er mit seiner Wange an ihrer vorbei und flüsterte es ihr ins Ohr rein
„Genau so wenig wie du mir damals Angst machtest, machst du es nun, nur weil du jetzt größer als ich bist!“ blieb sie stur in ihrer Trotzigkeit, auch wenn sie wusste das er gerade am längeren Hebel saß
„Glaubst du dass mein Bruder dir helfen kann?“ ging er mit dem Gesicht wieder etwas von ihrem zurück und sah sie süffisant an
„Ich brauch die Hilfe deines Bruder nicht!“ raunte Tia angefressen, Julian lachte
„Du brauchst also keine Hilfe, ja?“ lachte er weiter, als er mit einem Mal seine Lippen fest auf ihre drückte und Tias Augen riesen Groß in die seine starrte, welche geöffnet sie ebenso ansahen.
„Jetzt zitterst du ja sogar schon, ich denke ich mache dir keine Angst!“ sah er sie wieder belächelnd an. Tia schaffte es nicht etwas zu sagen, zu geschockt war sie in diesem Moment von diesem Kuss gewesen, noch nie zuvor hatte sie jemand anderes als Dimitrie geküsst gehabt, ihre Beine fühlten sich weich an und ihr Herz raste, während eine unglaubliche Wut sich anfing in ihr hoch zu ziehen.
„Also, wo haben wir uns gesehen?“ wiederholte er die Frage erneut
„In der Hölle!“ fauchte sie leise, Julian lachte erneut auf und drückte ihr wieder seine Lippen auf die ihre und leckte sich genüsslich mit der Zunge über seine Oberlippe als er sie wieder provokant ansah
„Bei der nächsten falschen Antwort küsse ich dich richtig!“ hatte Julian ihren Schwachpunkt erkannt.
„Wieso interessiert es dich?“ fragte sie vorsichtig und wollte schon mit den Kopf zur Seite weg drehen, als Julian allerdings nur seufzte
„Weil es mich neugierig gemacht hat?“ log er „Antworte!“ drückte er sie wieder richtig gegen die Wand
„Aquasea!“ knurrte sie schlussendlich, wo sie allerdings für den Moment dachte einen Ausdruck von blankem Schock in seinem Gesicht gesehen zu haben, bevor er wieder zu grinsen anfing
„Im Auqsea also ja? Und in wie fern soll ich mich da mit dir angelegt haben?“ sah sein Verstand es als lüge an, den sein Bruder hatte ihm doch gesagt gehabt, das sie diese Welt verlassen hatte!
„Sagen wir es Mal so, ich würde jetzt genau so wenig ein Foto von dir haben wollen wie zu jener Zeit!“ bestätigte sie allerdings die Wahrheit damit hinter ihren Worten
„Ich dachte damals du wärst ungefähr in dem Alter meines Bruders!“ sprach er konfus, ohne nachgedacht zu haben seine Gedanken aus. Dies war nun der Moment wo sie die Lüge mit einflechten musste.
„Warum?“ sah sie ihn giftig an
„Weil mein Bruder für gewöhnlich nicht mit Kindern verkehrte!“ lachte er sie aus, im Glauben das sie wegen ihm da war, ohne zu wissen wie viel Wahrheit sich in diesem Gedanke versteckt hielt.
„Ich war ja auch nicht wegen deinem Bruder da, sondern weil ich mit meiner Cousine da war! Zu deiner Information, diese wären Tiana und Angelo!“ war die Lüge nun völlig ausgebaut gewesen, welche sie später schnellstmöglich stützen müsste.
Die grauen Augen mit tiefen Schatten bezogen, wurde Julian wieder wütend. Drei Jahre, er hatte sie drei Jahre nicht vergessen können und nun stellte sich raus das sein Bruder ihn angelogen hatte? Dem kam noch hinzu das sie in seinem alter gewesen war, überhaupt nicht älter gewesen war? Das er hätte schon viel ehr nach ihr fragen können?
„Hast du einen Freund?“
„Na das geht dich doch wohl mal wirklich nichts an!“ fauchte sie empört, Julias Augen verfinsterten sich noch mehr, womit seine Hände sich unsanft gegen ihre Oberarme drückten und Tia den Kopf schmerzvoll senkte.
„Ich frage dich noch mal, hast du einen Freund?“ bebte seine Stimme vor geladener Wut
„DAS GEHT DICH NICHTS A…“, schnitt er ihr das Wort mit seinen Lippen am, wobei sie sich bewegend die ihre unsanft auseinander drückten und Tia im nächsten Moment seine Zunge sich zwischen ihre Lippen gedrängt spürte.
Aber auch für Julian war es eine neue Erfahrung, noch nie zuvor hatte er eine zum Küssen zwingen müssen und nun tat er es, während er seine Zunge immer wieder erneut durch ihre Lippen hindurch drängte, zwingend und grob.
„Gewöhn dich schon Mal dran!“ ließ er schwer atmend von ihr, wobei Tia am ganzen Körper zitternd mit dem Rücken an der Wand runter rutschte.
Sich wieder auf dem Tisch gesetzt, sah Julian sie beobachtend an und überlegte für den Moment ob er nicht vielleicht doch schon weiter gehen sollte, als er seine Zigarettenpackung aus der Hosentasche raus holte, Endschied sich allerdings dann doch gegen, den vorerst würde er sie gefügsam machen! Zog er eine der Zigaretten heraus, steckte sie sich zwischen den Lippen und zündete sie an.
„Was glaubst du was dieses Mädchen von gerade dazu sagen würde?“ sah Tia ihn Hass voll von ihrer sitzenden Position an
„Klara?“ pustete er den Rauch nach oben „interessiert mich nicht!“ und zuckte gleichgültig mit den Schultern.
Tia presste mit verzweifelter Wut die Lippen aufeinander, während ihr Herz nicht aufhören wollte schneller zu schlagen und die Nervosität sie zittern zu lassen.
„Lief mal was zwischen dir und meinen Bruder?“
„Was?“ hob sie erschrocken den Kopf an
„Ja meinst du ich bin blind? Ich habe doch gesehen wie er dich bei den Treppen angesehen hatte!“ zog er an der Zigarette und ließ zu das die Asche zu Boden fiel
„Nein!“, antwortete sie für seinen Geschmack etwas zu hastig
„Ich werds testen!“ enfleuchte der Rauch beim Reden wie ein durchsichtiger Schleier vor seinem Gesicht. Und wie er es testen würde, sah er erst das lange weiße Haar von Tia an, was glatt über die Schultern nach vorne und dem Rücken verlief, dann wieder das Grün ihrer großen Augen, die ihn aus diesem enorm hellem Gesicht verstört ansahen.
„Er ist verheiratet, aber ich denke Mal das wirst du schon wissen oder?“ ließ er die Zigarette auf den Boden fallen und trat sie beim Aufstehen aus.
„Und glaub ja nicht das du dich vor mir verstecken kannst, ich werde dich egal wo du dich auch verkriechst, überall finden!“ blieb er vor der Tür noch mal stehen, nach dem er wieder aufgeschlossen hatte und sah sie an „Weil wie ich sagte, gewöhn dich dran! Das war erst der Anfang“ und verließ mit diesen Worten den Raum.

„Und hat sie gesagt woher sie meine Schwester kannte?“ hatte Klara die ganze Zeit am Anfang der Kellertreppe auf Julian gewartet gehabt. Desinteressiert zuckte er mit den Schultern, was er wissen wollte wusste er und mehr interessierte ihn nicht.
„Ab heute brauche ich dich nicht mehr!“ ging er an ihr vorbei
„Was? Ich verstehe nicht?“ drehte sie sich ihm nach, tief Luft eingezogen blieb Julian stehen und drehte sich um
„Ich denke Mal das du sehr gut verstehst!“ sah er sie kalt an
„Wieso? Habe ich irgendwas falsch gemacht? Wenn ja, ich kann mich ändern?“ flehte sie verzweifelt. Julians Gesicht blieb unverändert, kalt und unberührt
„Ihr alle wart nur ein Zeitvertreib beim Warten!“ sprach Julian die Wahrheit mitleidlos aus und drehte sich wieder um, sie waren alle nicht mehr als dies, ein Zeitvertreib bis die nächste Kam, ohne das eine von ihnen auch nur ansatzweise das für ihn sein konnte, was eine einzige Begegnung mit diesem Mädchen sie für ihn hatte werden lassen.
„Und bevor ich es vergesse, wenn auch nur eine von euch ihr zu nah kommen sollte, werde ich euch danach auch zu nah kommen! VERSTANDEN?“ blieb er noch mal kurz stehen, bevor er dann wirklich weiter ging.
Hass voll stand Klara nun dort vor den Treppen, sie wusste das dieses Mädchen noch immer in diesem Raum sein musste und wenn Julian sie nicht gewarnt hätte, wäre ihr nächster Weg auch direkt darein gewesen, doch nun hatte er seinen Schutz über sie gelegt, was bedeutete das niemand sie anfassen dufte oder würde. Etwas was Julian zuvor noch nie getan hatte, liefen ihr vor Wut und Verzweiflung die Tränen übers Gesicht.

Minuten vergingen in denen Tia noch immer nur so dort an der Wand gelehnt, auf dem Boden saß, Ihre Augen den Tisch mit seinem grau fixierten, auf dem Julian zuvor noch gesessen hatte.
Sie wusste überhaupt nicht mehr was sie denken sollte. Einerseits hasste sie ihn, doch anderseits hatte sie sich seinen paralysierenden Augen absolut nicht entziehen können. Er sah genauso aus wie Dimitrie, doch waren die Augen nicht dieselben und doch löste er genau dasselbe Herzrasen in ihr aus, was Dimitrie in ihr auszulösen wusste. War der Blick in ihren Augen leer, verzweifelt leer.
Abschätzend sah Filice die junge Dame an, stand direkt vor ihr, durch die Wirklichkeiten getrennt. Er hatte die ganze Szene mit angesehen gehabt, auch wenn er wusste das der Bann zwischen ihr und Dimitrie schon längst gebrochen war, das Dimitries Herz sich wieder geheilt hatte, wusste er nun nicht wie er diesem Jungen gegenüber stehen sollte!
Doch vorerst würde er sich zurück halten, alles geschehen lassen, selbst wenn es sich so zu spitzen sollte wie er es ahnte, würde er nicht eingreifen dürfen! Es war Tias Leben und so lange es nicht ihr Leben bedrohte, waren ihm die Hände gebunden, verschwand er wieder, mit dem innerlichen Gefühl von Wehmut, weil es eine Schmerzvolle Erfahrung für sie werden könnte. Doch das Schicksal stand geschrieben und die Zeit näherte sich immer weiter dem Ende von der Ruhe vor dem Sturm, wo die Gewalt des Schicksals dann seinen Lauf nehmen würde.
Tia wollte gerade wieder ihre Maske mit der alles ist in Ordnung Mimik aufsetzten, als sie kurz vor der Treppe zu ihrem Jahrgang Dimitrie sah, doch genau in dem Moment als Dimitrie zu ihr hinsah und mit diesem ich bin dein Lehrer Lächeln die Mundwinkel auseinander ziehen wollte, würde Tias Gesicht von hinten ein Stück weit zurück gedreht und von Julian eindringlich geküsst, während er Dimitrie dabei direkt ansah.
„Ihr wisst das dies eine Schule ist, oder Julian?“ musste Dimitrie sich zusammen reißen um sich nichts anmerken zu lassen, die Wut seiner Stimme zu enthalten.
„Wenn es sie stört Herr Lehrer, dann sehen sie beim nächsten Mal doch einfach woanders hin!“ war die Stimme von Julian provokant.
„Tia der Unterricht fängt gleich an!“ wartete Dimitrie bis die Schülerin neben ihm war, sah noch mal warnend zu Julian, wonach er mit Tia die Treppen hoch ging.
„Was bitte was das?“ stand zu Julians Überraschung plötzlich Angelo im Gang hinter ihm
„Was war was?“ grinste Julian, Angelo hob unbeeindruckt die Augenbrauen
„Du meinst was ich mit deiner kleinen Cousine veranstaltet habe?“ fuhr Julian sich provozierend mit dem Daum über die Unterlippe.
-Cousine?- musste Angelo sich zwingen dies nicht fragend auszusprechen, im Wissen das diese Behauptung schon seinen Hintergrund besitzen würde.
„Ich würde sagen das es eigentlich eindeutig ausgesehen hatte oder?“ verzog Julian amüsiert das Gesicht und ging nun ebenfalls die Treppen hoch.

„Ich bin die Cousine von Angelo, das ist wichtig dass Julian das denkt, denn er hatte mich von damals wieder erkannt gehabt!“ sprach Tia ohne Dimitrie anzusehen, als sie die letzte Treppe hoch gingen, bevor sie den Korridor erreicht hätten.
Dimitries Haltung blieb verkrampft und wenn er nicht genau wissen würde das Julian gerade ebenfalls die Treppen hinauf gehen musste, würde er prompt stehen bleiben und sie schreiend fragen was das gerade für eine Szene gewesen war. Was er sich allerdings wohl oder übel noch für später aufheben musste
„Weiß Angelo schon davon?“ fragte er mit ruhigem Ton
„Nein!“


Weinend hielt Frau Willems die Hände vor dem Gesicht, der Flur des Krankenhauses wirkte wie ein Gefängnis dem sie nicht entkommen konnte und in dem Zimmer hinter ihr der letzte noch ihr nah stehende Mensch, der langsam immer leerere Augen bekam.
Erst verschwand ihre Tochter, die Polizei stellte die Suche nach fast einem Jahr ein und ein halbes Jahr später starb ihre Mutter. Wie sollte sie da jetzt auch noch den Verlust ihrer einzigen Schwester noch ertragen? Der einzige Mensch der noch genauso wie sie daran glaubte dass sie Tia, ihre Tia irgendwann noch mal in die Arme schließen würde? Konnte ein Herz noch mehr Leid ertragen? Zitterten die Finger auf ihrem Gesicht, unter denen die Tränen unaufhörlich ihre Spuren auf Silvias Wangen hinterließen.
„Frau Williems?“ kam der Arzt aus dem Zimmer wieder heraus und sah die Frau mit wehmütigem Ausdruck an.
„Es geht ihr wieder besser, doch ich glaube nicht das sie den nächsten Anfall noch überleben werden wird!“ senkte er den Blick, womit er die Frau mit dem verweintem Gesicht alleine zurück ließ.
Langsam atmete Silvia ein und aus, wischte sich die Tränen weg, setzte ein Lächeln wie eine leere Maske auf dem Gesicht und öffnete wieder die Tür zu dem Krankenzimmer.
„Siehst du, alles in Ordnung!“ hob Tatjana Williems signalisierend die Arme, als ob sie wie ein Kanufahrer zu Rundern anfangen wollte.
„Ja, aber du solltest dich wirklich ein bisschen mehr schonen!“ lächelte Silvia mit inneren Tränen.
„Ich weiß!“ setzte ihre Schwester sich aufrecht hin „Und hast du etwas erreichen können?“ wurde ihr Blick etwas ernster.
„Nein, leider nicht!“ schüttelte Silvia Williems den Kopf und setzte sich zu ihrer Schwester auf dem Bett
„Sie sagen das ich mich langsam mit den Gedanke anfreunden sollte das sie höchstwahrscheinlich Tod sein wird!“ konnte Silvia nun nichts mehr gegen ihre Tränen tun. Behutsam strich Tatjana ihrer Schwester über die Wange, das eigene Kind zu verlieren, sie konnte nur erahnen wie schlimm so etwas sein musste. Auch wenn sie selber die Patenschaft damals für Tia übernommen hatte, wo es dem damaligen schon älterem Mädchen der ganze Kumult unangenehm war und sie sich noch stark an ihr genierendes Lächeln erinnern konnte, was in Wirklichkeit jedoch nichts weiter als falsche Erinnerungen waren, doch für die beide noch immer real. Wusste sie auch das sie selbst nicht denselben stechenden Schmerz und dieselbe panische Angst davor besitzen konnte, die ihre Schwester hatte, vor einen wohlmöglichen Anruf, der ihr irgendwann mitteilen würde, das sie wirklich nicht mehr am Leben sei.
Dem den Blick entzogen kehrte Filice der Szene wieder den Rücken zu und verschwand.

„Wieso bist du ohne mich da hin gegangen? Warum hast du mich nicht mitgenommen?“ standen der Frau trotz der fauchenden Stimme, die in Meilen Entfernung selbst noch zu hören sein könnte, die Tränen in den Augen.
„Tiana! TIANA!“ schaffte Angelo sie endlich beim zweiten ermahnen ruhig zu bekommen. Seine Schwester war schon immer ein sehr emotionaler Mensch, nah am Wasser gebaut und jemand der schnell zum überreagieren neigte.
„Ich habe ihre Adresse, wir können sie später besuchen fahren!“
„Und es ist wirklich Tia? Sie ist es wirklich? Und sie erinnert sich an uns?“ lief nun eine Tränen über das gefühlsbetonte Gesicht der dunkelhaarigen Schönheit, Angelo nickte, ein glückliches Lächeln, unter dessen Verssarde er noch immer den Kuss zwischen Julian und ihr sah, Eifersucht von der er immer dachte solch ein rational banales Gefühl könnte in ihm nicht entstehen, ließ sein Herz sich verkrampfen, eine eiserne Hand drum legen die mit all Ihr zu verfügung stehende Macht, dieses gottverdammte Bild in seinen Erinnerungen reinhämmerte.
„Alles in Ordnung?“ sah Tiana ihren Bruder besorgt an, als sein Blick abwesend, irgendwie auf merkwürdiger Weise sogar auf schmerzvoller Weise wütend wirkte.
Das Bild innerlich bei Seite gedrängt, sah Angelo aus der schwarz getönten Scheibe der Limousine, wo der Wagen gerade an dem Krankenhaus vorbei fuhr.
„Ist das nicht die Mutter von Tia?“ war Tianas Blick dem ihres Bruders gefolgt
„Ja, das ist Frau Williems!“ bestätigte er es. Das Gesicht der Frau war stark von Tränen verunstaltet, schwarze Wimperntusche die unter ihren Augen unschöne Spuren hinter lassen hatte und eine zittrige Hand in der die kleine Handtasche hin und her schaukelte.
Angelo schloss demütig die Augen, das Leben war schon immer rigoros gewesen, doch egal welche Fäden sich auch wie durch welches Leben zogen, sie führten immer zu irgendeinem Grund. Doch wollte das Leid dieser Frau sich ihm einfach nicht erschließen. Doch was sollte er machen? Hingehen und ihr mitteilen das ihre kleine Tochter noch lebte, das sie wieder hier war? Nein das konnte er nicht, doch genau das war es was Tiana tun wollte, als sie den Fahrer anordnete den Wagen anzuhalten und mit diesem gewissen Leuchten in den Augen aus dem Wagen sprang. Dem hinter her gehastet konnte Angelo sie gerade so eben noch am Arm zu fassen bekommen, bevor sie über die Straße rennen konnte und zog sie mit strafendem Blick zurück.
„Meinst du nicht auch das dies etwas ist was Tia selbst endscheiden sollte? Sie kann sich erst seit kurzen an alles wieder erinnern, lass ihr die Chance es selber zu tun!“ redete er mit böser Stimme eindringlich auf sie ein. Tia nickte als ihr Verstand den Inhalt, die Wahrheit seiner Worte konzipiert hatte und verstand was sie beinahe da getan hätte. Und stieg Wortlos wieder in die Limousine hinein, wo Angelo noch mal einen letzten Blick auf die dort innerlich zerbrochene Frau richtete, bevor auch er wieder in den Wagen, mit seinem schwarzem lack einstieg. Die Sonne lachte sarkastisch und das Leben zieht seine gnadenlosen Scherze, dachte Angelo sich, als er die Tür zu zog und dem Fahrer wies weiter zu fahren.

Wie jemand der ein irrwitziges Versteckspiel spielen würde, ging Tia mit nach vorn gebeugter Haltung im Türrahmen der Klasse langsam nach vorne und lugte in geduckter Haltung am Türrahmen vorbei, Richtung Treppen.
„Was machst du da?!“ ließ die skeptisch, allerdings auch amüsiert erklingende Stimme sie direkt zusammen zucken, während die anderen Schüler mit gesenktem Kopf schnell an den beiden vorbei huschten.
„Willst du jetzt dort wie ein Rentner mit Rückenschmerzen stehen bleiben?“ lehnte Julian sich mit ineinander verschränkten Armen, mit der Schulter gegen die Wand.
-Einfach ignorieren- ging Tia wieder in gerade Haltung ohne ihn anzusehen und wollte klammheimlich, so tuend als ob sie ihn nicht sieht, in die andere Richtung weiter gehen, was Julian sich auch einige Schritte mit ansah. Wollte dann aber als sie den Türrahmen schon hinter sich gelassen hatte, mit warnendem Organ ihr wieder Einhalt gebieten „Stehen bleiben, SOFORT!“, grinsend sah Julian mit an wie ihre Bewegungen stoppten, doch als er dann auf sie zu wollte, rannte Tia was das Zeug hielt und sah zu das sie so schnell wie möglich die Treppen runter kam.
„Julian!“ kam im selben Augenblick Dimitrie heraus, als dieser gerade hinter her hasten wollte, mit tief in den Augen gezogene Augenbrauen, war eins sicher, sie würde was erleben können wenn er sie erwischt.
„Ja?“ drehte sich Julian stattdessen scheinheilig gespielt zu seinem Bruder um.
„Tu nicht so, wir wissen beide dass ich dein wahres Gesicht kenne!“ legte er unbeeindruckt den Kopf schief.
„Was ist denn hier los?“ gesellte sich zu Julians Glück allerdings Dimitries Frau gleichzeitig hinzu. Liaras Klasse befand sich direkt neben die von Dimitrie, wo die beiden es pflegten die Pausen gemeinsam zu verbringen, seiden einer von ihnen hatte die Pausenaufsicht.
„Sagt nicht ihr beiden habt euch schon wieder in den Haaren?“ sah sie beiden tadelnd an
„Nein, wir wollten uns nur unterhalten!“ lachte Julian „Aber ich werde euch beiden jetzt auch mal allein lassen!“ und nutzte Die Chance um dem Gespräch was sicherlich unangenehm verlaufen würde, zu entkommen.
„Mensch, ihr seid Brüder, könnt ihr euch nicht einmal vertragen?“ sah Liara ihren Mann fragend an, das sanfte Gesicht angesäuert verdunkelt.
„Du scheinst echt einen Engel in ihm zu sehen oder?“ wurde Dimitries Stimme dunkler und er wusste wenn er jetzt nicht die Notbremse ziehen würde. Wäre das darauf folgende ein Wutausbruch seiner Sei’s, den dieses Streitthema hatte er schon zu genüge damals mit seinen Eltern geführt, die ebenso nur das gute ihn Julian sehen wollten, aber nicht sahen wie er wirklich war.

Tia wollte gerade mit den Augen auf dem Schulhof nach einen Fluchtpunkt suchen, irgendwas wo sie sich verstecken könnte. Als ein Schüler an ihr vorbei ging und sie das Gefühl hatte ihr Herz würde zerbrechen, so stark war der Hilfeschrei gewesen.
Sie musste ihn unbedingt berühren, ging sie wie paralysiert auf ihn zu, die Hand wie jemand der überhaupt nicht realisiert was er tut, nach ihm ausgestreckt.
„Hab ich dich!“ schlossen sich in dem Moment als ihre Fingerspitzen seine Schulter berührten, der Schüler sich umdrehte, Julians Arme von hinten um sie. Was den irritiert rein blickenden Schüler direkt wieder weiter gehen ließ. Doch vor Tias Augen wiederholten sich in dem Moment all das Leid was er erfahren musste, als die Angst die er hilflos daneben stehend fühlen musste und all die Bilder die die damaligen Kinderaugen mit ansehen mussten. Das schreien seines Vaters, die Angst in den Augen seiner Mutter, dann das letzte Bild! Schloss sie getroffen die Augen, wobei die Augenbrauen sich indessen runzelten, als sie realisierte das jemand sie von hinten in seinem Arm geschlossen hielt und sie sich keinen Millimeter mehr von der Stelle bewegen konnte.
„Ich habe dir gesagt das du dich vor mir nicht verstecken kannst oder?“ hauchte er ihr ins Ohr. Gänsehaut ließ Tia sich schütteln, Julian grinste, seine Arme enger um sie schließend.
„Was soll ich nun nur mit dir machen? Wie sollte ihr dir am besten nun eine Lektion erteilen?“   
„Lass mich los!“ knurrte Tia leise, als sie schon ein paar von Julians Schergen auf sich und Julian zu kommen sah.
„Die Jungs von der Venzens wollen sich mit uns anlegen!“ kam der dicke mit den Fahrradschläuchen im Gesicht auf Julian zu, dessen Arme noch immer um Tia geschlungen waren, aber keinen von ihnen zu stören schien, senkten sich ihre Augenlieder angefressen.
„Girol?“ fragte Julian enthusiastisch, was für Tia den Anschein machte als ob er es anregend fand, wie etwas was seiner Langeweile gerade recht kam. Sie konnte ja nicht wissen dass sie schon längst seine Langeweile verschwinden lassen hatte.

Die Argumentationskette von seinen Leuten, die eindeutig gegen das Anlegen mit Julian sprach, deutlich davor warnte das dieser ein verrücktes Monster sei, kein Gehör geschenkt, stand der breitschultrige Schüler von der gegenüber liegenden Schule, nun vor dem grün gestrichenen Gitterzaun der Schule, wo Julian schon mit blitzender Vorfreude dem Tor entgegen lief. Eine unüberschaubare Anzahl auf beiden Seiten, sah es für Tia nicht unbedingt nach einer harmlosen wohlmöglichen Debatte zwischen den beiden aus. Und zu ihrem Glück liefen auch noch zwei von seinen ergebenen Gorillas neben ihr, je einer links und einer rechts, um zu verhindern dass sie wieder das Weite sucht. Julian war der Meinung das diese Begegnung ihr vielleicht den Ernst der Lage und die Konsequenzen von ihrem quer handeln gegen ihn aufzeigen würde.
„Hätte nicht gedacht das du wirklich genug Eier in der Hose hast!“ trat Julian auf die Grenze die vom Schulhof nach draußen führte, steckte sich eine Zigarette im Mund und zündete sie an.
„Was? Vor dir haben die alle so eine Angst?“ lachte der breitschultrige ihn aus, das markante Gesicht zu einer suffizienten Fratze verzogen. Abwertend verschränkte Julian die Arme hinter dem Kopf. Das Wetter war gut, seine Laune ebenfalls und gegen eine kleine Auseinandersetzung hatte er wirklich nichts einzuwenden, doch wieso mussten sie alle immer vorher so großspurige Töne spucken, sah Julian desinteressiert an dem was er sagte hoch zum Himmel, seufzte einmal und trat unerwartet für all jene die ihn nicht kannten und seine Körpersprache nicht zu lesen wussten, mit dem Bein nach vorne aus, seine Solle kraftvoll gegen den Brustkorb von Girol geprallt, blieb dem zurück geschleudert nach Luft japsend genau diese aus
„Girol?“ hatten zwei seiner Mitschüler ihn aufgefangen, sein Gesicht was zu einer roten Anschaulichkeit von entsetzen und fehlendem Atmen war, erschrocken angestarrt.
„Was jetzt?“ nahm Julian die Arme wieder runter „Soll ich jetzt warten bis du endlich deinen Worten Taten folgen lässt, oder soll ich einfach weiter machen?“
„Findest du das lustig?“ schrie plötzlich Tia ungehalten, wobei die beiden Gorillas neben ihr sie schon wieder zurück zerren wollten, doch ließ Tia sich nicht aufhalten, ohne zu wissen das Julians voriges Kopfschütteln die beiden bloß vom Reagieren abgehalten hatten.
„Bist du fertig?“ sah er sie kalt an
„Nein!“ schrie sie weiter, sie hasste solche Menschen, hasste es wenn sie alles mit ihren Fäusten klären mussten, es schreckte sie ab, verängstigte sie und wenn so etwas wie Panik in Tia sich entfesselte, dann hatte sie sich selber nicht mehr unter Kontrolle
„Für wen hältst du dich? War das nötig? Musste das sein?“ wurde ihre Stimme immer aussagekräftiger, das böse funkeln ihrer Augen immer stechender
„Es reicht!“ gingen Julians Augenlieder etwas tiefer, doch Tia schrie weiter, fragte wie man nur so kaltherzig, so grausam sein kann. Der dicke mit den Fahrradschläuchen wollte sie schon von Julian zurück ziehen, nicht weil ihr Gerede ihn nervte, sondern weil Julians Haltung immer gereizter wurde, doch auch er wurde von ein eisernes Kopfschütteln aufgehalten, was eindeutig davor warnte einzugreifen.
„Du solltest langsam lieber ruhig sein!“ zuckte in Julians Stimme schon die Aggressivität mit, aber in Wirklichkeit etwas ganz anderes, etwas was weder Tia noch seine Mitschüler sehen konnten.
„Ruhig? RUHIG? Vielleicht solltest du mal vom verhalten her ruhiger werden!“ schrie sie nun vollkommen, war mit jedem neuem Wutausbruch ihm immer näher getreten, blickte ihm strafend in die Augen
„Ich hatte dich gewarnt!“ eliminierte er den letzten Schritt den Tia noch von sich trennte, seine Finger gruben sich schmerzvoll in ihre Oberarme, drückten zu, sein Blick ging drohend in ihre Augen, während er ihr demonstrativ die Zunge in den Hals schob, nach Atem ringend versuchte Tia sich dem zu entziehen. Julians Griff um ihre Oberarme schnürte sich weiter zu, schmerzte unerträglich, während er unaufhörlich ihr die Zunge immer wieder zwischen die Lippen drängte.
„Provoziere mich nie wieder, sonst werde ich dir beim nächsten Mal mehr antun als nur das und glaub es mir, mich interessiert nicht wer es sehen kann! Aber das solltest du mittlerweile ja schon wissen oder?“ ließ er wieder von ihr, sie unsanft nach hinten weg gedrückt, ohne den gnadenlos warnenden Blick seiner Mimik zu verändern.
Wütend wirbelte Tia auf dem Absätzen herum und rannte so schnell sie konnte, egal wo hin, Hauptsache von ihm weg, das war das einzige was sie in diesem Moment dachte und der warnende Blick von Julian das einzige was sie von der Massenschlacht noch mitbekam, die wenige Sekunden durch Julians Ungehaltene Wut ihren Anfang nahm, indessen er wie ihm Wahn wie ein tobender Tornado durch alles hindurch fegte.

Das Gesicht zu einer stöhnenden Ungehaltenheit verzogen, bewegte sich eine Blondine mit bebenden Bewegungen auf den auf der Liege liegenden Schularzt, der mit geschlossenen Augen weder ihr Gesicht sah, noch wirklich ihren Stimmlichen Klang an sich ran ließ, nur das Gefühl spürte was die Reibung in ihr durch seinen Körper sausen ließ.
„Nein- Das ist zu schnell, nicht!“ japste die Blondine mit dem zierlichen Körper, als seine Hände um ihre Taille geschlossen sie immer schneller bewegte, und in den Bewegungen gegen ihren bewegte.
„Nein! Nein.. NEIN!“ verkrampften ihre Oberschenkel, als er sie abrupt stoppte, indessen ein schweres Stöhnen seinen Lippen enfleuchte und sie im nächsten Moment lieblos, zwar sanft lächelnd, dennoch direkt von sich runter drückte, seinen Reisverschluss hoch zog und mit dem Rücken zu ihr gewandt mit ruhiger Stimme sagte „Es ist besser wenn du jetzt gehst!“ setzte er die Nickelbrille wieder auf und sah zum Fenster raus, wo er Tia gerade auf die Wiese zu rennen sah.
Midian wusste das er soweit wenn er es drauf anlegte jede hier haben konnte, egal ob Schülerin oder Lehrpersonal. Er war sich seinem gutem Aussehen, dem dunklem Haar und den anziehenden Augen durchaus bewusst. Dennoch war es nicht mehr als ein gelegentlicher Zeitvertreib, nichts was er brauchte oder verlangte, bloß an und Mal zuließ.
Innerlicher Zwiespalt? Ein Gewissen? Wofür? Sie wollten es und er gab es ihnen, doch er sagte von vornerein immer das es nie mehr als dies ist und sie nichts erwarten sollten.
In der Hinsicht war Midian vielleicht sogar schlimmer als Julian, obwohl in gewisser Hinsicht es auch andersherum sein könnte, sah die blonde Schülerin aus Tias Jahrgang den jungen Mann an. Wenn er nicht diesen Kittel trug und auch die Brille nicht, so wie gerade eben noch, sah er beinahe aus wie einer ihrer Mitschüler! Nicht wirklich älter als sie, zu mindestens nicht viel! Strich sie ihren Rock glatt, sie hatte wirklich bekommen was sie wollte, worauf sie so lange mit provokanten Gesten hingearbeitet hatte, ihn verführen wollte. Und er hatte ihr auch wirklich gesagt als sie schlussendlich den Mund aufmachte und mit all ihren Mut sagte dass sie mit ihm schlafen will. Dass es nicht mehr als dies sein wird, das es nichts von Bedeutung sein würde. In diesen Moment war es ihr egal gewesen, sie wollte nur endlich das er sie berührt, ihn spüren. Doch nun, wo sie wirklich mit dieser Kälte konfrontiert wurde und nun das Gefühl seines Körpers in sich kannte! Ihr Herz schrie, es wollte nicht nur eine Belanglosigkeit sein.
„Darf ich sie etwas fragen? Danach werde ich auch sofort gehen!“ strich sie das viel zu enge Oberteil glatt.
„Aber sicher, frag!“ setzte er sich auf dem Drehstuhl und sah sie geduldig an, ein Ausdruck der zum größten Teil nur von der Brille erschaffen wurde, denn hinter den Gläsern war sein wirklicher Blick desinteressiert und gelangweilt.
„Warum haben sie dabei die Augen geschlossen?“ war es die Arroganz in ihr, die wusste das sie schön war.
„Die Vorstellung ist Begierde!“ antwortete er, wonach er ihr mit der Hand zur Tür signalisierte, im Wissen das sie seinen Satz nicht verstand. Wie könnte sie auch, denn die sich erklärende Antwort wäre gewesen das es nur eine Person gab die er begehrte und deswegen wollte er ihr Gesicht dabei nicht sehen.
Doch Beartriss verstand schon besser als er dachte! Sie wusste nun das dieser Mann eine andere Frau im Kopf hatte, ebenso wie es bei Julian auch immer der Fall war. Doch dieser hatte sie wenigstens immer angesehen! Auch wenn nicht unbedingt im Gesicht, sondern mehr Richtung Körper und Haare, dennoch schloss er nicht die Augen.
Julian und Beartriss pflegten diese Art von Nähe das letzte halbe Jahr der neunten Klasse, wo sie sich wirklich große Mühe gegeben hatte sein Interesse an ihr zu halten. Doch musste auch sie irgendwann einsehen dass es vergebens war. Das es da schon jemanden geben musste, eine mit der sie anscheinend nicht mithalten konnte, doch das selbe Resultat nun noch einmal zu erleben, war einfach zu viel und zürnte denn Hass in ihr und den Drang heraus zu finden wer es ist.

„Die Zeit ischt fascht vorbei, erinnere disch!“, sich mit den Füßen im Kellergang weiter zurück geschoben sah Tia wie versteinert die Farblose Schlange an, wo sich mit ihrem Auftauchen alles um sie herum sich in das leblose Grau des Zwielichtes gewandelt hatte, ohne dass sie willkürlich hinüber getreten war.
„Wovon redest du?“ hastete Tias Stimme, das Reptilienartige Wesen sah sie aus seinen großen farblosen Augen an.
„Diesch ischt nischt dein erstesch leben. Du Bischt mehr als du denkscht“ bewegte der Kopf sich schwankend, ohne sein Augenmerk aus ihren zu nehmen, wie ein Raubtier was seine Beute anvisiert.
„Ich verstehe nicht, was soll ich sein?“ beruhigte Tia sich langsam wieder. Die Kälte des Kellers und diese nun vorhandene Veränderung der Wirklichkeit, ließ wieder den Racheengel in ihr an die Oberfläche kommen.
„Die Zeit wird knapp, Schie ischt fascht vorbei! Erinnere disch, Ein Weschen selbscht zu schön für ein geschöpf deiner Art“
„Sag mir doch bitte was du meinst!“ fühlte der kalte Boden unter ihr sich immer eisiger an. Die Schlange hob ihren Kopf weiter in die Höhe, um darauf ihn direkt vor Tias Gesicht wieder zum Stehen zu bringen.
„Du bischt eine Weische Scheele, die weische Scheele, erinnere disch, um mit deinem letzten Atemzug wiederaufzuentschtenen, anschonsten wirscht du schterben und mit dir die Scheelenbäume auch!“ verschwand das grau des Todesschein wieder und mit ihr auch die Schlange.
„Weiße Seele?!“ öffnete Tia erschrocken den Mund, es sagte ihr etwas, irgendwo hatte sie es schon einmal gehört, genau! Fanden ihre Erinnerungen die Antwort wieder, Filice hatte ihr eins einmal von einem mächtigen Wesen erzählt, dem Todesengel, er war der Anfang und das Ende, die Geburt und der Tod, er repräsentierte das was die Seelenbäume waren und so lange es dieses Wesen gab, gab es auch die Seelenbäume und mit ihnen auch das Leben. Doch er erzählte ihr gleichwohl auch das obwohl dieses Wesen niemals wirklich sterben könnte, das die Seelenbäume es können, wenn dieses Wesen ihre Kräfte nicht von Zeit zu Zeit regenerieren würde, das jedoch niemand weiß wo dieses Wesen sei, das noch niemand von ihnen es je gesehen habe!
„Aber sie sagte doch dass ich sterben werde wenn ich mich nicht rechtzeitig erinnere!“ wiedersprach Filices Worte für Tia das dieses Wesen nie wirklich sterben könne, den Worten dieser Schlange. Wo Tia nicht einmal wusste was für ein Wesen diese Schlange wirklich war.
„Wie ich sehe hat dich dein Wächter schon gefunden!“
„Was?“ schreckte Tia verstört auf, Midian lächelte, es war eine fließende Bewegung in der er seine Brille abnahm und gleichzeitig mit diesem provokanten Blick auf sie zu ging, der sich indessen zu einer autoritären Erhabenheit wandelte.
„Die Schlange war Mitriss, er ist eurer Vertrauter und zugleich eurer Wächter. Ihr seid weder ein Seelenführer, noch ein Racheengel und doch seid ihr beides zugleich. Denn ihr seid der Engel des Todes, auch genannt der schwarze Engel!“ blieb er genau vor ihr stehen. Nervös fing Tia an an ihrem Kleid zu spielen, die Enden zupfend immer wieder nach unten zu ziehen. Midian wusste wie er auf sie wirkte, was diese unverhohlene Nähe von ihm bei ihr auslöste. Doch auch das es auch nicht wirklich mehr als dies war. Eine Nervosität die ihm zeigte das er für sie attraktiv war, aber Anziehend war nicht genug für ihn, noch nicht.
„Wie kann ich mich erinnern?“ fragte sie vorsichtig, sein erstes Gesicht fing an zu grinsen, eine Art von Grinsen die sie so noch nie an ihm gesehen hatte. Provokant, neckisch, ja selbst warnende hatte sie schon an ihm gesehen, aber dieses war anders, blickte sie ihn erschrocken an.
„Was meinst du Tia? Was löste die Erinnerungen an dein altes Leben wieder aus?“
„Als ich ihn mit seiner Frau gesehen habe!“ senkte sie getroffen den Kopf und ebenso weil es ihr unangenehm war.
„Das war nur der Katalysator!“ verneinte er es „Nur der Anstoß zu einer Erinnerung!“ erklärte er und steckte dabei seine rechte Hand nach ihrem Gesicht aus, es mit den Fingern angehoben blickte sie ihn starr in die Augen „Der Kuss zwischen mir und Dimitrie?“, Midian nickte, noch immer mit diesem undeutbaren Grinsen.
„Ein Kuss holt Erinnerungen zurück!“ kam er ihr mit dem Gesicht näher „Aber es scheint vielleicht noch nicht ganz der richtige Moment zu sein, oder?“ blitzten seine Augen im Schein der Kellerbeleuchtung auf. Tia sah in diesem Moment nur dieses tiefe Blau, die provokanten Augen die sie so direkt ansahen, spürte schon seinen Atmen auf ihren Lippen und als sie dachte nun küsst er sie, ertönte plötzlich ein fester Tritt gegen die Tür, was Midian schmunzeln ließ und von Tia zurück treten.
„Ihnen ist klar das dies eine Schülerin ist oder?“ grinste Julian warnend, den linken Mundwinkel höher gezogen als den anderen, wartete er in diesem Moment nur darauf das Midian was falsches sagen würde.
„Wäge deinen Gegner immer gut ab, bevor du noch an den falschen geraten könntest!“ blieb Midian noch mal neben Julian stehen, bevor er weiter ging und den Keller verließ.
„Jetzt machen wir also schon mit dem Schularzt rum ja?“
„Das ist mir zu blöd!“ wollte Tia eingeschnappt und vor allem von seinen Worten verletzt, einfach an Julian vorbei gehen.
„Zu blöd?“ riss er sie am Arm zurück und stieß sie vor sich zu Boden. Angstvoll sah Tia ihn an, die Augen soweit aufgeschlagen das die Panik groß aus ihnen heraus schrie.
„Ich habe dich gewarnt oder?“ schritt er auf sie zu, den Minenspiegel so eisig, das Tia meinte er würde sie jeden Moment töten wollen.
„Glaubst du wirklich mich so auf die leichte Schulter nehmen zu können?“ kam er immer näher,
„Was soll das?“ wich Tia zurück, mit den Füßen sich gegen die Wand geschoben, als Julian mit einem Satz plötzlich zu ihr runter kam und nun sich direkt über sie befand.
„Wie weit seid ihr schon gegangen?“ sahen seine kalten Augen sie gnadenlos an
„Was soll der Scheiß?“ wackelten ihre Augen furchtvoll, diese Art an ihm machte ihr Angst
„Wie weit seit ihr schon GEGANGEN?“ drückte er seine Hand gegen ihren Hals, womit er ihren Kopf gegen die Wand gedrückt hielt.
Hass voll starrte Tia in an, mit Augen einer Frau die nur eins sagten, das sie ihm dies niemals vergessen würde.
„Hast du ihn gerade dabei auch so angesehen?“ schob er mit seinen Knien ihre Oberschenkel auseinander um ihr näher zu kommen. Tias ganzer Körper zitterte nun, seine Beine zwischen die ihre und seine Hand um ihren Hals, zwang er sie ihr direkt in die Augen zu sehen.
„Glaubst du, dass nur weil du so gut aussiehst, das du keine Angst vor mir zu haben brauchst?“ war sein Ton beängstigend dunkel und ebenso kalt wie die Augen die sie verurteilten.
Tia wollte was sagen, schreien das er von ihr weg gehen soll, doch ihre Lippen fühlten sich plötzlich wie Schmirgelpapier an, der Hals vollkommen trocken.
„Du hast dir mit mir wirklich den falschen Gegner ausgesucht!“ strich er ihr mit seiner Lippe über die Unterlippe, drückte sie auseinander und die Zunge zwischen ihnen hindurch, um sie ihr bis zum Anschlag rein zu stecken, wild, feucht und verlangend.
„NEIN.. Bitter hör auf!“ schrie sie kraftlos, als sie merkte wie er seine Knie unter ihre Oberschenkel drückte und sie sogleich zu sich hoch zog. Tia versuchte sich von ihm wieder runter zu drücken, die Hände gegen seinen Brustkorb. Doch drückte er sie nur mit der Hand gegen ihren Nacken zu sich runter und küsste sie bloß erneut, während seine Hand zwischen ihre Oberschenkel ging und Tia panisch wieder versuchte zurück zu weichen, sich mit ihren ganzen Körper gegen ihn stemmte. Ein kurzes auflachen hörte und merkte das er sie aus seinen Griff los gelassen hatte. Doch ebenso schnell wie sie stand, stand er auch wieder vor ihr. Schützend versuchte sie mit den Armen vor ihren Brüsten sich zu verhüllen. Wieder lachte Julian auf
„Wieso tust du das?“ wurde Tia verzweifelt
„Vielleicht liebe ich dich ja!“ sah er sie grinsend an, Ihr Herz blieb für den Moment stehen
„Natürlich und das soll ich dir jetzt glauben oder was?“ fauchte sie gekränkt
„Ist es so schwer vor zu stellen?“ veränderte sich für eine kurze Zeitspanne auch sein Gesicht.
„Ja ist es!“ gewann wieder die Trotzigkeit in ihr, obwohl sie im ersten Augenblick eigentlich fragen wollte ob es wirklich stimmt.
Klagend sah Julian sie an, nicht lächelnd oder grinsend, nicht provokant oder süffisant, sondern verurteilend und ernst.
„Was ist wenn ich dir sage dass ich dich wirklich liebe? Was würdest du dann sagen? Was wäre deine Antwort Tia?“, Tia schwieg, sie wollte was sagen, ihr Herz schrie, drängte den Mund aufzumachen, es endlich zu sagen was sie schon längst realisiert hatte. Doch ihre Lippen blieben geschlossen.
„Du kannst mir also keine Antwort geben ja?!“ legte er kurz den Kopf schief, wonach er den Keller verließ

„Du verlierst ohne zu merken das du es selbst bist gegen den du verlierst!“ rückte Midian die Brille zurecht, als Julian aus dem Keller heraus, an ihm vorbei ging und direkt wieder neben ihm stehen blieb
„Nur weil sie Lehrer und der Schularzt sind, bedeutet es noch lange nicht dass ich Angst vor ihnen hätte, vergisst das nicht!“ zog Julian unbeeindruckt, einen Mundwinkel nach oben
„Du könntest überrascht sein, wenn du die Konsequenzen deines eigenen Handeln siehst!“ lachte Midian leise
„Überrascht? Was für Konsequenzen sollte es denn schon mit sich ziehen?“ höhnte Julian, was nicht zu den kalt sich senkenden Augenliedern passte.
„Wenn du doch anscheinend etwas für sie empfinden tust, wieso heiratest du dann eine andere?“ grinste Midian kaschiert hinter einem wohlwollendem Gesicht.
„Nein, er sagte wenn!“ trat Tia in diesem Moment aus dem Keller heraus und sah Julian mit starker Ablehnung in den Augen an.
Fassungslos sah Julian sie erschrocken an, als ob er gerade realisiert hätte das der vermeidlich schön gedachte Traum ein Alptraum sei.
„Ich hoffe du weißt dass ich dich nun wirklich hasse!“ brach der Schmerz in Tia, der so sehr daran glauben wollte dass seine Worte ernst gemeint waren und nun dies mit anhören musste.
„Nun gut, so soll‘s sein, das sind wir ab heute Feinde!“ kehrte Julians Arroganz wieder, womit er den beiden den Rücken zu kehrte und das Gebäude verließ.
Tias Augen wurden leer, gerade eben hatte sie dort im Keller noch so eine Angst vor ihm gehabt und nun schmerzte es in ihr! War es Ironie? Nun wo sie Midians Worte gehört hatte, bemerkte sie dieses gewisse Etwas in ihrem Herzen, was langsam anfing an die Oberfläche empor zu kommen.
„Tia was weißt du über unseres gleichen? Darüber was wir sind?“ verschwand die Provokation seiner Natur gänzlich aus seinem Gesicht, wo nun das Oberhaupt der Racheengel vor ihr stand.
„Das wir Racheengel sind, Wesen aus dem Todesschein, der Wirklichkeit dahinter!“ wusste sie nicht wie genau sie es bennen sollte. „Und das die Menschen uns für Engel halten!“ fügte sie es noch belächelnd hinzu
„Tia der Glaube der Menschen an Gott und den Teufel kommt nicht von irgendwoher, sondern von der Tatsache das es diesen Part indirekt auch gibt. Doch so einfach wiederum ist es auch nicht!“
„Was?“ wurde sie laut und musste sich zusammen reißen um in diesen Moment nicht darüber zu lachen. Aber der ernste Blick auf seinem Gesicht ließ Tia direkt wieder schweigen und einsehen dass er nicht scherzte.
„Gott und den Teufel gibt es nicht im Sinne von Gut und Böse, sondern von Leben und Tod. So wie es die Hölle, der Ort der Verdammnis existiert, so existiert auch der Himmel, der Ort wo die Seelen wieder geboren werden! Die Seelenbäume!“
„Also sind wir wirklich Engel?“ wollte ihr Verstand der in diesem Moment zu realistisch veranlagt war, nicht vor diesem Gedanken resultieren.
„Das Wort Engel ist in der Definition dem bezüglich mit einer anderen Hintergrundgeschichte bestückt Tia, um das Ganze auf einen Nenner zu bringen, es gibt natürlich einen Vorgänger, das erste Wesen unseren Art, den Uhrengel, der Gott und Teufel in einer Person wiederspiegelt, der Uhrengel des Todes. Verstehst du was ich versuche dir zu sagen Tia?“
„Der Engel des Todes?“ war ihre Stimme nur noch ein Hauch dessen, Midian nickte.
„Du Tia bist der Uhrengel des Jenseits, Dein Dasein besitzt denselben Uhrsprung wie die Seelenbaume, stirbst du, sterben auch sie! Deswegen war es unsere Aufgabe den Fluch zu brechen, doch er ist noch nicht wirklich gebrochen!“
„Fluch?“ wusste Tia nun überhaupt nicht mehr was sie denken sollte.
„Dieser Part ist meine Schuld!“ trat Filice aus dem Todesschein.
„Ich habe all die Jahre immer gedacht das du in deinen früheren Leben dich selbst aufgabst um diese Frau zurück ins Leben zu holen. Ich wollte nicht einsehen das du diesmal ebenso sterben wirst, ohne das er jemals etwas von deiner Existenz erfahren hätte, ich wollte nicht einsehen dass dein Tod so sinnlos ist. Dabei hattest du dein Leben nicht aus dem Wunsch ihm zu helfen beendet, sondern nur mit deinem letzten Atemzug seinen Wunsch erfülltest! Der Grund war ein anderer!“
„Wunsch? Letzter Atemzug?“ wurde Tia anstatt schlauer, immer verwirrter und die Tatsache das Filice Gesicht das erste Mal so etwas wie Emotionen zeigte, Demut, es machte sie noch viel unruhiger dem gegenüber.
„Es ist nun an der Zeit dich wieder zu erinnern!“ hielt Midian ihr die Hand hin, den auch er war Teil des Kreises, seine unerwiderte Liebe zu ihr ein Fluch der niemals enden würde und anders überhaupt nicht sein dürfte, den seine Liebe war wie ein Gefäß in dem sich all ihre Erinnerungen befanden.
„Das nennt sich Kuss der Erkenntnis, eines der mächtigsten Fähigkeiten eines Racheengels!“ erklärte Filice.
Wortlos ließ Tia zu das Midian, nach dem sie ihre Hand in die seine legte, sie zu sich zog. Ihr Körper verkrampfte, sie wusste das der Kuss nur einen Zweck diente, doch sein Blick, der so tief in ihre Augen ging, bevor sich seine Lippen auf die ihre senkten, war so eindringlich und weich, wonach alles in währende Dunkelheit absackte.

Ein Geräusch als ob Nadeln tausendfach auf den Boden fallen würden, ließ Tia langsam wieder zu sich kommen, dem nebelösen Gefühl von schlafen wieder entkommen und langsam die Augen aufschlagen, wo sie noch immer so dort stand, wie sie es vorher auch getan hatte.
-Der Todesschein!- erkannte sie zwar die Trotzlosigkeit der fehlenden Farbvielfalt, doch den Ort selber, den erkannte sie nicht. Es war nicht ihre Stadt in der Zeit in der Tia im hier und jetzt lebte, sondern eine andere, eine viel weiter zurück liegende. Wo der Großteil noch bewaldet war.
Vorsichtig versuchte Tia sich an etwas zu orientieren, sie stand vor einem Waldrand, der Regen ließ trotz der Tatsache das so etwas wie Geräusche im Todesschein selber nicht existierten, sondern nur das gesprochene, ihre Stirn sich in Falten legen, doch gleichzeitig die Erkenntnis gewinnen, das dieses Geräusch selber aus ihren Erinnerungen stammt, als sie sich selber vom Zwielicht in die Wirklich übertreten sah, wie ein Schwimmer der im Sprung ins Wasser eintauchte, tauchte das vergangene Ich von ihr in die Wirklichkeit ein.
Im Todesschein unterlag Tia nicht mehr den Gesetzen der Schwerkraft wie sie im Diesseits existierte, sondern besaß die Eigenschaft von etwas ähnlichem wie Schwerelosigkeit.
Schnell rannte sie auf ihr vergangenes Ich zu, sprang vom Boden ab und ließ sich wie ein Fluggleiter ein Stück vom der Schwerelosigkeit dem Himmel entgegen tragen. Es war kein Fliegen, nicht dasselbe wie es ein Vogel tat, sondern legendlich sowie eine Feder selbst sich vom Wind weiter tragen lassen würde.
Tia hatte ihr anderes Ich auch fast schon erreicht, als diese sich plötzlich zu ihr umdrehte und sich genau in dem Moment als sie im Sprung mit ihrem Gesicht dem der anderen Tia so nah war und diese plötzlich mit einem Lächeln ihre Hand austreckte, welche Tia ohne zu überlegen ergriff, um im selben Moment fassungslos die Augen weit aufzureißen. Bilder, eine unglaubliche schnelle Abfolge von Ereignissen, sie sah was sie gesehen hatte, fühlte was sie gefühlt hatte. Tränen quellten in ihren Augen auf, womit sich ein letztes Bild auftat, eine letzte Erinnerung. In der sie vor einem Mann stand, vor Dimitrie der mit zerbrochenem Herzen vor einem Grab stand. Sie spürte ihren eigenen Schmerz, den Wunsch ihm zu helfen, aber auch das ihr Herz selbst nicht ihm gehörte, das die beiden nie dazu bestimmt waren sich zu lieben oder überhaupt zu begegnen.
-Julian?- riss Tia im inneren dieser Version ihres Ich’s, erschrocken die Augen auf. Aber auch ihr gegenüber sah überrascht aus. Er war ein Mensch oder? Vernahm sie ihre eigenen Gedanken, welche aber nicht die ihre waren. Die Tia von damals verstand nicht wieso er sie sah, obwohl sie sich in zwei verschiedene Wirklichkeiten befanden.
Seine Augen sahen sie wie paralysiert an, als ob er nicht glauben wollen würde was er dort sah. Dann verschwand das Bild wieder, womit sie wieder ihrem eigenem Ich gegenüber stand und fragend ansah, denn es kam ihr vor als ob da noch ein Teil der Geschichte fehlen würde. Verstehend nickte ihr vergangenes Ich, denn genau so war es auch.
„Diese eine Begegnung war es die den Fluch beginnen ließ, zwei Herzen in einander verlieben ließen die es eigentlich nicht durften.
Es war der Schrei eines unglaublich reinen Herzens der uns zu Dimitrie brachte, aber der Wunsch ihm zu helfen, der uns Julian begegnen ließ. Und ebenso wie du ihn als ich in dieser zeit geliebt hast, so liebst du ihn nun auch, hab ich recht?“ lächelte sie traurig.
„Und wie löste es den Fluch aus?“ viel Tia die Frage schwer
Traurig lächelnd hob sie ihre Hände und offenbarte eine weitere Erinnerung, die letzte aus dem Leben was sie besaß.

„Ich bin nicht gestorben, weil ich sterben wollte um diese Frau mein Leben zu schenken, sondern weil ich es aufgeben wollte um ein Mensch zu werden, mit dem Wunsch ihm wieder zu begegnen. Und hatte mit meinem letzten Atemzug den Wunsch von Dimitrie erfüllt sie wieder sehen zu können!“ liefen Tia die Tränen über die Wangen. Wonach sie Midian mit den Worten „Und du hast mit einem Kuss meine Erinnerungen in dir eingeschlossen, um mir später, wenn es so weit ist, meinen eigenen Fehler zu zeigen!“ zitterte ihre Stimme. Denn ihr Fehler war gewesen das sie zu jener Zeit nicht wusste was sie wirklich war. Das sie überhaupt nicht wirklich sterben kann, sondern nur indirekt. Denn für sie stand die Zeit immer still, für sie gab es so etwas wie ein Morgen und ein Gestern nicht. Sie war nie Kind und würde nie alt sein. Sie war das Leben und der Tod, das Ende und der Anfang.
„Ja! Und der Fluch bestand immer wieder in deinen Wunsch ihn lieben zu können, ein Mensch zu werden, ohne zu wissen was du wirklich bist !“ bestätigte Midian den Fehler, denn hätte er ihr nicht ihre Erinnerungen wieder gegeben, den Fehler nicht gezeigt, hätte sie diese Welt im hier und jetzt wieder mit diesem Wunsch verlassen, ohne wirklich zu sterben. Es wäre nur wieder ein langwieriger Schlafzustand gewesen, aus dem sie irgendwann erwacht wäre, ohne Erinnerungen und ohne Vergangenheit, weil sie durch das übertreten der Grenze diese einbüßen würde. Indessen Zustand die Seelenbäume immer schwächer wurden, ebenso wie Tia selbst und noch einmal hätten sie es nicht überstanden. Denn in diesem indirektem Todeszustand wurde der Energiefluss zwischen ihr und den Seelenbäumen unterbrochen, was beide immer schwächer hatte werden lassen.
„Ich bin also vor fast zwölf Jahren wieder aufgewacht?“ kamen ihr die Worte der Schlange in den Erinnerungen zurück.
„Ja, es war immer wieder dasselbe, du gabst dein Leben auf um ein Mensch zu werden, ohne dies zu können, wachtest wieder auf um nach zwölf Jahren deine Liebe zu ihm zu erkennen und das du als das was du bist nicht mit ihm zusammen sein kannst!“ bestätigte Midian, wobei es nicht nur Mitleid, sondern auch eine Spur von nicht Akzeptanz in seinen Augen auf blitzte.
„Na ja, er liebt anscheinend sowieso eine andere! Aber wieso hast du mich für Dimitrie die Wirklichkeit durchbrechen lassen? Im Wissen was ich bin, das ich mit ihm, auch wenn ich sein Herz erreicht hätte, niemals mit ihm hätte zusammen sein können?“ sah Tia nun Filice mit klagenden Augen an. Filices Emotionslosigkeit der Gesichtszüge hatte sich wieder aufgebaut und er wollte auch gerade den Sinn dahinter erklären, als er allerdings von einer sanft, dennoch wehmütig gesprochenen Stimme von abgehalten wurde.
„Du hattest sein Herz erreicht!“ war es Tia die dies mit Bestimmtheit und trauriger Stimme sagte, wo sie zusammen mit Angelo nun die kleine Runde betrat.
„Mitwisser?“ sah Midian die beiden an, dessen Angelo mit bissigem Blick erwiderte.
„Das wieso würde mich allerdings auch Mal interessiert!“ ging sein Blick von Midian zu Filice rüber.
„Ich wollte das sie sieht das er es nicht wert ist!“ sprach er kalt die Wahrheit hinter seinen Beweggründen aus. Filice hatte es noch nie interessiert ob er irgendwelche Gefühle mit seinen Worten verletzten würde. Die Wahrheit war nun Mal wie sie war und da brauchte auch eine Verschönerung nichts.
„Meinst du nicht dass du etwas kaltherzig bist?“ war er bei Tiana aber da an genau der richtigen Adresse. Desinteressiert an ihren Worten sah er sie gleichgültig an
„Was? Schaffs du es nicht einmal den Fehler einzusehen? Interessiert es dich nicht das du den beiden damit nur Leid zu gefügt hattest?“ wurde sie immer lauter im Reden. Ungehalten wie sie nun Mal war und viel zu emotional im inneren.
„Tiana!“ versuchte Tia sie davon abzuhalten, denn sie kannte Filice und wusste dass er keine unbedingt große Geduldsgrenze so was gegenüber besaß.
„Ich rede mit dir!“ wollte sie ihm gerade gegen die Schulter hauen, befand sich jedoch im nächsten Moment, wo Filice ihren Arm abgefangen hatte, ihm Todesschein wieder.
„Siehst du diese Welt, spürst du es? Kannst du das Nichts wahrnehmen was dich hier umgibt? Glaubst du wirklich das so ein Leid wie Liebe, etwas was zumeist vergänglich ist, dieses Gefühl überbieten kann? Dem Tia versucht hatte zu entkommen? Willst du damit sagen dass es für sie schlimmer war sich zu verlieben und zu leiden, anstatt eure Welt nur aus dieser Perspektive zu sehen? Ich bereue nicht sie die Grenze übertreten lassen zu haben, dass sie danach gezwungener Maßen den Weg des Racheengels gegangen war. Denn so war sie dieser Welt hier, die durch den Wunsch eure Welt zu betreten nicht mehr von ihr los ließ, entkommen! Den es war die Liebe die sie an dieses Dasein hier, an diese Trotzlosigkeit band!“ war seine Stimme ebenso kalt gesprochen wie es sein Gesicht ihr gegenüber auch war und doch konnte sie in seinen Augen den Schmerz seiner Worte genau sehen.
„Es tut mir leid, das wusste ich nicht!“ senkte sie demütig den Kopf, womit er sie wieder in ihre Wirklichkeit brachte.
„Tia…“ wusste Tiana nicht was sie sagen sollte
„Unterricht!“ lächelte diese verzagt als der Schulgong erklang und verließ mit schweren Herzen die Runde.
„Was nun?“ sah Angelo nicht Midian sondern Filice an, da er Midian einfach kein gutes Gefühl gegenüber aufbringen konnte. Die Art wie sein Blick sich kurzweilig unwillkürlich und wahrscheinlich sogar realisiert verändern konnte, sprach ihm einfach nicht zu. Da war irgendwas um ihn herum, was er noch im Schatten versteckt hielt und Angelo war sich sicher dass es nichts harmloses sein würde.
„Sie liebt Julian, aber dieser scheint verlobt zu sein!“ bewiesen seine Worte Midian was er zuvor schon wusste, das er schon viel länger anwesend gewesen sein muss.
„Hab ich was verpasst?“ sah Tiana ihren Bruder an, Angelo atmete schwer ein und aus, bevor er zu reden begann „Julian tut vor seinen Eltern als Engel und glaubt es mir, diese Rolle kann er wirklich gut spielen. Aber hat so etwas natürlich auch seine Nachteile! Als Dimitrie mir das sagte, hatte ich zu derzeit nicht verstanden wieso Julian ausgerechnet ihn nach drei Jahren nach Tia fragte. Wir gingen von aus das es was mit den vermeidlich gedachten Altersunterschied zu tun hatte. Doch dann fand ich durch Zufall heraus, das Julian zu jener Zeit von seinen Eltern gebeten wurden an einem Heiratsinterview teil zu nehmen, mit der Aussage das ihnen sehr viel daran liegen würden. Dass es ein Mädchen aus guten Hause sei und sie die junge Dame sehr mögen.
Julians Mutter erzählte dann unseren Mutter, das es ihr irgendwie seltsam vorgekommen war. Zuerst sagte er, das er ein paar Tage Bedenkzeit bräuchte, dem sie natürlich zustimmten, aber dann plötzlich ein Tag später sagte, dass er es macht und sie sich keine Sorgen zu machen brauchen. Das wenn es ihr Wunsch ist, dann würde es auch für ihn in Ordnung gehen. Doch sie sagte dass die Augen von ihrem Sohn dabei merkwürdig leer wirkten, als ob er innerlich vollkommen aufgegeben hätte.
Dennoch waren sie natürlich froh darüber das sie ihn so schnell von der arrangierten Ehe mit dieser jungen Dame überzeugen konnten“
„Soll das heißen…“ fing Tiana den Satz an, den Angelo im Wissen was sie sagen wollte, direkt fortführte
„Ja, er hatte sich bei der einen Begegnung im Aqusee in Tia verliebt gehabt! Und durch die fälschliche Annahme sie sei Tod, sich dem Wunsch seiner Eltern desinteressiert an dessen Ausgang legendlich deswegen nur gefügt!“
„Für ihn ist es so besser!“ untermauerte Midian die Richtigkeit dessen, böse funkelte Tiana ihn an
„Was kann bitte daran richtig sein jemanden zu heiraten, obwohl man eine andere liebt?“, Midian lächelte besänftigend „Noch immer besser, als um jemanden zu kämpfen dem man nicht haben kann oder?“ blieb das lächeln, was zeigte wie überlegen er ihrer Argumentation war, wie selbstachtend und unbeeindruckt er von ihrer aufbrausenden Art war.
„Also gibt es wirklich keine Möglichkeit für die beiden?“ sah Tiana Filice groß an, der nur demütig den Kopf seitlich nach unten abwendete.

Eigentlich hatte Tia auch wirklich vorgehabt im Unterricht nun zu sitzen, doch sah der Ort an dem sie sich nun befand ganz anders als ihre Klasse aus. Wo sie nun vor dem Haus ihrer Mutter, ihrer Menschlichen Mutter stand.
„Wollen sie..Tia? Um Gottes Willen Tia!“ brach die alte Frau die in dem Haus neben ihrer Mutter wohnte in Tränen aus
„Ja, Frau Jahkobs, ich bin es!“ lächelte sie bedrückt, weil die alte Frau weinend ihre Finger in Tias Gesicht legte, als ob sie nicht glauben würde das es echt sei. Doch diese helle Haut, das lange seidige Haar, was im Schein der Sonne in seinem Weiß immer so Engelsgleich glänzte und in alle dem diese großen grünen Augen, sie würde dieses Mädchen überall wieder erkennen können.
„Kind wo warst du? Wieso kommst du erst jetzt? Wieso?“ weinte sie weiter und Tia wusste das sie eine Lüge erzählen musste, um diese alte Frau wieder zu beruhigen
„Ich war in einem Autoumfall verwickelt und hatte mein Gedächtnis verloren!“ versuchte sie zu lächeln, was mit dem innerlichen Gefühl von Wehmut einfach nicht gelingen wollte.
„Deine Mutter ist im Krankenhaus, deine Tante, los Kind du solltest dich beeilen!“ schob die alte Frau Tia Richtung Straße.
„Was?“ murmelte Tia neben sich stehend, wobei ihr dann aber wieder die Schwester von ihrer Mutter einfiel. Auch wenn sie ihr nie in Wirklichkeit gegenüber gestanden hatte. Waren viele Erinnerungen von Filice in Tia wie auch in der Schwester von ihrer Mutter eingebettet worden, die furchtbar real wirkten, dass es Tia die Tränen in die Augen schießen ließ.

„Was willst du?“ sah Julian die Brünette mit gereizten Gemüt an, Er saß dort auf der Treppe um seine Gedanken zu sammeln, alles noch mal innerlich zusammen zufassen und nicht um sich nun von ihr über irgendwas behelligen zu lassen.
„Ich liebe dich Julian!“ sprach Klara leise, die Hände vor ihren Beinen nervös ineinander gelegt.
„Geh lieber, bevor ich mich vergesse!“ warnte sein Blick davor nun gegen zu sprechen. Doch Klara wusste dass es ihr letzte Chance sein sollte.
„Bitte Julian!“ ging sie die Stufen zu ihm hoch, wo er auf der letzten Stufe von der zweiten Treppe saß.
Keine Reaktion von ihm.
„Julian ich würde wirklich alles für dich tun!“ zitterte ihr Stimme, doch sie ging weiter auf ihn zu, hatte nun den kleinen viereckigen Flur zur nächsten Treppe erreicht.
„Klara, ich bin verlobt!“ sah er an ihr vorbei
„Das weiß ich, es ist mir egal!“ setzte sie weiter einen Schritt vor dem anderen
„Es ist dir egal?“ sprang er mit einem Mal auf, fasste ihr grob gegen den Hals und drückte sie gegen das Geländer
„Es ist dir also egal wenn ich es mit dir tue, aber ne andere heiraten werde ja?“ schrie er fast schon, Klara erwiderte nichts, ließ sich legendlich gefallen wie er ihr von hinten den Slip runter zog, sie noch fester gegen das Geländer drückte und sich gegen sie.
„Es ist dir also egal ja?“ hauchte er ihr mit noch immer derselben Wut in der Stimme, ins Ohr
„Ja!“ antwortete sie dünn
„Geh, mach das du weg kommst!“ drückte er sich darauf jedoch nur von sich weg und ging die Treppe weiter hoch, wo Klara nun völlig zusammen brach. Sie liebte ihn und natürlich war es ihr nicht egal, doch wenn es bedeuten sollte so wenigstens noch etwas Zeit an seiner Seite verbringen zu können, dann würde sie es ertragen. Doch nicht einmal das wollte er ihr mehr zu gestehen, liefen ihr nun die Tränen der Erkenntnis, dass sie wirklich verloren hatte, dem Gesicht herunter.
 

Tia zitterte am ganzen Körper, ihre Hände fanden einfach keinen Halt mehr. Sollte sie da nun wirklich rein gehen? Sollte sie es nun wirklich tun?
„Nein ich kann das nicht!“ drehte sie wieder um, wo sie nun in das Gesicht einer Krankenschwester rein blickte, die freundlich lächelte und fragte zu wem sie wolle, ob sie ihr irgendwie helfen könnte
„Ich wollte zu Tatjane Williems!“ stammelte Tia mehr, als das sie wirklich reden tat.
„Na dann komm mal mit Schätzchen, ging sie an ihr vorbei und öffnete direkt die Tür, vor der Tia die ganze Zeit bangend gestanden hatte.
„Hier ist besuch für sie!“ lachte die Krankenschwester Herzhaft, als sie ins Zimmer trat und die Geräte kontrollierte, an denen Tantjana angeschlossen war, die nun ebenso wie Silvia irritiert erst die Krankenschwester und dann die Tür ansahen, wo nun zögerlich, ganz langsam, jemand herein kam und Silvia wie versteinert nur noch die Hand vor den Mund halten konnte.
„Bist du es wirklich?“ wisperte sie verstört, Tia nickte, sie hatte wirklich versucht gehabt nicht zu weinen, doch der Anblick ihrer Mutter, wie sie die Hand so fest vor dem Mund presste und selbst schon nicht mehr zu weinen aufhören konnte, war zu viel, als das sie es geschafft hätte.
„Tia!“ sprang sie auf und rannte auf ihre Tochter zu, sie aus Angst, sie direkt wieder irgendwie zu verlieren, fest in ihre Arme schloss.
„Du bist es wirklich, Tia! Tia!“ schlurzte sie weiter, die Stimme kaum noch hörbar.
Bewegt sah Tatjana das Bild mit an, sie lag dort mit dieser Beatmungsmaske vor dem Mund, zu schwach um sie abzunehmen, dabei schrie alles in ihr das sie was sagen wollte, dass sie wenigstens einmal ihren Namen aussprechen möchte, nur einmal Tia sagen wollte. Stattdessen sah sie nur dieses Bild an und merkte wie die Tränen seitlich an ihrem Gesicht runter liefen, das Kissen immer nasser wurde und das Atmen immer schwerer, was nun nur noch ein hilfloses Japsen unter Tränen war, als die Augen mit einen Mal so schwer wurden und Silvia erstarrt die Augen aufriss, als das Geräusch von durchgehenden Piepen ihre Ohren erreichte und Tia den Grund dafür auch sah.
Lächelnd erhob sich die Seele von Bett, ohne auch nur einmal zurück zu schauen, ihrem Körper anzusehen. Sie wusste dass sie nun nicht mehr lebte und mit der Erkenntnis des Todes auch was Tia wirklich war.
„Auch wenn du nicht wirklich ihre Tochter bist, liebt sie dich wie eine!“ sprach sie es so sanft, so bestimmt aus, dass es Tia eine Gänsehaut über den Rücken jagte.
„Mama!“ löste Tia sich von ihrer Mutter und hielt ihr auffordernd die Hand hin, auch wenn sie wusste das sie damit alles preis geben wollte, empfand Tia es als richtig und sie musste schnell agieren, bevor ihre Selle den Weg zum Seelenbaum finden würde.
Mit schmerzvollen Augen legte Silvia schwach ihre Hand in die ihrer Tochter, womit sie im nächsten Moment fast zu schreien angefangen hätte, doch von der Stimme hinter ihr wieder beruhigt wurde, die mit vertrauenswürdigen Ton sagte, das sie keine Angst haben bräuche. Fassungslos drehte Silvia sich um
„Ich ich…“ bekam Silvia kein Wort heraus, dabei wollte sie ihr doch so vieles noch sagen. Doch ihre Schwester nickte verstehend, es gebrauchte keiner Worte mehr um es sie verstehen zu lassen, womit sie Silvia ein letztes Mal in ihre Arme schloss, bevor ihre Seele verschwand. Weinend brach Silvia zusammen, auf den eigentlich blauen Boden, wo nun nur lebloses Grau herrschte.
„Sie ist wirklich tot oder?“ sah sie zu Tia auf, die mitleidig dem zu nickte.
„Was ist dies für ein Ort?“
„Der Todesschein!“ antwortete Tia und ging zu ihr runter in die Knie
„Bist du auch…?“ sah sie ihre Tochter mit nassen Augen an
„Nein!“ schüttelte sie den Kopf
„Aber wie?“, Tias Blick senkte sich, vor diesen Moment hatte sie Angst gehabt, doch es musste nun sein. Langsam zog sich das Grün aus ihren Augen heraus, als sie ihr Blick wieder ihrer Mutter zugewandt hatte, das zarte rosa ihrer Haut verschwand und ihr Körper war wieder von diesem unglaublich schönem Glanz eingehüllt
„Was bist du?“ lag trotzdem keine Abscheu, keine Verachtung, sondern nur Traurigkeit in den Augen ihrer Mutter.
„Ich bin das Leben und der Tod, das Ende und der Anfang. Ein Racheengel, wie auch ein Seelenführer. Doch was ich wirklich bin, ist der Entstehungsspunkt von allem und doch bin ich auch einfach nur deine Tochter Tia, die Tia die du als die deine Tochter angenommen hast und in der du einen Menschen gesehen hast!“ war ihre Stimme sanft und wissend. Dies war nicht mehr die naive unwissende Tia, sondern ein Wesen was keine Zeit kannte, kein Angst und keine Vergangenheit und doch hatte sie nun eine!
„Ich bin gekommen um dir für alles zu danken und Lebewohl zu sagen!“ erhob Tia sich wieder, wobei sie ihr die Hand mit einem sanften Lächeln entgegen hielt.
„Leb wohl?“, Tia nickte. Schweren Herzens ergriff Silvia ihre Hand
„Aber du bist doch meine Tochter!“ wollte sie es nicht wahr haben sie nun für immer zu verlieren
„Und das werde ich auch immer bleiben und egal was geschieht, ich werde immer bei dir sein, dort in deinem Herzen!“ deutete Tia auf ihre linke Brust und nahm sie ein letztes Mal als Abschied in die Arme, bevor aus dem Zwielicht wieder die andere Realität wurde und Tia verschwunden war.

Wütend saß Julian auf dem Schulhof auf eine der beiden nebeneinander stehenden Bänke, die mit ihrem hässlichen Grün im Sonnenlicht schimmerten.
Er wusste wieso Tia diese Worte ausgesprochen hatte, ihren Schmerz, den Schock in ihren Augen, er hatte es deutlich gesehen gehabt. Doch besaßen Worte mehr Macht als Wissen, sie schafften es ein eigentlich liebendes Herz Hass voll werden zu lassen und den realistischen Blick seiner Augen zu verzerren. Nun hatte Tia in ihm wirklich einen Feind gefunden, der nur noch eines vor Augen sah, ihr den Schmerz, den Stich den ihre Worte seinem Herz zu gefügt hatten, zurück zu geben. Er wollte dass sie leidet, aber gleichwohl würde er sie niemals gehen lassen, sie sollte seins sein, ohne das Leid dabei zu verlieren. Ein ewiger Kreislauf in dem er sie bei sich hält, ohne sie an sich ran zu lassen. Sie sich fügig macht, ohne sein Herz ihr noch Mal zu öffnen, das sollten nun die Konsequenzen ihrer Worte sein. Sah er hoch zum Himmel, ohne die Wirklichkeit, das wahre Leid hinter ihrer Liebe zu kennen. Denn Julian sollte noch sehen, das es schmerzhaftere Dinge gab als Hass voll ausgesprochene Worte, nämlich die Wahrheit hinter dem Schicksal.

Der Abend neigte sich langsam seinem Anfang zu, was die angenehme Wärme langsam in kühlen Wind umschlagen ließ. Doch schaffte kein einziger Luftzug es mehr Tia zu erreichen, welche mit leeren Blick durch die Scheibe des Fenster blickte, in das Krankenzimmer hinein wo eins Kiaras Schrei raus sie erreicht hatte, an jenen Ort wo vor so langer Zeit das Schicksalsrat sich von vorn zu drehen begann.
Graue Trotzlosigkeit die nur durch das sterile Weiß durchbrochen wurde, Tia wusste das die Zeit nun langsam zum Countdown anfing runter zu zählen, das es nur noch wenige Tage waren die ihr als Tia verblieben, bevor sie wieder zu dem werden würde was sie wirklich war. Doch sie blieb auch Tia, sie besaß nun eine Vergangenheit, kannte ihren eigenen Fehler und würde den Fluch nicht erneut eintreten lassen. Senkten sich traurig ihre Augen, ein Mensch zu sein, ein Wunsch der schon älter als der Fluch war, denn Tias Augen hatten diese Welt schon immer geliebt und sie wollte schon immer ein Stück des ganzen sein. Doch es war erst die Liebe zu Julian die ihn auf derartige Weise stark hat werden lassen, aus einer Träumerei in die Wirklichkeit hat treten lassen.
Aber...? ließ sie sich zurück fallen, um leichtfüßig mit bedenklicher Miene auf die Dachplattform des gegenüber liegenden Hauses sich nieder zu lassen.
-Er hatte mich gesehen!- wurde ihr das eigentlich unmögliche an der Vergangenheit bewusst. Wie konnte ein Mensch sie sehen? Durch die Grenze dieser Wirklichkeit in den Todesschein hinein blicken? ging ihr Blick hoch zu dem eigentlich dunkel blauen Himmel, dessen Sterne das einzige waren, die mit ihrem weißen Leuchten noch das selbe Aussehen besaßen wie sie es in ihrer Wirklichkeit taten, trat sie aus dem Todesschein heraus
Es musste ein Grund haben, doch welcher konnte es sein? neigte sie den Kopf schräg
"Ich weiß dass du da bist!" senkte sie jedoch gleichwohl die Augenlieder
"Deine Kraft ist also schon mächtiger geworden!" trat nun Midian ebenfalls aus dem Todesschein heraus
"Mag sein!" zuckte Tia mit den Schultern, sah ihn darauf jedoch ernst an "Wie kann ein Mensch in den Todesschein hinein sehen?", Midians Augenbrauen hoben sich, die Frage war absurd, ein Mensch konnte es nicht und würde es nie können, sie meint...! zog scharfsinniges Begreifen in seine Augen hinein
"Julian?" fiel ihm wieder ein was Tia gesagt hatte, er hatte sie ja gesehen, senkte er unwillkürlich den Blick, bedenklich ins leere gerichtet.
"Du kannst dir also auch keine Erklärung für geben?" lächelte sie, Tia hatte es indirekt eigentlich schon gewusst gehabt, es war ein aussichtsloser Versuch gewesen eine Antwort zu finden, von jemanden zu hören, der ebenso wenig es wissen konnte wie sie. Doch sie unterschätzte das Wissen was Midian besaß. Er war nicht ohne Grund das Oberhaupt der Racheengel, was sein bedenkliches Mund verziehen auch zeigte, auf dem die Ahnung eines Grinsen sich zeigte.
"Es gibt gewisse Möglichkeiten, die eine Eventualität in Betracht bringen würden, doch ob es wirklich dem ist!"
"Welche?" fragte sie schneidend. Einen Augenblick sah Midian sie an, ihre Gestalt war noch immer die niedliche Verssarde von Unschuldigkeit, wie das Helle Haar im Wind spielerisch nach vorne ging und von ihr immer wieder hinters Ohr gestrichen werden musste. Die großen Teddybär Augen, doch ihre Haltung war nicht mehr dieselbe, nicht mehr dieses naive und kindliche. Die Tia die nun vor ihm stand, die Tia die ihm nach dem Kuss in die Augen gesehen hatte, diese Tia besaß eine erschreckende Autorität, ein Zeichen ihrer Zeitlosigkeit, von der Tatsache das sie schon länger existierte als alle jenen ihrer und doch stand dort legendlich ein hilfloses Mädchen vor ihm, dessen Schönheit paralysierend war.
"Wie ich dir sagte, existieren auch noch andere Wesen unter den Menschen, unerkannt und angepasst, gefährliche, wie auch gutmütige... Aber auch Wesen die von ihrem eigenem wahrem Ich keine Ahnung haben!", Tias Blick wurde fragender, Wesen die von ihrem eigenen Ich keine Ahnung haben? Was für Wesen sollte es hier noch geben?
"Müsste man dann nicht eine gewisse Präsenz dessen von ihm war nehmen?"
"Ja und nein!" schüttelte Midian mit dem Kopf, so einfach war es nicht  "Es existieren überall so etwas wie Dämonen, sie tragen viele Namen, aber betiteln wir sie einfach mal so!" drehte Midian sich dem Ende des Daches zu und sah in die Ferne. "Diese würde man erkennen, natürlich, aber gleichwohl existieren da auch noch andere Wesen und zwar die Gottheiten dieser Erde!"
"Gottheiten?" wurde Tias Augen groß, wobei ihr Verstand wie eine lustige Polonäse zu lachen beginnen wollte. Doch Tia wusste das Midian über so etwas keine Scherze machen würde und auch keinen Spinnereien Glauben schenken würde, sondern nur dessen dem er beipflichten konnte, was er wirklich auch wusste.
"Ja Tia!" sah er sie lächelnd an "in gewisser Hinsicht sind es eigentlich auch nur Menschen, jedoch nur im Sinne davon, den es sind Träger der Elemente, wo sie zu meist wirklich nichts von ihrem wahrem Ich wissen " sah er sie prüfend an. Aber Tia verstand schon was er meinte, auch wenn es noch nicht völlig in ihrem Verstand eingebettet war.
"Können sie auch erwachen? Bzw. worin besteht ihre Aufgabe?" wand nun Tia sich dem Dachende zu
"Soweit ich weiß existieren genau vier Gottheiten, sie sollen erwachen wenn die Erde in Gefahr ist, so wie es heißt, soll das Erwachen der Vier Gottheiten das Jüngste Gericht bedeuten"
"Was?" sah Tia ihn entsetzt an, Midians Blick blieb ernst
"Zu meist treten sie allerdings einzelnd auf, die Ausbrüche der Vulkane, Überflutungen, Wirbelstürme und natürlich nicht zu vergessen die Erdbeben!", Tia nickte, als ob ihre Erinnerungen Bilder wach gerufen hätte, von zerstörerischen Naturkatastrophen, Reinigungen der Erde, lachte ihr Verstand wehmütig, wobei sich für den Moment aber ein anderes Bild auf tat. Vier Gestalten, dessen Aussehen sie nicht erkennen konnte und ein beklemmendes Gefühl
"Du erinnerst dich langsam, richtig?" sah Midian sie prüfend an, mit einen Blick der auch von jemanden sein könnte, der nicht wirklich wusste was er denken sollte, sah Tia das Oberhaupt der Racheengel an
"Sie sind schon einmal alle zusammen aufgewacht oder?", Midian nickte, es lag weit zurück, sehr weit und doch war es in seinen Erinnerungen noch gegenwärtig
"Ja!" senkte er demütig den Kopf "Und sie werden erneut erwachen! was auch der Grund deines Wächters ist, wieso er dich aus deinem eigenem Schein herausholen wollte!"
"Mich?" sah sie ihn hilflos an, wieso sie? Und wieso sollten sie nun wieder erwachen?
"Das letzte Mal als sie erwacht sind hast du sie aufgehalten, dein vergangenes Ich hatte dir nicht die ganze Geschichte gezeigt!" hielt Midian seine Hand hin. Für den Moment sah Tia ihn überlegend an, vielleicht war es für ihn einfach jemanden einfach so zu küssen, doch für sie war es das nicht und doch war es die einzige Möglichkeit die Vergangenheit zu verstehen und ihre ganzen Erinnerungen zurück zu bekommen, reichte sie schlussendlich ihre Hand in die seine und ließ sich Widerstandslos zu ihn ziehen und seine Lippen auf die ihre legen, womit ihre Augen sich schlossen und sie alles was geschah aus seinen Augen sah.
+Unschlüssig stand Midian etwas von den Gräbern entfernt, er hatte die Präsens eines Racheengels gespürt, eine ihm unbekannte Aura und das obwohl er das Oberhaupt der Racheengel war, wo er nun eine zierliche Gestalt mit weiß blondem Haar dort stehen sah, die Farblosen Augen traurig auf dem Mann gerichtet der mit leeren Augen vor einem Grabstein stand.
Midian hatte schon viele schöne Frauen gesehen, doch noch nie eine die so unschuldig und schön zu gleich war und dem hinzu auch noch ein Racheengel. Wollte er gerade auf sie zu, in Erfahrung bringen wer sie war, wieso er sie nicht kannte, wie das sein konnte, als plötzlich ein weiterer junger Mann dazu kam und mit dem umdrehen von Tia sie ebenso entsetzt ansah wie er sie. Als im selben Moment der Himmel sich verdüsterte und grelle Blitze von Himmel herab stürzten, womit die junge Dame den Kopf als ob sie den Inhalt dessen verstehen würde anhob und zurück sah. Wo ein trauriger Blick in ihren Augen, das letzte war bevor sie verschwand und er noch realisiert das begreifende Grinsen von Julian sah. Womit das Bild sich wieder veränderte und aus seinen Erinnerungen die ihre wurden.
"Wer bist du?" sprach ein junger Mann mit langem blondem Haar, ohne sich von Tia um zu drehen, ebenso wie die beiden anderen ebenfalls. Sie standen auf einer Klippe, welche direkt an einer Stadt randete, wo Fachwerkhäuser noch von Altertümlichkeit erzählten und sahen zu wie der Himmel immer dunkler wurde, während immer weiter der Wind zu einer unübersehbaren Gefahr heran wuchs.
"Wieso tut ihr das?" fragte Tia, ohne es selbst wirklich zu fragen, es war legendlich die Worte aus ihren Erinnerungen, die sie zu jener Zeit eins einmal gesagt hatte.
"Weil wir der Zerstörungswut der Menschen nicht mehr länger untätig gegenüber stehen wollen!" sprach nun ein dunkelhaariger, während der dritte sich Tia zu drehte.
-Die Menschen haben es nicht verdient zu existieren!" sahen seine grauen Augen sie überreichlich an. Tias Blick veränderte sich, von Entsetzlichem Zorn zu Mitleid, was den jungen Mann die Augenbrauen heben ließ, ohne das die anderen beiden sich umdrehten.
"Ihr versteht die Menschen nicht, auch wenn ihr ausseht wie sie, wisst ihr nicht was es bedeutet Mensch zu sein! Deswegen werde ich euch die Chance geben ein neues Urteil zu bilden!" war es nicht Tias naive Stimmlage, sondern eine autoritäre und weise.
"Wer denkst du das du bist, das du so etwas sagen kannst?" fragte der Blonde, aber drehte sich noch immer nicht ihr zu, als ob sie es nicht wert sei und er nur auf das fokussiert war, was er dort tat.
"Versuche nicht das Schicksal zu ändern, sobald der Vierte im Bunde hier ist, ist es vorbei!" sah die grauen Augen des Mannes sie noch immer kalt an, während er die Arme anhob und aus dem leichten rieselregen richtiger wurde.
Tia lächelte, hob ihre rechte Hand an und ließ ihren Starb erscheinen, wo weißer Sand glühend im unteren Becken der Sanduhr schimmerte
"Auge um Auge..." hob sie den Starb an " Zahn um Zahn" war es ein gütiges Lächeln was auf ihrem Gesicht lag
"Und für das Schicksal eine zweite Chance"
"Du bist ...!" drehte der Blonde sich entsetzt um, als er realisierte mit wem sie es da zu tun hatten, doch da war es schon zu spät, mit dem zerbrechen der Sanduhr, entfaltete der Starb seine Kraft und ließ mit ihrem letzten Atemzug noch einen letzten Wunsch endstehen, sie wollte ein Mensch sein, sie wollte ihn, diesen Mann in einem neuen Leben erneut treffen, ihrem Herzen ebenfalls eine Chance geben. Womit auch Julian als Bruder von Dimitrie erneut geboren wurde und Dimitrie Klara erneut begegnen sollte.+
Die Augen aufgerissen sah Tia Midian apathisch an, ihr Ausdruck war eine Mischung aus Realisierendem Endsetzten und traurigem Lächeln.
"Manchmal ist das Fazit was man aus einem halben Wissen sieht ein verehrender Trugschluss nicht wahr?", Midian nickte, genau dies war es, was er ihr noch nicht sagen konnte, was der erste wirkliche Blick in ihre Augen ihm zeigte, als die verschlossenen Erinnerungen in seinem Herzen wieder mit dessen öffnen sich offenbarten.
"Du hast Klara nicht zurück ins Leben geholt, so ein Fehler würde dem Engel des Todes niemals unterlaufen. Nein, du hast sie wieder reinkanieren lassen, sie alle so wie sie waren, du hast aus den Gottheiten der Elemente zum Schein Menschen werden lassen und die Schicksal Verknüpfung genauso wie sie war in das hier und jetzt geholt!"
"Als ob ich einfach die Zeit weiter gedreht und die Voraussetzungen etwas verändert hätte!" lächelte Tia schwach. Midian erwiderte das Lächeln, wobei sein Blick allerdings warnend wurde.
"Mit diesen Erinnerungen und das Wissen um die Situation, solltest du nun auch die selbe Ahnung besitzen wie ich, was den Grund für Julians Blick in den Todesschein anbetrifft, oder?"
"Er war der Vierte, richtig? Er war überhaupt nicht der Bruder von Dimitrie!"
"Nein, du hast ihn durch deinen irrtümlichen Glauben und den Wunsch ihn auf selber Weise, nur als Mensch wieder zu begegnen, zu dem gemacht!"
"Aber wieso habe ich dabei meine Erinnerungen verloren?!"
"Weil esch der Preisch für das immer wieder währendes übertreten der Wirklischkeit ischt!"
"Flügel?" machte Tia ein belämmertes Gesicht, als die Farblose Schlange mit Flügeln wie ein Drache kreisend über sie flog. Midian lachte, das war wieder Tia, nicht der Engel des Todes, sondern der Racheengel wie er sie kannte.
"Wenn zwölf Jahre vollendet schind, werden schie wieder zu dem wasch schie wirklisch schind!"
"Das bedeutet das sie in ...in..?" überlegte Tia
"Neun Tagen!" antwortete Midian, es waren noch Neun Tage, dann sollten die Zwölf Jahre nach ihrem Erwachen vollendet sein
"Warum eigentlich zwölf Jahre?" sah Tia die Schlange fragend an
"Zwölf Jahre waren esch von dem Moment an wo du im Schlaf verfielscht, erwachtescht, bisch zu dem Tag hin wo alsch du den Fluch beginnen liescht!"
"Was ich gesehen hatte war der Anfang des Fluches, die erste Begegnung zwischen mir und Julian richtig? Wieso sind sie das bei den letzten beiden Malen nicht aufgewacht?"
"Du meintest die Elementargötter?" fragte Midian, Tia nickte, sie ahnte es zwar schon, doch musste sie die Bestätigung dessen haben.
"Weil du mit deinem Wunsch ein Mensch zu sein jedes Mal den Fluch, das Rad der Zeit für euch zurück gedreht hast, ohne den wirklichen Zeitfluss zu beeinflussen!"
"Das bedeutet ich habe sie immer die Jahre die ich schlafen sollte zurück gehen lassen, um die ganze Situation erneut durchleben zu lassen?" erschien das Ganze für sie immer absurder. Midian nickte, ein Fehler der sich im Kreis drehte, immer wieder von vorne begann, ohne ein Ende zu finden.
"Doch dieschmal werden Schie wirklisch erwachen und du musscht sie aufhalten!" sah die Schlange Tia mit ihren Reptilien Augen direkt an, den Kopf beim Kreisen auf sie gerichtet.
"Wir werden sehen was geschieht!" schloss sie die Augen und durchschritt die Grenze zum Todesschein um ihre Umgebung zu dem werden zu lassen, wo der Hilferuf des Schülers sie hinführte. Auch wenn die Welt in Gefahr war, auch wenn das alles noch zu durcheinander war, wollte sie das Leid was sie gesehen hatte, nicht ungebüßt lassen. Denn auch wenn sie nun mehr als das war, war sie dennoch noch immer ein Racheengel.

Schweiß gebadet wachte Angelo in seinem Bett auf, den Blick zu Uhr wurde ihm bewusst das er nur etwas über eine Stunde geschlafen hatte, doch war es ausreichend gewesen, zitterte sein Atem noch immer. Er hatte von Tobendem Wasser geträumt, davon dass der Meeresspiegel sich erheben würde, fürchterliche Bilder von antobender Gefahr, wo er allerdings rechtzeitig noch heraus aufwachen konnte.
Auch wenn er in seinem Traum am Meer gestanden hatte, innerlich spüren konnte wie die Gewalt der Meere sich immer weiter erhoben, besaß er dennoch keine Angst davor, es war als ob etwas in ihm gewesen wäre, was nicht wirklich er war. Den Kopf über diesen Schwachsinn schüttelnd, schob Angelo die Decke bei Seite und stand auf.

"Du weißt wer die Elementargötter sind oder?!" sah Midian hoch zu der Wächterschlange, die ohne ein Wort, nur mit einem letzten bestätigendem Blick zu ihm sah, bevor sie wieder verschwand.
Midian wusste das dieses Wesen mächtig war, das sie Tia ihren Schlaf über bewacht hatte und sie mit ihrem Leben beschützen würde.
Auch wenn Midian die Erinnerungen von Tia besaß, wusste er allerdings nicht wer sich hinter den vieren versteckte, das einzige was er wusste war, das Julian einer von ihnen war, den mit dem Kuss hatte er ebenso wie Tia alles noch Mal gesehen gehabt und ebenso wie sie sein wissendes Grinsen gesehen und den Inhalt von ihrem Wunsch gespürt.
-Wasser, Wind..- diese Beiden konnte er ausschließen, sie waren schon vorhanden gewesen. Da blieben dann nur noch Feuer und Erde, wo einer der dreien und Julian die verbleibenden waren. Doch egal wie er es auch drehte und wendete, Tia würde schlussendlich sich den vieren gegenüber sehen. Doch wenn Julian dann noch immer diesen Hass in den Augen tragen sollte, wie sollte dies dann enden?

Überrascht stand Dimitrie in der von ihm geöffneten Haustür und sah seinen Bruder an, dessen Ausdruck enorm zornig und dennoch irgendwie Verzweifelt wirkte.
"Komm rein!" trat Dimitrie zur Seite, worauf Julian die Wohnung betrat und durch den Flur hin in die Küche ging, wo er sich seufzend am Küchentisch hinsetzte.
"Möchtest du etwas trinken?" sah Dimitrie ihn noch immer skeptisch an. Julian war bis her noch nie zu ihm gekommen, nicht seitdem er von zuhause ausgezogen war und auch vorher hatten sie nicht unbedingt das beste Verhältnis gehabt.
"Ich will aus diesem Ehearrogemor heraus!" sah Julian seinen Bruder ernst an, erstaunt hob Dimitrie die Augenbrauen, musste aber gleichzeitig damit kämpfen nicht finster zu schauen, als ihm klar wurde was, bzw. wer der Grund dafür war.
"Ich denke du hast dem schon zugesagt oder?" setzte er sich ihm gegenüber, ohne was zu Trinken oder desgleichen hingestellt zu haben, von dem was Julian sagte gänzlich geschockt.
Julian zuckte mit den Schultern, es war ihm egal, für ihn zählte nur eins, auch wenn er Tia nicht mehr unbedingt gutgesinnt gegenüber war, war sie noch immer die jenige die er wollte und davon würde er keinen Schritt zurück weichen.
"Du kannst das jetzt nicht einfach mehr so rückgängig machen!" verschränkte Dimitrie die Arme ineinander.
"Ach nein?" holte Julian seine Zigarettenpackung aus der Jackentasche und zündete sich eine an. Kommentarlos sah Dimitrie es mit an, er selber rauchte nicht, doch Liara schon, von daher stand auch ein Aschenbecher auf dem Tisch bereit
"Ich will nicht und genau so werde ich es ihnen auch sagen!" zog er an der Zigarette und ließ den blauen Dunst wie eine schleierwand nach oben ziehen
"Damit wirst du dein Engelsbild zerstören, das ist dir klar oder?!" wollte Dimitrie es so nicht laufen lassen, er wollte nicht das er Tia noch näher kam, geschweige das sie zu ihm gehören könnte. Julian hatte genug Frauen die alles dafür tun würden an seiner Seite zu sein, wieso musste es da ausgerechnet Tia sein? Warum?
"Hättest du eine Fremde geheiratet?" zog Julian wieder an dem Glimmstängel, Dimitries Blick wurde düsterer, er wusste das Julian recht hatte und auch das er sich selbst auch nicht dazu zwingen lassen würde, doch was sollte er sagen?
"Hast du sie überhaupt schon einmal gesehen?" fragte er ihn grinsend
"Nein, das brauch ich auch nicht!" aschte er ab und sah seinen Bruder ernst an "Und beim nächsten Mal, halt dich einfach heraus wenn ich was mit Tia zu klären habe!" war das böse funkeln in seinen Augen warnend. Dimitries Schattenriss wurde bedrohlich dunkel. Er würde sich doch von seinem kleinen Bruder keine Befehle geben lassen.
"Ich will das du dich von Tia fern hältst!" sah Dimitrie ihn warnend an, mit einen Blick der keine Wiederrede duldete und vor aggressiven Nachdruck nur so übersprudelte.
"Mich würde interessieren was deine Frau dazu sagen würde!" grinste Julian unheilvoll
"Was ich wozu sagen würde?" kam nämlich genau diese gerade aus dem Wohnzimmer in die Küche hinein.
Zornig sah Dimitrie seinen Bruder noch Mal an, bevor er seinen Blick Liara zu wand.
"Es geht um eine Schülerin aus meiner Klasse!" antwortete Dimitrie wahrheitsgemäß ohne wirklich den Grund dahinter preis zu geben.
"Und warum soll er sich von ihr fern halten?" setzte Liara sich neben Julian und sah ihren Mann fragend an, denn sie hatte seine Aussage zuvor genau mitbekommen gehabt. Die komplette Situation war für Dimitrie unbegreiflich, er saß seinem Bruder und seiner Frau gegenüber und sollte erklären wieso er nicht wollte das Julian diesem Mädchen näher kommt, ein Mädchen was für beide, wenn sie ihr wahres ich kennen würden, eine andere Bedeutung bekommen würde. Für seine Frau war es der Engel der ihr Leid beendete, ihren Peinigern aus der Vergangenheit Vergeltung zu kommen ließ und für sein Bruder, ja was für eine Bedeutung hatte sie für ihn? Sah Dimitrie ihn einen Moment überlegend an, während seine Frau ihn abwartend ansah und immer misstrauischer wurde.
-Er liebt sie!- wusste er die Antwort schon längst, doch wie sollte ein so herzloser Bastard überhaupt wissen was Liebe ist, lieben können? Wollte sein Verstand, das was er über Julian wusste, dagegen reden. Etwas besitzen wollen ist nicht dasselbe wie jemanden bedingungslos lieben- machten seine Augen ihm Vorwürfe, ohne das auch nur ein Wort davon über seine Lippen kamen, die fest aufeinander geschlossen blieben.
"Dimitrie?" machte Liara Nachdruck, als er nach einigen Sekunden noch immer nicht angefangen hatte zu reden
"Julian, dieses Mädchen ist jemand mit dem du dich nicht anlegen solltest!" erhob Dimitrie sich und ging um den Tisch herum aus der Küche heraus. Fragend sah Liara ihren Schwager an, wusste überhaupt nicht was sie von denken sollte. Aber auch Julian war völlig komplex, sein Bruder würde so etwas nicht ohne Grund sagen, doch in welcher Hinsicht sollte so ein zierliches Mädchen gefährlicher sein als er? Sie war ja fast schon ausgetickt als er vor ihren Augen einen anderen getreten hatte! Nein dieses Mädchen konnte nicht gefährlich sein.
"Julian?" wollte Liara Antworten haben, das innere Tier namens Unwissenheit fing immer mehr an seine Farbe in Grün übergehen zu lassen und blickte schon mit den Augen der Eifersucht aus ihrem Gesicht hinaus. Denn Tia war keine normale Schülerin, nicht wie die anderen, sie war schöner, irgendwie anders! Auch wenn sie noch nicht so recht erklären konnte warum.

Die Nacht schritt immer weiter voran, angstvoll sah Kevin immer wieder zur Uhr hin, der Schüler wurde mit jeder Stunde die verging, in der sein Vater noch immer nicht nach Hause kam unruhiger und Angstvoller. Er wusste das umso später sein Vater kam, umso mehr hatte er getrunken und umso mehr er getrunken hatte, um so aggressiver wurde er sein. Zuckte er mit einem unterdrückten Aufschrei zusammen, als die Tür endlich aufgeschlossen wurde und ein hoch gewachsener Mann laut schimpfend herein trampelte.
"Jeden Gott verdammten Tag dasselbe, jeden Gott verdammten Tag verhinderst du das ich leben kann, du saugst mir meine Energie aus, verhinderst das ich frei leben kann!" bölkte er betrunken, während seine im Wahn getriebenen Augen den Schüler zornig anstarrten.
"Papa ich...!" wich der braun haarige junge Mann immer weiter zurück
"Nein, nichts da Papa!" öffnete der Vater seine Gürtelschnalle, während er auf den Jungen zu ging und zog sie raus
"Du bist an allem schuld!" schrie er laut auf und holte mit dem Gürtel weit aus, dessen Schnalle den Jungen nur knapp verfehlte und eine neue Macke an der Tapete verursachte
"Dein Wunsch nach Rache wurde erhört!" durchbrach Tias Stimme gewaltsam die Gnadenlosigkeit des Momentes, indessen beide sie erschrocken ansahen
"Was verdammt noch mal bist denn du?" lachte der Vater mit zornigem Ton auf, langsam sah Tia von dem Schüler ihrer Schule zu dessen Vater hin, die farblosen großen Augen kalt in seine gerichtet. Sie sah noch immer die Bilder vor sich, die der junge als kleines Kind mit ansehen musste, als er die Mutter brutal Tod geschlagen hatte, die Tatsache das er es damit rechtfertigen konnte das sie die Treppen runter fiel, die Unbegreiflichkeit dessen das die Polizei es glaubte, sie spürte die Verzweiflung die in dem Jungen immer stärker wurde und fast schon seine Grenze zur Aufgabe erreicht hatte, sah den grauen Strich in seinen Augen der schon fast die Grenze zu Schwarz überschritten hatte.
"Auge um Auge, Zahn um Zahn..." hob sie schwungvoll den Stab hoch "...und die Hölle für das zugefügte Leid!" zerbrach das Glas der Sanduhr auf dem Boden, womit die Augen des Vaters sich entsetzt weiteten
"Wo bin ich, wo sind wir?" wich er hysterisch zurück, in vollkommen nüchternen Zustand, den Unterschied seiner Sichtsperspektive jedoch noch nicht realisiert.
"Du bist Schuld, es ist alles nur deine Schuld!" schwankte ein Schatten der ihn selbst darstellte surreal vor ihm hin und her, die Gürtelschnalle öffnend und den Gürtel heraus ziehend, verzog der Schatten sich immer wieder in enormer Größe auseinander und ließ die Schnalle auf ihn herab sausen.
"Nein bitte!" hielt er beide Arme schreiend vor seinem Gesicht, gegen das die Schnalle des Gürtels mit seinem Metall immer wieder gegen schlug.
Ein greller Schrei der so schmerzvoll erklang das es die Ohren des nun zum kleinen Jungen gewordenen in sich piepen ließ und das Gesicht angstvoll zur Seite wenden, wo ein weiterer Schatten vor dem anderen gebeugt auf dem Boden hockte, schreiend und auf den Boden weiter runter sackend, die Hände schützend hoch hielt, während die Schnalle des Gürtels mit emenser Gewalt auf sie nieder schlug
"MAAMAAA" schrie der kleine Junge mit verweinten Augen, das Herz vor Angst innerlich zerdrückt, als ein letzter Schlag den Kopf traf und der Schatten den Körper der Mutter, vor den Augen des kleinen Jungen, ganz zusammen sacken ließ. Eine Blutlache die auf dem Boden immer größer wurden und leblose Augen, die ohne was zu sehen in seine Richtung blickten, wollte der Junge schlurzend aufstehen und auf sie zu, wurde aber von den erneut nieder hagelnden hieben mit der Gürtelschnalle, welche aus festen Material bestand, von abgehalten. Spürte die Schmerzen, wie sein Körper dem nicht mehr lange stand halten konnte, wie die Schnalle gegen seine kleinen Arme prallte, gegen seine Schultern, der stechende Schmerz wurde immer drückender, bis zu dem Punkt wo die Wahrnehmung schon fast zu schwinden begann, als der grelle Schmerzschrei seiner Mutter von neuem erhalte und seinen Kinderaugen sich das Bild erneut zeigten.
"Wo ist er?" sah der Schüler Tia mit entsetzlicher Unfassbarkeit in den Augen an. Tia versuchte zu lächeln, sie kannte das Leid was in ihm sich all die Jahre hinein gefressen hatte. Die Schläge, die Angst, der psychische Terror und das Bild wie seine Mutter vor seinen eigenen Augen zu Tode geschlagen wurde.
"Es ist nun vorbei, er wird dir nun nie wieder etwas tun können!"
"Ist er in der...!" schaffte Kevin es nicht das Wort auszusprechen, den Satz von Tia > die Hölle für das zugefügte Leid< noch immer im Kopf kreisend.
"Ja und dort wird er nun immer und immer wieder erleiden was er anderen antat, was er dir antat!" verschwand Tia wieder im Todesschein.
Weinend sackte der Schüler zusammen, die Leere des Zimmer, eine Wohnung die für ihn immer nur aus Angst und Pein bestand, sollte er sie nun wirklich für immer verlassen können? Ging er mit zögerlichen Schritten auf die Tür zu, als ob er Angst haben würde das sein Vater jeden Moment rein kommen könnte, doch er wusste, dass er nun nie wieder es tun könnte und öffnete schlussendlich die Tür, um sie ein letztes Mal hinter sich wieder ins Schloss zurück fallen zu lassen.

"Noch Neun Tage!" sah Tia aus dem Todesschein Dimitrie an, wie er im Wohnzimmer auf der Couch saß, während Julian mit seiner Frau in der Küche war.
Langsam ging sie über den blauen Teppich auf Dimitrie zu, sein Blick war niedergeschlagen und doch konnte Tia auch eine noch immer enorme Wut in ihnen wiederspiegeln sehen.
Die Hand vor sein Gesicht angehoben, als ob sie ihn berühren wollte, sah sie ihn Sekunden lang einfach nur still an. Sie hatte ihn so sehr geliebt, hätte alles für ihn aufgegeben und doch spürte sie nun das diese Liebe eigentlich nicht hätte da sein sollen und doch war sie es gewesen, sie hatte mit starker Intensität in ihrem Herzen geschlagen, wo sich nun ein anderes Gefühl befand, ein anderes Bild materialisierte. Ein Bild was sie zuvor übersehen hatte, all die Zeit nicht wahrnahm. Ging sie langsam wieder in gerader Position zurück und sah zum Türrahmen von der offenen Tür der Küche herüber.
Eigentlich hätte sie es schon bei ihrer ersten Begegnung im Aquasee merken müssen, seine Augen, sein Gesicht, vielleicht lag es daran das er zu jener Zeit noch jünger gewesen war als sie? Blieb sie vor dem Stuhl stehen, auf dem gerade noch Dimitrie gesessen hatte und sah Julian fragend an, ohne eine Antwort zu erhalten.
"Es scheint als ob selbst mit anderen Voraussetzungen unsere Liebe keine Chance haben würde!" wurde ihr Blick betrübt, er saß dort neben Dimitries Frau und starrte ins Leere und doch wirkte es so, als ob er sie ansehen würde. Tias Herz krampfte zusammen
"Noch neun Tage, dann erwachst du!" versuchte sie zu lächeln, doch wie sollte man in so einer Situation, mit so einem Wissen lächeln, er wusste nicht wie wahr seine Worte waren, wie viel Wahrheit in seiner Aussage doch steckte, das sie nun wirkliche Feinde sein würden. Doch genau dies waren sie nun, denn sollten sie kein anderes Urteil fällen, würde es bedeuten das Tia diese Welt und mit ihr die Menschheit beschützen müsste und ihre Liebe den Preis dafür zahlen werden muss.
"Ich glaube ich liebe dich!" ließ sie das Bild des Todesscheins sich wieder wandeln.
"Hast du was gesagt?" sah Julian die Frau seines Bruders irritiert an, die ihn nun ebenso unwissend ansah und legendlich mit dem Kopf schüttelte
-Ich liebe dich- runzelte er die Stirn, es war ihm als ob er jemanden dies hätte sagen hören, hatte er sich es wirklich nur eingebildet gehabt? wollte er gerade deprimiert grinsen, als das Handy in seiner Tasche zu klingeln begann.

"Tia?" sah Angelo von seinem Bett unsicher auf, als ein Schatten sich an seinem Fenster abzeichnete, an dem auf beide Seite die Vorhänge weit aufgezogen waren. Ein großes Panoramafenster, vor dem er nun eine zierliche Gestalt stehen sah
"Egal welchen Weg ich auch erwäge, es funktioniert einfach nicht!" blieb Tia dem Fenster zu gedreht
"Was meinst du?" setzte Angelo sich aufrecht hin, ein leises lächeln erreichte seine Ohren, kaum wahrnehmbar und doch bemerkte er es deutlich, ein verzweifeltes Lächeln.
"Weißt du, ich liebe ihn!" redete sie weiter, ohne auf seine Frage einzugehen, sprach das aus was ihr Herz so sehr quälte
"Meinst du Julian?" stand Angelo auf, Tia schwieg, doch Angelo wusste das er Recht hatte, ihr Schweigen war Antwort genug gewesen. Es war ungerecht, ihr Herz hatte schon so viel gelitten gehabt, wurde schon eins von Dimitrie zerbrochen und nun sollte es erneut zerbrechen? Einfach so? Ohne das man etwas gegen tun könnte? Angelo wollte es einfach nicht hinnehmen
"Wieso sagst du es ihm nicht einfach? Was hält dich von ab? Du lebst doch auch in dieser Welt, dann altert die Person die er liebt halt nicht, und?", lächelnd sah Tia ihn durch die Dunkelheit an
"Er ist nicht wirklich ein Mensch!"
"Was?" wurden Angelos Augen groß, was durch die Dunkelheit die in seinem Zimmer hausierte gut kaschiert wurde
"Wie meinst du das?" fragte er vorsichtig
"Angelo weißt du, das wahre Ausmaß von dem was in der Vergangenheit geschehen war, ist noch viel größer als du denkst!" sah sie wieder zum Fenster hinaus, wo sich durch den vorigen Regen und der Wärme des Sommers nun sachter Nebel über alles hinweg zog
"Erklär es mir" stand Angelo vor seinem Bett und sah die junge Dame an. Er wusste dass hinter diesen Worten etwas gewaltiges sich verbergen musste, doch wie gewaltig, das konnte er nicht ahnen.
"Der wahre Fluch hatte seinen Anfang nicht in der Liebe zwischen mir und Julian, sondern in dem Versuch die Erdengötter davon zu überzeugen das die Menschen nicht schlecht waren und der Tatsache das ich nicht wusste das Julian überhaupt nicht Dimitries Bruder war. Ich dachte nur dass er sein Bruder wäre, weil sie sich so ungemein ähnlich sahen!" drehte Tia sich zu Angelo um
"Erdengötter?" echote Angelo perplex, er hatte auch darüber Mal etwas gelesen gehabt, doch es erschien ihm immer viel zu weit her geholt, als das es glaubwürdig erklang "Du redest von den Vier Reitern der Apokalypse?" setzte er sich geschockt wieder auf seinem Bett zurück, Tia nickte, was er selbst durch die Dunkelheit in diesem Zimmer gut erkennen konnte.
"Sie sind die Mächte der Uhrgewalten, der Natur, wenn sie erwachen und das Urteil über die Menschheit sprechen, dann wird die Welt von der Natur, von Überflutungen, Dauerregen, Wirbelstürmen, ausbrechenden Vulkanen und unvorstellbaren Erdbeben, welche die Erde oberflächlich aufreißen werden, heim gesucht!" sah Tia den jungen Mann verloren an. Sie vertraute ihm und hoffte in seinen Worten Hilfe zu finden. Angelo war nicht nur unausgesprochen intelligent, nicht nur einfühlsam und nüchtern in jeglicher Ansichtsperspektive, Nein! Er sah oftmals die Lösungen die einen vor den Augen lagen ohne das man sie sehen konnte.
"Von was hängt ihre Endscheidung ab?"
"Von den Erfahrungen die sie als Menschen sammelten!" trat Felice aus dem Todesschein in das Zimmer von Angelo hinein.
"Vielleicht haben sie ja genug gute Erfahrungen gesammelt?" versuchte Angelo optimistisch zu sein
"Meinst du dass Julian dir da zu stimmen würde?" sah Tia ihn verletzt an, Angelos Atem stoppte
"Julian?" wiederholte er den Name unwillkürlich hoch
"Er ist einer der Erdengötter Angelo und von seiner Endscheidung hängt es mit ab!"
Erschrocken zuckte Angelo zusammen als sein Handy zu klingeln begann und durch die Vibration fast vom Nachttisch schon fallen wollte.
"Die Nummer kenne ich nicht!" sah er das Display unentschlossen an, nahm das Gespräch dann aber doch entgegen
"Gib mir die Nummer von Tia!" raunte er ohne jegliche Höfflichkeitsform ins Handy hinein, was Angelos Blick ungewollt sich auf Tia richten ließ
"Sie hat kein Handy, aber sie steht gerade vor mir, einen Moment!" wusste Angelo nicht so recht wieso er so gehandelt hatte, doch aus irgendeinem Grund sah er es als richtig an und Angelo konnte seinem Bauchgefühl schon immer vertrauen.
"Ja?" nahm Tia das Handy, was Angelo ihr entgegen gehalten hatte und drehte sich zum Fenster hin, indessen Ihr Herz fast drohte stehen zu bleiben
"Wo bist du?" fragte es mit kalter Stimmlage
"Warum sollte ich es dir sagen?" fragte sie verbissen
"Wo bist du?" wiederholte er seine Frage drohender
"Da wo du nicht bist!" brummte Tias Temperament, was sie einfach nie abschalten konnte
"Ich nehme Mal an das du bei Angelo bist" lachte er klanglos "komm morgen in der Pause runter zum Keller!" war der befehlende Ton seiner Stimme dunkel
"Warum sollte ich?" trotzte Tia
"Es wäre wirklich besser für dich wenn du dann da bist!" erreichte Tia wieder das Tuten nach dem Julian dies bestimmend gesagt hatte und auflegte.
"Er will sich morgen in der Schule mit mir treffen!" zuckte sie unsicher mit den Schultern, es klang schließlich nicht gerade nach einer Einladung zu einem Date.
"Wirst du gehen?" sah Filice sie mit seinen gesenkten Augenlieder apathisch an. Sollte sie hingehen? Verzog sie den Mund, die großen grünen Augen unschlüssig auf Filice gerichtet.


"Wusstest du dass der Engel des Todes noch unberührt ist?" legte Midian die Hände auf dem Rücken in einander.
"Was willst du mir damit sagen?" saß Aria auf der weißen Liege im Schein des weißen Lichts was die Wirklichkeit um sie geworfen hatte. Es war der Ort an dem Tia ohne ihre Erinnerungen aufgewacht war. Die Pforte zwischen der Wirklichkeit der Menschen und die der ihre.
"Es gibt einen Weg wie sie zum Menschen werden kann!" ließ Midian seine rechte Hand vom Körper weg gehen, öffnete seine Hand und umfasste den Stab der Sense, welche wie aus dem Nichts Endstand.
"Wie kann der Ursprung von allem Menschlich werden?" strich Aria sich das rote Haar zurück, ihr war sehr Unbehagen bei der Frage und noch unwohler bei seinem undeutbaren Blick in den Augen
"In dem sie ihren Platz, ihre Macht an jemand anderen überträgt!" sah Midian die rot haarige Schönheit an
"Und du willst diesen Platz einnehmen?" wurden ihre Augen groß, ihn mit einer solch unvorstellbaren Kraft, das wollte sie sich gar nicht erst vorstellen.
"Mich interessiert diese Position nicht, der Preis ihrer ist viel zu hoch, mich interessiert nur die Tatsache dass sie ein Mensch werden kann!" grinste er eigen.
"Warum?" konnte Aria sich diese Frage nicht verkneifen, was sollte es für einen Sinn ergeben? Wenn sie Menschlich wird, würde sie sterblich werden, vergänglich sein. Er liebte sie, doch er unterlag nicht den Gesetzen der Zeit, das würde bedeuten dass sie für ihn dann nicht mehr als ein Wimpernschlag von Zeit sein würde.
"Wusstest du dass ein Racheengel wenn er die Vollkommenheit seiner Kraft erreicht hat, einen neuen Racheengel ins Leben rufen kann?"
"Was?" stand Aria verstört auf
"Ja Menschen können auch zu Racheengeln werden, wenn ihre Seele während ihres Todes eine unbeschreiblich hohe Reinheit besitzen!" durchschnitt er mit der Klinge seiner Sense die Wirklichkeit
"Du willst sie umbringen sobald sie Menschlich ist?" schrie Aria schon fast erschrocken. Midian grinste bestätigend, während er durch den Schnitt in die andere Wirklichkeit verschwand. Ohne zu wissen das Tia ihr Leben selbst verwirkt hätte, wenn sie ihre Macht abtreten würde.

"Du schaust aus als ob du die ganze Nacht durchgeweint hättest?" sah Tinka ihre Freundin an, als diese gerade die Klasse betrat. Einen Moment blieb Klara vor der kurzhaarigen Blondine stehen. Sie hatte tatsächlich die ganze Nacht durchgeweint gehabt. Ihr Herz schrie vor Leid, schrie nach Julian, doch die letzte Begegnung die sie mit ihm hatte, war grausam genug gewesen um ihr endlich die Augen gänzlich zu öffnen und realisieren zu lassen das sie ihn niemals für sich gewinnen werden könnte.
"Scheint als ob Julian wirklich von dir abgelassen hätte!" lachte Beatriss unbekümmert. Sauer sah Klara sie an, sie wusste das Beatriss auch Mal etwas mit Julian hatte und auch das sie es nun anscheinend auf Herr Till den Geschichtslehrer und Schularzt dieser Schule abgesehen hatte. Auch wenn sie nicht wusste das sie mit ihm ebenfalls schon etwas hatte.
"Ich habe gehört das er dich wegen einer anderen fallen gelassen hatte und ihr sogar Schutz zu sprach!" setzte sie sich auf dem Tisch von Klara, vor dem sie zusammen mit ihrer Freundin noch immer stand.
"Willst du mir irgendetwas sagen?" knurrte Klara, sie mochte diese arrogante Barbiepuppe nicht und machte daraus auch noch nie ein Geheimnis. Beatriss grinste während sie mit den Schultern zuckte.
"Also ist diese Tia nun Julias feste Freundin?"
"Nein ist sie nicht!" kam Julian genau in diesem Moment herein und ging an den dreien unberührt von ihren Worten vorbei auf seinen Platz zu.
"Ich denke du hältst deine Hand über sie?" folgte Beatriss dem auch sofort.
"Ich glaube das Macht unter Schularzt schon genug!" war der Zorn noch immer in ihm zu spüren
"Was?" verengten sich Beatriss Augen.
"Hast du etwas an den Ohren?" sah Julian sie mit gesenkten Augen an, was Beatriss ohne noch was zu sagen sich zurückziehen ließ. Normalerweise hätte sie es nicht einmal gewagt ihn einfach so anzusprechen, geschweige sich zu ihm hin zu stellen. Doch sie war einfach zu neugierig gewesen ob dieses Gerücht nun wirklich stimmte und zu schadenfroh was Klara anging. Und nun musste sie sich so etwas anhören? stampfte sie mit eisiger Wut aus der Klasse heraus, direkt an dem Lehrer vorbei, der sie nur fragend beim vorbei gehen ansah.

Lautlos lachend ging Aria auf Midian zu, der mit seinem Kittel und der Brille kaum noch die Charakteristischen Eigenschaften besaß die er als Midian eigentlich repräsentierte.
"Da ist eine junge Dame für dich und wenn meine Augen mich nicht täuschen, scheint sie ziemlich angefressen zu sein!" ging sie an ihm vorbei, ins Hinterzimmer hinein.
"Kann ich dir irgendwie helfen Beatriss?" drehte Midian sich mit seinem Drehstuhl der jungen Blondine zu, als diese gerade die Krankenstation betrat.
"Ich habe gehört dass du eine Schülerin hier beschützen sollst, wie kann ich das verstehen?" waren ihre Worte weder taktisch, noch überlegt gewesen. es war reine Rationalität die aus ihr heraus agierte.
Scharf Luft eingezogen erhob Midian sich
"Sprich bitte definierter, sah er sie ernst an
"Ich rede von dieser Tia, was ist sie für dich?" wurde der hassvolle Funken in ihren Augen immer stärker, der schlimmes zu versprechen wusste.
Grinsend ging Midian auf die junge Dame zu, die unwillkürlich bis zur Wand zurück wich, mit rasendem Herzen und stark ausgeprägter Nervosität.
"Das kann ich dir sagen, wenn du ihr auch nur irgendwie zu nah kommen solltest, werde ich dir zeigen wie gefährlich Fachwissen in der Medizin sein kann. Haben wir uns da verstanden?" hatte er drohend einen Arm neben ihr gegen die Wand gestemmt und es mit dem Gesicht nah an ihrem leise ausgesprochen.
"Und jetzt geh!" wand er ihr wieder den Rücken zu, worauf die Blondine Hals über Kopf aus dem Zimmer heraus rannte.

Tia wollte gerade an dem korpulenten Lehrer vorbei rennen, um noch vor ihm die Klasse zu erreichen, auch wenn sie wusste das Rennen verboten war, als sie plötzlich am Arm zurück gezogen wurde und ins Lehrerzimmer hinein.
"Wir müssen reden!" drückte Dimitrie sie unsanft gegen die Wand und signalisierte ihr mit seinem Blick das sie leise sein sollte. Denn auch wenn um diese Zeit nie jemand hier drin war, befanden sich die anderen Klassen direkt auf der gegenüber liegenden Seite.
"Was läuft zwischen dir und meinem Bruder?" neigte er den Kopf tief. Die Augen kurz geschlossen musste Tia sich zwingen nicht los zu schreien und in rasender Wut auszubrechen, ihn stattdessen nur ruhig anzusehen
"Habt ihr was miteinander?", noch immer sah Tia ihn nur trotzig an
"Was? Also ja? Und wie weit seit ihr schon gegangen?" kam er ihr mit dem Gesicht näher, die Wut hatte mal wieder seinen Verstand ausgeschaltet und die Lenkung seiner Agierungen übernommen
"Was geht es dich an?" setzte Tia ihre Hände auf seinen Brustkorb ab "Du bist verheiratet und mein Herz geht dich nichts mehr an!" stieß sie ihm von sich weg, womit sie den Vorwurf den ihr Herz die ganze Zeit in sich trug, endlich ausgesprochen hatte und sich endlich von der Vergangenheit und ihren Schmerz in ihrem Herzen befreien konnte.
"Es tut mir leid!" senkte Dimitrie demütig den Kopf, es tat ihm wirklich leid, er wusste dass er so nicht mehr reagieren durfte, dass er seine Chance vertan hatte und er wusste auch das sein Bruder sie wirklich liebte. Doch wie sollte er ihnen helfen? Wie konnte man ihm helfen? Sein Bruder war blind vor Wut, ebenso wie er es vor jener Zeit war, auch wenn er nicht wirklich wusste was sein Bruder so zornig machte.
"Es ist schon gut, ist okay!" lächelte Tia endwarnend und sie meinte es auch so, es war nun okay
"Liebst du ihn?" sah Dimitrie sie ernst an, doch diesmal ohne Wut oder Hass
"Spielt es noch eine Rolle?"
"Ja, das tut es!" seufzte Dimitrie und setzte sich auf einer der aneinander gereihten Schultische
"Er will wegen dir seine Hochzeit absagen, welche übrigens von unseren Eltern arrangiert war!"
"Arrangiert?" war diese Aussage für Tia wie ein Schlag ins Gesicht, Dimitrie nickte
"Wusstest du das etwa nicht?" hob er die Augenbrauen, nein Tia wusste es nicht und das zeigte ihr zutiefst verstörter Blick auch deutlich.
"Es spielt keine Rolle mehr, dein Bruder hast mich!" wollte Tia das Lehrerzimmer verlassen, blickte allerdings nur in das fragende Gesicht von Dimitries Frau hinein, welche die Arme ineinander verschränkt die Augenbrauen anhob
"Wir reden über Julian!" versuchte Dimitrie etwas zu erklären, was seine Frau sowieso nicht glauben würde.
"Willst du mich verarschen?" drückte sie hinter sich die Tür wieder zu "Ist dies der Grund wieso du nicht willst das Julian ihr zu nah kommt?" wurden ihre eigentlich sanften Augen boshaft, als sie an Tia vorbei auf ihren Mann zu ging
"Dieses Mädchen ist jemand mit dem er sich nicht anlegen sollte ja? Weil du hinter ihr stehst oder was?" wurde sie immer verzweifelter in ihrem Zorn
"Nein!" durchbrach Tia mit schneidender Stimme den Moment "Weil ich ein Racheengel bin!"
"Was?" drehte Liara sich irritiert um "Du?" erstarrte ihr Blick, welcher im ersten Moment nicht fassen konnte was er dort sah, sie! Dieses Mädchen was zuvor nichts weiter als eine ganz normale Schülerin war, sie! Stoppten ihre Gedanken panisch, den Blick auf die fortwährend schimmernde Haut, die großen glatten Augen, die sie in diesem Moment mit ihrer Farblosigkeit direkt ansahen.
"Ich habe eins dein Hilfeschrei erhört, nun bitte ich dich meinen zu erhören, es darf niemand wissen was ich wirklich bin!" ließ sie den Glanz ihrer Gestallt wieder verschwinden und die farblosen Augen wieder Grün werden.
"Oh Gott!" musste Liara sich erst einmal neben ihren Mann auf den Tisch setzen um das ganzen zu verdauen, wobei ihr nun still die Tränen übers Gesicht liefen
"Dir habe ich zu verdanken das ich Nachts wieder ruhig schlafen kann, das es endlich ein Ende fand. Wie könnte ich ..." brach ihre Stimme. Lächelnd drückte Dimitrie sachte Liaras Kopf gegen seine Schulter
"Es ist okay! Alles in Ordnung!" lächelte Tia ebenfalls, was Dimitries Frau unter Tränen der Dankbarkeit nicken ließ
"Er liebt dich!" sprach sie mit dünner Stimme
"Sie meint Julian!" erklärte Dimitrie, Tia nickte
"Ja, nur leider ist es nicht so einfach, egal wie sehr ich ihn ebenfalls Liebe, es ist komplizierter als es aussieht!"
"Weil er ein Mensch ist?" sah Dimitrie sie skeptisch an, schließlich war er auch ein Mensch und sie wollte alles für ihn zu jener Zeit aufgeben
"Nein! Weil ich nicht nur ein Racheengel bin, sondern der Uhrsprung von allem!" wand Tia den beiden den Rücken zu und verließ das Lehrerzimmer, womit sie die Tränen in ihren Augen vor den Beiden verbarg.
"Was meint sie damit?" sah Liara ihren Mann unschlüssig an
"Das sie bis her nicht wusste was sie wirklich ist!" betrat Midian nun das Lehrerzimmer
"Du weißt wer sie ist, was sie ist?" sah Dimitrie den Schularzt erschrocken an, der amüsiert über diese Frage grinste
"Ein Racheengel kann zu einem Menschen werden, doch ein Wesen was gleichzeitig der Anfang, wie das Ende, das Leben und den Tod wiederspiegelt, wie sollte so ein Wesen zu einem Menschen werden?"
Die Augen für den Moment geschlossen verharrte Aria noch einen Augenblick vor dem Lehrerzimmer, bevor sie den Korridor weiter entlang ging und nach einigen Schritten in den Todesschein über wechselte. Midian manipulierte alles um Tia herum, lenkte alles in seine gewünschten Richtungen, wie ein Puppenspieler, der mit seinen Fäden alles bestimmte, ohne dass jemand es wirklich bemerken kann.

Nervös stand Tia in dem Kellerraum, im Wissen das Julian jeden Moment kommen würde.
"Was mach ich nur hier?" wollte sie gerade raus gehen, durch die noch immer offene Tür hindurch, wo allerdings Julian kopfschüttelnd schon stand und mit sich die Tür zu zog
"Vor mir kannst du nicht weg rennen!" ging er mit kalter Mimik an ihr vorbei
"Was willst du von mir?" drehte Tia sich mit, Julian lachte, kalt und gefühlslos
"Ich habe dir schon einmal gesagt das du dich vor mir nicht verstecken kannst, das du nun mir gehörst oder?" setzte er sich wie beim letzten Mal auf dem Tisch, holte seine Zigarettenschachtel heraus und steckte sich in aller Ruhe eine an.
"Öffne deine Bluse!"
"Was?" wich Tia ein Schritt zurück
"ICH HABE GESAGT ÖFFNE DEINE BLUSE!!!" schrie er ungehalten
"Mir reicht’s!" drehte sie um, gleichwohl schmiss Julian die Zigarette zu Seite weg und schnellte in dem Moment in dem Tias Hand die Klinke der Tür erreichte, auf sie zu und trat die Tür wieder zurück ins Schloss
"Ich habe gesagt dass du deine Bluse öffnen sollst!" sah er sie herablassend an
"Eher würde ich sterben wollen!" trotzte sie
"Wenn es dein Wunsch ist!" sah er sie ernst an, worauf Tia im nächsten Moment mit seinen Händen um ihren Hals gegen die Wand gedrückt wurde und japsend nach Luft versuchte ihn von sich weg zu drücken.
"Hast du jetzt genug Angst vor mir?" ließ er wieder von ihr, vorauf Tia schwer atmend ihn ansah, mit einem Blick den er so an ihr noch nie gesehen hatte. Sicher, Hass, Angst, Zorn und selbst verurteilend hatte er sie schon blicken sehen, aber noch nie so, nie als ob sie innerlich vollkommen kalt geworden, ihn gefühlslos ansehen würde
"Bis hier hin und nicht weiter!" hob sie den Kopf an, Julian fing an zu lachen
"Willst du mir Angst machen?" lachte er böse auf
"Vielleicht wäre es besser, wenn du Angst hättest!", die Augenbrauen gerunzelt dachte Julian für den Moment ihre Augen sich verändern zu sehen, als ob das Grün aus ihren Augen verschwinden würde, als plötzlich Schritte auf dem Gang zu hören waren und beide erschrocken zur Tür blickten, die im nächsten Moment schon abgeschlossen wurde.
"Scheiße das war der Hausmeister!" hastete Julian zur Tür, wo nun von ihm bestätigt wurde, das diese wirklich verschlossen war.
"Bist du jetzt stolz auf dich?", böse sah Julian sie an, davor warnend noch ein Wort in diese Richtung zu sagen
"Was? Oder willst du sagen dass ich sie zu gemacht hatte?"
"Glaub ja nicht dass ich vor dir halt mache nur weil du ein Mädel bist!" zuckte sein rechtes Auge verärgert
"Wie könnte ich, schließlich weiß ich was für ein Herzloser Bastard du bist!"
"Es reicht!" schritt er auf sie zu, die Augenlider gefährlich gesenkt
"Was reicht?!" blieb Tia unbeeindruckt stehen, wich nicht zurück, sah ihn nur genau so böse an wie er sie
"Ich warne dich!" vibrierte seine Stimme schon drohend
"Ach ja? Und du glaubst wirklich das ich Ang.." die Augen groß, schnitt Julian ihr mit seine Lippen welche er ihr grob auf die ihre drückte das Wort ab.
"Soll ich weiter machen?" blieb der böse Blick in seinen Augen, mit dem er sie finster ansah
"Öffne deine Bluse!"
"SAG MAL GEHT ES DIR NICHT GUT DA OBEN?!" schrie Tia außer sich, worauf Julian mit einer schnellen Bewegung nach dem Stoff ihrer Bluse griff und sie selber aufriss, was durch die Druckknöpfe mit einem einzigen festen Zug möglich war und Tia direkt schützend die Arme vor sich verschränken ließ
"Komm her!" hob er kalt den Kopf ein Stück weit an.
Verstört starrte Tia ihn an, was sollte sie tun? Sie war ihm als Mensch nicht gewachsen, doch wenn sie ihr wahres Ich preisgab, dann würde hier nun alles enden.
"Julian bitte, es reicht!" sah sie ihn verzweifelt an
"Was reicht? Hattest du nicht gedacht dass du mich noch mehr hassen könntest? Oder bist du verzweifelt weil dein Schularzt dich nicht beschützen kann?" höhnte Julian, im Glauben das sie nun noch saurer, noch wütender in ihrer Wortwahl werden würde. Doch Tia senkte nur getroffen den Blick
"Träumst du schon von Naturkatastrophen Julian?" hob sie den Kopf wieder an, doch waren ihre Augen diesmal nicht mehr ängstlich, sondern unheilvoll das Grinsen was dennoch ernst wirkte
"Wovon redest du?"
"Du träumst also schon davon!" zog Tia die Mundwinkel auseinander, was mehr ein selbst ausgrinsen war, als das es ihn zugedacht war.
"Wovon soll ich träumen?" machte ihre Worte ihn unsicher
"Davon wie die Natur außer Kontrolle geriet!" legte sie den Kopf schief
"Woher weißt du das?" wollte er sie wieder aggressiv gegen die Wand drücken, hielt sich aber selbst von ab
"Was für eine Naturkatastrophe ist es die du siehst Julian?"
"Was!!" fing sein Kopf plötzlich an zu pochen, als ob etwas von ihnen fest gegen die Schädeldecke schlagen wurde
"Was,...?" torkelte er zwei Schritte zurück, das Gesicht Schmerzverzerrt
"Kommen die Erinnerungen nun zurück?" folgte Tia dem
"Wer bist du?" sah er sie unsicher an
"Was glaubst du?" lächelte Tia schwach
"Was ich glaube?" ließ Julian die Hände wieder fallen, als er sich auf die Frage konzentrierte, womit auch unbemerkt die Schmerzen wieder verschwanden.
"Ist da jemand drin?" unterbrach die Stimme des Hausmeisters die Konversation der beiden
"JA!" schrie Tia laut und rannte auf die Tür zu
"Wieso zum Teufel seit ihr hier drin?" öffnete der alte Mann die Tür "Ach so!" fing er jedoch gleichzeitig an zu schmunzeln "Ein Pärchen!" zwinkerte er Julian zu, der dem nur den Kopf weg drehte.
"Jetzt aber schnell, raus aus dem Keller!"
Wortlos lief Tia neben Julian die Treppen hoch, keiner von beiden sagte etwas, obwohl die Herzen von beiden so laut schrien.
"Vielleicht sollten wir das Spiel hier enden lassen!" sagte Julian plötzlich unerwartet für Tia und blieb vor der Tür vom Notausgang stehen. Die Lippen geöffnet als ob sie etwas sagen wollte, sah Tia ihn verletzt an
"Spiel?" entriss sie ihm wieder den Blick "ja, lass uns das Spiel hier beenden!" ging sie durch die offene Tür hindurch, ohne den ebenfalls verletzten Blick von Julian gesehen zu haben.

Demütig senkte Dimitrie den Blick, er hatte den Ausdruck in Tias, wie auch in Julias Gesicht genau gesehen gehabt, stand nur etwas entfernt auf der Wiese vom Notausgang. Als Schulaufsicht war es auch seine Pflicht den hinteren Teil, die Wiese und den kleinen Gang um die Turnhalle unter Aufsicht zu halten, wo ihm die beiden in die Augen stachen und er nun seinem Bruder nach sah, wie dieser in der entgegengesetzten Richtung als Tia seinen Weg weiter führte. Es sah doch selbst ein Blinder das sie sich liebten, wieso sahen sie es bei dem jeweils anderen dann nicht? Wieso waren sie so blind?
"Was ist los?" trat Liara neben ihren Mann und folgte seinem Blick zum Ende der Wiese, wo Tia sich in dem kleinen Eckstück verzogen hatte, wo sie Julian das erste Mal auf dieser Schule begegnet war.
"Wie kann man zwei so sture Charaktere zusammen führen?" fragte er ohne seine Frau an zu sehen, noch immer den Punkt fokussiert wo Julian gerade verschwunden war.
"Ich glaube in dem man ihnen sagt was man weiß!" wusste Liara was sie da gerade aussprach, doch genau so meinte sie es auch, denn wie sollte Julian verstehen, wenn er nicht wusste was sie von ihm fern hielt, gegen was ihre Liebe ankämpfen musste? Sollte nicht gerade er es sein, der das wissen besitzen sollte?
"Du meinst Julian die Wahrheit sagen?" richtete Dimitrie seinen Blick nun prüfend auf Liara
"Ja!" antwortete diese in ihren Worten sicher.

"Hier bist du!" kam Debian auf Julian zu, indessen er in einer schon routinierten Handlung seine Brille zurecht rückte.
"Ist irgendwas wichtiges?" blieb Julian stehen, er wollte sich nun eigentlich nicht mit jemanden unterhalten, sondern für sich sein, dennoch blieb er ruhig stehen und hörte den Wortes des hageren Schülers aufmerksam zu.
"Es scheint als ob sich unter den Weibern eine mehr oder weniger Anti- Tia- Sympathie ausbreitet!" erklärte er zügig. Julian seufzte, sollte er darauf reagieren? Eigentlich konnte es ihm doch egal sein oder? Sie wollte von ihm nichts wissen, dennoch blieb ein Teil in ihm der Meinung sie davor beschützen zu müssen, doch der Stolz in ihm war größer und die aggressive Wut überzeugender.
"Sollen se doch!" zuckte er deshalb unberührt mit den Schultern
"Bist du sicher?" sah der Schüler ihn durch seine Brille skeptisch an, Julian senkte die Augenlieder, wieso musste er immer alles Zych tausend Mal sagen, bis es bei den Leuten wirklich ankommt. Es war ihm egal, bzw. er wollte dass es ihm egal ist, wollte von all dem nichts hören oder sehen, sollte sie doch selbst sehen wie sie da nun wieder raus kommt. Ging er an Debian vorbei, den schmalen Gang auf den Schulhof hinaus.
Debian hatte zwar gehört und auch verstanden was Julian sagte, was er wollte, doch der Ausdruck in Julians Augen hatte ihm etwas anderes erzählt, nun war nur die Frage ob er wirklich nicht interfern würde, sondern sie dem wirklich aussetzt.

"Na, so allein?" blieb plötzlich eine Blondine mit zwei weiteren Schülerinnen vor Tia stehen, welche mit verletzten Blick auf der Wiese saß, in dem kleinen abgeschotteten Stückchen, auf dem sie zuvor Julian eins erwischt hatte und von der Turnhalle vor anderen Augen geschützt war.
"Was willst du?" fragte Tia tonlos, sie hatte es satt und wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden. Ihr Herz schmerzte und ihr Laune Pegel war auf dem Nullpunkt angekommen, wo es wirklich nicht mehr allzu ratsam war sich mit ihr an zu legen.
"Ich glaube wir sollten uns einmal unterhalten!" grinste die Blondine, prüfend sah Tia sie an, sie hatte keine Ahnung wer sie oder die anderen beiden die wie abgerichtete Hunde neben ihr standen sein sollten.
"Worüber?" legte Tia den Kopf schief
"Was hast du bitte mit Herr Till zu tun?" fragte Beatriss scharfzynisch
"Herr Till? Ach so, der Schularzt!" lachte Tia kurz auf als ihr bewusst wurde um was es hier ging. Sie musste in Midian verliebt sein und Julian anscheinend etwas von dem was er gesehen hatte durchsickern lassen haben. Und das obwohl er das Spiel nun beendet hatte? Ein Nachläufer dessen also! Erhob sie sich
"Sprich Klartext!" setzte Tia einen weiteren Schritt bedrohlich nah auf Beatriss zu.

"Julian!"
"Nicht du auch noch!" drehte Julian sich um und sah seinen Bruder genervt an, der zusammen mit seiner Frau nun vor ihm stand, wobei beide einen für Julian merkwürdig wehleidigen Blick besaßen.
"Wir sollten reden!" war Dimitries Stimme nicht befehlend sondern auf seltsamer Weise resignierend, was Julian den Ernst der Situation zeigte, irgendwas schwerliegendes sollte nun kommen und Julian wusste nicht ob er dies nun wirklich wollte.

"Ich will das du dich von Herr Till fern hältst!" raunte Beatriss, sie war wie ein bissiger Hund der in die Enge getrieben wurde und zu schnappen begann
"Und von Julian auch!" mischte eine ihrer abgerichteten Hunde sich mit ein
"Und was ist wenn ich es nicht tue?"

"Julian Tia liebt dich auch!" wollte Liara den Schüler davon abhalten einfach weiter zu gehen, als dieser sich schon wieder umgedreht hatte und gerade seinen Weg weiter fortführen wollte
"Was?" drehte er sich wieder um und sah die Lehrerin entrüstet an
"Sie hat recht!" viel es Dimitrie schwer es auszusprechen, sein Herz hatte noch immer nicht ganz von Tia los gelassen, doch es verstand das es so sein musste.
"Man kann jemanden nicht lieben den man hassen tut!" verfinsterte sich der Schattenriss in Julians Augen, mit denen er die beiden kalt ansah
"Julian es ist komplizierter als du denkst, auch wenn sie dich liebt, auch wenn sie dich nicht wirklich hassen tut, selbst wenn sie den Wunsch besitzt mit dir zusammen zu sein, kann sie es nicht!" wusste Dimitrie nicht wie er es direkt ansprechen, aussprechen sollte, er konnte doch nicht einfach so direkt geradeaus sagen was Tia wirklich war
"Ach nein, kann sie es nicht? Wieso? Weil ich eine andere heiraten werde? Ich habe dir gesagt dass ich dies nicht tun werde. Aber es spielt auch keine Rolle mehr, sie hatte mir ihren Hass ausgesprochen und so soll es sein!" wollte Julian wieder umdrehen
"Nein, es hat einen anderen Grund!" hielt Dimitries eiserner Griff um sein Handgelenk ihn auf. Julians Augenbrauen fingen an zu zucken, er war kurz davor richtig aus der Haut heraus zu fahren und Dimitries Griff spitzte die Situation immer weiter zu
"Lass mich los oder ..:"
"Oder was? Willst du denselben Fehler machen wie ich?"
"Wie du?" wusste Julian nicht was er denken sollte
"Tia ist nicht die Cousine von Angelo und Tiana, sondern das Mädchen was ich nach Klaras Tod zu lieben gelernt hatte!" war es nun ausgesprochen, wo Liara sich zwingen musste den Schmerz ihrem Blick nicht ansehen zu lassen
"Willst du damit sagen dass du sie als vierzehn jährige geliebt hattest?" sah Julian ihn allerdings nur verächtlich an. Dimitrie schüttelte mit dem Kopf
"Bist du wirklich so blind, oder tust du nur so? Wie konnte sie mit vierzehn ebenso aussehen wie sie es heute tut?"
"Was redest du da?" wurde Julian immer perplexer, doch an Dimitries Worten war etwas Wahres dran, es war wirklich merkwürdig das sie noch immer so aussah wie sie es vor all der Zeit auch getan hatte
"Welchen Fehler hast du gemacht?" sah Julian seinen Bruder aufmerksam und ernst an. Dimitrie zog tief Luft in die Lunge bevor er zu reden begann
"Ich stand nicht zu meinen Gefühlen und als ich es dann nicht mehr weg denken konnte war es zu spät!"
"Ja wie du sagtest, da lebte sie nicht mehr in dieser Welt ne!" lachte Julian ihn böse wegen dieser vermeidlich gedachten Lüge aus
"Ganz recht, doch besitzen diese Worte eine andere Bedeutung als du denkst Julian, aber das solltest du sie am besten selbst fragen!"

"Ich werd dir gleich!!!" hob Beatriss ungehalten die Hand hoch und wollte sie gerade auf Tia herab sausen lassen, welche mit unberührten Blick sie ansah
"Wag es dich!" wurde ihre Handlung allerdings von Julians Stimme gestoppt, die wie ein zerstörerischer Pfeil durch ihren Körper fuhr und sie entsetzt zu ihm hinblicken ließ
"Verschwindet lieber so lange ich noch freundlich bin!" blitzte er sie warnend an, was alle drei auf schnellstem Wege das Weite suchen ließ.
"Ich will das du mir erklärst was der Satz bedeutet das du vor drei Jahren nicht mehr in dieser Welt lebtest!" fragte Julian fordernd, ohne zu wissen was für Konsequenzen diese Frage mit sich bringen würde.
Traurig sah Tia für den Moment hoch zum Himmel, das Blau war wunderschön und der Wind zog sachte an alles vorbei, anders als im Todesschein, anders als in ihrer Welt, wo es nur die Nacht gab
"Du willst also wissen wo ich war?" sah sie ihn noch immer nicht an, Julian schwieg
"Nun gut!" ging sie auf ihn zu und griff nach seiner Hand, die Julian im ersten Moment zurück ziehen wollte, es aber dann doch geschehen ließ, wo seine Augen geweitet nun die Farblosigkeit von allem sehen mussten und sie entsetzt ansah, ohne sich zu bewegen, ohne seine Hand aus ihren Griff heraus zu ziehen.
"Das ist der Todesschein Julian, die Grenze zwischen deiner und meiner Wirklichkeit!" ließ sie sein Handgelenk los und trat einen Schritt zurück, womit sie ihre wahre Gestalt annahm.
"Was bist du?" sah er sie fassungslos an, sie sah zwar noch immer aus wie die Tia die er kannte, doch war diese Gestallt nun weiß, Farblos und schimmernd, wie ein Lichtgeschöpf dessen Gestallt Menschlich aussah
"Was ich bin?" lächelte sie verzweifelt, die großen farblosen Augen mit dieser verletzlichen Haltung in seine Augen gerichtet
"Ich bin der Anfang und das Ende, das Leben und der Tod Julian, für mich existiert kein Gestern und kein Morgen, ich wäre ewig und kann niemals aus diesem Gefängnis entkommen!"
"Der Anfang und das Ende?" ging er auf sie zu, doch im selben Moment fing sein Kopf wieder schmerzhaft an zu pochen, Stiche die Bilder hervor riefen, beide Hände fest gegen den Kopf gepresst sah er ein Bild, er sah sie, wie sie ihn entsetzt ansah, einen Friedhof, eine andere Zeit, womit die Bilder und mit ihnen auch wieder der Schmerz verschwand.
"Was ist das? Wieso sehe ich so etwas?" sah er sie hilflos an
"Soll ich dir helfen dich zu erinnern?" legte sie traurig den Kopf schief, ohne das Lächeln was so schwach war, das es beinahe schon aussagelos erschien zu verlieren
"Wie?" sah er sie ernst an
"Durch einen Kuss, es nennt sich Kuss der Erinnerungen!" blieb sie direkt vor ihm stehen. Überlegend sah Julian sie an, in ihre großen schönen Augen, egal welche Gestallt sie auch besaß, das Gesicht, ihre Körper, er blieb der selbe, auch mit diesem Schimmer, sie sah wenn man es wusste noch immer aus wie Tia, ging sein Blick tief in ihre Augen, er wollte sich erinnern! Ich will mich erinnern! legte er seine Hände sachte auf ihre Schultern ab, die großen Augen sahen ihn verloren an, während sein Atem schon ihre Lippen berührten und er sie mit einem letzten Gedanke an das Gefühl was sein Herz in diesem Moment schwer machte, küsste
-Liebe schmerzt-

Erstarrt wurden Angelos Augen groß, den Kopf erschrocken angehoben, wo plötzlich eine unendliche Schleife von Bildern vor seinen Augen abliefen, Tränen sich bildeten und sein Herz von schwer zu wissend überging.
"Angelo?" sah Tiana ihren Bruder besorgt an, sie saßen in einem Kaffee und unterhielten sich gerade über die Situation zwischen Tia und Julian, wollten einen Weg finden, irgendetwas was den beiden vielleicht hätte helfen können. Wo Angelo die junge Dame nun mit einem seltsam gehobenen Blick ansah
"Die Zeit ist nun gekommen!" stand er auf, lächelte die dunkelhaarige Schönheit ein letztes Mal an, bevor er das Kaffee verließ und Tiana unwissend dort zurück ließ.

Grinsend löste Julian sich von Tia, die ihn verletzt ansah, sie wusste das dies, der Blick in seinen Augen, dies war nun nicht mehr wirklich Julian, sondern einer der vier Erdgötter
"Wie ich sehe war es nicht mein Spiel, sondern deines!" blieb das Grinsen frech, es war das selbe was sie in Midians Erinnerungen gesehen hatte, als er realisiert hatte wer Tia wirklich war und was für eine Bedeutung es mit sich brachte.
"Anscheinend waren wir dazu bestimmt uns immer wieder zu begegnen!" kam er ihr mit dem Gesicht wieder näher, schrägte es leicht an, als ob er sie erneut küssen würde, aber flüsterte ihr legendlich etwas ins Ohr
"Deine Angst um diese Welt ist gewaltig und doch mach ich dich gerade aus einem ganz anderen Grund nervös oder?" berührten seine Lippen den Rand ihres Ohres, was Tia zusammen zucken ließ
"Wollt ihr diese Welt noch immer zerstören?" fragte sie dünn, Julian fing an zu lachen, kurz aber laut
"Die Menschen sind tatsächlich äußerst interessant, doch das einzige was mich wirklich immer interessierte bist du kleiner Engel des Todes. Weißt du, egal wie oft wir uns auch begegnet sind, wie sehr sich mein Herz auch nach dir verzehrte, das Schicksal blieb doch immer dasselbe oder?" sah er sie eindringlich an, wonach er sie tatsächlich wieder küsste. Still liefen Tia dabei die Tränen übers Gesicht, sie wollte es nicht, konnte sich jedoch dem nicht entziehen, dem Gefühl wie seine Lippen sich auf ihre senkten, der Kuss verlangender wurde und doch die Kälte der Situation sie wieder voneinander löste.
"Hast du mich wirklich für einen Menschen gehalten Tia?" war der amüsierte Ton in seiner Stimme herablassend. Tia wusste das Julian kein Mensch war, das er in gewisser Maßen ebenso mächtig war wie sie, auch wenn es eine andere Art von Macht war, eine andere Aufgabe die er erfüllte, war er ebenso in ihr gefangen wie sie.
"Liebst du mich?" fragte er mit derselben amüsierten Stimmhaltung.
"Was soll das Julian?" sah Tia ihn bitter an, Julian grinste
"Mit meinen Erinnerungen bin ich nun auch wieder der, der ich wirklich bin! Meinst du das du mich wirklich als das was ich bin liebst? Oder liebst du nur den Julian der ich war?" hob er ihr Gesicht am Kinn mit dem Zeigefinger ein Stück weit an, was sie zwang in seine Augen zu sehen.
"Ich bin ebenso Zeitlos wie du und doch existiere ich in einer anderen Wirklichkeit als du und doch stehen wir hier voreinander!" lachte er Lautlos. Tia zuckte zusammen, dieser Julian war wirklich anders, er war auf seltsamer weise Boshafter und doch auch wieder nicht
"Sag liebst du mich?" beugte er sich wieder zu ihr runter, Tias Körper fing an zu zittern, sie wolle etwas sagen, doch konnte nicht
"Ist es nicht komisch, obwohl dein Herz so rast, weißt du es nicht!" ließ er wieder von ihr los "Und was deine Frage angeht, es ist nicht mein Urteil allein, sondern das von meinen Brüdern und mir zusammen, auch wenn du einen von ihnen auf deiner Seite weißt, verbleiben noch immer zwei! Sie alle werden nun nach und nach erwachen, jene die näheren Kontakt zu dir haben ehr als die anderen!" verließ Julian wieder den Todesschein, wo Tia nun wirklich weinend zusammen brach.

"Es scheint als ob du noch immer so kaltherzig bist wie zuvor auch!" sah Angelo Julian an, welcher gerade aus dem Todesschein in die Wirklichkeit trat. Grinsen hob Julian ein Mundwinkel höher als das andere.
"So wie es aussieht scheinst du tiefere Gefühle für sie zu hegen, nicht war mein Bruder!" lachte Julian leise, er kannte ihn und wusste das Angelo ein Einzelgänger war, er ließ nie jemanden in seiner Nähe, war schon immer zu arrogant, zu selbst eingenommen und doch hatte dieses Mädchen es geschafft in seine Nähe zu kommen, wo Julian mit dem Wissen was er nun wieder über sich und seine Brüder erlangt hatte, es direkt sehen konnte.
"Und wie sieht es da mit dir aus? Unseren arroganten Prinzen? Der nur sich selbst liebt, Frauen schon immer nur als Spielzeug ansah und das als Mensch nicht anders tat, Wie sieht es mit deinem Herzen aus, hat es sich etwa angesteckt?" lachte Angelo ebenso gehässig.
"Schön dich wieder zu sehen, oder sollte ich sagen, als das was du wirklich bist wieder zu sehen!" lachte Julian.
"Was hast du nun vor?"
"Warten bis die anderen sich zu uns gesellen!" ging Julian an Angelo vorbei, blieb aber wieder neben ihm stehen "Da du mich doch so gut kennst, solltest du auch wissen das ich mir immer nehme was ich will!" sprach er leise, doch nah genug an Angelo um es ihn deutlich verstehen zu lassen.
"Ich weiß, doch wie soll dein Herz diesmal mit der Situation umgehen? Ein Herz was vorher immer nur aus Stein bestand?" erwiderte Angelo ohne sich umzudrehen, Julian einfach gehen lassend, während sein Blick in den Todesschein zu Tia hinein sich gerichtet hielt, welchen er nun ebenso mühelos wie Tia selbst, betrat
"Angelo?" hob sie erschrocken den Kopf als sie seinen geworfenen Schatten wahrnahm. Sanft lächelte Angelo sie an, ja Julian hatte recht, er liebte sie, voll und ganz und er würde am liebsten sie einfach zu sich ziehen, doch er war selbst als das was er wirklich war nicht rational veranlagt, sondern nüchtern und berechnend, er wusste das Tia Julian liebte und er sie auch. Doch auch das Julian niemals einfach so sich der Liebe beugen würde, er will sie besitzen, sie haben, doch ihr nicht dasselbe zugestehen, die selbe Macht über sich geben die er über sie haben will und doch wusste er auch das Julian es diesmal nicht mit einem Menschen zu tun hatte, das Tia nicht einfach nur ein Racheengel war, sondern das mächtigste Wesen und das genau deswegen sie beiden keine Zukunft haben werden. Denn die Seelenbäume werden immer schwächer und auf kurz oder lang wird Tia zurückkehren müssen, das Band zwischen sich und ihnen wieder endstehen lassen, was ebenfalls ihre Erinnerungen an ihn nehmen würde.
"Was soll ich tun?" sah Tia ihn mit nassen Augen an, langsam ging Angelo zu ihr in die Knie runter
"Du hast ihn erweckt oder?", Tia nickte weinend
"Mit dem Kuss der Erinnerungen?" legte er den Kopf schief, wieder nickte Tia, den Blick ihm entzogen
"Tia, lass mich sehen was er gesehen hatte, lass mich das Echo seiner Erinnerungen sehen!"
"Was?" war Tia mit seiner Aussage vollkommen überfordert
"Du bist noch nicht völlig erwacht oder?", konfus sah sie ihn an, Angelo lachte "Sonst würdest du das Wissen über alles in dir wieder besitzen, doch so ist es noch nicht, es scheint als ob dein Geist ebenso an dem Countdown gebunden ist. Das Echo seiner Erinnerungen wehrt nicht lange, bevor es wieder verblasst, doch durch den Kuss der Erinnerungen kann ich sie sehen.
-Kuss- sah sie ihn entsetzt an, sicher Angelo sah gut aus, doch wieso musste sie plötzlich jeden Küssen?
"Okay!" beugte sie sich dem und ließ zu das Angelo sie mit sich hoch zog, sanft an sich heran zog und ebenso sanft küsste. Ein Kuss der all seine Gefühle in sich trug, zärtlich und bestimmt war und sein ganzen Körper für den Moment kribbeln ließ, bevor Julians Erinnerungen sich vor seinen Augen auftaten und sein Körper für den Moment der Dauer in sich erstarrte.
"Wieso überrascht es mich nicht!" trat er von ihr zurück, verwirrt blickte Tia ihn schüchtern an
"In eurem davor abgespieltem Leben hatte er vor dir seine Erinnerungen vorher von allein zurück erlangt gehabt und..." stoppte er demütig, konnte er es einfach so aussprechen?
"Tia es existiert wirklich ein Weg wie ihr beiden zusammen sein könnt, da Julian in unserem letzten Leben wusste wer du wirklich bist, wollte er dich dazu bringen deine Position ab zugeben und hatte versucht dich zu verführen!"
"Verführen?" wiederholte sie das Wort unsicher, Angelo grinste schmunzelnd
"Er wollte dich dazu bringen das was du bist aufzugeben, um dich an sich zu binden. Weißt du es gibt eine Möglichkeit wie du menschlich werden kannst, du musst jemanden dem du wirklich vertraust deine Position übergeben, doch damit gibst du alles auf, verstehst du? Deine Erinnerungen, deine Unsterblichkeit, einfach alles!"
"Aber was hätte er davon? Ihr seid doch ebenfalls unsterblich!" sah sie ihn bitterlich an
"Ja, es wäre eine Liebe auf Zeit gewesen, doch für ihn besser als sie gar nicht zu erleben. Wir sind an diese Welt gebunden, doch du! Spürst du schon dass die Seelenbäume immer schwächer werden? Der Zeitpunkt rückt immer näher, bis du zurück in deine Welt musst, um zu verhindern das du stirbst und mit dir die Seelenbäume ebenfalls!"

"Habt ihr es geklärt?" fing Dimitrie seinen Bruder ab, ja hatten sie es geklärt? Lachte sein Verstand, für Dimitrie war der wahre Ausmaß dessen überhaupt nicht sichtbar. Doch Julian würde hier noch nicht aufgeben, er kannte so etwas wie aufgeben nicht. Wenn er erst einmal einen Weg beschritten hatte, würde er ihn bis zum bitterlichen Ende gehen. Auch wenn dies bedeuten sollte sie sterblich werden zu lassen, war er bereit es in Kauf zu nehmen, so lange es bedeutete das sie zu ihm dann gehören würde, auch wenn es nur von kurzer Dauer sein sollte. Würde sie erneut geboren werden und er sie wieder finden.
-Wie der Fluch selbst- lachte sein Verstand höhnend, er würde sie immer wieder suchen müssen um sie irgendwann immer wieder zu verlieren.
"Julian?" runzelte Dimitrie die Augenbrauen, weil sein Bruder ihn nur abwesend ansah
"Ja, wir haben es indirekt würde ich sagen geklärt!" grinste Julian und ging an Dimitrie vorbei, der ihm bedenklich hinter her sah. Sein Bauchgefühl sagte Dimitrie eindeutig das irgendwas nicht in Ordnung war, sein Bruder reagierte viel zu unbekümmert und das Grinsen wollte ihm auch nicht gefallen.


Der Schulgong läutete das Ende des Unterrichtes ein und somit für heute auch für die Schule selbst. Mit schleichender Bewegung räumte Tia ihre Sachen in den Rucksack, während alle anderen schon die Klasse verließen.
"Pass auf das du nicht einschläfst!", böse sah Tia zu Julian hin, der in gelassener Haltung die Arme ineinander geschlungen hatte und gegen den Türrahmen lehnte.
"Erinnerst du dich daran was ich dir vorher gesagt hatte?" sah er ihr geduldig zu, wie sie das letzte Heft in den Rucksack einpackte
"Nein was meinst du?" vermied Tia es ihn anzusehen, Julian grinste
"Soll ich es dir zeigen?" war er auf sie zu gegangen und stand nun direkt hinter ihr, jeweils eine Hand an je einer Seite von ihr gegen den Tisch gestemmt.
"Nein!" flüchtete sie unwillkürlich in den Todesschein, wobei sie vergessen hatte dass Julian ihn ebenso betreten konnte wie sie.
"Ich habe dir doch gesagt das du mir nicht entkommen kannst oder?" drückte er sie gegen sich, einen Arm um ihre Schultern, mit der offenen Handfläche gegen ihren Hals und die andere gegen ihren Bauch, wobei er kreisend seine Zunge über die Wölbung ihrer Schulter gehen ließ
"Dein Herz schlägt immer schneller!" hauchte er ihr ins Ohr hinein
"Lass mich los!" war ihr ganzer Körper versteift
"Glaubst du wirklich dass ich das tun würde?" fuhr er mit seiner Hand über ihren Bauch weiter runter, unter ihrem Rocken den Oberschenkel hinweg zwischen ihre Beine. Entsetzt nach Luft schnappend versuchte Tia sich seinem Griff zu entwinden.
Lachend ließ er seine Hände wieder von ihr, von Julian weg geschnellt starrte sie ihn auf hassvoller Weise geschockt an.
"Was ist? Du schaust als ob ich etwas unmenschliches mit dir gemacht hätte!" lachte er gehässig
"Du findest das wirklich witzig oder?" verdunkelte sich Tias Stimme, er brachte sie immer weiter zu der Grenze ihrer Gefühle, ohne zu bemerken das er langsam Leid mit Hass vermischt in ihr zu schnüren anfing.
"Wenn ich nein sage, dann lüge ich!" zwinkerte er ihr ein letztes Mal zu, bevor er den Todesschein des Zwielichtes wieder verließ.
Tias Verzweiflung wurde immer stärker, das Leben schien für sie nicht nur eine Ewigkeit, sondern auch ihr höchstpersönliches Karussell des Leides zu sein, was sich niemals aufhören sollte zu drehen.
Ohne den Todesschein zu verlassen, ging Tia den Korridor entlang, bis auf sie war kaum noch jemand in dieser Schule gewesen, aber es würde auch keine Rolle spielen, denn wo sie ihre Gegenwart wahr nehmen würde, wäre es andersrum nicht der Fall. Ihr eigenes Gefängnis was sie geschafft hatte zu verlassen und nun langsam wieder seine Finger nach ihr auszustrecken begann.
"Noch vier Tage!" blieb sie in der offenen Tür die nach draußen führte stehen, wo die hellen Strahlen der Sonne farblos Tia entgegen schienen.
"Ich kann das einfach nicht!" ging sie runter in die Knie, Tränen die unaufhörlich ihrem Gesicht herab liefen. In vier Tagen sollte sie selbst auch erwachen, wieder zu dem werden was sie wirklich war, was war sie den wirklich? Sollte sie wirklich so mächtig sein? Wieso fühlte sie sich dann so hilflos und klein? Schlang sie die Arme um ihre Beine und vergrub das Gesicht in ihnen.
Das sowieso schon matrisierte Herz von Tia fing langsam immer mehr an sich zu wünschen einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen, doch sollte die Flucht ihr etwas bringen? Würde sie in ihren Träumen glücklich sein können? Hob sie den Kopf wieder hoch und sah das eigentliche Blau was nun Grau war, des Himmels mit nassen Augen an und trat wieder aus dem Todesschein heraus.

"Wieso tust du das?" machte Angelo dem jungen Mann Vorwürfe, lachend drehte Julian sich um
"Du als mein älterer Bruder, solltest du nicht auf meiner Seite stehen?" sah Julian ihn unberührt von seinen Worten und seinem klagenden Blick an. Angelos Augen verdüsterten sich
"Am Ende wirst du der jenige sein der alles verliert!"
"Du meinst wie die letzten drei Male?" überzog eisige Kälte Julians Gesicht
"Nur mit dem Unterschied das am Ende nicht wieder alles auf Anfang gestellt wird!"
"Es spielt doch keine Rolle, egal wie oft es sich auf Angang zurück setzte, wie oft dieses Rad sich wieder von vorne zu drehen begann, das Resultat blieb das selbe oder?" ließ sein Argument ihn kalt.
"Nein, es war diesmal nicht dasselbe, diesmal war alles anders, die Voraussetzungen anders, doch dein Zorn und deine Arroganz werden es am Ende sein die dir selbst im Weg stehen werden!" drehte Angelo ihm den Rücken zu und verließ die Schule, über den Schulhof aus dem Tor heraus.
"Was du nicht sagst!" lachte Julian klanglos, er wusste es doch selbst, doch was sollte er tun? Sich seinen Gefühlen ergeben und das obwohl er wusste das es so keine Zukunft haben wird? Es war Belanglos was er dachte, oder sein Herz wollte. Es würde nichts an dem Ende ändern, das schon längst vorgeschrieben war.

Schweren Herzens lief Tia durch die Fußgängerzone an einem Elektrogeschäft vorbei, auf dessen Flimmerkiste ein Nachrichtensprecher seine Stimme erklingen ließ und der Inhalt Tia dazu brachte stehen zu bleiben, als das Bild live zu geschaltet wurde, wo ihr Augenmerk sich auf den jungen Mann richtete der neben ihr stand und mit erstarrtem Blick den Bildschirm ansah.
"Sie haben nun zum zweiten Mal die Kandidatur zum Präsidenten gewonnen, was für Veränderungen werden sie vornehmen!" fragte einer der Reporter aus der ersten Reihe, der grau melierte Mann lächelte gütig und antwortete "Ich werde alles mir in der Macht stehende tun um die Wirtschaft hoch zu halten und meine Endscheidungen im Wohle der Allgemeinheit zu treffen", während der Hilfeschrei des Mannes neben Tia so durchschlagend war, das es sie für den Moment innerlich erzitterte.
Den Atem angehalten führte sie ihre Finger immer näher an seinen Arm heran, Tia wusste das sich hinter diesem Hilfeschrei etwas gewaltiges verbergen musste, was diesen Schrei so verzweifelt machte, es war ein ähnliches Gefühl wie sie es bei Klara hatte, es war kein Leid was auf sein Leben zurück führte, sondern Angst um jemand anderes, doch in diesem Fall konnte sie spüren das diese Angst ein völlig anderes Ausmaß haben musste, berührten ihre Finger seinen vom Anzug verhüllten Arm, worauf ihre Augen sich leer weiteten und unglaubliche Bilder sich vor ihr auftaten.
"Ja?" sah der Mann sie freundlich an und hob besorgt die Augenbrauen, als ihr erstarrter Blick Entsetzlichkeit zu definieren schien
"Alles in Ordnung junge Dame?" fragte er besorgt "Soll ich ihnen einen Arzt rufen?"
"Ihr Wunsch nach Rache wurde erhört!" sprach sie wie unter Trance, sah noch einmal zum Bildschirm hin, wo der Präsident gezeigt wurde und ging an dem Mann vorbei
"Wunsch nach Rache?" sah er wieder zu dem Bildschirm im Schaufenster hin "Ja Rache wäre gut!" entriss er dem wieder seinen Blick und führte seinen Weg fort.

Still stand Julian an der Klippe zum Meer, nicht mehr lange und der späte Nachmittag würde sich zum Anfang des Abends umwandeln. Schwer atmete er ein und aus, als ob alles motivische voranschreiten seiner Gedanken plötzlich sinnlos geworden wären. Eine sukzessive Vorgehensweise seiner Gedanken in depressionale Wellen über sein Herz hinweg zu rollen.
"Ich weiß doch selbst das ich es am Ende sein werde der alles verlieren wird!" schrie er innerlich bebend, dazu brauchte er kein Angelo um es zu realisieren, er sah selbst klar genug um es zu sehen.

Schwer lächelnd stand Tia in Angelos Büro, auch wenn sie noch immer im Todesschein sich verbarg, wusste sie dass wenn er nun in ihre Richtung blicken würde, das er sie sehen können wird. Doch noch war sie vor seinen Augen versteckt, nicht nur weil er vertieft in dem Gespräch mit dem Mann vor seinem Schreibtisch war, sondern auch weil Tia direkt hinter Angelo selbst stand.
"Okay, machen wir es dann so!" erhob Angelos sich, reichte dem Mann mit der Brille noch mal die Hand und sah zu wie dieser sein Büro wieder verließ, bevor er sich seufzend wieder auf seinen Stuhl nieder ließ.
Bedenklich senkte Tia noch Mal den Blick und hätte beinahe sein Büro ebenfalls wieder verlassen, denn auch wenn er ihr engster Vertrauter war, spielte die Begebenheit was er wirklich war eine ebenso große Rolle in ihren Gedanken, die sie vorerst jedoch erst einmal zu Seite schieben wollte
"Angelo?" trat sie aus dem Todesschein heraus, womit die Trostlosigkeit der Farblosen Umgebung wieder vor ihren Augen verschwand. Der Schreibtisch vor dem Angelo saß und sich ihr nun überrascht zu drehte, wieder braun war, der Teppich wieder dunkelblau und auch alles andere seine Farbintensität zurück erlangt hatte.
"Kann ich dir irgendwie helfen?" kannte Angelo diesen Besorgnisreichen Blick nur zu genau, den trug sie immer wenn etwas nicht stimmte, oder sie bei etwas Hilfe brauchte. Tia nickte
"Ich werde in vier Tagen diese Wirklichkeit verlassen, doch ich habe einen, meinen letzten Auftrag als Racheengel entgegen genommen, mit dem ich die gesamte Menschheit auch warnen will, ihre sich selbst anlügenden Augen die Wahrheit zeigen will. Sie sollen sehen dass nicht sie das mächtigste Glied der Kette sind, sondern es noch Wesen gibt die nicht blind ihren Taten gegenüber stehen werden!"
"Du willst dich bevor du verschwindest der Öffentlichkeit zeigen? Was für ein Rachewunsch war es der so einen Ausmaß annehmen kann?" war Angelo nicht wohl bei der Frage. Sie hatte ihm gerade offen gelegt das sie den Menschen etwas zeigen will was vielleicht zu gewaltig für ihren Verstand sein könnte, aber seiner Meinung nach ebenfalls langsam notwendig war.
"Ich habe den Rachewunsch eines Mannes angenommen, der das wahre Gesicht des Präsidenten kennt, der das Wissen trug was dieser Mann getan hatte und was er schlussendlich tun will!"
"Du willst den Präsidentin in die Hölle schicken?" machte Angelo große Augen, Tia sah ihn mit festen Blick an, der zeigte das sie von diesem Vorhaben keinen einzigen Schritt zurück gehen wird, es sollte ihr letztes Werk als Racheengel werden und das gewaltigste zugleich.
"Was hat er getan? Oder was will er tun?"
"Etwas unvorstellbar Grausames! Weißt du wo sein nächster öffentlicher Auftritt sein wird?"
"Du meist was auch im Fernsehen gezeigt wird?" fragte Angelo bedenklich, Tia nickte
"All jene die noch in Erinnerungen haben was geschehen ist, die Polizei, all jene die dich damals im Fernsehen gesehen haben, werden wissen wer du bist, zu mindestens jene die dich kennen, Tia, danach wird es kein Zurück mehr geben, sie werden jagt auf dich machen! Die Polizei, das FBI, alle!" Tia wusste das, doch es war ihr egal, der Countdown ihrer Zeit lief sowieso bald ab und sie wollte wenigstens etwas zurück lassen, was vielleicht etwas verändern würde.

Mit der konzentrierten Versuch eine Verbindung zu sehen, stand der Mann vor der Tafel, mit den Fotos der zahlreichen Opfern und dessen markierten Verknüpfungen mit einander. Es war insgesamt schon einundachtzig Opfer, die alle samt auf grausamer Weise ums Leben kamen und Joschua wollte nicht wissen wie viele es in Wirklichkeit waren, wie viele Leichen sie nur nicht gefunden hatten bis her. Wieso war dieses Schwein so unerreichbar, wieso schafften sie es nach vier Jahren noch immer nicht heraus zu finden wer hinter all dem steckt, wer dieses grausame Schwein war? Rieb er sich gegen die Schläfe und hätte am liebsten vor verzweifelter Wut die Hilflos sich in seinem Kopf im Kreis bewegte, angefangen zu schreien, Stattdessen blickte er nur durch die beiden offen stehenden Glasflügeltüren zum Verhörraum hin, die hellbraune Tür vibrierte in seinem Verstand, dort hinter befand sich ein Mann der etwas wusste, der diesem ganzen Psychopatischem Spiel gegenüber etwas wissen musste, sie eventuell sogar zu diesem Schwein hinführen könnten, dennoch saß er dort nur grinsend, die Arme ineinander geschränkt und von der Justiz geschützt, die es ihm ermöglichte Angstlos vor ihm und seinen Kollegen dort so zu sitzen.
Joschua war eigentlich wirklich ein Mann der das Gesetzt schätzte, der Scharfrichter der Justiz selbst, doch in solchen Momenten, wo dieser Abschaum der menschlichen Gesellschaft von genau diesem Gesetz geschützt wurde dem er diente, schlich sich immer wieder die Frage heimlich in sein Verstand, ob es wirklich so richtig war? Sie wussten das er integriert war und doch konnten sie ihm zum Reden nicht zwingen, da er um seine eigene gottverdammten Rechte Bescheid wusste, war er unwillkürlich durch die offenen Flügeltüren mit ihrem eingesetzten Glas, hindurch gegangen und legte seine Hand wie von unsichtbaren Fäden geleitet auf den eisernen Türgriff, der unter seinen Fingern sich so kalt anfühlte und ihn für den Moment erschaudern ließ. Sollte er vielleicht wieder des Gesetzes agieren? Diesen Abschaum so lange zusammen schlagen bis er etwas sagen würde? Die Kameraüberwachung vorher bedecken? Schob er die Tür mit diesen Gedanken auf und drückte sie mit leeren Blick hinter sich wieder ins Schloss zurück, die Augen mit verzweifeltem Tatendrang auf dem dunkel Haarigen Mann gerichtet, der mit seinem schicken Anzug, den merkwürdig abwesenden Blick und der ruhigen Haltung dort saß. Tristen konnte nicht wissen dass dieser Mann nur nach außen hin so wirkte, das er innerlich zerbrochen war, die Hoffnung völlig geschwunden. Ray Darins saß nun seit zwanzig Minuten schon hier, es war nun schon seine zweite Vorladung in der seine Lippen fest aufeinander gepresst blieben und er gezwungen war Wortlos zu agieren.
"Wollen sie nicht langsam reden und ihr Gewissen erleichtern?" stützte Joschua sich mit den Händen auf dem Tisch ab und sah ihn direkt in die Augen, auffordernd und ungeduldig.
Der Mann senkte den Blick, seine Lippen blieben weiterhin geschlossen.
"Sie wollen also nicht reden!" zog Joschua die Akte von seiner Seite vom Tisch zu sich, öffnete sie und warf ihn mit einer streichenden Bewegung die Tatortaufnahmen schreiend entgegen "Da sehen sie das? Können sie das sehen, wie sie alle zugerichtet sind? Achtzig Menschen die auf so grausamer Weise ihr Leben verlieren mussten? Und wer weiß wie viele es in Wirklichkeit waren“
Die Lippen noch fester aufeinander gepresst wurde ihr zartes Rot weiß, er wusste was diese Bilder zeigten, er wusste was ihnen zu gestoßen war und wer es getan hatte, doch wer würde ihm die Wahrheit glauben? Und vor allem, wer würde dann seine kleine Tochter schützen? Ein acht jähriges Mädchen was im Fadenkreuz sich dann befinden würde?
-Ja Rache- lächelte er verzweifelt, als ihm die Begegnung mit diesem Mädchen wieder einfiel, worauf sich das Gesicht von dem Detektiv noch weiter verdüsterte, er aufstand und seinen Stuhl zur Linken Seite in die Ecke schob. Er hatte den Grund seines Lächelns falsch verstanden gehabt, die Verzweiflung vor lauter Wut nicht gesehen, wo er nun bereit war den kleinen schwarzen Körper der Kamera mit seiner Jacke zu verdecken, was er nun auch getan hatte und mit dem weißen Hemd, was er an den Ärmeln hoch krempelte wieder auf ihn zu ging.
"Nun kann dir niemand mehr helfen!" funkelten seine Augen ernst. Ray Darin senkte sich dem fügend die Augenlieder, er hatte es verdient, doch er konnte nicht anders handeln, als zu schweigen! Schlossen sich seine Augen ganz, als er den Schatten der Faust auf sich zu kommen sah
"Eurer Wunsch nach Rache wurde erhört!" hielt eine ernst gesprochene Stimme ihn jedoch vom Zuschlagen ab, wo seine Faust mitten in der Bewegung stoppte. Ray Darins Augen weiteten sich fassungslos, dort stand nun dieses Mädchen, was er zuvor vor diesem Schaufenster gesehen hatte, sie stand mitten in diesem Verhörraum, ohne das die Tür sich zuvor irgendwie geöffnet hatte.
"Und Erfüllung gewehrt!" zeigte sich ihre wahre Gestalt, das farblose Lichtgeschöpf, was mit großen glatten Augen den Mann ansah
"Nein, meine Tochter!" hastete der Mann erschrocken hoch, erschrocken sah Joschua ihn an
-Tochter?- hallte dieses Wort mit erschreckender Kenntnis in seinen Ohren wieder. Tia lächelte mit ihrem alles-wird-gut-Lächeln, bevor sie wieder verschwand.
"Sie WAR WIEDER HIER!!! DER RACHEENGEL WAR HIER!" kam Joschua schreiend in dem großen Raum hinein wo seine Arbeitskollegen ihn von ihren Schreibtischen entsetzt ansahen.
"Was meinst du damit?" fragte der dickbärtige am Funkgerät..
"Das sie meinen Wunsch nach Rache nun Erfüllung gewehrt!" betrat Ray Darin nach ihm den Raum, wobei seine Augen nass vor Angst und Hoffnung zu gleich waren. Denn auch er hatte vor all den Jahren die Sendung gesehen, sie jedoch zuvor nicht wieder erkannt gehabt.

"Noch zwei Tage!" sah Tia zu wie die Sonne nun langsam unterging, als sie noch im Todesschein verweilen musste um diese Welt zu sehen, hatte sie sich immer gewünscht gehabt die Farben des Meeres und wie die Sonne dahinter untergeht, sehen zu können. Und nun stand sie dort, die Füße Nackt im weichen Sand, den Blick bewegt auf das sich langsam in Orange wandelnde Gelb der Sonne gerichtet, was mit dem Blau des Meeres einen Lilernen Strich kreierte.
Still liefen ihr nun die Tränen über das Gesicht, morgen sollte alles enden, morgen würde sie den Menschen als das was sie wirklich war gegenüber treten und am nächsten Tag nicht mehr in dieser Wirklichkeit existieren, nur noch der Schatten von dem was sie mit den Menschen um sich herum hier erlebt hatte, würde zurück bleiben, um mit der Zeit in Vergessenheit zu geraten, liefen die Tränen unaufhörlich von ihren Augen herab, über die Wange in die Leere hinein, um im Sand zu versickern.
Tia wusste das sie Julian wirklich liebte, doch egal wie sehr sie auch nach einen Weg gesucht hatte, sie konnte kein Mensch werden und nun wo sie wusste wer, was er wirklich war, drückte es ihr Herz schmerzvoll zusammen.

"Wer ist ihr Ziel?" sah Joschua den Mann ernst an, auch wenn er aus eigener Erfahrung vom letzten Mal her noch wusste, dass es nur Menschen als Ziel haben würde, die es verdienten, doch das Gesetzt sah ein fairen Prozess vor und darauf das Urteil und die Vollstreckung dessen.
Ray Darin lachte schrill, wo ein verzweifelter Klang mit schwang "Jemand den ihr nicht kriegen könnt!" sah er wie ein Mann der alles was er an Hoffnung noch besaß, an das nun bevorstehende heftete und hoffte das es damit endlich enden würde, wurden Joschuas Augen erschrocken, als er sah wie dieser Mann vor ihm, der zuvor gleichgültig wirkte, nasse Augen bekam und eine Träne verlor.
"Es ist der Präsident!"
"Was?" weiteten sich nicht nur Joschuas Augen sich, sondern auch die anderen bekamen aschbleiche Gesichter.


"Julian!" sah Dimitrie seinen Bruder ernst an, als dieser gerade auf seine Klasse zusteuern wollte, nun allerdings stehen blieb und seinen Bruder distanziert mit aussagelosem Blick ansah.
"Irgendwas stimmt doch nicht mit dir, wenn ich es nicht besser wissen würde, würde ich fast sagen, dass du dich irgendwie verändert hast!" verkrampfte sich Dimitries Finger um den Henkel seiner Aktentasche. Julian grinste
"Es ist dir also aufgefallen? Was würdest du sagen wenn ich dir sagen würde, dass ich gar nicht wirklich dein Bruder bin?"
"Rede nicht so ein Unsinn!" sprach Dimitrie tadelnd, mit bösem Blick. Julians Grinsen wurde fester, zog sich weiter in den Mundwinkeln auseinander
"Alles wird nun so kommen, wie es kommen muss!" wollte Julian sich wieder umdrehen, doch hielt Dimitries Hand auf seiner Schulter ihn von ab
"Julian ich versteh dich, ich war auch mal an dem Punkt an dem du nun stehst, wenn du dich gegen deine eigene Gefühle wehrst, könntest du es irgendwann fürchterlich bereuen" war Dimitries Blick besorgt. Julian sah ihn für den Augenblick unerwartet ernst an, als ob er die Wahrheit in seinen Worten durch den Blick in Dimitries Augen prüfen würde.
"Manchmal kann es auch schon vorher zu spät sein!" wand er sich allerdings mit diesen Worten wieder ab und betrat seine Klasse. Er spürte das die Zeit fast abgelaufen war, das nun alles sein Weg zu dem Punkt führen würde, der vor all dieser Zeit gestoppt wurde, um nun endlich den Stillstand dessen zu durchbrechen. Doch wie würde es enden? Was würde geschehen?

"Alle auf ihre Plätze!" kam die Lehrerin herein
"Frau Joles, heute ist doch die offizielle Anrede des Präsidenten, stimmt es das den Schülern allen erlaubt wurde diese mit zu verfolgen?" sah eine dicke rothaarige Schülerin die Lehrerin fragend an
"Das stimmt, da gestern das Resultat der Wahlen preisgegeben wurde, findet heute die Anrede des Präsidenten statt, wo er zu allen spricht. Natürlich wird dies auch den Schülern nicht vorbehalten!" lächelte sie bestätigend. Es war schon immer eine Tradition gewesen, das die Schüler sich dann alle in der Halle der Theater AG zusammen fanden, wo die erforderlichen Stühle schon bereitgestellt wurden und die Anrede mit verfolgen würden.

Die Augen für den Moment weit aufgeschlagen, blieb Julian mitten in der Tür zu Theater AG kurz stehen
-Sie sind erwacht!- lag Verwirrtheit in seinen Augen, wieso waren sie jetzt schon erwacht? Runzelte er die Stirn, auch Raphael hatte gleichzeitig diesen Gedanken entsetzt gefasst gehabt, als er ebenso wie Julian es gespürt hatte, und erhob sich ohne ein Wort der Erklärung, wo der Mann mit dem er gerade das Geschäftsessen tätigte, welcher in diesem Restaurant vor ihm saß, in fragend ansah. Doch nur mit ansehen konnte wie Raphael ohne ein Wort den Tisch verließ und damit auch das Restaurant.

Aufgeregt sahen die Schüler alle zu der ausgefahrenen Leinwand hin, wo der Präsident lächelnd auf einem langläufigem Sofa saß, ein Bein über das andere gelegt, und zufrieden den Moderator zurück begrüßte und mitteilte das es für ihn ebenso eine Ehre sei nun dort sitzen zu dürfen.
"Sie sind heute hier bei mir im Studio, um den Menschen dort draußen ihre Anrede hören zu lassen, ihnen dadurch näher zu kommen und die Frage zu beantworten was sich nun ändern wird!" war die Stimme des Moderators freundlich
"Ja ganz recht, Herr Laudis!" lächelte der Präsident unbefangen und fuhr sich durch das schon graumelierte Haar, worauf er signalisierend zu den Kameras hin blickte.

Ein letztes Mal atmete Tia tief ein und aus und sah zum Meer hinaus, sie hatte die ganze Nacht hier verbracht gehabt, alles vor ihren Augen noch einmal Rewü geschehen lassen, um jede einzelne Erinnerung an dieses Leben hier in sich zu verankern, damit sie ohne etwas zu bereuen diese Wirklichkeit und damit alles was ihr wichtig wurde, wieder verlassen zu können.
"Du willst das wirklich durchziehen?" tauchte Filice hinter ihr auf, erst dachte Tia beim Umdrehen das sie das selbe, immer von ihm tragende Bild von unermesslicher Gleichgültigkeit sehen würde, so wie seine Stimme ebenfalls klang. Doch war der Ausdruck auf seinem Gesicht diesmal nicht gleichgültig, hob sie ungewollt die Augenbrauen. Filice sah sie verletzt an, die Augen von den Augenbrauen an dessen Enden runter gedrückt und ein Verzweifelter funke in den Farblosen Augen, die sie bitter ansahen.
"Ja, es ist nun an der Zeit das die Menschen sehen werden das sie für ihre Taten auch die Konsequenzen tragen müssen!" lächelte sie mit diesem alles-ist-in-ordnung- Lächeln, was innerlich völlig wackelig war, doch nach außen hin stabil, bevor sie verschwand.
"Ich hatte wirklich gehofft dass du endlich auch einmal glücklich werden könntest" sah Filice zum Meer hinaus, was träge sich bewegungslos fast dort befand.

"Natürlich freue ich mich über das Vertrauen was ihr mir entgegen gebracht habt, in dem ihr mich wähltet..." eröffnete der Präsident mit diesen Worten seine Rede, sanfte Augen die unbeirrt in die Kamera blickten, hinter denen sich allerdings etwas ganz anderes verbarg.
"Ich habe bis her immer versucht mich für euch stark zu machen, den schwachen zu helfen und..."
"Sie haben den Schwachen niemals geholfen!" trat Tia plötzlich aus dem dunklen Schatten der Kulissen ins Licht, indessen der Präsident sie erst verwirrt und entsetzt über ihre Worte ansah, bevor sein gespieltes Lächelnd wieder sanft wurde und er "Ich weiß nicht wovon sie reden junge Dame" erwiderte.
"Wer ist sie?" sah der Moderator durcheinander zu den Mitarbeitern hin, wo er allerdings nichts weiter als Schulterzucken und ebenso unwissende Gesichter sehen konnte.
"Alles was sie den Menschen zeigen, ihr Lächeln, ihre Gültigkeit und den Wille zu helfen, ist alles eine riesige Lüge, die Versteckt was sie wirklich sind!" ging Tia einen weiteren Schritt auf den Präsident und das Sofa auf dem er saß zu, dem die Kameras folgten.
"Sicherheitsdienst!" rief der Moderator zwingend, wobei er plötzlich Männer in Spezialeinheitskleidung an alles vorbei rennen sah, deren Waffen sich bedrohlich schnell auf Tia zu richten wussten.
"Wer sind sie junge Dame?" versuchte der Präsident von ihren gesagten Worten abzulenken
"Jemand der weiß was sie getan haben, jemand der nicht Tatenlos zusehen wird!" antwortete Tia, ohne zu lächeln, sondern mit erhobenem Blick.

"Ist das nicht?" wurden die Augen von Klara groß, als sie die junge Dame dort auf der Leinwand sah, lautes Gemurmel, fragende Stimmen, war es was sich unter den Schülern breit machten, die alle samt das dort geschehene fiebrig mit verfolgten. Wo ebenso wie Entsetzten und nicht akzeptable Meinungen dem Gegenüber, auch lachende Stimmen der Amüsiertheit zu hören waren.
"Sag bloß sie wird den Präsidenten ..." schaffte Dimitrie nicht es zu Ende zu sprechen. Julian sah gespannt Tias Gesicht an, was von den Kameras gerade in Großaufnahme gezeigt wurde, bevor das Bild wieder zum Präsidenten rüber schwenkte.

"Ich glaube sie wissen überhaupt nicht was sie da gerade reden junge Dame, was sie dort vorbringen ist nicht nur haltlos und Inhaltslos, sondern auch Rufmord, ich hoffe sie wissen das!" blieb die unantastbare Maske auf dem Gesicht des Präsidenten, er wusste wie er sich aus solchen Situationen heraus reden musste, auch wenn er sich darüber wunderte, woher ihre Ansichten kamen und wie sie es geschafft hatte hier rein zu kommen, da der Sicherheitsdienst doch ziemlich hoch war und auch selbst Polizisten alles abgesichert hatten. Doch wussten die Spezialeinheit, dessen Waffen auf dieses Mädchen gerichtet waren, ihn ansatzweise innerlich unruhig werden zu lassen.
"Ich weiß ganz genau wovon ich rede!" blieb ihre Mimik unberührt von seiner Äußerung
"Dann sag uns doch bitte wovon du bitte meinst zu reden?" belächelte es der Präsident, dem sich der Moderator anschloss, ebenso wie die Gäste auf ihren Sitzen
"Wie sie es wünschen!" lachte Tia ebenfalls, aber kalt und warnend
"Ich rede von Menschenjagt, von mehr als dreihundert Opfern, von der Brutalen Art und Weise wie sie sterben mussten. Von der Unmenschlichkeit mit der sie und ihre Freunde diese Menschen gejagt haben, auf einer kleinen abgelegenen Insel!"
"Mädchen was reden sie da? Haben sie sich selber schon Mal zu gehört?" lachte der Moderator entsetzt von ihren Worten, während der Präsident sie mit starren Blick ansah
"Ich rede von der Tatsache das sie Menschen zwangen ihre Leichen zu verbrennen und ihre Asche als Dünger auf den Feldern zu verteilen!" Das Lachen des Moderators versiegte, indessen sein Gesicht kreidebleich anlief
"Natürlich bis auf die jenigen, von ihren letzten Jagten, wo der Mann der die saubere Beseitigung beaufsichtigen sollte, dafür sorgen wollte, dass sie geschnappt und endlich dem was sie tun, ein Ende gesetzt wird. Von der Tatsache das sie dessen kleine Tochter bedrohten um sein Stillschweigen zu erlangen, schließlich konnten sie ihn ja nicht töten, es würde sie mit in Verbindung bringen!" war das Lächeln auf Tias Gesicht strafend.
"Ich glaube sie sollten wirklich eingewiesen werden, das ist doch völlig absurd!" bekam der Präsident sich wieder unter Kontrolle und konnte sich seinem erstarrten Blick wieder entziehen.
"Ich will das diese Person sofort hier entfernt wird und am besten gleich weg gesperrt!" rief er fordernd, worauf auch direkt der Wachdienst agieren wollte, aber von der Spezialeinheit aufgehalten wurde, was den Präsidenten verdutzt seine Maske für den Moment wieder verlieren ließ.
"Was wird hier gespielt?" schrie er außer sich, weil diese Männer nichts taten. Tia lachte
"Diese Männer wissen was ich bin!" neigte sie den Kopf schief.

"Was sie ist? Was redet sie da?"
"Da stimmt doch was ganz und gar nicht!"
"Ob ihre Worte stimmen?"
"Schwachsinn!", wurde die Unruhe unter den Schülern immer lauter, welche nicht wussten was sie von halten sollten, ihren Meinungen darüber Ausdruck verliehen und im Lärm immer weiter anstiegen
"ALLE DIE KLAPPE HALTEN!" hastete Julian zornig auf, was den Lärmpegel mit einen Schlag wieder abklingen ließ und Julian wieder sich hinsetzen.

"WAS DU BIST?" fing der Präsident nun hysterisch an zu lachen
"Auge um Auge!" zog sich der Farblose Glanz über ihren Körper und ließ das Grün aus den Augen verschwinden.
"Was.. " wich der Präsident panisch zurück, so wie der Moderator wie erstarrt sich nicht mehr bewegen konnte und die Augen groß von allen anderen nur mit ansehen konnten was geschah. Auch die Männer der Spezialeinheit, die selber wussten was sie war, sahen gebannt dieses Geschöpf an und das dort vor ihnen geschehene.
"Zahn um Zahn!" griff sie rechts von sich, wo der lange Stab mit seiner Sanduhr erschien, dessen dickflüssige Masse nun ein glänzende Vibration besaß, wie ein schlagendes Herz aus dunkler Maße.
"Tut doch jemand was!!" konnte der Präsident nicht weiter zurück weichen
"Und die Hölle für das zugefügte Leid!" hob Tia ihren Stab um das Glas auf den Boden zu zerschellen
"Jetzt!" durchdrang jedoch eine Männliche Stimme befehlend den Moment, bevor das Glas den Boden berührte, worauf ein Luftdurchbrechendes Geräusch erklang und Tias Augen gleichwohl wie sie das Glas auf den Boden zerbrach, der Präsident verschwand, groß wurden und ihre Lippen sich Tonlos bewegten
"Filice!!!", sackte der Körper des Racheengels vor ihr zusammen, dem Tia im ersten Moment nicht fähig war zu folgen, mit erstarrten Blick nur in die Richtung sah wo der Schuss her kam, mit blinden Augen, die nur immer und immer wieder das Bild sahen wie Filice vor ihr zusammen brach, sein Körper wie der eine Puppe zu Boden ging.
Filice!- Filice? Sah sie sein Gesicht vor sich, wie er sie die Wirklichkeit durchbrechen ließ, wie er sie in ihren Fähigkeiten unterrichtete, wie er sie versuchte zu trösten, bevor sie die Wirklichkeit und mit ihr auch Dimitrie verlassen hatte
-Filice!- füllte der starre Blick sich mit Tränen
"Filice?" glitt sie nun zu ihm runter,
"LOS SCHIESSEN!!!" durch brach der Klang dieser männlichen Stimme erneut den Moment, Blanke Angst schlug sich dabei in den Augen der zusehenden Schülern, ein Moment in dem Julian unwillkürlich aufgesprungen war, doch hob Tia gleichzeitig nur die Hand und ließ die Körper der Männer unbeweglich wie Staturen erstarren. Wo sie nun zwar noch alles mitbekamen, doch nicht mehr in der Lage waren sich irgendwie zu bewegen.
"Filice?" sah Tia ihn mit verweintem Gesicht an
"Tia!" war seine Stimme dünn und das Blut auf seiner Brust immer deutlicher zu sehen.
"Warum?" nahmen die Tränen unaufhörlich ihren Weg über Tias Wangen, ohne dass man es ihrer Stimme anhören konnte
"Weil ich dich beschützen wollte!" erklärte er mit dünner Stimme, die immer schwächer wurde.
"Oh Bitte nicht!" weinte Tiana bangend, während sie vorm Fernsehen es mit verfolgte. Ein Moment der grausam und bewegend war.
"Es tut mir leid Tia!" versuchte Filice die Hand zu heben und ihr Gesicht zu berühren. Doch Tia lächelte und ergriff seine Hand, indessen sie langsam mit dem Kopf schüttelte.
"Muss es nicht!" legte sie seine Hand auf sein Brauch ab und ihre zur Seite weg, wo erneut der Stab erschien, doch diesmal nicht mit dickflüssiger Maße drin, sondern glänzendem Sand, der wie Diamanten schimmerte, oben ebenso voll wie auch unten, was es dem Sand unmöglich machte von oben nach unten zu rieseln. Den Stillstand der Zeit für ihr Leben wieder gab.
"Was tu...st du T..ia?" sah Filice sie mit halb geöffneten Augen an, das Leben entwich immer weiter aus seinem Körper, dennoch galt seine Sorge alleine ihr.
"Es ist Okay!" sah sie ihn sanft an und gab ihm einen Kuss auf die Wange, womit sie seine Zeit anhielt und sich mit dem Stab in der Hand erhob.
"NEIN!!" wurde Julians Blick panisch-
"Tia!" versuchte Filice sich zu bewegen, doch Tia lächelte ihn nur ein letztes Mal mit ihrem alles-wird-gut-Lächeln an, bevor sie das Glas der Sanduhr auf den Boden zerschlug und das Bild von allem zum Stillstand kam.
Schwach lächelte Tia, die Mundwinkel mit schwerem Herzen, was dennoch erleichtert in ihrer Brust nun schlug, sachte nach oben gezogen und die grünen Augen friedlich in das ihr ebenfalls zufrieden lächelnde Gesicht gegenüber gerichtet, dessen Ausdruck eine Art Lebe wohl besaß.
"Bitte, lass ihn nicht sterben, lass ihn das aufrecht erhalten, dessen ich zu schwach war" bewegten sich Tias Lippen nicht und doch erklang ihre Stimme. Die Uhrmutter dessen Gestallt dasselbe betrug wie Tia selbst, sah sie weiterhin mit diesem Lächeln an, ohne mit den Wimpern zu zucken oder eine andere Emotion in sich zu tragen.
"Ich möchte so gerne als Mensch leben, sie alle wiedersehen, ein letztes Mal meinem Herzen die Chance geben vielleicht doch irgendwie glücklich zu werden", das Lächeln der Uhrmutter wurde verstehend, worauf ein sachtes Nicken folgte und das Bild zweier Identischen Gestalten sich mit gleißendem Licht auflöste, in dem Tia als das was sie wirklich war, das letzte Mal ihre Augen schloss, bevor ihre Kraft sich vollkommen entfaltete und der Stillstand für ihr Leben zerbrach.


"Ist das gerade wirklich geschehen?" berührte Tiana mit der Hand die Oberfläche des Fernsehens, während ihre Augen nach Tia suchten, das letzte Bild was sich von Tia zeigte, ihr resignierendes Lächeln, fest in sich eingebrannt, wusste Tiana das Tia nicht einfach nur verschwunden war, das sie... stockte ihr Atmen, als die Tränen ihre Kehle zuschnürten. Dass sie nun nicht mehr einfach so zurückkehren würde.
Julians Gesicht war völlig blass, Augen die noch immer starr auf die Leinwand blickten, wo Polizisten, Männer der Spezialeinheit und Mitarbeiter des Wachdienstes überall nach dem Präsidenten suchten. Nur ein Mann stand mit gemischten Emotionsausdruck auf dem Gesicht tatenlos so da und sah Wortlos zu dem Punkt an dem dieses Mädchen gerade mit einem Lächeln verschwand, was auch hätte sagen können- Ich verzeih euch- Joschua wusste das sie den Präsidenten nicht finden würden, ebenso wie man Eduard zu jener Zeit auf der Polizeiwache nicht finden konnte.  Er wusste auch nicht wieso diese Einheit so dumm gewesen war sie zum Erschießen frei zu geben, ein Wesen über das sie so gut wie überhaupt nichts wussten, sahen seine Augen hoch zu der Studiobeleuchtung
"Seid ihr nun glücklich? Ihr habt ein Wesen angegriffen über das ihr nichts wisst!" sprach er ohne jemanden anzusehen
"Was redest du da? Sie hat den Präsidenten angegriffen, der nun..." redete einer der Polizisten mit empört versetzter Stimme gegen. Joschua schüttelte mit dem Kopf
"Dieses Wesen was ihr als Gefahr anseht, was ihr kaltblütig erschießen wolltet, hatte einen Serienkiller aufgehalten der vor fünf Jahren mehr als Elf Frauen getötet hatte. Die Kinder eines Waisenhauses gerettet, an denen das dort führende Personal grauenhafte Versuche von Verstümmlung und bestialischen Tötungsvorgehensweisen praktizierte und nun hat sie ein Schwein aufgehalten, was sich als Präsident an der mächtigsten Position befand, dem wir niemals hätten dingfest machen können. Ein Monster was mehr als dreihundert Personen wie Freiwild jagte und bis zum erbitterlichem Ende quälte. Dieses Wesen war nicht das Monster, sondern wir Menschen sind es!"
"Er hat recht!" flüsterte Klara Stimmlos, worauf ihre Freundin unwillkürlich zu nicken begann
"Hatte sie das wirklich alles getan, diesen Kindern geholfen?" fragte ein anderer Schüler mit verzweifelter Demut in den Augen
"JA HAT SIE" stand der dunkelhaarige Schüler mit dem nun sanften Lächeln im Gesicht auf "SIE HAT MEINEN VATER FÜR DAS WAS ER MIR ANTAT, für den Mord an meine Mutter auch büßen lassen!" wurde der letzte Part seines Satzes leiser, womit sich seine Augen traurig senkten.
"Ja, sie hatte auch den Weisenkindern wirklich geholfen, ich bin der lebende Beweis dafür!" erhob sich nun Dimitries Frau ebenfalls, welche von Dimitrie mit schmerzlichen Blick angesehen wurde.
"Doch wo ist sie nun? Wo ist Tia?" sah Julians bester Freund mit seiner Brille durch die Runde, als ob er nach einer Antwort unter den versammelten Schüler dieser Schule suchen würde, wo eine grausame Stille unter ihnen, in der alle Auge ihn verzweifelt ansahen, zeigte das es niemand von ihnen wusste.
"Sie hat ihr Leben für den Mann der anstatt ihrer erschossen wurde, gegeben!" stand der Schularzt plötzlich in der Tür und nahm unter den Blicken aller seine Brille ab, was seine jugendliche Erscheinung preis gab und ein Blick der verletzt war.
"Woher wissen sie das?" sah Beatrice ihn an, doch diesmal ohne Eifersucht oder Hass Tia gegenüber.
Midian senkte kurz den Blick, sah den gebohnerten Boden der Theater AG an, um danach ohne ein Lächeln wieder auf zu blicken. Ebenso wie Filice zu jener Zeit nicht akzeptieren wollte das sie ohne von Dimitrie bemerkt zu werden sterben sollte, wollte sein Herz nun nicht das sie sie einfach so verschwindet, ohne dass jemand wirklich über ihre Existenz und das was sie wirklich war Bescheid wusste, legte sich nun doch ein Lächeln auf seinem Gesicht, womit er unerwartet für die Schüler plötzlich vor ihren Augen verschwand und seine Stimme von der Leinwand angeschlossenen Boxen wiedergegeben wurde. Was die Schüler mit unfassbarem Entsetzen den Schularzt nun dort im Studio erblicken ließ.
"Ihr seid wirklich so unwissend, ihr wisst überhaupt nicht was ihr da getan habt!" trat Midian aus dem Schatten der Kulissen, wo auch Tia zuvor hervor geschritten war.
"Wie seid ihr denn hier rein gekommen?" sah der Chef des Wachdiensts ihn entgeistert an, noch war er für sie nur ein Mann mit einem Arztkittel und einer Nickelbrille in der Hand, doch das sollte sich gleich ändern.
"WER ICH BIN?" schrie er mit dröhnender Stimme, welche die Gefahr seiner Person zeigte, indessen er zu der entsetzlichen Panik aller, mit seiner rechten Hand nach seiner Sense griff.
"Noch einer!" fiel der Chef des Wachdienstes zurück weichend über seine eigenen Füße und schob sich mit geweiteten Augen auf dem Boden weiter von Midian weg. Auch alle anderen waren so weit es ihnen möglich war von Midian weg gewichen, Konfus und mit dem was sie sahen überfordert. Wie konnte so etwas nur existieren, fragten hysterisch zitternde Augen, Stimmlose Gesichter die kein einziges Wort heraus brachten und kurz davor standen in diesem kleinen Studio eine Maßen Epidemie von hysterischer Angst ausbrechen zu lassen, während die Beleuchtung die Klinge der Sense aufblitzen ließ.
"Ich bin das Oberhaupt der Racheengel, unsere Aufgabe ist es Menschen welche ihre Menschlichkeit verloren zu beseitigen. Ich bin das was ihr fürchtet, womit die Monster unter euch Menschen konfrontiert werden. Doch dieses Mädchen gerade! Sie war mehr als dies. Ihr habt es gewagt die Uhrmutter anzugreifen!" ging er einen Schritt auf die Kameras zu, welche mit ihren gläsernen Augen noch immer auf ihn gerichtet waren, ohne dass einer der Kamera Männer dahinter stand.
"Uhrmutter?" war Joschua der einzige der stehen geblieben war, zu dem Midian sich nun zudrehte.
"Was ist eine Uhrmutter?" lag zu Midians Überraschung keine Angst in den Augen des Detektivs, sondern unermessliche Demut. Midian zischte belächelnd, woher sollten sie auch wissen, fragte sein Verstand, womit sein Blick sich wieder den Kameras zuwandte, sie sollte alle die Wahrheit wissen.
"Na was glaubt ihr was Uhrmutter bedeutet? Was glaubt ihr womit alles angefangen hatte? Sie ist der Engel des Todes, sie war unvergänglich, der Wächter dieser Wirklichkeit. Versteht ihr? Sie war es welche den Tod und die Wiedergeburt wiederspiegelte, der Anfang und das Ende. Ihr habt ein Wesen versucht zu töten was nicht im hier und jetzt existiert, für das es kein Gestern und kein Morgen gab, was niemals wirklich leben konnte. Denn sie war es, die diese Welt repräsentierte. Und ihr Menschen habt versucht sie zu töten? Den Engel des Todes, ohne denn es weder das Leben, noch den Tod geben würde?"
"Aber sie wurde nicht getötet oder?" versuchte Joschua etwas schlichtend zu wirken, auch wenn er wusste das es dafür keine Gutmachung mehr gab. Midians zorniger und klagender Blick änderte sich.
"Nein, das habt ihr nicht, nicht direkt!"
"Ich verstehe nicht!", Midian lachte Klanglos. Gebannte Augen sahen aus aller Welt diesem klanglosen Lachen zu, der Sendung die eigentlich die Anrede des Präsidenten wieder geben sollte und nun etwas unglaubliches offenbarte.
"Es spielt keine Rolle, es wird nie wieder eine Rolle spielen!" verschwand Midian wieder.

Langsam öffnete Filice die Augen, den Blick für den Moment vernebelt auf das Blumenmeer um sich herum gerichtet, wo die Seelenbäume in ihrer wieder Ursprünglichen Intensität Leuchteten, welche an dieser Wiese randeten.
"Was ist geschehen?" versuchte er der Konfusheit in seinem Kopf zu entkommen.
"Tia hat in dir einen Ebenwürdigen Nachfolger ihrer Position gefunden!" zischte die Schlange und sah Filice mit ihren Reptilienartigen Augen schwankend an
"Tia!" hauchte Filice entsetzt
"Nun ischt esch an dir, den Kreisch zu schließen, zu vollenden was schie begonnen hatte und es dieschmal richtig zu machen!" verschwand die Schlange wieder.
"Es richtig zu machen?" erhob Filice sich
"Das bedeutet Tias Wunsch Erfüllung zu gewähren!" betrat Midian die Wiese
"Was?" sah Filice ihn fragend an, das eigentlich gleichgültige Gesicht vor Emotionen überschüttet.
"Sie hat ihr Leben für das deine gegeben und diese Welt mit dem Wunsch als Mensch wieder geboren zu werden verlassen. Wo du nun den Reitern der Apokalypse gegenüber treten musst, um das was sie eins tat, richtig auszuführen und alles seine richtigen Bahnen nehmen zu lassen. Behebe ihren Fehler!" verschwand Midian wieder.

"Es ist nun an der Zeit!" betrat Julian mit leerem Gefühl im Herzen die Klippe, an der Tia sie vor so langer Zeit aufgehalten hatte.
"Ich weiß!" sah Raphael ihn mit kaltem Blick an, indessen sich die anderen beiden umdrehten.
"Jeder von uns hatte sein Leben als Mensch in dieser Wirklichkeit gelebt!" sah der dunkelhaarige junge Mann Julian an, welcher in dieser Wirklichkeit das Leben von Jack geführt hatte und eins Tiana von ganzen Herzen liebte.
"Die Frage ist nun nur, ob die Menschheit es wert ist eine weitere Chance gewehrt zu bekommen, oder ob sie des Untergangs geweiht ist!" drehte der letzte und älteste der vier Brüder sich dem Kreis von Gesichtern zu, dessen grüne Augen Julian mitleidig ansahen und welcher in dieser Wirklichkeit das Leben von Frederik Lanske geführt hatte, dem Mathelehrer aus der Zeit in der Tia Dimitrie begegnet war.
"Welches Urteil ist das gerechte?" sah Raphael Julian an, dessen Stimme als einziger fehlte
"Ich stimme für die Menschen!" war die Stimme des einzigen Mathelehrers fest in seiner Autorität.
"Ich stimme ebenfalls für die Menschen! Sie haben zwar ihre Fehler, doch auch ihre guten Seiten!" sprach Raphael ebenso fest
"Ich stimme gegen sie, die Menschen sind selbstzüchtig und denken nur an sich selbst!" stimmte Jack gegen, dessen Herz von Tiana eins gebrochen wurde und dadurch nur Leid erfahren musste, gegen sie.
"Deine Stimme endscheidet!" sah Raphael den jungen Mann an. den ein Unentschieden würde das selbe Resultat in sich tragen, als wenn sie gegen die Menschheit gestimmt hätten.
Kalt sah Julian zum Meer hinaus, die Menschen hatten ihn bisher wenig interessiert, bis Tia in sein Leben trat, dessen Resultat nun der Schmerz in seinem Herzen war und der hass in seinen Augen, die mitansehen mussten was die Menschen taten, wie sie auf sie geschossen hatten und sie schlussendlich zu ihrer Endscheidung zwangen.
Einen Moment hatte Filice sich das Bild der vier Uhrgewalten einfach nur angesehen, dem tobenden Hintergrund der Klippe und die gefährliche Ernsthaftigkeit der Situation, als er schlussendlich auf sie zu gehen wollte, doch mit dem ersten Schritt den er setzte, Tia es mit ihm zusammen ebenfalls tat und aus seinen Schritt heraus weiter auf sie zu ging.
"Ich stimme ..." wollte Julian seine Endscheidung gerade offen legen, als Angelos Blick an ihm vorbei sich mit fassungsloser Erschrockenheit füllte und Julian seinen Blick gefolgt nun mit erschütterter Fassungslosigkeit in Tia ihr Gesicht rein sah.
Ein sanftes Lächeln war es was auf ihrem Gesicht lag, die ganze Erscheinung von diesem schimmernden Glanz umgeben, konnten alle sie deutlich vor sich stehen sehen, doch sahen ihre Augen auch die Instabilität ihrer Gestalt, welche ebenso transparent wie klar war, von allem um sie herum durchscheinend.
"Tia!" waren Julians Augen starr, ihr Lächeln veränderte sich nicht, die Sanftheit der Augen in die von Julian gerichtet, war es nur der letzte Gedanke von Tia, der sich durch die Kraft von Filce nun Julian zeigte.
"Tia!!!" wollte Julian auf sie zu, doch hielt Angelo ihn von ab
"Das was du dort siehst ist nichts weiter als eine plastisch ausgekleidete Erinnerung von der Macht des Todesengels an Tias letzten Moment, wie ein Echo was langsam verhallt!" vielen die Worte Angelo selbst schwer, doch es war die Wahrheit.
Die Augen mit diesem resignierend wirkenden Lächeln gesenkt, war es eine Träne, die über das Gesicht der Lichtgestallt lief, womit sie ihren letzten Wunsch aussprach, bevor ihre Existenz aus dieser Wirklichkeit verschwand
"Oh bitte, lass mich ihn wieder sehen, gib meinem Herzen bitte ein letztes Mal die Chance vielleicht doch glücklich zu werden!"
Mit wackeligen Augen sah Julian noch immer auf dem Punkt wo er Tia gerade noch stehen gesehen hatte, während ihre Stimme noch immer in seinem Ohr nach klang und ihre Worte in seinen Gedanken kreisten.
"Julian?" sah Jack ihn fordernd an, sie mussten nun das Urteil sprechen, egal wie bewegend der Moment auch gewesen war.
"Bevor du dein Urteil sprichst, solltest du Tias letzten Wunsch bedenken!" schritt Filice nun auf die Klippe zu. Kalt sah Julian den neuen Engel des Todes an.
"Willst du uns wieder in Menschliche Hüllen sperren, um das was so lang aufgeschoben wurde zu verhindern?" sah er ihn kalt an.
"Nein, ich werde denselben Fehler nicht begehen!"
"Sondern?" blieb Julians Blick kalt.
"Tias letzter Wunsch war es, als Mensch in diese Welt neu geboren werden zu können und all jene die ihr wichtig waren wieder zu begegnen, sie wünschte sich dir Julian in einem neuen Leben wieder zu begegnen!" versuchte Filice das Herz von Julian zu erreichen, von dem Angelo wusste wie schwarz und kalt es immer gewesen war, wo die Frage nun stand, wie stark Tia dieses eigentlich kohlen schwarze Herz erweicht hatte.
Durchdringende Stille beherrschte den Moment, in dem Julian Filice schweigend ansah, das Meer den Eindruck machte Geräuschlos gegen die Klippen zu schlagen, die Nacht sich langsam ihren Höhepunkt zu wandte und Tia in dieser Welt nicht mehr existierte.
"Die Menschen sind grausam, zerstören was sie fürchten ohne Gnade oder die Chance es kennen zu lernen!" sprach er Kalt, Filice wollte gerade was sagen, wessen Julians weitereden allerdings zuvor kam " Dennoch sind sie auch Gutherzig, lieben mit ganzen Herzen und ich weiß wie viel sie Tia bedeutet haben!" schloss Julian kurz die Augen und sah zu seinen Brüdern hin.
"Ich weiß was es bedeutet und was es mit sich bringt, doch wenn ihr ehrlich seid, hat jeder von euch das Leben als Mensch geliebt! Mit seinen guten wie auch schlechten Seiten!", verbissen sah Jack ihn an, bevor er schlussendlich die Augen ergeben schloss, den auch sein Leben bestand nicht nur aus Leid, sondern auch aus schönen Kindheitserfahrungen, Liebenden Eltern und die Erfahrung jemanden wirklich geliebt zu haben.
"Lasst uns dem Leben als Mensch eine erneute Chance geben und die Endscheidung vorerst noch in die Ferne legen!" öffnete er wieder seine Augen und sah Julian vielsagend an, der kurz zu Angelo sah und zu Frederik Lanske, welche ebenfalls zu nickten und dann wieder zu Filice.
"So soll es sein!" sprach dieser bestimmend und hob den Stab in seiner rechten Hand hoch und ließ Tias letzten Wunsch die Wirklichkeit erreichen.
Womit das Rad der Zeit sich erneut begann zu drehen, allerdings die Voraussetzungen diesmal nicht dieselben sein sollten.

-Das neue Leben-

"Tia aufstehen, los, du kommst zu spät!" schrie Silvia Williems hysterisch, als die Uhr schon kurz vor acht anzeigte.
"Was?" sprang die junge Dame entsetzt aus ihrem Bett und hastete mit ihren Sachen durch das Zimmer ins Bad hinein.
Lachend sah Silvia zur Uhr hin und streckte ihr die Zunge raus, da sie ganz genau wusste dass sie stehen geblieben war und Tia in Wirklichkeit genau rechtzeitig auf gestanden war.
Wie von nem Monster gejagt kam Tia aus dem Badezimmer gerannt und rief ihrer Mutter beim vorbei huschen an der Küche noch zu, das sie später mit zu einer Freundin gehen würde, wo sie auch schon das Haus verlassen hatte.
Mit voll Speed die Hauptstraße hoch gerannt, bog Tia die Straße zum Schultor ein, ohne vorher überhaupt um die Ecke geschaut zu haben und stieß als Resultat durch den Aufprall gegen einen anderen Schüler, gleich wieder zurück.
"Kannst du nicht aufpassen?" grollte eine männliche Stimme düster, das Gesicht zu einer erbosten Miene verzogen sah Tia auf und blickte in das schöne Gesicht eines Mitschülers hinein, allerdings nicht in das von irgendeinem
-Julian!!!- sprang sie direkt auf und jeder normale Verstand hätte ihr nun geraten schnellmöglich den Blick zu senken und endschuldigend weiter zu gehen. Doch nicht der von Tia
"Warum? Hast du keine Augen im Kopf?" trotzte sie stattdessen.
"Was hast du gesagt?" verengten sich seine Augen
"Nun auch noch taub?" setzte sie einen Schritt nach dem anderen zurück
"Sag das noch mal!" zogen sich seine Augen mit drohender Dunkelheit zusammen
"Was? Ob deine Augen nur Dekoration sind“ hatte sie den letzten Schritt den sie brauchte zurückgesetzt.
"Wag es dich!" drohte seine Stimme klanglos, Tia grinste
"Hat dir noch niemand gesagt das Fratzen ziehen unschön ist!"
"Du!!" hastete Julian zornig nach vorne, was Tias Stichwort war, womit sie synchron zu anderen Seite auswich und an ihm vorbei rannte.
"Morgen!" stieg Dimitrie gerade aus seinem Wagen aus, dem Raphael folgte, um mit dem Direktor über die Spende für die Schulbücherei zu sprechen, als Julian wie der Teufel an ihnen vorbei, Tia hinterher rannte, die durch das Schultor das Gebäude ansteuerte und Dimitrie dabei ebenso wie Raphael noch kurz zu wank.
Lächelnd sah Filice es mit an, ihr Wunsch war wirklich wahr geworden, sie war nun ein Mensch, das was sie sich immer sehnlich gewünscht hatte! Verschwand Filice wieder im Schein des Todes um diese Wirklichkeit zu verlassen.
Denn er hatte für sie alle die Zeit zurück gedreht, alles seinen neuen Anfang nehmen lassen, mit einem Unterschied, Tia war nicht nur ein Mensch, sondern ebenfalls ein Racheengel!
Wo das Rad des Schicksals sich erneut zu drehen begonnen hatte…

Ende-----






























 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.08.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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